Sonntag, den 8. Juli 1934
Bremer Zeitung
Nr. 1.86 Jahrgang IM
der Entente covdiale durchsetzen wird. Und was die öffentliche Meinung des Jnselreiches betrifft, so hat die von der Pariser Presse in allen Tonarten vorgetragene Behauptung, die „europäische Ariedens- sicherung" mittels jener französischen „Hilse- leistungspakte" liege im ureigenen Vorteil Englands, keine Durchschlagskraft gehabt. Der von Barthou geplante Südost Pakt zwischen der Songet-Union, der Kleinen Entente, Bulgarien, Griechenland, Italien und Frankreich berührt zwar Englands Mittelmeerinteressen, aber durchaus nicht in gleichlaufender Tendenz. Es scheint, daß der französische Außenminister, die britische Unbeirrbarkeit in letzter Minute in Rechnung stellend, sich in London hinsichtlich seiner kontinentalen Paktpolitik bereits gern mit einem passiven Gewährenlassen seitens Englands begnügen wird.
Andernteils weih Herr Barthou zu genau, welche (künstlich bis zum Alpdruck" gesteigerten) Sorgen Britannien auf dem Gebiet der Luftaufrüstung hat. Angestachelt nicht zuletzt von französischen Intriganten faselt man von Gefahren, die England zur Luft vom — Dritten Reich drohen sollen. So irrsinnig die Verdächtigung Deutschlands auch sein mag, die lügenhaften „Berichte" einzelner Londoner Blätter über die Niederschlagung der Röhm-Revolte schaffen eine Psychose, die das Lächerliche jener „deutschen Gefahr" nicht mehr erkennen läßt. Kein Wunder, wenn Frankreichs unermüdlicher Außenminister die Zeit zum mindesten für ein Desensiv-Abkommen der beiden Mächte in der Rüstung zur
Luft ausnutzen zu müssen glaubt! Ganz offen wird bereits der Plan besprochen, hinter der französischen Maginot-Linie Stützpunkte und Flugplätze für englische Luftstreitkräfte anzulegen. Frankreichs Angebot, die Luftsicherung Englands mit zu übernehmen, sowie die Versicherung, die sonderbare Verlobung zwischen Paris und Moskau nicht zur Ehe ausreifen zu lassen, — sollte damit, so mag sich Barthou fragen, in London nicht etwas Greifbares, ein begrenztes Abkommen wenigstens militärtechnischer Natur zu erreichen sein? Ein „unpolitisches" Abkommen, das immerhin als Vorläufer des jetzt noch nicht erreichbaren totalen Bündnisses gelten könnte?
Auch in dieser nicht leicht zu meisternden Situation wird sehr viel von der Haltung der englischen Kabmettsmitglieder abhängen, die in Uebereinstimmung mit dem von London abwesenden Premierminister Macdonald jede vertragsmäßige Bindung an Paris ablehnen. Daß Lord Hailsham alles versuchen wird, Barthou nicht mit leerer Aktentasche heimkehren zu lassen, liegt aus der Hand; andernteils wird man aber endgültige Beschlüsse von politischer Tragweite in diesem Augenblick schon wegen der offensichtlichen Abneigung des englischen Volkes, vorkriegsähnliche Experimente in Angriff zu nehmen, kaum fassen. Offiziell wird man „alle Frankreich und England gegenseitig interessierenden Fragen", behandeln, den Bericht Barthous über seine Balkanreise entgegennehmen und Verhandlungspunkte der kommenden Flottenkonferenz besprechen. Offiziell...
Die Giraßenkämpfe in Amsterdam
Neue Militärverstärkungen / Mobilisierung der Bürgerwehr
Amsterdam, 7. Juli.
In den Abendstunden des Freitag wiederholten sich an verschiedenen Stellen der Stadt die Ausschreitungen aufrührerischer Elemente. So wurde in der Spaardammer Straat ein Straßenbahnwagen umgeworfen und auf ihm die rote Flagge gehißt. An anderer Stelle wurde ein Straßenbahnzug zum Entgleisen gebracht.
