Ausgabe 
(19.1.1933) Nr. 16
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Von klon kntsoko>6ung

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lDrahtbericht unserer Berliner Schriftltg.)

Berlin, 19. Januar. Das Selbstvertrauen des Kabinetts von Schleicher hat in den letzten Tagen so rapide abgenommen, daß selbst der Regierung nahestehende Kreise in tiefe Resignation verfallen. Die bisherigen, von Herrn von Schleicher geführten politi­schen Verhandlungen haben keine Verbesse­rung, sondern nur im Gegenteil eine Ver­schleierung der Lage des Kabinetts zur Folge gehabt. Die scharfen Gegensätze zwi­schen den einzelnen in Frage kommenden teien — wir berichteten ja bereits in den letzten Tagen eingehend darüber — werden kaum zu überbrücken sein und mit einer Er­weiterung der Basis des Kabinetts ist nach Meinung eingeweihter Kreise nicht zu rechnen.

Geflissentlich wird in der letzten Zeit die Behauptung verbreitet, daß unser Führer Adolf Hitler sich mit Herrn von Schleicher über die politische Lage zu unterhalten wünsche. Einige Systemgazetten bringen gestern sogar bereits eine frei erfundene Meldung, daß die Unterredung auf dem dringenden Wunsch Adolf Hitlers heute statt­finde.

Auf Grund eingehender Informationen können wir feststellen, daß diese Behaup­tungen selbstverständlich nicht den Tatsachen entsprechen. Der Führer der deutschen Frei­heitsbewegung hat keinen Anlaß, um eine Unterredung mit Herrn von Schleicher zu betteln, da im allgemeinen der Besiegte zum Sieger kommt, der Sieger aber wenig Lust verspürt, den von ihm Unterworfenen um irgendeine Gefälligkeit zu bitten. Herr von Schleicher wünscht seit Wochen mit dem Führer zusammenzukommen, im Augenblick ist es aber überhaupt noch sehr, sehr frag­lich, ob eine solche, von Herrn von Schleicher gewünschte Unterredung überhaupt zustande kommt. Der Führer hat oft und klar genug sein Wollen umrissen und konkrete Vor­schläge zur Lösung der Krise gemacht. Der Nationalsozialismus steht selbstverständlich nach wie vor auf demselben Standpunkt

wie immer und eine Unterredung zwischen dem Führer und Herrn von Schleicher hcttte nur insoweit Zweck, als Herr von Schleicher bzw. Herr von Hindenburg durch Herrn von Schleicher, durch die Ereignisse der letzten Zeit überzeugt, zu erkennen gibt, daß er den bisher von ihm eingenommenen, in­zwischen unhaltbar gewordenen Standpunkt aufgibt und dem Nationalsozialismus die Rechte gibt, die ihm zustehen.

Tut man das nicht, dann wird zu dem von uns gewünschten und für geeignet be­fundenen Zeitpunkt der letzte Angriff auf die morschen Wälle des Systems eröffnet Werder:.

Ueber den Ausgang dieses Kampfes wird man sich in der Wilhelmstraße wohl keinen Illusionen hingeben!

unil von klapsn

(Drähtbericht unserer Berliner Schristleitung)

B erlin, 19. Januar. DerFührerkam heute in Berlin mit Herrn von Pa- pen zusammen und ließ sich über gewisse politische Fragen infor­mieren.

Die Behauptungen der Shstempresse,' daß im Palais des Landtagspräsidenten, Pg. Kerrl, ein „politisches Essen" stattgefunden habe, ent­behren, wie wir zuverlässig erfahren, jeder Grundlage. Der Führer hat dem Landtags- präsidenten, Pg. Kerrl, lediglich einen, schon längere Zeit geplanten, völlig privaten Besuch abgestattet. Alle an diesen Besuch geknüpften politischen Kombinationen entbehren jeder Grundlage.

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Berlin, 19. Januar. Am kommenden Sonntag wird ein Teil der Berliner SA. im Norden Berlins auf dem Bülowplatz aufmar­schieren.

Diese Tatsache wird von Kommunisten und Sozialdemokraten zum Anlaß genommen, um eine wüste Bürgerkriegshetze zu entfalten und die Drohung auf eine gewaltsame Verhinderung dieses Aufmarsches zu verbreiten.

