Ausgabe 
(22.6.1934) Nr. 170
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

6 reiner

das amtliche Vrgan kles Semls

ZeiMa

ger Freien LansestM vremen

RM. S.Z'g -mfchlAlich Uebe^-U Zustellungsgebühr: durch die Post

ten. - Post check Hamburg 172 72 - Betriebsstö^nii^^st^Id. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrich.

z.»..., 7.77,

1

9

3

4

Anzeigcn-Grundpreise: Die 22-mm-Zeile im Anzeigenteil 12 Rpf-, die 70-mm-Zeile im Textteil 75 Rpf. Ermäßigte Grundpreise (sür kleine Anzeigen, Familienanzeigen u. a.) sowie sonstige Bedingungen laut Preisliste 1. (Nachlatzstassel 0.) Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewähr. Annahmeschlutz IS Uhr.

Nr. 170 / 2 . Vierteljahr

Freitag,

22.

Juni

Einzelpreis is Rpf.

Der erste Tag des Deutschlanbfluges

Das Bremer Geschwader nach dem ersten Flugtag in der Spitzengruppe

Sonderbericht unseres Berliner H. W.-Vertreters

Berlin, 21. Juni.

Im vergangenen Jahre erlebte ich den Deutsch, landflug auf dem kleinen und schwierigen thürin­gischen Flugplatz Schwarza in der Nähe des Thüringer Waldes. Prachtvolle Einzelleistungen bewährten Fliegergeistes, als eine Maschine nach der anderen aus dem dichten Nebel hervorschoß und fast ohne jede Sicht an das Ziel heran- brauste! Großartige Bewährung eingeflogener Flugzeuge bekannter Bauart! Zeder einzelne der alten Luftkämpen war auf sich gestellt, jeder tat sein Bestes, niemand brauchte Rücksicht auf an­dere zu nehmen. Es war ein Wettbewerb der Einzelleistung und der persönlichen Braoour.

Ganz anders ist es in diesem Jahre. Die er- fahrenen Piloten haben ihren Platz am Steuer dem jungen und jüngsten Nachwuchs abgetreten; neidlos, nur das gemeinsame Ziel im Auge, daß Deutschland ein Volk von Fliegern werden muß. Die alten Maschinen sind durch fabrik­neue Modelle ersetzt, durch Serienflugzeuge ohne rennmäßige Verkleidung und dergleichen Hilfen. Und an Stelle der Einzelleistung ist das Prinzip des Mannschaftsfluges getreten; nur geschlossene Verbände von mehreren Einheiten sind zugelassen; und nur das gute Abschneiden des Gesamtverban- des soll erstrebt und gewertet werden.

Wie das Prinzip, so die Praxis! Während dieser vier Tage und Nächte haben alle am Deutschlandflug Beteiligten ein Gemein, scha.ftslager bezogen, in dem Führer und Ortet, Monteure uiü> Hilfspersonal beieinander kampieren Hier wohnen, schlafen und essen sie, vom grauköpfigen Kommandanten Christiansen bis zum jüngsten Piloten. Sechs Baracken hat man. abseits vom Flugplatz Tempelhof, mitten hineingebaut in einen großen Volkspark. Vier Wochen lang arbeiteten die erwerbslosen Kame­raden von den Berliner Fliegerstürmen zusammen mit dem Arbeitsdienst in Heller Begeisterung und Hingabe an dem großen Werk. Wohnlich und freundlich aber doch einfach und behelfsmäßig sind die Baracken eingerichtet. Drüben, am anderen Ende des Platzes, liegt die große Küchenbaracks, wo am Mittwochabend zur Stärkung vor schweren Strapazen Huhn mit Reis angerichtet wurde. Im Speisesaal", einem großen Zelt, saß dann gegen 21 Uhr alles an den gehobelten Tischen und hieb kräftig ein. Links hatte Staatssekretär Milch neben Präsident Loerzer Platz genommen; und hier war die Ecks, wo der schlichte ?our Is mörits der alten Kriegsflieger am häufigsten vertreten war. Die tiefgebräunten Charakterköpfe, die jugendlich straffe Haltung, das sichere, feste Auge der bewährten Kämpfer: das waren Merkmale, die rm Trubel der vielen Hundert unserer blau- grauen Fliegergorde nicht zu verkennen waren. Und doch: «in Gefühl des Geborgenseins, der echten Kameradschaft über alle Schranken hinweg überall, wohin man kam.

