Ausgabe 
(9.4.1934) Nr. 97
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

vremer.

das amtliche Drgan Des Senats

-er treten LanfestM vremen

täglichem Erschemen RM. 2,30 einschließlich 3V Rpf. Zustellungsgebühr: durch die Post ten"' Postbestellgcld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrich-

ostscheck Hamburg 172 72 - Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersatz.

Zertung, Verlagsgesellschaft m. b. H., Teeren 8 bis 8 / Fernruf: Sammelnummer Roland 825.

Nr. 97 / 2. Vierteljahr

Anzeigen-Grundpreise: Die 22-mm.Zeile im Anzeigenteil 12 Rpi., die 70 -mw-Zeile tm Textteii 7b Rps. Ermäßigte Grundpreise (für Stellengesuche. Familienanz^gen. llemeAnzeigen. V^einsmittsilungen u^ a., iowie sonstige Bedingungen laut Preisliste. Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewahr. Annahmeschluß 1S Uhr. Sprechzeit des Verlages werktäglich von 12—1S Uhr, der Schriftleitung werktäglich von 18—17 Uhr.

Montag, den 9. April

Einzelpreis isNpf.

Der nationalsozialistische Betrieb

G K. Bremen, 9. April.

In diesen Tagen und Wochen gehen wir in Deutschland an die Aufgabe heran, die Betriebe in nationalsozialisti­schem Geiste aufzubauen und zu organisie­ren. Die Wahl der Vertrauensleute ist in­zwischen getätigt worden, das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit tritt zum erstenmal in Erscheinung. Formal wäre also alles geregelt. Wenn man aber glaubt, daß allein der Buchstabe des Gesetzes genügt, um den einzelnen Betrieb innerlich auf den nationalsozialistischen Geist umzustellen, würde man sich gründlich auf dem Holzweg befinden. Man kann Vereine und Verbände gleichschalten, ohne auf besondere Schwierig­keiten zu stoßen, aber Wirtschaftsbetriebe mit dem neuen Geiste zu erfüllen, ist eine Aufgabe, die viel Klugheit und Fin­gerspitzengefühl erfordert, aber eben­soviel eiserne Selbstbeherrschung, Ueberwin­dung des inneren Widerspruchsgeistes und zähen Willen. Wenn es sich aber um Durch­setzung des nationalsozialistischen Prinzips in irgendeiner Betriebsfrage handelt, dann darf es grundsätzlich keinen Kuhhandel geben. Eine Verwässerung des nationalsozia­listischen Gedankens würde alle Aufbau­arbeit über den Haufen werfen.

Die Verantwortung, die heute auf die Schultern der Berufenen des Betriebes ge­legt ist, ist deshalb eine ganz besondere hohe und schwere. Vor allen Dingen liegt diese schwere Verantwortung bei dem Betriebs- sührer. Wir können durchaus menschlich verstehen^ wenn gerade beim Betriebsführer sich gewisse Hemmungen einstellen, denn der Weg zum Nationalsozialismus war für einen großen Teil der Betriebsführer von heute nicht ein freiwilliger gewesen. Sie sind im anderen wirtschaftlichen Denken ausge­wachsen und haben den Betrieb mit anderen Augen bis vor einem Jahre gesehen, als es heute der Fall ist. Um so mehr haben sie jetzt die Verpflichtung, in den neuen Geist hinein­zuwachsen. Dieses „Hineinwachsen" verstehen wir nicht so, daß man sich nur den Schein gibt, einen nationalsozialistischen Betrieb zu führen, sondern, daß man sich redlich Mühe gibt, wirklich selber zum Nationalsozialisten zu werden. Es genügt nicht, Adolf Hitler lediglich als Führer anzuerkennen und vor der Belegschaft des Betriebes zu versichern, „daß schon manches besser geworden sei". Es hat auch keinen Zweck, etwa durch Spenden beweisen zu wollen, daß man Nationalsozia­list sei. Der Arbeiter hat — das kann getrost ausgesprochen werden — ein sehr feines Gefühl dafür, ob die heutige Anschauung wirklich echt ist oder nicht. Er läßt sich auch nicht etwa durch Spenden, und wenn sie noch so reichlich fließen, blenden. Ueberdies wollen wir auch nicht im Betriebe das natio­nalsozialistische Gedankengut dadurch ver­wässern lassen, daß wir das Schwergewicht auf materielle Dinge legen. Bei aller Förde­rung des materiellen Wohlstandes unseres Volkes, was bestimmt ein Hauptziel unserer nationalsozialistischen Volkswirtschaft über­haupt ist, darf nie mehr der berechnende Materialismus mit seiner Raffgier und sei­nem kalten Egoismus zu einem Ideal werden. Wenn man die Aufgaben des Be­triebsführers in einem Satze umreißen will, dann läßt sich nur folgendes sagen: Der nationalsozialistischeBetriebs- führer sorgt für seine Arbeiter­schaft wie ein treusorgender Vater, für seine Kinder. In diesem vergleichenden Bilde ist die ganze Arbeit des Betriebsführers erfaßt. Er wird für ihr materielles Wohlergehen in ebenso groß­zügiger Weise Sorge tragen, wie er für ihre täglichen Nöte, ihre kleinen und großen Schmerzen das nötige väterliche Verständnis aufbringen wird. Tut er das, so ist ohne weiteres das Vertrauen vorhanden und der Betriebsfriede gesichert. Er wird wirklich der Führer sein, dem seine Arbeiter blind­lings folgen, denn sie wissen dann. daß ihr Schicksal und ihre Existenz in guten Händen liegen.

