Ausgabe 
(24.5.1934) Nr. 141
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das amüiche Organ -es Senats

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Nr. 141 / 2 . Vierteljahr

Donnerstag, 24. Mai

Einzelpreis 1S Rps.

Soll Oesterreich zum Schlachtfeld Europas werden?

Regierung Dollsuß und die Habsburger

Die Gefahr eines europäischen Krieges

Das erwachende

Bulgarien

u. L. Bremen, 24. Mai 1934.

„Lassen wir die Revolver entscheiden, wer am Leben bleibt, der soll Minister werden!" Ausruf eines bulgarischen Abgeordneten in einer Parteienversaminlung, in der man sich um Ministersessel stritt.

Unser Wiener R-N.-Mitarbeiter schreibt uns: Die geschäftige Reklame des österreichischen Legi- timistenklüngels, die unter Ausschluß der Öffent­lichkeit fabrizierten Ehrenbürger-Ernennungen Ottos des Kaisersohnes, die vor einigen Tagen stattgefundn Zusammenkunft Ottos und Zitas mit Erzherzog Eugen vor seiner Rückkehr nach Oesterreich, die in Versammlungen getätigten Aeußerungen der Herren Dollsuß und Starhem- berg über die Habsburgerfrage lassen allzu deut­lich erkennen, daß die legitimistische Bewegung nun glaubt, zu offenen Taten schreiten zu können. Damit ist die Gefahr nicht nur eines blutigen Bürgerkrieges in Oesterreich, sondern auch eines europäischen Krieges, der zum Unglück des deutschösterreichischen Volkes auf seinem eigenen Boden znr Austragung kommen müßte, in höchstem Maße akut.

Die inneren Schwierigkeiten auf den verschiedenen Gebieten, wie die immer fühlbarer werdende wirtschaftliche Krise, der unvermindert andauernde Existenzkampf innerhalb der alten Parteien, die Eifersüchteleien und Jntrigen zwischen den zahl­reichen militanten und neuen zivilen Organi­sationen der sogenannten „Vaterländischen Front", verbunden mit den fortlaufenden Mißerfolgen der Regierung Dollsuß, allen diesen Widerständen Herr zu werden, haben den legiti­mistischen Führerklüngel in seinem Glauben be­stärkt, daß nun die Zeit gekommen sei, zur Re­stauration der Habsburger zu schreiten.

Die alles überragende Furcht der derzeitigen Machthaber des Systems vor dem Nationalsozia­lismus, sowie die Angst vor einer neuen Revolte der sich zum Teil wieder sammelnden marxistischen Kampftruppen, benützen die Legitimsten, die sich etwa noch sträubenden Mitglieder der Regierung Dollsuß zu zwingen, den Widerstand gegen die Restaurationsabsichten aufzugeben.

In legitimistischen Kreisen rechnet man mit der Unterstützung vor allem Italiens, Frankreichs und des Vatikans. Man ist auch überzeugt, daß die Habsburgischen Absichten im Augenblick der Verwirklichung nicht nur Duldung und Förderung durch die Regierung Dollsuß finden, sondern sogar deren Machtmittel zur Verfügung haben werden, und die Vorgänge der letzten Zeit bestätigen in vollem Umfange die Richtigkeit der in unseren Händen befindlichen, aus verläßlichster Quelle stammenden Informationen.

Untrüglichen Aufschluß über den Ernst der legi­timistischen Absichten gibt außerdem die am 1. Mai von Herrn Dollsuß verkündete neue Ver­fassung. Zunächst wird darin Oesterreich nicht mehr als Republik, sondern einfach als Bundes­staat bezeichnet, ein Ausdruck, der die Staatsform offen läßt. In der Verfassung finden sich auch nicht mehr die Habsburger Gesetze vor. Damit gelten diese Habsburger Gesetze als aufgehoben. Die Legitimsten vertreten die Ansicht, daß hier­durch die Pragmatische Sanktion in den öster­reichischen Ländern wieder Geltung erlangt hat und diese Pragmatische Sanktion soll nun der Ausgangspunkt einer künftigen Erneuerung der staatsrechtlichen Verhältnisse in Oesterreich sein.

