Ausgabe 
(3.1.1933) Nr. 2
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Offensive gegen Leklsieksi' beginnt

Einmütige ^notostentkiSnungsn su» siten teilen kies 2siekss

Berlin, S. Januar 1W3. Die Passivität des Krichskabmrttes auch auf dem Gebiet der Agrar- Politik und die vor einigen Tagen übereilt in Kraft gesetzte absolut unzureichende und unzu­längliche Margarine-Notverordnung, deren Aus­wirkung jetzt schon vernichtende Schlage für die Landwirtschaft gezeitigt hat, hat in der deutschen Bauernschaft einen Zustand der Beunruhigung und der Erregung geschaffen, der schon in aller Kürze zu den bedenklichsten Folgen führen muß, wenn es nicht bald gelingt, das Steuer um 180 Grad herumzureißen. Aus allen Teilen des Reiches mehren sich die Anzeichen, daß die Empörung der deutschen Landwirtschaft bis zur Siedehitze ge­steigert worden ist. Stündlich laufen in der Rerchs- hauptstadt wertere schärfste Kampfansagen gegen das Kabinett Schleicher ein. So wie bisher kann es nicht mehr weitergehen! Wenn nur eins diese Feststellung erhärten kann, dann sind es schon die Erklärungen, die die größten Organisationen der deutschen Landwirtschaft seit vorgestern gegen Herrn von Schleicher abgegeben haben und die mehr als alles andere unter Beweis stellen, daß der Zündstoff schon in allzu bedrohlicher Menge angehäuft worden ist und daß

Deutschland heute schon ein Explosions- jcrd ist, in den nur noch der Funke zu .allen braucht, um eine Katastrophe herein­breche« zu lassen, deren Auswirkungen alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen müßte.

Eine kleine Auslese aus der Antzl der Kampf­ansagen der deutschen Bauern" .':e allein als Neujahrsbvtschast Herrn von Er, cher auf den Lisch flatterten, genügt, um zu zeigen, wie es steht und nm was es bei den kommenden poli­tischen Auseinandersetzungen der allernächsten Zeit geht.

Ostp^suKens bsuenn sn rils ^Linossv Lvkisieksns!

Die Führer des Nationalsozialistischen Land­volkes in Ostpreußen, haben vorgestern in einer Kundgebung in Königsberg eine Entschließung ge­faßt in der es n. a. heißt:

„Die in Königsberg versammelten Führer des Nationalsozialistischen Landvolks, das in seiner Stärke den weitaus größten Teil des ostpreußi- schcn Landvolks vertritt, protestieren auf das Schärfste gegen Maßnahmen, die in Wirklichkeit nichts anderes bedeuten, als die Vertreibung un­zähliger Bauern von Haus und Hof und eine Irreführung der Öffentlichkeit. Die Bauern haben es satt, sich noch länger durch leere Versprechun­gen abspeisen zu lasten. Das ostpreußische Land­volk will keine Almosen, es verlangt aber von einer wirklich nationalen Regierung, daß endlich die Voraussetzungen geschaffen werden, um in un­serer außenpolitisch so stark gefährdeten, vom Reich abgetrennten Heimat den deutschen Bauern dte heimatliche Scholle zu erhalten.

Das nationalsozialistische Landvolk verlangt stürmisch, daß nunmehr der Herr Reichspräsident den Führer der NSDAP., Adolf Hitler, mit der Führung der deutschen Politik beauftragt, damit endlich die Voraussetzungen geschaffen werden, um dem deutschen Volk Arbeit und Brot zu geben. Es erklärt feierlichst, daß das ostpreußische Laikd- volk jederzeit bereit sein wird, die außenpolitische Freiheit der Heimat bis -um letzten Mntstropfe« zu verteidigen. Es erklärt aber auch, daß es nicht länger gewillt ist, Zwangsversteigerungen über sich ergehen und durch ein unfähiges System sich vo« Haus und Hof treiben zu lasten. Glaubt Herr da« Schleicher, daß die Verteidigung Ostpreußens

mit vo» Haus und Hof getriebenen Landwirten durchgeführt werden kann?

Wir rufen das ostpreußische Laichvolk auf, im Kampf um die heimatliche Scholle zusammenzu- stehe. Wir erklären jeden, der bei Zwaagsver- steigerungwr landwirtschaftlicher Grundstücke ein Gebot abgibt oder zwangsverprigerten Boden durch dritte Hand kauft, für einen Todfeind des ost- preußischen Landvolks, der entsprechend behandelt zu werden verdient.

