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Nr. 165 / 2 . Vierteljahr
Sonntag, 17. Juni
Einzelpreis is Rps.
Aufmarsch -er 9V00 Arbeitsdienstler in Bremen
G-venias des Äledeitsdierrsies
Venedig ein Vorbild
M. Der Führer ist nach den großartigen Ereignissen der Tage von Venedig wieder in die Heimat zurückgekehrt. Das so bedeutsame Zusammentreffen der beiden Staatsmänner ist als ein Akt weltpolitischer Tragweite eingegangen in das ewige Reich der Geschichte. Es sind, was wir bereits am ersten Tage der venezianischen Besprechungen ankündigten, keine schriftlichen Verträge, keine in Paragraphen aufgelöste Abkommen, keine staatspolitischen Kompromisse abgeschlossen worden. Derartige, dem Papier anzuvertrauende Vereinbarungen hätten auch gar nicht im Sinne der ersten persönlichen Begegnung Adolf Hitlers mit Benito Mussolini gelegen. Der italienische Staatschef hat selbst den Geist seiner Unterhaltungen mit dem deutschen Reichskanzler charakterisiert, als er bei der Riesenkundgebung der faschistischen Partei auf dem Markusplatz treffend, erklärte, er habe sich mit dem Führer Deutschlands nicht deshalb zusammengetan, um die Landkarte der Welt gewaltsam zu ändern, sondern um dem Frieden zu dienen/ Von dem gleichen Gedanken waren die Ausführungen des Reichspressechefs Dr. Dietrich vor deutschen und ausländischen Pressevertretern getragen, und er wird in seiner Hoffnung, daß Deutschland und Italien durch die überragende Persönlichkeit ihrer Führer berufen sind, die stärksten Garanten einer friedlichen Entwicklung zu sein, nach dem so verheißungsvollen Beginn der herzlichen Zusammenarbeit dieser Staatsmänner sicherlich nicht getäuscht werden.
Wir stimmen angesichts des freundschaftlichen Verhältnisses, das bereits vor der Aussprache Hitlers mit Mussolini zwischen den beiden Staaten bestanden hat, auch dem Mailänder Blatt „Popolo d'Italia" zu, das nach dem Abschluß der Feierlichkeiten in Venedig von einem direkten Kontakt zwischen zwei großen Nationen, zwei jungen Regierungen, zwei starken, lebenskräftigen Kulturen spricht. Daß sich die „weitgehende Uebereinstimmung", die in der Beurteilung der politischen Lage zwischen dem deutschen und dem italienischen Führer erzielt wurde, nicht gegen dritte Staaten richtet, ist mit so starker Betonung gesagt worden, daß wir für die hämischen „Voraussagen" einer gewissen Pariser Presse nicht einmal ein psychologisches Verständnis mehr aufbringen können. Wenn selbst der „Matin" aus der amtlichen Mitteilung über die Zusammenkunft in Venedig eine „Kundgebung an die Adresse der Westmächte" herausliest, wenn das „Echo de Paris" sogar eine „Falle" Mussolinis vermutet, so ist dies nur ein neuer Beweis dafür, wie sehr die Absichten des Mächteblocks und die Methoden der Vorkriegsdiplomatie dem auf Vertrauen gegründeten persönlichen Zusammenarbeiten der Staatsmänner und damit dem wirklichen Frieden Europas zuwiderlaufen.
Das zustimmende Echo, das Venedig dagegen in anderen Kulturzentren gefunden hat, verstärkt in uns die Gewißheit, daß beim Endkampf zwischen der Diplomatie alten Stils und der neuen Staatskunst doch einmal die einander verwandten Ideen Hitlers und Mussolinis siegen werden. Mögen sich deshalb recht bald auch andere Staatsleiter die Methode der unmittelbaren persönlichen Aussprache von Mann zu Mann, für die Venedig immer ein leuchtendes Vorbild bleiben wird. zu eigen machen!
Zustizminister Kerrl zum Rnchönnmster ernannt
Reichsjustizminister Dr. Gärtner übernimmt
preußisches Justizministerium
Berlin, 16. Zuni.
