Ausgabe 
(6.4.1934) Nr. 94
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

M°nats-Bczug: Be, täglichem Erscheinen RM. 2,80 einschließlich 30 Rps. Zustellungsgebühr-, durch die Post RM. 2,3» einschließlich Ueberweisungsgebühr, ausschl. Postbestellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrich­ten. — Postscheck Hamburg 172 72. — Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersatz. Bremer Zeitung, Verlagsgesellschaft m. b. H., Eeercn 6 bis 8 / Fernruf: Sammelnummer Roland 828.

19 3 4

Anzeiaen-Erundprcis«: Die 22-mw-Zeile im Anzeigenteil 12 Npl-, die 70-mm-Zeile im Textteil 7b Rps. Ermäßigte Grundpreise (sür Stellengesuche. Familienanzeigen. kleine Anzeigen Dereinsmitteilungen u. a., sowi- sonstige Bedingungen laut Preisliste. Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewahr. Annahmeschluß 16 Uhr. Sprechzeit des Verlages werktäglich von 12—13 Uhr, der Schriftleitung werktäglich von 18—17 Uhr.

Nr. Y 4 / 2. Vierteljahr

Freitag, den 6. April

Einzelpreis is Rpf.

So arbeitet die Vorteil

Der Stellvertreter -es Führers

Urteil im Duca-Vrozeß

Bukarest, 5. April.

Lebenslängliche Zwangsarbeit für die Täter Der Führer der Eisernen Garde frei­gesprochen

Im Prozeß gegen die Mörder des Mini­sterpräsidenten Duea fällte das Kriegs­gericht des zweiten Armeekorps soeben nach 14tägiger Verhandlung das Urteil. Der Student Konstantinescu, der die tödlichen Schüsse auf Duea abgegeben hatte, erhielt lebenslängliche Zwangsarbeit, ebenso seine beiden Helsershelfer, die Studenten Beli- mace und Carannica. Alle übrigen Ange­klagten wurden freigesprochen, darunter der Führer der Eisernen Garde, Codreanu, und der General Cantacuzino.

Das Urteil hat in Bukarest einen außer­ordentlich starken Eindruck gemacht, weil es in der Praxis auf eine Rehabilitierung der Eisernen Garde hinausläuft und eine schwere innenpolitische Niederlage der Regierung Patarescu bedeutet. Vor allem wird jetzt die Eiserne Garde wahrscheinlich einen außerordentlichen Zulauf bekommen. Was die Regierung tun wird, läßt sich im Augen­blick nicht sagen. Bereits vor einer Woche hieß es, daß sie im Falle eines Freispruches der Führer der'Bewegung zurücktreten und einer Regierung des Feldmarschalls Ave- rescu Platz machen müsse. Die Entscheidung darüber liegt jedoch bei der Krone. Sie mag ausfallen wie sie will, eines ist sicher, der große Kampf zwischen liberalistischer und faschistischer Idee hat vor dem Kriegsgericht mit einem moralischen Sieg der letzteren geendet, und seine Umwandlung in einen tatsächlichen dürfte nach Lage der Dinge nur noch eine Frage der Zeit sein.

Varifer Beamtenprotest

Gegen die Sparmaßnahmen der Regierung

Paris, 5. April.

Außer den Postbeamten, die beschlossen haben, mit aller Energie gegen die Durchführung der Sparmaßnahmen zu kämpfen, und dabei die Mög­lichkeit eines Generalstreiks ins Auge faßten, hielt auch eine Reihe anderer Beamtenvereinigungen Sitzungen ab. Die autonome Beamtenvereinigung, die Beamten der Verwaltung der indirekten Steuern und die Forstbeamtcn wollen gleichfalls gegen die Durchführung der Maßnahmen protestie­ren. Man rechnet damit, daß diese Protestwelle immer größer wird und befürchtet, daß die Regie­rung noch vor schwere Entschlüsse gestellt werden wird. „Echo de Paris" und andere Blätter erin­nern daran, daß es sich nur um einen ersten Ab­schnitt des Sparprogramms handele, da der ge­samte Fehlbetrag über vier Milliarden Franken betrage. Man werde demnach nicht umhin können, auch von den ehemaligen Kriegsteilnehmern Opfer zu fordern.

Neue Treuhänder der Arbeit

Berlin, 5. April.

