Ausgabe 
(18.1.1933) Nr. 15
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Berlin, 18. Januar. Bei den Zahlreichen Regierungskrisen, die das deutsche Voll in den letzten Jahren erlebte, konnte immer die Feststellung getroffen werde», daß ein Kabinett dann in Bälde stürzen wird, wenn die Nervosität im Lag« dieses Systems so weit Platz gegriffen hat, daß die Regierung selbst nicht mehr weih, was sie eigentlich will.

Die Regielosigkeit bei Herrn von Schleich« ist beispiellos. Die wildesten Gerüchte wer­den in die Welt gesetzt, um schon in d« nächsten Stunde von neuen, noch unglaub­licheren Meldungen übertrumpft zu werden.

In einer solchen Situation ist es natur­gemäß schwer, den wahren Tatbestand fest­zustellen, da Zweckgerüchle und Kombina­tionen die tatsächlichen Gegebenheiten zu Überwuchern pflegen. Wenn man alles in "Allem nimmt, wird man aber doch die Fest­stellung treffen können, daß daS Unange­nehmste für Herrn von Schleich« im Augen­blick eine Fortdauer der großen Unsicherheit sein würde.

Man ist im Regieruugslager so weit, bah

mau bis zu einem gewissen Grade ein

Ende mit Schrecken einem Schrecken ohne Ende vorzieht.

Die verschiedenen noch im Gang befind­lichen Verhandlungen werden in eingeweih­ten Kreisen für Herrn von Schleicher sehr ungünstig beurteilt, da die Planlosigkeit d« Schleicherschen Politik es selbst den Parteien, die prinzipiell bereit wären, Herrn von Schleicher zu unterstützen, unmöglich macht, durch Eintritt in die Regierung eine vov- äbergehende Stabilisierung zu gewährleisten.

Das Zentrum soll keinen Zweifel darüber gelassen haben, daß eine Uebergangslösung seine Unterstützung keinesfalls finden wirb, und da jede Lösung, die auf Herrn v. Schlei­cher od« einen sein« Paladine zugeschnit­ten ist, eine Uebergangslösung sein wird od« sein muß, ist nicht recht ersichtlich, inwie­weit das Zentrum zu einem Eintritt in die Regierung Schleicher oder ein ähnliches Kabinett bereit sein kann.

Die Deutsch nationalen sind nach der gro­ben Lektion, die ihnen die Wahlen in Lippe erteilten, naturgemäß bestrebt, den kärg­lichen, ihnen noch zur Verfügung stehenden Torso auf irgendeine Weise in Sicherheit zu bringen. Da die Leutschnationalen Bar­den als Hilfstruppen aber lediglich eine voll­kommen untergeordnete Rolle spielen, kann man nicht gut von einer Stärkung des Ka­binetts reden, sondern man muß im Gegen­teil auf Grund der erbitterten Gegnerschaft der anderen in Frage kommenden Gruppen gegen Hugenberg annehmen, daß eine engere Liierung Schleicher-Hugenberg die Feind­schaft d« anderen Gruppen zur Folge haben müßte.

Es fehlt auch diesmal nicht an Stimmen, die Herrn von Schleich«, teilweise in recht unverblümter Form, dazu auffordern, sich üb« den Willen des Reichspräsidenten, üb« die Verfassung und über die Volksmeinung hinwegzusetzen und mit nackt« Gewalt, ge­stützt aus die Bajonette d« Reichswehr, seine Stellung zu behaupten. Die diversen Zirkel politischer Hasardeure machen wird« fieberhafte Anstrengungen, die für diesen Fall notwendigen Maßnahmen vorzuberei­ten. Diese Kreise drängen darauf hin, durch Notverordnung die Volksvertretungen im

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von sp»1« Vpvmsn Ksmp-kongnsS im nsuon

Am Dienstag abend versammelten sich das ge­samte Amtswalterkorps des Kreises Bremen, und die EA-Führer der Standarte 75 zum ersten Kampfkongreß im Jahre 1S33. Kreisleiter Bern­hard ging in seinen einleitenden Worten auf die in allen Teilen Bremens mit Entrüstung aufge­nommene Haltung derDeutschenVolks- partei in der bremischen Bürgerschaft ein, die offensichtlich aus Furcht vor dem Marxismus zu ihm Halts und besten beste Stütze in Bremen seit Jahren sei.

