Ausgabe 
(28.5.1934) Nr. 145
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das amtliche Organ -es Senats

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Nr. 145 / 2. Vierteljahr

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Montag, 28. Mai

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Warum so schweigsam über deutsche Bauemgeschichte?

Ein Ehrentag des deutschen Bauerntums

Die 100-Iahr-Keier -es Stedinger Kreiheitskampses

Am Morgen in Altenesch

(Sonllsrbsriobt llsrBremer Leitung")

vk. Altenesch, 27. Mai.

Der 27. Mai, der höchste Ehrentag Stedingens, ist herangerückt. Nachdem gestern bereits die ge­waltige Veranstaltung mit örtlichen Feiern in Altenesch, am St.-Veit-Stein, in Lemwerder und in Verne, im Herzen des Stedinger Landes, wo Reichsleiter Alfred Rosen Lerg und Reichs­statthalter Carl Röver in zündenden Worten zu der Stedinger Bevölkerung sprachen, eingeleitet wurde, soll heute auf der Walstatt der Schlacht bei Altenesch in machtvoller Kundgebung die Ehre

der Stedinger Bauern, die Ehre unserer Alt­vordern, verkündet werden.

Bereits in früher Morgenstunde zeigen die Landstraßen, Dörfer und Städte ein bewegtes Bild. Geschäftig eilen Absperrungsdienst, Platz- ordner und Plakettenverkäufer hin und her. Schon fetzt treffen die ersten Teilnehmer an dieser einzig­artigen Kundgebung von auswärts auf dem Fest- platz ein. Lange Reihen marschierender Kolonnen »er SA., HZ., des VDM. oder des FDA. ziehen heran, klingt ihr Schritt aus dem holprigen Straßenpflaster, und während Wind und Regen eisig kalt dahinfegen, ertönt unaufhörlich Trommel­wirbel, Marschmusik und Sturmgesang.

Dann setzen mit weittragender Stimme und mächtigem Klänge sämtliche Kirchenglocken zu feierlichem Geläute ein. Ernst klingen die Glocken durch den friedlichen Morgen. Sie erinnern an die Zeiten vor 700 Jahren, als Stedingens Man­nen den Söldnern fremdländischer Tyrannen zum Kampf auf Leben und Tod entgegenzogen. Auch damals ertönten die ehernen Klänge von den Kirchen in Altenesch und Berne. Aber sie läu­teten Sturm! Heute ermähnen sie uns. nicht zu

vergessen, was unsere Vorfahren, in vergangenen Jahrhunderten für uns an Gut und Blut ge­opfert haben. Sie erzählen von Ste­dingens Ruhm und Stedingens Ehr und von dem Heldentod deutscher Bauern.

In den Kirchen hat sich die Bevölkerung Ste­dingens zum schlichten Festgottesdienst eingefun- den. Mit Andacht hören die Männer und Frauen die Worte ihres Predigers und singen die alten Kirchenchoräle, wie es auch ihre Vor­fahren getan haben, als sie zum letzten Gang gegen den eindringenden Feind antraten.

In Berne ist der Gottesdienst verbunden mit einer würdigen Einweihungsfeier der Stedingen- Eedenkhalle. Mächtig wirft die Orgel ihre ern­sten Klänge durch den weiten Raum der Kirche und andachtsvoll setzt die Gemeinde zum gemein­samen Gesang ein.Lobe den Herren, den mäch­tigen König der Ehren", so erschallt es viel­stimmig aus Menschenmund. Nach der Predigt von Pastor Logemann, in der er ausführt, daß nur ein Volk, das in Glauben an Gott und die Bibel lebt, mächtig und stark bestehen kann, er­greift Oberkirchenrat Volkers, Oldenburg, zu seiner Weiherede das Wort. An der Stelle, wo vor 700 Jahren die Vauernführer ein- und aus­gingen und sich berieten, sei eine Eebenkhalle er­richtet worden, die uns stets an den Ver­zweiflungskampf der Stedinger erinnern und uns ermähnen solle, in gleicher Heimatliebe Volk, Vaterland und Führer zu dienen. Die Ver­sammelten erheben sich von ihren Plätzen und ihr Seelsorger erbittet für sie und darüber hin­aus für das deutsche Volk und seinen Führer den Segen des allmächtigen Gottes. Dann ver­läßt die Gemeinde unter Vorantritt der beiden Geistlichen und mehrerer Fahnenabordmmgen durch die Gedenkhalle die Kirche. Langsam schrei­ten sie dahin und ihre Gedanken verweilen bei ihren ermordeten Vorfahren. Mit Fackeln ent­zünden die Pastoren in der Kapelle zwei riesige Kerzen. Sie sollen alsEwiges Licht" tag­aus tagein brennen zum Zeichen, daß wir die Opfer der Walstatt bei Altenesch nicht vergessen haben, daß sie vielmehr ewig im Geiste un­ter uns weilen werden.