Im nördlichen Stadtteil aus der anderen Seite des Amsterdamer Hafens, in dem eine Abteilung Marine-Infanterie Patrouillendienste ausführte, kam es im Laufe des Abends zu heftigen Straßen kämpfen zwischen einer zahlreichen Menge und der Polizei, die bald durch Militär- abteilungen verstärkt wurde. Sanitätsautomobile fuhren hin und her, um die Verwundeten zu bergen. Auch hier wurde aber am späten Abend der Widerstand gänzlich gebrochen. Da es noch in mehreren anderen Stadtteilen zu Zwischenfällen kam, wurde die Polizei überall durch Militärstreifen verstärkt. Seit Mitternacht beherrschten Militär und Polizei das Straßenbild vollkommen.
Bis zur ersten Morgenstunde des Sonnabends zählte man zwei Tote, elf Schwerverletzte und SO Leichtverletzte, von denen die meisten Krankenhäusern zugeführt werden mutzten. Etwa zehn Personen wurden als Rädelsführer oder wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt verhaftet. Auf Anordnung des Bürgermeisters wurde die Bürgerwehr alarmiert, die zur Bewachung
der öffentlichen Gebäude und Werke eingesetzt ist. Ferner wurde noch im Laufe des Abends eine Kompanie Infanterie aus Amersfoort nach Amsterdam dirigiert.
Sonnabend früh trafen weitere Truppenabtei- lungen in Amsterdam ein, die dem Vernehmen nach die Stärke eines Bataillons haben. Mit der Mobilisierung der etwa 4008 Mann betragenden Bürgerwehr wird fortgefahren. Die Behörden scheinen sich darauf vorzubereiten, daß die Unruhen auch noch die nächsten Tage fortdauern werden. Ministerpräsident Dr. Colijn und der Minister für Landesverteidigung Deckers haben sich nach Amsterdam begeben, um sich persönlich über die dortige Lage zu unterrichten.
Wie die Blätter melden, wurden gestern auch in anderen Städten des Landes, insbesondere im Haag und Haarlem und in der Verg- werksstadt Heerlen von kommunistischen Drahtziehern Versuche unternommen, Zwischenfälle hervorzurufen. Die Polizei war jedoch überall auf dem Posten und griff energisch durch, so daß es zu keinen ernsteren Zusammenstößen kam.
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Das Gebäude der kommunistischen Zeitung „de Tribuna" wurde am Sonnabendnachmittag von einer starken Polizeiabteilung beseht. Die Setz- und Druckmaschinen sind beschlagnahmt worden.
Schleichers Traum der Militärherrschast
Enthüllungen einer englischen Wochenschrift
London, 7. IuU. Die Wochenzeitschrift „News Statesman and Nation" veröffentlicht einen „Schleichers politischer Traum" iiber- schrkebenen Artikel eines Korrespondenten, „der in enger persönlicher Fühlung mit General von Schleicher gestanden hat". In diesem Artikel heißt es wörtlich: Drei Tage vor Schleichers Tod sprach ich in Paris mit einem Manne, der sein besonderes Vertrauen besaß. Dieser Mann sagte mir» Schleicher sei der festen Ansicht gewesen, daß jetzt die Zeit zum Handeln gekommen sei. Er legte mir die Lage dar und das, was er als Heilmittel ansah: Einen kurzen Zeitraum militärischer Herrschaft, und dann das soziale Reich.
Nach weiterer Aufzählung der außenpolitischen Punkte des Programms Schleichers fährt der Korrespondent fort: Schleicher hatte Fühlung mit einflußreichen fran
zösischen Staatsmännern gesucht und gefunden. Sein einziges Ersuchen — und dies war grundsätzlich zugestanden worden war die Rückerstattung einiger verlorener deutscher Kolonien. Der Korrespondent erwähnt, daß er auf die Frage: „Aber Hitler mutz doch wohl bekannt sein, was im Gange ist; haben Sie keine Angst für Schleicher?" vom Vertrauensmann Schleichers die Antwort erhielt: „Man wird nicht wagen, ihn anzurühren".
