Ausgabe 
(23.1.1933) Nr. 19
Seite
2
 
Einzelbild herunterladen

Hn. 1S

Vi»»mvn, l^ünlsg, »sn 23 Usnuan 1833

Sinr«Iprsi» 1S

Krem« UMsiLM^iaLMsLks ^M-ma

perlag, Redaktion und Geschäftsstelle: Papenstraße st«ld« der Rebaktlon: Montag bis Freitag von

«e

Fernsprecher: S VNZ erscheint Werktags dnrch dt« Post znzug

Anzeigen: hiesige die 10 gespaltene mm°Ieile 0.10, auswärts ^ 0.12; im Textteil ^ 0.50, auswärts ^ 0.70; Stellengesuchs DomSheid« 25878. "" " " V» 0.06; sonstige kleine Anzeigen 0.08. Plahvorschrift ohne

und kotzet 1.90 frei Haus. I Verbindlichkeit. Bei Betriebsstörung. Streik. Verbot usw. hat der

L'ö-ML Parteiamtliches Organ der

zuzüglich 36 Hq/ Bestellgeld.

Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahlung des Bezugspreises.

8 ^. msi'selHivi'll vis 81 nsks Invi!

Osn Tpuk vom „notsn Vv^lin" vsntlogsn / VIs Ksioksksuptstsilt vknt üsn ^psiksitssAngsi' clsi' nstionslsorkallstisoksn vswsgung

2VVV0 IVIsnn 8/l von 6om KsnI-Uobknookl-Hsus

Berlin, 23. Jan. (Drahtber. «. Berl. Schrift!.)

„Rotes Berlin, wehr« Dich!" so brüllten die Dommunistischen Hetzer, Äs die Absicht der Na­tionalsozialisten, dem ermordeten Horst Nessel ein strabmal zu fetzen, bekannt wurde. Millionen Übelster Hetzflugblätter flatterten in die Häuser, ßpÄtenlcmg standen Mordanfforderungen in der jüdischen Presse, seitenlang entwickelte der Schreiberling dSr bürgerlichen Redaktion feine Theorie des einerseits-andererseits.

Die Feier für den ermordete« Kameraden wurde von den Gegnern der deutschen Freiheits­bewegung zu einem Fall von unerhörter Bedeu­tung gestempelt, wurde willkürlich zu einer Kraft­probe gemacht zwischen den aufbauenden Kräften des deutschen Volkes und dem roten volkSzer- PSrerischen Marxismus.

Me Hetze, alle Lügen, alle Verleumdungen, alle Verdächtigungen, alle Beeinflussungsversuche wa- ren vergebens.

Das deutsche Berlin erkämpfte sich sein Recht, erkämpfte sich die Feier für Horst Nestel, er­kämpfte sich den Aufmarsch, die Frontstellung ge­gen das Karl-Liebknecht-Haus, de» Sitz der deut­schen Sektion der Kommunistischen Internationale.

Wir hatten den Behördenstellen deutlich genug zu verstehen gegeben, daß wir es keinesfalls dul­den würden, wenn, gleichwie aus welchen Rück­sichten, unser Recht auf freie Meinungsäußerung beschnitten werden sollte. Die südische Presse schrie von Provokation und sie meinte damit die De­monstration deutscher Menschen in dem deutschen Berlin für Deutschland. Es ist herrlich weit ge­kommen, daß es eine Provokation in den Augen der sogenannten „großen Presse" ist, wenn fange deutsche Menschen durch die Straßen der Stadt marschieren. Für einen Deutschen kann nur das eine Provokation fein, was unireutsch ist Für einen Deutschen ist es eine Provokation, daß an einem Platz der Reichshaoptstadt die Zentralstelle des roten Untermenschentnms ihren Sitz hak, daß an einem deutschen Platz die Bestien fitzen, die namenloses Leid und namenloses Unglück über unser Volk gebracht haben und die» wenn es nach ihren Wünschen ginge, schon längst unser Vater­land mit Mord und Brand überzogen hätten.