Nahezu ein Jahrtausend steht bereits der Turm der Berner Kiruche, in der die Ehrenhalle Stedin­gens eingeweiht wurde. Schon im Jahre 1000 soll dieser Teil erbaut worden sein. Die Wände zieren Bilder, die Szenen aus der Schlacht des Jahres 1234 zeigen. Pros. Winter-Oldenburg hat den Entwurf zu diesem Mal ausgearbeitet, während Regierungsbaumeister Huchting-Bremen die Aus­führung geleitet hat. Die Fenster zeigen in kunst­voller Verzierung ein Siegel aus damaliger Zeit, das heute im Original im Staatsarchiv zu Bre­men aufbewahrt wird. An anderer Stelle wird eine Kopie von der Bulle aufbewahrt, in der vor über 700 Jahren der Papst den Bann über die Stedinger Bauern verkündete.

Langsam leert sich die Kirche, während noch die Orgeltöne leise und feierlich erklingen und her­überwehen zu dem gewaltigen Festplatz, wo be­reits die ersten Zuhörer ihre Plätze trotz Regens Wind und Kälte einnehmen.

Die Weihefeier

Lri. Altenesch, 27. Mai 1934.

Von Bauernblut getränktes Land, von Vauern- blut verteidigte Erde, tausendfach find solche hätten in Deutschland zu finden, tausendfach mahnen sie uns, den Kampf unserer Vorfahren gegen römische Knechtschaft und Sklavenlos nicht zu vergessen. Tausendfach mahnen sie uns, unseren Alivorderen, die Ehre und Freiheit höher schätzten

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als Gut und Leben, nachzuleben und nachzu- kämpfen.

Stedinger Land, Stätte einer der größten Vauernschlachten deutscher Geschichte, Erinnerung an niedersächsisches Helden- und Herrentum, Weihsstätte deutschen Freiheitswillens, so liegt es vor unseren Augen und blutrot leuchten die Fahnen des Dritten Reiches über den satten Marschen des alten Bauernlandes Stedingsehre. Das Reich Wolf Hitlers mutzte erstehen, um sie wieder zu Geltung kommen zu lassen, die Ehre der Stedinger, die durch eineobjektive" Geschichts­schreibung vergangener Zeiten, um Ruhm und Ruf betrogen wurde.

Heute bekennt sich Staat und Volk zu den 4000 Gefallenen, die unter der Kirche von Altenesch begraben liegen. Heute sind die Streitig­keiten territorialer Gewalten vergessen und heute huldigt der Bauer, der Arbeiter, Bremer und Oldenburger, das ganze deutsche Volk dem Geist und der Gesinnung die Stedingen untergehen und doch leben ließ.

So wurde die 700-Jahresfeier Stedingsehre wieder einmal zu einem Symbol geschlossener Volkskraft und einheitlichen Volkswillens.

Und drohten noch den ganzen Vormittag schwere Regenwolken vom Himmel, gegen Mit­tag klarte das Wetter auf, als ob auch der so oft von seinen menschlichen Dienern mißbrauchte deutsche Gott, dem Stedingerbrudervolk, das den Tod des geächteten Ketzers sterben mußte, nach­träglich seinen Segen geben wollte.

Zu Tausenden sind sie herbeigeeilt, mit Son- derzügen, Lastwagen, Omnibussen, Rädern und zu Fuß, und wohl 50 000 deutsche Volksgenossen mögen es gewesen sein, als Reichsstatthalter und Gauleiter Carl Rover die Feier kurz vor drei llhr eröffnete.