Hindenburg beglückwünscht Dr. Bumkc. Der Herr Reichspräsident hat dem Präsidenten des Reichsgerichtes Dr. Dr. h. c. Bumk« zu seinem 80. Geburtstag telegraphisch seine Glückwünsche ausgesprochen. Ebenso hat der Herr Reichsjustiz- minister Dr. Gärtner dem Präsidenten des Reichsgerichtes Dr. Bumke ein in herzlichen Worten gehaltenes Glückwunschschreiben zugehen lassen.
Musizieren vor unsichtbaren Luhörern
Alle vierzehn Tage Freitags: „Musik am Mittag im alten Rathaus zu Bremen".
Der Herr „aus Minka" — lies München! sah zu Anfang auch nicht mehr als alle anderen Fremden auch, die an diesem Tag zu dieser Stunde das alte Rathaus besichtigten: zweiunddreißig Feldstühle, davor zweiunddreißig Notenpulte, zwei Mikrophone, ein erhöhtes, über- mannsgroßes, und etwas weiter dem Osteingang der Halle zu, ein niedrigeres. Ja, und dann diese Kabel, die sich über die Fliesen winden. Aber was ist, für einen Zeitgenossen in Knickerbockers und Westover, schon an Kabelleitungen dran? Nichts, weder Unheimliches noch Geheimnisvolles, kein Quentlein Mystik und nicht ein Deut Wunderbares. Wir haben es uns abgewöhnt, uns über die Wunder der Technik zu wundern.
Der Herr aus München hatte bei den Schließern am Tor der Halle ein freundliches Verständnis dafür gefunden, daß er sich einen Tag Aufenthalt in Bremen zugegeben hatte, eigens zu dem Zweck, einmal zu sehen und zu hören, wie und vm allem wo das vor sich geht, was er daheim vor seinem Lautsprecher oft und, wie er begeistert versichert, immer wieder gern gehört hat: Musik am Mittag im alten Rathaus zu Bremen.
Also durfte er über die Führung und über den Rundgang hinaus eine kleine Weile dableiben, sich still und abseits halten und sehen und hören. Uebrigens: er war nicht der einzige mit diesem Anliegen. Es waren da noch eine Dame aus Lübeck und ein Student aus Breslau. Offenbar hatten sie es alle drei mit der Musik, die hier gemacht wird, alle vierzehn Tage Freitags.
Nun wird in Lübeck, in Breslau, in München gute Musik gemacht, kein Zweifel. Tagaus tagein erfüllen die Reichssender den abendlichen Himmel mit Musik, zum Zerplatzen viel sür Millionen Membrane in Millionen Empfangs
geräten. Aber diesen Dreien da war's um die Musik zu tun, die eben hier gemacht wird, die nicht besser zu sein braucht als die Musik die über andere Sender weht und verweht, die sich hören lassen kann, das steht fest, die indessen ein bißchen was Gewisses hat, weil sie aus dem alten Rathaus zu Bremen kommt. Jene Drei wären nämlich nicht die ersten Drei und die letzten Drei, die zur Besichtigung des alten Rathauses von fernher kommen und dann fragen: „Ist das nun hier oder wo ist das sonst, die Musik Freitags am Mittag im alten Rathaus zu Bremen . . ,?"
„Musik am Mittag im alten Rathaus zu Bremen . . .", ja, das ist hier in der unteren Halle. Da stehen schon die zweiunddreißig Feldstühle, davor zweiunddreißig Notenpulte, zwei Mikrophone und alles das, was sonst noch dazu gehört, mitten in der Halle, zwischen den beiden Reihen der Eichensäulen, die das Deckengebälk tragen. Daran ist weiter nichts. Drüben, am Osteingang der Halle, im Vorraum zur Festtreppe, hantiert Herr Ebert, der Betriebstechniker, an seinen Apparaten, die er vor sich auf einem Tisch aufgebaut hat. Hernach wird er hier seine Zeit absitzen, wird, angetan mit einem Kopfhörer, auf Dinge horchen, von denen sich unsereiner nichts träumen läßt. Hin und wieder wird er aus der Aktentasche zu seinen Füßen, die unscheinbarer ist als die eines diplomatischen Geheimkuriers, wahrhaftig einen ganzen Telephonapparat hervorzaubern, der ihn verbindet mit dem Senderaum des Bremer Senders, an diesem Apparat wird er hören und mal hineinsprechen, und im übrigen wird er ganz und gar und gewissermaßen zu den Kopfhörern gehören, er wird ein Teil von ihnen sein und immerzu, ohne Unterlaß, behext und besessen sozusagen, auf die
Die historischen Aufgaben der SA.