Politisch bedeutungsvoll dürfte dieser Auf­marsch dadurch werden, daß die Herrn von Schleicher nahestehenden Kreise offen genug ihrer Hoffnung Ausdruck geben, daß es zu ir­gendwelchen Zwischenfällen kommen wird rmd daß diese Zwischenfälle der Regie­rung Schleicher-Bracht den Vvr- wan.d liefern könnten, einen Not­stand festzustellen, der die Ver- hängung des Ausnahmezustandes ermöglichen und die Vorstufe zur

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Jserlohn, 19. Januar. (Eigene Meldung.) In der Nacht zum Dienstag kam es in Jserlohn-W., wie wir gestern meldeten, zu einem schweren kommunistischen Feuerüber­fall, der jetzt auf nationalsozialistischer Seite wieder ein neues Opfer gefordert hat. Pg. Hans Bernsau, der bei dem Ueberfall durch Schüsse aus einer Armeepistole schwer ver­letzt wurde, ist gestern morgen seinen Ver­letzungen im Krankenhaus zu Jserlohn er­legen.

Der SA-Truppführer Hans B-ernsau wollte ein in der Nähe des Bahnhofsplatzes ge­legenes Hotel aufsuchen, als er von einem kommunistischen Ueberfall auf SA-Kamera- Len vernahm. Mit noch einem SA-Mann eilte er den bedrohten Kameraden zu Hilfe. Die roten Banditen eröffneten sofort das Feuer aus die zu Hilfe kommenden SA- Männer. Die Kugel einer 08-Pistole traf den SA-Truppführer von der Seite in das

Rückenmark. Vollständig gelähmt wurde Pg. Bernsau in das Krankenhaus gebracht, wo er nach furchtbaren Qualen starb.

27 Jahre war unser Parteigenosse alt, als ihn das Blei der roten Mörder traf. Seit 1925 stand er im Kampf um Deutschlands Freiheit in den Reihen der NSDAP uner­müdlich und voll Glaubens an den Endsieg der Idee.

Er starb als Soldat Adolf Hitlers, als Kämpfer für den deutschen SozialismKs.

Zum vierten mal innerhalb drei Wochen stehen wir jetzt an dem offenen Grab eures von roten Untermenschen Gemeuchelten.

Herr von Schleicher, es ist genug Blut ge­flossen. Wenn Sie den deutschen Menschen vor dem Verbrechertum der roten Inter­nationale nicht schützen können, dann räumen Sie Ihren Platz und der deutsche Mensch wir- sich selbst sein Recht zu verMaffen wissen.

Errichtung der Militärdiktatur sein könnte.

Wir müssen schon gestehen, daß dieses Aus­nutzen der kommunistisch-sozialdemokratifchen Hetze W Gunsten des Herrn von Schleicher Wohl das Tollste ist, was man sich denken kann.

Daß es sich hier nicht um leere Gerüchte handelt, beweist Wohl am besten die Stel­lungnahme des Blattes des Herrn von Schlei­cher, der „Täglichen Rundschau", zu dieser Frage. Das Blatt schreibt: Esistnichtun- wahrschetnlich, daß bei einer Ver­schärfung der Lage im Innern tat­sächlich «in Notstand eintritt, der unter Umständen auch auf den Ter­min der Neuwahlen nicht ohne Folge bleiben würde."

Das war etwas zu deutlich von den Herrn von der „Täglichen Rundschau" und es ist nicht sonderlich geschickt, Pläne frühzeitig auszuplau­dern, die das Licht der Öffentlichkeit zu scheuen haben.

Wenn wirklich so ein freventliches Spiel ge­trieben werden sollte, dann wollen wir hevsde schon feststellen, daß die Schuld an allen Zwischenfällen und an all den Folgen dieser Zwischenfälle auf den Schultern des Systems lastet, das die u»deutschesten Elemente als Hilfstrmppen gegen die Front der deutschen Freiheitsbewegung aufbietet.

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Rede des Präsidenten Pg. Willikens

Breslan, 18. Januar. Auf dem schlefischen Landbundtage in Breslan hielt am Mitt­woch der Präsident des Reichslandbundes, der nationalsozialistische Reichstagsabgeord­nete Pg. Willikens, eine Rede, in der er über die Stellung des deutschen Bauern­tums zu Staat und Volk sprach und aus­führte, warum der deutsche Bauer zu einem System Schleicher in Opposition stehen muß. Wir werden die Rede Pg. Willikens morgen in aller Ausführlichkeit bringen.

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Von Fritz v. Holtz, Bremen.

