Ausgabe 
(24.6.1934) Nr. 172
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Üas amtliche Organ des Senats

der Sreien Hansestadt öremm

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Nr. 172 / 2 . Dierteljadr

Sonntag, 24. Juni

Einzelpreis 15 Rpf.

Wie Ser „einfache Franzose' über das neue Deutschland denkt

Will Frankreichs Volk öle Verständigung?

Jenseits von Diplomatie und Parlamentarismus / o.

Niedersachsentag

Die Gedenkfeier in Berden

Eigener Drahtbericht unseres Kavsg-Mitarbeiters

Das weite Stadionrund ter Verdener Renn­bahn, der Platz, aus dem die Gedenkfeiern zu Ehren der im Jahre 782 von Kaiser Karl er­mordeten 4800 Sachsen stattfindet, ist umsäumt und geschmückt mit den Fahnen des neuen Reiches, geschmückt mit den Fahnen einer neuen Jugend. Schon lange vor Beginn der Kundgebung mar­schieren endlose Kolonnen auf: SA., HJ., Jung­volk und BDM.,, sie alle wollen an der Feier­stunde der Niedersachsen teilnehmen, wollen am nächtlichen Sonnenwendfeuer sich bekennen zu dem Heroismus eines Widukinds, zum Rebellentum eines Volksstammes, der in Treue und Festigkeit seine bodenständige Kultur, seinen guten Glau­ben und seine Geisteshaltung gegen die artfremde Weltanschauung eines romhörigen deutschen Kai­sers zu verteidigen wagte, und der für diese Treue die Blüte seiner Kampfmannschaft opfern mußte.

Gegen sieben Uhr abends trafen der Reichs- jugendfllhrer Balour v. Schi räch und Reichs­leiter Alfred Rosenberg in Berden ein, um nach einem kurzen Aufenthalt im „Hannoverschen Hof" zum Stadion weiterzufahren. Begeistert recken 12 000 aufmarschierte HJ. und Jungvolkler den beiden Führern zum Gruß den Arm entgegen, die unter den Klängen des Badenweiler Mar­sches in der Ehrenloge Platz nehmen, wo man ne­ben Obergruppenführer Litzmann den Minister­präsidenten Klägges, die Gebietsführer Ho- grefe und Schmidt, den Vrigadeführer Raecke und andere namhafte Führer der Be­wegung des Staates sieht.

Bei dem Spiel mehrerer SA.-Kapellen mar­schieren die Fahnenabordnungen der politischen Organisationen, der HJ. und des BDM. ein. Von der Tribüne aus bietet sich uns ein erhabenes Bild: In dem weiten Rund des Stadions stehen dicht gedrängt die Formationen der nationalso­zialistischen Bewegung, über den Köpfen einer feiernden Gemeinschaft flattern im Winde die Fahnen der nationalsozialistischen Bewegung, künden am Tage der Sommersonnenwende des Jahres 1934 von der Schicksalswende unseres Volkes, weisen als Symbole des Lichts den Weg in die Zukunft, -en Weg, den ein neues Ge­schlecht bereit ist, in unbedingter Gläubigkeit zu gehen — für Führer und Heimat.

Der stellvertretende Gauleiter Eagenholz begrüßte zunächst im Auftrage des Gauleiters TLisch ow die Anwesenden, vor allem den Reichsleiter Rosenberg. den Reichsjugendführer Baldur von Schirach und den Obergruppen­führer Litzmann.

In einer Minute stillen Gedenkens wurde des vor einigen Tagen von kommunistischer Buben­hand ermordeten Pg. Elsholz gedacht. Darauf nahm, von stürmischem Beifall begrüßt, der Reichs­leiter Rosenberg das, Wort zu einer Ansprache, in der er in grundsätzlichen Ausführungen von dem durch die nationalsozialistische Revolution be­dingten llmwertungsprozeß auf allen Gebieten geistigen und kulturellen Lebens sprach.

Er betonte, es sei ein natürlicher Vorgang, daß das neue Deutschland heute auf Grund anderer Wertungen als bisher sich sein Geschichtsbild forme. So sieht man heute auch mit anderen Augen die Tragödie, die sich um die Wende des S. Jahrhunderts in unserer niedersächsischen Hei­mat abgespielt hat. Wir Nationalsozialisten stehen heute aus einem inneren Zwang heraus auf der Seite des für ihr Volkstum kämpf-mden Niedersachsenstammes und lehnen ebenso das Ge­baren eines romhörigen Kaisers Karl ab.

