Ausgabe 
(17.1.1933) Nr. 14
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«.«»z ?«-. Bremer Nationalsozialisten

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vsn k^üknsi' gibt llis Kampkpsnols aus

Weimar, 16. Janoar.

(Eigener DrahtLericht)

Heute sand in Weimar unter dem Borfitz Adolf Hitlers eine Gauleitertagung der NGDAP. statt, hie sich zu einer bedeutsamen Kundgebung ge­staltete, in der das absolute Vertrauensverhältnis zwischen dem Führer und seinen Gauleitern, die Geschlossenheit und das Siegesbewußtsein der Be­wegung stärksten Ausdruck fanden. Nach «ner ausgedehnten Aussprache der Gauleiter unterein­ander, die unter dem Vorsitz des Stabsleiters der PO , Dr. Ley, stand und eine völlige Ueberein­stimmung sämtlicher Gauleiter in allen behandel­ten grundsätzlichen Fragen ergab, legte der Führer die große politische Linie fest, die für die Haltung der NSDAP. und den Kamps der national­sozialistischen Bewegung im neuen Jahre maß­gebend sein wird.

Ausgehend von dem Grundsatz, daß die Macht, die eine Bewegung in der Regierung besitze, auf der Macht beruhe, die außerhalb der Regierung hinter ihr stehe, betonte der Führer den Willen und die Notwendigkeit, nach dem gestri gen, für die wirkliche Volksstimmung bezeichnenden Wahlsieg, keine Sekunde locker zu lassen, sondern am Feinde zu bleiben und den Kampf mit der größten In­tensität weiterzuführen.

Es sei nicht wahr, daß die nationalsozialistische Bewegung keinen Sieg mehr erringen könne. Ob man Siege erringe oder nicht und in welchem Ausmaß man sie erringe, darüber entscheide, wenn die grundsätzliche Zielsetzung richtig sei, ausschließ­lich der Wille zum Sieg und der Fleiß und die Arbeit für diesen Sieg. Lippe sei dafür ein Be­weis.

Aber auch, wenn die NSDAP. gestern nicht eine« Sieg, sondern eine Niederlage erlitten hatte, würde sie heute nicht anders Handel«.

Die nationalsozialistische Bewegung sei aufs neue zum Angriff übergegangen und werde ihn auf der ganzen Linie mit verdoppelter Kraft weitertragen. Er selbst als Führer werde sich in diesem Kampf persönlich bis zum Letzten einsetzen Md erwarte von allen Nationalsozialisten dtzs gleiche.

Als eine unzertrennliche und unerschütterliche Einheit werde die NSDAP. vorwärts marschieren, am ihr Ziel zu erreichen.

^g. Losung üdsn üss Vspkäirnss Sli'svsi'- Seklsieksi'

Weimar, 17. Januar. Reichstagspräsident Pg. Goering hielt am Montag abend in einer öffentlichen Kundgebung in der Weimarhalle eine programmatische Rede, in der er zu dem Kabinett Schleicher und dem Fall Gregor Straßer Stellung nahm. Er führte u. a. aus:

Einen Monat habe nun das deutsche Volk bereits das Kabinett Schleicher, von dem es geglaubt habe, es sei ein Kabinett des autoritären StaatS- gedankens.

Es sei aber nur bei den Hoffnungen und Ver­sprechungen geblieben.

Eine wirtschaftliche Aenderung könne nur durch eine politische Aenderung erreicht werden, indem der Marxismus vollkommen gebrochen und ein voll­kommen neuer Geist in das Volk getragen werde. Ein System, das aus Verrat entstanden sei, könne kein Volk glücklich machen, zumal rmmer nur an dem Objekt des deutsch«« Volkes manövriert werde.

Reichskanzler oo« Schleich« sei, wie Reichstags- präfident Goering weit« ausführte, ein Kanzler der Mischung ob« auch Beimischung.

Immer rede « von neuen Projekten und vrv- geffe dabei das Wichtigste, zu helfe«, daß denen, die heute noch auf eigener Scholle fitzen, diese er­halten bleibe. Getrieben werde politische Vergif­tung, was der Fall Trevrranus beweise, bei dem der Name Schleicher ja auch eine Rolle gespielt habe.

Diese Täuschungen würden aber an der NSDAP. zerschellen, da ihre Panzerung die Treue sei.

Für einige Ministersessel würde sich die NSDAP. nicht einsetzen. Schwer falle ihin, dem Reichstags- präsidenten, zu glauben, daß gerade Gregor Straßer dieser Täuschung anheimge­fallen sein sollte.

Roch aus der letzten Gaulcitertagung habe Straß« Schleich« als den großen Spaltpilz der Ration bezeichnet, der nar die Vernichtung der NSDAP. betreibe.