Der Betriebssichrer allein wird natürlich den nationalsozialistischen Geist im Betrieb nicht zur Geltung bringen können, wenn nicht auch die gesamte Belegschaft von derselben Aufgabe durchdrungen ist. Auch hier ist ein e r n st e s W o r t am Platze. Was für' den Betriebssichrer gilt, daß er nicht nur sich den Schein eines Nationalsozia­listen geben soll, gilt auch für die Beleg­schaft. Es genügt nicht, bei Betriebsfesten „Heil Hitler!" zu rufen und das Horst- Wessel-Lied zu singen, aber innerlich abseits der nationalsozialistischen Gedankenwelt zu stehen. Auch hier muß der Arbeiter sich red­lich Mühe geben, den Nationalsozialismus in sich aufzunehmen, was bestimmt nicht ickwer ist. da das Gesunde und Naturgege­bene im Nationalsozialismus ganz dem ur eigenen Wesen des deutschen Arbeiters ent­spricht. Wer im Betrieb den Ratio-

Hamburg im Zeichen -er Hitler-Lügen-

Einweihung -er schwimmenden Jugendherberge „Hein Godenwind"

Hamburg, 8. April.

Hamburg und insbesondere sein Hafen standen am Sonntag ganz im Zeichen der deutschen Ju­gend. Ein Meer von Flaggen der deutschen Jugend grüßte von den Masten der Schiffe, von den Häu­sern und Hafenanlagen. Der Weg zum Schiff selbst, das an der lleberseebrücke vertäut liegt, führt durch das Spalier der Marine-Hitlerjugend in ihrer schmucken blauen Jungen-Tracht. Brausender Jubel der zehntausende von Volksgenossen, die die Straßen am Ufer füllen, klingt auf, als der Reichs­jugendführer in Begleitung des Reichsstatthalters Kaufmann und des Regierenden Bürger­meisters Krag mann erscheint und sich unter den Klängen des HJ.-Liedes an Bord der „Hein Godenwind" begibt, wo sich inzwischen zahlreiche Vertreter der Behörden, der PO., SA. und SS. und insbesondere der Hitlerjugend-Führung ein- gefunden haben.

Der Führer des Gaues Nordmark im Reichs- oerband für deutsche Jugend-Herbergen, Bann- führer Oberstadt, sprach in seiner Eigen­schaft als jetziger Reeder der „Hein Godenwind" Worte des Willkommens.

Sodann nahm Regierender Bürgermeister Krogmann das Wort. „Dieses Schiff heißt „Hein Godenwind" zu Ehren Eorch Focks, dessen Liebe zur Heimat, dessen Liebe zur See, dessen Lachen und Frohsinn in den Herzen unserer Jugend weiterlebt. Es soll die deutsche Jugend zueinanderführen, es soll aber auch die Blicke unserer Jugend richten auf das Meer und auf ferne Länder. Opferbereit, froh, frei und selbst­bewußt soll unsere Jugend werden, damit sie der­einst das Werk Adolf Hitlers vollende. Ihnen, Reichsjugendführer Baldur von Schirach, als den Führer und Treuhänder unserer Jugend, über­gebe ich im Namen des Hamburger Hafenbetriebs­vereins das Jugendherbergsschisf „Hein Eoden- wind" als Eigentum.

