Ausgabe 
(22.12.1933) Nr. 346
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Nr. 346 / 4. Vierteljahr g

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Außenpolitische Debatte im englischen Unterhaus

Simon will sich nicht festlegen

Ehamberlain: Londoner Reichötagsbranbftister-Scheinprozeß eine Unverschämtheit

London, 21. Dezember.

Fm Unterhaus gab es heute eine Aussprache über die auswärtigen Angelegenheiten. Der stell­vertretende Führer der Opposition, Attlee, ver­langt« Auskunft über die Haltung der Regierung in der Frage der Wiederaufrüstung, be- tress« sie Deutschland oder Großbritannien.

Attlee erklärte, daß dre englische Arbeiterpar­tei sich jeder Art von Aufrüstung widersetze. Der Liberale Bernays wandte sich, gleich dem Vorredner, entschieden gegen Mussolinis Völker- Lundsreformvorschläge und forderte eine Erklä­rung der Regierung, daß sie eine solche Reform ablehne. In der Abrüstungsfrage verlangte er als Hauptgrundlage der Sicherheit eine wirkliche lleb e r wachung der Rüstungen durch eine internationale Autorität. Sir Edward Erigg erklärte, in Deutschland werde das zerschlagene Nibelungenschwert wieder geschmiedet, und zwar sehr rasch. Er befürwortete letzteres.

Der - Nationalliberale Mabane bemerkte, nach der ersten deutschfeindlichen Reaktion auf den Austritt Deutschlands aus dem , Völkerbund sei die Auffassung in England jetzt, daß Deutsch­land nicht gerecht behandelt worden sei. Das, engtische Volk wünsche nicht, daß die Regierung eine frankreichfreundliche Politik ver­folge, sondern eine revisionistische.

Nachdem dxr franzosenfreundliche General Spears für ein Zusammengehen Englands mit Frankreich eingetreten war, ergriff der Staats­sekretär des Aeußern, Sir John Simon, das Wort. Er betonte, daß der gegenwärtige Augen- blickt nicht geeignet sei. um wichtige Erklärungen abzugeben. Zu den Besprechungen, die nach dem Austritt Deutschlands aus der Abrüstungskonfe­renz stattgefunden haben, bemerkte Simon, das Wichtigste sei, daß Reichskanzler Hitler einige öffentliche Erklärungen abgegeben habe. Hitler habe gesagt, es würde von größter Wichtigkett sein, wenn die beiden Nationen Deutschland und Frankreich ein für allemal den Gebrauch der Ge­walt aus ihrem gemeinsamen Leben verbannen könnten, und daß keine territorialen Konflikte zwischen den beiden Ländern bestehen, soweit Deutschland in Betracht komme, nachdem das Saargebiet zurückgegeben sein werde.

Die britifche Regierung halte es für notwendig, ihr Aeußerstes zu tu», um die Lage zu Laren. Hitler habe Vorschläge gemacht, die sicher den Zweck verfolgten, eine Anregung für Nichtan­griffspakte mit seinen Nachbarn darzustellen.

Diese Vorschläge beschränkten sich nicht auf einen besonderen Nachbarn. Die britische Regie­rung habe sehr vorsichtig zum Ausdruck ge­bracht, daß sie nicht die Verpflichtungen vergessen hat, die auf den Mitgliedern des Völkerbundes ruhen.

Sir John Simon erklärte, angesichts der gegen­wärtigen Lage müsse jeder vernünftige Mensch vorsichtig sein. Er teilte mit, er werde heute nach­mittag mit dem französischen Außenminister zu­sammentreffen Es sei äußerst wichtig, daß Eng­land und Frankreich so eng wie möglich zusam­menkamen, um die Frage zu klären, wie sich der von der deutschen Regierung unterbreitete Vor­schlag zur Politik des Völkerbundes und zu den Anforderungen der Nachbarn Deutschlands ver­hält. Die Ergebnisse der verschiedenen Nachfor­schungen müßten gesammelt werden Simon fuhr fort, die britische Regierung wolle von dem System internationaler Vereinbarungen nicht zu Gunsten einer Erörterung zwischen zwei Mächten abweichen. Er habe das Stadium eines Gedankenaustausches zwischen zwei Mächte» nie anders anaeseben denn als ein primäres oder Zwischenstadium. Außerdem bestehe Grund zu der Auuahme, daß die Mitteilung des Reichskanzlers nicht nur an den britischen Botschafter, sondern auch an die französische Regierung und sicherlich auch an andere Regierungen gerichtet gewesen sei. Er habe keine übertriebenen Hoffnungen^ aber er hoffe doch, daß bis zum Wiederzusammentritt des Unterhauses die britische Regierung in der Lage sei, dem Hause bestimmtere Informationen über das Ergebnis des Meinungsaustausches zu geben. Der Reichskanzler habe soviel Nachdruck auf Ver­einbarungen gelegt, die die Sicherheit fördern