Halbmast am 28. Juni

Berlin, 23. Juni.

Die Reichsregierung hat angeordnet, daß zum Zeichen der Ablehnung des vor 15 Jahren be­schlossenen Diktats von Versailles und zum Aus­druck der Trauer, daß das deutsche Volk noch immer unter dem harten Druck dieses Diktats steht, o i Donnerstag, 28. Juni, sämtliche Dienst- gebäude des Reiches, der Länder, der Gemeinden sowie die Gebäude der Körperschaften des off; tt- lichen Rechts und der öffentlichen Schulen halb­mast flaggen. Diese Anordnung wird hiermit den Behörden amtlich mit dem Hinzufügen bekannt­gegeben, daß eine schriftliche Mitteilung der An­ordnung an sie nicht ergeht.

Verhaftungen in Krakau. In Krakau und eini­gen Städten der Krakauer Wojewodschaft wur­den 42 Mitglieder der Jugendorganisation der nationaldemokratischen Partei verhaftet.

Nicht auf Interviews mit Kammerabgeord­neten und Senatoren, führenden . Journalisten, höheren Ministerialbeamten oder gar Ministern hatte ich es während meiner Reise durch Nord­frankreich abgesehen. Parlamentarier und sonstige „offizielle Persönlichkeiten" wurden vielmehr ängstlich gemieden. Teils, weil man ihre Mei­nung über das neue Deutschland, über Abrüstung und Verständigung zur Genüge kennt: teils, weil ihre Aeußerungen aus innenpolitischen Gründen viele wahrheitentstellende Nebenzwecke ver­folgt hätten. Auf die Ansicht der französischen Arbeiter kam es mir an; die Meinung und die Gedanken der Bauern, Fischer, Hand­werker, der kaufmännischen und technischen Ange st eilten, Gastwirte, Lehrer wollte ich kennen lernen. Obschon man nun zwar im Rahmen einer auf einige Wochen be­fristeten Reise durch Teile der französischen Pro­vinz (Bretagne, Normandie, Picardie, Artois) die Volksseele unseres westlichen Nachbarn auch bei gewissenhaftestem Studium nicht in ihrer politi­schen Totalität erfassen kann (dazu wäre u. a. ein längerer Aufenthalt auch in Mittel- und Süd­frankreich nötig), so läßt sich doch aus vielen übereinstimmenden Aeußerungen immerhin ein Bild allgemeiner Bedeutung entwerfen.

Ueberraschungen blieben nicht aus. So kam ich besonders mit dem französischen Arbeiter und dem Angestellten schneller ins Gespräch, als ich es er­wartet hatte. Keine Spur von Antipathie oder gar Haß gegen einen auf dem platten Lande und in der Kleinstadt immerhin nicht alltäglichen deutschen Gast. Im Gegenteil: Die Franzosen, mit denen ich sprach, benutzten meist gern die Ge­legenheit, sich einmal ganz offen mit einem An­gehörigen des neuen Deutschland über brennende politische Fragen zu unterhalten. Da der Durch­schnittsfranzose zudem die Vorgänge in Deutsch­land, wenn auch häufig durch die trübe Brille der gegen die Verständigung arbeitenden Blätter vom Schlage des „Paris Soir", mit wachsendem Inter­esse verfolgt hat, konnten sich unsere Gespräche in der Regel sehr schnell den Hauptfragen zu­wenden. .

Wie der Mann des französischen Volkes über Adolf Hitler denkt? Die Ansichten mögen nicht mehr so widerspruchsvoll wie vor einem Jahr sein. als man das verbrecherische Treiben gewisser Emigranten noch nicht durchschaute; im­merhin aber sind von der grundsätzlichen Skepsis gegenüber dem Führer bis zur begeisterten An­erkennung seines gigantischen Werkes so ziemlich alle Abstufungen der Meinung vertreten. Fast überall setzt sich jedoch ein starkes, der Persönlich­