Mit der vorläufigen Wahrnehmung der Geschäfte eines Treuhänders der Arbeit sind in den nachstehenden Wirtschastsbezirken folgende Herren beauftragt worden:

Bayern: Kurt Frey, M. d. R.

Brandenburg: Dr. Taeschner

Niedersachsen: Dr. Joses Klein

Pommern: Konteradmiral a. D. Claaßen

Sachsen: Ernst Stiehler. M. d. R.

Westfalen: Syndikus Karl Hahn

Der zum Treuhänder des Wirtschaftsgebietes Niedersachsen ernannte Dr. Josef Klein gehört seit einer Reihe von Jahren der NSDAP. an. Er war bisher Treuhänder der Arbeit für das rheinisch-westfälische Industriegebiet in Düssel­dorf. Er ist am 23. November 1890 in Köln ge­boren, studierte in Freiburg und Marburg Philo­sophie, Geschichte und Volkswirtschaft und pro­movierte zum Doktor phil. Am Kriege nahm er vom ersten Tage an inr Infanterieregiment 107 teil. Er wurde schwer verwundet und ist Inhaber des EK. II. Klasse. Nach dem Kriege war er Sozialsekrelär im Werk Ucrdingen der JE Far- benindustrie. Gleichzeitig war er führend in der deutschen Jugend- und Sportbewegung. So er­hielt er 1927, die preußische Adlerplakette für Ver­dienste in der Jugendwoblfahrt Er ist heute Sturmhauptfllhrer der SS. Am 21 . April 1932 wurde er Mitglied des Preußischen Landtages, am 31 Dali 1932 Mitglied des Reichstages. Im Juni 1933 wurde er zum Treuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Rheinland-Westfalen ernannt, das er jetzt mit dem Wirtschaftsgebiet Niedersachsen vertauscht hat.

Wir beginnen heute mit dem Abdruck der NSK.» Artikel-Serie: „So arbeitet die Partei!" Eine Reihe von Aufsähen und Berichten wird dem deutschen Volk einen ljeberblick geben über die für ihn arbeitenden Organisationen der NSDAP., über ihre derzeitige Wirksamkeit» über die Art ihrer heu­tigen Aufgaben und über ihre Arbeiten, und auch darüber hinaus über die Zukunftsausgaben, die alle mit der Leitung dieser Organisationen beauftragten Getreuen Adolf Hitlers sich selbst und ihrem poli­tischen Organismus stellen.

Es wird der gesamte deutsche parteipolitische Appa­rat dargestellt werden, weil die Neichsleitung der NSDAP. es für unbedingt notwendig hält, daß diese Kenntnis Allgemeingut wird. Mit ihr allein vermag der Volksgenosse seine Mitarbeit am Staat durchzuführen.

!78L Es ist dem nicht möglich, die Aufgaben und die Arbeitsweise des Stellvertreters des Führers und die aller ihm zur Mitarbeit direkt unterstellten Arbeitsbereiche zu verstehen, dem nicht zuvor die Persönlichkeit Rudolf Heß' ver­traut geworden ist. Denn diese Persönlichkeit spiegelt sich in den leitenden Männern der engeren Arbeitsbereiche, und kraft ihrer stellen sich Organisationsform und Arbeitsweise der „Stäbe" um Heß erstlich als Ausdrücke persön­lichen, urheberischen Anlegens und schöpferischen nationalsozialistischen Arbeiten? dar, und dann erst als „Instanzen" zur selbstverständlichen glatten Erledigung der papierenen politischen alltäglichen Aufgaben,

Weil er sich als einer der wenigen fast andert­halb Jahrzehnte seiner Lebenslinie — nach klarer Entscheidung im steten Willen Gefolgsmann Adolf Hitlers und nur dieser zu sein, voll be­wußt — treu blieb, ist Rudolf Heß heute der klarste, vorbildliche Typ des Nationalsozialisten Adolf Hitlerscher Prägung, nach dem die ent­schiedenen Deutschen der jungen Generation sich als Führer sehnen.