Der Reichspräsident hat aus Borschlag des Reichskanzlers den preußischen Iustizminister Kerrl zum Reichsminister ohne Geschäftsbereich ernannt. Der Reichskanzler wird den Reichs- minister ohne Geschäftsbereich Kerrl mit Ausgaben allgemeiner Art und mit Sonderaufträgen betrauen. Minister Kerrl verbleibt in «einem Amt als preußischer Staatsmiuister und daunk Mitglied des preußischen Kabinetts. Bon «ernem Amt als preußischer Zustizminister hat der Reichskanzler den Minister Kerrl aus dessen Antrag und aus Vorschlag des preußischen Ministerpre«,- dinten entbunden. Gleichzeitig hat der Ueich-- kanzler den Reichsminister der Justiz Gärtner im weiteren Zuge der Durchführung der Rcichsr-sorm mit der Wahrnehmung der Geschäfte des pkcug'- schcn Zujtizministers beauftragt.
kn K. Bremen,
17. Juni 1934.
Gestern und heute ist Bremen der Treffpunkt eines gewaltigen Aufmarsches des Arbeitsdienstes. Aus allen Richtungen streben die grauen Jungens in ausgedehnten Fußmärschen der alten Hansestadt zu, um auch ihrerseits durch eine machtvolle Kundgebung das neue nationalsozialistische Deutschland zu verkörpern Das Wort „Arbeitsdienst" kommt von arbeiten und dienen. Damit ist eigentlich schon das Wesen des nationalsozialistischen Deutschlands umrissen. Man wird sich später einmal darüber wundern, daß diese beiden Begriffe mehr als ein Jahrzehnt aus dem Denken des deutschen Volkes ausgeschaltet gewesen waren. Ein elender Händlergeist hatte es fertiggebracht, dem Volke einzuhämmern: „Wer die Arbeit kennt und sich nicht drückt, der ist verrückt", und das Wort „dienen" haben dieselben Herrschaften als etwas Schmachvolles gestempelt. In diesem Sinne hat man auch die Jugend zu beeinflussen gesucht, und teilweise war es ihnen gelungen,
Zersetzungsarbeit zu treiben. Erst dem Nationalsozialismus war es vorbehalten gewesen, die Begriffe „arbeiten" und „dienen" wieder zu Ehren zu bringen. Und diese Erziehungsarbeit mit aller Energie und Härte zu betreiben, war notwendig, denn ein Staat geht zugrunde, wenn im Volke diese sittlichen Voraussetzungen fehlen.
So ist der Arbeitsdienst in freiwilliger Form eine hochbedeutsame Staatsangelegenheit geworden. Man hat ihn bewußt herausgestellt,- man hat seinen Trägern Uniform gegeben, einfach, aber schmuck, damit das ganze Volk ständig 8aran erinnert werde, daß es zwei hohe staatsbürgerliche Pflichten gibt: nämlich arbeiten und dienen. Und gerade das Moment der Freiwilligkeit, das diesen Arbeitsdienst auszeichnet, wirkt vorbildlich, wie man staatsbürgerliche Pflichten erfüllen soll.
Man hat sich in Deutschland recht schnell mit der Notwendigkeit dieses Arbeitsdienstes befreundet. Die Mätzchen von marxistischer Seite, daß es sich um einen verkappten Frondienst handelt, hatten bald ihre Wirkung verloren, denn der naivste Mensch erkannte, daß man die arbeitslose Iu-end nicht verkommen lassen konnte. Jen- Herrschaften, die sich „Arbeitervertreter" schimpften, nahmen sich am allerwenigsten der Arbeitcrjugend an. Sie glaubten, wenn diese Jugend ihre Arbeitslosenunterstützung abholen könne und sich etwas sportlich betätige dann sei genug kür sie getan. Aber das muß schon ein schlechter deutscher Junge sein, der ein solches Luderleben auf die Dauer schön und erträglich finden kann. Darum brauchte die Regierung nach der Machtüberinchme gcw nicht allzusehr die Werbetrommel für den Arbeitsdienst zu rühren. Die Jugend kam von allein, und jetzt ist das graue Festkleid des Arbeitsdienstes gar nicht mehr aus dem
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Strahenbild wegzudenken. Wenn die Arbeitsdienstler auch nicht die politischen Soldaten im Sinne der SA. und SS, sind, so erfüllen sie doch eine politische Mission, und zwar eine sehr wichtige: Sie helfen das
politische Werk Adolf Hitlers wirtschaftlich unterbauen.
