Ausgabe 
(18.3.1933) Nr. 70
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

7 N7»!N'lv«vcV''7»^ »rrv»'

Sn.70

«Istrr'gsns ^923

Lonnsdsnil, «I«n 4 S. ISSN

Linrslpnsi» IS

KmtMKL ÄMLKrLLlk«ÜQLM1e1w ^LÄLMLI

L?SL^?ÄLM°S^ Parteiamtliches Organ der DSi

Fernsprecher: Domsheide 258 78.— Die BN.fi erscheint wöchent» ^ 5 » u- FamUie

»ich siebenmal als Morgenzeitung und kostet ^ 8.30 frei I II 1

Haus. durch die Post zuzüglich 42 Bestellgeld. ^-4^4444^ ^ 4444^ 4 V 4444444444?^ 4 4

Anzeigen: hiesige die 10 gespaltene mm-Zeile 0.10, auswärts '0.12; im Textteil ^ 0.50, auswärts ^ 0.70; Stellengesuch« . Familieuanzeigen Kl 0.06; sonstige kleine Anzeigen 0.08 Platzvorschr.o. Verbindlichkeit. Bei Betriebsstörung, Streik, Der» bot usw. hat der Bezieher keinen Anspruch aui Rückz. d. BezugSp»

Sosning In Stettin:

Sie ^bi'sednung muk unrl wii'lt

llurekgstüki't wsi'rlsn

Stettin, 17. März. Die Hauptver­sammlung des Pommerschen Landbundes zeigte sich in einer starken Geschlossenheit und wurde zu einer gewaltigen Kundge­bung der nationalen Front- Unter großen Kundgebungen unabsehbarer Menschen­mengen schritten Reichsminister Goering,

- Staatssekretr von Rohr und der Komman- l dcur des Wehrkreiskommandos 2, General­leutnant von Bock, die Fronten des Stahl­helms, der SA. und der Polizeiabteilungen ab. Nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des Pommerschen Landbun- dcs, Bauernhofbesitzer Rannow, wies der Pommersche Landarbeiterführer Wolfs auf die Verbundenheit der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der pommerschen Land­wirt chaft hin. Dann nahm Reichsminister Pg. Goering das Wort und führte folgen­des aus: Vierzehn Jahre liegen hinter uns; es war ein schwerer Weg, den das deutsche Volk gegangen ist. Und hier waren die größten Sorgen und die größten Nöte dem deutschen Bauern ant dre Schultern gelegt. Es war eine der allerersten Sitzun­gen der neuen Regierung, in der der Kanz­ler jenes Wort sprach: Wir müssen jetzt unter allen Umständen den deutschen Bau­ern retten.

Selbstverständlich muß der Landwirt-

- schaft auch auf gesetzgeberischem Wege durch Verordnungen der Regierung geholfen werden. Damit allein aber kann man dem deutschen Bauern nicht die Rettung bringen. Weit wirksamer als jede Verordnung wäre es, wenn nun endlich eine gigantische Auf­klärung und ein eiserner nationaler Erztc- hungswille und Erziehungszwang den deutschen Menschen dahin erziehen würde, wieder die einheimischen Erzeugnisse zu nehmen rmd nicht die ausländischen.

Ich verwahre mich auf das entschiedenste dagegen, daß man mir vorgeworfen hat, ich habe auf meiner Essener Rede das Signal zur Disziplinlosigkeit, ja zu Plünderungen und ähnlichem mehr gegeben. Aber das eine bekenne ich auch hier wieder:

Ich bin nicht so feige, um abzurücken von dem» was sie im Ueberschwang der Gefühle ge­tan haben, sondern ich bekenne mich zu ihnen. Wenn sie gefehlt haben, dann find ihre Führer, dann bin auch ich verantwortlich. Mr haben gesäubert, und die Abrechnung für fluchwürdige Berbrechen der deutschen Geschichte, die Abrech­nung für jenen fluchwürdigen November 1618 — sie wird und sie muß durchgeführt werden! (Stürmischer Beifall). Wenn jetzt auf allen Dächern und über allen Straßen wieder die schwarzweißrote Fahne aufgezogen wurde, die Fahne unter der Deutschland seine schwerste Zeit erlebte, so darf ich heute aber auch in dieser Stunde von Euch eins verlangen: Dankbarkeit gegenüber einem »Mieren Zeichen, von dem nie­mand mehr glauben darf, daß er zu fein wäre, sich dazu zu bekennen (Stürmischer langanhalten­der Beifall). So sehr es richtig war, daß das alte Banner wieder auf den Mast emporgezogen wurde — vergesset aber nicht, das war nur mög­lich, weil jenes Banner den Sieg errang (erneu­ter Beifall). In dieser Erkenntnis hat der Gene- ralseldmarschall beide Zeichen gleichmäßig und gleichzeitig als die deutschen Hoheitszeichen be­stimmt.

