M°nats-Bczug: Be, täglichem Erscheinen RM. 2,80 einschließlich 30 Rps. Zustellungsgebühr-, durch die Post RM. 2,3» einschließlich Ueberweisungsgebühr, ausschl. Postbestellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrichten. — Postscheck Hamburg 172 72. — Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersatz. Bremer Zeitung, Verlagsgesellschaft m. b. H., Eeercn 6 bis 8 / Fernruf: Sammelnummer Roland 828.
19 3 4
Anzeiaen-Erundprcis«: Die 22-mw-Zeile im Anzeigenteil 12 Npl-, die 70-mm-Zeile im Textteil 7b Rps. Ermäßigte Grundpreise (sür Stellengesuche. Familienanzeigen. kleine Anzeigen Dereinsmitteilungen u. a., sowi- sonstige Bedingungen laut Preisliste. Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewahr. Annahmeschluß 16 Uhr. Sprechzeit des Verlages werktäglich von 12—13 Uhr, der Schriftleitung werktäglich von 18—17 Uhr.
Nr. Y 4 / 2. Vierteljahr
Freitag, den 6. April
Einzelpreis is Rpf.
So arbeitet die Vorteil
Der Stellvertreter -es Führers
Urteil im Duca-Vrozeß
Bukarest, 5. April.
Lebenslängliche Zwangsarbeit für die Täter Der Führer der Eisernen Garde freigesprochen
Im Prozeß gegen die Mörder des Ministerpräsidenten Duea fällte das Kriegsgericht des zweiten Armeekorps soeben nach 14tägiger Verhandlung das Urteil. Der Student Konstantinescu, der die tödlichen Schüsse auf Duea abgegeben hatte, erhielt lebenslängliche Zwangsarbeit, ebenso seine beiden Helsershelfer, die Studenten Beli- mace und Carannica. Alle übrigen Angeklagten wurden freigesprochen, darunter der Führer der Eisernen Garde, Codreanu, und der General Cantacuzino.
Das Urteil hat in Bukarest einen außerordentlich starken Eindruck gemacht, weil es in der Praxis auf eine Rehabilitierung der Eisernen Garde hinausläuft und eine schwere innenpolitische Niederlage der Regierung Patarescu bedeutet. Vor allem wird jetzt die Eiserne Garde wahrscheinlich einen außerordentlichen Zulauf bekommen. Was die Regierung tun wird, läßt sich im Augenblick nicht sagen. Bereits vor einer Woche hieß es, daß sie im Falle eines Freispruches der Führer der'Bewegung zurücktreten und einer Regierung des Feldmarschalls Ave- rescu Platz machen müsse. Die Entscheidung darüber liegt jedoch bei der Krone. Sie mag ausfallen wie sie will, eines ist sicher, der große Kampf zwischen liberalistischer und faschistischer Idee hat vor dem Kriegsgericht mit einem moralischen Sieg der letzteren geendet, und seine Umwandlung in einen tatsächlichen dürfte nach Lage der Dinge nur noch eine Frage der Zeit sein.
Varifer Beamtenprotest
Gegen die Sparmaßnahmen der Regierung
Paris, 5. April.
Außer den Postbeamten, die beschlossen haben, mit aller Energie gegen die Durchführung der Sparmaßnahmen zu kämpfen, und dabei die Möglichkeit eines Generalstreiks ins Auge faßten, hielt auch eine Reihe anderer Beamtenvereinigungen Sitzungen ab. Die autonome Beamtenvereinigung, die Beamten der Verwaltung der indirekten Steuern und die Forstbeamtcn wollen gleichfalls gegen die Durchführung der Maßnahmen protestieren. Man rechnet damit, daß diese Protestwelle immer größer wird und befürchtet, daß die Regierung noch vor schwere Entschlüsse gestellt werden wird. „Echo de Paris" und andere Blätter erinnern daran, daß es sich nur um einen ersten Abschnitt des Sparprogramms handele, da der gesamte Fehlbetrag über vier Milliarden Franken betrage. Man werde demnach nicht umhin können, auch von den ehemaligen Kriegsteilnehmern Opfer zu fordern.
Neue Treuhänder der Arbeit
Berlin, 5. April.