Rudolf Hetz: „Die Vartei wird in Zukunft in der SA
Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, gab nach Abschluß der Reichs- und Gauleiter- tagung in Flensburg dem Chef vom Dienst der bISll. Gelegenheit zu einer Unterredung, über die dieser folgendermaßen berichtet:
Die Unterredung, die in dem kleinen Hotelzimmer stattfindet, das der Stellvertreter des Führers in Flensburg bewohnte, beginnt damit, daß wir den Stellvertreter des Führers an den Artikel erinnern, den er im Januar dieses Jahres unter der Ueberschrift „SA. und Partei" veröffentlicht hat.
Wir begreifen erst heute die Worte, die Rudolf Heß damals schrieb, in ihrer vollen Bedeutung. Fast prophetisch klingen heute die Sätze, in denen er davon sprach, daß für die SA. oder sonstige Teilorganisationen der Partei
„heute und für künftige Zeiten nicht die geringste Notioendigkeit bestehe, ein eigenes Dasein zu führen. Es besteht keine Notwendigkeit — mehr noch, es wäre ein Schaden für die Gesamtheit, wenn sie ihren Eigennutz vor den Gemeinnutz der Partei stellten. Und die Billigung des Führers fänden sie niemals. Ebensowenig würden je die alten Kämpser — gleichgültig in welcher Untergliederung sie sich befänden, Verständnis hierfür aufbringen. Denn sie kämpften gemeinsam einen unerhört harten Kampf."
Rudolf Heß bemerkte zu dieser Erinnerung, daß in dem Artikel die ernste Sorge niedergelegt sei, mit der die Parteiführung den verhängnisvollen Weg, den die frühere Führung der SA. gegangen ist und der schließlich zum Versuch der Revolte geführt habe, verfolgt hat. Gerade als alter SA.-Mann und SA.-Fühver, als einer der ersten Verwundeten im Kampf für die Partei, habe er den Gang der Dinge mit ernster Besorgnis sich entwickeln sehen, insbesondere infolge der außerordentlich bedeutsamen Aufgaben, die die SA. innerhalb der Parier zu erfüllen hat.
Rudolf Heß spricht hier davon, daß die Partei auch in diesen Tagen der alten SA. aus der Zeit vor der Machtergreifung die gleiche Achtung entgegenbringt wie früher. Denn jeder Nationalsozialist wisse, was die SA. in den Zeiten des Kampfes geleistet und welche Opfer sie auf sich genommen hat. Es müsse dabei nur daran erinnert werden, daß die Hauptzahl der Toten der Bewegung aus den Reihen der SA. gefallen sind. Mit Nachdruck erklärt der Stellvertreter des Führers:
„Die Partei hat ihre alte SA. nicht vergessen. Sie weiß, daß der alte opferbereite kämpferische
sie früher in ihr gehabt hat"
SA.-Mann nichts mit den gewissenlosen Meute- rern an der Spitze der SA. zu tun hat. Ich werde als treuer SA.-Mann niemals zugeben, daß meine SA.-Kameraden von einst beschimpft oder herabgesetzt werden."
Rudolf Heß teilt dabei mit, daß er an alle Organisationen der Bewegung den strengsten Befehl gegeben hat, in keiner Weise der SA. entgelten zu lassen, was einige wenige Unverantwortliche an der Spitze verbrachen.
Eingehend befaßte sich nun der Stellvertreter des Führers mit den Aufgaben, die der SA. innerhalb der Partei gestellt sind. Er geht dabei von dem Pflichtenkreis aus, den die alte SA. in der Bewegung ausfüllte und erinnerte daran, daß es der ursprüngliche Sinn der SA. gewesen ist, die Bewegung zu untermauern, ihr Werkzeug und ihr Schutz gegen alle gegnerischen Bestrebungen zu sein. Wenn in der letzten Zeit diese Aufgaben durch die bisherige Führung gerade in ihr Gegenteil verkehrt worden seien, so sei heute die Zeit gekommen, in der dieses alte historische Verhältnis zwischen der SA. und der übrigen Partei wiederhergestellt werde.