Sein Arbeitsfeld

forderte von ihm zuerst die Lösung organisato­rischer und personeller Aufgaben. Diese war für ihn ein selbstverständliches Erproben seiner ver- standesmäßigen Kraft, Seine Aufgabe als Stell­vertreter des Führers forderte von ihm: die Men­schen um sich und in der Partei nicht allein in ihren Handlungen und deren Auswirkungen nach eigenem Instinkt zu erkennen und zu be­urteilen, sondern sie auch mit den Augen des Führers in ihrer Bedeutung für die Bewegung abzuschätzen. Die Erfüllung dieser Pflicht war für ihn der selbstverständliche Beweis feiner psycho­logischen Fähigkeit: zu wägen und zu führen für einen höheren Zweck, nämlich für die Bewegung.

Seine tägliche Arbeit setzt sich zusammen aus einer unermüdlichen Kenntnisnahme aller Vor­gänge in der Bewegung, wobei einem politischen „Nur-Funktionär" der Vergangenheit für immer umaßlich bleiben wurde, wie wenige auch der Vor­gänge kleinerer Bedeutung aus der Ricsenorga- uisation der einzigen Partei Deutschlands ihm als derem organisatorüchen Oberhaupt verborgen bleiben. Aus der Vielheit der Vorgänge, die ihm täglich zur Kenntnis gebracht werden, hat er nun — eine zurzeit wohl tatsächlich nur von ihm zu lösende Aufgabe — das wirklich Bedeutungsvolle dem Führer mitzuteilen. Das sind alle jene An­gelegenheiten, die von entscheidender Bedeutung iür Partei, Reich oder Volk sind oder werden können. Nur der vermag das Maß der Verant­wortung zu ermessen das in dieser Aufgabe liegt, der weiß. daß Rudolf Heß nicht nur die Partei und das Volk im heutigen Reich, sondern daß ihm dazu noch besonders das Schicksal der 30 Millionen Deutschen außerhalb der Versailler Grenzen am Herzen liegt. Wieviel Entscheidungen muß er stets allein nerautworten, und wieviel dennoch dem Führer übermitteln'

Neben diesem Teil der Tagesaufgabe bleibt ein ebenso schwerwiegender: die Entscheidung über

London, 5. April.

Der am lO. April festgesetzte Zusammentritt des Büros der Abrüstungskonferenz in Genf veranlaßt die „Times", in einem Leitaufsatz den gegen­wärtige» Stand der Abrüstungssrage zu prüfen Eine Zeitlang habe man hosten können, auf dem Wege der diplomatischen Besprechungen voran­zukommen. Die letzte französische Note habe aber wieder zu einem Punkt des Weges zurückgeführt, der längst überschritten wor­den war. Frankreich erklärte zu Beginn der Ab­rüstungskonferenz, so fährt das Blatt fort, daß leine Nüstungsuermiiiderung möglich sei, ehe nicht ein Plan gegenseitigen Beistandes aufgestellt und

Hätte der Begriff „Jünger" im heutigen Sprach­gebrauch nicht schwärmerischen Beiklang, könnte man ihn auf Rudolf Heß' Stellung zum Führer anwenden: nur fehlt diesem Mann jedes, aber auch das geringste Anzeichen weicher oder gar weichlicher, unkritischer Schwärmerei. Seine We­senszeichen sind Klarheit im Erkennen des Guten oder Falschen in der Kritik, Willenskraft, und be­sonders: Ursprünglichkeit im Einfall. Seine Ent­scheidungen sind nicht Folgen exakt-bürokratischer Aktenlektüre, sie kommen vielmehr aus künstleri­scher Intuition und sind dabei in ihrer Richtung bedingt durch die Kenntnis der Materie, und sie werden in die Praxis hinein verwirklicht durch den Zusammenklang von Instinkt und Verstand für die Politik. Das Wesentliche aber bleibt eben der Einfall, der sein vom Schicksal geschenkter Reichtum ist.

Die Ursprünglichkeit des Einfalls führt zum Verständnis des „Stellvertreters" als zu einem Deutschen, dessen politisches Können aus künst­lerischer Anlage kommt. Wohl teilt er diese Quelle mit anderen leitenden Männern der Hitler-Be­wegung. Aber in der Vollendung, mit der er sein Sein und sein Schaffen wegtreu und schwäche- los, stets klar selbstbehauptend und dennoch rei­bungslos, über ein Jahrzehnt lang in fast ein­samer Stille dem Dienst der Idee, die im Mann Adolf Hitler ihre körperliche Gestalt fand, tätig geweiht hat, bleibt er doch ein Einzelner und ein Vorbild.

