Ausgabe 
(30.1.1933) Nr. 25
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

1»^. LS

UsrH^gsng 1S33

Vnvmvn, IVIonrsg. ü«n 30. »Isnus^ 1S33

Linrsipnsis 1S k'tg

MM

WMK

-K8ZD-

WMM

-.MX'/

ÄW.

A.ZMHA

Verlag, Redaktion und Geschäftsstelle: Papenstraße 15. Sprech­stunde der Redaktion: Montag bis Freitag von 18 bis 19 Uhr.

Fernsprecher: Domsheide 25878.

Die BNZ erscheint Werktags und kostet 1.90 frei-Haus, durch die Post zuzüglich 36 p?// Bestellgeld.

Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

Anzeigen: hiesige die 10 gespaltene mm-Zeile.A/l 0.10, auswärts 0.12; im Textteil0.50, auswärts 0.70; Stellengesuche 0.06; sonstige kleine Anzeigen vL/l 0.08. Plahvorschrift ohne Verbindlichkeit. Bei Betriebsstörung, Streik, Verbot usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahlung des Bezugspreises.

^ntsoksirisnüv Ltunüsn in vsriln

klapsn vsi'ksnrislt im ^utt^sge ttinkivndupgs mit rism Unssns ^oi'üsnung Ist KiSI'

Wie wir schon in einem Teil unserer Sonnabend-Ausgabe berichteten, ist das Ka­binett Schleicher an innerer Unzulänglichkeit eingegangen. Der Reichspräsident soll aus seiner Enttäuschung über die nutzlos vertane Zeit keinen Hehl gemacht haben und hat Papen beauftragt, die ersten Verhandlungen mit den Parteiführern aufzunehmen.

Erstaunlich ist bei dieser ganzen Entwick­lung nur das kurze Gedächtnis des seit 15 Jahren znsannnenregierten Volkes und die Ilnverfrorenhcit derjenigen Presse, die seit der gleichen Zeit mit ccklen ihren Boraus- sagnngen und Forderungen stets hereinge­fallen ist. Nennt man das heute in Deutsch­land Politik?

Wir erinnern an das Geschrei um Papcn und "sein Arbcitsbeschafsungsprogramm. Wer redet heute noch von Steüergutscheinen? Wir erinnern an die große Rundfunkrede des „sozialen Generals" mit den 800(XX) Morgen Eiedlungsland in Ostpreußen. Wer redet heute noch von Schleicher?

Wie in einem Warenhausbetrieb Verschlei­ßen wir die „Staatsmänner "unserer Nation, i»nr weil wir wie aus allen anderen Gebieten des öffentlichen Lebens, so auch auf dem der Politik, jedwede weltanschauliche Basis ver­loren haben, aus den Manövern um tages- politische Ziele nicht hinauskommen, und glauben, das Organische und Lebendige eines Staatsgefüges mit einem Phrascnschwall wirtschaftlicher Schlagworte leiten z-u kön­nen. Gegen diese liberalistische, volkszerstö- rende Lebensauffassung sind wir National­sozialisten angestürmt, aber man hat auch uns gegenüber die gleichen Methoden an­gewandt wie gegenüber dein Staat. Nie ist unsere Weltausfassung grundsätzlich ange­griffen oder gar widerlegt worden, immer nur waren es taktische Positionen, die man ausnutzte. Im übrigen behalf man sich mit der Lüge und der Verleumdung.

Dabei entging es diesen Leuten, daß die NS.-Presse alle politischen Ereignisse stets richtig voraussah, daß wir seit denk Re­gierungsantritt Schleichers von seinem bal­digen Ende sprachen, nicht als besser infor­mierte 'Journalisten, sondern als bessere Politiker, als Nationalsozialisten, die mit den Grundprinzipien eines Staates vertraut sind, ohne deren Erfüllung jede Regierung zum Scheitern verurteilt ist, umso mehr, wenn sie wie die Schleichersche zwischen­durch mit dem Marxismus schön tut.

Was kommt, ist noch ungewiß, entweder wird Hitler Kanzler oder wir haben nach kurzer Zeit eine neue Regierungs­krise. Aber das werden die anderen wohl noch nicht begriffen haben.

MSS VSpKsNLZSit

(Drahtbericht unserer Berliner Schristltg.)

Berlin, 30. Januar. Der gestrige Sonntag war mit den verschiedensten politischen Ver­handlungen angefüllt, die den Zweck hatten, die Lage zu klären und die Möglichkeiten und die Voraussetzungen einer neuen Regie­rungsbildung zu erörtern.

Im Reichspräsidentenpalais fanden Ver­handlungen zwischen maßgebenden Männern der verschiedenen Parteien statt, während Herr von Papen gemäß dem Auftrage des Reichspräsidenten seinerseits entsprechende Verhandlungen aufgenommen hatte.

