Ausgabe 
(30.12.1933) Nr. 352
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Nr. Z 52 / 4. Diei-trlja ftr

Fi-ancoiö-voncet bei Ehautemps

Bor der Absendung der französischen Denkschrift und neuen Besprechungen in Berlin

Paris, 2g. Dezember.

Ministerpräsident Chautemps, der heute abend Paris verläßt, um einige llrlaubstage in einem Winterkurort zu verbringen, empfing vormittags Botschafter Francois-Poncet, niit dem er-über das der Reichsregierung zu überreichende Memo­randum sprach. Wie man an zuständiger Stelle versichert, wird dieses Memorandum, an dessen Fertigstellung Außenminister Paul-Boncour gegenwärtig arbeitet, gleichzeitig auch den Re­gierungen von London und Rom sowie den übrigen an dem Abrüstungsproblem interessierten Kabinetten zur Kenntnis gebracht werden.

„Paris Soir" zufolge steht noch nicht fest, ob das französische Dokument die positiven Vorschläge der französischen Regierung enthalten wird. An­scheinend werde es sich darauf beschränken, festzu­stellen, daß die durch Francois-Poncet übermittel­ten deutschen Vorschläge unannehmbar seien, und den für Frankreich annehmbaren Verhandlungs­rahmen andeuten. Ueber den von Ministerpräsident Chautemps erwähnten Abrüstungsplan werde Botschafter Francois-Poncet wahrscheinlich Sem Reichskanzler mündlich Vorschläge unterbreiten.

„Intransigeant" meldet, der französische Bot­schafter werde am Sonnabend wahrscheinlich wie­der nach Berlin zurückkehren, um an den offiziellen Feierlichkeiten zum Jahreswechsel teilzunehmen.

Die Ueberreichung der Denkschrift werde in den ersten Tagen des neuen Jahres — etwa am 5. und 6. Januar — stattfinden, wenn der Führer aus Verchtesgaden zurückgekehrt sei.

Ftiebens-Dorschlag RovfeveltS

. Washington, ,29. Dezember.

Präsident Roosevelt hielt gestern abend eine große Rede, in der er darüber sprach, wie der Weltfrieden durch organisierte Kontrolle der Re­gierungen durch ihre Völker gesichert werden könnte. Der Präsident fuhr fort, die Zeit sei ge­kommen, um zu erklären, daß die endgültige Po­litik der Vereinigten Staaten von jetzt abgegen eine bewaffnete Jnvention sei. Der Völkerbund sei ein stützender Pfeiler im Bau des Weltfriedens geworden. Obwohl Amerika nicht die Absicht habe, Mitglied des Völkerbundes zu werden, lasse es ihm doch seine Mitarbeit zuteil werden bei jeder Sache, die nicht in erster Linie politisch ist und bei der offenbar die Ueberzeu­gungen und Wünsche der Völker der Welt zum Ausdruck kommen. Der Präsident fuhr fort: 90 H der Bevölkerung der Welt sind für Frieden in ihren Landesgrenzen und sind bereit, ihre bewaff­nete Macht weiter zu verringern, sofern jede an­dere Nation dasselbe tut Jede Nation mutz ihre Bereitschaft erklären, in wenigen Jahren und in größtem Matze jede Ossensivwasfe zu beseitigen und keine neue her­zustellen. Jede Nation mutz die Erklärung ab­geben, daß sie keinem Teile ihrer bewaffneten Macht erlauben wird, die eigenen Landesgrenzen zu überschreiten. Wenn ein solcher Vertrag von der Mehrheit der Nationen unterzeichnet ist mit der festen Zustimmung, daß er nur in Kraft tritt, wenn alle Nationen ihn unterzeichnet haben, dann werde es verhältnismäßig leicht fallen, fest­zustellen, welche Nationen bereit find, sich selbst als Angehörige der kleinen Minderheit zu kenn­zeichnen.