In bewußter Beschränkung aus das Thema feines Lebens: Nationalsozialismus — haben alle seine Intuitionen die gleiche Richtung, deren Ver­wirklichung, also seine Taten, den gleichen Ziel­punkt: Das Deutschland des Führers

in der Bewegung

die Fragen und Probleme, die ihm aus der Par­teiorganisation und den Neben- und Unterorgani­sationen der NSDAP, zum verantwortenden Ent­scheid fast täglich vorgelegt werden. Die Verord­nungen, Erlasse, Ankündigungen, Bekanntmachun­gen. die seinen Namen tragen, geben Zeugnis die­ser Arbeit ihr Inhalt Zeugnis der Vercintwor- tung^chwere.

Angefangen bei den Fragen der Volksgesund­heit und der Siedlung bis zu künstlerisch großen Projekten gibt es kaum ein Gebiet völkischen Le­bens, das nicht in irgendeiner Forni, in irgend­einer Ein-elfrage iür den Stellvertreter des Füh­rers Arbeits gebiet geworden ist oder wird Se­ist ein Beweis des großen Vertrauens, das der einzelne Parteigenosse leiner Parteiführung ent­gegenbringt daß er fast alle Probleme seines per­sönlichen oder beruflichen Lebens, die er selbst nicht zu einer Lösung zu bringen vermag, der Partei­leitung als solcher oder Rudolf Heß persönlich nahebringt.

Es sind ebenso Erfinder, wie Komponisten, ebenso Dichter wie Techniker, die für die Welt ihrer Gedanken, Pläne und Intuitionen um Ver­ständnis werben, wie Bauern, Aerzte und Be­amte. Mag auch neben Erstklassigem und Gutem noch so viel hoffnungslos unpraktische Verschro­benheit um Anerkennung ringen, das Verantwor­tungsgefühl gegenüber der Nation und gegenüber dem Staate, denen einziger ideeller Träger die NSDAP, ist, zwingt den Stellvertreter des Füh­rers dazu, mit immer neuem Optimismus die Wünsche des einzelnen Parteigenossen und der einzelnen Organisationen zu prüfen und zu be­urteilen, Es gehört eine besondere Charakter­anlage für politische Seelsorge dazu, sich nicht durch die Fülle der Erscheinungen verwirren zu lassen, und stets das Richtige im entscheidenden Augenblick zu tun.

Es ist nicht allein die reibungslose Erledigung

angenommen worden sei. Allmählich und erst nach langen Verhandlungen erklärten sich Großbritan­nien und die Vereinigten Staaten bereit, als Er­satz ein System strikter und automatischer Ueber- wachung anzunehmen. Großbritannien ist seit­her noch weiter gegangen und hat die Konsul­tation im Falle einer Vertragsverletzung ange­boten. Jetzt wünscht eine neue französische Re­gierung, den früheren Forderungen bezüglich der Uebcrwachung, Konsultation und Garantien noch weitergehende Bedingungen bezüglich der Si­cherung der Alliierten Frankreichs in Zentral- und Osteuropa gegen einen Angriff hinzuzufügen. Beinahe jedes der nächstbeteiligten

dc: an den Stellvertreter des Führers herange­brachten Fragen aus den Gebieten der Kunst, der Kultur, der industriellen und landwirtschaftlichen Technik des ganzen Landes und Volksdeutschtums durch die Arbeit der Büros Heß garantiert, viel­mehr macht die Bedeutung Rudolf Heß' aus, daß er immer wieder für neue, entscheidende, grund­legend klärende Arbeiten für alle Zeit- und Ent­wicklungsprobleme völkischen und nationalen, so­zialen und kulturellen deutschen Lebens, so bei­spielsweise auch für studentische und Hochschulfra- gen, Fragen der Lehrwissenschaft usw. der An­reger ist. Die ungeheure Fülle der Ideen, die über die Zentralstellen der NSDAP. als einzigem geistigen Träger des Staates und einziger großen politischen Organisation des deutschen Volkes in die Regierungsmaschinerie geleitet werden müssen, ist nur unter Berücksichtigung der individualisti­schen Bielgestalt unseres Miliionenvolkes zu er­messen. Die Umleitung in staatspolitische Wirklich­keit setzt für die aufnehmende und weitergebende Instanz ein Höchstmaß an Arbeitsenergie voraus. Es entscheidet das Schicksal dieser Jdeenflllle, die überlegene, allem Neuen zugängliche, alles Alte wägende revolutionäre Persönlichkeit, die kraft innerer Ruhe bei dieser Arbeitsfülle und kraft stiller Selbstbewußtheit in allem Lärm der Tages­politik, eben zu Führertum berufen ist, die Per­sönlichkeit: Rudolf Heß.