„Es gilt heute, die SA. zurückzuführen aus ihre alten Aufgabe», in denen sie einst groß geworden ist, in denen sie sich ihren geschichtlichen Ruhm erworben hat. und in denen sie sür die nationalsozialistische Bewegung Ungeheures geleistet hat."
Rudolf Heß erinnert daran, daß es in der Zeit des Kampfes um die Macht keinen SA.-Mann gegeben habe, der nicht die nationalsozialistische Idee in sich trug und jedem Volksgenossen gegenüber vertreten konnte. Jeder, der damals das Braunhemd trug, ganz gleich welchem Glied der nationalsozialistischen Organisationen er angehörte, war ein Glied der nationalsozialistischen Kampfgemeinschaft, die in sich die Aufgaben verschieden verteilt, die aber gemeinsam hat den Weg und das Ziel. Die politische Führung der Partei hat die Richtlinien des Kampfes gegeben, sie hat die geistigen Waffen geschmiedet, mit denen die SA. draußen Schritt für Schritt Deutschland eroberte. Beide gehörten zusammen; die Arbeit der einen wäre sinnlos gewesen ohne die Arbeit der anderen. Die politische Führung war die weltanschauliche Kraftquelle der ganzen Bewegung, die SA. setzte
wieder das haben, was
diese innere Kraft in den Mtivismus nach außen um. Sie war der unüberwindliche Schutzwall der I gesamten Bewegung.
Die Erinnerung an dieses alte Verhältnis — so erklärt der Stellvertreter des Führers — M auch die Richtlinien für die kommenden Aufgaben der SA. in der Partei.
„Der SA.-Mann von morgen wird der Aktivist der nationalsozialistischen Weltanschauung sein, wie es der alte SA.-Mann seit je gewesen und bis heute geblieben ist. ;
Er muß seinen weltanschaulichen Katechismus ebenso im Kopfe haben, wie er zum aktiven ^ kämpferischen Einsatz für die Partei bereit ist. Er Z soll in seinem ganzen Leben und Handeln den Nationalsozialisten dokumentieren. Er soll so 5 Mitträger des nationalsozialistischen Gedanken- ' gutes gegenüber der kommenden Generation und zugleich ihr Vorbild sein."
Der junge Staatsbürger, der durch die erste nationalsozialistische Erziehungsperiode, die Hitler-Jugend, hindurchgegangen ist, soll in der SA. die letzte Härtung im Dienst a, der Bewegung erfahren, soll in ihr den Schmelztiegel finden, der gerade in den Lebensjahren, in denen sich früher die Gegensätze zwischen den Klassen bei den Menschen endgültig herausbildeten, das durch das Band der nationalsozialistischen Kameradschaft und der Opservereitschast mit der Volksgemeinschaft verbindet. Dazu wird die einheitliche politische Schulungsarbeit der Partei in Zukunft auch bei der SA. durchgeführt werden.
Die Partei — so erklärte Rudolf Heß zum Schluß — wird in der SA in Zukunft wieder das haben, was sie früher in ihr gehabt hat, ein machtvolles Instrument des Schutzes und der Kraft und dazu eine unersätzliche Menschenschule ihres Führernachwuchses.
Die Unterredung ist beendet. Sie hinterläßt den tiefen Eindruck, daß aus dem Zusammenbruch der Revolte von oben, die entstanden ist aus einem Geist, der mit der alten SA nicht das geringste gemein hatte, heute wieder das enge Varü» des gemeinsamen nationalsozialistischen Kampfes, der gemeinsamen Pflichterfüllung im Dienst der Bewegung und in der Gefolgschaft des Führers all« Glieder der Partei verbindet. Der 30. Juni 1934 wird so einmal in der Geschichte der Partei nicht etwa als der Tag des Endes, sondern als der Tag eines neuen historischen Beginns der alten SA verzeichnet sein.