Mit der vorläufigen Wahrnehmung der Geschäfte eines Treuhänders der Arbeit sind in den nachstehenden Wirtschastsbezirken folgende Herren beauftragt worden:
Bayern: Kurt Frey, M. d. R.
Brandenburg: Dr. Taeschner
Niedersachsen: Dr. Joses Klein
Pommern: Konteradmiral a. D. Claaßen
Sachsen: Ernst Stiehler. M. d. R.
Westfalen: Syndikus Karl Hahn
Der zum Treuhänder des Wirtschaftsgebietes Niedersachsen ernannte Dr. Josef Klein gehört seit einer Reihe von Jahren der NSDAP. an. Er war bisher Treuhänder der Arbeit für das rheinisch-westfälische Industriegebiet in Düsseldorf. Er ist am 23. November 1890 in Köln geboren, studierte in Freiburg und Marburg Philosophie, Geschichte und Volkswirtschaft und promovierte zum Doktor phil. Am Kriege nahm er vom ersten Tage an inr Infanterieregiment 107 teil. Er wurde schwer verwundet und ist Inhaber des EK. II. Klasse. Nach dem Kriege war er Sozialsekrelär im Werk Ucrdingen der JE Far- benindustrie. Gleichzeitig war er führend in der deutschen Jugend- und Sportbewegung. So erhielt er 1927, die preußische Adlerplakette für Verdienste in der Jugendwoblfahrt Er ist heute Sturmhauptfllhrer der SS. Am 21 . April 1932 wurde er Mitglied des Preußischen Landtages, am 31 Dali 1932 Mitglied des Reichstages. Im Juni 1933 wurde er zum Treuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Rheinland-Westfalen ernannt, das er jetzt mit dem Wirtschaftsgebiet Niedersachsen vertauscht hat.
Wir beginnen heute mit dem Abdruck der NSK.» Artikel-Serie: „So arbeitet die Partei!" Eine Reihe von Aufsähen und Berichten wird dem deutschen Volk einen ljeberblick geben über die für ihn arbeitenden Organisationen der NSDAP., über ihre derzeitige Wirksamkeit» über die Art ihrer heutigen Aufgaben und über ihre Arbeiten, und auch darüber hinaus über die Zukunftsausgaben, die alle mit der Leitung dieser Organisationen beauftragten Getreuen Adolf Hitlers sich selbst und ihrem politischen Organismus stellen.
Es wird der gesamte deutsche parteipolitische Apparat dargestellt werden, weil die Neichsleitung der NSDAP. es für unbedingt notwendig hält, daß diese Kenntnis Allgemeingut wird. Mit ihr allein vermag der Volksgenosse seine Mitarbeit am Staat durchzuführen.
!78L Es ist dem nicht möglich, die Aufgaben und die Arbeitsweise des Stellvertreters des Führers und die aller ihm zur Mitarbeit direkt unterstellten Arbeitsbereiche zu verstehen, dem nicht zuvor die Persönlichkeit Rudolf Heß' vertraut geworden ist. Denn diese Persönlichkeit spiegelt sich in den leitenden Männern der engeren Arbeitsbereiche, und kraft ihrer stellen sich Organisationsform und Arbeitsweise der „Stäbe" um Heß erstlich als Ausdrücke persönlichen, urheberischen Anlegens und schöpferischen nationalsozialistischen Arbeiten? dar, und dann erst als „Instanzen" zur selbstverständlichen glatten Erledigung der papierenen politischen alltäglichen Aufgaben,
Weil er sich als einer der wenigen fast anderthalb Jahrzehnte seiner Lebenslinie — nach klarer Entscheidung im steten Willen Gefolgsmann Adolf Hitlers und nur dieser zu sein, voll bewußt — treu blieb, ist Rudolf Heß heute der klarste, vorbildliche Typ des Nationalsozialisten Adolf Hitlerscher Prägung, nach dem die entschiedenen Deutschen der jungen Generation sich als Führer sehnen.