Reichsjugendführer Baldur von Schirach nahm sodann im Namen der deutschen Jugend, der Hitler-Jugend und des Jugendherbergsver­

bandes von der schwimmenden Jugend-Herberge „Hein Godenwind" Besitz. „Dieses stolze Schiff, das uns die Stadt Hamburg gegeben hat, soll uns ein Symbol sein jener sozialistischen Grund­haltung der neuen Zeit, die die Einrichtungen des Staates und der Gemeinschaft auch wirklich allen Söhnen des deutschen Volkes ohne Unter­schied zur Verfügung stellt. Hier soll die Jugend aus ganz Deutschland zusammenkommen, hier in Hamburg soll sie die Größe und Bedeutung der Schiffahrt für unser Volk lernen und erkennen, soll sie kennen lernen Macht und Größe dieser Stadt und damit erkennen, was Deutschland in Wahrheit ist und sein kann. So­dann erfolgte die feierliche Flaggenhissung.

Als letzter Redner sprach der Führer des Reichsverbandes für deutsche Jugendherbergen, Rodatz, Mitglied der Reichsjugendführung und verlas den Text einer Gedenktafel, die auf dem Schiff angebracht ist, auf der es u. a. heißt: „Hein Godenwind" heißt dieses Schiff, im Zuge der na­tionalsozialistischen Revolution geschenkt vom Hamburger Habenbetriebsverein als Zeichen des Vertrauens zum neuen Staat und zum Beweis der inneren Aussöhnung unseres Volkes".

Vor der Einweihung der schwimmenden Ju­gendherberge „Hein Godenwind" fand am Sonn­tag in Hamburg ein gewaltiger Aufmarsch der Nordmark-H. I. in Anwesenheit des Reichsjugend­führers Baldur von Schirach und seines gesam­ten Stabes statt. Vorn frühen Morgen an trafen zahllose Sonderzüge in Hamburg ein. Auch aus dem Saar gebiet war eine Abordnung erschie­nen. Gegen i Uhr war die Stadtparkwiese mit nicht weniger als 110 000 Hitlerjungen überfüllt. Drei Flugzeugstaffeln kreuzten über der aufmar­schierten Jugend.

Nach einer kurzen Ansprache des Reichsstatt­halters Kaufmann trat Baldur von Schirach, von jubelnden Heilrufen begrüßt, aus Mikrophon. Er führte u. a. aus:

„Es wächst eine große Aufgabe für uns herauf, die ihren Ausdruck gefunden hat in jenem Reichs- berufs-Wettkampf der deutschen Jugend, der in diesen Tagen seinen Anfang nimmt und 12 Mil­lionen junger Arbeiter wieder zu dem Gedanken eines Adels der Leistung, einer Aristokratie des Einsatzes und der Tat erziehen soll. Die Eingliede­rung des Jungarbeiters in die Gemeinschaft der HJ. ist gelungen. Diese HJ. hat 80 v. H. der deut­schen Arbeiterjugend in ihren Reihen, diese H2. ist stolz darauf, daß sie den Untertitel trägt „Bund deutscher Arbeiterjugend".

Aber noch gibt es kleine Teile der Jugend, so hob der Reichsjugendführer hervor, die für sich ein Sonderrecht beanspruchen, noch gibt es einen Block konfessioneller Jugend, der behauptet, dieses Sonderrecht zur Erfüllung besonderer Auf­gaben zu bedürfen, wir best reiten das. Wir erkennen kein Sonderrecht an im jungen Deutsch­land, in dem es nur ein Recht, das Recht des Staates, gibt. Ihr, meine Kameraden, habt nun gerade gegenüber diesen letzten Abseitsstchenden, die für sich besonderes und anderes wollen, das Prinzip der Jugend, das Prinzip der bedingungs­losen Einheit, Gemeinschaft und Einigkeit zu be­haupten und zu vertreten.

Im Hinschauen auf den Führer Adolf Hitler schreibt auch weiterhin in die Zukunft, kämpft weiter für die Vollendung der nationalsozialisti­schen Weltanschauung, für die Verwirklichung des Satzes, den der Führer einmal in München ge­prägt hat: Arbeiter der Stirn und der Faust ver­einigt euch! Grüßt auch in dieser Stunde ihn, ohne den ihr nicht hier wäret, ohne den es kein neues Deutschland gäbe, grüßt den Führer, deutsche Jugend, Sieg-Heil!"