Straß« habe es als sein Verdienst angesehen, daß der Führ« klar erkannt habe, wer der wahre Schleich« sei. Deshalb sei es auch gut, daß dieser Mann an die Front gekommen sei, denn nun könne ihn die NSDAP. bombardieren. Nur Stützung einer Regierung komme für die NSDAP. nicht in Frage, weil sie die deutsche Seele durch

alles Vernichtende führen wolle. Sie brauche die ganze Führung, um das weltanschauliche Ruder des deutschen Volkes herumwerfen zu können. Wen es bet der Regierung mißfalle, der komme über Bord.

Das Schift aber führe weiter zu» Rettung und Befreiung d«S deutschen Volkes.

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kSsSionsrsvLisSislsn

Breslau, 16. Januar. Bei den Wahlen zum Beamtenausschutz der Breslau« Regierung und des Breslau« Polizeipräsidiums konnten die Na­tionalsozialisten einen geradezu beispiellosen Sieg erringen. Obgleich sich die Gegner der deutschen Freiheitsbewegung zu ein« Angstgemeinschaft von. .den Keutschnationalen bis zur SPD. zusammen­geschlossen hatte«, erlitten sie eine furchtbare Niederlage.

Die Wahl endete mit einem lOOprozentigen Sieg der Nationalsozialisten, die allein sämtliche Sitze des Beamtenausschusses erobern konnte«.

Die Wahlen zum Beamtenausschuß des Bres- lauer Polizeipräsidiums endeten mit einem glän­zenden Ergebnis. Auch hier gelang es den Na­tionalsozialisten, gegen die Front all« anderen sämtliche Sitze des Beamten-Ansschnsses zu er­obern.

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(Drahtbericht unserer Berliner Schriftltg.)

Berlin, 17. Januar. Nach Beendigung des Wahlkampfes in Lippe wendet sich das Interesse den politischen Entscheidung^ zu, die in dieser und in der nächsten Woche fallen werden. Der Landtag tritt heute zu einer mehrtägigen Sitzungsperiode zusam­men, doch glauben parlamentarische Aeise zu wissen. Laß keine Ueberraschungen von dieser Seite zu erwarten sind.

Im Vordergrund des Interesses werden die diversen politischen Verhandlungen stehen, die Herr von Schleicher unternehmen muß, um einen Ausweg aus der katastro­phalen Krise, tn der sein Kabinett lebt, zu finden.

Während »ach am Sonnabend als un­bedingt sicher galt, daß Herr Hngenberg das sogenannte Krisen-Ministerium, als die vereinigten Ministerien für Ernährung und Wirtschaft, übernehmen würde, sieht man heute nach dem katastrophalen Niederbruch der Deutschnationalen in Lippe keinen Gründ mehr, Herrn Hngenberg eine solche Macht­fülle zu überantworten. Das Blatt des Reichskanzlers, die „Tägliche Rund­schau", plaudert erst einmal aus, daß Herr Hngenberg sehr hoch gespannte Forderungen hat, die u. a. in einem einjährigen poli­tischen Moratornmr, also einer Ausschal­tung des Reichstages durch Notverordnung, bestehen. Das Blatt glaubt dann, daß für die Lösung Hugenberg keine Aussicht mehr besteht, da sich keiner der für die Regie­rungsbildung in Frage kommenden Männer bereit finde» wird, mit dem Silberfuchs in einem Kabinett Platz zu nehmen. Das Blatt schließt: „Erhalten wir eine Lösung nach dem Rezept Hugenbergs, so wird nicht die Lösung

interessant sein, da sie wieder nur eine sehr kurze Dauer verspricht, sondern inter­essant wird dann lediglich die Ablösung sein." Diese Worte sagen deutlich genug, wie es um Herrn von Schleicher steht und welch' tiefe Resignation die Herrn von Schleicher am nächste« stehenden Kreise ergriffen hat.

Ueber den Empfang des Zentrumsführers Kaas, der gestern abend beim Reichskanzler stattfand, ist noch nicht allzuviel an die Oeffenllichkeit gedrungen. Aus Zentrums­kreisen hört man aber, daß die Bereitwillig­keit, bei Herrn Schleicher mitzumachen, nicht mehr allzu groß ist und daß besonders die Gegnerschaft gegen Herrn Hugenberg die Zentrmnspalittk maßgebend beeinflussen dürste.

Man kann also wohl mit Fug und Recht behaupten, daß gleichsam über Nacht die kümmerliche Basis des Kabinetts von Schlei­cher «och mehr eingebrochen ist und daß die noch schwankenden Elemente sich nun nach dem neuen gewaltigen Sieg der NS­DAP notgedrungen entschlossen haben, das Projekt Schleicher als undurchführbar zu den Akten zu legen.