Wenn der Vorredner gesagt hat, der Marxis­mus darf nicht mehr MrüÄommen, so will ich

sagen: nicht nur nicht zurückkommen wirb er, aus­rotten werden wir ihn. Ich werde diesen Krea­turen solange die Faust in den Nacken setzen, bis sie erledigt sind (Stürmischer Beifall). Nicht nur ausrotten werden wir diese Pest, wir werden auch das Wort Marxismus aus jedem Buch heraus­reißen.

Der Bauer muß sich darüber klar sein, daß er heilige Verpflichtungen gegenüber diesem Boden hat, für den Millionen bereit sind, ihr Leben zu geben. Denkt daran, daß gerade ihr als Bauern, als Glied in der Kette von Generationen be­sondere Verpflichtungen gegenüber dem Vater­land habt.

Goering, der bei seinem Erscheinen mit einem dreifachen Siegheil und lebhaften Kundgebungen begrüßt worden war, erntete am Schluß seiner Ausführungen stürmischen langanhaltenden Bei­fall. Anschließend sprach Staatssekretär von Rohr über die agrarpolitischen Ziele der Regierung und die Grundsätze, auf dem die Landwirtschaftspolitik in Zukunft ausgebaut werden soll.

Sioening von klon ^o>ZLoiokß«2ion«n

Berlin, 17. März. Auf dem Vertreber- tag der Polizeroffiziere Preußens hielt heute

vormittag Reichsminister Pg. Goering eine An­sprache. Er sprach seinen aufrichtigen Dank da­für aus, daß der Verein über alle wirtschaft­lichen Dinge hinaus ein Hort des nationalen Empfindens güvesen sei. Die Vereinigung habe Mich unter schärfstem Druck gegenüber einer da­mals regierenden Weltanschauung einen natio­nalen Rückhalt gebildet, dessen Wert nicht ver­gessen werden solle. Im Gegensatz dazu habe der Schrader-Verband sich bemüht, Unzufrie­denheit unter den Untergebenen gegen die Vor­gesetzten zu erregen. Jetzt sei es nicht mehr notwendig, daß solche Verbände die wirtschaft­lichen Belange ihrer Mitglieder vertreten. Er, der Minister, lasse sich von niemandem bei der Sorge für die Untergebenen übertreffen. Er schloß mit dem Wunsch, daß die preußische Schutzpolizei ein vom ganzen preußischen Volk geliebter und geehrter Faktor des Staates wer­den möge.

Die Vereinigung beschloß, ihren Namen umzuwandeln in „Kameradschaftliche Ver­einigung der Polizeioffiziere Preußens". In den Satzungen wurde der Satz: „Die Vereinigung ist Mitglied des Reichsver­bandes deutscher Polizeiofsiziere und des Reichsbundes der Höheren Beamten" .ge­strichen.

ttilis -üi* Äsn IVIittsIsIsnÄ

dlsunvgslung Äss Ki»vÄi1wsssns UNÄ SSsusi*-

splsivkisi'ungsn

Berlin, 17. März. Wenn der Reichs­tag etwa in der übernächsten Woche seine Beratungen beendet hat, und die Regierung für die sachliche Arbeit auf wirtschaftlichem Gebiete freie Hand erhalten hat, werden von dem Reichswirtschaftsministerium der Reichsregierung eine Reihe von Vorlagen zum Teil nach gemeinsamer Vorarbeit mit anderen Ministerien vorgelegt werden, die für die weitere wirtschaftliche Entwicklung von größter Bedeutung sind.

Noch vor der Reichstagssitzung wird, wahrscheinlich auf Vorschlag des Reichs­wirtschafts- und Reichsernährungsministe­riums eine Verordnung des Kabinetts er­gehen, wonach Neuwahlen für die Handels­kammern, Gewerbekammern und Landwiri- schastskammern stattfinden sollen. Weiter werden auch einige handelspolitische Fra­gen bis zu dieser Zeit zum Abschluß fertig sein.

Dazu kommt eine Vorlage, die die Lö­sung des mittelständischen Kreditwesens aus dem großkapitalistischen Komplex znm Ziele hat und weiter eine Zusammenfassung des Genossenschaftswesens in ganz Deutsch­lands. Der Zweck dieser Maßnahme ist die wirtschaftliche Stärkung des Mittel­standes und die Schaffung von Kredit­grundlagen für den Mittelstand, auf denen eine ruhige Aufbauarbeit wieder möglich ist. Außerdem ist eine Neuregelung des Ver­hältnisses der Reichsbank zum Reiche in Aussicht genommen.

Unter den Plänen, die weiter zur wirt­schaftlichen Erleichterung erörtert werden, findet sich auch die Aufhebuna der Getränke­

steuer und die Aufhebung der Lustbarkeits­steuer. Auf dem Gebiete der Neuordnung des Krankenkassenwesens wird demnächst der Vorschlag einer Sperre für die Ein­stellung von Krankenkasienbeamteu gemacht werden. Weiter ist zur Vereinfachung der Verwaltung eine Zusammenlegung des Statistischen Reichsamts und des Preußi­schen Statistischen Landesamts geplant. Schließlich wird vorn Reichswirtschafts- minister eine wesentliche Veränderung in der Zusammensetzung des sogenannten „Vorläufigen Reichswirtschastsrats" durch­geführt werden. Dieser „Vorläufige Reichswirtschaftsrat" tagt in seiner jetzigen Zusammensetzung seit über zwölf Jahren. Er ist seinerzeit unter dem wesentlichen Einfluß der sozialdemokratischen Gewerk­schaften gebildet worden.