Am frühen Morgen und Nachmittag waren die Verbände aus allen Teilen des Reiches heran- gobraust. Alle Dialekte und Mundarten deutscher Gaue und Stämme waren zu hören. Fröhlich und gutgelaunt, wie unsere Flieger nun einmal sind, entstiegen sie ihren Maschinen: und als der Zeitpunkt der Abnahme herangekommen war, hatten sich 107 Flugzeuge in 23 Verbänden ein- gefunden. Es fehlte nur die Warnemünder Staffel, deren Maschinen bekanntlich leider dem Brandunglück in den Heinkelwerken zum Opfer gefallen waren.

Es war ein imposantes und prachtvolles Schau­spiel, die Parade der 107 silbernen, roten, blauen, gelben Rissenvögel abzunehmen. Zwischen ihnen flitzten die Tankwagen umher, aus denen der Vrennenstoff für den weiten Weg der ersten Etappe aufgefüllt wurde. Schlachtenbummler der Presse standen überall im Wege, wo man sie am wenigsten erwartete und gebrauchen konnt«. Quartiermacher eilten hin und her. Der Funk brachte unentwegt Wettermeldungen aus aller Herren Länder. Flugzeugwarte, Tankwarte, Platzwachen, Kontrollposten, Monteure, dutzender- lei verschiedenster Funktionäre ließen erkennen, welch gewaltige Organisation hier in Tempelhof wie überall auf der weiten Strecke zu bewältigen war, bis alles stand, was dazu gehört.

Besonders interessant aber war es im Flieger­lager umherzustreifen und mit den Akteuren der

Botschaftei-wechfel in Moskau

Der Herr Reichspräsident hat den Botschafter in Moskau, Herrn Nadolny, in den einweiligen Ruhestand versetzt und den bisherigen Gesandten in Bukarest, Grafen von der Schulenburg, »um Botschafter in Moskau ernannt.

Wie wir hierzu von unterrichteter Seite er­fahren, bedeutet die von Botschafter Nadolny er­betene Enthebung von seinem Posten in keiner Weise eine Aenderung der deutschen Politik gegen­über der Sowjetunion. Ausländische Zeitungs- !°mbinationen. die den Botschaftcrwechsel m Moskau mit bestimmten Fragen der deutsch- sowjetischen Beziehungen in Verbinduna bringen wollen, entbehren jeder Grundlage.

gewaltigen Leistungsprüfung selbst zu sprechen. Ueberall-das gleiche Bild: Zuversicht, Vertrauen, Freude, Stolz. Zuversicht auf die eigene Leistung und denMumm", den man in den Knochen hat; Vertrauen auf die Organisation und auf die Tech­nik; Freude darüber, mit dabei sein zu dürfen und auserwählt zu sein; Stolz darauf, die Farben der Heimat zum Siege führen zu können; Stolz auf das neue Deutschland Adolf Hitlers, Stolz auf den Luftfahrtminister General Göring, der die neue deutsche Fliegerei aus dem Boden stampfte.

Diese Ideen klangen auch auf in der kurzen und begeisternden Ansprache, die Staatssekretär Milch bei der Flaggenhissyng vor versammelter Mann­schaft hielt. Er appellierte an den Mut des ein­zelnen, an den Mannschaftsgeist aller und als seine Worts in einem Sieg Heil auf den Führer aus- klangen/da war dieser Gruß gleichzeitig der Dank der gesamten Fliegerei an die Männer der nationalsozialistischen Revolution, denen allein zu verdanken ist, daß ein solcher Wettbewerb wie die­ser Deutschlandflug wieder möglich wurde.

Und dann, nach wenigen Stunden frohen Bei­sammenseins, ertönte in der neunten Stunde der Zapfenstreich. Schluß für den letzten Tag der Vor­bereitung! Wenige Minuten später raschelten die Strohsäcke; und tiefe Stille war weitumher. Aber nur für ganz kurze Zeit. Kaum hatte es Mitter- nacht geschlagen, als die ersten Helfer schon zum Platz eilten, wo beim ersten Morgengrauen der erste Verband startbereit auf den Beginn des gro­ßen Wettbewerbes wartete.

