Ausgabe 
(24.2.1933) Nr. 48
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Au der nationalsozialistischen Wahl kund ge­streng, in der Hitler am Donnerstag sprach, war die etwa 20000 Menschen fassende Festhalte seit Tagen ausverkauft. Die Ueber- süllung gdstattete nur den Einmarsch der Fahnenabteilung der SA. Tausende waren auf die oberen Säle angewiesen, »oohiu die Rode übertragen wurde. Außerdem waren auf drei Plätzen der Stadt Lautspre­cher aufgestellt. In einer einleitenden Ansprache würdigte Dr. Goebbels die Persön­lichkeit Hitlers. „Dieser Kanzler ist weit davon entfernt, sich in seiner Macht zu sonnen. Der Kampf wird fortgesetzt. Kaum eine Minute ge- hörtdemeigenenJch. Tagund Nacht wird nur an dasGanze, an das Volk und das Land gedach t."

Hitler, der bei seinem Eintreffen von minu­tenlangem, stürmischen Jubel empfangen wurde, führte etwa folgendes aus:

„Ich bin überzeugt, daß in Deutschland noch niemals Staatsmännern ein ähnlich zer­rüttetes Gemeinwesen übergeben wurde wie Nns. Die Parteien, die heute als unsere Gegner auftreten, haben in 14 Jahren den Be­weis geliefert für eine Unfähigkeit, die bei­spiellos ist. Heu e treten nun diese Männer auf und erheben die Frage, lvo ist Euer Programm? Es sieht so aus, als ob diese Männer irgend­wie ein Legitimationsrecht hätten, an uns Forderungen zu stellen, als ob etwa wir 14 Jahre hindurch die deutsche Na­tion enttäuscht hätten. Es seht fast so aus, als ob sie fetzt als Ankläger auftreten könnten, während sie in Wirklichkeit die An­geklagten sind. Ich möchte die Frage nach

dem Programm zurückgeben: Wo war Euer Programm? Die Antwort darauf kann nur lauten:

Es war ein Programm der Vernichtung des deutschen Lebens in seiner Gesamtheit.

Dabei haben nicht wir sie gerufen, sondern sie haben sich im November 1918 vorgedrängt. Damals haben sie von Freiheit geredet, die sie dann 14 Jahre lang vergewaltigt haben. Sie waren immer berät, ihre Hand zn geben znr Knebelung des deutschen Volkes. Heute beklagen sich diese Männer und diese Parteien, es geschehe ihnen Unrecht. 14 Jahre haben sie dem Gegner in Deutschland gegenüber nichts gekannt als den Gummiknüppel. 14 Jahre lang haben sie die Gefängnisse mit ihren politischen Gegnern gefüllt und Pressefreiheit nicht gekannt.

Sie sollen nicht lügen, ols ob jetzt die Pressefreiheit in Deutschland vernichtet würde. Sie reden heute von Unter­drückung und Knebelung der freien Mei­nung. Allein mir selbst haben sie über drei Jahre das Reden verboten. Man hat unsere Versammlungen aufgelöst, in gan­zen Gebieten unsere Partei verboten und jetzt will man plötzlich von Unterdrückung reden? Der Herr sei ihnen gnädig, daß wir nicht ihre Verordnung herausziehen. (Stürmischer Beifall.)

Sie jammern über Terror, haben aber früher kein Wort gefunden über die Ver­folgung der Nationalsozialisten. Weshalb klagen sie? Weil die erwachende Nation Aen jetzt brechen wird. (Stürmi­

scher Beifall)

Wir werden die Freiheit in Deutschland einführen, indem wir ihre größten Feinde vernichten

Die Bürokratie, die sie beseitigen woll­ten, ist geblieben. Nur etwas ist beseitigt worden: die unerhörte Sauberkeit und Ehr­lichkeit in unserem öffentlichen Leben.