Aeichsstatthalter und Gauleiter Garl Növer

begrüßte vor allem die aus allen Teilen des Rei­ches erschienenen Ehrengäste, den Reichsbauern­führer Darre, den Reichsleiter Alfred Ro- senberg als den Garanten für den geraden Kurs der nationalsozialistischen Weltanschauung, den Reichsstatthalter von Mecklenburg Hilde­brandt und den Gauleiter von Schlesien Hel - muth Brückn« r. Die Anwesenheit des ge­samten Reichsbauernrates betrachtet er als Zei­chen der gelungenen Einigung des ganzen deut­schen Bauerntums. Die Anwesenheit der Ver­treter des bremischen Senats der mit dem Re­gierenden Bürgermeister Dr. Martert an der Spitze nahezu vollzählig erschienen war, sowie die Anwesenheit der oldenburgischen Staatsregierung unter Führung von Ministerpräsident IM, als Zeichen für die restlose Ueberwindung alter parti- kularistischer Gewalten. Daß auch Vertreter der Reichswehr und der Reichsmarine zum Ehren­tag der deutschen Bauern gekommen sind, beweist die innige Verbundenheit zwischen Volk und Wehrmacht schlechthin.

Nach einem kurzen geschichtlichen Rückblick, er­teilt der Gauleiter unter dem stürmischen Beifall der Massen dem Bauernführer und Reichsminister

pg. Walcher Darre

das Wort:

Während eine deutsche Geschichtsschreibung be­müht ist, das, was mandeutsche Geschichte" nennt, als Auswirkung kaiserlicher, kirchenfürst- licher oder territorialfürstlicher Interessen oder Interessengegensätze hinzustellen, ist diese gleiche Geschichtsschreibung merkwürdig schweigsam über das, was man die deutsche Bauerngeschichte nennen könnte. Das ist umso auffälliger, da fast im umgekehrten Verhältnis zu dem Eifer, mit dem die Geschichtsschreiber landesherrliche Angelegen­heiten schildern, das Deutsche Volk als solches in seinem Unterbewußtsein die Erinnerung an große Bauernkatastrophen seiner Geschichte jedoch viel eindringlicher bewahrt hat. Man denke nur da­ran, daß die Niederschlachtung taufender sächsischer Bauern durch Karl den Sachsenschlächter in Ver­ben an der Aller vor über 1000 Jahren sich durch das ganze letzte Jahrtausend in der Erinnerung der Nisdersachsen erhielt, daß der Freiheitskampf der Schweizer Freibauern gegen die Anmaßung der Habsburger, welchen Vorgang Friedrich von Schiller in jeniemWilhelm Teil" dramatisch zu gestalten wußte, viel mehr dazu beigetragen hat, das deutsche Volk gegen seine Territorial- siirstcn in Wallung zu bringen als irgend ein Tendenzstück jener Zeit.

Beiläufig gejagt, hält sich in wissenden Krei­sen zäh und hartnäckig das Gerücht, daß Friedrich von Schiller nach der Veröffentlichung desWilhelm Teil" seine erste Verwarnung durch die Freimaurerloge erhielt, ein Vorgang, welchen objektiv aus Grund der Akten zu

untersuchen, für unsere Historiker als nutz­bringend zu empfehlen wäre.

Weitere Beispiele sind die Freiheitskämpfe der Stedinger Bauernschaften vor 700 Jahren gegen den Bischof von Bremen. Das Deutsche Volk hat sich also gerade die Bauernkatastrophen seiner Geschichte weit mehr in seiner Erinnerung be­wahrt, als irgendein anderes geschichtliches Er­eignis. Wer sich über die Bedeutung des Bauern­tums klar ist, für den ist die Erklärung sehr ein­fach. Leider ist es so, daß sich die deutsche Öffent­lichkeit, insbesondere aber