Wir werden uns mit allen uns zur Verfügung stehenden gesetzlichen Mitteln der Selbsthilfe ge­gen weitere Vertreibung wehren. Man möge in Berlin endlich auf die Zeichen der Not achten, ehe es zu spät ist. Es lebe Ostpreußen, es lebe Deutschland, es lÄe der Führer zu Freiheit und Brot!«

IVIsokIsndung

Der Mecklenburgische Landbund hat ebenfalls an den Reichskanzler ein Telegramm gerichtet, in dem es heißt, daß die katastrophale Preisentwicklung die Zahlung weiterer Steuern und Zinsen zum Teil unmöglich gemacht habe. Der Preisstand der landwirtschaftlichen Erzeugnisse sei so niedrig, daß auch bald der letzte noch existenzfähige Hof unter den Hammer kommen müsse.

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Der Landbund Anhalt hat ebenfalls an den Reichskanzler ein Protesttelegramm gerichtet, in dem es heißt: „Das Reichskabinett hat zu Gun­sten des einseitig auf Ausfuhr eingestellten Tei­les der Industrie auf einen wirksamen Schutz des deutschen Nährstandes verzichtet. Die jetzt getrof­fenen Agrarmaßnahmen find völlig lückenhaft und unorganische Halbheiten. Das Vertraue« in eine folgerichtige nationale Wirtschaftspolitik der ReichS- regierung ist in der anhaltifchen Landwirtschaft erschüttert. Die Stimmung aus dem Lande ist ver­zweifelt!"

(Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)

Berlin, 3. Januar. Seit einigen Tagen ist wieder einmlal von interessierten Kreisen die Preußen-Fckage in den BvndevgrinÄ> gescho­ben worden. So wurde unter anderem gestern von einem Teil der Presse der Reichshauptstadt daZ Gerücht verbreitet, daß auf der Tagesord­nung der nächsten Landtagssitzung, die Wahl des Ministerpräsidenten stehen werde.

Was das letzte Gerücht über die bevor­stehende Wahl des Ministerpräsidenten anbe­langt, so ist zunächst! festzustellen, daß eins Entscheidung in dieser Hinsicht weder bisher gefallen ist, noch etwa für die nächste Zeit zu erwarten wäre. Muss der Tagesordnung der nächsten Landtagssitzung, die bekanntlich am 17. Januar stattfindet, wird aller Voraussicht uach ausschließlich die Fortsetzung der schon in der letzten Sitzungsperiode begonnenen gro­ßen kultur-politischen Aussprache stehen.

Was die Gerüchte über eine bevorstehende Auflösung des Preußischen Landtages anbe­langt, so erfahren wir aus bestunterrichtcier Quelle, daß diese Gerüchte ebenfalls jeder realen Basis entbehren. Die Auflösung des Landtages könnte nur durch den Landtag selbst oder durch das Drei- Mätmer-Kollegium gus-

SnsunsvkAvvig

Der Braunschweigische Landbund hat seinerseits ebenfalls ein Protcsttelegramm an den Reichs- ernährnngsmimster und an den Reichswirtschasts- minister gerichtet. Das Telegramm hat folgenden Wortlaut:

„Erschreckendes Sinken der Bullerpreise neben Tiefstand der Preise aller landwirtschaftlichen Er­zeugnisse untergraben heimische Landwirtschaft bis zur gänzlichen Zahlungsunfähigkeit. Fordern so­fort Maßnahmen, sonst katastrophale und ver­mehrte Arbeiterentlafsungen unvermeidlich."

Ssekssn

Der Neujahrsgruß des Sächsischen Landbundes hatte folgenden Worttaut:

Herr von Schleicher denkt anscheinend nicht daran, aus seiner bisher zur Schau getragenen Passivität herauszutreten. Er möchte die Dinge an sich herankommen lassen und selbst diese Annahme kann nicht mehr als besonders beweiskräftig gel­ten; denn in den letzten Tagen ist tatsächlich über­genug an ihn herangetreten. Man ist sich in der Wilhelmstraße des Ernstes der Lage durchaus be­wußt. Die offene Kampfansage der deutschen Land­wirtschaft hat durch ihre einmütige Geschlossenheit auch in der Wilhelmstraße sicherlich den entspre­chenden Eindruck hinterlassen. Wenn der Umstand, imtz sich das Reichskabinett trotz dieser eindeutigen Situation bis zur Stunde noch nicht einmal zu irgendeinem Beschluß, geschweige denn zu irgend­welchen Vorarbeiten für die von der Landwirt­schaft geforderten Maßnahmen durchgerungen hat, dem zunächst zu widersprechen scheint, so kann dar­aus hingewiesen werden, daß gerade dieser schein­bare Widerspruch die Lösung des Rätsels in sich trägt.

gesprochen werden. Nach Lage der Dinge ist nicht anMnehmien, daß dieser Fall eintreten könnte.