' Mit besonderer Empörung wurde die Mitteilung aufgenommen, daß der Vater des ermordeten SA.-Kameraden Decker am Montag abend von Reichsbannerhorden überfallen und schwer verletzt zu Boden geschlagen worden sei. Auch für der­artige Zustände sei in Bremen die Deutsche Bolks- partei verantwortlich.

In der Zwischenzeit war Pg. Ministerpräsident Rover erschienen, der, stürmisch begrüßt, nach kurz« Zeit das Wort nahm und einen ausführ­lichen Bericht üb« die politische Lage der Be­wegung erstattete.

Gauleiter Rover stellte in den Mittelpunkt sein« Ausführungen seinen Eindruck, den er auf der Gauleitertagung in Weimar erhalten hat, von der er unmittelbar nach Bremen gekommen war. Allen Lügen und Verleumdungen zum Trotz sei der Führer und mit ihm seine Gauleiter noch niemals so zuversichtlich, so kampsentschlossen und so ünes Willens gewesen, wie aus dieser Gauleitertagung.

Die Lehren des Kampfes im Jahre 1932 wür­

den nunmehr in die Tat umgesetzt und der ge­samte Apparat der Bewegung erneut auf den Kampf um unsere Idee und unsere weltanschau­lichen Grundlagen eingestellt.

Die vom Führer getroffenen Maßnahmen haben sich bereits voll ausgewirkt und die Bewegung steht geschlossen in voller Aktionsfähigkeit zu jedem Einsatz bereit hinter ihrem Führer.

Im Gegensatz zu unseren Gegnern, die nur von Taktik in der Politik reden nick schreiben können, wird die Bewegung in den kommenden Monaten erneut die weltanschaulichen Ziele der NSDAP. in den Vordergrund stellen, um den letzten deutschen Menschen für sich zu gewinnen. Für diesen Kampf stehen alle Formationen der Bewegung, SA. und Amtswalterkorps bis zum letzten Mann zur Verfügung.

Diese Worte des Gauleiters gewannen lebendige Gestalt durch das heiße Herz eines Mannes, der jeden Tag erneut seine Einsatzbereitschaft beweist. Unsere Gegner wissen, warum sie gerade diesen Mann immer wieder verleumden. Uns aber hat dieser Abend wieder gezeigt, HAß Wort und Schrift nichts vermag, wenn nicht dahinter der Wille und d« Glaube ein« Kämpfernatur steht, die auch opferbereit sich einzusetzen vermag. Das aber gilt nicht nur für jeden Amtswalter und SA.- Führex, das gilt für jeden Parteigenossen, für jeden, der nicht nur Anhänger, sondern Träger und Vorkämpfer des Nationalsozialismus sein will. Das aber ist die Forderung des Entscheidungs­jahres 1933.

srt.

Reich, sowie in den größeren deutschen Län­dern auszuschalten, den Ausnahmezustand z« verhängen und jeden Versuch, sich dies« Despotie entgegenzustellen, mit Waffenge­walt zu unterdrücken. Diese sauberen Herr­

schaften sprechen auch ungeniert von der Möglichkeit, daß seitens des Reichspräsiden­ten von Hindenburg dies« Lösung Wider­stand entgegengesetzt werden könnte. Ab« auch für diese Möglichkett behauptet man

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Berlin, 18. Januar. lDrahtbericht unser« Berlin« Schriftleitung) Herr von Schleicher hat in seiner programmati­schen Rundfunkrede ebenso wie seine sämtlichen Vorgänger nicht versäumt, zu erklären, daß er es selbstverständlich für seinevornehmste" Pflrcht halte, den deutschen Mittelstand und den deutschen Einzelhandel zu schützen. Wie es um den Schutz des zusammenbrechenden Mittelstandes tatsächlich be­stellt ist, zeigt ein neuer Skandal, d« sich «st in diesen Tagen in Berlm ereignet hat.

Das Warenhaus Karstadt, das bekanntlich von d« Reichsregierung mit 23 Millionen RM.Ueber- brückungskrediten" saniert worden ist, veranstaltet seit dem 16. November in seinem Neuköllner Pa­last eine Ausstellung, die unter Mitwirkung des Reichsausschuffes für hygienische Volksbelehrung" zustande gekommen ist. Diese Veranstaltung dient selbstverständlich, wie alle anderen Reklamever­anstaltungen des Warenhauskonzerns, ausschließ­lich den geschäftlichen Zielen der Karstadt AG.