Wiederum brausende Jubelrufe aus 109 000 Kehlen. Nachdem das Fahnenlied der HJ. ver­klungen war, verließ der Reichsjugendführer mit seiner Begleitung den Platz. Im Laufe des Nach­mittags verließen die 110 000 die Stadt, um in ihre Heimatort« zurückzukehren.

Die innere un- äußere Lage Oanzigs

Senatspräsident De. Nauschning und Gauleiter Förster in einer Massenversammlung

Danzig, 8. April

In einer Massenversammlung der Danziger NSDAP. sprachen Senatspräsident Dr. Rausch- ning und Gauleiter Förster über die politische und wirtschaftliche Lage Danzigs.

Senatspräsident Dr. Rauschning wies ein­leite :rd darauf hin, daß die Aufbauarbeit der nationalsozialistischen Bewegung in Danzig durch die besondere staatsrechtliche Lage Danzigs er­heblich erschwert sei. Von der peinlichen Wah­rung der vom Völkerbund garantierten Verfas­sung, sowie der auswärtigen Verträge hänge der Bestand des Danziger Staates ab. Der revolu­tionäre Gestaltungswille habe daher in das Pro- krustes-Bett der Verfassung und der Verträge mit peinlicher Sorgfalt eingefügt werden müssen. Diese Notwendigkeit habe ihn, so fährt der Se­natspräsident fort, jedoch nicht zaghaft in der Ge­staltung der inneren und äußeren Ordnung ge-> macht. Mit Nachdruck betonte Dr. Rauschning in diesem Zusammenhang gegenüber feindlichen Bestrebungen, daß er nie etwas hinnehmen werde, was die Ehre und Souveränität des Danziger Staates kränke und daß er niemals vor Fana­tikern der alten Parteien und ihrem zerstörenden Treiben zurückweichen werde.

Der Senatspräsident wandte sich dabei auch mit großer Schärfe gegen die in letzter Zeit in Dan­zig betriebene Wühlarbeit der übriggebliebe­nen Zentrumskreise. Dr. Rauschning er­klärte, daß die Rolle des politischen Katholizis­mus, der weder mit Christentum noch mit dem Volke etwas zu tun habe, sondern einen nackten Machtkampf betreibe, ausgespielt sei. Der Senats­präsident kündigte im übrigen die Absicht an, zu einem Vorvertrag zum Abschluß eines Konkor­dates zu gelangen.

Sehr eingehend behandelte der Senatspräsident die Fragen der Danziger Außenpolitik.

Aus dem Wege einer Gesamtbereinignng der Danzig-polnischen Streitfragen sei es gelungen, 18 Streitsälle zu bereinigen, zwei wichtige Ab­kommen abzuschließen und neben anderen Erfolgen eine erfreuliche Entspannung der Gesamt­lag e zu erzielen, ohne die Danziger Souveränität und die nationale Würde an irgendeiner Stelle preiszugeben.

Senatspräsident Dr. Rauschning ging dann auf das noch immer sehr schwierige Problem eines Danzig-polnischen Ausgleichs in der Frage der Zollkontrolle, der Kontingente und des Warenverkehrs ein. Er wies aber darauf hin, daß erst ein wirtschaftlicher Ausgleich in diesen grundlegenden Fragen den vorjährigen Abma­chungen zwischen Danzig und Polen, insbesondere dem Hafenabkommen, die rechte Bedeutung geben werde. Ein Ausgleich, der der unerträglichen Situation der Zollkontrolle ein Ende mache, würde für beide Staaten von unschätzbarer Be­deutung sein. Dr. Rauschning hob in diesem Zu­sammenhang noch einmal den Willen Danzigs hervor, ein einheitliches Wirtschaftsgebiet mit Polen zu bilden. Er brachte aber gleichzeitig zum Ausdruck, daß Danzig — bei aller Wahrung der neuen guten Beziehungen zu Polen andere Wege zu beschreiten entschlossen ist, falls Polen nicht bereit ist, den unerträglichen Schwebezustand zu beseitigen.

„Danzig hat", so erklärte Dr. Rauschning wört­lich, „eine Funktion in dem gemeinsamen Zoll­gebiet und in einem Hinterland, das sich nach seiner Lage zusammen mit Deutschland als eines wer­denden großen Wirtschaftsgebietes bewußt zu wer­

den beginnt. Es kann sich in dieser Funktion zu einer Bedeutung auswachsen, die heute in ihrem Ausmaß nicht abzusehen ist. Glückt dieser Aus­gleich nicht, so lassen die Verträge immerhin noch Lösungsmöglichkeiten offen, die Danzig eine große wirtschaftspolitische Selbständigkeit geben würden.