Baiser' Kabinettsrat
Paris, 7. Juli.
Die Minister sind Sonnabendvormittag unter dem Vorsitz Doumergues am Quai d'Orsay zusammengetreten. Zu Beginn des Kabinettsrates hat Außenminister Louis Barthou über seine und des Kriegsmarineministers Piötri bevorstehende Reise nach London berichtet. Innenminister Sarraut hat dem Kabinettsrat über die Maßnahmen der Regierung für den 8. Juli in Paris berichtet. Die Gruppen, die beabsichtigen, einen Kranz am Grabe des unbekannten Soldaten niederzulegen, haben die geltenden Bestimmungen zu beachten, d. h. sich 300 Meter vom Triumphbogen zu versammeln und die Kranzniederlegung ohne Musik, ohne Gesang und ohne Ansprache vorzunehmen. Dasselbe gilt für die Gruppen, die das Ewige Feuer neu entfachen wollen. Im Hinblick auf die formelle Versicherung, die von den Veranstaltern über den friedfertigen Charakter der vorgesehenen Kundgebungen, abgegeben worden ist, hat die Regierung sich entschlossen, diese Kundgebungen nicht zu verbieten.
Presse-Betrachtungen
über den Besuch Barthous in London
London, 7. Juli.
Die „Times" nimmt am Sonnabend in ihrem Leitartikel zu dem bevorstehenden Besuch des französischen Außenministers Stellung. Weder die britische Regierung noch die britische öffentliche Meinung sei. so betont das Blatt, für irgendwelche Bündnisse zu haben. Bei dem augenblicklichen Zustand Europas könne kein Bündnis als rein defensiv angesehen' werden. Nach der Feststellung, daß Barthou zweifellos versuche, Sicherheit durch eine Wiederbelebung der politischen und militärischen Bündnisse zu suchen, bemerkt
kleine runde Scheibe an einem seiner Apparate starren. Auf dieser Scheibe tanzt dann nämlich wie verrückt und von der Tarantel gestochen eine Nadel um einen roten Strich inmitten einer Skala .... du liebe Zeit, wie sagt man's seinem Leser? Ungefähr so ist das wie der Eeschwin- digkeitsanzeiger des Autos, der auch in dauernder Bewegung ist. Hier aber tanzt die sonderbare Nadel im Rhythmus der Musik und gibt dem Betriebstechniker jeden kleinen Schallwellen- druck kund . . . wenn man sich's einfach machen will, wirft man einfach mit Fachausdrücken um sich, und alle diese Dinge hier verlieren ihren schönen Schein und Schimmer . . . indessen, komm du nur mit deiner Allgemeinbildung und mit deiner Note zwei, die hinter dem Fach für die Physik in deinem Abiturientenzeugnis steht und schick du deine Allgemeinbildung und deine gute Physiknote hier spazieren auf Herrn Eberts Tisch und du wirst sehen, daß sie sich heil- und haltlos verlaufen in dem Gewirr der Drähte und der Kästen. Die Theorie der Technik ist ein Ding für sich und das tägliche Tun der Techniker ist ein Ding für sich.
Inzwischen haben sich die Musikanten eingefun- den. Sie haben, nach der letzten Musterung auf der Durchsprechprobe hier im Saal eine Lunge voll Luft geschnappt, denn sie habe» anderthalb Stunden vor sich, da gibt es kein Pardon, kein Verpusten, keine Pause. Sie haben ein respektables Programm herunterzublascn, das ist kein Kinderspiel. Von ihren Hörern wissen sie nickt mehr als ein Hörer vom andern, heute sind es die Hörer des Reichssenders Hamburg und feiner Neben- sender, die der Reichssender Berlin und Königsberg und des Landessenders Danzig. Erlauchte Hörerschaft, das muß man sagen. Die Musiker ficht das nicht an. Sie kommen ohne Lompcn- und Rampenfieber, im Straßenanzug allesamt, zu Fuß, auf dem Fahrrad oder mit der Straßenbahn, Sie mache» es sich gemütlich auf ihren
das Blatt, es sei nicht genau bekannt, wieweit das neue Einvernehmen mit Rußland gehe. Es hätten vielleicht militärische Beratungen stattgefunden, vielleicht auch nicht. Aber alles in allem scheine eine Annäherung an Rußland erfolgt zu sein.