Die Leistung unserer Bremer Flieger

Am ersten Tage des Deutschlandfluges starrste unser Bremer Fünfer-Verband mit dem Kenn­zeichen 8 II unter dem Befehl seines Schwarm- führers Tank Punkt 8.21 Uhr auf dem Tempel- hofer Feld, nachdem bereits gegen 3 Uhr die erste Berliner Nacht zu Ende war. In knapp 80 Minu­ten war Stettin erreicht; in Danzig landete man um 8.01 Uhr und stieg nach 40 Minuten wieder auf. Allenstein meldete die Ankunft unserer Bremer Focke-Wulf-Maschinen um 9.28 Uhr, Jn- sterburg um 10.19 Uhr und Königsberg als Wen-

i depunkt um 11.01 Uhr. Auf dem Rückflug, der durch böige Winde seine Tücken hatte, passierte man Stolp um 18.48 Uhr, Ereifswald um 16.28 Uhr und die Landung auf dem Tempelhofer Feld ging um 17.88 Uhr glatt vonstatten. In tadelloser Formation wurde das Ziel- . band überflogen und die ganze erste Etappe damit ohne Strafpunkte erledigt. Mannschaft und Maschinen waren in bester Verfassung.

Am Abend gelang es unserem Berliner Ver­treter, persönliche Fühlung mit den Bremer Flie­gern aufzunehmen. Er traf sie alle in bester Kameradschaft zusammen beim Abendbrot in glänzender. Laune und in der sicheren Zuversicht auf einen guten Pglatz im Klassement. Herzliche Grüße von und zur Wasserkante wurden aus­getauscht. Das jüngste Fliegerküken, unser Hilfs- flugzeugführer Paule Schultze, mußte ein Son- derinterview über sich ergehen lassen.

Von Interesse erscheint die Feststellung, daß unser Bremer Schwärm zeitlich später als der Verband des Flugkapitäns Christiansen gestartet war, aber auch eine Stunde früher in Berlin eingetroffen ist. Für die spätere Wertung dürfte allerdings diese Tatsache ohne ausschlaggebende Bedeutung sein, da ja die große Leistungsprüfung soeben erst begonnen hat und noch nicht alle Tage Abend ist. Heute beginnt der große Tag der Örter, die allerhand Schwierig­keiten zu überwinden haben werden; denn die zahl­reichen ALwurfkontrollen mitten im Bergland Schlesien sind nicht von Pappe, aber immerhin war auch der gestrige Tag mit seiner besonders großen Anstrengung für die Flugzeugführer nicht eben ein Kinderspiel.

Wir wünschen unseren Bremer Fliegern auf ihren in der Heimat erbauten Flugzeugmaschinen, an deren Konstruktion Schwarmfllhrer Tank als technischer Direktor der Focke-Wulf-Werke maßgeb­lich beteiligt ist, für den heutigen Tag und die kommenden Etappen von Herzen den üblichen Hals- und Beinbruch".

Die Wertung:

Kurz nach elf Uhr am Donnerstagabend war die erste Flugwertung des Deutschlandfluges er­rechnet. Zu unserer Freude können wir fest­

stellen, daß der Bremer Fünfer-Verband mit der höchst erreichbaren Punktzahl von 380 sich in der Spitzengruppe placiert hat. In der gleichen Spitzengruppe lief z. V. der Königsberger Ver­band, in dem Gauleiter und Oberpräsident Koch als Örter mitfliegt. Dagegen hat der Verband des Flugkapitäns Ministerialrat Christiansen einen Minuspunkt und derjenige des Ozeanflie­gers Risztics 18 erhalten.

Die Einzelergebnisse: Verband ^.2 Berlin 342; Verband 81 Vraunschweig 290; Verband 8 2 Magdeburg 332; Verband 8 3 Berlin 332; Ver­band 8 4 Hannover 326; Verband 0 2 Osna­brück 300; Verband 8 3 Berlin 343; Verband 8 8 Altona 380; Verband 81 Berlin 349; Ver­band 82 Vremen 380; Verband 84 Düssel­dorf 327; Vorband 8 8 Dresden 338; Ver­band 8 7 Oberschlesien 380; Verband 61 Danzig- Langfuhr 380; Verband 0 2 Königsberg 380; Verband 6 3 Ruhr-Niederrhein 380; Verband 6 4 Estringen 380; Verband 6 8 Mannheim-Lud- wigshafen 380; Verband 6 6 Berlin 380 Punkte.