sollten, daß die Annahme gestattet sei, die Sicher­heitsfrage schwebe uiM nur England, sondern auch anderen verantwortlichen Ländern vor. Die deutsche Regierung sei, wie er annehme, von ihrem allgemeine« Standpunkt, bereit, die Schaf- funa einer internationalen Inspektion und Kon­trolle mit Bezug aus die Rüstungen aller Länder anzunehme«.

Bei den Erörterungen sei eine Art auto­matischer und periodischer Kontrolle, die allgemein zur Anwendung gebracht werden würde, in Aus­sicht genommen worden. Man müsse sich leider fragen, ob der Plan allgemein angenommen werde, wenn man an Japan und andere Län­der denke. Man müsse der Tatsache Rechnung tragen, daß eine Grenze vorhanden !ei, bis zu der England höchstens gehen könne. Das End­ergebnis sei nicht durch individuelle oder ein­seitige Erklärungen, sondern nur durch Verein­barungen zwischen allen Staate» zu erreichen. Man dürfe den Völkerbund nicht in Stücke reißen, wenn man nicht sicher sei, daß man etwas Besseres an seine Stelle zu setzen habe. Positive Abänderungsvorschläge zur Völkerbundsatzung leien von keiner Seite gemacht worden. Die britische Regierung sei dem Frieden aufrichtig ergeben, unterstütze den Völkerbund und wünsche, internatumale Vereinbarungen zu

fördern. Die Verhandlungen mit Ruß­land seienendgültig ermutigend".

Sir Austen Ehamberlain, der nach Simon Las Wort ergriss, trat in der schärfsten Weise gegen den Londoner Schernprozeß im Zu­sammenhang mit dem Reichstagsbrand aus. Die Regierungsbänke stimmten ihm lebhaft zu, als er diesen Vorgang als eine Unverschämtheit gegen ein befreundetes Land be­zeichnete. Sodann sagt« Camberlain man bütte die Völkerbundssatzung nicht für sakrosankt halten.

Doch dürfe die Regierung an keiner Abänderung der Völkerbundssatzung teilnehmen, die nicht den Zweck verfolge, den Völkerbund stärker zu machen. Auch derVertrag v on V e r I a i l l e s i e i keineswegs ein Werk übermensch­licher Weisheit. Aber die revisionistischen Mächte dürfte» nicht versuchen, die Eesamtlage umzustürzen.

Zum Schluß nannte Sir Allsten Ehamberlain die Rede des deutschen Reichskanzlers zur Außen­politik eine vollkommen aufrichtige Erklärung.

Mit der Rede Chamberlains wurde die Debatte beendet. Das Unterhaus vertagte sich bis 20. Januar.

Außenminister Sir John Simon ist nach Paris abgereist. (Siehe auch Seite 2.)

Balkan-Gegensätze

(Von unserem Berichterstatter)

Sofia, 21. Dezember.

