Ausgabe 
(17.5.1934) Nr. 135
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M.1Z2/ 2. Vierteljahr

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Einzelpreis is Rpf.

Dir erstm Bildberichte von dem furchtbaren V-Zug-Llnglück

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An der LlnglückSsMtte

(Sonderbericht der „Bremer Zeitung")

Lri. Noch sind die Toten des Schlepper­unglücks in Bremerhaven nicht geborgen, und schon wieder trifft die Umgebung Bre­mens ein Unglück großen Ausmaßes. Gestern vormittag um 11,27 Uhr entgleiste der fahr­planmäßige Schnellzug v. 131 Bremen- Dresden kurz hinter dem Bahnhof Lang- wedel.

Das Unglück, das allem Anschein nach auf das zu schnelle Befahren einer Umbau st eile zurückzuführen ist, forderte bis jetzt drei Todesopfer, während die Zahl der Verletzten auf annähernd 20 geschätzt wird. Die Unglücksstätte selbst bietet ein trostloses Bild der Verwüstung. Die schwere Schnellzugslokomotive hat nach ihrer Ent­gleisung eine weite Strecke des Schienen- stranges aufgerissen. Wie Glasstäbe sind die eisernen Schwellen geknickt und zerbrochen. Die Maschine selbst liegt vollkommen zerstört auf der Böschung: in ihr eingeschlossen, und auch nach stundenlanger fieberhafter Schweiß- arbeit noch nicht geborgen, liegen der Lo­komotivführer Meinhard aus Halber­stadt und der Heizer Brzosk (oder Bro- zoska) aus Halberstadt. Vier Wagen des Schnellzuges, der Speisewagen, zwei Per­sonenwagen und ein Packwagen sind von dem Unglück betroffen. Wieder einmal hat sich aber die Stahlkonstruktion der deutschen U-Zugswagen bewährt, denn außer dem Speisewagen, der vollkommen zerstört ist, sind die anderen Wagen im wesentlichen nur ausgebrannt.

Auf die Nachricht von dem Unglück hin wurden sofort die Sanitätskolonnen in Ver­ben, sowie die Feuerwehr alarmiert. Die Ab- sperrmaßnahmen führten Mannschaften des Verdener Artillerie-Regiments Nr. 6 zusam­men mit der Bahnpolizei und der Landjäge­rei durch. Binnen kurzer Zeit war auch

ein Hilfszug aus Bremen

zur Stelle. In der Nähe wurden verschie­dene Verbandplätze eingerichtet, die Leicht­verletzten vorläufig in umliegenden Bauern­häusern untergebracht, während die schwerer Verletzten in das Krankenhaus von Verben überführt wurden.

Außer dem tödlich verunglückten Maschi- nenpersonal hat noch die Reinmachefrau Sonnewald aus Leipzig, die sich zur Zeit

des Unglücks im Speisewagen befand, den Tod gefunden. Im Speisewagen selbst waren zum Glück nur vier Gäste anwesend, die alle erheblich verletzt sind. Lebensgefahr be­steht jedoch nur bei dem Mitreisenden Kurt Paluszinski aus Berlin-Zehlendorf, der mit einem Schädelbruch und sonstigen schwe­ren Verletzungen im Verdener Krankenhaus liegt.

Die Verletzten

Die Namen der übrigen Verletzten sind: Bernhard Reiners, Bremen, Herbert Jaenichen, Berlin-Zehlendorf, Alfred Wrzask, Dresden,

Georg Pafany, Koch, Bovenitz, Elisabeth Meinig, Küchengehilfin, Dresden,

Anna Hegeler, Oldenburg, Margarete Hegeler, Oldenburg.

An der Unglücksstätte trafen im Laufe des Vormittags aus Bremen Senator Laue in Begleitung von Oberregierungsrat Dr. Pott sowie Sanitätsgruppenführer Dr. Brauneck zur Unterstützung der Hilfs­aktion mit SA.-Eanitätsmannschasten ein. Aus Berlin war im Sonderflugzeug der Präsident der R.eichsbahndirektion, Dr. Dorpmüller, herbeigeeilt. Außerdem waren an der Unglücksstelle anwesend, der Landrat des Kreises Verden, Dr. Weber, sowie Oberstleutnant von Seydelwitz, der Kommandeur der Reitenden Abteilung des 6. preußischen Artillerieregiments in Verden und der Standartenführer Chri­st e n s e n.

In stundenlanger mühseliger Aufräu­mungsarbeit bemühten sich die Rettungs­mannschaften, die Strecke wieder frei zu be­kommen. Mit zwei Lokomotiven wurden schließlich die Wagen auseinandergezogen. Trotzdem war es bis in die späten Abend­stunden nicht möglich, die Toten aus der Lokomotive, bei der Tender und Kessel voll­kommen ineinandergeschoben wurden, zu bergen. Die übrigen zerstörten Wagen wur­den schließlich mit automatischen Hebevor­richtungen gehoben und abgeschleppt. Das in den Wagen befindliche Gepäck konnte

zum größten Teil gerettet werden. Für den Abtransport der Verletzten standen der Reichsbahn binnen kürzester Zeit Kranken- und Personenwagen zur Verfügung. Die Aufrechterhaltung des Verkehrs geschah durch Umsteigebetrieb. Zurzeit wird noch e i n Kind aus Osnabrück vermißt, von dem man aber nicht weih, ob es inzwischen nicht bei den Eltern eingetroffen ist.