Nach dem Aufstellen des gestrigen Tages, an dem u. a. der Versand der Flieger-Ortsgruppe Münster (D 6) mit 8 Maschinen aufgegeben hat, starten heute früh insgesamt 100 Wettbewerber zur 2. Etappe. Zuerst starten die schnellen Flugzeuge, damit das Feld möglichst auseinandergezogen wird, denn die Orteraufgaben im Riesengebirge, sowie die Landung auf dem schwierigen Flugplatz von Hirschberg mahnen zur Vorsicht.

Zwei LLngMckssälle

Stettin, 21. Juni.

Am ersten Wettbewerbstage des Doutschlandflu- ges ereignete sich ein bedauerlicher Unfall: Ein Sportflugzeug stürzte aus bisher unbekannter Ursache bei Hohenschönau, Kreis Neugard, ab, wobei die Besatzung, Flugzeugführer Volbracht und Örter Koch, den Tod fanden.

Außerdem mußte ein anderes Wettbewerbsflug­zeug bei Großpsychow, Kreis Velgard, eine Not­landung vornehmen, bei der der Flugzeugführer Schafhausen verletzt wurde. Der Örter blieb unverletzt.

Neue Gprengstofsanfchläge in Oesterreich

Kommunisten vor dem Gmzer Standgericht

Wien, 21. Zuni.

Ueber die täglichen Zwischenfälle liegen am Donnerstag bei den Ticherheitsbehörden u. a. folgende Berichte vor: Im Laufe der Nacht wurde über die Lichtleitung eines Elektrizitäts­werkes ein Draht geworfen, wodurch die Stromzufuhr für einige Zeit unterbrochen wurde. Bei Bramberg (Salzburg) wurde ein Wasserbecken des Elektrizitätswerkes abgelassen, wodurch gleichfalls eine Unterbrechung der Stromzufuhr eintrat. In Breitenstein (Nieder- österreich) wurde 300 Meter oberhalb eines Forst­hauses über die elektrische Leitung ein an einem Drahtseil befestigter Stein geworfen, wodurch die Leitungsdrähte zerrissen. Der Schaden konnte erst nach einiger Zeit behoben werden.

In der Nacht explodierten wieder mehrere Sprengkörper, so vor der Klosterkirche in Leoben, wodurch erheblicher Sachschaden angerichtet wurde. Ferner wurden in den Vororten Wiens an mehreren Stellen im Laufe der Nacht Papier­böller zur Explosion gebracht. Vor einem Möbel­geschäft in der Brünnerstraße explodierte ein Papierböller, wodurch zwei Fensterscheiben in Trümmer gingen. Unbekannte Täter haben ferner Sprengkörper in eine Milchtrinkhalle im Wäh- ringer Park geworfen, durch die erheblicher Scha­den angerichtet wurde.

Eraz, 21. Juni.

Vor dem Erazer Standgericht begann am Donnerstag der erste große Prozeß gegen zwei

von der Anklage als Kommunisten bezeichnete Attentäter, die der Sachbeschädigung unter be­sonders gefährlichen Umständen angeklagt sind.

In den Wohnungen der beiden Angeklagten, die Wretschko und Payerl heißen, wurden große Mengen von Zündschnüren, Sprengkapseln Sprengkörpern, Ammonit, Sauerstofflaschen, ferner Vervielfältigungsapparate und reiches kommunistisches Propagandamaterial auf­gefunden., Wretschko soll nach der Anklage in der Franziskaner-Kirche, im Keller des städtischen Amtshauses und unter dem Büro der Polizei- wachtstubs Sprengkörper niedergelegt haben. Sie wurden jedoch rechtzeitig entdeckt, und ihre brennenden Zündschnüren konnten abgelöscht werden.

Dr. Schacht

über das Transfer-Moratorium

Berlin, 21. Juni.

Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, hatte am Donnerstag nachmittag die Auslandspreise zu einem Tee- Empfang in die Festsäle des Propagandaministe­riums geladen, womit die Reihe dieser Art von Presseempfängen fortgesetzt wurde. Der Einladung waren wie üblich zahlreiche Vertreter des diploma­tischen Korps sowie verschiedene Mitglieder des Reichskabinetts und andere geladene Gäste in großer Zahl gefolgt.