Vor einem halben Jahrhundert praßte Lord Gladstone das SchlagwortMazedonien den Mazedoniern", als es galt, die europä­ische Türkei zu zerschlagen. Es entstanden nacheinander auf der südöstlichen Halbinsel Europas fünf Balkanstaaten, auchdie Türkei behielt einen Geländezipfel Mazedonien aber wurde nicht geschaffen, sondern blieb unter Bulgarien, Griechenland und Serbien aufgeteilt. Die selbständigen Balkanstaaten wurden Spielzeuge in den Händen der Groß­mächte. Natürlich haben die Balkanvölker mit der Zeit erkannt, daß sie niemals Herren ihres eigenen Geschickes waren. Sie wissen auch heute, daß der Balkan von Paris. Rom und Moskau ausbefriedet",durchdrungen" oder auch aufgevutscht wird. Zugegeben wird diese Bevormundung, die heute Anleihen und politische Baktsicherungen" bringt und mor­gen zum Kriege führt, keinesfalls im Ge­genteil. beute liest man in der Balkanpresse, daß diese Staaten entschlossen seien, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Der Balkan den Balkanvölkern" die­ses Schlagwort ließe sich verwirklichen, wenn das Jahr 1918 die Halbinsel nicht in zwei Lager gespalten hätte: in das der Sieger Juooslawien. Griechenland und Rumänien und das des besiegten Bulgarien, das den geographischen Mittelpunkt innehat, zwei Millionen Volksgenossen als Minderheiten unter Fremdherrschaft hat, an allen vier Ecken Gebietsverluste ertragen mußte und somit Großgigubiaer seiner Nachbarn ist. Da­mit gebärt Bulgarien in die Front der Revisionsstaaten.

Es betreibt seine Revisionsvolitik aller­dings auk eigene Weise. obne äußere Anleh­nung an Jtal'en oder Ungarn und hütet sich auch beut» noch sorgfältig Schritte zu unter­nehmen. die ibm als Fortsetzung der Bundes- oenossknsckaft mit Deutschland ausgelegt werden bannten. Dennoch gebärt die Revision d->s Diktates van Neuilln zum poli­tischen G'auben--b»kenntnis ieder bulgari­schen Nortel. und d»r neue irische Wind der durch E'"-nna streicht übt s»!ne gesunde krsis- tiopnde anttbi'no auch in Bulagrien aus. Ban einem Reniüonskrieg w'll in Bulgarien nie­mand etwas wissen die Rotion ist abgekämpft und onsoos-mon ont'psikknet nnd fp!rts-bgkt(sch Kntm^not. Unablässig betont man dober in Safta Friedensliebe und den Wunsch, ante ,,nd freundschaftliche Behebungen zu allen Startt-m g"ch den siooreichen Nachbarn zu unterbolten Wos man dort gerne aebört bätte. eine end-"">tt!oe Berhchtlm!tna Bul­gariens n>>s keine Bohustp oni besten durch »ine Borttärkuna t>ea Diktates non Nechlly bnreb ?m--!c>rnok^o <Ni,l>->or?ens mit ?ed->m sei­ner Nachbarn, das bekam man allerdings nicht zu kören.

Biolmebr bot die Sofioter Regierung in den selten Monoton noslkommen eindeutig "nd miedorbott ertzkört. Buloorien bsleisige nch nicht on der sinnlosen Bobfmnonso" des Robon sNgoris w»der om Londoner Ostvgkt, noch on einem Bolkonloeorna oder on enwm a-'",',sornobt oder an der ft">rb?sch- "rioch'ichen Spion*,> oder oar an der Kleinen Entente. So niel Bearllie so viel Bor-

Evangelische Lugen- wird eingegliedert

Ihre neuen Aufgaben in der Hitler-Jugend

Berlin, 21. Dezember.

Es ist nunmehr ein Abkommen über die Ein­gliederung der evangelischen Jugend in die Hitler-Jugend getroffen worden, das folgenden Wortlaut hat:

Das Evangelische Jugendwerk erkennt die ein­heitliche staatspolitische Erziehung der deutschen Jugend durch den nationalsozialistischen Staat und die Hitler-Jugend als Träger der Staats­idee an. Die Jugendlichen des Evangelischen Jugendwerkes unter 18 Jahren werden in die Hitler-Jugend und ihre Untergliederungen ein­gegliedert. Wer nickt Mitglied der Hitler-Jugend wird. kann sürderhin innerhalb dieser Alters­stufen nicht Mitglied des Evangelischen Jugend­werkes sein.

Geländesportliche (einschließlich turnerische und sportliches und staatspolitische Erziehung wird bis znm 18. Lebensjahre nur in der Hitler-Jugend getätigt.