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-er Freien HanfestM vremen

Anzeigen-Teil: Hiesige je ww-Zeile 13 Rps.. auswärtige 17 Rpf: im Textteil hiesige 75 Rps.. auswärtia- 100 Rps. Klein-Anzeigen bis 2V mm. Familien-Anzeigen und Wohnungsmarkt bei Vorauszahlung 8 Rp>.. Stellengesuche 6 Rpf. Platzvorschriften ohne jede Verbindlichkeit. Alle sonstigen Bedingungen "ach '

Sprechzeit des Verlages und der Schriftleitung 16 bis 17 Uhr. / Schluß der Anzeigenannahme 16 Uhr^

Sonnabend, den 30. Dezember

Rumäniens Ministerpräsident er

Bukarest, den 29. Dezember

Ministerpräsident Duca fiel heute abend 10.20 Llhr osteuropäischer Zelt auf dem Bahn­hof Ginaja einem Attentat zum Opfer. Als er von einer längeren Audienz bei König Earot in den Zug steigen wollte, um nach Bukarest zurückzukehren, wurde er von einem Studenten durch vier Schüsse in den Kops niedergestreckt. Er war aus der Stelle tot. Sein Begleiter, der Ab­geordnete Dr. Eostinescu, wurde verletzt. Der Attentäter wurde festgenommen. Es steht noch nicht fest, welcher politischen Gruppe er angehört. Bisher weigerte er sich, nähere Angaben zu machen.

Der Tod des Ministerpräsidenten dürfte von weittragenden politischen Folgen sein. Er erfolgte gerade in einem für die innenpolitische Entwicklung Rumäniens sehr bedeutungsvollen Augenblick.

Rußland-China - Japan

Die Beziehungen Moskau-Berlin / Fernöstlicher Konflikt

Line Rebe MolotowS

Moskau, 29. Dezember.

Auf der am Donnerstag eröffneten ordentlichen Tagung des Zentralvollzugsausschusses der Sow- jet-llnion hielt der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare, Molotow, eine längere Rede über die außenpolitische und die wirtschaftliche Lage der Sowjet-Union. Zur Außenpolitik führte er u. a. aus: Der größte Erfolg der Außenpolitik des Rätebundes in diesem Jahr war die Wie­derherstellung der Beziehungen zu Amerika. Weiter stand im Mittelpunkt unserer Politik nach wie vor die Festigung des allgemei­nen Friedens, obwohl sich gegenwärtig immer mehr Anzeichen für den Ansbruch neuer impe­rialistischer Kriege häufen. So gab die sowjet- russische Abordnung auf der Abrüstungskonferenz in Eenf den . Anstoß zur Unterzeichnung eines Paktes über die Bezeichnung des Angreifers. Es folgten Abschlüsse mit einer Reihe von Nachbar­staaten und zwar mit Polen, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, der Tschechoslowa­kei, der Türkei, Persien und Afghanistan.

In den Beziehungen zu den einzelnen Staaten hat die Sowjetregierung stets die erprobten Grundsätze ihrer Friedenspolitik und der prak­tischen Zusammenarbeit verfolgt. Ein Beweis hierfür ist der Ausbau der sowjetrussischen Be­ziehungen zur Türkei. Ein weiterer Beweis ist die günstige Entwicklung der praktischen Zu- sammenarbeit der Sowjet-Union mit Frankreich. Die Reisen französischer führender Persönlichkeiten nach der Sowjet-Union sowie die persönliche Verbindung mit Vertretern Frankreichs geben uns die Ueberzeugung, daß unsere Zusammenarbeit mit Frankreich eine günstige Zukunft hat.

Die Beziehungen zu England waren in diesem Fahr zeitweilig zugespitzt. Aus begreiflichen Grün-, den hat die Sowjetregierung sich nicht abfinden

können mit den Versuchen der Ausübung eines Druckes von außen auf unsere innere Politik. Ge­genwärtig sind Verhandlungen mit England auf normaler Grundlage über den Abschluß eines Han­delsvertrages im Gange.