keit des Führers geltendes Gefühl der Bewun­derung durch, das bei unseren Gesprächen etwa in die Worte gekleidet wurde: „Es muß ein außergewöhnlich bedeutender Mann sein, der dem Arbeitslosenelend und der Wirtschaftskrise so erfolgreich auf den Leib rückt!" Vor allem die klare, ehrliche und einfache Antwort eines arbeits­losen Angestellten verdient, zumal sie im Grund- ton mit vielen Urteilen übereinstimmt, hier wie­dergegeben zu werden: „Hitler tut seine Pflicht !" Daneben hörte ich, besonders in grö­ßeren Städten und auch in Paris, häufig die folgende Wendung: „Wir glauben schon, daß Hitler den Frieden will, aber Eöring und Goeb­bels, die wollen den Krieg. Und Hitler wird einmal tun müssen, was s i e verlangen." Es war nichi immer möglich, diesen Unsinn radikal auszurotten, da das Vorurteil ebenso hartnäckig wie gefühlsbetont war. Auf den Einwand, daß es in Deutschland nur einen Führer gibt und daß alle Mitarbeiter Adolf Hitlers nur seinen Willen durchführen daß also auch in der Frie­denspolitik des neuen Deutschland eine absolute Willenseinheit vorhanden ist, kam entweder ein Achselzucken oder die Antwort: „Wir glauben es noch nicht." Im günstigsten Falle fand man sich zu einem „Nun mir wollen abwarten" bereit.

Einem Lehrer gegenüber stellte ich die Frage: „Findet es Ihre Zustimmung, daß die verant­wortlichen französischen Staatsmänner, denen nach ihren eigenen Erklärungen die Erhal­tung und Sicherung des Europäi- schenFriedens am meisten am Herzen liegt, die ausgestreckte Hand des verständigungsbereiten deutschen Reichskanzlers nicht ergreifen — die Hand des Mannes, der das restlose Vertrauen eines ganzen geeinten Volkes genießt?"

Die Antwort lautete dem Sinne nach, Frank­reichs leitende Staatsmänner und Politiker müß­ten erst wissen, was dieser Handschlag wirklich bedeute. Auch vor 1914 sei oft von Berlins Frie­densliebe, vom Wunsch Deutschlands, sich mit Frankreich zu einigen, die Rede gewesen. Welchen Weg aber die Wirklichkeit nahm, habe der Franzose ja dann mit Entsetzen erlebt.

Die gleiche Angstpsychose, die sich aus der pas­siven Ungewißheit der Frage „Ist ein neuer Krieg mit Deutschland möglich?" gern in den positiven Satz flüchtet: „Der Krieg ist unvermeidlich",

konnte ich auch in anderen Bevölkerungsgeschichten feststellen. Sächliche Gegenargumente, aus unbe­dingtem Glauben an die Friedenspolitik des Führers vorgetragen, erwiesen sich in gleichem Maße als wirkungslos, als die von mir befrag­ten Franzosen bereits Opfer jener erwähnten Pariser Hetzpresse geworden waren. Nicht selten

wurde, allerdings fast nur von Arbeitern der Stirn geäußert: „Die Nachricht vom Kriegsbe­ginn überraschte uns Franzosen 1914 wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Niemand im Volk hatte im Ernst daran gedacht, daß es zu einem so entsetzlichen Völkerringen kommen würde. Es gibt für uns keine Gewißheit, daß wir nicht von neuem zu den Waffen greifen müssen, und weil es diese Gewißheit nicht gibt, wollen wir uns, um nicht zum zweitenmale überrascht zu werden, die Waffen so zahlreich und so scharf wie möglich bereithalten."

Wie, man will nichts gewußt haben von Poin- cares Revanchepolitik, von dem bis zur ständigen Kriegsbereitschaft gehenden Bündnis Frankreichs mit Rußland, von den militärischen Abmachungen mit England, von den fieberhaften, kaum noch trag­baren Rüstungen der Franzosen gegen Deutschland?

Freilich habe man von diesen Dingen gewußt aber man habe sich nicht mit dem Ernstfall vertraut gemacht, habe im Volk alles (wie wider­sinnig, aber so wurde es mir immer wieder be­kundet!) nur als Sicherung gegen den Krieg auf­gefaßt.