„Daily Herald" warnt erneut vor der Gefahr eines zu weiten britischen Eingehens auf die französischen Bündniswünsche. Das Blatt erkennt an, daß bis zum gegenwärtigen Augenblick keine
Rudolf Heß
spricht heute im Rundfunk
Berlin, 7. Juni.
Der Stellvertreter des Führers, Reichs- mmister Hetz, spricht am Sonntag, dem 8. Juli, in der Zeit von 15.36 Uhr bis 16.15 Uhr von Königsberg aus über alle Sender.
endgültige Entscheidung über eine Aenderung der Grundlagen der britischen Außenpolitik gefallen sei, sieht aber die Gefahr noch nicht für behoben an.
Paris, 7. Juli.
Im Hinblick auf die bevorstehende Londoner Reise Barthous warnt das „Echo de Paris" nochmals vor übertriebenen Hoffnungen oder übertriebenen Plänen. Barthou müsse sich hüten, in London irgendwelche Wünsche vorzubringen. Er müsse sich auf eine Darstellung der französischen Auffassung von der Lage beschränken. Nur die Ereignisse könnten das englische Volk bestimmen, aus seiner Isolierung und passiven Haltung herauszutreten.
Feldstühlen, soweit das möglich ist. Es hat keiner von ihnen seinen Abendanzug oder den Frack an. Es scheint, als soll hier alles sehr alltäglich und simpel und wie im Trott zugehen. Es ist nichts Feierliches in der Schar, kein Pathos, keine Geste, kein anspruchsvolles Getue und kein öliges Gehabe, Musiker sind sachliche Männer, wenn sie — gute Musiker sind und nicht Sonntagsjäger, die auf flinke Fermatenhasen Jagd machen oder einen Takt des Zusammenmusizierens in den Kessel zu treiben versuchen, bis es mal glückt.
Es ist ein warmer Tag heute, da zieht der erste Trompeter seinen Rock aus. O! O! Vielleicht sind der Dame aus Lübeck die Augen übergegangen. Vielleicht hat der Herr aus München für sich gewettert: „Scher di zum Teifi, Trompeter, maledeiter!" Was würde das wohl werden? Sind denn diese Musikanten, so wie sie sich da hingehauen haben auf ihren Feldstühlen, von allen guten Geistern der Frau Mustka verlassen? Fredo Niemann, ihr Dirigent, der sich draußen bei den Hörern einen Namen gemacht hat mit dieser seiner Mittagsmusik seit dem Pfingstfest vor drei Jahren, steigt jetzt auf eine umgekehrte alte Kiste, die vor seinem Notenpult steht, jawohl, und diese ausrangierte Kiste ist sein Dirigentenpodium! Hat man sowas schon gesehen? Egbert Delbrllck geht immer aus und ab in der Halle als wäre er nervös und langweile ihn der ganze Kram hier, die letzten Sekunden vor Beginn rollt und wickelt er buchstäblich mit seiner Programmanweisung aus und ab. Wann will er denn endlich an sein Mikrophon gehen und wann hören oiese Musikanten da auf mit ihrem Eetuschele und wann . . .
Da . - . .! Der Betriebstechniker hat Delbrllck ein Zeichen gegeben Delbrück flitzt wie ein Wiesel m, sein Mikrophon. Nun sagt er an. Jetzt fällt sein letztes Wort. Und wie es heraus ist, da sich auch schon der Einsatz am Dirigentenpült. Und alsbald ist die fidele Gesellschaft der Musikanten
Japans neues Kabinett
Tokio, 7. Juli.