Nach der Begrüßung der Gäste Lurch den Haus­herrn, Reichsministei Dr. Goebbels, beschäftigte sich Dr. Schacht in einem Vortrage ausführlich mit den zahlreichen Einwendungen, die gegen die deutsche Devisen- und Schuldentilgungspolitik in der Auslandspresse immer wieder erhoben werden, ugd wies diese Angriffe mit absolut durchschlagen­der Argumenten zurück, wobei er oftmals die ganze Haltlosigkeit und Unsinn igkeit der geg­nerischen Behauptungen in der Aus­landspreise mit sarkastischen Bemerkungen kenn­zeichnete.

Besonders energisch wandte er sich gegen das ewige Gerede von einer deutschen Inflation oder Devalvation der Mark, indem er eingehend be­gründete, daß solche Maßnahmen für Deutschland

überhaupt nicht in Frage kommen könnten. Eine Inflation oder eine Markabwertung würde die Lebenshaltung des deutschen Arbeiters in uner­träglicher Weise verteuern und im übrigen den Nohstossbezug aus dem Auslande, aus den Deutsch­land angewiesen sei, noch mehr erschweren als bis­cher, da Deutschland mit einer entwerteten Mark !noch viel weniger kaufen könnte.

Der Reichsbankpräsident ging ferner näher auf die hier und da im Auslande aufgetauchten Pläne ein, durch ein Clearing-Verfahren für die Gläubi­ger deutscher Anleihen die notwendigen Devisen zwangsweise einzubehalten und der deutschen Regierung die Zahlung an die Exporteure zu überlassen. Dr. Schacht wies nach, daß durch diese Methode der Handel mit Deutschland schließ­lich völlig lahmgelegt werden müsse und die Störungen im gesamten Welthandel noch weiter verschärft werden würden. Diese Methode führte auf keinen Fall den beabsichtigten Erfolg herbei. Der Reichsbankpräsident betonte noch einmal sehr eindringlich die Tatsache, daß von den Schuldenbeträgen, die Deutschland im Ausland aufgenommen habe, nicht weniger als 10,3 Milliarden RM. für Reparationen, also zur Bezahlung politischer Schuldeü, an ausländische Staaten verwendet worden seien.

Da man Deutschland nach dem Kriege seinen gesamten Besitz im Auslande fortgenommen habe, hätten die Forderungen des Auslandes aus der­artigen Guthaben nicht mehr beglichen werden können. Deutschland bemühe sich im Gegensatz zu anderen Staaten, seine Schulden ehrlich zu be­zahlen. Die Voraussetzung hierfür sei allerdings, daß man zunächst von dem für ein jedes Indu­strieland völlig unerträglich hohen Zinssätzen her­untergehe. Wenn Deutschland wieder Auslands­schulden und Zinsen in Devisen abtragen solle, so müsse man ihm entweder eine neue Rohstoffbasis geben, oder für seine Waren einen vermehrten Absatz in der Welt erschließen.

Dr. Schacht wies schließlich noch den lächerlichen Vorwurf zurück, daß Deutschland zuviel impor­tiere. Deutschland brauche die Rohstoffe, um das gigantische Arbeitsbeschaffungswerk im Inlands durchzuführen, womit es wiederum in die Lage versetzt werde, zu exportieren und Schuld- und Zinsbeträge an das Ausland zu zahlen. Wie auch immer die Entwicklung weitergehen werde, niemals werde es die nationalsozialistische deutsche Regierung zulassen, daß eine neue Arbeitslosig­keit entstehe, die in erheblichem Umfange auf die deflationistische Methode der früheren Regierun­gen zurückzuführen sei.

Rede De. Goebbels

Reichsminister Dr. Goebbels hielt am Donners­tagabend auf der Sonnwendfeier des Gaues Erotz- Berlin der NSDAP. im Neuköllner Stadion eine einstündige Rede. auf die wir in unserer morgigen Ausgabe zurückkommen werden.

Großraumwirtschaft oder Kolonialpolitik?

V7k>8. Berlin, 21. Juni.

Der Zerfall der Weltwirtschaft ist aner­kannte Tatsache. Freihandel und Freizügig­keit sind mit dem Liberalismus dahinge­schwunden. Das Bedürfnis nach einem Aus­tausch wirtschaftlicher Güter unter den Völ­kern blieb bestehen. Die hoch entwickelten Volkswirtschaften kultivierter und zivilisier­ter Länder benötigten Erzeugnisse aus ande­ren Gebieten, die in der Heimat Boden, Klima oder die Fähigkeiten der Einwohner nicht oder zu teuer hervorzubringen ver­mögen.