Sein Arbeitsfeld
forderte von ihm zuerst die Lösung organisatorischer und personeller Aufgaben. Diese war für ihn ein selbstverständliches Erproben seiner ver- standesmäßigen Kraft, Seine Aufgabe als Stellvertreter des Führers forderte von ihm: die Menschen um sich und in der Partei nicht allein in ihren Handlungen und deren Auswirkungen nach eigenem Instinkt zu erkennen und zu beurteilen, sondern sie auch mit den Augen des Führers in ihrer Bedeutung für die Bewegung abzuschätzen. Die Erfüllung dieser Pflicht war für ihn der selbstverständliche Beweis feiner psychologischen Fähigkeit: zu wägen und zu führen für einen höheren Zweck, nämlich für die Bewegung.
Seine tägliche Arbeit setzt sich zusammen aus einer unermüdlichen Kenntnisnahme aller Vorgänge in der Bewegung, wobei einem politischen „Nur-Funktionär" der Vergangenheit für immer umaßlich bleiben wurde, wie wenige auch der Vorgänge kleinerer Bedeutung aus der Ricsenorga- uisation der einzigen Partei Deutschlands ihm als derem organisatorüchen Oberhaupt verborgen bleiben. Aus der Vielheit der Vorgänge, die ihm täglich zur Kenntnis gebracht werden, hat er nun — eine zurzeit wohl tatsächlich nur von ihm zu lösende Aufgabe — das wirklich Bedeutungsvolle dem Führer mitzuteilen. Das sind alle jene Angelegenheiten, die von entscheidender Bedeutung iür Partei, Reich oder Volk sind oder werden können. Nur der vermag das Maß der Verantwortung zu ermessen das in dieser Aufgabe liegt, der weiß. daß Rudolf Heß nicht nur die Partei und das Volk im heutigen Reich, sondern daß ihm dazu noch besonders das Schicksal der 30 Millionen Deutschen außerhalb der Versailler Grenzen am Herzen liegt. Wieviel Entscheidungen muß er stets allein nerautworten, und wieviel dennoch dem Führer übermitteln'
Neben diesem Teil der Tagesaufgabe bleibt ein ebenso schwerwiegender: die Entscheidung über
London, 5. April.
Der am lO. April festgesetzte Zusammentritt des Büros der Abrüstungskonferenz in Genf veranlaßt die „Times", in einem Leitaufsatz den gegenwärtige» Stand der Abrüstungssrage zu prüfen Eine Zeitlang habe man hosten können, auf dem Wege der diplomatischen Besprechungen voranzukommen. Die letzte französische Note habe aber wieder zu einem Punkt des Weges zurückgeführt, der längst überschritten worden war. Frankreich erklärte zu Beginn der Abrüstungskonferenz, so fährt das Blatt fort, daß leine Nüstungsuermiiiderung möglich sei, ehe nicht ein Plan gegenseitigen Beistandes aufgestellt und
Hätte der Begriff „Jünger" im heutigen Sprachgebrauch nicht schwärmerischen Beiklang, könnte man ihn auf Rudolf Heß' Stellung zum Führer anwenden: nur fehlt diesem Mann jedes, aber auch das geringste Anzeichen weicher oder gar weichlicher, unkritischer Schwärmerei. Seine Wesenszeichen sind Klarheit im Erkennen des Guten oder Falschen in der Kritik, Willenskraft, und besonders: Ursprünglichkeit im Einfall. Seine Entscheidungen sind nicht Folgen exakt-bürokratischer Aktenlektüre, sie kommen vielmehr aus künstlerischer Intuition und sind dabei in ihrer Richtung bedingt durch die Kenntnis der Materie, und sie werden in die Praxis hinein verwirklicht durch den Zusammenklang von Instinkt und Verstand für die Politik. Das Wesentliche aber bleibt eben der Einfall, der sein vom Schicksal geschenkter Reichtum ist.
Die Ursprünglichkeit des Einfalls führt zum Verständnis des „Stellvertreters" als zu einem Deutschen, dessen politisches Können aus künstlerischer Anlage kommt. Wohl teilt er diese Quelle mit anderen leitenden Männern der Hitler-Bewegung. Aber in der Vollendung, mit der er sein Sein und sein Schaffen wegtreu und schwäche- los, stets klar selbstbehauptend und dennoch reibungslos, über ein Jahrzehnt lang in fast einsamer Stille dem Dienst der Idee, die im Mann Adolf Hitler ihre körperliche Gestalt fand, tätig geweiht hat, bleibt er doch ein Einzelner und ein Vorbild.
