Ausgabe 
(23.3.1933) Nr. 75
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Der Herr Reichspräsident empfing heute den Präsidenten des Senats der Freien Hansestadt Bremen, Herrn Bürgermeister Dr. Martert, in Begleitung des mit der bre­mischen Vertretung beim Reich beauftragten Dr. Rudolph Firle. Der Herr Reichspräsi­dent zeigte lebhaftes Interesse für die Lage unserer Hansestadt und beauftragte den Prä­sidenten des Senats, Bremen seine besten Wünsche für eine baldige Belebung des bremischen Handels und der bremischen Schiffahrt zu übermitteln.

Der Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen, Bürgermeister Dr. Mar- kert, der heute in Begleitung des mit der bremischen Vertretung beim Reich betrauten Dr. Firle vom Reichskanzler empfangen wurde, teilte dem Herrn Reichskanzler bei dieser Gelegenheit mit, daß der Senat der Freien Hansestadt Bremen beschlossen habe, dem Herrn Reichskanzler die Ehrenbürger rechte der Hansestadt Bremen zu verleihen.

Der Herr Reichskanzler gab seiner aufrichtigen Freude über diese Ehrung Ausdruck und betonte, daß ihn mit Bremen persönliche Erinnerungen verbänden uns daß er gern bereit wäre, einer Einladung des Senats zur Ucberreichung der Ehrenbürgerurkuudc in Bremen Folge zu leisten, um bei dieser Gelegenheit auch die Hafenanlagcu Bremens und Bremerhavens kennenzulernen.

Ferner machten die beiden Herren heute dem Vizekanzler von Papen, sowie den Reichsministern Dr. Frick, Dr Hugenberg, Freiherr» Eltz v. Rübenach und von Blomberg ihre Aufwartung.

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Berlin, 22. März. Zur Eröffn ungs-

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Berlin 22. März- Der Borgans des All­gemeinen Deutschen Gewerkschafts-Bundes gibt folgende Erkärung bekannt, die dem Reichskanzler durch den Vorsitzenden des ADGB, Leipart. am 21. März übermittelt Worden ist.

„Die Gewerkschaften find der Ausdruck einer unabweichbaren sozialen Notwendig­keit, ein unerläßlicher Bestandteil der sozia­len Ordnung selbst. Als organisierte Selbst­hilfe der Arbeiterschaft find die Gewerkschaf­ten ins Lebe« getreten und im Verlaufe ihrer Geschichte aus natürlichen Gründen mehr und mehr auch mit dem Staate selbst verwachsen. Die sozialen Aufgaben der Ge­werkschaften müssen erfüllt werden, gleich­viel welcher Art das Staatsrcgime ist.

Die großen Tarifgemeinschaften zur Re­gelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen der deutschen Arbeiterschaft sind der untrüg­liche Beweis dafür, daß die Gewerkschaften von dem Willen geleitet sind. die ihnen cb- liegende Vertretung der Arbeiierinterejsen in freier Vereinbarung mit den Unterneh­mern wahrzunehmen. Trotz aller Wirrnisse und wirtschaftlichen Schwierigkeiten haben t,«e Tarifverträge durch die Jahrzehnte sich erhalten und in weitem Umfange dem Wirtfchaftsfricden gedient.

Durch die Anerkennung und Inanspruch­nahme des staatlichen Schlichtungswesens haben die Gewerkschaften gezeigt, daß sie das Recht des Staates anerkennen, in >ie Auseinandersetzungen zwischen organisier­ter Arbeiterschaft und Unternehmertum ein­zugreifen, wenn das Allgemcinmteresse es erforderlich macht.

Die Gewerkschaften haben der freiwilligen Vereinbarung mit den Unternehmern stets den Vorzug vor Zwangstarifen gegeben und halten auch weiterhin an dieser Auf- sassung fest. Sie sind durchaus bereit, auf diesem Wege im Sinne einer Selbstverwal­tung der Wirtschaft auch über das Gebiet der Lohn- und Arbeitsbedingungen hinaus dauernd mit den Unternehmer-Organisa­tionen zusammenzuwirken. Eine staatliche Aussicht über solche Gemeinschaftsarbeit der freien Organisationen der Wirtschaft könnte ihr unter Umständen durchaus förderlich sein, ihren Wert erhöhen und chrc Durchfüh­rung erleichtern.