I Die Beteiligung einer Organisation, die mit staatlichen Geldern finanziert wird, bedeutet also letzten Endes nichts anderes, als eine offene Unter­stützung der Reklameveranstaltung eines Waren­hauskonzerns durch die Reichsregierung. Hur Dr. Bracht finanziert denReichsausschuß für hygie­nische Volksbelehrung" und Herrn Warmbold unter­steht dasAeichskuratorium für Wirtschaftlichkeit".

Beide Einrichtungen haben sich sicherlich mit Misten und Genehmigung d« übergeordneten In­stanzen an dem Reklamerummel Karstadts be­teiligt. Was diese Reklameveranstaltung, die also mit staatlichen Steuergeldern gefördert wird, noch selbst anbelangt, so wäre noch festzustellen, daß die Ausstellung unter dem Motto: ,Mls koche ich morgen", in einer Abteilung stattfindet, deren Direktor erst kürzlich in der zweiten Instanz zu vier Monaten Gefängnis vernrteikt wurde, weil er unter dem Druck der Karstadt AG. verdorbenes Fleisch in Wurstwaren verarbeiten ließ.

vorbereitet zu sein, unb dieses Vorbereitet- sein hat mit Politik nichts mehr zu tun, sondern ist ein absolut strafrechtlicher Begriff.

Man wird die Tätigkeit dieser Kreise weder üb«-, noch unterschätzen dürfen. Fest steht auf jeden Fall das eine, daß die Ausrichtung einer solchen Gewaltherrschaft die gesun­den Elemente des deutschen Volles anfeuern würde, ihre ganze Kraft und. ihren ganzen Elan etnKusetzen, um dieser volksfeindliche» und volksschädliche» Herrschaft ein Ende zu bereiten. Wenn man hofft, bei solchen Wild­weststückchen die Reichswehr hinter sich zu haben, dann dürfte Las für die Urheber dieser Pläne ein peinlicher Irrtum sein. Die deutsche Reichswehr, der deutsche Volks­genosse im grauen Ehrenkleid des Heeres, weiß selbst nur zu gut, daß er für die Ge­samtheit, für das Voll da ist und sich nicht von Ehrgeizlingen zu etwas mißbrauchen lassen darf, das den Bestand unseres Vater­landes ernstlich gefährden und die furcht­bare Not des deutschen Volles unerhört vergrößern muß.

Die verschiedenen in der Shsteinpresse auf­tauchenden Kombinationen, die sich, nebenbei gesagt, von Tag zu Tag mehr widersprechen und sich gegenseitig ausschließen, können nicht als Tatsachen, sondern nur als Beweis für die Demoralisierung des Systems ge­weitet werden.

Die nationalsozialistische Bewegung steht dem geschäftigen Tun der Kulissensptel« beobachtend und abwartend gegenüber. Wir wissen, daß es im Ernstfälle nur eines ein­zigen konzentrischen Angriffes bedarf, um die durchemandergeratenen Haufen des Feindes zusammenzuhauen. Wann dies« konzentrische Angriff erfolgt, bestimmt der Führer, der sich den Augenblick für das Zuschlagen aussuchen wird, der am geeignet­sten «scheint. Eile ist nur zu oft ein Zeichen von Schwäche und der starke, in sich ge°

Soeben erfahre ich von dem gemeinen Uebersall der Rrichsbannerleute auf den alten gebrechlichen Vater unseres ermordeten Kameraden Decker!

Wieder ist unter Beweis gestellt, daß das ge­meine, feige Gesindel des Reichsbanners sich nicht scheut, auf alte wehrlose Männer zu schlagen, «m stinen Rachegelüsten Lust zu machen. Hand in Hand mit diesem Gesindel geht in Bremen die Deutsche Volkspartei.

Deutsche Männer werden niedergeschlagen; zu­dem noch ein Vater, der seinen Sohn im Kampf um Deutschlands Freiheit von ebendenselben ver, lieren mutzte.

Auf Grund dieses Vorfalls ordne ich als Führer der Bremer SA. an, datz überall dort, wo es von fetten des Reichsbanners zu Tätlichkeiten kommt, die SA. von ihrem Verteidigungsrecht Gebrauch macht, und zwar so, datz denBrudern" die Luft zum Angriss vergeht. Jeder hat sich seiner Haut zu wehren, damit dem Mordgesrndcl klar wird, mit wem es zu tun hat. Gleichzeitig ermähne ich die SA., sich nicht von sich aus zu Tätlichkeit« hinreitzen zu lasten, sondern nur dort auszuräumen, wo von der Gegenseite der tätliche Anstoß gegeben wird.

Bremen, den 17. Januar 1933.

D« Führer der Standarte 75 (gez): Wegener Standartenführer