Dann kam Molotow au? die Beziehungen zu Deutschland zu sprechen. Er erklärte u. a.: Unsere Beziehungen zu Deutschland haben stets in der internationalen Lage eine besondere Rolle ge­spielt. Die Sowjetregierung bleibt ihren Grund­sätzen des Schutzes des allgemeinen Friedens und der Unabhängigkeit des Landes treu. Sie hat ihrerseits keine Ursache, die Politik gegenüber Deutschland zu ändern." Jedoch, so sagte Molotow, seien seitens der regierenden Gruppen Deutsch­lands im letzten Jahre Versuche znr Revision der Beziehungen zu der Sowjet-Union unternommen worden. Die Tendenzen dieser Art seien unschwer zu erkennen. Molotow suhr dann fort: „Eines ist für uns klar: Bis zur letzten Zeit waren die deutsch-russischen Beziehungen auf dem Bestreben zum Frieden und der Entwicklung der wirtschaft­lichen Beziehungen begründet. Diesen Grundsätzen bleiben wir auch jetzt treu. Nur in ihrer Durch­führung sehen wir die Möglichkeit zu einer politi­schen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der Sowjet-Union und Deutschland, einer Zusam­menarbeit im Interesse beider Länder und des all­gemeinen Friedens."

Ueber die Beziehungen zu Japan sagte Molotow u. a.: Einige japanische Zeitungen fo-

Dr. Goebbels spricht am Silvesterabend

Berlin, 29. Dezember. Neichsminister Dr. Goebbels spricht am Sonntag, dem 31. Dezember (Silvester), von 18,30 bis 18,48 Uhr über aNe deutschen Sen­der. —

wie einige offizielle japanische Persönlichkeiten verbreiten schmutzige Gerüchte über angebliche Absichten der Sowjetregierung. All dies geschieht natürlich nur zur Verschleierung der gegen die Sowjetregierung gerichteten Herausforderungen der eigenen Agenten. Die reaktionären Kreise Japans fürchten sich besonders davor, daß eine enge Zusammenarbeit zwischen solchen Ländern entsteht, wie die Sowjet-Union. Amerika und China. Sie selbst fördern jedoch eine solche Zu­sammenarbeit am meisten durch ihr Verhalten.

Wir habe» nicht Las Recht, die Augen vor einer Gefahr des Angriffs zu verschließen. Auch dieser Gefahr gegenüber besteht unsere Ausgabe darin, weiterhin unbeirrt unsere Friedenspolitik im Fernen Osten und die Politik der Besserung un­serer Beziehungen zu Japan zu verfolgen, gleich­artig uns aber aus alle Möglichkeiten eines Uebersalles vorzubereiten.

Molotow erwähnte schließlich den Austritt Ja­pans und Deutschlands aus dem Völkerbund. Wie verschieden die Gründe zum Austritt aus Sem Völkerbund auch seien, sei die Erundtatsache nicht zu verkennen, daß die Bedeutung dieser Schritte in Verbindung mit der allgeMeien Sache des Weltfriedens stehe.

Zum Schluß hob Molotow noch die Unterzeich­nung des Freundschaftsvertrages mit Italien her­vor und unterstrich noch einmal den unbedingten Friedenswillen der Sowjet-Union.

Der Ministerwechsel in Brasilien. Aus Rio de Janeiro wird gemeldet: Mit dem Außenminister Brasiliens ist auch der Finanzmiuister Oranha von seinem Amte zurückgetreten. Zu seinem Nach­folger ist der Präsident der Bank von Brasilien, Cosat, ausersehen.

