Ausgabe 
(1.2.1933) Nr. 27
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Kit einem leisen Bedauern lesen wir von der mposanten Kundgebung in Berlin, mit einem lei- Bedauern, denn wer von uns hätte nicht an m Stunden teilnehmen wollen, für die wir jahre- ang gevimpft haben und von denen beschimpft nd Verhöhnt wurden, die heute schon sich an- icken, in sattem Behagen ihrer eigenen llnzn- glichkeit die kommenden Erfolge der neuen No­tierung für sich in Anspruch zu nehmen. Wir »erstehen sehr wohl die Sprache der Bremer Nach­richten, die in ihrem heutigen Leitartikel ups mrt tnem kleinlichen Stänkertum belasten wollen, mit «Mischen Heloten beschimpfen, mit „Jasagema- chinen", die jeden kleinen Gegensatz aufgcplüftert sötten. Aber denen, die noch heute dieses nieder­trächtige. Hetzen Lebenselemcnt ist, sei ganz sach- Ich erwidert, daß ohne unsere Leidenschaft, ohne msere Disziplin und ohne unsere sauber gehaltene Weltanschauung jener 30. Januar nicht möglich ge­nesen wäre. Die Verleumder unserer Ehre und mscrer Arbeit sollen sich davor hüten, den Bogen m überspannen, denn wir haben jetzt eine Regie­rung die für berechtigte Rotwehrakte volles Ber- ländnis zeige« wird.

Was hier im Kleinen für Bremen gilt, trifft >uch für das ganze Reich zu. Die gegnerische ßront, von der Generalanzeiger-Presse bis zu den iommunistischen Mördern sollten um ihre Existenz wrdammt besorgt sein, denn die von Minister Dr. frick zugesagte Meinungsfreiheit hat eine Grenze, >ie rasch überschritten ist. Wenn nicht sofort etwas geschehen ist, liegt das nur daran, daß die neue Legierung zunächst einmal ihre Arbeit aufnehmen such.

Im Vordergrund stehen die Verhandlungen mit dem Zentrum, das sich, so peinlich es für diese Kartei ist, nach rechts oder links entscheiden Muß. Vorläufig versteckt sich das Zentrum hinter allerlei Fragen, deren Beantwortung noch aussteht. Man sollte aber die Zentrumsfrage nicht überschätzen, denn von hier aus dürfen, dem neuen Kabinett keine Schwierigkeiten erwachsen wie überhaupt die Zeit taktischer Manöver endgültig vorbei sein muß. Dazu sind die sachlichen Probleme zu groß, die der Lösung harren.

Vor dem Neicksrat hat Minister Dr. Frick zum ersten Mal das Wort ergriffen und darauf hinge­wiesen, daß die NSDAP. sich von jeher sür eine starke Einheit des Reiches eingesetzt hat, die !o un­erschütterlich sein muß, daß sie alle Angriffe van außen ablvehren kann. Diese Einstellung schließe aber nicht aus, daß den einzelnen Gliedern des Reiches die nötige Freiheit, insbesondere in kul­tureller Beziehung gegeben würde. Dr. Frick teilte dem Rcichsrat noch mit, daß der Führer am mor­gigen Donnerstag selbst das Wort ergreifen würde. Dr. Frick begab sich dann wieder in die Kabinetts- sitzung.

Bon besonderer Wichtigkeit scheint uns eine Be­sprechung des Präsidenten der ostpreußischen Land­wirtschaftskammer Pg. Dr. Bethge mit dem Füh­rer zu sein. An dieser Unterredung nahm Pg- Darr«, Reichslandbundpräfident Pg. Willikcns und Gauleiter Pg. Koch teil.

Der ostpreußische Landwirtschastskammer-Prä- sident trug dem Kanzler die außerordentliche Rotlage der ostpreußischen Landwirtschaft vor. In einer längere« ausgedehnten Aussprache wur­den die grundsätzlichen Fragen deutscher Bauern- pskitik berührt. Pg. Dr. Bethke, der schon mehr­fach den verschiedenen Leitern deutscher Kabi­nette Bortrag gehakte« hat, betonte nach Beon- dlauna der Aussprache mit dem Führer, daß es

ihn mit besonderer Genugtuung ersüllt habe, bei dem Führer so überaus großes Verständnis für die berechtigten Forderungen des deutschen Nähr- ftandes zu finden.

