Ausgabe 
(20.1.1933) Nr. 17
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jsDrahtbe richt unserer Berliner Echriftltg.)

Berlin, 30. Januar. Die schwere Krise des Systems hat am Donnerstag eine geraden dramatische Zuspitzung erfahren. Aus Krei­sen, die der Wilhelmstraße außerordentlich nahe stehen, verlautet absolut zuverlässig, baß der Reichskanzler von Schleicher unter schweren Depressionen z« leide« habe. Wir wissen nicht. Inwieweit die Gerüchte, die wissen wollen, daß Herr v. Schleicher gestern Abwechselnd Tobsuchtsanfälle und Wetn- skrämpfe bekommen haben soll, richtig sind. Wir wissen aber auf Grund sorgfältig an­gestellter Informationen, daß Herr v. Schlei­cher am Ende seiner Rervenkraft angelangt Ist.

Dieser Zustand der Herrn von Schleicher ßst für einen Soldaten allerdings etwas Außergewöhnlich, bei einem Mann aber, der ein gewagtes Spiel spielte und erkennen muß, daß dieses Spiel verloren ist, durchaus erklärlich.

Nachdem der Versuch des Herrn von Schleicher, nach dem Prinzip Brünings, durch Zerspalttmg der Oppositionsparteien seine Stellung zn festigen, deshalb kläglich scheiterte, weil Herr von Schleicher nicht, wie Herr Brüning, «in« avseinanderstre- bende Deutschrmtionale Volkspartei, sondern die Kampffront der deutschen Freiheitsbe­wegung vor sich hatte, blieb Herrn v. Schlei­cher nur noch die Möglichkeit, auf den Reichspräsidenten gestützt, seine Stellung zu behaupten, oder aber, Herr von Schleicher müßte den Mut aufbringen, sich über Ver­fassung und Willen des Reichspräsidenten hinwegzusetzen.

Die Möglichkeit zum Beschreiben des ersten Weges scheint Herrn von Schleicher ein für allemo.l verbaut zu sein. Während noch vor wenigen Tagen im Systemlager die Be­hauptung aufgestellt wurde, daß Herr von Schleicher selbstverständlich die Vollmacht zur Auflösung der deutschen Volksvertre­tung bereits in der Tasche hätte, muß dieselbe Systempresse am Donnerstag zu­geben, daß Herr von Schleicher noch nicht im Besitz dieser Vollmacht ist, da diese Frage noch nicht akut sei.

Auf Grund unserer Informationen können wir feststellen, daß auch diese Behauptung der Systempresse nicht den Tatsachen ent­spricht, sondern daß Herr von Schleicher die Auflösmrgsvollnracht nicht nur nicht hat, sondern sie vom Reichspräsidenten von Hin- denburg mich nicht bekommen wird.

Es ist bekannt, daß der Reichspräsident sich nur widerstrebend entschlossen hat, den Mann, der jahrelang als Schatten die deutsche Politik beeinflußte, zum Kanzler zu ernennen. Von den letzten Zweifeln über die Fähigketten und den Charakter des Herrn von Schleicher soll der Reichspräsident nie frei gewesen sein und die Entwicklung der letzten Zeit dürfte nicht unwesentlich dazu beigetragen haben,

die Abneigung des Reichspräsidenten

gegen die Person des Herrn v. «Schleicher zu verstärken.

Auch bei dieser Regierungskrise dürste für den merkbaren Umschwung in der Stimmung des Reichspräsidenten der Umstand maß­gebend sein, - die Kreise um Schleicher, ine schon zur Zeit des Herrn von Papen

den Gedanken einer Ausschaltung des Reichs­präsidenten ziemlich offen ventilierten, nun, nachdem sie den Zusammenbrach ihrer Exi­stenz vor Augen sehen, diesen Gedanken erneut erörtern und Pläne schmieden, die eine Verwirklichung dieses Gedankens be­werkstelligen wollen.

Während bei der Kanzlerschaft des Herrn von Papen auf Grund der herzlichen per­sönlichen Beziehungen zwischen Kanzler und Reichspräsidenten die zwangsweise Ver­tagung der Volksvertretung zu gunsten des Kabinetts immerhin nicht vollkommen un­wahrscheinlich sein brauchte, wird der Kanz­ler von Schleicher niemals den Reichsprä­sidenten dazu bringen, ihn trotz des restlosen Zusammenbruchs seiner Politik entgegen dem Volkswillen am Ruder, zu halten.

Die Erkenntnis dieser Tatsache soll eben jene merkwürdigen Zustände des Herrn von Schleicher verursacht haben und wir werden trotz aller mit Bestimmtheit zu er­wartenden Dementis uns nicht von unserer Darstellung abbringen lassen, umso weniger, da die Entwicklung schon der allernächsten Zeit die Richtigkeit unserer Darstellung be­stätigen wird.

