Ausgabe 
(26.5.1934) Nr. 143
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Nr. 143 / 2. Vierteljahr

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Sonnabend, 26. Mai

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Abrechnung öer deutschen ZuaenS mlt der Reaktion

Die Reaktion mutz sterben,

damit die nationalsozialistische Nation leben kann

Dem ersten Soldaten I des Dritten Reiches I

Zum 11. Todestag Albert Leo Schlageters I

!<ri. Alljährlich am 26. Mai, wenn sich der Opfertod Albert Leo Schlageters wieder jährt, verneigt sich ganz Deutschland vor der Größe und Schlichtheit, vor dem Mythos und dem Heldentum, das die Ge­stalt dieses deutschen Freiheitskämpfers ausstrahlt.

In Albert Leo Schlageters kurzem Leben ist die Tragik des deutschen Schicksals, der mutige und bewußte Opfer­gang der deutschen Frontgeneration für die Freiheit des Reiches, das unbändige Ringen nach neuen Formen der staatlichen Gemein­schaft, die weltanschauliche Untermauerung des Begriffes Deutschland zu einer Bluts­und Schicksalsgemeinschast kämpferischer Volksgenossen, Fleisch und Blut gewordene Wirklichkeit.

Wenn er als kleiner Primaner von der Schulbank in die Hölle der Materialschlach­ten der Westfront zieht, wenn er die vier Kriegsjahre durchholt und seinen, in. seinen Briefen zum Ausdruck kommenden kindlich reinen Glauben an die Unsterblichkeit der deutschen Seele und an die Unvergänglich- keit des Reiches sich erhält, so unterscheidet er, der auf Grund seiner Tapferkeit vor dem Feind, Offizier und Kompagnieführer 8 wird, sich noch nicht von der großen Masse der unbekannten Feldgrauen des Welt­kriegs. Soldatenfreud und Coldatenleid, Soldatentugend und Soldatenehre, ihm waren sie Erlebnis und Besitz, wie allen, die im Ringen des Weltkriegs an der Front ihre Pflicht getan haben.

Erst nach dem Zusammenbrach kommt in sein Leben die große Linie des Einmaligen, der faustische Drang nach Klarheit und Wahrheit, die himmelstürmende Sehnsucht nach äußerer und innerer Loslösung vom überkommenen, bürgerlichen Leben, der Wille zur befreienden Tat.

Aus dem Glauben heraus, daß das Hel­denringen unseres Volkes nicht umsonst ge­wesen sein darf, unterwirft er sich in Zu­kunft nur noch dem einen Gesetz:

Deutschland muß leben und wenn wir st erben müssen.

An den brennenden Grenzen im Osten ist 8 er zu finden. Das Gotenschicksal der letzten 8 dämpfenden Reste des deutschen Heeres im I Baltikum befestigt ihn in seinem Glauben 8 an seine Mission. Oberschlesien, der Grenz- landsohn der Südwestmark, der von der Not des Grenzlandes weiß, verteidgt es mit seinem Blut.

Im von Frankreich gegen Recht und Gesetz besetzten Ruhrgebiet müssen wir ihn wiederfinden, denn er muß überall da sein, wo es gilt, deutsches Land und deutsche Ehre zu verteidigen. Hier erfüllt sich sein Schick­sal. Von Deutschen verraten, von preußischer Eystempolizei gehetzt, fällt er in die Hände der französischen Soldateska. Unauslöschlich brennt aber die Schmach auf den Vertretern des Systems des Novembervesrats, daß sie selbst seine bis in das Kleinste vorbereitete Beireiung durch die Verhaftung seines Führers und Kameraden Heinz unmöglich machten. Verrat seiner Freunde lehnt er ab, obwohl er weiß, daß nur Verrat ihn retten könnte. Er übernimmt bewußt und freudig die Verantwortung sür alles, was er, ge­tragen von seinem Glauben, im Dienste eines größeren und besseren Deutschland der Zukunft getan und gewollt hat.