Gesteigert und den Zwecken der französischen Rüstungsgewinnler dienstbar gemacht wird jene Angstpsychose durch die zur Genüge bekannten Lügenmeldungen über angebliche vertragswidrige Ausrüstung Deutschlands. Aber auch auf diesem Gebiet sind die Grenzen des Möglichen bereits er­reicht, und ich konnte bei aller Abwegigkeit der französischen Anschauungen über den Rüstungs­stand Deutschlands doch die Beobachtung machen, daß hier die Wahrheit durchaus nicht auf verlorenem Posten kämpft, daß einer zielsicheren Aufklärung der Sieg, wenn auch nicht von heute auf morgen, nicht versagt bleiben kann. Ein Bei­spiel: Der „Paris Soir" brachte Ende Mai auf seiner ersten Seite in großer Aufmachung einen Sonderartikel über die angebliche „alles in den Schatten stellende" Aufrüstung Deutschlands. Die richtige Einstellung zu dem Geschreibsel sollte eine dem Artikel vorangesetzte Photographie ver­mitteln, und zwar sah man einen Schulhof, in dem deutsche Kinder um eine Riesenkanone „ver­sammelt" sind und von ihrem Lehrer in die Ge­heimnisse des Geschützes „eingeweiht" werden. Wirklich, >o etwas sah man auf dem Bild. Die Leser des famosen „Paris Soir" konnten freilich nicht ohne weiteres wissen, daß es sich bei der so wertvollen Momentaufnahme des Pressephoto­graphen um einen bereits vor längerer Zeit ent­larvten Schwindel, um eine raffiniert ausgeführte, aber als solche nicht sofort erkennbare Photo­montage handelt. (Fortsetzung auf Seite 2.)

Zum Erlaß von Betriebsordnungen

Fristverlängerung bis zum i. Oktober iyZ4

änb. Berlin, 23. Juni.

Nach dem Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit soll in allen Betrieben der privaten Wirt­schaft, in denen in der Regel mindestens zwanzig Arbeiter und Angestellte beschäftigt sind, bis zum 1. Juli eine den Vorschriften des Gesetzes ent­sprechende Betriebsordnung vom Führer des Be­triebes nach vorheriger Beratung im Vertrauens­rat erlassen werden. Viele Unternehmer haben sich aber noch nicht in dem Maße mit den Vor­schriften und dem Geist des neuen Gesetzes vertraut gemacht, daß bis zu dem genannten Zeitpunkt die ordnungsmäßige Durchführung des Gesetzes ge­währleistet erscheint.

Der Reichsarbeitsminister hat sich daher im Einvernehmen mit dem Reichswirtschaftsminister veranlaßt gesehen, die Gesetz essr ist ein­malig um drei Monate zu verlän- gc i n. Er geht dabei von der Erwartung aus, Laß es bis dahin jedem Führer eines Betriebes mög­lich ist, die wenigen wichtigen Bestimmungen einer Betriebsordnung entsprechend den Vorschriften des dritten Abschnittes des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit im Geiste wahre: Tr :.:ö-- und Arbeitsgemeinschaft ohne die Krücken soge­nannter „Musterbetriebsordnungen" selbständig festzulegen

Wenn anläßlich des Versagens mancher Be­triebssichrer einzUns Treuhänder gewisse Richt­linien für den Erlaß von Betriebs­ordnungen herausgeben mußten, so sollen damit keineswegs deren Bestimmungen den ein­zelnen Bet ichen aufgedräng: werden Sie sind nicht bindend und bedeuten keine Anwciiung. Die Führer der Betriebe werden oielinchr im Ver- trauensrai zu prüfen haben, wie weit ihre Ueber­nahme den Bedürfnissen des Betriebes entspricht. Abgesehen von den Treuhändern der Arbeit steht niemandem ein Einfluß auf die Gestaltung der

Betriebsordnungen zu. Jeder Betriebssichrer nutze daher die nochmals gewährte Zeitspanne zum baldigen Erlaß einer eigenen Betriebsord­nung aus.

Die Fristverlängerung für den Erlaß von Be­triebsordnungen bedingte noch eine weitere Ter­minverlegung. Nach einer Anordnung des Reichs­arbeitsministers vom 28. März 1934 gelten die am 30. April 1934 laufenden We r k-(Firmen-) Ta­rifverträge noch bis zum 30. Juni 1934 als Tarifordnungen weiter, soweit sie nicht schon vor­her durch eine Betriebsordnung (Dienstordnung) oder durch eine Anordnung des Treuhänders auf­gehoben werden. Eine neue Anordnung des Reichsarbeitsministers spricht nunmehr ihre Wsi- tergcltung bis zum 30. September 1934 mit der ooraenannten Einschränkung aus.

heitsstrafen von längerer Dauer werden zunächst um 8 Jahre gemildert und die Rechtsstrafen dann auf die Hälfte herabgesetzt. Dabei tritt an die Stelle von Zuchthaus Gefängnis. Anhängever­fahren werden eingestellt, wenn die Tat vor dem 11. Juni 1934 begangen und keine schwerere Strafe als Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu 8 Jahren zu erwarten ist. Neue Verfahren wer­den nicht eingeleitet.