Die an der baldigen Restauration interessierten Kreise, vor allem eine Anzahl Aristokraten und Offiziere der alten k. u. k. Armee, zu denen Vize­kanzler Fey als einer der tatkräftigsten Weg­bereiter des legitimistischen Gedankens zu zählen ist, hoffen, daß in der Folge der Aufhebung der Habsburger Gesetze Otto von Habsburg und zwar möglichst bald nach Oesterreich zurückkehrt. Es ist geplant, ihn zunächst als Privatmann im Lande leben zu lassen. Da aber nach Aufhebung der Landesverweisung der Thronerbe und alle übri­gen Mitglieder des Erzhauses nicht nur frei nach Oesterreich zurückkehren und hier ihren Wohnsitz aufschlagen können, sondern auch das bisher gel­tende Verbot des Gebrauches der früheren Titel und Prädikate aufgehoben wird, würde auf dem Boden des „Bundesstaates" Oesterreich, trotz einer republikanischen Verfassung und eines gewählten Bundespräsidenten, ein, wenn auch zunächst nicht regierender „Kaiser von Oesterreich" -ine Art Hofhaltung einrichten können, ohne auch nur mit irgendeinem Gesetz in Konflikt zu geraten.

Das Wiener Judentum steht mit Rücksicht auf die nationalsozialistische ..G-fahr" heute bereits vollends im moncrch'st^chen Laxer und hat, wie mir auf Grund mehrfacher Beweise fest­stellen können, den größeren Teil der Finan­zierung der Vropaganda für die Habsburger übernommen. Die jüdische Presst soll wieder

inmal „in Volksmeinung machen" und die bru- alen M.'ck'm ttel des Systems werden dazu .eronaezox-u. sogenannte Symvath-ekundgeknn- ,en der Bevölkerung zu veranstalten.

Ist der Kronprätendent im Lande, so soll dann einem feierlichen Staatsakt die Leiche Kaper

Karls nach Oesterreich überführt und in der Kapuzinergruft in Wien feierlich beigesetzt werden.

Als dritten entscheidenden Schritt will man dann die „Wiederherstellung der landesfürstlichen Ge­walt" in Oesterreich durchführen. Die Form, in der sie erfolgen soll, ist folgendermaßen gedacht: Die einzelnen derzeitigen Bundesländer, deren oberste Verwaltungsstellen nach den neuen Lan­desverfassungen direkt oder indirekt von der Wiener Regierung des Herrn Dollsuß ernannt werden, sollen sich wieder an die Pragmatische Sanktion gebunden erklären und den rechtmäßigen Thronerben zur Ausübung seiner „landesherr­lichen Rechte" auffordern. Er würde diese Herr­scherrechte in den einzelnen Ländern unter den dafür bestehenden Titeln ausüben, und zwar als: Erzherzog von Oesterreich ob und unter der Enns, als Herzog von Steiermark, Körnten und Salz­burg, als gefürsteter Graf von Tirol und als Graf von Hohenems, Feldkirch und Vregenz usw. Vorläufig nicht beabsichtigt ist, die Gesamtheit dieser Länder dadurch zusammenzufassen, daß man dafür die gemeinsame Bezeichnung als Kaisertum Oesterreich wiederherstellt, weil diese Bezeichnung mit der geringen Ausdehnung des Landes in allzu starkem Widerspruch stehen würde. Unberührt hier­von bliebe die Tatsache, daß das jeweilige Ober­haupt den Kaisertitel als einen persönlichen, ihm kraft des kaiserlichen Patents vom 11. August 1806 zukommenden Titel tragen kann, ähnlich wie den Titel eines Königs von Jerusalem.

Soviel für heute. Wir werden in einem folgenden Aufsatz eine weitere Zahl von Einzel­heiten über die Absichten und Umtriebe des legi­timistischen Klüngels der Öffentlichkeit über­geben und damit die ungeheure Gefahr aufzeigen, die Oesterreich und ganz Europa von dieser Seite her drohen.