Die gesamten Mitglieder des Evangelischen Jugendwerkes tragen entsprechend ihrer Zugehö­rigkeit zur Hitler-Jugend den Dienstanzug der Hitler-Jugend

An zwei Nachmittaaen in der Woche und an zwei Sonntagen im Monat bleibt dem Evange­

lischen Jugendwerk die volle Freiheit seiner Be- tätigung in erzieherischer und kirchlicher Hinsicht mit Ausnahme der obengenannten Betätigung An diesen Tagen werden, wenn nötig, die Mit­glieder jeweils von »er anderen Organisation beurlaubt Für he Mitglieder des Evangelischen Jugendwerkes wird der Dienst in der Hitler- Jugend ebenfalls auf zwei Wochentage und zwei Sonntage im Monat beschränkt Außerdem wird für die evangelische Lebens- aestaltunq und die evangelische Jugenderziehung durch volksmissionarische Kurse uick> Lager den Mitgliedern des Evangelischen Jugendwerkes vom Dienst in der Hitler-Jugend ein entsprechen­der Urlaub erteilt.

Der Jugendsührer des Deutschen Reiches: gez. Baldur von Schirach gez. Ludwig Müller. Reichsbischof *

Die Pressestelle des Reicksbisckoss und des Jugendtührers des- Deutschen Reickes geben eine Mitteilung heraus, in der es heißt:

Die Arbeit der evangelischen Jugend darf sich beute wieder auf ihr eigentliches Gebiet, die inoendgemäße Verkündigung des Evangeliums beschränken. Sport Unterhaltung, kulturelle Ver­

anstaltungen usw. beeinträchtigen nicht mehr, wie in dem marxistisch-liberalen Staat, die Ver­kündigung des Evangeliums unter der Jugend Mit um so größerer' Gläubigkeit kann sich die evangelische Jugend, auf diese nunmehr von der Hitler-Jugend übernommenen Aufgaben ver­zichtend, die für sie nur eine Belastung waren. iem einzig ibr beiablenen Auftrag die Batichatt Christi in die Jugend zu tragen hingeben. Durch bitte» gemeinsamen Schritt des Reichsbiichofs und des Reicks'vaendllibrers werden alle Gerüchte end­gültig widerlegt.

Mit einem Schlage treten mehr als eine halbe Million deutscher Jungen und Mädel in die Reiben der nationalsozialistischen Jugend. Es wird damit die Ani-mbe der bisherigen organi­sierten evangelischen Jugend zu einem Auftrag der Kirche, nunmehr in neuen Formen und Möglich­keiten der gesamten evangelischen Jnaend zu die­nen Andererseits ist die einheitliche Erziehung der deutschen Jugend durch den nationalsozialistischen Staat und damit durch die Hitler-Jugend als die Träaerin der Staatsidee durch die evangelische Kirche anerkannt. Die Hitler-Juaend grüßt die neuen Kameraden als Mitstreiter für die Einheit der deutschen Jugend und damit der kommenden Generation

Jul und Wett, nacht in Ost nnd West

Don Egon von Rapherv

Wenn das Julfest kommt, ist Hausvaters erste Sorge, einen ..Tannebaum" zu besorgen. Daß dieseTanne" aber meist eine Fichte ist und daß der echte, «»germanische Grünschmuck von Fichten stammte, ist nur wenigen bekannt. Kleines Tischbäumchen oder großer Fichtenbaum einerlei: es gibt keinen schöneren Schmuck, als den Weibnachtsbaum. Wo Lichter flammen am grünen Baum, ist Platz für Gemüt und Gemüt­lichkeit - kein Familienfest gleicht dem deutschen Weihnachten an Schönheit und Innigkeit

Die schöne Sitte des Weihnachtsfestes ist durch­aus nicht'.christlich"' das Julfest ist weiter nichts als das Fest der Wintersonnenwende und nickt nur altaermanisck sondern auch altslawisch und »eck bei vielen anderen Völkern bekannt Das W'nters->nnen"-endsest war das Fest der Göttin Fr-vg, der ,J»le". gleichzeitig aber Balders F-ockftst- die" Dunkelheit nimmt seist ab. die Tao- werden wieder länger, und der Mondkeiler der Winternacht ward von Balders Sonne ver­schlungen. Darum schmück* man Hans und Hm mft d-m Immergrün der F'ckte im Geb'rae aber der ^anng m»n iaate den Keiler und briei ihn ,n fttt'^m J'llwab'e man tantte allerhand Rtt-u-nnd -".trank dann immer nock eins"...