Aus allen Stadtteilen hatten sie die roten Mordkommcmdos aufgeboten, um gewaltsam den Aufmarsch der SA. zu verhindern. Es hätte der Polizei nicht bedurft, um diesen Aufmarsch zu sichern. Deutsche ArbeitersSuste hätten das inter­nationale Gesinde! schnell genug in die Löcher zurückgetrieben.

Aus allen Stadtteilen zogen die endlosen brau­nen Kolonnen mit klingendem Spiel heran. In den Seitenstraßen standen sie, die Hetzer und die Verhetzten, in ohnmächtiger Wut geiferten sie die Sturmsoldaten der deutschen Freihat an. Aber sie wagten es Ächt, gegen die marschierenden Ko­lonnen vorzugehen.

Nur da, wo 2, 3 SA-Männer dem Sammel­platz ihres Sturmes zueilten, da brach aus irgendeiner dunklen Gasse eine Horde vertierter Gesellen. Da blitzten die Messer, da fausten die Bleiknüppel, da knallte es irgendwo feige und hinterlistig aus dem Versteck.

Aus dem Bahnhof Alexanderplatz kamen fast mnmterbrochen kleinere Trupps von National­

sozialisten an, um sich zu ihren Sammelplätzen zu begeben. Sie wurden von Tausenden von Kommunisten empfangen, die Schmäh- und Nie­derrufe ausftießen und auf die Nationalsozialisten einschlugen. Die Polizei räumte schließlich gegen 13 Uhr den Alexanderplatz vollständig.

„Berlin bleibt rot", gröhlten sie im Sprechchor, aber das rote Berlin, das zeigte in den Straßen wo die SA. marschierte, die Fahne der deutschen Zukunft, die rote Fahne mit dem weißen Feld und dem schwarzen Hakenkreuz. An jenem BL- kowplatz, den die Moskauer Fremdenlegionäre für sich beanspruchten, wehten aus deu Fenstern der Arbefterwohnungen die Fahnen des deutschen So- ziakismus. 10 Meter vom Kark-Liebknecht-HauS entfernt bekannte« sich die Arbeiter zur deutschen Freiheit und z«r sozialen Gerechtigkeit.

Sternförmig marschierte die SA. auf dem Bü- lowplatz auf. Immer dichter kamen die Kolonnen angerückt, immer mehr quollen aus den Straßen- schluchten auf den weißen Platz. Standarte für Standarte, Sturm für Sturm zog herbei und nahm mit der Front zum Karl-Liebknecht-Haus Aufstellung.

Die ersten Züge der SA trafen um 14 Uhr auf dem Bülowplatz ein. Trotz aller Störungs­versuche hatten sie ihren Marsch durch die Stadt in der vorgesehenen Zeit durchgeführt. Die kom­munistischen Mitläufer der Züge wurden durch die Polizei wiederholt abgekämmt, wobei häufig vom Gummiknüppel Gebrauch gemacht werden

mußte. Die Menschenmengen in den Anmarsch- straßen und den Seitenstraßen beliefen sich auf viele Zehntausende.

Kurz nach 14 Uhr mutzte die Polizei an der Gormamlstraßs gegen eine sie bedrohende Men­schenmenge von der Schußwaffe Gebrauch machen. Bei dem Zusammenstoß wurde der Oberwachtmei­ster Heise vom Revier 87, der sich in Zivil be­fand, schwer verletzt. Er erhielt zwei Lungenstrche und einen Stich in den Kopf. Der Beamte gab auf die ihn bedrängende Menschenmenge acht Schüsse ab, ohne jedoch jemand zu verletzen. Dann wurde ihm die Pistole entwunden. Der Schwer­verletzte ist in die Universitätsklinik gebracht wor­den. Zwei bei dem Zusammenstoß anscheinend schwer verletzte Zivilpersonen find von ihren An­hängern fortgebracht worden.