Ois Korruption rior 8rsun-8svoring

In diesen Tagen steht ein Typ dieses Systems vor Gericht, der Genosse Brolat. Und wenn die Entnahme von 2 bis 3 Mil­lionen aus dem Staatssäckel für Partei­zwecke nicht Korruption sein soll, dann zeigt das nur, wie verdorben die Herren bereits sind. Es zeigt uns, daß ihnen jedes Gefühl des Anstandes fehlt. Sie sollten ein­mal die kleinen Steuerzahler fragen, ob die auch der Meinung sind, daß sie 3 Millionen für eine Partei verwenden können. Diese Steuerzahler kirnen mindestens erwarten, daß die Herren, wenn sie schon Millionen nehmen für ideale Zwecke ihrer Wahlpro­paganda, zum mindesten Belege, wofür das Geld verwandt worden ist, vorlegen.

Wenn man über 800 090 Mark über­haupt keine Belege besitzt und über eine Million nur den einzigen Beleg hat, daß man die Millionen jemandem gegebe,

hat, da muß ich sagen, das kann in den Augen dieser Repräsentanten dieses Sy­stems absolut in Ordnung gehen. In mei­nen Augen ist das Korruption, weiter nichts!

Das paßt hinein in das allgemeine Bild der Barmat, Kutisker nnd Sklarek bis zu Brolat. So sind sie auch auf anderen Ge­bieten tätig gewesen. Ihr Regiment läßt eine Millionenarmee von Arbeitslosen und ruinierten Bauern zurück. Hundcrktausende von zerbrochenen mitteiständlerischen Exi­stenzen. Sie haben unsere Knl-ur verpestet, dir Literatur geschändet, dir Geschichte ent­ehrt, die Vecgangenhrit besudelt. Heute wol­len sie auf einmal im deutschen Namen sprechen nnd sie sagen: Wir haben auch an der Front gekcimpft.

Der deutsche Arbeiter, jawohl — der Marxismus niemals

Mir ist nicht bekannt, daß Ebert und Schei­demann und Genossen so sehr an der Front gesümpft hätten. Im Gegenteil, sie haben sich alle bemüht, im Frieden bereits die Kraft der Nation zn zerstören und im Kriege eine Revolution herbeizuführen. Heute wollen sie nicht mehr der Vater dieses

Wechsclbalgs sein. Es nutzt ihnen nichts, wir werden dafür sorgen, datz die Herren jetzt die Alimente bezahlen müssen, ob sie wollen oder nicht.

Das ^Programm, das wir vertreten, flimmere nicht von Freiheit und Schönheit, von Würde und Hoffnung auf internationale Hilfe. Es ist ein hartes und nüchternes Programm und sein erster Grundsatz lautet:

Deutsches Volk, mach' dich frei von alle» Illusionen, als ob irgendjcmand in der Welt dir helfen könnte.

Kehre bei dir selbst ein und suche die Voraussetzungen zum Leben in deiner Kraft, deinem Entschluß, deiner Tat. Erst muß sich über all dem, was zerreißend wirkt, wieder ein politisches Ideal in der Kraft des Zusammenschlusses erheben.

Dsalionslsi* Socialismus

Das deutsche Volk muß erkennen, daß ein Nationalismus ohne glühende Hingabe an das Volk und ahme Sorge um dessen Schicksal nicht mehr denkbar ist und daß ein wirklicher Sozia- lisnrus .nur bestehen kann, behütet von der Kraft meiner Nation, daß ein wirklicher Sozla- lismins niemals Bestand hat in einem luft­leeren Raunn, angefüllt mit Phantasien über internationale Verständigung. Es müssen die beiden Begriffe Sozialismus «ud Nationalismus sich in eine Einheit verschmelzen. Wir sehen das an uns, daß diese Lehre nicht eine Theorie ist. Hinter uns marschiert heute eine unerhörte Armee aus Fleisch und Blut und heißem Le­ben, zusammengefügt mit einem großen Willen und wenn nötig, bereit, sich für dieses Volk zu opfern. Aus dieser zusammengeballten Kraft muß das Ende des Klassenkampfes kommen. Die Gegner deuten die Zeichen der Zeit falsch. Mr sagen ihnen:

,,Jhr seid am Ende Eurer Zeit angekommen"

(Anhaltender Beifall). Die Zukunft gehört einem jungen Deutschland. Wir reden nicht von Demokratie, aber wir wollen, daß in der Zukunft das Regiment im Volke zutiefst ver­wurzelt ist. Wir wissen genau, daß die Auf­gaben, die unserer harren, schwer sind. Wir ha­ben den Mut, sie anzufassen.