Der Kaiser wird am Sonntagmittag das neue japanische Kabinett durch ein Dekret offiziell bestätigen. Das neue Kabinett wird als ein Kabinett der großen nationalen Koalition bezeichnet, es ist aber nach seiner Zusammensetzung ein reines Beamtenkabinett. Es setzt sich aus folgenden Persönlichkeiten, zusammen : Admiral Okada, Premierminister uV Minister für überseeische Angelegenheiten; Hi- rota, Minister für auswärtige Angelegenheiten; Goto, Minister des Innern; General Hayachi, Kriegsminister: Fujii, Finanzminister; Admiral Osumi, Minister für Flottenangelegenheickn/ Ohara, Justizminister; Matsuda. Unter:,M- minister, Machida, Handelsminister; Toko- n am i, Verkehrsminister; Pamazaki, Landwirtschaftsminister; llchida, Eisenbahnmimster.
Tagung der Arbeitsgausührer. Am Freitag, dem 6. Juli, traten in Berlin die Arbeitsgausührer des Arbeitsdienstes unter dem Vorsitz des Reich»- arbeitssllhrers Staatssekretärs Hier! zu einer Tagung zusammen.
Verlas aorl Diaok: Kiews? Lsltaos VerlesssessIlssNart w. b. 8 . VsrleserUrsktor: vr. Uartlo 8 s bs > Drswee. Sanptsodriktleitsr: Mrees Itaorr.
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U u r l 1 e e s s. kür VUrtsoilektspolitik, 8 aeael ant Kedikkekrt: Dr. 8 . 8 slllrlvd k-iedwsllv, kür Dreinisolies, LUsemelaes' llvü 8e1marbei1sne: 8 . 8 ü e ü rn e n o - R e i t 2: kür Drovler I. V.: ja. u. 8 e b m ' ü t; kür LnUllrpoUUK ullä Oetei- iieltans: r. V.: ^ r a. n 2 8 n 0 r r: kür 8 port: 8 urr ü e e s e; kür Lewesnns: 8 r an 2 8 ll 0 r r: siimOisa in Diemen.
Versntvvortliolier Lo 2 «issllI«Itsr: 8llrt L. 8sIn«, Dreiven. D.L.VI. 34: 33 397. lNür unverlangt eillSssaruNs alennslcrivte virü keine Osvvüür übsrnemmsv.
von einem Blitz aus heiterem Himmel gerührt und straff in Zucht und Zügel ihrer selbst. And wie sich die Halle füllt mit den Klängen des Huldigungsmarsches aus „Sigurd Jorsalfar" wie sich die Klänge überstürzen und im versteckteste» Winkel des an Ehren und Würden und Musiken reichen Raumes Unterschlupf suchen, wie der Schall gleich wolkenweise unter die Decke strömt und sich immer wieder bricht am Gebälk, wie 6 sich türmt und ballt und hinaufsteigt und übel uns die ganze Festhalle füllt, wie dieser verkable Taifun von Musik dort oben, im Festsaal, klare, in sich wohl gegliederte, ausgewogen« und vorzüglich gemischte Klanggllte ist bei dieser Akustik, wie man sie in einem beliebigen Dutzend der ausgezeichneten Konzertsäle in Deutschland nicht rvi-'-! derfindet, wie dieser Wasserfall und Riesenstrudek dieser Wirbelwind von Musik hier unten da! Mikrophone füllt, über die Stadtwage strömt urst über die Sender in den Aether und in die ist»' kennen und Lautsprecher, da sind diese zweiund' dreißig Musiker allesamt beseelt von einem eini' genden Tun.
Sie sind nur Musiker und Musikanten, sie S«' hören ihre» Instrumenten, ihrer Musik und rer Gemeinschaft des Musiziersns. Kein Publikum lenkt sie ab mit verstiegenen Wünschen und ^ -prllchen, Sie brauchen nicht zu mimen, sie dick"» hier sitzen und blasen, wie ihnen ums Herz >st Anzug und Haltung machen es nicht. Hier man auch io sitzen, wie man eigentlich sitzen wenn man sitzt: man darf es nicht in den Knanim muren. daß man sitzt. Hier auf seiner umgekehrt Kiste, einer Teekiste oder einer Kandiskiste odk einer Obstkiste. das ist- nun schon egal, kann ^ Fred» Niemann das Theater und die Freiübung- schenken, die die Leute nun doch mal sehen wollen, wenn sie einen Dirigenten bewundern sollen, -st" darf auch der Dirigent der Sache allein gest^
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