Wer Oesterreich und sein ill/ü-Millionen-Volk kennt, weiß, daß das Volk fast hundertprozentig den Habsburgern feindlich gegenübersteht. Es hat die traurige Rolle der Französin Zita, welche diese im Weltkriege spielte, nicht vergessen, und weiß, daß alles Unglück des deutschösterreichischen Volkes rm Weltkriege und nachher zum Großteil den Jntrigen dieser Französin anzulasten ist. Das deutsche Volk Oesterreichs wird sich mit aller Kraft und Entschlossenheit auflehnen gegen einen ihm aufgezwungenen, in welschem Geist erzogenen Jüng­ling, dessen Mutter nicht nur dem Blute, sondern auch ihrem bisherigen Verhalten nach Französin ist. Das Volk selbst hat nichts zu tun mit den dunklen Plänen der legitimistischen Reaktion. Es will eine deutsche Führung und ein freies deutsches Oesterreich, das allein der Garant des so not­wendigen Friedens ist.

Eine Restauration der Habsburger bedeutet nichts anderes als ein Chaos voll Blut. Die erste Folge einer Verwirklichung der Habsburger Pläne ist ein neuerlicher Bürgerkrieg, der noch weit größere Ausmaße und Opfer fordern wird als die marxistische Revolte im Februar. Die Kleine Entente, Jugoslawien, Rumänien und die Tschecho­slowakei, würden eine Habsburger Restauration in Oesterreich als einen gegen den Bestand ihrer Reiche gerichteten Vorstoß betrachten und mit bewaffneter Gewalt dagegen auftreten. Italien würde einen Einmarsch jugoslawischer und tsche­chischer Truppen in Oesterreich mit dem Marsch seiner eigenen Regimenter beantworten, und Oesterreich, unsere deutsche Heimat, wäre inner­halb weniger Stunden in ein Schlachtfeld fremder Mächte verwandelt.

Marxistische

Eisenbahn-Attentäter

Die haltlosen Verdächtigungen gegen die österreichischen Nationalsozialisten

Wien, 23. Mai.

Von amtlicher Seite verlautet, daß die poli­zeilichen Nachforschungen nach den Urhebern der zahlreichen Eisenbahnanschläge der letzten Tage bisher ohne jedes Ergebnis geblieben sind. Bis­her konnte noch keine einzige direkt mit den Eisenbahnanschlägen im Zusammenhang stehende Person verhaftet werden. Entgegen den zahl­reichen halbamtlichen Verlautbarungen liegen keinerlei stichhaltige Beweise vor, daß die Eisenbahnanschläge von national­sozialistischer Seite verübt worden sind. Sowohl die Auswahl der Orte, an denen die An­schläge ausgeführt wurden, als auch die technische Durchführung bei der Lockerung der Eisenbahn­schienen und der Anbringung der Sprengstoffe an den entscheidenden Stellen, insbesondere an den Brücken, zeigen, daß Fachleute am Werke waren. Da das Betriebspersonal der Eisenbahnen bis­her fast ausschließlich sozialdemokratisch organi­siert war und vielfach dem republikanischen Schutz­bund angehörte, da ferner in letzter Zeit die Bil­dung kleiner technisch ausgebildeter Terrorgruppen des republikanischen Schutzbundes bekannt gewor­den sind, neigt man immer mehr zu der Auf­fassung, daß es sich bei den Eisenbahnanschlägen um ein planmäßiges Vorgehen kommunistischer Gruppen handelt. Den­noch wird von feiten der Behörden planmäßig in der Öffentlichkeit der Eindruck hervorgerufen, als ob es sich hierbei nur um eine neue national­sozialistische Anschlagswelle handeln könne.