Es ist iinsterem Mönckskum des Mttteiaiters nickt geglückt, die herrliche, alt« Julsitte auszu­rotten schlau machte man das Julfest zu .christ­lichem Weihnachten" und .zum Geburtstage Christi. wie man ja auch das Ostarosest zu

Osstern" und Passionszeit machte und die Som­mersonnenwende zumJohannisfest".

In germanischen Ländern besonders in Schweden, im Va'tikum. auch in vielen Teilen Deutschlands ist die alte Sitte des Schinken- essens oder Schweinskopfessens beibehalten war-, den. Der wob'aesalzene und geräucherte Hinter- ,'chinken oder Koch des Hausschweinchens muß allerdinas den Keiler ersetzen In vielen Gegen­den Deutschlands hat aber der Weibnachtskarchen den Sckinken verdrängt Er ist billiger und be- auemer zuzubereiten Die Sitte des Karrsten- -siens ist eigentlich volniich und auch klösterlich- katb-lllL' man will mit dem Fischesien die un° christliche Bezeichnung Christi andeuten: ..Zch-

Fisch lqttech T Jkesusl Thttistosl Thkeil ullosl s loterck Der Fisch war ja auch das Ab­zeichen der Urchristen.

Der B*fte feiert Weihnachten im Schmucke des erünen Miste'-w-iaes und verspeist den fest'icken ..Turkov". den Mastmiter nachher aber natürlich den in bi-eunendem R»w lammenden ..Nlumvud- ding" kNftoumen- und Rosinenkuchens. Im bri- rllchen Köniasick'ok z» W-ndicr kommt, aste in alter Zeit der gemästete Schwan aus die Taiel und n»r die llniu-rsitäten van Ortord und Cam- btidae backen die ast-aiivaiiaickstsche Sitte bewahrt hier wird feierli vom R»ktor der Sckroeiiittnm angeschnitten und an Hochschullehrer und Stu deuten verteilt jeder erkält zudem ein Lor­beerblatt. Daß man hübsche junae Mädchen im Lande John Bulls unter dem Mistelzweige

küssen darf, erhöht entschieden den Reiz des Festes.

Im Baltikum war wie gesagt das Schin­kenessen zu Weihnachten üblich, dazu gab es meist die verschiedensten Gemüse. Kastanien ittw Und als Nachtisch, wie bei uns. eine Masse Dat­teln. Feigen, Nüsse. Rosinen. Aepfel usw. In Schweden wird es ebenso gehalten. Die Tafel bleibt restlich auch über Nacht stehen die Gei­ster der Taten kommen ja dann und genießen ihr Mahl. Die ..Licktiule" geht um: ein junges

Mädel seht mit einer Lichterkrone in Dorf und Städtchen von Haus zu Haus und entbiete* Weihnachlsarüße. Auch treten mitunter wie ia auck in Teilen Deutschlands die,Heittaen drei Köniae" aus und sinaen ihr Liedchen. ..Der Klöck" schwerer Punsch, Feuerzanoenbowlel

spielt in Sckm->den eine noch größere Rolle als bei uns der ..Weibnachtsounsch" aus Burgunder n>Ä> Arrak. Bor dem Skandinavischen Hauke ist aft eine habe Stange mit Hafergarbe (für die Vogel, gleichseitig auch oltheidnilcker Opserbrauck für die nächste Ernte, aufoestellt. Man verkauft und verweist (oder beschenkt sich mttlPolkalsr- kelcken" (besonderes Zuckermerk, und treibt aller­hand Scherz und Kur-weil. Der Lickterckaum ist in Schweden auch bekannt. Während man in Holland nur hier und da den deutschen Lichter- banw kennt und weniaer zum Fallest, als am 8 Dezember dem Nikolaustage Kinder Ver­wandte »nd Trounde httch»nf< bat man in Däne- matt nnd Norrneaen in sehr vielen»s»rn den ^ schönen Meihna-cktockaiim Auch in der Tlchecho 'iomalei ckntten Ibis zur R'vstinse der autioerma nischen Verheb,,,,g* fett viele tsck>ech!'ch°n Fa mitten den Lichterbaum bei den Deutsch ^ böbme» uw. ist dieWeihnachtstanne" natürlich i heiliger Brauch wie Lei uns. Es ist sehr merk- !