So muß sich sein Wea vollenden, sein Tod zur Saat und zu neuem Leben werden. In d-r Frühe des 26. Mai strecken ihn die Kungln der französischen Gewehre zu Boden. „Es lebe Deutschland" aber sind seine letzten Worte.

Und Deutschland lebt. L"bt nicht zuletzt auch durch die Größe des Opwrs. das Schla­geier itm gebracht, lebt aus dem Geist her­aus. der Cchlaoster sterben ließ.

Geboren im Umbruch der Zeiten, gewor­den -um Märtyrer der deutschen Ehre und gestorben im Glauben an sein Volk. so steht Albert L-?" Scklaaeter als Bl"tzeuge an der Schwelle des Tritten Reiches.

Soldatenleben hat er gelebt undSoldatew tod ist er gestorben, in die Geschichte aber ist

Berlin, 25. Mai.

Am Donnerstagabend wurden durch den Rund­funk über alle deutschen Sender die folgenden Ausführungen des Pressechefs der < Reichsjugend- führung Gustav Staebe über das Thema „Gegen Reaktionäre, Miesmacher und Meckerer" ver­breitet. Noch niemand hat behauptet, daß es nach dem 30. Januar in Deutschland nur noch National­sozialisten gegeben hat. Im Gegenteil: Jeder wußte, daß Millionen deutscher Menschen durch diesen Tag überhaupt zum ersten Male ihres Lebens mit dem Nationalsozialismus in irgend­eine Beziehung kamen, sei das nun als wißbegie­rige, ehrliche Sucher, als jeder Obrigkeit ergebene Staatsbürger, oder als solche, die bis dahin einem anderen politischen Glauben dienten, jetzt aber vor der Notwendigkeit standen, plötzlich umzu­lernen und ihr bisheriges politisches Leben ein für allemal abzuschließen.

Diese plötzliche Liquidation einer ganzen poli­tischen Welt unterliegt den Gesetzen der Revo­lution, sie ist Geschichte und läßt sich nicht rück­gängig machen. Menschen, die das dennoch wollen, unbekümmert alles dessen, was um sie herum geschieht, sind Reaktionäre. Das heißt also, daß unter dem Begriss reaktionär nicht allein diejenigen zu verstehen sind, die das Le­ben vor 1814 für überaus großartig hielten und es zuriickersehnen, sondern auch diejenigen, die die Zustände vor dem 30. Januar 1833 gegen­über der Ausbaupolitik des Führers sür er-' (täglicher und lebenswsrter hinstellen. Der Reaktionär kennt nur seinen seit Jahrzehnten eingeschläferten Trott, den er sich von niemand stören läßt.

Es sei denn, er wird dazu gezwungen, und dann schimpft er über alles, was er nicht -versteht und auch nicht verstehen will. In Anbetracht dessen, daß es im heutigen Deutschland vereinzelt Mies­macher und Meckerer gibt, muß es auch Reaktio-, näro geben; denn jeder Reaktionär ist ein Mies­macher und jeder Miesmacher ist reaktionär.

Gibt es nun heute Reaktionäre im Sinne der ehemals marxistischen Parteien? Hierfür ließe sich einmal unter Hindeutung auf jene Emigran­ten der Nachweis liefern, die 14 Jahre lang den Landes- und Arbeiterverrat zum Kernpunkt ihrer Politik erklärten, aber beim Herannahen der nationalsozialistischen Revolutionsarmee die Beine unter die Arme nahmen, um vom Ausland ihre reaktionären Sudeleien gegen die erste Ar­beiterpolitik der deutschen Geschichte abzustoßen. Sie finden in der deutschen Arbeiterschaft keinen Widerhall, sondern nur eine abgrundtiefe Ver­achtung. Der deutsche Arbeiter weiß, daß der Sozialismus in 14 Jahren hätte vollendet werden können, aber nicht in einem Jahre aufgebaut wer­den kann, nachdem er von seinen ehemals laute­sten Vertretern und gleichzeitigen Mrdrehern 14 Jahre lang planmäßig sabotiert worden ist.