Weniger erschlossenen Ländern legte eine verschwenderische Natur ihre Schätze in c n Schoß. Zu ihrer Hebung und zum Ausbau und zur Fortentwicklung einer National­wirtschaft brauchen sie aber die gewerblichen Produkte der alten Industriestaaten. Nach menschlichem Ermessen wird dies Verhältnis Bestand haben, mag die natürliche Entwick­lung der Neuländer zu einer immer mehr differenzierten, arbeitsteiligen Wirtschaft auch Zufuhren mancher fremder Waren in­folge von Selbstherstellung unnötig und un­erwünscht machen. Neue Erfindungen und höhere Arbeitskunst in den alten Gewerbs- ländern werden dort neue Qualitätswaren und Epezialvrodukte entstehen lassen, auf die sich der Bedarf der Neuländer auch in Zukunft ebenso richten wird, wie einstmals die Begierde der Eingeborenen auf Talmi- schund und Kattun.

Die notwendige Eigenentwicklung aller und jeder Volkswirtschaf­ten hat zum Einbau eines komplizierten Stausystems, von Ein- und Ausfuhrsperren, Kontingentierungen, Zolldämmen, Deoisen- wehren und zwischenstaatlichen Kartellver­einbarungen geführt, die in den Strom des früher ungehemmt dahinfließenden Autzen- handelswarenverkehrs gestellt wurden. Diese Staumaßnahmen sollten auf der einen Seite die hochentwickelten Industriestaaten gegen den gegenseitigen Wettbewerb, sie ge­meinsam aber gegen Länder mit niedrigeren Lebenshaltungskosten und demzufolge Prei­sen schützen, auf der anderen Seite aber soll­ten neuaufgebaute Industrien in den Neu- oder Agrarländern vor der Konkurrenz gleicher oder besserer Waren aus den alten Gewerbsländern bewahrt werden. Daneben wa. vor allem in den alten Industriestaaten die Sorge um den Bestand der für die Art­erhaltung der Völker und ihre Nahrungs­sicherheit in schwierigen Zeiten unentbehr­lichen Landwirtschaft wesentlich mitbestim­mend.

Dieses Stausystem ist vielfach ziemlich willkürlich und nicht nach einem einheitlichen Plan erbaut. Infolgedessen läßt die Wasser­zufuhr für manche lebenswichtigen Gebiete nach und bedroht unentbehrliche Felder des Gewerbslebens mit Dürre. Die Welt­wirtschaftskonferenz hätte am lieb­sten sämtliche Wasserbauten weggerissen; über die an ihre Stelle zu setzenden notwen­digen Regulierungsmatznahmen konnte man sich aber nicht einigen. Es ist darum Aufgabe der Handelspolitik der einzelnen Länder ge­worden ,von ihnen beeinflußbare Teile des Stromsystems nach ihren Bedürfnissen in Ordnung zu bringen. Was lag da näher als der Versuch, zunächst die Deutschland benach­barten Länder einzubeziehen, deren Volks­wirtschaften die deutsche zu ergänzen geeig­net sind und die selbst bei der deutschen Volkswirtschaft ihre Bedürfnisse zu einem erheblichen Teil decken können.

So schritten die verantwortlichen Handels­politiker Deutschlands zu der G r o ß r a u m- wirtschaftspolitik der letzten Zeit, in derem Zuge die Verträge mit Holland, Ungarn, Polen, Jugo­slawien und andere mehr abgeschlossen wurden. Selbstverständlich werden diese Wirtschaftsabkommen nur solange Bestand haben, als die wirtschaftlichen und politi­schen Interessen dieser Länder in ihnen ihr Genügen finden. Sollten ihnen anderswo bessere Bedingungen geboten werden, dann ist mit der Fortdauer solcher Verträge nicht zu rechnen. Sie gelten wie jedes andere poli­tische Abkommen nur rebus sie stsntibus. Die Regierungsübernahme durch eine andere Machtgruppe in einem kontrahierenden

-giAl ^5 Lattst Neues.

Marsch der Hamburger Alten Garde nach Berlin

Ribbentrop über seinen Pariser Besuch

Militärische Besprechungen Weygands in London

Mageres Ergebnis in Bukarest