In der Wilhelmstvaße hat diese plötzliche Entwicklung der Dinge außerordentliche Be­stürzung hervorgerufen. Noch am Sonn­abend konnte man aus der Wilhelmstraße hören, daß die Regierung der NSDAP in Lippe höchstens ein Gleichkommen mit dem Ergebnis der Reichstagswahl vom 6. No­vember 1932 zutraute. Die jetzt infolge des neuen nationalsozialistischen Sieges einge­tretene Versteifung der politischen Lage hat Reif auf die Blütenträume des Kabinetts von Schleicher fallen lassen.

Ms zum 24. Januar hat Herr von Schlei­cher noch Zeit, sei« Kabinett LN erhalte« und

Vselttsmmls

NaSgskül,!«

Es gibt die verschiedenste» Funktionsstörun­gen im Tenkprozeß eines Menschen, die bis zu« Gemeingefährlichkett ausarten. Die Besitzer solcher Eigenschaften weiden zumeist mit einer Zwangsjacke, bezieh ungsweffe mit einem Maul-, korb zu eigener Sicherheit ausgerüstet.

Auffallend uÄ> allgemein pedütch emppmdcft werden solch« Erschänungeu erst, wem: ein« ganze Gemeinschaft z. B. der BeÄog zweier Tageszeitungen von einer solchen funktioneller« Störung befallen wttdl deren Häufigste die SÄrklemmung irgend eines seelische« Komplexes «l sei» scheint.

Man mißverstehe uns nicht. Wir sins mit allergrößter Vorsicht an diese Diagnose heran­gegangen, aber schließlich gibt es Krank,seitser- scheinungen, die beim beste« .Willen nützt wegzuleugnen sind, ganz abgesehen von der Gemeingefähvlichkeit. I» unserem Fall handelt es sich offensichtlich ,UW «völlig verklemmte Haßgefühile, obendrein gestützt durch den Selbst­erhaltungstrieb, die zu paffender oder mrpaffe.:- der Zeit aus dem Dunkel — fürchterlich dunM soll es dort sein — in das Helle Redaktion-räume vorstoßen und eine heillose Verwirrung anrichten. Lang« hat man keift Mittel gegen diesen Kvankheitszustand gewußt, dessen Angst- und Haß-koMplexe, bekanntlich zwei Worte für einen Begriff, sich stets a,uß ,unsere Wenigkeit richteten. Tann ist man zur Homöophathie übergegangen, die bekanntlich mit Meinen, aber häufigen Tosen arbeitet!. Wir haben ja unseren Lesern ab und zu ein« Hundertschaft solcher gut dosierten Absag« .briefe der Interesse halber mitgeteilt, die Wi einer vorübergehenden geistigen dlüftlärung des Kranken führten, aber ipr Prinzip ist doch festzustellen, daß es sich hier um «ine lebens­längliche und darum absolut lebensgefährLichs BerMemmung haridelt, die zu ernsten Besorgt nisten Anlaß gibt.

Man soll uns nicht vorwerfen, wir seien bos­haft, eingebildet oder ungerecht. Solange Win die Haßgesänge ernst nahmen und si« ent­rüstet ablehnten, fand man das nicht sein ge­nug. Wir haben es dann mit gutem Zureden versucht und nun find wir soweit, daß wir an «ine unheilbare Erkrankung glauben, dis soweit als möglich in 'Isolierbaracken pfleg­lich behandelt toevden muß.

Mas soll man z. B. mit einem solche«! Kvanikheitsshmpt-om ansangen, wie das in dsv WeseiYeitung vom letzten Sonnabend: „Die Entscheidung Hitlers ist bei der schwankenden Natur des nationalsozialistischen Parteiführers! nicht vorauszusehen."

Einem Gesunden würden wir antworten, daß die Beobachtung des Schwankens absol'rtt vÄatÄ von der Festigkeit des eigenen Stand­punktes abhängig ist, Wobei wir aus zuivev- ÜÄstiger Quelle hö«n, daß im Schünemannhaus schon mancher ah» Seekranker Möwen ge­füttert hat. Doch wir wollen das Gange ja nicht mehr ernst nehmen, nmsomehr, als heute das Schwanken und Umfallen eine so ver­breitete Erscheinung s- B. im volksparieilichenl Lager der Bürgerschaft ist, daß man durchaus! Verständnis dafür hat, wenn ein Anwalt die-» ses liberal-geistigen Gemisches c»us feiner lai bilen Gleichgewichtslage heraus für senkrecht« Erscheinungen den rechten Blick verliert.

Asus der Fülle von Beispielen, die uns MS Verfügung stehen, greifen wir ein weiteoeN heraus. Läßt sich da die Bremer Nachrichten! vom Sonntag aus,der ersten Seite wie folgt Vernehmen:

„Warum hat denn die mächtige BoMsb»«

sich der Kanzlerwürde zn erfreuen. Von diesem Tage an aber hat dieses Kabinett seine Lebensberechtigung verwirkt, da haß der Man» zn verschwinden, der glaubte» daßj Meister der Fntrige zu sein gleichbedeutend! sei mit Meister der Politik.