Der Arbeiter weiß, daß das nationalsozialistische Reich nicht eher ruhen wird, bis der letzte Volksgenosse eine Arbeitsstätte finden wird, und bis der letzte Arbeiter ein menschenwürdi­ges und dem Adel seines Schaffens entsprechen­des Leben führen wird. Aber wir wissen — und die letzten Wochen haben es uns bewiesen — daß die Miesmacher und Meckerer umso mehr im reaktionären Bürgertum und hier ganz be­sonders in der noch immer vegetierenden

sogenannten „guten Gesellschaft"

einen fruchtbaren Boden gefunden haben. Sie, deren liberalistische Welt dunkle und elende Hinterhöfe im Weddingbaute, Müttern und Kin­dern die Sonne stahl, den Baterlandsbegrisf zur Salonparole der Gutverdienenden degradierte, sie, die am 9. November feige und erbärmlich vor der Unterwelt in die Mauselöcher krochen, sie sind es auch heute, die endlich begriffen haben, daß die sozialistische Nation von heute leinen Platz sür sie hat. Denn immer ist ihre einzige Arbeit nur die Kritik an sich, alles zu glossieren und zu bewitzeln, niemals aber selber Hand anzulegen und etwas Abgelehntes selber besser zu machen.

Ihnen, diesen Neaklionäken, gilt darum dieser Kamps

Und hierbei müssen sich in allererster Linie alle jene Männer und Jungen die Hände reichen, die in 14 verzweifelten Jahren mehr geopfert und gerungen haben,, als die gesamte Innenpolitik der deutschen Vergangenheit überhaupt ausweise» kann. In diese Front gehört in erster Linie jener Frontsoldat des großen Krieges, der nach den dunklen Novembertagen des Jahres 1918 den Weg zu Adolf Hitler gefunden hat und für seine Idee kämpfte, als ginge es wie draußen um Grä­ben und Trichter.

In diese Front gehört die gesamte deutsche Ju­gend, die aus dem Vermächtnis von zwei Millio­nen toter Krieger eine Gemeinschaft gebaut hat, die heute in der Hitlerjugend, in der SA, SS. PO, im Arbeitsdienst und im Deutschen Luft­sportverband mächtige Form und Gestalt bekom­men hat. Und in diese Front gehören schließlich alle jene, die guten Willens und bereit sind, in bedingungsloser Treue zum Führer und zum neuen Deutschland zu stehen. Die Jugend hat aus der Geschichte gelernt. Sie wird sich nicht noch einmal, wie nach den Freiheitskriegen, um den Erfolg ihres Kampfes und ihrer Opfer betrügen lassen. Nationalsozialisten! Vor wenigen Wochen schrieb eine Berliner gleichgeschaltete Zeitung: „Daß die Jugend revolutionär fühlt und schwärmt ist selbstverständlich, weil es eine Pubertäts­erscheinung ist". Aus der ersten Seite dieser fa­mosen Zeitung aber konnte man dann den alles erklärenden Satz lesen: „Wir bleiben immer,

was wir waren!" Das ist eine Kampfansage an das gesamte nationalsozialistische Deutschland.

Wir von der Hitlerjugend nehmen den Fehde­handschuh auf, wir blicken zurück und sehen die ganze Bewegung geschlossen hinter uns. Und wir blicken vor uns und sehen den alten Geg­ner aus den Jahren des Kampfes: die Reaktion.