Ziele und Gefolge des deutsche« Films

Gin wichtiger Baustein im Defüge unseres Kulturlebens

Wie oft haben wir in den dunklen Jahren, die hinter uns liegen und die wie ein ungewißer Traum in unserer Erinnerung stehen, uns ge­wissenhaft gefragt, welche Wege es geben könnte, dem deutschen kulturellen Loben, insonderheit dem Film, festen Untergrund, höhere Zielsetzung und stärkere Verbundenheit mit einer ab­geklärten Ethik und mit unserem

Volkstumzuverleihen!

Es gab Meilensteine, Ruhepunkte, wo wir rück­wärts schauten, um zu prüfen, wo wir uns be­fanden, wir wollten wieder einmal wissen, ob unser Kulturkampf vergeblich geführt oder ob der Einsatz vielfältiger Kraft sur die Rer- nigung des deutschen Films v?" sinnungsfremder Art Spuren hinterließ und ob das Wunderding Lichtspiel mit ftmer un­begrenzten Ausstrahlung in die Köpft und m d Herzen der Millionen heranreifte. d'° Ee ster auf tauifnderlei Art für deutsches n°t'°n°les und soziales Denken zu gewinnen »nb die Eemut-r mit dem Verlangen nach den unverlierbaren W rten zu erfüllen, die aus alten blutgebunde- li-n Tiefen unserer schöpferischen Kunst aufgestie-

Kämpfen war ein Bereiftem und -oo -- Erfolge

brachte, schuf es neue Gefolgschaft. Aber das,

worauf es ankam, die feindliche Front aufzurol­len, anstatt sie nur bald da bald dort einzudrük- ken', das konnte unserem Kulturkampf« um Film und Kino nicht glücken. Immer deutlicher wurde uns diese Gewißheit, .immer klarer stieg uns die Erkenntnis auf, daß wir mit jedem Zugeständ­nis falschoerstandener Duldsamkeit, mit jedem Halbpakt nicht aus Ziel gelangen konnten.

Die Forderung des Führers, der die ganze Macht verlangte oder keine, galt auch für uns, die wir nicht unmittelbar im politischen Ringen standen, und immer, wenn sich ein Anlaß in den letzten Jahren Lot, das Geleistete auf seine Schlagkraft hin abzuwägen, dann mutzten wir die unerbittliche Wahrheit sehen, daß all unser Stre­ben und Streiten um die Erneuerung des deut­schen Films nur eine das Wissen, die Erfahrung, den Blick schärfende Uebung sein konnte, denn dieser Film war auch nichts anderes als das Er­gebnis eines Verfalls der Gesinnung und der künstlerischen Kräfte.

Es erwies sich als unmöglich, zu glauben, daß der Film aus dem Eesiige unseres Kultur­lebens herausgelöst und allein auf bessere Bahnen gebracht und für hohe Aufgaben fähig gemacht werden könnte. Auch er war und konnte nur sein der Ausdruck der vorherrschenden Denk­art, und an ihm das große Werk der Reform zum Siege zu führen, hieß die Götzen einer wurzel­losen Weltanschauung, einer in nichts orga­

nisch gerichteten Kulturpolitik und einer in allen Dingen lebensfremden Wirtschaftsgestaltung zer­schlagen, um erst auf der Grundlage neu frei- gewordener Kräfte auch dem Film die Wege für seine kulturelle und staatspolitische Sendung zu Lahnen.

Auch der Kulturkampf, den es auszufechten galt, verlangte ganze Arbeit, denn die Zerstörung hatte in vielen Jahren — schon weit vor dem Kriege — sich zu tief eingefressen, als daß noch die mutige Kraftprobe, das anfeuernde Gegen­beispiel, allein hätten ausreichen können, dem unverbrauchten deutschen Bewußtsein und einem gefestigten Kulturguts ein langsam wachsendes Uebergewicht zu sichern.

