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Donnerstag, Zi. Mai
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Lveunde unter sich:
Barthou greift Englands Außenminister an / Genf lacht und England schweigt
Gens, Sg. Mai.
In der heutigen Sitzung des Hauptausschusses der Abrüstungskonferenz betonte der englische Außenminister Sir John Simon zunächst den Ernst der Lage, in welcher sich nicht nur die Abrüstungskonferenz, sondern das ganze System der Zusammenarbeit, das feit dem Kriege die Grundlage der internationalen Politik gewesen sei und mit dem die Aussichten auf einen fortdauernden Frieden in der Welt so eng verbunden seien, befinde. Als wichtigste Tatsachen der Verhandlungen der letzten sechs Monate bezeichnete Simon erstens das englische Memorandum vom 29. Januar, zweitens die Besuche Edens in Paris, Berlin und Rom, drittens die schriftliche Aufzeichnung der deutschen Regierung, viertens die Anstrengungen, die England gemacht habe, um festzustellen, ob diese Vereinigung von Vorschlägen zur Grundlage einer Verständigung gemacht werden könne.
Zu Norman Davis gewandt dankte der britische Außenminister dem Bevollmächtigten der Vereinigten Staaten für das, was er gestern über die Bedeutung der englischen Bemühungen gesagt habe.
Aber alle diese Bemühungen hätten keine neue Grundlage für eine Verständigung gegeben, und der Präsident der Konferenz habe gestern ja betont, daß im Hinblick auf die Meinung, die in dem französischen Memorandum vom 17. April ausgedrückt sei, man heute den Eindruck habe, daß die diplomatischen Verhandlungen zwischen den Rächte« schwerlich weitergeführt werden könnten.
Der britische Außenminister beschäftigte sich dann nochmals mit den diplomatischen Verhandlungen der letzten Monate. Man habe zu ihnen greifen müssen, da Deutschland von Genf abwesend gewesen sei und man eine Methode habe finden müssen, um mit ihm in Fühlung zu bleiben, immer in der Hoffnung, Deutschland zurückzubringen.
„Wir haben", so fuhr Sir John Simon fort, „die einfache und klare Tatsache ins Auge zu fassen, daß eine internationale Verständigung über Rüstungen notwendigerweise unter anderen Dingen in sich schließt, daß Deutschland daran teil hat. Ich erinnere aber den Hauptausschuß daran, daß das französische Memorandum vom 19. März sich aus einem früheren englischen Memorandum den Satz zu eigen machte, daß „eine Versöhnung des Standpunktes Frankreichs und Deutschlands die wichtigste Vorbereitung für eine allgemeine Verständigung ist", und die französische Regierung schloß sich ausdrücklich dieser Meinung an. Welcher Art sind die hauptsächlichsten Gegensätze zwischen beiden Ländern, wie sie aus den Dokumenten hervorgehen?
In ihrer Aufzeichnung vom 16. April hat die deutsche Regierung die Wiederbewaffnung klargslegt, die sie in der vorgeschlagenen Konvention wünscht, während sie gleichzeitig erklärte, daß sie die Verschiebung der Rüstungsverininde- rung der anderen Mächte bis nach Beendigung des fünften Jahres der zehnjährigen Konvention zustimmte.
Wenn deshalb eine internationale Verständigung erreicht werden soll, so muß entweder diese Forderung abgeändert oder sie muß erfüllt werden. Die Frage ist nun die: Ist das die mögliche Grundlage für eine
internationale Verständigung?
Auf der anderen Seite scheint aus dem Dokument hervorzugehen, daß Frankreich sich an die Grenzen zu halten wünscht, die bei der Tagung des Präsidiums am 14. Oktober letzten Jahres festgelegt worden sind mit den Abänderungen, die in dem französischen Memorandum vom 1. Januar enthalten sind. Die Vorschläge vom Oktober sehen eine Grundlage vor, die Deutschland keine sofortige Wiederaufrüstung gewährt haben würde mit Ausnahme einer quantitativen Vermehrung der Waffen im Verhältnis zu der «"mählichen Umformung der Reichswehr Deutschland sät diesen Vorschlag zurückgewiesen, und der Gegensatz zwischen diesem Vorschlag und den formulierten Forderungen Deutschlands vom 16. April ist ganz deutlich.