Am Weidenweg wurde von den Kommu­nisten «in Eimer Petroleum auf die Straße gegossen und angezündet, um die Nationalsozialisten beim Weitermarsch zn behindern.

In der Ackerstraße wurde eine Anzahl großer Müllkästen auf die Straße geworfen. -

Die Zahl der Verletzten belief sich bis gegen 14 Uhr auf etwa 30.

Bedrohlich gestaltete sich die Lage vorüber, gehend am Richard-Platz in Neukolln und am Görlitzsr Bahnhof. Hier gab es eine größere An­zahl von Verletzten. In der Grünauerstraße hatten Kommunisten mit Petroleum iibergossene Matratzen angezündet, die jedoch erst in Flammen aufgin­gen, als der Zug der Nationalsozialisten bereits vorüber war.

Gegen 14.15 Uhr marschierte die SS auf. Insgesamt standen etwa

An der einen Seite trägt der Stein den Na­men, das Geburts- und Sterbedatmn Horst Nes­sels und die Inschrift: „Die Fahne hoch". Auf der anderen Echte zeigt der Mein die In­schriften „Pfarrer Ludwig Messe! und Werner Weffsl."

Die Gestalten der SA-Männer strafften sich. Deutsche Arbeitevfäuste rissen die Fahnen em­por. „Die Fahnen hoch, die Reihen fest ge­schlossen. Der Wind lieh die Fahnen über dem Grabe unseres Horst Wessvl flattern. Bis weit hinein in die Stadt pflanzte sich das Lied fort. Bios weit hinein Rang es „Kame­raden, die Rot-Front und Reaktion erschossen, marschieren tm Geist in unseren Reihen mit".

Kränze über Kränze hausten sich um das schlichte Grabmal.

Noch einmal sprach der Pfarrer und gab all' dem Sehnen, dem Hoffen des jungen Deutsch­land Ausdruck.

Herzliche Worte fand der Vertreter der Stu- denten-Verbindung, deren Band Horst Messe! einst getragen hatte. Für den deutschen Stu­denten sprach dieser Mann, von dem Leben und Wirken des Werkstudenten Horst Wessvl, von seinem Kampf und seinem Leben und sei­nem Tod. Wenn heute der erdrückende Teil der deutschen Studentenschaft wieder deutsch empfinde, so sei das nicht zuletzt ein Erfolg des Kampfes der beiden Bruder Wessel, die dazu beigetragen'hätten, Klassenkampf und Standes­dünkel im deutschen Volke zn beseitigen und das Gefühl der Verbundenheit zwischen Aka­demiker und Arbeiter, zwischen Bauer und Handwerker Zu erwecken.

Ikr'SN

LOTSN KSMSS*AT8SN

Der Winterabend begann sich bereits über die Stadt zn senken, als die Kolonnen der SA, SS und Hitler-Jugend vom Bülowplatz zum Friedhof zogen, um an dem Grabmal vor­bei zu defilieren. Stunden um Stunden zogen die braunen Kolonnen mit zum Gruß erhobe­nem Arm am Grabe vorüber.

Kaum hatte die SA die Tore des Fried-Hofes hinter sich, als schon wieder die rote Meute geifernd aus den Seitenstraßen hervorbrach. In eiserner Disziplin marschierten unsere kampferprobten SA-Männer, trotzig schallten die Kampseslieder der nationalsozialistischen Be­wegung und übertönten das sinnlose Wutgekeij der Moskauer Fremdenlegionäre.

Mit geballten Fäusten marschierte die SA durch die Straßen, keine noch so plumpe Provo­kation konnte die Geschlossenheit der SA zer­brechen. Hätte man die Polizei nicht zum Schutze des kommunistischen Pöbels aufgeboten gehabt, dann wäre den Burschen diesmal eine Lektion erteilt worden, daß es ihnen ein für alle Mal vergangen wäre, im Auftrag einer fremden Macht deutsche Arbeiter und deutsche Sozialisten anzugreifen.