würdig, daß gerade die Holländer, die doch eigent­lich nichts weiter sind als Niederdeutsche lWest- kriesen) und die Blaamen die schönen Weihnachts­sitten nicht schätzen. In Nordamerika, auck sogar in Kanada, ist durch die unzähligen Deutschamerikaner" .die schöne Lichterbaumsitte eingeführt und verbreitet worden Es kann nickt wundernehmen daß im Lande der Riesenbattig- keiken auch der Weihnachtsbaum mitunter gro­tesk-riesige Formen annimmt (tbo bissatt »l »ll tbs rv-oolck") und daß man in großen Handels­häusern oder Hotels riesige Weihnacktsbäum- hinstellt - in Los Anoeles aber ganze mächtige Tannen mit elektrischen Lichtern belebt und da­mit einen Gfieki erzielt, wie er wohl an lüttste und lwirkl'chsZ Schönheit in der ganzen Welt einzigartig ist!

Ein Latifundienbesitzer in Rußland illuminierte einmal eine aanze Waldwiese, auf der etwa ein Dutzend einzelner, kalbversckneiter Fichten stand mit Windlichtern und lud mich zu Punsch Ferkelbroten und J»tte!er zum 2-l. Dezember ein. Ich war von der Pracht, von der überwölti- aendeu Schönheit gebannt und entzückt' man stelle sich vor - ell oder zwölf große, tadellos gewachsene, ein wema bereifte und beschneite Fichten mit unzähligen rot. grün und gelb bren­nenden Wwdlichtern - ringsum der verschneite herrliche FiMen- und Föbrenwald >n maoU-bem -ttcht blutrot mit Fackeln beleucht-* kleine Jagdhütte am Ende der venchneiten Wiese .

In fast oa», Nub'ond lack der Russe war so o cmvfänottck, kür Sckznckeitl hotte» deutsch. Lehrer, Fotttt-ute. V-rmalter. Go,,o-inanten hatten die Balten die schöne deutsche Weihnackts-

ulle eingerührt Heute?-Sprechen wir nicht

von so überaus Traurigem . -.

In Frankreich amüsiert man sich aus geräusch­volle Art, viel Sinn für Familienfeiern hat man da nicht. Nun wir waren ja auf .hem besten Weae" dazu. unser Julfest, unser Neujahr im .kashionablen" Restaurant zu feiern, bei Kavaun und Känselebervostete mit Sekt aufs neue Ge­schäftsjahr anzustoßen und bei Jazzmusik nachher zu tanzen. Gemüt hatten wir schon kaum mehr - wir waren ja ein Brirmat- und Kutiskeriand geworden, ohne Tradition, obne Schönheit. Ja >ogar die Eskimos in Grönland illumi­nierten ihre Hüttchen zu Weihnachten. Sie olle aber - aleich, ob Zivilisierte oder Halbwilde >n aller Welt abnen nicht, was uns Deutschen, Skandinaviern. Balten - uns nordückblütiaen Germansnabkömmlingen das Julfest in Wirklich­keit ist. sein sollte' uralte Ueberlieferung, uralter Brauch zu Ebren der Sonne, zu Ehren der Götter, zu Ehren unserer Eigenart.

Erstmalige Verleihuna -es OiefrictEcbarf-preises in Hamburg

Der Senat hat den in diesem Jahre zum ersten­mal zur Verteilung kommenden Dietrich- Eckart-Preis der Freien und Han'-stadt Hamburg dem Dichter Siegmund Grast "srliehcn und zwar in erster Linie ftir das Büh- 'icnwerk .Die endlose Straße" Da d'ttes Werk aber non dem Kameraden Grafts. dem vor twe! Jabren an den Folgen einer Kriegsverletzung verstorbenen Ernst Tori Hintze mitneriaßt worden ist, hat der Senat die Prels>umme von -UM RM. so geteilt, daß Grafs 3llM RM. und den Eitern von Hintze 2000 RM. zugewiesen worden find

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