Wir müßen deshalb im Hinblick auf die Vorschläge vom letzten Oktober dieselbe Frage stellen: Sind diese Vorschläge in der heutigen Lage eine mögliche Basis für ein internationales Abkommen?
Die einzige Sache, auf die es jetzt ankommt, ist eine Verständigung, die einzige Sache, die zählt, ist herauszufinden, ob man irgendwie eine Brücke bauen kann zwischen den verschiedenen Standpunkten. Die englische Regierung hat als Brückenbauer ihr Bestes getan.. Sir John Simon betonte, daß nach der Meinung der englischen R'-iernng
der Macdanakd-Plan immer noch als die beste Lösung
-- seine. Da sich seine Regierung darüber klar geworden sei, welche Folgen ein Fehlschlug haben
müsse, habe sie auf Grund ihrer eigenen Erfahrungen und Sondierungen den Plan so weit abgeändert, als das vorteilhaft erschien, um so eine Basis für eine Verständigung zu schaffen. Die stocke Annäherung zwischen dem britischen Memorandum und der deutschen Erklärung zeige, daß die Gegensätze verringert worden seien.
„In -er Tat," so fuhr Sir Lohn Simon fort, „wenn es der Konferenz nicht möglich sein sollte, sich auf Vorschläge zu einigen, die ähnlich lauten, wie sie in dem britischen Memorandum enthalten sind oder auf etwas von ihnen sehr Aehnliches, dann glaube ich nicht, daß eine Abriistungskon- vention überhaupt verwirklicht werden kann."
Die britische Regierung ist in diesem Urteil bestärkt worden durch das sehr interessante Memorandum, das durch die Delegationen Dänemarks, Spaniens, Norwegens, Schwedens und der Schweiz auf dieser Konferenz vorgelegt worden ist. — Zu dem Litwinow'schcn Vorschlag, die Konferenz zum Zwecke der Ausarbeitung irgendeines Sicherheitspaktes fortzusetzen, erklärte Simon, es müsse berücksichtigt werden, daß schon im Jahre 1924 bei der Beratung über das sogenannte Genfer Protokoll das Inkrafttreten einer Sicherheitsvereinbarung nur für den Fall des Zustandekommens eines Abrüstungsabkommens in Aussicht genommen worden sei.
Außerdem beruhe der Wert von Sicherheitspakten nicht auf der Tatsache des Versprechens, sondern auf der Gewißheit, daß die Unterzeichner im Ernstfall ihn positiv erfüllen. Wir haben, so fuhr Simon fort, zu wählen zwischen der verbleibenden Aussicht auf eine Vereinbarung in dem
von mir angegebenen Rahmen und einem völligen Zusammenbruch dieser umfassenden Anstrengung mit der Folge eines unbegrenzten Wettrüstens und unübersehbaren Gefahren für die Zukunft der Welt.