Im Anschluß daran fand vom BnlowplaH aus ein Vorbeimarsch der SA. vor dem Stabschef Hauptmann Rohm statt. Dep Abmarsch vollzog sich in voller Ordnung, Kr^uz' und quer durch ganz Berlin ging der Marsch unserer SÄ. Nirgends war davon die Rede, baß der Marsch gewaltsam verhindert werden sollte. An keiner Stelle wagte man es, ernsthaft eine Sprengung des Zuges zu versuchen und kleine Ansätze, dies zn tun scheiterten. Deutsche Arbeite«,

20V00 unZfoi'misi'rv DEstionsisoLisIisksn suk rSsm 8Mow pIsiL mit üsn ^nont gvgvn ilss Ksni-t.isdknsOkt-ttsus

Vom Bülowplatz aus erfolgte dann der Weiter­marsch zum Fvisdho-f.

Bei leichtem Schneefall marschierten die SA- Abteilungen auf, deren Fahnenabordnungen hinter dem geschmückten Grabhügel Horst Nes­sels Aufstellung nahmen. Der Gedenkstein war verhüllt. Neben dem Grab hatte der 5. Sturm der Berliner SA, dessen Fübrer Horst Messe! war, mit umflorten Fahnen und Stan­darten Aufstellung genommen. Um 14.15 Uhr traf Hitler am Grabe ein. Neben ihm sah man u. a. den Berliner Gauleiter Dr. Goebbels, die obersten SA- und SS-Führer Rohm und Himm­ler» den Prinzen August Wilhelm und Gene­ral Evp.

llsp am Onsks

tionst Wossois

Dann sprach der Führer. Atemlos standen die Tausende. Er sprach von Horst Wessvl, von dem Menschen, der heute schon eine mythi­sche Figur güvorden ist. Er sprach von dem Freiheits'sSnger der gewal­tigsten Bewegung der deutschen Nation. Er sprach von dem Lied, das er uns geschenkt hat und das doppelt gebürgt ist, woll sein Sänger zugleich Blutzeuge der Idee wurde. Leuchtendes Beispiel sei heute der Sturmführer Horst Wessel für Tausende und für Millionen. Horst Wessel selbst hat sich ein Denkmal gesetzt, das ewiger sein wird, als Stein, denn dieses Denkmal wivd leben, so­lange es noch Menschen jn Deutschland gibt, die deutsch fühlen.

Die Fenster der an den Friedhof grenzenden Häuser waren dicht belagert. Aus den Dä­chern sah man Schutzpolizisten, die mit Fern­gläsern die gegenüberliegenden Häuser beob­achteten. Als gegen 14.30 Uhr die Mutter und Schwester Horst Wessols erschienen waren, be­gann die Feier mit einem Musikvortrag. Hier­auf hielt ein befreundeter Geistlicher der Fa­milie — Wesssels Vater, der dicht neben sei­nem Sohn begraben liegt, war Geistlicher in Berlin — eine Ansprache, der er das Bibel­wort zugrunde legte: „Niemand hat grö­ßere Liebe» denn die, daß er sein Lehen läßt für seine Freunde".

Es ist keine Jett zum Klagen. Wir wollen dieses gewaltige Lied des gemeuchelten Kame­raden in feiner ganzen Größe cn-me'imen.

Wir wollen seinem Liebe nacheifern, bis die große Stunde kommt, bis Deutschland frei ist.

Wir wollen das Gelöbnis erneuern, st, wie die Toten, die hier ruhen, uns einzusetzen, zu kämp­fen für unsere Heimat und für unser Volk. Horst Wesssls Name wird leben, solange die Fahne der deutschen Freiheit steht.

Unter den Klängen des Liedes vom guten Kameraden wurde der Gedenkstein enthüllt. Es ist ein etwa 50 Zentimeter hoher Granit- würfel, auf dem ein in Bronze gearbeiteter Lorbeerkranz und eine gesenkte Fahne ruhen.