K. L. Bremen, 24. Juni 1934.

Kurz nach dem Weltkrieg war es, als auf dem Hainberg, einer alten historischen Stätte im Oldenburger Land, zum erstenmal wieder die Feuer der Sommersonnenwende zum Himmel loderten. Mißtrauisch beäugte das damals herrschende Regime diese Feier, ob es nicht möglich sein könnte, hier irgendwie dagegen einzuschreiten, denn das wußten die regierenden Herren genau, daß diese Feuer, die schüchtern im Lande hier und da wieder zum Himmel stiegen, doch etwas mehr für die Jugend bedeuteten, als eine harmlose Freude am lustig lodernden Feuerchen. Diese Son- nenwendfeiern waren tatsächlich auch das erste Bekenntnis einer zertretenen Nation zu einer neuen politischen Auffassung, das Ahnen einer kommenden Zeit, die sich reini­gen wollte von dem Schlamm, der sich über sie ergossen hatte. Und bei jener oben ange­deuteten Feier geschah etwas Unerhörtes: Gymnasiasten hatten einige Hakenkreuz- fähnchen mitgebracht. Entsetzt fielen die hohen Schulbehörden in Oldenburg in ihre Klubsessel zurück, als sie von dieser Missetat hörten. Gendarmerie wurde in Bewegung gesetzt, die Schüler wurden gemaßregelt, die demokratischen und marxistischen Zeitungen des Landes schürten das Feuer der Ent­rüstung und der arme Schulmeister, der der geistige Leiter dieser Feier war, wäre bei­nahe, wenn er nicht einen vernünftigen Schulrat gehabt hätte, um Amt und Brot ge­kommen. Finsterste Reaktion und glutroter Marxismus gingen hier Arm in Arm — eine Erscheinung, der man in den nachfolgenden Jahren noch oft begegnen konnte.

Und trotzdem haben diese Mächte nichts auszurichten vermocht. An derselben Stelle sind oft genug noch zur Sonnenwendseier Worte aus berufenem Munde der Kämpfer der neuen Zeit ins Land gedrungen, die das Volk aufhorchen liehen. 'Mehr als einmal hat unser Reichsstatthalter Röver dort die Feuerrede gehalten und die schwarze und rote Meute konnte sich an den Knochen, die ihr dort hingeworfen wurden, die Zähne ousbeißen.

Es ist immer gut, wenn man mit gewissen Leuten einmal Fraktur spricht. Man kann ge­trost das Tischtuch dabei zerschneiden und ihnen zeigen, daß eine tiefe Kluft in welt­anschaulicher Beziehung uns von ihnen trennt. Als kürzlich derTag derStedingsehre in Altenesch gefeiert wurde und Darre und Rosenberg ungeschminkt die Geschichtsauf­fassung von heute derjenigen von gestern gegenüberstellten, brach auf der anderen Seite ein Wutgeheul aus. Ein Zeichen, daß die Wahrheit sehr schmerzend gewesen sein muß. Der Vorwurf, die Wissenschaft habe sich zu wenig um die deutsche Bauerngeschichte gekümmert habe, und wenn sie es getan, dann sei sie der Nachwelt im ungünstigsten Sinne geschildert worden, hat in manchen wissen­schaftlichen Kreisen arg verschnupft. Auch wir haben verschiedene entrüstete Zuschriften er­halten. Aber warum, so fragen wir, diese gekünstelte Entrüstung? Das nationalsozia­listische Zeitalter räumt ja nur auf mit all'

Amnestie im Gamgebiet

Die Vorlage der Regierungskommission.

Saarbrücken, 23. Juni.

Die Regierungskommission hat am Sonnabend dem Landesrat eine Amnestievorlage für politische Vergehen im Saargebiet zugeleitet. Die Vorlage, die voraussichtlich schon am Mittwoch nächster Woche oom Landesrat angenommen werden wird und am 1. Juli in Kraft treten wll gliedert sich in drei Abschnitte. Sie erstreckt sich sowohl auf rein politische Straftaten als auch auf Straftaten aus wirtschaftlicher Not

Was die politi > chen Straftaten an­langt, so werden Strafen, die bei Inkrafttreten der Verordnung rechtskräftig erkannt und noch nicht verbüßt sind, erlassen, wenn sie in Geld­strafe oder in Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren, allein oder auch nebeneinander bestehen. Frei­

vi. l-szr mit Kapitän kotermöllsr. .von cksr „vrsscksn" an Loxä äsr, „LtuttLart