Wir haben kürzlich an anderer Stelle bereits ausführlich die praktische Arbeit des Deutschen Arbeitsdienstes geschildert, und wir haben gestern aus berufener Feder Ausführungen über den Arbeitsdienst veröffentlicht. Zweck dieser wenigen Zeilen ist es der breiten Öffentlichkeit eindringlichst die Bedeutung dieser einzigartigen Einrichtung vor Augen zu führen. Nicht, daß wir annehmen wollten, es gebe auch hier viel Nörgler und Kritikaster, die an dein Arbeite dienst kein gutes Haar lassen. Ach nein! Tei Arbeitsdienst ist vielleicht die einzige Einrichtung, die von den Nörglern so ziemlich verschont bleibt, weil sich eben praktisch nichts dagegen sagen läßt. Es wird niemandem Brot und Verdienst weggenommen, im
Gegenteil: Der Arbeitsdienst verschafft der Geschäftswelt und dem Handwerk allerlei Einnahmen, und es werden neue Werte dem deutschen Nationalvermögen zugeführt, Sie mit verhältnismäßig wenig Mitteln entstehen. Im übrigen sind es brave bescheidene Jungens, die nicht viel von sich reden machen. Aber gerade die Bescheidenheit, die den Arbeitsdienst auszeichnet, bringt ihn in die Gefahr, daß man seine Bedeutung unterschätzt Deshalb ist es ganz in der Ordnung, wenn in diesen Tagen der Arbeitsdienst einmal etwas die Trommel in Bewegung setzt. Die breite Masse soll und «nutz es wissen, daß es sich beim Arbeitsdienst nicht um eine Spielerei handelt, sondern daß durch ihn ein wichtiges soziales und wirtschaftliches Problem gelöst wird. Wie überhaupt alles, was im nationalsozialistischen Staat begonnen wird, tiefen Sinn und praktischen Wert hat.
Nicht umsonst hat der Arbeitsdienst in der Braunen Hansa-Messe einen besonderen Ehrenplatz erhalten, damit der deutsche Volksgenosse einen kleinen lieberblick über seine Arbeiten bekommen kann. Und wenn heute die Massen des Arbeitsdienstes in Bremen aufmarschieren, dann ist dies ein Zeichen, wie sie sich mit der deutschen Wirtschaft verbunden fühlen. Sie sind ebenso wie der Berufsarbeiter ein Teil dieser Wirtschaft, denn sie helfen ihr neue Werte schaffen.
So ist dieser Bremer Aufmarsch ein Ehrentag des Deutschen Arbeitsdienstes. Wenn diese grauen Jungens marschieren, dann wollen sie dem deutschen Volke sogen: Wir sinddie Arbeiter der Zukunft! Wir schaffen und dienen nicht um des eigenen Profites willen, wir schaffen und dienen für Deutschland!
Ein guter Geist lebt in dieser Truppe der Arbeit, aus der Menschen ins praktische Leben hinausgehen, die überall, wo man sie braucht, ihren Mann stellen. Und hier erwächst dem Volke eine wichtige Aufgabe: Die durch die Schule des Arbeitsdienstes gegangenen jungen Menschen nach 6 Monaten nun nicht wieder der Arbeitslosigkeit preisgeben zu lassen. Der „Arbeitsdank" hat sich das Ziel gesetzt, hier zu helfen. Allein kann er das nicht schaffen, darum muß die Wirtschaft, müssen alle, die Arbeit geben können, bemüht sein, den ..Arbeitsdank" mit der Tat zu unterstützen. Wenn ein großes Werk, wie der Arbeitsdienst. begonnen wird, dann muß es bis zum glücklichen Ende auch durchgeführt werden. Das glückliche Ende ist in diesem Falle, den jungen Menschen des Arbeitsdienstes auch im täglichen Leben einen wirtschaftlichen Halt zu geben
In diesem Sinne grüßt Bremens Bevölkerung die Jungens des Arbeitsdienstes.
Miesmacher-Bilanz
Von
Kreis-Propagandaleiter Albert H 0 sfmann Bremen, 17. Juni 1934.