Es ist hier wicht der Raum, die Geschichte vom sinkenden Sterne des deutschen Menschen und fei­ner Klfttur zu schreiben, es mutz genügen, uns daran zu erinnern, daß zersetzende Kräfte das deutsche Leben auf allen Gebieten von seiner Bestimmung abgedrängt hatten, und daß die demagogischen Reizmittel einer zügellosen, dem Augenblicke ergebenen, organische Gebundenheit leugnenden Lebensart tief in den deutschen Volkskörper eingedrungen waren.

Dem^Film ist ein neues Haus ge­baut. Er ist fest in die Hand genommen wor­den. und was an Vorarbeit geleistet war, was an brauchbarem Rüstzeug und an tragfähigen Grundsteinen Verwendung finden konnte, ist mit eingesetzt worden. Seien wir ehrlich: es war nicht viel. denn gerade hier war die lieb er­wacht einer kulturpolitisch höchst ge­fährlichen und unermüdlich tätigen

Schicht am Werke, auf dem Wege über den Film nationaler Selbstbehauptung in den Arm zu fallen, den Ausgleich der Klassengegensätze zu verhindern, Unternehmer und Arbeiter gegen­einander zu treiben, das Autoritätsgefühl wo auch immer zu unterhöhlen, dem religiösen Den­ken Abbruch zu tun, eine verinnerlichte Kunst zu Gunsten einer ungesunden Erotik und der Sucht nach äußerlichen Effekten zurückzudrängen und nirgends das große Ideal des Vaterlandes und des Volkstumes als die ewigen Kraftspeicher nationaler Weltanschauung — im eigentlich politischen wie im kulturellen Sinne — auf­kommen zu lassen.

Aber der deutsche Film hat nicht nur «in neues Haus, er ist nicht allein in der engen Verknüp­fung seiner Arbeitsgänge durch eine wohldurch­dachte ständische Ordnung aufgefrischt uich nach klaren, großen Richtlinien mit hineingeführt in den Wandel der deutschen Zielsetzung, er ist auch von schädlichen Einflüssen befreit worden, die ihm fest im Fleische saßen, und man hat ihm einen neuen gewissen Geist gegeben, keinen eng­umgrenzten, keinen, dem Regsamkeit verboten und Freiheit nicht erlaubt wäre. Aber eines muß sich dieser Geist bewahren, was er auch be­ginnen möge: er muß dem Film eine innere Beziehung zum echten Leben sichern und muß ihn davor schützen, daß er die Form über den Inhalt stellt. Es liegt tief im deutschen Weftn begründet, daß die reine Impression noch nicht alles ist, solange sie nicht zum Sinn der Dinge vordingt.

Wir haben auch schon Filme erlebt, die mehr als nur eine Verheißung waren, weil

Einzelpreis 15 Rpf.

Ein gerechtes Urteil

Von Heinz-Hugo Krische

Die Große Strafkammer in Bremen verurteilte gestern die angeklagten Vrii- der Lahusen zu hohen Gefängnisstrafen. G. Carl Lahusen erhielt S Jahre Ge­fängnis und 5Ü V0V Mark Geldstrafe, Heinz Lahusen 2 Jahre und 9 Monate Gefängnis und 20VÜÜ Mark Geldstrafe. (Ausführlicher Bericht im Innern des Blattes.)

Gestern hat ein deutsches Gericht den Stab über zwei Männer gebrochen, die lange Zeit als repräsentative Vertreter der bremischen Wirtschaft galten.

Diese Männer, von denen der eine bis zum Zusammenbruch der Nordwolle das höchste, durch die bremische Kaufmannschaft zu ver­gebende Ehrenamt, das Präsidium der Han­delskammer, inne hatte, wurden nicht nur von den im Verlauf der Verhandlung ver­nommenen Zeugen als Lügner und Betrüger bezeichnet, sondern auch von einem Gerichts­hof, der in viermonatiger, bis in die kleinsten Einzelheiten vordringender Verhandlung die Frage nach Schuld oder Unschuld geprüft hat, des Konkursvergehens, der Bilanzfälschung und der Untreue für schuldig befunden.