Bei der Bedeutung eines gesunden Bauern­standes für die gesamte Volkswirtschaft sind für die allernächste Zeit durchgreifende Maßnahmen zu er­warten. Dabei wird der Reichsernährungsmim- ster, dem wir in abwartender Haltung gegenüber­stehen, zeigen, wie er von seinem Standpunkt an die Aufgaben der Nationalwirtschaft, die mit libe- ralistifchen Methoden nicht zu lösen sind, herangeht. Auch hier stehen zunächst organisatorische Arbeiten im Vordergrund, da Hugenberg ja nicht nur die beiden Reichsministerien sondern Praktisch auch das preußische Handels- wie Wirtschaftsministerium verwalten wird. Dabei ist niit bürokratischen

Widerständen und Reibungen zu rechnen, deren Be­seitigung einige Tage in Anspruch nehmen wird.

Die preußische Frage bedarf überhaupt einer baldigen Lösung. Nachdem sich der bisherige kom­missarische Kultusminister Pros. Kaehler so un­möglich gemacht hat, ist mit seiner Abberufung für die nächsten Tage zu rechnen. An seine Stelle soll der bisherige Gauleiter Ruft, Hannover, treten. Eine weitere Reihe von Personaländerungen kann erwartet werden.

Alle diese vorbereitenden Fragen müssen erledigt sein, ehe an die grundsätzliche Arbeit gegangen werden kann. Wir Nationalsozialisten kennen die Größe und Schwere der Aufgabe, vor die der Füh­rer gestellt ist, aber weil wir wissen, daß der ei­gentliche Kamps erst vor uns liegt, halten wir in bedingungslosem Vertrauen zu dem Mann, der Deutschlands Not wenden wird. —art.

Ausruf des Führers an die

Bewegung

Berlin, 31. Januar. Adolf Hitler hat an die NSDAP folgenden Ausruf gerichtet:

Nationalsozialisten! Nationalsozialistinnen!

Meine Parteigenossen und -genossinnen!

Ein vierzehnjähriges, in der deutschen Geschichte wohl beispielloses politisches Ringen hat nunmehr zu einem großen politischen Erfolg geführt.

Herr Reichspräsident von tzindenburg ernannte mich, den Führer der nationalsozialistischen Bewegung» zum Kanzler des Deutschen Reiches.

Nationale Verbände und Parteien schlössen sich zum gemeinsamen Kampf für Deutschlands Wiederauferstehung zusammen.

Die Ehre vor der deutschen Geschichte, nunmehr an diesem Werke führend teilnehmen zu dürfen, verdanke ich neben dem großherzigen Entschluß des Generalseldmarschalls Eurer Treue und Anhänglichkeit, meine Parteigenossen.

Daß Ihr mir in trüben Tagen genau so unerschütterlich gefolgt seid wie in den Tagen des Glücks und treu geblieben seid nach schwersten Niederlagen, dem verdanken wir allein diesen Erfolg.

Ungeheuer ist die Aufgabe, die vor uns liegt. Wir müssen sie lösen und wir werden sie lösen.

An Euch, meine Parteigenossen, richte ich nur die eine große Bitte: Gebt mir Euer Vertrauen und Eure Anhänglichkeit in diesem neuen und großen Ringen genau so wie in der Vergangenheit, dann wird uns auch der Allmächtige seinen Segen zur Wiederaufrichtung eines deutschen Reiches der Ehre, der Freiheit und des sozialen Friedens nicht versagen.

grz. Adolf Hitler

VIs /idsiektsn 6ss Ksdinstts

Berlin, 1. Februar. Unter dem Vorsitz des Führers trat am Dienstag nachmittag um 4 Uhr das Reichskabinett zu einer zwei­ten Kabinettsitzung zusammen. Wie wir er­fahren, wurde in der Hauptsache die Frage der Arbeitsbeschaffung eingehend besprachen.

Die Frage der Auswirkungen des Re­gierungswechsels auf Preußen band eben­falls zur Debatte.

Die Frage der Besetzung des Preußischen Landwirtschastsministeriums ist zurückge­stellt worden, da nach Lage der Dinge die Wirkungsmöglichteiteu eines preußischen Staatssekretärs sür Landwirtschaft nur im Einvernehmen mit dem Reichsernährnngs- minister festgelegt werden können. Man glaubt, daß der frühere Landrat Dr. Wisr ^Fortsetzung auf Seite 2s

> Von Kurt Thiele, M.d. R.