Die Gewerkschaften beanspruchen nicht, auf die Politik des Staates unmittelbar ein-, zuwirken. Ihre Aufgabe in dieser Hinsicht kann nur sein, die berechtigten Wünsche der Arbeiterschaft in bezug auf sozial- und wirt- schastspolitische Maßnahmen der Regierung und Gesetzgebung zuzuleiten sowie der Re­gierung und dem Parlament mit ihren Kenntnissen und Erfahrungen aus diesen« Gebiet dienlich zu sein.

Die Gewerkschaften beanspruchen für sich kein Monopol. Ueber der Form der Organi­sation steht die Wahrung der Arbeiterinter- esscn. Eine wahre Gewerkschaft kann sich aber nur auf freiwilligen Zusammenschluß stütze,«. Sie mutz von den Unternehmern ebenso wie von den politischen Parteien un­abhängig sein.

sitzung «des Preußischen Landtages ist der Voll­sitzungssaal festlich mit Lorbeerbäumen und Palmengrü» geschmückt. Die Wand hm er den Plätzen des Präsidiums ist in der Mitte mit den schwarz-weißen Landesfarben, zu beiden Seiten mit der Hakenkreuz- und der alten Reichsflagge schworz-weiß-rot bekleidet. Die Tribünen sind überfüllt.

Die Nationalsozialistische Fraktion zog kurz bor 15 Uhr in Braunhemden geschlossen in den Sitzungssaal ein. Präsident Pg. Kerrl begab sich aus seinen Abgeordnetenplatz.

Um 15.15 Uhr erscheint das Weste Mitglied des Landtags, Pg. General a. D. Litzmann, auf dem Prüsidenteuplatz. Er wurde ron der Nationalsozialistische» Fvaktwn durch Erheben von den Sitzen und Haudausheben begrüßt.

Litzmann stellte fest, daß er das äl este Mit­glied des Landtages sei. Er eröffnete die Sitzung, berief die vorläufigen Schriftführer und führte dann mit bewegter Stimme aus: „Es ist. eine besondere Ehre und Freude für mich, noch einmal als Alterspräsident den Landtag eröffnen zu dürfen, gerade diesen Landtag, den ich den Landtag des Hitler- Frühlings nennen möcht». Wer über die Be­deutung dieses Frühlings noch nicht im klaren war, dem werden durch den unvergeßlichen ge­strigen Tag in Potsdam und in der Krolloper die Augen aufgegangen sein.

In dieser Stunde ist es mir ein Herzens­bedürfnis, anszusprechen, daß der nationale Umschwung reiner anderen Bewegung zu danken ist als Adolf Hitler und seiner natio­nal sozialistischen BÄveguug,."

Zur Erledigung stand dann die Wahl des Präsidiums.

Abg. Pg. Kulbe schlägt für seine Fraktion die Wiederwahl des bisherigen Landtagsprä­sidenten Kerrl vor und geht in einer Ansprache auf die Bedeutung der nationalen Erhebung in Deutschland ein,. Am 22. März, so erklärt er, tritt dieser Landtag zusammen^ Kein besserer Tag konnte dafür bestimmt werden als der Tag, an dem der letzte große Repräsentant auf dem Thron der Hohenzollern, König Wil­helm I. von Prelrßen, seinem Volke geschenkt würd«.

Abg. Knbe kommt dann auf die Entwicklung der nationalsozialistischen Vertretung im Preu­ßischen Landtag zu sprechen und erklärt, daß die früheren kleinen Vertretungen der Natio­nalsozialisten in diesem Hause von den Links­parteien en canaille behandelt worden seien.

Man habe sogar einmal die Schamlosig­keit besessen, einen Nationalsozialisten im Restaurant des Landtages mit zwei Pollacken an einen Tisch setzen zu wollen.