Die letzte Möglichkeit, die Herr von Schlei­cher hat, um sich wenigstens für ganz kurze Zeit vor dem Ende zu bewahren, ist die Anwendung der brutalen Gewalt, die Einsetzung der staatlichen Machtmittel ohne den Willen des Reichspräsidenten gegen das um seine Rechte kämpfende Volk.

Wir haben bereits in den letzten Tagen mehrfach die;e letzte sich Herrn von Schlei­cher bietende Möglichkeit erörtert. Unsere Meldungen werden jetzt durch die Presse des Herrn von Schleicher selbst bestätigt, da z. B. die vollkommen im Regierungsfahr­wasser schwimmende Deutsche Allgemeine Zeitung in großer Aufmachung den Begriff desStaatsnotstandes" erörtert und die Möglichkeiten für eine Entwicklung der Krise nach dieser Seite als durchaus nicht un­wahrscheinlich hinstellt.

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Amki die übrige, Herrn von Schleicher er­gebene Presse ergeht sich in ähnlichen Ge­dankengängen. Unterstrichen wird diese An­sicht von gewissen politischen Kreisen, die dafür Stimmung machen, daß man doch endlich den Mut zur Liquidation des par­lamentarischen Systems aufbringen müsse, daß die Volksvertretung mindestens zeit­weilig ihres Einflusses beraubt und die Meinung der breiten Volksschichten im In­teresse der Regierung zurüügäirängt werden müsse. Je eher dieser Mt vor sich gehe, um so besser sei es so argumentieren diese Herrschaften für das deutsche Voll. Die ganze Jnstinktlosigkeit dieser Kreise wird durch diese Pläne dokumentiert. Woher wol­len diese Herrschaften das Recht herleiten, ihre Maßnahmen als im Interesse des Vol­kes liegend zu bezeichnen. Die dünne Schicht politischer Hasardeure und Ehrgeizlinge spricht nur dann von den Interessen des Volkes, wenn die eigenen volksfeindlichen Wünsche damit bemäntelt werden sollen.

Daß den Hasardeuren auch diesmal der Plan mißlingt, die schaffenden Schichten unter die Knute der Geldsacktyrannen zu zwingen, dafür bietet die deutsche Freiheits­bewegung die beste Gewähr.

Mit dem Mandat des Volles werden wir im Interesse der deutschen Nation wachsam sein und jedem das Handwerk legen, der es wagt, gegen die Interessen der Gesamt­heit zu verstoßen.

Der heutige Tag wird bis zu einem ge­wissen Grade Klarheit bringen, da der Älte­stenrat des Reichstages zusammentritt. Endgültige Entscheidungen werden aller­dings noch nicht fallen.

Von unserem Standpunkt aus sehen wir keinen Grund, die Dinge zu überstürzen, da die Zeit für uns arbeitet und die ständige Erhöhung der Schlagkraft der nationalso­zialistischen Bewegung die Aussichten auf die Größe unseres Sieges von Tag zu Tag wachsen läßt.

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Kommune sekSsvt, sbsn Soklsleksn «pwsgL nsuv Husnskmsgvsslrs gegen rISs bI8v/^.

Wuppertal, 20. Januar. (Eigener Draht­bericht): 2 Stürme SA, die durch Barmen zogen, wurden plötzlich in einer Straße von einer erdrückenden kommunistischen Uebermacht angefallen. Kommunistische Banditen hockten auf den Dächern und schleuderten Dachziegel, Pflastersteine und Flaschen auf die SA-Man- Ner. Als schließlich auch noch aus verfehle denen Bodenluken, sowie hinter Schornsteinen hervor scharfe Schüsse krachten, ging die den Zug begleitende Polizei mit der Schußwaffe vor. Insgesamt dürften SO scharfe Schüsse abgegeben worden sein. Ein Wagen des Ueberfallkommandos wurde mehr­fach mit Steinen beworfen. Einzeln heimkeh­rende SA-Männer wurden überfallen und teil­weise aus dem Hinterhalt beschossen. Glück­licherweise sind keine Schwerverletzten auf na­tionalsozialistischer Seite zu verzeichnen.

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Hannover, IS. Januar. Die Wahlen zum Beamtenausschutz des Landesdirektoriums der Provinzialoerwallung Hannover brachte» der Wahloorschlagsliste der nationalsozialistischen Be- amtenarbeitsgemeinschast einen vollen Erfolg:

Von d«r gewählte» 11 Beamtenvertretern ge­hören 8 der «atioualsoziakistischen Bewegung an. Auch die restlichen 3 Vertreter standen aus dem Wahlvorschlag der nationalsozialistische» Arbeits­gemeinschaft.

Also ein hundertprozentiger Wahlersolgl Die 11 Kandidaten unserer Vorschlagsliste er­hielten (die Liften waren nicht gebunden", sie konnten vielmehr vom Wähler abgeändert werden) im Durchschnitt je 104 Stimme«.