Wir haben nichts, aber auch gar nichts ver­gessen. Wir wissen es noch — als wäre es gestern gewesen — als ein ehemaliger deutscher Wehr­verband auf der einen Seite Jarres und auf der anderen Seite Marx zum Reichspräsidenten wählte, als seine Abgeordneten teilweise für und teilweise gegen die Dawesgesetze stimmten, für Locarno und Thoiry, sür die Verlängerung des Republikschutzgesetzes ihre Stimmen gaben. Ja, sie entblödeten sich nicht einmal, ein Kabinett der schwärzesten Reaktion dem Volke als das „Kabi­nett der Frontsoldaten" anzupreisen. Wir haben es auch nicht vergessen, daß die Reaktion mit ihrer Parole „Hinein in den Staat" nicht einmal, son­dern hundertmal das ganze deutsche Volk in der niederträchtigsten Weise verraten und verkauft hat. Wir haben nicht vergessen den Massenmord am 9. November 1923 vor der Feldherrnhalle in München und

wir haben es nicht vergessen, daß Tausende von den besten Nationalsozialisten jahrelang schutzlos von reaktionären Richtern in die Ge­fängnisse der JudenrepuÜlik geworfen wurden, deutsche Bauern aus reaktionären Landwirt­schaftskammern mit dem Gummiknüppel hin- ausgeprügelt worden sind. Dieses und vieles, vieles andere haben wir uns gemerkt, um es dir, reaktionärer Miesmacher und Meckerer jetzt wieder unter die Nase zu reiben.

Und wir haben es nicht vergessen, als der frü­here Vorsitzende einer ehemaligen großen bürger­lichen Partei sagte: „Das revolutionäre Streben der Jugend bleibt dann harmlos, wenn eine ziel­bewußte Führung dafür Sorge trägt, daß die un­gestümen Jugendkräfte in harmloses Gewässer geleitet werden." Ja, das könnte den reaktionären Miesmachern so passen, daß die deutsche Jugend, wie in der ganzen deutschen Vergangenheit auch vor dem 30. Januar 1933 wieder einmal ver­raten, verkauft und in ein harmloses Gewässer geleitet worden wäre. Dann hätte der National­sozialismus seinen Sinn verloren, wenn ihn die Jugend nicht so begeistert und opferwillig in sich aufgenommen hätte. Und es ist gut, daß in dieser Hitlerjugend ein Deutschland wächst, das so rest­los jede reaktionäre Erscheinung haßt und be­kämpft, daß wir zuversichtlich der zweiten Gene­ration des nationalsozialistischen Deutschlands das Erbe der Deutschen Revolution anvertrauen kön­nen.

(Fortsetzung auf Seite 2)

Gegen deutschfeindlichen Boykott

Die Wirlschaslöschutzallianz sammelt Beweise sür den Boykott

deutscher Waren

Newyork, 25. Mai.

Die „German-American Protective Alliance" (Deutsch-amerikanische Wirtschaftsallianz, DA­WA.) sandte nach einer Massenkundgebung im Madison Square Garden ein langes Telegramm an Roosevelt, in dem gegen den deutsch­feindlichen Boykott als Verletzung der Antitrustgesetze von 1890 schärfster Protest er­hoben wurde. Auf dieses Telegramm ging von der Eeneralstaatsanwaltschaft Washington fol­gende Antwort ein:

„Bestätigen Erhalt Ihres an Präsidenten ge­richteten Telegramms vom 18. Mai. Erhielten bereits früher von Privatseite Beschwerden über erwähnte Angelegenheit. Erbitten BSweisma- terial über angeblich gesetzwidrige Tätigkeiten und deren Wirkung auf zwischenstaatlichen und Außenhandel, gez. Harold N. Stephens, stellver­tretender Eeneralstaatsanwalt."

Die DAWA. erbittet nun in einem Rundschrei­ben an sämtliche Firmen. Konzerne, Privatper-

er eingegangen nicht als der letzte Soldat des Weltkriegs, sondern als der erste Sol­dat des Tritten Reiches.

Sein Leben und Sterben ist dem deutschen Volk, der deutschen Jugend zum heiligen Vermächtnis geworden.