Es ist bei der Größe des Arbeitsgebietes selbst­verständlich, daß dem Stellvertreter des Führers eine Anzahl Sachverständiger und Fachberater zur Seite stehen, die ihn über Einzelheiten infor­mieren, deren Kenntnis für die Entscheidung not­wendig ist. Daß diese ihren selbstverständlichen Ehrgeiz darin sehen, die Vorbereitungen für seine Entscheidungen möglichst schon aus der „Atmo­sphäre Rudolf Heß" zu treffen, ist ein Beweis für die innere Wärme seiner Persönlichkeit, die nie eines gewissen privaten Charakters er­mangelt.

Es sei dieser ins Persönliche gehende Umriß der Wegweiser zum Verständnis der Arbeit und der Arbeiter um Rudolf Heß, Daß die Mitarbei­ter ihre Pflicht tun, ist selbstverständlich. Daß sie ihr Aufgabengebiet beherrschen, dafür garantiert die Berufung durch Rudolf Heß in die entsprechen­den Arbeitsgebiete, Aber das beides ist nicht das Wesentliche. Das Wesentliche ist vielmehr, daß sich um Rudolf Heß im engeren und besonders auch im weiteren Sinn in der Parteiorganisation jene Männer zusammenfinden, deren disziplinierr- revolutiouäre Wesensart ihnen diktiert, sich in jeder Handlung nicht zuvörderst als Sachbearbei­ter, sondern zuerst als revolutionäre Kampfschar für eine neue Weltanschauung zu empfinden.

Es droht gewiß bei aller organisatorischen Schreibstubenarbeit die Gefahr der Bürokrati- sierung auch eines Einzelkämpfers. Daß die Männer um Rudolf Heß ihr nicht unterliegen werden, das danken sie ihm und Martin Bor­mann, dem Chef seiner Stäbe, Allerdings wird das Eefahrmoment bewußt durch die Arbeits­methode ausgeschaltet. In den Büros wird nicht mehr Papier verschwendet als durchaus notwendig ist. Es wird dem Erinnerungsver­mögen und dem Gehirn mehr zugetraut als dem Archiv, Das Vertrauen in die Pflichterfüllung eines Mitarbeitenden ist selbstverständlich. Dieses Vertrauen schließt kleinliche Kontrolle aus, und gibt der Arbeit täglich neu den inneren Austrieb. Konferenzen dienen einem Zweck, den sie ohne irgendeine Form absicht­licher Aeuherlichkeiten erreichen. Nicht aus Ressorts, auf Männern ist die Arbeitsteilung aufgebaut. Nicht die Akten diktieren das Denken, sondern die lebendigen Vorgänge in der Bewegung und in Deutschland finden ihren rhythmisch-lebendigen Spiegel, in der Tätigkeit der „Stäbe Rudolf Heß."

Länder hat wesentliche Opfer gebracht, indem es energisch festgehaltene Anschauungen aufgab. Es bedurfte zum Beispiel eines beträchtlichen Maßes guten Zuredens, bevor Deutschland der Umwand­lung der Reichswehr in eine Truppe mit kurzer Dienstzeit zustimmte.

Wenn Zugeständnisse, die einmal gemacht wor­den sind, später wieder zurückgezogen werden, dann müssen die Verhandlungen ewig fortdauern. Die Besprechungen, die bei dem Weggang Deutsch­lands von Gens begonnen haben, waren tatsäch­lich beträchtlich über das Stadium der letzten französische» Note hinausgegangen und hatten (Fortsetzung auf Seite 2)

Frankreichs Taktik durchkreuzt

„Garantierung der Versailler Grenzen untragbar", sagt die Londoner „Times"

Gegen Versailles

ir. !Aü. Bremen, 6. April.