In bewußter Beschränkung aus das Thema feines Lebens: Nationalsozialismus — haben alle seine Intuitionen die gleiche Richtung, deren Verwirklichung, also seine Taten, den gleichen Zielpunkt: Das Deutschland des Führers
in der Bewegung
die Fragen und Probleme, die ihm aus der Parteiorganisation und den Neben- und Unterorganisationen der NSDAP, zum verantwortenden Entscheid fast täglich vorgelegt werden. Die Verordnungen, Erlasse, Ankündigungen, Bekanntmachungen. die seinen Namen tragen, geben Zeugnis dieser Arbeit ihr Inhalt Zeugnis der Vercintwor- tung^chwere.
Angefangen bei den Fragen der Volksgesundheit und der Siedlung bis zu künstlerisch großen Projekten gibt es kaum ein Gebiet völkischen Lebens, das nicht in irgendeiner Forni, in irgendeiner Ein-elfrage iür den Stellvertreter des Führers Arbeits gebiet geworden ist oder wird Seist ein Beweis des großen Vertrauens, das der einzelne Parteigenosse leiner Parteiführung entgegenbringt daß er fast alle Probleme seines persönlichen oder beruflichen Lebens, die er selbst nicht zu einer Lösung zu bringen vermag, der Parteileitung als solcher oder Rudolf Heß persönlich nahebringt.
Es sind ebenso Erfinder, wie Komponisten, ebenso Dichter wie Techniker, die für die Welt ihrer Gedanken, Pläne und Intuitionen um Verständnis werben, wie Bauern, Aerzte und Beamte. Mag auch neben Erstklassigem und Gutem noch so viel hoffnungslos unpraktische Verschrobenheit um Anerkennung ringen, das Verantwortungsgefühl gegenüber der Nation und gegenüber dem Staate, denen einziger ideeller Träger die NSDAP, ist, zwingt den Stellvertreter des Führers dazu, mit immer neuem Optimismus die Wünsche des einzelnen Parteigenossen und der einzelnen Organisationen zu prüfen und zu beurteilen, Es gehört eine besondere Charakteranlage für politische Seelsorge dazu, sich nicht durch die Fülle der Erscheinungen verwirren zu lassen, und stets das Richtige im entscheidenden Augenblick zu tun.
Es ist nicht allein die reibungslose Erledigung
angenommen worden sei. Allmählich und erst nach langen Verhandlungen erklärten sich Großbritannien und die Vereinigten Staaten bereit, als Ersatz ein System strikter und automatischer Ueber- wachung anzunehmen. Großbritannien ist seither noch weiter gegangen und hat die Konsultation im Falle einer Vertragsverletzung angeboten. Jetzt wünscht eine neue französische Regierung, den früheren Forderungen bezüglich der Uebcrwachung, Konsultation und Garantien noch weitergehende Bedingungen bezüglich der Sicherung der Alliierten Frankreichs in Zentral- und Osteuropa gegen einen Angriff hinzuzufügen. Beinahe jedes der nächstbeteiligten
dc: an den Stellvertreter des Führers herangebrachten Fragen aus den Gebieten der Kunst, der Kultur, der industriellen und landwirtschaftlichen Technik des ganzen Landes und Volksdeutschtums durch die Arbeit der Büros Heß garantiert, vielmehr macht die Bedeutung Rudolf Heß' aus, daß er immer wieder für neue, entscheidende, grundlegend klärende Arbeiten für alle Zeit- und Entwicklungsprobleme völkischen und nationalen, sozialen und kulturellen deutschen Lebens, so beispielsweise auch für studentische und Hochschulfra- gen, Fragen der Lehrwissenschaft usw. der Anreger ist. Die ungeheure Fülle der Ideen, die über die Zentralstellen der NSDAP. als einzigem geistigen Träger des Staates und einziger großen politischen Organisation des deutschen Volkes in die Regierungsmaschinerie geleitet werden müssen, ist nur unter Berücksichtigung der individualistischen Bielgestalt unseres Miliionenvolkes zu ermessen. Die Umleitung in staatspolitische Wirklichkeit setzt für die aufnehmende und weitergebende Instanz ein Höchstmaß an Arbeitsenergie voraus. Es entscheidet das Schicksal dieser Jdeenflllle, die überlegene, allem Neuen zugängliche, alles Alte wägende revolutionäre Persönlichkeit, die kraft innerer Ruhe bei dieser Arbeitsfülle und kraft stiller Selbstbewußtheit in allem Lärm der Tagespolitik, eben zu Führertum berufen ist, die Persönlichkeit: Rudolf Heß.