Entgegen den Verlautbarungen, nach denen 70 Nationalsozialisten in den letzten Tagen als

Geiseln verhaftet und nach dem Konzentrations­lager Wöllersdorf überführt worden sind, wird jetzt bekannt, daß mindestens 120 Natio­nalsozialisten verhaftet wurden, ohne daß ihnen auch nur im geringsten Maße eine Be­teiligung nachgewiesen werden konnte. Unter den verhafteten Nationalsozialisten befindet sich auch ein Bruder des früheren Gauleiters Frauenfeld.

Das Werk

kommunistischer Verbrecher

Wien, 23. Mai.

In einer amtlichen Mitteilung wird zum ersten Male von amtlicher Seite zugegeben, daß es sich bei dem Spengstoffanschlag, durch den, wie ge­meldet, in der Nacht zum 20. Mai in Braunau das Transformatorenhaus und der Reserve­wasserturm der Stadt schwer beschädigt wurden, um einen Anschlag kommunistischer Parteigänger handelt. Hierzu ist zu bemerken, daß es sich hier­bei um den schwersten Sprengstoffanschlag der letzten Zeit handelt, der zu einer schweren Sach­beschädigung führte. Es besteht in politischen Kreisen die weitverbreitete Annahme, daß die Welle der Sprengstoffanschläge auf ein von langer Hand vorbereitetes Vorgehen kommunistischer Terrorgruppen zurückgeführt werden muß.

In St. Peter bei Braunau verhaftete die Poli­zei sämtliche Mitglieder der NSDAP. und be­strafte sie mit Gefängnis von drei bis vier Wochen.

Erzherzog Eugen nach Wien abgereist

Basel, 23. Mai.

Erzherzog Eugen von Habsburg, der sich nach dem Zusammenbrach der Donau-Monarchie in Basel aufhielt, ist am Mittwochnachmittag nach Oesterreich abgereist, nachdem er die Einreise- erlaubnis erhalten hatte. Voraussichtlich wird er acht Tage in Wien verweilen und sich dann nach dem Sitz Gumpoldskirchen begeben.

Gauleiter Frauenfeld-Wien in München

München, 23. Mai.

Wie die Landesleitung Oesterreich der NSDAP. mitteilt, sind heute der Gauleiter des Gaues Wien der NSDAP., Alfred Eduard Frauen­feld, und der Eauinspekteur dieses Gaues, Neumann, in München eingetroffen.

Großfeuer in den Llnierweserorten

Holzhandlung und Sägern Külken in Flammen / Aus 22 Rohren das Feuer bekämpft

(vralltbsriollt unseres Loiresponäsntsn)

Wesermünde, 23. Mai.

Mittwochnachmittag brach in der Holz­handlung und Sägerei der Firma Külken ein Großfeuer aus, daß in der Sägerei seinen Ansang genommen hatte. Sämtliche Schup­pen und Holzlager sind ein Opfer der Flam­men geworden, doch konnte durch schnelles Eingreifen aller Feuerwehren das Feuer auf seinen Herd beschränkt werden. -Der Schaden dürfte sicherlich recht bedeutend sein, läßt sich aber noch nicht ermessen.

Infolge des starken Windes drohte das Feuer zeitweise alle Gebäude der Rheinstraße, und das städtische Elektrizitätswerk Geestemllnde zu erfassen. Außer den städtischen Feuerwehren von Bremerhaven und Wesermünde waren auch die Freiwilligen Wehren von Eeestemünde, Lehe, Wulsdori und Schiffbauerdamm sofort herbei­geeilt und bekämpften aus 22 Rohren das Feuer.

Auch die Marine-SA., der Freiwillige Arbeits­dienst in Stärke von ISO Mann, Hitler-Jugend und Sanitätsmannschaften wurden zur Be­kämpfung des Brandes eingesetzt. Gegen 7 Uhr abends war es nach vierstündiger vorbildlicher Zusammenabeit, den sämtlichen zur Hilfe herbei­gezogenen Organisationen gelungen, die Flammen auf den Brandherd zu beschränken.