Die 23 übrigen Kandidaten erhielte« dagegen durchschnittlich nur je 15 Stimme«.

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Verzweifelte Lage auf dem Arbeitsmarkt

In Bremen und tm Reich sirck im Janua« Rekordzahlen an Arbeitslosigkeit erreicht wor­den die die vergangenen Jahre in den Schat­ten stellen. Niemand wird erstaunter darüber sein als die Bremen denen die berühmte Schünem-ailnpresse seit Lange» Monaten immer wieder beweise» will, daß die Ankurbeln ngs- versuche der gegenwärtigen und verflossen«» Regierung die niedergehende Wirtschaft wieder flott inache». Angesichts der bestehenden Tat­sache» weiß man nicht mehq, was man zu den Versuchen einer Presse sagen soll, der Bevölke­rung krampfhaft Beruhigung einzuimpfen. Sie treibt ein frivoles Spiel, das umso gefährlicher ist, je mehr sich herausstellt, daß die Schreiber, weilche in dieser Presse ihre Ergüsse von sich lassen, nicht mehr ernst zu nehmen sind. Es mehren sich ja auch immer mehr die (Leute, welche es ablehnen, z. B. dieWeserzettmW" zu lesen,, weil sie nicht den Wunsch haben, dauernd falsch unterrichtet zu werden.

In Bremen werden gegenwärtig 84 3Ü8 Arbetts, lose gezählt. In der gleichen Zeit des Vorjahres betrug die Zahl 59 00V. Diese eklatante Steige­rung beweist, daß der Schrumpfungsprozeß der bremische» Wirtschaft nicht etwa einem Still­stand oder gar einem Rückgang gewichen ist» sondern daß er sich än einer unheildrohenden Weise fortsetzt, deren Ende noch nicht abge­sehen wecken kann. Immer wieder Stillegun­gen! (Hansamühle, Rolandmühle und viel« andere), immer wieder Uebergang zur Kurz­arbeit. Die Textilindustrie schleppt sich hin. Wenn hie paar Konjunkturansträge erledigt sind, ist auch sie am Ende. Die Linoleum- industrie wird in ihrem Beschäftigungsgrad immer schwächer und schwächer. Entlassungen größeren Stils scheinen bevorzustehen. Die Zahl der Familien, die heute noch Hausange­stellte beschäftigen können, wird kleiner nick kleiner, so daß die Krise auch diesen Beruf er­faßt hat. Nach Beendigung des Weihnachts­geschäfts werfen die Kaufhäuser und Kontor« Hund ecke von Verkäufern,, Verkäuferinnen » Angestellte,ans die Straße, nur verschwinden!» wenige von ihnen vermögen im Inventur-Ver­kauf unterzuschlüpfen.

64300 Erwerbslose in Bremen! Was be­deuten demgegenüber die Maßnahmen der Re­gierung? Sie drücken sich aus in Bremen in 30 Avtstandsarbeiterl^ 1866 Dienstwilligen im Freiwilligen Arbeitsdienst und 299 Arbeitern, die im Rahme» des Arbeitsbeschafsnngspro- gvamms beschäftigt wecken. Sie sind ein Tropfen auf den heißen Stein, und zwar ein sehr kleiner Tropfen. Der Gereckcplan soll es nun machen. Was bedeutet heute noch der Gereckeplan? Seine große Idee der Aus- gletchssinanziernng mit sclbftgeschöpftem, zins­losen Darlehen der Gemeinden ist unter den Hieben des Goldstandavdsanatikers Luther ge­fallen. Uvbriggebilebeu ist ein Plan wie viel« andere mehr. Er unterscheidet sich von den Maßnahmen der Regierung Brüning und Pa­pen nur dadurch, daß ein Neichsarbertsbeschas- fungskommissar existiert, der mit größerer und wortlauterer Geschäftigkeit herangeht, einig« Tausend Menschen unter Millionen Arbeits­losen vorübergehend mit Staatsaufträgen zu beschäftigen. Es ist eine zusätzliche Arbeit die damit geschaffen wird; niemals eine Lö­sung der katastrophalen Lage auf dem Ar- beitsmarkt; ganz abgesehen davon, daß er vor der zweiten Hälfte Februar kaum praktisch in Erscheinung treten wird.

Im Reiche sieht es nicht anders aus aU in Bremen. Zur Jahreswende 1930-31 gab es 4357 000 Erwerbslose, zur Jahreswende 1931« 1932 5 666000 Erwerbslose, und zur Jahres­wende 1932-33 5 773 000 Arbeitslose. Was be- deuten daneben 242 000 Dienstwillige im Frei­willigen Arbeitsdienst und 70 000 Nvtstands- arbeiter. Es ist eben den Regierungen Brü­ning, Papen und v. Schleicher nicht gelun­gen, den Verfallsprozcß der kapitalistischen Wirtschaft aufzuhalten, und es kann jM«U