Es ist bei der Größe des Arbeitsgebietes selbstverständlich, daß dem Stellvertreter des Führers eine Anzahl Sachverständiger und Fachberater zur Seite stehen, die ihn über Einzelheiten informieren, deren Kenntnis für die Entscheidung notwendig ist. Daß diese ihren selbstverständlichen Ehrgeiz darin sehen, die Vorbereitungen für seine Entscheidungen möglichst schon aus der „Atmosphäre Rudolf Heß" zu treffen, ist ein Beweis für die innere Wärme seiner Persönlichkeit, die nie eines gewissen privaten Charakters ermangelt.
Es sei dieser ins Persönliche gehende Umriß der Wegweiser zum Verständnis der Arbeit und der Arbeiter um Rudolf Heß, Daß die Mitarbeiter ihre Pflicht tun, ist selbstverständlich. Daß sie ihr Aufgabengebiet beherrschen, dafür garantiert die Berufung durch Rudolf Heß in die entsprechenden Arbeitsgebiete, Aber das beides ist nicht das Wesentliche. Das Wesentliche ist vielmehr, daß sich um Rudolf Heß im engeren und besonders auch im weiteren Sinn in der Parteiorganisation jene Männer zusammenfinden, deren disziplinierr- revolutiouäre Wesensart ihnen diktiert, sich in jeder Handlung nicht zuvörderst als Sachbearbeiter, sondern zuerst als revolutionäre Kampfschar für eine neue Weltanschauung zu empfinden.
Es droht gewiß bei aller organisatorischen Schreibstubenarbeit die Gefahr der Bürokrati- sierung auch eines Einzelkämpfers. Daß die Männer um Rudolf Heß ihr nicht unterliegen werden, das danken sie ihm und Martin Bormann, dem Chef seiner Stäbe, Allerdings wird das Eefahrmoment bewußt durch die Arbeitsmethode ausgeschaltet. In den Büros wird nicht mehr Papier verschwendet als durchaus notwendig ist. Es wird dem Erinnerungsvermögen und dem Gehirn mehr zugetraut als dem Archiv, Das Vertrauen in die Pflichterfüllung eines Mitarbeitenden ist selbstverständlich. Dieses Vertrauen schließt kleinliche Kontrolle aus, und gibt der Arbeit täglich neu den inneren Austrieb. Konferenzen dienen einem Zweck, den sie ohne irgendeine Form absichtlicher Aeuherlichkeiten erreichen. Nicht aus Ressorts, auf Männern ist die Arbeitsteilung aufgebaut. Nicht die Akten diktieren das Denken, sondern die lebendigen Vorgänge in der Bewegung und in Deutschland finden ihren rhythmisch-lebendigen Spiegel, in der Tätigkeit der „Stäbe Rudolf Heß."
Länder hat wesentliche Opfer gebracht, indem es energisch festgehaltene Anschauungen aufgab. Es bedurfte zum Beispiel eines beträchtlichen Maßes guten Zuredens, bevor Deutschland der Umwandlung der Reichswehr in eine Truppe mit kurzer Dienstzeit zustimmte.
Wenn Zugeständnisse, die einmal gemacht worden sind, später wieder zurückgezogen werden, dann müssen die Verhandlungen ewig fortdauern. Die Besprechungen, die bei dem Weggang Deutschlands von Gens begonnen haben, waren tatsächlich beträchtlich über das Stadium der letzten französische» Note hinausgegangen und hatten (Fortsetzung auf Seite 2)
Frankreichs Taktik durchkreuzt
„Garantierung der Versailler Grenzen untragbar", sagt die Londoner „Times"
Gegen Versailles
ir. !Aü. Bremen, 6. April.