Verbrannt sind sämtliche Holzlagerschuppen, eine große Reihe Holzstapel, das Kesselhaus, der

Schuppen mit den Holzbearbeitungsmaschinen, die Stallungen und eine frühere Autogarage des Städtischen Elektrizitätswerkes, in dem die NS.- Volkswohlfahrt gesammelte Sachen für das Hilfswerk „Mutter und Kind" aufbewahrte. Die Ursache des Feuers ist noch unbekannt.

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Auf dem Brandplatz am Holzhafen sah man u. a. Amtshauptmann Dr. Koch vom Bremischen Amt, die Oberbürgermeister von Wesermünde und Bremerhaven, sowie Regierungsrat Eebhardt. Trotz der tatkräftigen Bemühungen der Feuer­wehren, derSA., des FreiwilligenArbeitsdienstes. der Hitler-Jugend und eines Schutzpolizeikom­mandos war es nicht möglich, irgend etwas vom Sägewerk zu retten.

Auch der Kllhlturm des Elektrizitätswerkes wurde in Mitleidenschaft gezogen. Die Feuer­wehren mußten sich darauf beschränken, die um­liegenden Häuser zu schützen, und hatten über alle Maßen zu tun, das Kontorgebäude der Firma Külken. die angrenzenden Wohnhäuser der Rhein­straße und die in der Nähe befindlichen Holz­schuppen der Holzhandlung Figuth zu sichern.

Böige Nordwestwinde unterstützten das Feuer, das in den reichen Holzvorräten und aus­getrockneten Holzschuppen willkommene Nahrung fand. Unter größten Anstrengungen gingen die kühnen und hilfsbereiten Feuerwehrleute, der Gefahr nicht achtend, immer wieder gegen das mit rasender Schnelligkeit um sich greifende Feuer vor.

Zu allem Unglück drehte sich der Wind noch, und heftige, böenartige Westwinde trieben die

Flammen und Rauchwolken vor sich und bedrohten so die an der Rheinstraße liegenden Gebäude. An allen Ecken und Kanten der den Elektrizitätswerk anliegenden Gebäude begann das Feuer sich ein­zufrosten. Die ängstlichen Bewohner schleppten be­reits ihr Hab und Gut auf die gegenüberliegende Seite der Straße.

Als ein großes Glück ist es zu bezeichnen, daß dem Holzhafen das erforderliche Wasser entnom­men werden konnte. Auch aus den Hydranten gab ein zahlenmäßig starkes Schlauchnetz Wasser. D i e meisten Rettungsbemühungen kon­zentrierten sich auf das Elektrizi­tätswerk, das unter allen Umstän- .den von den Flammen verschont blei­ben mußte, um größeres Unheil für die Un­terweserstädte abzuwenden.

Die allmählich an Stärke nachlassenden Rauch­schwaden ließen erst nach Stunden die Größe der Katastrophe in aller Deutlichkeit erkennen. Von den vielen Gebäuden und Schuppen des Säge­werks standen nur noch das Nerwaltungshaus sowie zwei Schuppen und ein kleiner Backsteinbau der ehemaligen Firma Figuth. Der weite Platz bietet ein großes Fi^ld der Verwüstung.

Uebergrcisen des Eroßfcucrs aus das Schissdorser Gehölz

Wesermüude, 23 Mai.

Das am Mittwochnachmittag in der Holzhand­lung und Sägerei der Firma Külken in Wescr- münde-Keestemünde wütende Großfeuer griff in­folge des außerordentlich starken Windes auch aus das in der Nähe gelegene Echiffdorfer Gehölz über.

Wir kennen die Bulgaren als Front­kameraden aus dem Weltkrieg. Drauf­gänger waren es gewesen und mit allen sol­datischen Tugenden ausgezeichnet. Sie waren den fanatischen Serben ebenbürtig, wenn auch ihre Ausrüstung, da sie weniger reiche, große Freunde hatten als diese, viel zu wün­schen übrig ließ. Für das bulgarische Volk hatte das deutsche Volk immer schon Sym­pathien und es nimmt kein Wunder, wenn wir in Deutschland der innenpolitischen Ent­wickelung Bulgariens mit großer Anteil­nahme gegenüberstehen.