Die Aktion gegen Miesmacher und Nörgler geht ihrem Ende entgegen. Es lohnt sich daher, einmal zusammenfassend über die Erfahrungen und Lehren aus diesem Kampf zu berichten. Selten ist in dieser verhältnismäßig kurzen Zeit ein Kampf in solcher Schärfe durchgeführt worden. Mancher Volksgenosse hat die Versammlungswelle und die Flut der Ermahnungen, die durch die Plakate, durch Presse, Rundfunk, ja selbst durch den Film täglich an ihn herangetragen wurden, über sich ergehen lassen, um sich im stillen zu fragen: Warum diese große Aufmachung? Der nationalsozialistische Staat hat doch die ganze Macht in Händen und soll diese nun benutzen, alle bestehenden Mängel abzustellen. Warum wird immer wieder das ganze Volk in Bewegung gesetzt, das sich nach all den Unruhen der letzten t4 Jahre wirklich danach sehnt, in Frieden seinen privaten Geschäften nachzugehen. Av'Hrdem wird es doch im heutigen Staate noch erlaubt sein müssen, diese oder jene Einrichtung zu kritisieren.
Wir Nationalsozialisten haben in diesen Wochen, in denen wir uns zwangsmäßig sehr eingehend mit allen Arten der Kritik befassen mußten, mancherlei Erfahrungen gemacht und konnten erfreulicherweise feststellen, daß viele Volksgenossen aus der Miesmacher-Aktion, deren Notwendigkeit an sich beschämend ist, die Erkenntnis gewonnen haben, wie sehr sie durch oft unüberlegte und von keiner Sachkenntnis getrübten Kritik dem deutschen Volk und damit sich selb st geschädigt haben. Beschämend war diese Aktion für das deutsche Volk selbst, und nicht etwa für die Stelle, die diese Aktion angeordnet und auch durchgeführt hat. Denn soweit sollte sich heute nach 1l4 Iabren nationalsozialistischer Regierung die Auffassung vom nationalsozialistischen Staat überall durchgesetzt haben, um nicht mehr daran zu zweifeln, daß für eine gesunde Aufwärtsentwicklung nicht nur die rastlose Tätigkeit einer verantwortungsbewußten Regierung notwendig ist, sondern daß bei dem gegenwärtigen' Stand der Dinge nur eine Besserung der Verhältnisse eintreten kann, wenn das Volk in seiner Gesamtheit insofern diese Tätigkeit der Regierung positiv unterstützt, indem sie einmal den Maßnahmen, die von reinem Wollen getragen sind, restloses Vertrauen entgegenbringt, und zum anderen, daß jeder einzelne nun von sich aus darangeht, sein ganzes Leben der nationalsozialistischen Auffassung anzupassen. So werden auch die Volksgenossen, die guten Willens sind, aus all den Worten der Versammlungsredner entnommen haben, daß man sich an maßgebender Stelle durchaus über die noch bestehenden Nöte und Unzulänglichkeiten klar ist, und aus dieser Erkenntnis heraus bemüht sein wird, nach Kräften für deren Behebung zu sorgen. Damit ist sehr viel gewonnen. Denn diese Volksgenossen haben erfahren, daß auch ihre Sorgen nicht vergessen sind und werden nun vertrauensvoll warten, bis auch hier der Hebel zur Besserung angesetzt wird. Und gerade um diesen ehrlichen Volksgenossen ging es bei all den Bemühungen und dem Ringen um das Vertrauen, denn ohne Vertrauen wird auch die beste Führung nicht in der Lage sein, einen lo gewaltigen Kampf erfolgreich zu Ende zu. führen.
Wir wissen genau, daß auch heute noch Menschen in Deutschland wohnen, die nicht überzeugt sind und die nach wie vor ihren yauptdaseinszweck in der Ausübung negativer Kritik sehen. Diese Leute bekehren zu wollen, wäre unnütze Zeitverschwendung. Sie wollen auch gar nicht aufgeklärt werden, weil ihnen dann ihr Lehensinhalt genommen wäre. Auch hier kM sich die Aktion sehr nutzbringend ausgewirkt. Man weiß letzt, wo sie zu finden sind und wird sich darauf einrichten, von Zeit zu Zeit dazwischen zu schlagen, wenn sich ihr Verhalten volksschädigend hemerkbar machen sollte. Wir kennen sie nun, diese Männer, die sich nach der Machtergreifung schnell umstellten und aus Gründen der Konjunktur ihre Mitgliedschaft bei einer Partei beantragten, der sie ihrer ganzen Lebensauffassung nach, auch zur Zeit ihres Ausnahmegesuches noch, voll.
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