Wenn man in 3 oder 4 Wochen das wieder aufbauen könnte, was in 14 Jah­ren zerstört ist, wenn das so leicht wäre, dann müßte man die Männer, die das bis jetzt unterlassen haben, zum Schafot führe».

So ioie ich diese 14 Jahre niemals leicht­fertig und leichtsinnig etwas versprochen habe, so tue ich es auch heute nicht. Vier Jahre wol­len wir für die Durchführung eines Pro­gramms, das primitiv und natürlich ist, das zurückkehrt zu den gesunden Wurzeln jeder na­türlichen Kraft. Die Männer der letzten 14

Jahre haben keim Recht, irgendwie an dem Auf­bau der Zukunft mitzuwirken.

Wsnum wskivn «-ii»?

Weil ich will, daß das Volk selbst mithelfen soll an der Bewältigung der uns bevorstehenden Aufgaben, bin ich dafür eingetreten, daß noch ein­mal dem deutschen Volk die Wahl gegeben wird. Es möge sich entscheiden. Es wäre leichter ge­wesen, mich durch den Kuhhandel tolerieren zu lassen, als daß ich mich jetzt wieder hinausbegebe und zum Volk rede.

Aber ich halte es für nötig, daß dem Volk selbst zum Bewußtsein kommt, datz der 30. Januar nicht ein Wechsel nur in der Regierung ist, sondern eine Wende für die ganze Nation ist. Möge das deutsche Volk in diesen Tagen erfassen, daß es ein Voium abgibt, das für Generationen hinaus Be­deutung hat.

Deutschland wird, ganz gleich, wie am

5. März sein Votum ausfällt, nicht in die Hände

seiner Verderben wieder zurückfallen.

Es wird für uns alle wichtig sein zu wissen, daß wir den größten Kampf für unser Volk be­gonnen haben mit unserem Volk, daß wir nicht allein nur an der Spitze einer Bewegung mar­schieren, sondern daß wir sagen können, wir gehe« an der Spitze der deutschen Nation, die sich hinter uns befindet, die uns selbst das Mandat gibt.

Ich werde mir keine Villen in der Schweiz kau­fen, ich werde mir nicht ein Bankkonto anlegen, ich werde genau so aus diesem Amte scheiden, wie ich hineingegangen bin.

Ich will nach bestem Wissen und Gewissen das Werk weiter führen und wenn die Vorsehung es gestattet, es vollenden.

Ich habe seither 14 Jahre gcküinpst als unbe­kannter Soldat, dann als Führer der deutsche»? Freiheitsbewegung, heute als Kanzler des Reiches (minutenlanger Beifall), und wenn Sie mir das Vertrauen schenken, dann vom 5. März ab, als der Führer der deutschen Nation. Wir wollen unsere Pflichten erfüllen aus daß durch unsere Ar­beit das Deutsche Reich wieder entsteht.

Unter dem Jubel der Massen brandet zum Schluß das Deutschlandlied auf.

UnsulkAkLssm vopwsnls!

(Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung) Berlin, 2?. Feibruar. Wie aus Leip­zig gemeldet wird, erbrachte die kürzlich ab­gehaltene Wahl des Beamtenausschusses beim Amtsgericht Leipzig eine nationalsozialistische Mehrheit. Der Vorstand' des Beamtenaus­schusses besteht nur aus Nationalsozialisten.

Die Wahl des Beamtenausschnsscs bei der Staatsanwaltschaft Leipzig hatte tns gleiche Ergebnis.

»

Die Wahlen Zum Bezirkstag der AnrtS» Hauptmannschaft Grimma hatten folgendes Er­gebnis: Nationalsozialisten 12 Sitze (1), Büv- aerliche 10. SPD 9. KPD 3