Hufnsumsn in Äsn Kspssn

Berlin, 17. März. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit:

Der Kommissar des Reiches für das preußische Ministerium für Wirtschaft und Arbeit, Dr. Hu- genberg, hat eine Umgestaltung der Börsenord­nung angeordnet, die auch eine grundlegende Re­form der Berliner Börse - herbeiführen wird.

Nach den Anordnungen des Ministers hat bis zum 2S. April des Jahres eine Neuwahl des Bör- se-nvorstandes stattzufinden. Die Gesamtzahl der Vorstandsmitglieder wird von 72 auf 43 herabge­setzt. Sämtliche Berufsgruppen-Vertreter tu dem Börsenvorstand erfahren eine wesentliche Vermin­derung. Lediglich die Zahl der Vertreter der Kursmaller, der Landwirtschaft und der Ange­stellten bleibt unverändert, Diese Tatsache ist für

die Produktenbörse von besonderer Bedeutung. Ick Zukunft wird die Hauptlandwirtschaftskammer dtü landwirtschaftlichen Vertreter selbst auswählen, Die landwirtschaftlichen Mitglieder werden in Zu- kunft voll berechtigte Mitglieder des Börsendor- standes sein.

Der Kernpunkt -er Resorm ist die Sicherstellung des Einflusses der Regierung auf die Besetzung des Börsenvorstandes. Die Anordnungen deS Ministeriums schreiben bindend vor, daß die Wah­len zum Börsenvorstand der Bestätigung der In­dustrie- und Handelskammer bedürsen, die ohntz Angabe von Gründen versagt oder zurückgenom­men werden kann. Es ist insbesondere beabsich­tigt, eine Vertretung der Sparer in den Börse«-! vorstand vorzuschreiben, da der Sparer an der Entwicklung des Marktes der fest verzinsliche» Werte lcbhast interessiert ist.

Die neuen Bestimmungen werden ferner Ge­währ dafür bieten, daß in Zukunft das Amt der Börsenvorstandsmitgliedsr nicht mehr ausgeübt wird, wenn gegen sie ein gerichtliches oder ehren-! gerichtliches Verfahren eingeleitet wird. Di«! ministeriellen Bestimmungen sehen besonders vor, daß auch Verfahren wegen Zuwiderhandlungen gegen die Devisenbestimmungen zur Beendigung des Amtes als Borsenvorstandsmitglied führen.

Damit im Zusammenhang stehen verschärfte Be­stimmungen gegen die Börsenbesucher, gegen dis derartige Verfahren eingeleitet werden. Anträgen des Staatskommissars an der Börse auf das Ru­hen des Rechts zum Börsenbesuch muß in Zukunft sofort entsprochen werden. Damit wird für die Zukunft die Möglichkeit geschaffen, ungeeignete Elemente von der Betätigung an der Börse aus­zuschließen.

Die neuen Bestimmungen treten mit sofortiger Wirkung in Kraft. Der Minister beabsichtigt, für die übrigen preußischen Börsen ähnliche Reform­bestimmungen zu erlassen. >

Leksi'fs IVIsKnskmsn gsgsn Äsn IVSspxZsmu« in SsÄvn

Landtagsabgeordneter schießt auf Polizei- beamte

Freiburg i. Br., 17 März Am Donners­tag nachmittag hat sich hier eine schwere Bluttat ereignet. Im Stadtteil Stühlin- ger sollte bei dem iozialdemokratischen Landtagsabgeordneteu RÜtzbaum eine Haus­suchung nach Waffen stattfinde». Nuß- baum trat den Polizeibeamte» mit der? Schußwaffe in der Hand entgegen und zahl mehrere Schüsse auf sie ab. Dabei wurde eiu Polizist getötet, und ein anderer schwer­verletzt.

Zu dem blutigen Vorfall werden von b-ep Polizeidirektion u. a. folgende Einzel­heiten herausgegeben: Im Laufe der Nacht zum Freitag wurden bei verschiedenen sozi­aldemokratischen Führern Haussuchungen- nach Waffen vorgenommen, u. a. auch bef dem sozialdemokratischen Landtagsabgeord­neten Nußbaum. Da Nußbaum als ein sehr! aufgeregter Mensch bekannt ist, wurden mit der Durchsuchung der Wohnung zwei be­sonders erfahrene ältere Kriminalbeamt« beauftragt. Da ihnen das Haustor aus ihr Ersuchen nicht geöffnet wurde, läutete» sie bei dem im gleichen Hause wohnende«! Polizeihauptwachtmeister Schelshorn, de4 den beiden Beamten die Haustür össüeA^