Das bulgarische Volk hat ebenso wie wir nach dem Weltkrieg eine harte Prllfungszeit hinter sich. Politische Morde waren an der Tagesordnung. Der Kampf, den die Par­teien untereinander um die Macht im Staate führten, steigerte sich allmählich ins Unerträg­liche. Nur einer war da, der ruhig in diesem brodelnden Hexenkessel blieb: König Bo­ris, jene männliche, volkstümliche Erschei­nung, die auch dem wildesten Parteischreier noch Achtung einflößte. Dieser König Boris hat heute den Schlußstrich gezogen und das Regiment der starken Faust in Bulgarien er­richtet. Seit sechs Monaten war der königliche Staatsstreich vorbereitet, so gut vorbereitet, daß selbst der bisherige Ministerpräsident vollkommen überrascht davon wurde.

Die Revolution „von oben" ist glatter von- statten gegangen, als ihre Väter es gedacht haben. Es hat sich dasselbe Bild wie damals im Frühjahr 1933 in Deutschland gezeigt: die schreienden Parteien verstummten vor der starken Faust, die ihnen entschlossene Männer der „Revolutionsregierung", wenn wir sie so nennen dürfen, unter die Nase hielten und die Parteizeitungen zeigen heute ein ängst­liches Kuschen und beteuern ihre Loyalität. Es wird also jetzt daraus ankommen, wie der tatkräftige König mit seinen neuen Männern es versteht, nicht nur die widerstrebenden Kräfte im Lande dauernd unter Wasser zu halten, sondern auch, daß diese Männer mit ihren Taten die Herzen des Volkes gewinnen können. Aber wir sind davon überzeugt, daß das arbeitsame bulgarische Volk gar bald merkt, wie dieser frische Wind, der allen per­sönlichen Egoismus, mit dem Korruption in jeder erdenklichen Form verbunden ist, Land und Volk gesund machen kann. Wir in Deutschland können am besten mit dem bul­garischen Volke fühlen, nachdem auch wir mehr als ein Jahrzehnt von den Parteien Zerschlagen worden sind. Auch wir haben jenen Kampf in unserem Lande erlebt, der um Ministersessel ging und wenn ein Ab­geordneter in Bulgarien kürzlich ausrief: „Lassen wir die Revolver entscheiden, wer am Leben bleibt, soll Minister werden", dann zeugen diese Worte dafür, welche Ver- zweifluntzsstimmung bereits in die Herzen der ehrlichen bulgarischen Patrioten einge­zogen war.

Große innenpolitische Reformen hat die neue Regierung angekündigt. Manche davon erinnern stark an unsere deutschen Reformen. Die Zahl der Ministerien ist von zehn auf acht herabgesetzt worden, Landkreise werden zusammengelegt und Gaue ge­schaffen, das Beamtenwesen wird einem gründlichen Umbau unterworfen (auch in Bulgarien schössen in dem letzten Jahrzehnt die Beamtenstellen wie Pilze aus der Erde) und Sparsamkeit soll von nun an höchstes Gebot der Stunde sein. Dafür wird der Be­kämpfung der zunehmenden Arbeitslosigkeit größte Aufmerksamkeit gewidmet.

Aus allen angekündigten Maßnahmen er­gibt sich, daß die neue Regierung sich schwere Aufgaben gestellt hat. Da nach vorliegenden Meldungen starke Trockenheit eine kom­mende Mißernte im Lande befürchten läßt, so geht erst recht die Regierung ernsten Zei­ten entgegen. Aber es ist besser, mit starker Hand und mit Vertrauen auf eigene Kraft durch solche Zeiten zu schreiten, als unter einer Parteienregierung, die den Kopf ver­loren hat. Jedenfalls kam der königliche Staatsstreich zum Glück des Landes noch fünf Minuten vor zwölf Uhr. denn die seit­herige innenpolitische Lage hatte auch den

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