Auch die Kunst, bis an die äußerste Grenze des Möglichen zu gehen, ist nicht leicht. Frank­reich hat sich in seinem Bestreben, die Ab­rüstung von sich abzuwenden und eine (be­scheidene) Aufrüstung Deutschlands zu verhin­dern, jener Kunst mit einer gewissen Meister­schaft bedient. Indem es jetzt aber seine Zu­stimmung zu einer Rüstungsvereinbarung von einer neuen E a r a n t i erungderinden „F r i eden s"-V e rträgen fe st geleg­ten Grenzen seitens England abhängig macht, hat es den allzu straff gespannten Bo­gen zum Zerspringen gebracht. Man weiß, daß Frankreich nichts unversucht läßt, den völligen Zusammensturz des moralisch und materiell bereits stark erschütterten Versailler Systems zu verhindern, England sollte ihm hierbei, so glaubten es die Pariser Diploma­ten unter verschleierter Androhung des Wett­rüstens fordern zu dürfen, die entscheidenden Steigbügeldienste leisten: im Falle der Ab­lehnung dieser Forderung hofften die fran­zösischen Militärpolitiker wenigstens das Nicht,zustandekommen einer RUstungsbegren- zung als Gewinn zu verbuchen. Ünd nun stimmt die Rechnung nicht, nun müssen sich Frankreichs verantwortliche Politiker von der bedeutenden Londoner „Times" das Wider­sinnige ihres Verlangens vor Augen führen lassen, ohne der Begrenzung der Rüstungen aus dem Wege gehen zu können. Aus den an anderer Stelle wiedergegebenen Aeußerungen des großen Blattes geht deutlich der Unmut der englischen Oefsentlichkeit über die Ver­schiebung der Grundlagen des Meinungsaus­tausches' zwischen London und Paris hervor. Was uns vor allem interessiert und wofür wir Frankreich als dem ungewollten geistigen Urheber dankbar sein müssen, ist die er­frischend klare Feststellung der „Times", daß einige der europäischen Grenzen „nicht in jeder Hinsicht gut gezogen sind" und daß eine Mitwirkung Englands bei der Verewigung ber augenblicklichen „politischen Ordnung" nicht in Frage kommt. Das ist eine mora­lische Verurteilung der außen- poltijchen Pariser Taktik, die um so unangenehmer ist, als sie von Frankreich geradezu herausgefordert wurde. Und sollte sie dem Bewußtsein der französischen Minister wieder entschwinden, Deutschland hat ein besonders gutes Gedächtnis für solche Seiten- sprünge der Wahrheit.

Es ist gewiß ein Zufall, aber nicht ohne symbolische Bedeutung, daß sich gleichzeitig mit der Absage der englischen öffentlichen Meinung an Versailles der Außenminister einer der an Frankreich gebundenen Staaten f ü r die „Friedens"-Berträge einsetzt. Der rumänische Außenminister Titulescu, in die­sem Falle auch Sprecher der Kleinen Entente, fühlt sich zunächst nicht so sehr durch die an Versailles nagenden Kräfte als durch die Be­strebungen gegen den Vertrag von Trianon, der Ungarn zu einem Torso seiner selbst machte, bedroht. Bei der Betonung seiner antirevisionistischen Politik nahm Titulescu, der übrigens hinsichtlich der österreichischen Frage die Interessen Deutschlands offen an­erkannte, auf den Artikel 19 der Völ­kerbundssatzung Bezug. Dieser Artikel handelt — die Antirevisionisten sollten eigent­lich n i ch t an ihn erinnern! — von der Nach­prüfung unabwendbar gewordener Verträge und zwischenstaatlicher Verhältnisse, deren Aufrechterhaltung den Weltfrieden gefährden könnte. Allen europäischen Zeitgenossen, die etwa ihre Hoffnung auf eine solche zulässige Nachprüfung setzen könnten, möchte der rumä­nische Minister von vornherein einen Riegel vorschieben. Er meint, selbst wenn die Bun­desversammlung den Artikel 19 auch auf Grenzfragen anwenden sollte, so müßten die entscheidenden Beschlüsse doch einstimmig gefaßt werden Sehr interessant: an eine Mehrheit innerhalb des Genfer Bundes gegen die Aenderung der Verträge glaubt Herr Ti­tulescu also schon so wenig, daß er ohne Zö-

Wcrz ^s äottst Neues

Weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit in Bremen

Teutsche Reiter in Paris Die Flucht aus Linz gelungen Stabschef Rühm in Ragusa