Sein Leben war Tat, sein Tod wurde Ver­pflichtung zu Opfer und neuer Tat.

sonen, Verbände usw., die am deutsch-amerikani­schen Handel interessiert sind, ausführliches Be­weismaterial, aus dem hervorgehen muß, daß der deutschfeindliche Boykott geschäftliche Verluste ver­ursacht hat, daß ferner dieser Boykott als Er­gebnis der Tätigkeit der „Antinaziliga" oder dieser nahestehenden Organisationen anzusehen ist und schließlich, daß die allgemeinen deutsch- amerikakischen Handelsbeziehungen durch diesen Boykott leiden. Die DAWA. legt großen Wert auf die Beifügung von entsprechenden Kunden­briesen oder ähnlichen Beweisen. Sie erklärt weiterhin, daß die zuständigen Stellen des Staatsdepartements und des Justizdepartements ihre Verwunderung darüber ausgedrückt hätten, daß sie bisher nicht mehr Proteste gegen den Boykott erhalten hätte.

Die Anschrift der DAWA. ist: 347. Madison Avenue, Newyork-City.

paöerewsii

gegen VttsuöM Außenpolitik

Verunglimpfungen Deutschlands

Paris, 25. Mai.

Die Zeitung „Le Jour" bringt eine Unter­redung mit dem früheren polnischen Staats­präsidenten Paderewski. der die von Mar­schall Pilsudski und Außenminister Beck verfolgte Außenpolitik Polens angreift und da­bei reichlich Gelegenheit nimmt, gegen Deutsch­

land zu hetzen. Padevewski betont eingangs, es sei nicht zu leugnen, daß in den letzten Monaten Mißverständnisse zwischen Frankreich und Polen aufgekommen seien. Ihr Ursprung sei auf den Abschluß desViererpaktes zurückzuführen. Deutsch­land wolle das französisch-polnische Bündnis aus­einander treiben. Deutschland gebe sich einen friedlichen Schein, um Zeit zu gewinnen und um seine Rüstungen vervollständigen zu können (?). Der Korridor sei weiterhin das Hauptziel Deutsch­lands, das sich seiner eines Tages dank seiner beiden schlagkräftigen Waffen, der Jntrige und der Propaganda, zu bemächtigen gedenke (?) Das einzige Mittel, Deutschland in Schach zu halten, sei, es von der Macht und der Einigkeit seiner Nachbarn zu überzeugen.

Dollfuß „rächt" sich

Die Verhaftungen der Nationalsozialisten als Vergeltung sür die „Flucht" Frauenselds Wien. 25. Mai.

Am Psingstsonntag wurde bekanntlich eine Reihe hervorragender nationalsozialistischer Füh­rer in Wien verhaftet. Es handelt sich um den Gauleiter von Nisderösterreich, Joseph Leopold ferner die beiden Brüder des Gauleiters von Wien, Alfred Eduard Frauenfeld, den Sek- tionsrat des Heeresministeriums Dr. Jlz, In­genieur Pöchlinger und eine Reihe von Be- zirksunterfllhrern. Es verlautete ursprünglich, daß die Verhaftungen dieser Führer als Folge der Eisenbahnanschläge am Pfingstsonnabend vorge­nommen seien. Nun läßt aber die Regierung in einem amtlichen Kommunique mitteilen, daß d>.c Verhaftungen als Vergeltung für die „Flucht" de- Gauleiters Frauenfeld und des Unterführers Neu- mann erfolgt seien.

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Entthronung des Goldes?