Der bisherige Schwebezustand ist jedenfalls nicht länger erträglich und bringt beide Volks­wirtschaften nicht weiter. Danzig wird dann in der Gliederung und Verbindung seiner Wirtschaft neue Wege zu gehen versuchen.

Auch solch ein neuer Weg kann und muß be- schritten werden, ohne daß die erfreuliche stim- mungsmätzige Besserung des Verhältnisses zu Polen eine Aenderung erfährt. Sachliche Mei­nungsverschiedenheiten können ausgstragen wer­den, auch unter der Fortdauer von Beziehungen, die auf gegenseitiger Achtung aufge­baut sind. Es sei hier aber, um allen Mißver­ständnissen von vornherein zu begegnen, betont, daß Danzig nicht von sich aus, sondern nur in Notwehr seine Lebensrechte wahren und den Weg einer Verselbständigung seiner Wirtschaft anstatt einer Verflechtung mit der polnischen gehen würde."

Die Ausführungen des Senatspräsidnten wur­den von der zahlreichen Versammlung mit stür­mischem Beifall aufgenommen. Lebhaft begrüßt, ergriff dann Gauleiter Staatsrat Förster das Wort zu kurzen, aber umso eindringlicheren Aus­führungen. Förster rechnete scharf mit den Grup­pen ab, die in Danzig die Verfassung vorschützen, um ihr staats- und volksfeindliches Treiben zu rechtfertigen.

nalsozialismus absichtlich sabo­tiert, ist nicht wert, in der deut­schen Wirtschaft eine Arbeits­stelle z u h a b e n. Er kann sich tausendmal Sozialist nennen — handelt er nicht in Wort und Tat als deutscher Nationalsozialist, dann frevelt er an dem großen Ausbauwerk des Führers, das allen arbeitsfähigen Deutschen Brot und Verdienst bringen will. In einem deutschen nationalsozialistischen Betrieb ist daher keinerlei Raum mehr für liberalistische und marxistische Anschaungen, selbst wenn sie einen nationalsozialistischen Schokoladen- überguß tragen. Deshalb muß mit aller Be^ stimmtheit dem gesamten Betrieb täglich das eingehämmert werden, was dieser Tage im

amtlichen Informationsdienst der Teutschen Arbeitsfront zu lesen war:

„Das nationalsozialistische Programm duldet keine Teillösung, es verlangt den ganzen Menschen. Wo er geht und steht, ist er der Soldat Adolf Hitlers und seiner Idee."

Wir haben aber das feste Vertrauen zu den Betriebsführern und der Arbeiterschaft in den deutschen Betrieben, daß beide Teile den Führer nicht enttäuschen werden. Wenn jeder bemüht ist, den Eigennutz zurückzu­stellen, wenn sich jeder lediglich den Belan­gen des Betriebes freiwillig unterordnet,

dann wird die Gesamtarbeit des Betriebes ganz sicherlich zum besten eigenen Nutzen des Einzelnen werden. Wir haben am Sonn­abend in einer Werksfeier eines großen Bre­mer Betriebes die schönen Worte des Be- triebsführers gehört: „Wir setzen unseren

Stolz darin, ein nationalsozialistischer Be­trieb zu werden", und wir hoffen, daß die­selben Gedankengänge in ganz Deutschland bald Allgemeingut werden. Dann wird Deutschlands wirtschaftlichem Aufstieg nichts mehr im Wege stehen, und Deutschland wird unter der Hakenkreuzfahne wieder glück­liche und zufriedene Arbeiter sehen. Und das ist das Hochziel der nationalsozialistischen Betriebe.

„Drahtverhau von Bedingungen"

Englische Presse zur französischen Note

London, 8. April.

Die englische Sonntagspresse schlägt in ihren Berichten über den Inhalt und die Wirkung der neuen französischen Note wieder einen recht opti­mistischen Ton an, in dem besonders das angeb­liche „französische Zugeständnis" hervorgehoben wird, einer begrenzten deutschen Aufrüstung unter gewissen Bedingungen zuzustimmen. Eine gewiss« Beeinflussung der Berichte aus Pariser Quellen ist nicht zu verkennen.