In der „Weser-Zeitung", Morgenausgabe vorn letzten Dienstag finden wir die Miede egale einer Prefsebesprechung mit Minister Dr. Frick, wobei mitgeteilt wird, daß die neue Regierung erklärt, baß sie den größten Wert aus Mei­nungsäußerungen lege. Wenn aber durch falsche Nachrichten die Absichten der Regierung erheb­lich erschwert würben, dann müsse man Mittel unb Wege finden, um bissen Mißständen abzu­helfen. Auch die „Bremer Nachrichten" geben auf diese Pressebesprechung ein, lassen aber dabei die Feststellung Fricks über falsche Nach­richten fort. Wenn wir die „Bremer Nach­richten" nicht für ldunrm halte» — und das tu» wir nicht — dann müssen wir schon annehmen, daß hier eine absichtliche Aenderung der Me>- idung vorliegt.

Man ist sich in der Redaktion der Bremer Nachrichten bewußt, die bremische Bevölkerung falsch zu unterrichten. Darum ließ man dieseft Satz, der an das eigene Gewissen pochte, ein­fach weg — und berichtete gleich auf derselben Seite im Leitartikel falsch! Für genMnIich hat der Leitartikler den Dreh ja heraus, sa zu schreiben, daß man ihn nicht direkt anmffeN kann, und daß er trotzdem die helle Empörung von mindestens 75 Prozent der Leser der Bre­mer Nachrichten gegen eben diese Bremer Nach­richten auslöst. Eine derartige Schreib» eise nennt man Demagogie. Auch in dem gestrigen Leitartikel der Bremer Nachrichten blüht diese Sumpfpflanze „Demagogie" wieder üppig. Aber darüber hinaus hat der Schreiber seine Leier wissentlich belogen. Der zweite Absatz des Leit­artikels „Papens Erfolg" beginnt folgender­maßen :

„Welch eine Wendung innerhalb eines hal­ben Jahres! Im August und im November des Vorjahres lehnte Hitler noch den Versuch zur Bildung einer Regierung der nationalen Konzentration ab, indem er die „ganze Mack.r" sür sich verlangte und zudem noch Befugnisse als Kanzler, die der Diktaturgewalt eines über­parteilichen Reichspräsidenten in Notzeiten vor­behalten bleiben müssen. Inzwischen hat auch Adolf Hitler sich und Wohl den Einfluß der sogenannten Göbbels-Richtimg überwunden."

Da ist also wiederum die Lüge, Adolf Hit­ler habe im August und im November vorigen Jahres die „ganze Macht", die ausschließliche Macht für sich verlangt. Diese Behauptung ist eine geschichtliche Lüge. Aber sür den Schrei­ber des gestrigen Leitartikels der Brencr Nach­richten ist sie noch mehr. Sie ist eine wider besseres Wissen aufgestellte Lüge. Jedermann eriinrert sich noch des Briefwechsels zwischen Adolf Hitler einerseits und den Herren ton Papen, von Hinsenburg und Meißner anderer­seits im November vorigen Jahres. Damals schrieb Adolf Hitier an seinen jetzigen Vize­kanzler von Papen, daß er nicht verstünde, wieso er, von Papen, im Lande hätte verbreiten kön­nen, er, Adolf Hitler, habe die ausschließliche Macht für sich verlangt, da er, Hitler, doch ihm, von Papen, das Amt des Außenministers angeboten hatte und da ihm doch bekannt ge­wesen sei, daß Herr von Schleicher Reichst'. e;r- minister und verschiedene andere Fachminiüer ebenfalls hätten bleiben sollen. Dem Schrei­ber des gestrigen Leitartikels ist selbsttc.Aär»- lich nicht nur dieses Schreiben Mol? Hitlers bekannt, sondern auch die Tatsache, daß Heia von Papen niemals es gewagt hat, auch nur ein Sterbenswörtchen zu entgegnen, d. h.. daß er den ihm össent.ich gemachten Pottvurs un­widersprochen hingenommen h,t. Jene n Schrei­ber ist aber auch Adolf Hitlers letzter Brief vom 24. 11. 32 an den Staatssekretär Meißner bekannt, in dem es unter Punkt 5 wörtlich heißt:

„Ich habe nicht nur keine Parteid'.k attir verlangt, sondern war wie im August d. I. so auch jetzt bereit, mit all den anderen dchpir in Frage kommenden Parteien Verbands.engen

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