So viel Besprechungen auch stattgefunden haben, so wenig ist über den Inhalt dieser Besprechungen an die Oekkentlickikpit aedrunt-,

gen. Von allen Seiten wird strengstes Still­schweigen bewahrt.

Lediglich das Thema dieser Verhandlungen ist bekannt und schließlich auch der einzige Weg, der aus dem' nun schon Jahre an­dauernden Wirrwarr führen kann.

Es ist selbstverständlich, daß eine end­gültige Lösung nur dann von statten geht, wenn der Reichspräsident Adolf Hitler mit der Kabinettsbildung betraut und dem Füh­rer der deutschen Freiheitsbewegung die Vollmachten erteilt, die er den bisherigen Kanzlern nicht verweigerte und die bei der inzwischen eingetretenen Verschärfung der Lage notwendiger denn je sind.

Sehr intensiv ist das Störungsfener, das von den verschiedensten Seiten unterhalten wird. Während die eine Seite glaubt, auch diesmal wieder sich dem Willen des besten und stärksten Volksteiles widersetzen zu kön­

nen, und eine Cliguenherrschast aufzurichten, hoffen die Kreise, die 14 Jahre laug Nutz­nießer des Weimarer Systems waren, noch einmal an die Futterkrippe zu gelangen und den Beginn einer grundsätzlich neuen Aera, die rücksichtslos Schlechtes ausmerzt, verhindern zu können.

Die meisten in den letzten Stunden auf­getauchten Gerüchte sind nicht deshalb in die Welt gesetzt worden, um Klarheit zn schas­sen, sondern um die Situation zu verwirren.

Wir lehnen es ab, uns an diesen Kom­binationen zn beteiligen. Der Standpunkt des Nationalsozialismus ist bekannt und ferner dürfte bekannt sein, daß der Natio­nalsozialismus weder im Guten, noch im Bösen den einmal von ihm als richtig er­kannten Weg verläßt.

Die Forderung der Stunde an den Reichs­präsidenten kann nur lapten: Betraunng i des Führers der deutschen Freiheitsbewe­gung mit der Kabinettsbildung.

IVIseki Äss ^vninum TLkwIsnIgksiisn?

Berlin, 30. Januar. Die zahlreichen Be­sprechungen, die der frühere Reichskanzler von Papen am Sonntag gehabt hat, dauer­ten, wie der „Montag" erfährt, bis in die späten Nachtstunden. Eine Entscheidung werde erst am Montag vormittag getroffen werden können. Die Besprechungen hätten sich auf Vertreter aller für eine Mehrheits­bildung in Betracht kommenden Parteien erstreckt. Der Reichspräsident habe, wie Herr von Papeu in den Besprechungen betont habe, den Wunsch ausgesprochen, daß durch eine rein persönliche Fühlungnahme mit den in Betracht kommenden politischen Persön­lichkeiten festgestellt werde, inwieweit zu­nächst eine Mehrheitsbildung im Reichstag von den Nationalsozialisten bis zum Zen­trum möglich sei und inwieweit etwa andere innerpolitische Möglichkeiten für die Bil­dung einer starken und festen Regierung gegeben seien. Die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen. Zwischen den Parteien sei eine Einigung bis in die Nacht vom Sonntag zum Montag noch nicht erreicht worden. Es hätten sich Schwierigkeiten eines Ausgleichs bei den verschiedenen Par­teien natürlich auf programmatischen und personellen Forderungen gezeigt. Die größte Schwierigkeit bestehe noch, so berichtet der „Montag" weiter, wegen der Einstellung des Zentrums, das sich an einer regelrechten Mehrheitsregieruug beteiligen könne. Diese Regierung werde im Reichstag durch eine Art Koalition vertreten sein. Das Zentrum könnte aber auch eine Regierung tolerieren, die zum Teil von Mitgliedern der NSDAP und der Deutschnationalen Volkspartek ge­bildet würde. Gewisse Kreise des Zentrums bemühten sich in direkten Besprechungen zwi­schen Vertretern des Zentrums, der Baye­rischen Volkspartei und Vertretern der Na­tionalsozialisten Feststellungen überdieMög- lichkeit einer Mehrheitsbildung außerhalb des vom Reichspräsidenten an Herrn v. Pa­pen erteilten Auftrages zn machen.

Die „Montagspost" will wissen, daß als Notlösung für den Fall eines Scheiterns aller Kombinationen für die Kanzlerschaft Hitlers immer mehr der Gedanke an ein reines Beamtenkabinett in den Vordergrund trete. Das Blatt rechnet damit, daß spä­

testens am Dienstag die Ernennung eines Kanzlers erfolge.