Auch die Kunst, bis an die äußerste Grenze des Möglichen zu gehen, ist nicht leicht. Frankreich hat sich in seinem Bestreben, die Abrüstung von sich abzuwenden und eine (bescheidene) Aufrüstung Deutschlands zu verhindern, jener Kunst mit einer gewissen Meisterschaft bedient. Indem es jetzt aber seine Zustimmung zu einer Rüstungsvereinbarung von einer neuen E a r a n t i erungderinden „F r i eden s"-V e rträgen fe st gelegten Grenzen seitens England abhängig macht, hat es den allzu straff gespannten Bogen zum Zerspringen gebracht. Man weiß, daß Frankreich nichts unversucht läßt, den völligen Zusammensturz des moralisch und materiell bereits stark erschütterten Versailler Systems zu verhindern, England sollte ihm hierbei, so glaubten es die Pariser Diplomaten unter verschleierter Androhung des Wettrüstens fordern zu dürfen, die entscheidenden Steigbügeldienste leisten: im Falle der Ablehnung dieser Forderung hofften die französischen Militärpolitiker wenigstens das Nicht,zustandekommen einer RUstungsbegren- zung als Gewinn zu verbuchen. Ünd nun stimmt die Rechnung nicht, nun müssen sich Frankreichs verantwortliche Politiker von der bedeutenden Londoner „Times" das Widersinnige ihres Verlangens vor Augen führen lassen, ohne der Begrenzung der Rüstungen aus dem Wege gehen zu können. Aus den an anderer Stelle wiedergegebenen Aeußerungen des großen Blattes geht deutlich der Unmut der englischen Oefsentlichkeit über die Verschiebung der Grundlagen des Meinungsaustausches' zwischen London und Paris hervor. Was uns vor allem interessiert und wofür wir Frankreich als dem ungewollten geistigen Urheber dankbar sein müssen, ist die erfrischend klare Feststellung der „Times", daß einige der europäischen Grenzen „nicht in jeder Hinsicht gut gezogen sind" und daß eine Mitwirkung Englands bei der Verewigung ber augenblicklichen „politischen Ordnung" nicht in Frage kommt. Das ist eine moralische Verurteilung der außen- poltijchen Pariser Taktik, die um so unangenehmer ist, als sie von Frankreich geradezu herausgefordert wurde. Und sollte sie dem Bewußtsein der französischen Minister wieder entschwinden, Deutschland hat ein besonders gutes Gedächtnis für solche Seiten- sprünge der Wahrheit.
Es ist gewiß ein Zufall, aber nicht ohne symbolische Bedeutung, daß sich gleichzeitig mit der Absage der englischen öffentlichen Meinung an Versailles der Außenminister einer der an Frankreich gebundenen Staaten f ü r die „Friedens"-Berträge einsetzt. Der rumänische Außenminister Titulescu, in diesem Falle auch Sprecher der Kleinen Entente, fühlt sich zunächst nicht so sehr durch die an Versailles nagenden Kräfte als durch die Bestrebungen gegen den Vertrag von Trianon, der Ungarn zu einem Torso seiner selbst machte, bedroht. Bei der Betonung seiner antirevisionistischen Politik nahm Titulescu, der übrigens hinsichtlich der österreichischen Frage die Interessen Deutschlands offen anerkannte, auf den Artikel 19 der Völkerbundssatzung Bezug. Dieser Artikel handelt — die Antirevisionisten sollten eigentlich n i ch t an ihn erinnern! — von der Nachprüfung unabwendbar gewordener Verträge und zwischenstaatlicher Verhältnisse, deren Aufrechterhaltung den Weltfrieden gefährden könnte. Allen europäischen Zeitgenossen, die etwa ihre Hoffnung auf eine solche zulässige Nachprüfung setzen könnten, möchte der rumänische Minister von vornherein einen Riegel vorschieben. Er meint, selbst wenn die Bundesversammlung den Artikel 19 auch auf Grenzfragen anwenden sollte, so müßten die entscheidenden Beschlüsse doch einstimmig gefaßt werden Sehr interessant: an eine Mehrheit innerhalb des Genfer Bundes gegen die Aenderung der Verträge glaubt Herr Titulescu also schon so wenig, daß er ohne Zö-
Wcrz ^s äottst Neues
Weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit in Bremen
Teutsche Reiter in Paris Die Flucht aus Linz gelungen Stabschef Rühm in Ragusa