Der Pariser Berichterstatter des Observer gibt den vorwitzigen Stimmen Ausdruck, indem er er­klärt, daß das neue französische „Zugeständnis mit einem Drahtverhau von Bedingungen um­geben werde" Der diplomatische Mitarbeiter des Blattes meldet, daß die französische Note zwei neue Elemente enthalte, nämlich

1. Frankreich erklärt sich bereit, mit England in einen Meinungsaustausch über die Durchführbar­keit einer Abrüstungsvereinbarung einzutreten, in der ein gewisses Maß deutscher Aufrüstun g anerkannt wird, vorausgesetzt, daß eine solche Auf­rüstung begrenzt ist und die Begrenzung einer in­ternationalen Kontrolle und lleberwachung nicht nur Deutschland, sondern jedem Unterzeichnerstaat in genau derselben Weise auferlegt werde.

2. Frankreich begrüßt die in den englischen Fra­gen enthaltene Andeutung, daß England nunmehr bereit sei, weitere Ausführungsbürgschaften zu er­örtern.

Die unmittelbaren Auswirkungen der franzö­sischen Note auf die englische Politik würden darin bestehen, daß man jetzt die Möglichkeit eines europäischen Abkommens für die Stahili- sierung der Rüstungen innerhalb festgelegter Grenzen untersuchen könne. Die Gerüchte, daß ein ausschließlich westeuropäischer Pakt erwogen werde, seien unrichtig. Was dagegen ins Auge gefaßt werde, sei eine Serie von Verträgen im Rahmen eines allgemeinen Vertrages. Der eu­ropäische Vertrag würde ganz Europa einschließ­lich Rußland umfassen, wozu möglicherweise ein Zusatzabkommen trete, um Rußland Rüstungsfrei­heit für den Gebrauch im Fernen Osten zu sichern, falls Japan eine Unterzeichnung des Vertrages verweigern sollte.

Ein weiterer Vertrag, den auch die Vereinigten Staaten unterzeichnen würden, werde das System der allgemeinen Rüstungsüberwachung und Kon­trolle festlegen, dem Amerika bereits zugestimmt habe. Der erste Schritt sei aber ein Abkommen über die Natur der Garantien für die Ausfüh­rung des europäischen Vertrages.

„Sunday Times" spricht sogar in großer Auf­machung von einer „Umwälzung" der französischen Rüstungspolitik. — Allgemein gibt die Presse die skeptischen Kommentare der deutschen Blätter zu

Ergebnis der SA.-Sammlung

Die SA-Sammlung am Sonnabend und Sonntag hat über 17 vvü RM. erbracht.

der französischen Note wieder, worin besonders die Aeußerungen über die französische Verschlep­pungstaktik und Berfchleierungsmanöver unter­strichen werden.

Staatsbegräbnis ftf Generaloberst von Einem

Berlin, 8. April.

Reichswehrminlster Generaloberst von Blom- berg hat den Befehlshaber im Wehrkreis VI, Ge­neralleutnant Fleck, beauftragt, der Familie des verstorbenen Generaloberst von Einem sein per­sönliches Beileid und das der deutschen Wehrmacht zu übermitteln und gleichzeitig mitzuteilen, daß der Reichskanzler Adolf Hitler auf Vorschlag des Reichswehrministers für den hochverdienten frühe­ren preußischen Kriegsminister und Armeeführer ein Staatsbegräbnis angeordnet hat

ReichSMi'ef der SS. in Harburg-Wilheümsbui'g

Harburg-Wilhelmsburg, 8. April.

Der SS-Reichsführer Himmler traf am Sonn­tag zur Besichtigung der SS-Standarte in Har- burg-Wilhelmsburg ein. Auf dem Heimfelder Sportplatz hatte die 17. SS-Standarte Aufstellung genommen; sie wurde von dem Obersturmbann­führer Tensfeld kommandiert. In Begleitung des Neichsführers Himmler befanden sich u. a. Grup­penführer Jaekel aus Vraunschweig und der Füh­rer des SS.-Abschnittes XIV, Harm aus Bre­men, außerdem war der ftellvertr. Gauleiter Eakenholz anwesend.

Muschanosss Besprechungen in Paris. Bei seiner Abreise von Sofia nach Paris erklärte der bulgarische Ministerpräsident Muschanoif einem Vertreter der Agentur Havas, er werde in Paris mit politischen Persönlichkeiten, darunter mit Barthon und dem rumänischen Außenminister Titulescu zusammentreffen.