Ich möchte sagen, daß die von mir aufgestellten Grundsätze, die sowohl in dem englischen Memorandum wie auch in dem Memorandum der neutralen Länder niedergelegt sind, für die Konferenz als Ganzes allgemein annehmbar seien. Ist dies der Fall, so würden sie eine klare Arbeitsgrund- lage bilden, und wir könnten überlegen, welche Abänderungen oder Zusätze geboten oder möglich sind. Wenn sie aber nicht annehmbar sind, welche andere Grundlage ist dann vorhanden? Ich muß gestehen, daß ich keine sehe, die irgendeine Möglichkeit bietet, zu einer allgemein angenommenen Konvention zu führen. Die Zeit ist lange vorbei, in der wir uns in der Hoffnung wiegen könnten, daß wir ein Abkommen durch den frommen Ausdruck unser dahinzielenden Wünsche förderten. Während wir reden, steht die Welt nicht still. Die britische Regierung ist entschlossen, ihre ganze Tatkraft und ihren ganzen Einfluß dafür einzusetzen, daß ein allgemeines internationales Abkommen über die Rüstungen zustande kommt, wenn ein solches Abkommen unter den bestehenden Umständen irgendwie herbeigeführt werden kann. Wenn wir also weiterhin an jedem neuen Bemühen mitarbeiten, das wirklich Aussichten bietet, so gibt es etwas, was wir nicht tun werden und was, wie wir glauben, keine der hier vertretenen Regierungen tun möchte:
I Wir werden uns nicht hergeben zu der end- > losen Fortsetzung verschwommener und zielloser Erörterungen, die nur durch die sanguinische Hossnung gerechtfertigt wären, daß trotz allem noch irgendeine Lösung auftauchen wird. Wir sind überzeugt, daß ein derartiges Verfahren dem Völkerbünde und dem ganzen Begriff wirksamer internationaler Aktionen großen und zunehmenden Schaden zufügen würde. Der Völkerbundsgedanke hat schon schwer gelitten durch die Veranstaltung tot geborener Konferenzen, und das notwendige Werk des Völkerbundes kann jetzt und in Zukunft nur getan werden, wenn die Staaten und die Völker der Welt davon überzeugt sind, daß die riesige Arbeit in einem praktischen Geiste geführt werde. Außerdem würden wir, wenn die Abrüstungskonferenz nur zu Zwecken der Diskussion am Leben erhalten würde, uns den Weg zu allen neue« Anstrengungen verschließen, die etwa notwendig werden sollten.
Denn wenn die Konferenz keinen wirklichen Schritt vorwärts machen kann, so ändern sich die Bedingungen in der Welt nichtsdestoweniger. Europa hat mit neuen Gefahren zu rechnen, und die Regierungen können von einer Behandlung nicht durch das hohle Argument abgehalten werden, daß in Genf noch eine Konferenz tagt.
Am Schluß seiner Rede regte Simon an, aus jeden Fall einige Punkte, die dazu reis seien, in die Form eines Abkommens zu bringen, nämlich 1. den chemischen Krieg, 2. die Offenlegung der Riistungsausgaben, 3. die Einsetzung einer Ständigen Abrüstungskommission.
tritt Deutschlands aus dem Völkerbund vor allem der deutsche Wehrhaushalt, mit dem der französische Außenminister dem Völkerbund das Gruseln beibringen wollte. Aber es gelang ihm nur vorübergehend, damit eine Wirkung auszulösen. Auch von amerikanischer Seite wird zugegeben, daß Varthou sich „vergriffen" habe.
Man hat nicht ohne gewisse Verstimmung bemerkt, wie der französische Außenminister die Rede von Norman Davis vom 14. Oktober 1933 in einen Gegensatz zu der jetzigen Stellungnahme Amerikas zu bringen versuchte; obgleich er allerdings gegenüber den Amerikanern sehr viel vorsichtiger war, als gegenüber den Engländern. Auch das Zusammengehen mit Sowjet-Rußland in allen die Sicherheit betreffenden Fragen dürfte der vorherrschenden Stimmung im Hause schwerlich entsprochen haben.
Herr Knox an den Völkerbund
Genf, 30. Mai
Der Generalsekretär des Völkerbundes übermittelte am Mittwoch dem Völkerbnndsrat und den Mitgliedern des Völkerbundes einen Brief des Präsidenten der Regicrungskommisston des Saargebietes, Knox, den dieser gleichzeitig mit einer Beschwerde der verschiedenen industriellen und wirtschaftlichen Organisationen der Saar dem Sekretariat zugestellt hat. In dieser Beschwerde, die seinerzeit schon in Deutschland veröffentlicht wurde, war auf die schwerwiegenden Folgen einer Verschleppung der Entscheidungen über, die Saarabstimmung für das wirtschaftliche Leben im Saargebiet hingewissen worden.
Präsident Knox äußert in seinem Begleitschreiben dazu folgendes: Die Regierung verkennt keineswegs den niederdrückenden Einfluß, den die mit der gegenwärtigen Lage verbundene Ungewißheit auf die Wirtschaft des Saargebietes ausübt: da indessen die Festsetzung des Datums der Volksabstimmung einzig von den Entschlüssen abhängt, die der Völkerbundsrat später fassen wird, so kann die Regierungskommission diese Forderung nicht einfach blind unterstützen, da sie nicht in der Lage ist, die tieferen Gründe zu beurteilen, die den Völkerbundsrat bei seinen Beschlüssen leiten können.