Es ist ganz selbstverständlich, daß alle Kom­binationen Aber die Preußen-Frage, die seit einiger Zeit mit einem besonderen Eifer in die Welt gesetzt werden, einen ganz beftwrmten Zweck Perfolgen. Wir haben dazu nur fol­gendes festzustellen:

Die preußische kommissarische Staaisregierung die ihren Ausgabenkreis auf der einen Seite in der Durchführung absolut unzureichender, parteipolitisch abgestempelter Verwaltmrgsrefor- men und auf der anderen Seite in der Ausein­andersetzung über Kompetenzangelegenheiten, die die preußische „Hoheitsrogierung" angehen, begrenzt sieht, ist selbstverständlich nicht in der Lage, etwa den preußischen Haushaltsplan für das kommende Jahr ordnungsgemäß und fristgemäß zusammenzubringen, geschweige denn die Maßnahmen in Angriff zu nehmen, die die Not des preußischen Volkes erfordern. Diesen Zustand, der heute in Preußen ebenso wie im Reiche vorhanden ist, zu beseitigen, wird die erste Aufgabe und das nächste Ziel der kommen­den Entscheidungen sein. Das Wie wird dabei lediglich eine Frage der Taktik sein.

„Sächsische Landwirtschaft ungeheuer «regt über unverständliche Tatenlojigküt der Reichsregienmg angesichts katastrophalen Rückgangs Butterpreise und Preisentwicklung Getreidemarkt. Verlangen sofortige wirkungsvolle Maßnahmen für Ber- edelungswirtschaft. Vordringlich Buttereinfuhr­sperre. Erwarten endlich unverzügliche Verwirk­lichung wiederholt zugesagten Schutzes für Land- wirtschaft."

Diese Auslese aus der Zahl der Erklärungen, die allein als Neujahrsbotschaft an Herrn von Schleicher gerichtet wurden, besagt genug. Wie lange wird es «och dauern, bis sich Herr von Schleicher des Ernstes der Lage bewußt ist? Wenn es noch einige Zeit so wie bisher weitergehen soll, dann ist nur noch mit einem zu rechnen: Daß der zündende Funke noch vorher in das Pulversaß Deutschland fällt!

Die Auseinandersetzungen innerhalb des Kabi­nettes, die heute auch von keiner Seite mehr ge­leugnet werden können, sind so weit gediehen, daß zurzeit wenigstens irgendwelche positiven Beschlüsse des Kabinettes an sich schon unmöglich sind. Die Gerüchte, die vorgestern über angebliche Rücktritts­absichten des Reichsernährungsministers in Um­lauf gebracht worden sind, sind noch immer nicht

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im Ossino

verstummt. Hoffnungsloser könnte das Durchein­ander eigentlich nicht sein! Was sich in den näch­sten Tagen ergeben wird, wird zum großen Teil von den Beschlüssen abhängen, die kommenden Mittwoch im Aeltestenrat des Reichstages zustande kommen werden.

Herr von Schleicher hat sich bis zur Stunde noch nicht dazu bequemt, über seine Pläne und Absichten für die nächste Zeit irgendetwas ver­lauten zu lassen. Uns ist dieses große Schweigen verständlich Verständlich wäre es auch, wenn Herr von Schleicher jetzt schon aus der absolut unhalt­baren Lage, in die er und sein Kabinett sich mit aller Geschicklichkeit hineinmanövriert haben, die entsprechenden Konsequenzen ziehe« würde.

Parteiamtlich wird bekanntgegeben:

Die Reichsorganisativnslcitnng ist wig folgt gegliedert:

1. Der Stab

2. Das Personalamt

3. Das Organisationsamt

4. Das Schuluugsamt.

Zu meinem Stellvertreter und zürn L«H» ter des Personalamtes ernenne ich den GaO» leitcr Robert Wagner» Karlsruhe.

Das Organisationsamt und -as Schu» luugsamt bleiben bis auf weiteres vereint«

Zum Leiter des Organisatiousamtes er» nenne ich den Reichskommissar Heinz -Hanke, Kölu-Braunsfeld.

Der Stabsleiter der P.O.: Dr. R. Ley.

Gauleiter Robert Wagner behält nach wio vor seinen Gau und auch sein Landkrgt» rngndat.

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Wann goksn Sßv, von LekISVekvn?