große Teile der zünftigen deutschen Wissen­schaft, bis in unsere Zeit hinein, kaum Rechen­schaft darüber abgelegt haben, welche Bedeu­tung das Bauerntum für ein Volk besitzt, obwohl wir bereits im 18. Jahrhundert einen Meitzen hatten, um die Jahrhundertwende des 19. Jahrhunderts ein Ernst Moritz Arndt lebte, und in der Mitte des 20. Jahrhunderts ein Rieh! seine Feder in den Dienst des deutschen Bauerntums gestellt hat. Man kann auch an der Wende des 20. Jahrhunderts auf Hermann Löns, den großen Künder deutschen Bauern­tums, hinweisen. Trotzdem also das deutsche Bauerntum ausgezeichnete Rufer hatte, erweckte die zünftige Geschichtsschreibung den Anschein, als wenn in Deutschland erst die Kirchen- und Terri- tortalfürsten dagewesen wären, unter deren Schutz sich die Stadt und das gewerbliche Leben ent­wickelt hätten. In Wirklichkeit ist'aber das, was wir Volkstum nennen, niemals das Ergebnis des Wirkens deutscher Kaiser, deutscher Kirchen- und Territorialfürften, sondern ist in seiner Voraus­setzung ausschließlich an das Vorhandensein deut­schen Bauerntums gebunden.

Weder Fürsten, noch Kirche, noch die Städte haben den deutschen Menschen als solchen ge­schaffen, sondern dieser ist in seiner Grund­lage und Voraussetzung germanisch-deutsches Bauerntum.

Gerade wir Nationalsozialisten, die die alte Wahrheit wieder vorgeholt haben, daß das Blut eines Volkes der Gestalter seiner Kultur ist. sehen diese Dinge mit kristallklarer Erkenntnis.

Der Reichsbauernführer wies dann auf das Brauchtum hin, das in allen Gegenden Deutsch­lands ein Jahrtausend überdauert hat und in welchem ein eindeutiger Beweis dafür zu finden sei, wo der Grund des Volkstnms zw suchen ist. In den Geschichtsqnellen stellen wir zu unserem Erstaunen fest, daß dieser jahrtausendalte Brauch in unserem Bauerntum sich mit erbitterter Zähigkeit gegen diese Kirchen- und Territorial- fürsten verteidigt hat. Obwohl der deutschbewußte Teil unserer Wissenschaftler sich zur wahren Be­deutung des Bauerntums zu bekennen beginnt, beharrt ein Teil noch darauf, daß das Gegenteil richtig sei. Dieser Sorte von Gelehrten soll ein­mal ganz kalt folgendes entgegen gehalten wer­den: Ehe es eine deutsche Wissenschaft in Deutsch­land gab, war der deutsch-germanische Bauer schon da und bewahrte sich sein Wesen und seine Art. Wenn wir heute von deutschen Stämmen sprechen, von deutscher Eigenart, dann ist es zwar gebräuchlich, diese Stammeseigenarten in Verbin­dung zu bringen mit den Grenzen der Territorial- fürstentiimer, wie sie als deutsche Länder heute

noch bestehen. Das ist sogar soweit gegangen, daß man dem Nationalsozialismus vorreden wollte, die Grenzen der süddeutschen Länder seiengott­gewollt". Dabei tritt insbesondere für Bayern, Württemberg und Baden der Unsinn dieser Be­hauptung besonders handgreiflich zutage, weil diese Grenzen willkürlich von Napo­leon l. gezogen worden sind.

Das» was die Eigenart dieser einzelnen Land­schaften erhielt und ihnen ihr Gepräge gab, war das in ihnen sich erhaltende Bauerntum. Auf den alten Bauernhöfen erhielt sich die Stammessonderheit des deutschen Menschen.

Wo das Geschlecht, welches auf solchen alten Bauernhöfen sitzt, an den Sitten der Väter fest-

WO

hält, da wächst die einzelne deutsche Stammes­eigenart, die heute noch die Vielfältigkeit und Mannigfaltigkeit des deutschen Volkslebens ver­körpert und darstellt. Niemals kann eine deutsche Stadt das gleiche für sich beanspruchen. Aus den deutschen Bauernhöfen ist die Ewigkeit einer Stammeseigenart verankert. Es ist schon richtig, wenn in Süddeutschland vor wenigen Wachen je­mand sagte, daß das Reichserbhofgesetz mehr die Stammeseigenart garantiere, als es irgend ein Länderpartikularismns je konnte. In keinem Stand ist die Vielgestaltigkeit des Wesens so aus­geprägt vorhanden wie im Bauernstand.

Kein Stand aber hat trotz aller Verschieden­heiten der Landschaft und Stammeseigentüm­lichkeiten in seinem tiefsten Untergründe doch

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