England verbietet Waffenausfuhr nach Bolivien und Paraguay. Die britische Regierung hat dem Völkerbund mitgeteilt, daß sich Großbritannien dem Waffe,musfuhrverbot nach Bolivien und Paraguay anschließe.
Wasscnstillstandsvcrliingeruiig im arabischen Kriegsgebiet. Wie Reuter aus Kairo meldet, ist dort amtlich mitgeteilt worden, daß Jbn Sand in eine Verlängerung des Waffenstillstandes mit dem Jmam von Jemen eingewilligt hat um ihm die notwendige Zeit zur Durchführung der auferlegten Bedingungen zu geben.
Botschafter Köstcr beim Reichspräsidenten. Der Herr Reichspräsident empfing heute den deutschen Botschafter in Paris, Köster.
Gkagerrak
Von
Vizeadmiral a. D. von Trotha
Je weiter wir abrücken von den unmittelbaren Eindrücken des Weltkrieges, je bestimmter dies gewaltige Geschehen sich in die Weltgeschichte eingliedert, um so mehr zeigt sich die Skragerrakschlacht als eine Tat des Admirals Scheer, die nicht nur das unvergleichliche Heldenringen unseres Volkes in seiner weltgeschichtlichen Bedeutung bis in den fernsten Erdenwinkel fühlbar machte, sondern die mit der sieghaften Ueberlegen- heit unserer jungen Flotte zugleich eine Forderung des Friedens vor die Welt stellte, ohne deren Lösung ein Ausgleich in der Weltentwicklung nicht möglich ist: Die Forderung der Gleichberechtigung sür die Teutschen auch auf dem Weltmeer.
Wohl war die ganze Welt mit ihren Kräften angespannt, um unser Volk zu erdrücken, dg man es nicht besiegen konnte. Aber die Flotte am Himmelsahrtstage 1916 zeigte dieser Welt, daß man dem schaffenstüchtigen, lebenskräftigen deutschen Volke, das nach einer schicksalsschweren Geschichte mit neuem Lebenswillen vor die Welt trat, das freie Recht auf das Weltmeer nicht vorenthalten darf.
Weltfrieden ist der achtungsvolle Ausgleich zwischen den Lebensbedürfnissen der Völker, eine Gegenüberstellung, die sich ständig ändert und immer neue vorausschauende Sorge verlangt, weil die Wertfaktoren der Völker und die Zusammenhänge der Welt sich ständig ändern und verschieben.
Wenn Interessengegensätze sich dahin auswirken, eine naturgegebene Entwicklung abzulenken, aufzuknien oder zu unterbinden, wird die Kraft des vorwärtsstrebenden Volkes gezwungen, sich mit seinem Lebens- trieb und seinem Einheitswillen gegen alle entgegenstehenden Schwierigkeiten Achtung fordernd zu bewähren und durchzusetzen.
Ueber vier Jahre hatte das deutsche Volk diese Probe in einer Heldenhaftigkeit bestanden, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte, und in der Skagerrak-Schlacht hat es sich auch gegen die überwältigende Ueber- macht der großbritannischen Weltmacht zur See sieghaft behauptet. Dann kam die furchtbare Zeit, wo der zehrende Hunger und die zersetzende Wühlarbeit unser Volk Zusammenbrechen ließen und der triumphierende Feind alle Mittel des Hasses und Vernichtungswillens anwandte, um unsere schaffende Kraft von Grund aus zu zerstören und den Einheitsgedanken zu zerbrechen.
Da ließ der Tag von Scapa Flow die Siegeskraft der Flotte wieder hell aufleuchten. Die unter dem Feuer des überraschten Feindes versinkende deutsche Flotte nahm den hohen Preis, den Scheer am Skagerrak- Tage fest in der- Hand gehalten hatte, das freie Recht der Deutschen auf dem Weltmeer, mit hinab auf den Meeresgrund in die Obhut all der Treuen, die auf allen Weltmeeren ihr Leben hergegeben haben für ein einiges freies Deutschtum.