Am oberen Amazoneüstrom, etwa 375 Silo- meter von Jquitos <(Peru) entfernt, liegt der kleine Ort Leticia, als am weiteste» nach Sü­den vorgeschobener Platz Colurnbiens. Han­delspolitisch zur Zeit noch von gar keiner Be­deutung, ist Leticia jedoch von eminenter Wich­tigkeit für Columbten, weil es dem Lande einen Aus-gang durch Brasilien zum Atlanti­schen Ozean sichert, mit dessen Hilfe das jetzt noch fast völlig unevschlossene Gebiet des Rio Puttrmayo und Rto Caqneta eines Tages der Kultur und Zivilisation zngäugig gemacht wer- den kann. Es ist weiten Kreisen unbekannt. Laß der Amazoneüstrom in wahrhaft riesiger' Länge, Bis Jquitos hinauf, für Seedampfer schiffbar ist. Daher die Bedeutung des Platzes Leticia für Colurnbien, welches schon frühzeitig erkannt hatt«, daß dieser Seehafenplatz am Amazonas in Wirklichkett die einzige Mög­lichkeit bieten würde, um die von den Handels­zentren des übrigen Landes weit entfernt lie­genden Gebiete an den Welthandel anzu­schließen.

Von jeher haben sich in diesen abgelegenen Gebietsteilen Südamerikas Grenzstreitigkctten der anliegenden Staaten Brasilien, Colum- bien, Ecuador und Peru abgespielt, treffen doch diese vier Länder alle mit ihrer Spitze hier zusammen. Im Jahre 1922 wurde zwischen Co- bien urK Peru ein Grenzvertrag unterzeich­net, der 1930 zur Ausführung kam. In die­sem Vertrag erkannte Peru von sich aus frei­willig an, daß Leticia zu Colurnbien gehöre. Zwar wird von der peruanischen Regierung die Gültigkeit des damals geschlossenen Vertrages auch heute noch anerkannt, aber es sind mittler­weile in Peru Strömungen an die Oberslächs gekommen, die sich über die seinerzeit von Regierung Zu Regierung getroffenen Abmachmr- gen einfach hiirwegsetzen.

Am 1. September 1932 wurde Leticia von Peruanischen Banden überfallen, die, in gro­ßer Uebermacht, die militärisch vollkommen unbeschützten columbischen Behörden kurzer­hand absetzten, und die columbischen Fami­lien vertrieben, so daß diese auf brasiliani­sches Gebiet flüchten mußten. Wohl ist d:a peruanische Regierung offiziell von dem Ueber­fall abgerückt, indem sie bekundete, daß es sich um nationalistische Elemente handele, mit de­ren Umtrieben sie nichts zu tun habe. Die Peruanische Regierung hat sich auch anfänglich offiziell erboten, den Grenzübersall ihrer Staarsangehörigen zu bekämpfen und zu be­strafen. Hierin ist jedoch nach kurzer Zeit schon eine Wandlung eingetreten, denn Peru bekundet nunmehr, daß in der Besetzung Le- ticias ein nicht aufzuhaltendes Ueberschänmen des peruanischen Nationalismus zu erblicken sei. Gleichzeitig hat Peru in Washington ein Memorandum überreichen lassen, in welchem dargelegt wird, daß die „unaufhaltbaren Aspi­rationen Perus" auf Revision des Vertrages von 1922 drängten, wofür der ohne Bor- oder Mitwisser: der peruanischen Regierung erfolgte Angriff seiner nationalistischen Staatsangehö­rigen der beste Beweis ^ei.

Columbiens Lage in diesem Zwist ist völker­rechtlich durchaus klar und einwandfrei, denn die Zugehörigkeit Leticias zu Colurnbien ist von Peru ausdrücklich freiwillig und ohne äu­ßeren Zwang anerkannt worden. Es verdient vor der gesamten Weltöffentlichkeit in schärf­ster Weise gebrandmarkt zu werten, wenn sich die expansiv-nationalistisch eingestellten Be­wohner eines Landes mit widerrechtlicher Waf­fengewalt über die Heiligkeit der von ihre« Regierung freiwillig geschlossenen Verträge ein- fach hinwegsetzen, in der Erwartung, daß ihre Regierung dann später ihr Vorgehen sanktio­nieren wivd. Auf diese Weise schliddert man unvermeidlich in einen Krieg. Colurnbien hat durchaus keinen Grund, irgendwelche fremde Staaten intervenieren zu lassen, um die Streb