ßrss

Berlin, 30. Januar. Reichskanzler a. D. v. Papen hat am Sonntag nachmittag dem Reichspräsidenten einen Zwischenbericht über seine bisherigen Besprechungen erstattet.

rksi' siksln LLsllZLLkIsnrZs Wsg Sll-MÄS'rSLwINZSN wIr»rZ

WiEÜSP SkSg

Stollberg, 30. Januar. Die Wahlen des iBeamtcn-Ausschusfes an der Gefangeuen- Anstakt HvheneckS'lollöerg ergaben eine über­wiegende nationalsozialistische Mehrheit und bewiesen damit erneut die dominierende Stel­lung des Nationalsozialismus in der Beamten­schaft. Aon den zu wählenden 10 Mitgliedern gehen acht Nationalsozialisten in den Ausschuß. Da die übrigen zwei Mitglieder den Rechts­gruppen angehören, gelang es hier znm ersten Mal den Beamtenansschutz endgültig von Mar­xisten zu säubern

Ein Herr „Konrad Heiden" hat geglaubt, die „Geschichte des Nationalsozialismus" schreiben zn müssen und zu können. Ein 300 Seiten um-, fassendes Buch, das nicht einmal als solches An­spruch erheben kann, ernst genommen zu werden, geschweige die darin aufgeführten vermeintlichen bisherigen „geschichtlichen" Begebenheiten der nationalsozialistischen Bewegung wahrheitsgetreu wiederzugeben. Es ist schon für den ernsthaften Geschichtsforscher schwer, vorurteilsfrei eine Ge­schichte zu schreiben, in deren Geschehen er selbst lebt. Eine gewisse zeitliche Distanz ist erfmwerlich. Ausgeschlossen aber erscheint es uns, Geschichte schreiben zu wollen, wenn der Schreiber sich von Vorurteilen in der Sache, die er behandelt, nicht freizumachen vermag. Grotesk jedoch ist es, sich, wie der Verfasser dies tut, auf Quellenmatenal zn stützen, das von Gegnern stammt und nachweisbar, teils sogar gerichtlich, erlogen ist. Für den nicht blind und taub im Politischen Geschehen Emher- gehendcn ist es köstlich, festzustellen, in welcher be­wußten Einseitigkeit sich der Verfasser an Vor­gänge klammert, die m ihrer landläufigen Dar­stellung seitens des Gegners vom National­sozialismus längst als unwahr widerlegt sind und heute sogax von diesen schon sä acta gelegt sind. Aber eben darum vielleicht werden sie zum Anlaß dieser Geschichtsschreibung" genommen. So schreibt Heiden z. B.:

„Die llrschuld, an dem Deutschland seitdem (zwölf Jahres erfüllenden Teror fällt auf den Nationalsozialismus, fällt auf Hitler; das muß um der geschichtlichen Wahrheit willen auf Grund nationalsozialistischer Quellen festgestellt werden."

Echt jüdischer Dreh! Es ist ungefähr so, wie wenn jemand von einem Raubmörder erschlagen wird. Die Schuld trägt der Raubmörder, aber die llrschuld trägt der Beraubte und Erschlagene. Einmal wohl, weil er etwas zn rauben hatte, und zweitens, weil er überhaupt da war. So wimmelt es nur von Lügen und Werturteilen. Selbst die plumpsten Lügen hat.Heiden geradezu gesucht registriert und nichts vergessen. Das Buch hat einen falschen Titel. Er müßte lauten: „Die Geschichte der Lügen t'ibcr die Führer der NSDAP.!" Verblüffend, wie aus diesem Buch das Gesicht der jüdischen Asphaltpresse mit ihren täglichen Sensationslügen gegen den National­sozialismus, in chronologischer Folge aufge­führt, herausschimmert. Die. Tendenz, alles was am Nationalsozialismus ist, besonders seinen Führer und den ihn umgebenden Personenkreis herunterzureißen, ist offensichtlich.

Ilm aber dem Vorwarf, daß hier eine nicht vorurteilsfreie Kritik geübt werde, zu begegnen, sei ein Auszug aus einem Urteil über Hcidsns Buch wiedergegeben, das in einer kleinen literaten- haft-politisierenden Zeitschrift „Deutsche Repu­blik", von Ludwig Haas, Paul Locbe und Josef Wirth gegründet, zu finden ist- Diesem Kreis wird bestimmt niemand parteiisches Empfinden zu­gunsten des Nationalsozialismus vorwerfen.

— — — „Als Material (lies Lügen- matcrial) ist das Buch vorzüglich, als Buch ist es mangelhaft. Es fehlt der Standpunkt des Geschichtsschreibers. Heiden Hut versucht, eine Reportage zu liefern. Aber es gibt nur zweierlei Reportagen. Die bloße Abschrift des Sichtbaren schaltet hier aus, bleibt die ten­denziöse Reportage. — — — Heiden schaltet sich immer gerade dann ein, wenn er in seinem eigenen Urteil am unsichersten ist. Und das ist gefährlich.-Heiden versieht seine Dar­

stellung mit gemütvoll kritischen Kommentaren, aber nicht mit gültigen. Er verschwciat nichts,'