Dann trafen uns Jahre tiefster Schmach und Erniedrigung. Immer mehr fielen wir in Tributversklavung gegenüber dem Aus- land, immer zerrissener klaffte unser Volk in Parteien und Geldgruppen auseinander. Marxistische Wühlarbeit machte den deutschen Arbeiter ehrlos und zerstörte deutsche Lebenskraft bis in ihre Wurzeln. Erst der einzigartigen Leistung Adolf Hitlers und seiner unvergleichlichen Bewegung gelang es, das deutsche Volk vor dem Abgrund zu retten. Diese gewaltige Tat wird einst mit ehernen Lettern in der Geschichte unseres Volkes geschrieben stehen. Die Kraft des Führers hat uns im nationalsozialistischen Staat zur Einheit der Deutschen und zur inneren Freiheit unseres Volkstums emporgerissen. Mit der Forderung der Gleichberechtigung für das Deutschtum hat der Kanzler auch das Vermächtnis der Braven, die am Skagerrak- Tage ihr Leben zum Opfer gegeben haben, beherrscht vom Friedenswillen, in reiner Klarheit vor die Welt gestellt. So spannt sich der große Bogen zwischen der unerhörten, mit blutenden Opfern besiegelten Friedens- forderung deutscher Lebenskraft auf der salzigen Nordseeslut und nationalsozialistischer Staatssührung, die in friedlichem Auskommen mit allen Völkern den Anspruch auf Gleichberechtigung und Gleichbehandluna in der Welt erhebt.
In diesem Geiste stellt auch der vor kurzem ms Leben gerufene Reichsbund deut-
es Aerces.
Der Führer wieder in Berlin „Graf Zeppelin" in Rio gelandet SA.-Brigadeführ-r tödlich verunglückt Großadmiral Logo gestorben
Der leidenschaftliche Herr Barthou
Nach Sir John Simon sprach der französische Außenminister Barthou, der sich in freier Rede zunächst mit seinem Vorredner auseinandersetzte, dann die Haltung Deutschlands kritisierte und schließlich den gestrigen Ausführungen Lit- winows über die Sicherheit zustimmte. Varthou begann mit einem Bekenntnis zum Völkerbund, mit einer lobenden Bezugnahme auf seinen großen Vorgänger Vriand und mit der Betonung der Kontinuität der französischen Politik. Er erklärte, die Zeit der halben Andeutungen, der Gefälligkeiten und vielleicht auch der Kompromisse sei vorüber.
Henderson habe gestern von der Notwendigkeit der Einschränkung des Wettrüstens in der Lust gesprochen. Vielleicht gäbe es Regierungen, die wegen eines Luftangriffes besonders besorgt seien, aber der Luftkrieg sei nicht der einzige, der die französische Regierung beschäftige. Es gäbe Länder, die zu Lande und in der Luft und auf der See bedroht seien, und gegen diese drei Gefahren müsse die Konferenz Vorkehrungen treffen.
Immer der Disposition der gestrigen Rede Hen- dersons folgend, kam Barthou sodann auf die Frage des Waffenhandels zu sprechen. Er erklärte, Frankreich habe die Konvention von 1925 ratifiziert und wende sie an. Als England am 13. August 1933 anregte, daß den durch die Verträge entwaffneten Ländern kein für militärische Zwecke geeignetes Material geliefert werden solle, habe Frankreich dem zugestimmt. Barthou zitierte ausführlich die Erklärung Simons vom 14. Oktober
1933, indem er betonte, daß man vom 14. Oktober ausgehen müsse, um die Lage zu verstehen. Damals habe Simon von der unruhigen Lage in Europa gesprochen. Sei sie es heute, am 30. Mai
1934, nicht noch mehr als damals?