Mit diesem Urteilsspruch ist, unbeschadet einer sicher zu erwartenden Revisionsver­handlung vor dem Reichsgericht, ein Schluß­strich gezogen morden unter eines der trau­rigsten Kapitel bremischer Wirtschafts­geschichte, wenigstens, soweit es unter die Paragraphen des Strafgesetzbuches fällt. Mit diesem Urteilsfpruch ist aber auch von zwei Männern, die es immer verstanden haben, ihren Namen und ihre Stellung mit einem Nimbus der Ehrenhaftigkeit, der Unangreis- barkeit und Wohlanständigkeit zu umgeben, die das wahre Gesicht verhüllende Tarnkappe persönlicher Propaganda und Reklame für die eigene Schuldlosigkeit vöm Kopfe gerissen worden.

Die Parole und der Ausweg aller Diebe, haltet den Dieb, hat sich vor einem deutschen Gericht wieder einmal als unwirksam erwie­sen. Denn ebenso, wie die ausländische Presse in ihren Kommentaren zum Reichstagsbrand­stifterprozeß das Zitat, es gibt noch Richter in Berlin, häufig anwandte, ebenso kann heute die bremische und die deutsche Öffent­lichkeit feststellen, es gibt noch Richter in der alten Hansestadt Bremen, die, ohne Ansehen der Person, nur in gerechter Beurteilung des Tatbestandes Urteile zu fällen vermögen, die dem gesunden Rechtsempfinden des national­sozialistisch gesinnten deutschen Volkes ent­sprechen.

Leicht haben die Angeklagten dem Gericht diese höchste Aufgabe der Wahrheitsfindung nicht gemacht. Man erinnere sich an die dauernden Beeinflussungsversuche der öffent­lichen Meinung, man erinnere sich an das Störungsfeuer, das die Angeklagten durch Mittels- und Hintermänner bis in die Stel­lungen der Reichsregierung zu tragen ver­suchten, um die gerechte und sachliche Durch­führung der Voruntersuchung zu sabotieren. Man erinnere sich daran, mit wie unglaub­haften Ausreden die Angeklagten noch wäh­rend der Hauptverhandlung ihren verbreche­rischen Handlungen ehrenhafte Motive zu­grunde legen wollten. Tann aber vergegen­wärtige man sich, wie schwer es für das Ge­

ste unverkennbar aus einer regen Bereitschaft und Befähigung aufstiegen, die deutsche Film­kunst ihrer national-kulturellen Ausgabe zuzu­führen. Aber die Hemmungen, die sich auf Schritt und Tritt bemerkbar machen, ein Zeitalter von innen heraus zu überwinden und das Kultur- bild neu zu formen, würden nicht bestehen, wenn das, was wir aufbauen wollen, nicht Zeit zum Wachstum brauchte

Es kann uns weder entmutigen, noch betrü­ben, daß mit dem sieghaften Bekenntnis des deutschen Volkes zum Nationalsozialismus der neue Staat, das gewandelte geistige, politische, kulturelle, künstlerische und wirtschaftliche Leben noch nicht aus dem Boden gestampft war. sehen den Weg, der zu gehen ebenso klar vor uns wie die Straße der Vergangenheit alle die Jahre her scharf und deutlich vor unserem Bewußtsein gestanden hat.

Gerade in diesen Tagen, wo ein Jahr sich dem Ende zuneigt und noch der Lichterglanz eines Weihnachten der Erfüllung, der Zuversicht und der Heimkehr des Friedens ins deutsche Leben in unseren Herzen leuchtet, lenkt ein kurzer Blick in die Vergangenheit unseren Sinn auf das, was bis heute erreicht werden konnte, und wendet ihn hin auf die weitgesteckten Ziele, die auch den deutschen Film an das deutsche Schicksal binden.

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