Heute kommen diese Leute zu uns und ver­langen gleichberechtigte und ritterliche Be­handlung. Sie sollen so behandelt werde», wie sie es verdient haben. (Stürmischer Beifall bei den Nationalsozia­listen.) Abg. Kulbe weist auf den leeren Platz des preußischen Ministerpräsidenten hin und erklärt: Braun hat das Preußen preisgegeben, das er zehn Jahre lang dmngsaliert und un­terdrückt hat. Wir Nationalsozialisten werden der kommenden Regierung Preußens jedes Mit­tel zur Verfügung stellen, um die Pest des Mar- Aorsetzuna auf Seite 2

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Polizeisenator Laue vor der bremischen Presse

Mit sicherer Hand ist Bremen wieder in die Reichspolitik eingegliedert worden. Bür­germeister Dr. Martert hat gestern Fühlung sowohl mit dem Reichspräsidenten, wie mit der Reichsregierung genommen und es ist ihm Dank der Initiative, die der Bremer Senat in dieser Frage gezeigt hat, ge­lungen, den Reichskanzler Adolf Hitler, den neuen Ehrenbürger der Stadt Bremen, zu einem baldigen Besuch unserer Hafen­anlagen zu gewinnen. Damit dürfte von der neuen Regierung zunächst alles getan sein, um Bremen bei den kommenden po­litischen und wirtschaftlichen Entscheidungen soweit als möglich eingeschaltet zu haben. Mit besonderer Genugtuung erfüllt es uns, daß die Hansestadt Bremen als erste dem Reichskanzler das Ehrenbürgerrecht ver­liehen hat, nachdem der Reichspräsident von Hindenburg schon vor Jahren diese Auszeichnung erhielt, die höchste, die die Hansestadt zu vergeben hat.

Auch der innerpolitische Weg, den die Bremer Regierung zu gehen gewillt ist, liegt jetzt klar vor uns. Polizeisenator Laue hat in der ihm eigenen herzerfrischenden Art die bremische Presse in einer Besprechung von seinen Absichten und Zielen in Kennt­nis gesetzt. Er hat dabei unter anderem folgendes erklärt:

„Ich bin mir völlig klar darüber, daß meine Aufgabe keine leichte ist, zumal ge­wisse Maßnahmen, die im Interesse des Staates getroffen werden müssen, durch die jahrelange Fehlleitung des Fühlens und Denkens der deutschen Menschen einfach nicht verstanden werden. Ich trage aber die volle Verantwortung dafür, daß die Aufbauarbeit auch in unserem bremischen Staatsgebiet völlig reibungslos durchge­führt wird. Dies aber kann nur geschehen, wenn Ruhe und Ordnung gewährleistet ist. Es steht zu diesem Zweck eine wohlorgani- sierte und in ihrer politischen Gesinnung national denkende durchaus disziplinierte Polizeitruppe und ein vorbildliches Ossizier­korps zur Verfügung. Ich werde rücksichts­los und ohne irgendwelche Hemmung gegen alle diejenigen Kreise vorgehen, die glauben, durch ihre Machenschaften den Wiederaufbau stören und sabotieren zu dürfen. Diese Kreise werden sehr bald zu der Erkenntnis kommen, daß in den letzten Tagen auch in Bremen ein grundsätzlicher Wandel ein­getreten ist. Die Zeiten des Duldens und Gewährenlassrns haben der nationalen Sache in den letzten 14 Jahren derartig geschadet, daß es jetzt damit endgültig zu Ende sein muß. Es wäre ein idealer Zu­stand, wenn die Sicherungen des Staates sich auf einen geringeren Umfang beschrän­ken könnten, aber die sittliche Auffassung ist z. T. derartig tief abgesunken, daß es zunächst jahrzehntelanger erzieherischer und aufklärender Arbeit bedarf, um den Umfang polizeilicher Maßnahmen auf ein Mindest- praß zu beschränken. Bis dahin bleibt nichts