Simon habe ferner mit Recht gesagt, daß keine sofortige Aufrüstung der abgerüsteten Länder
Der Eindruck in Genf
In den Völkerbundshallen hat man — wie man allgemein hört — selten eine Rede gehört, die so leidenschaftlich wirkte, wie die heutige des französischen Außenministers Barthou. Es ist die große Stärke der Franzosen, daß ihre Vertreter stets frei und in ihrer Muttersprache sprechen. Heute hat sich aber eher die negative Seite dieses Borzuges gezeigt, denn die Rede des französischen Außenministers hat trotz des Beifalls, der von den Franzosenfreunden im Saal und auf den Tribünen gespendet wurde, ernsthafte Politiker in Genf in keiner Weise überzeugt und manchem von ihnen sogar vor den Kopf gestoßen.
Einstimmig wird betont, daß der französische Außenminister mit ganz ungewöhnlicher persönlicher Schärfe gegen den englischen Außenminister Sir John Simon polemisiert hat. Er wandte sich immer wieder der Van! Simons zu. Dabei steigerte er sich gelegentlich in eine solche Erregung hinein, daß im Saal und aus den Tribünen gelacht wurde.. Die Engländer sahen sich mehrfach verwundert an und regten am Schluß der Rede keine Hand zum Beifall. Ja englischen Kreisen wird die Rede Barthous „Iiudalaneeä" genannt. In Völkerbundskreisen
stattfinden dürfe. Deutschland habe das damalige Programm abgelehnt, und weil Deutschland ablehne, wolle Simon eine andere Lösung suchen. Deutschland sei durch seine Abwesenheit anwesend. Die französische Note vom 17. April habe die Tür für Verhandlungen nicht zugeschlagen, aber in dem Augenblick, als Frankreich mit England über Ausführungsgarantien verhandelte, sei das deutsche Budget mit seiner starken Erhöhung der zugegebenen Rüstungsziffern — um von den anderen gar nicht zu reden — erschienen.
Varthou versuchte hier, die ganze Schuld aus Deutschland abzuwälzen, das — wie er erklärte — brüsk und brutal die Konferenz verlassen habe, aufrüste und jetzt der Konferenz seinen Willen aufzwingen wolle. Innerhalb Deutschlands, dem Lande, dem auch er seine Bewunderung nicht versage, habe der preußische Geist die Oberhand gewonnen und wolle auch Frankreich kommandieren.
Varthou stellte weiter die Frage: Wer bedroht Deutschland? Frankreich habe durch die Verträge das erhalten, worauf es Anspruch hatte, und bei den jetzigen Saarverhandlungcn gehe es in versöhnlichem Geiste vor. Sein Plan zur Begrenzung aller Rüstungen sei das Memorandum vom 1. Januar 1934.
Zur Sicherheitsfrage übergehend erklärte Varthou das Problem der Sicherheit sei nicht gelöst, sondern nur aufgeworfen. In der gestrigen Rede Litwinows seien Stellen, denen er nicht ohne weiteres zustimmen könne, aber der Sicherheitsgedanke durchdringe die ganze Rede. Man brauche nicht sehr weit in der Organisierung der Sicherheit zu gehen, wenn man weitergehe als Sir John Simon. Seit der Rede Litwinows habe die Idee der Sicherheit aber Fortschritte gemacht.
und bei neutralen Politikern kann man die Ansicht hören, daß der französische Außenminister parlamentarische Methoden, wie sie in Frankreib. üblich sind, aus den dafür nicht geeigneten Vode^ von Genf übertragen hat. Auf jeden Fall sei die Rede in der Wirkung ungünstig.
An dem Umfang der Rede gemessen, waren die Angriffe gegen Deutschland in der Red« seltener mrd kürzer, als die gegen die englische Politik und besonders gegen den englischen Außenminister. Immerhin aber hat Varthou ungewöhnlich stark« Worte gegen Deutschland gebraucht. Dabei hat er wieder die ganze französische Unbelehr- barkeit und Unkenntnis der wirklichen Lage in Deutschland gezeigt. Etwas Sinnloseres als den Versuch, die nationalsozialistische Revolution in Deutschland als einen Sieg des Preutzentums über das übrige Deutschland zu bezeichnen, kann es ichwerlich geben.
Barthou wollte aber anscheinend an die alte Kriegspropaganda anknüpfen, als er das Wort Mirabcaus zitierte, die nationale Industrie Preußens sei der Krieg. Im Mittelpunkt der ganzen Angriffe gegen Deutschland stand neben dem Aus-