2.8. Bremen, 26. Mai.

Es gab eine Zeit — sie ist noch nicht allzu lange her —, als die Vereinigten Staaten von Amerika Europa als Vorbild dienten. Mit neuen Wolkenkratzern schienen die Ge­winne ins Unermeßliche zu wachsen. Der dauernde wirtschaftliche Erfolg und Aufstieg ist gewährleistet, so verkündete eine laute, marktschreierische Reklame. Aller Fortschritt kommt von Amerika, seht ihn Euch an, schaut selbst, laßt Euch von uns überzeugen, eifert uns nach! Die Werbetrommel erreichte ihren Zweck: sie kamen in Strömen, in gan­zen Gruppen, Architekten, Ingenieure, freie Berufe, Automobilisten, staunten, fuhren wieder heim mit dem Vorsatz, diesem leuch­tenden Beispiel menschlicher Tatkraft zu fol­gen, und vergaßen darüber, daß die amerika­nische Wirtschaft auf ganz anderen Voraus­setzungen beruht als auf dem vergleichsweise kleinen europäischen Kontinent mit seiner großen Bevölkerungsdichte.

Es ist still geworden, sehr still sogar! Die wirtschaftliche Scheinblüte hat den rauhen Stürmen, die auch über Amerika, vor kurzem noch das Land der unbegrenzten Möglich- 8 Kelten, dahinbrausten, nicht standgehalten. 8 Wo sind die lauten Rufer der „stabilisierten I Prosperität"? Ihre Stimme ging unter in 8 der bitteren Not und dem grauen Elend, das 8 in den Vereinigten Staaten seinen Meister 8 noch nicht gefunden hat. Von der Geld- »feite her sollte das Uebel an der Wurzel 8 gepackt und ausgerottet werden, in völliger 8 Berkennung des Sachverhalts, daß Wäh- I rungsschwierigkeiten nicht die Ursachen des 8 Zusammenbruches des amerikanischen Wirt­schaftsgebäudes sind. Und das Ergebnis die­ser Kur? Der Erfolg mußte ausbleiben. Für eine Weile schien es zwar, als ob die Befür­worter der Aufgabe des Goldstandards recht behalten würden; dann stürzten die Preise umso stärker zusammen, als sie gerade eine feste gesicherte Grundlage erhalten sollten.

Mangelte es seitdem an einer klaren Fest­legung des währungspolitischen Kurses, so hat die neue Silberbotschaft Roose- velts an den Kongreß darin auch jetzt keinen Wandel gebracht. Wenn der Präsident auch mlt diesem Ankaufsplan die weitgehenden Erwartungen der „Silber-Senatoren" ent­täuscht hat und Zweifellos das Ziel verfolgt, möglichst schnell die Kaufkraft des Dollar zu stabilisieren, so ist eine endgültige Lösung der Währungsfrage nach Ansicht aller Finanzsachverständigen nur durch sehr weit­reichende und grundlegende internationale Abkommen zu erzielen. Einstweilen hat Roosevelt mit dieser seiner Botschaft einem langen Drängen von Politikern der agrari­schen Weststaaten und einer kleinen Gruppe von Silberproduzenten taktisch nachgegeben, die sich Zusammenfanden, weil die Gruppe der Farmer durch die vermehrte Ausgabe von Silbergeld und die der Silberproduzen- tsn durch den vermuteten steigenden Wert dieses Metalles auf Kosten des Gesamtheit zu gewinnen hoffte.

Diese eigennützigen Wünsche werden aber wahrscheinlich unerfüllt bleiben, weil die Vollmachten nicht eindeutig festgelegt sind, das Schatzamt nach dem Gesetzentwurf ledig­lich verpflichtet wird, nach seinem freien Ermessen Silber in einer bestimmten Menge anzukaufen, und berechtigte Zweifel daran bestehen, daß Roosevelt beabsichtigt, koste was es wolle, den Silberpreis in die Höhe zu treiben. Eine solche Politik würde auch um so eher einem neuen Zusammen- bruch zutreiben, als Silber wegen seiner großen frei verfügbaren Mefige Preis­schwankungen unterliegt und unkontrollier- bar ist. Die Festlegung eines bestimmten

dorrst Nettes:

Das französische Blaubuch veröffentlicht

Standgericht für Sprengstoffanschläge in Oesterreich

Ein Marxist als Attentäter in Salzburg verhaftet