Em Augenzeuge derWet:

Ein Streckenarbeiter, der zur Zeit des Unglücks mit Ausbesserungsarbeiten unge­fähr fünfzig Meter von der Unsallstelle ent­fernt beschäftigt war, stellt uns folgenden Bericht zur Verfügung:

Zurzeit wird der Verkehr auf der Strecke nur eingleisig aufrechterhalten, da umfang­reiche Ausbesserungsarbeiten vorgenommen werden müssen. Es ist daher Vorschrift, daß

Berlin, 18. Mai.

Durch die beiden aufeinanderfolgenden Erlasse des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers ist nunmehr das Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung im Rohbau gestaltet. Das Bedeutsame an dem Erlag des Reichspräsi­denten ist darin zu sehen, daß durch die festgelegte Personalunion in der Leitung der Erziehungs­behörden Preußens und des Reiches der umfang­reiche, in jahrzehntelanger Arbeit angehäufte Er­fahrungsschatz des preußischen Kultusministeriums und die in diesem Ministerium seit der Macht­ergreifung geleistete schöpferische völkische Aufbau­arbeit der neuen Reichsbehörde zugutekommt.

Der Erlaß des Reichskanzlers gibt dem neuen Reichsministerium seinen lebensnotwendigen Inhalt, indem ihm die Hauptzuständigkeiten auf dem Gebiete von Wissenschaft und Hochschule, Schule und Erziehung überhaupt zugeführt werden.

Damit ist endlich, erstmalig in unserer Ge­schichte, die Möglichkeit einer einheitlichen Na- tionalerziehung der gesamten deutschen Lugend

die Züge die Baustelle mit stark verminder­ter Geschwindigkeit passieren.

Als kurz nach 11 Uhr der fahrplanmäßige Bremer Schnellzug herannahte, fiel uns- allen schon die abnorm hohe Ge­schwindigkeit auf. Kurz hinter unserer Arbeitsstelle ereignete sich dann das Un­glück. Unter ungeheurem Krachen sprengte die Maschine die Gleise und legte sich dann auf die Seite, während die darauf folgenden Wagen auf sie aufliefen. Wir liefen sofort zur Unglücksstelle und halfen, so gut wir konnten, den Reisenden aus den beschädig­ten Wagen. Einige mit dem Schrecken da­vongekommene Insassen des Zuges, darun­ter auch Aerzte, halfen mit, so daß es mög­lich war, die meisten Reisenden aus den Wagen herauszubringen, bevor diese anfin­gen, zu brennen. Die Rettungsmannschaften, Feuerwehr und rasch aus Verden herbei­geholte Reichswehr nahmen uns dann die weiteren Rettungsarbeiten ab.

von der Volksschule bis zum Akademiker im Prinzip gesichert. Ein bedeutsamer Schritt in der Entwicklung der Reichsreform!

Die Vetätigungsmöglichkeit der Länder wird durch die Schaffung des neuen Reichsministeriums nicht lediglich auf das Gebiet der Ausführung beschränkt sein, es ist vielmehr der ausdrück­liche Wille, des Reichsministers Rüst, bei der kommenden Reichsgesetzgebung alle schöpferischen Kräfte der Kultusministerien der Länder heran­zuziehen, um die dort in engerem Stammestum der Heimat und Landschaft gesammelten Erfah­rungen dem Eesamtwerke uneingeschränkt nutz­bar zu machen.

Das preußische Kultusministerium wird ver- waltungsrechtlich gegenüber dem Reichsunter­richtsministerium zunächst als selbständige Länderbehörde bestehen bleiben. Das Reichs­ministerium für Wissenschaft. Erziehung und Volksbildung wird aber nicht zusammenhanglos über dem preußischen Kultusministerium schweben, sondern die organische Verbindung, die durch die

Personalunion des Reichsministers Ruft als Chef beider Behörden vorgezeichnet ist, weiter ver­tiefen. Ueber die Organisation und den Arbeits­plan des Reichsministeriums für Wissenschaft, Er­ziehung und Volksbildung können heute einzelne Richtlinien selbstverständlich noch nicht bekannt­gegeben werden.

Ausnahmezustand in Lettland

Riga, 16. Mai.

Amtlich wird bekanntgegeben: In Anbetracht der Gefahr, daß innere Unruhen im Staate ent­stehen könnten, welche die Sicherheit der Einwoh­ner bedrohen, wird über ganz Lettland für sechs Monate der Ausnahmezustand verhängt. Der Ausnahmezustand trat in Riga am 18. Mai um 23 Uhr in Kraft, im übrigen Lettland am 16. Mai um 1 Uhr morgens. Allen Einwohnern, den Kriegs- und Selbstverwaltungsbehörden ist vor­geschrieben, sämtliche Pflichten ohne Widerspruch zu erfüllen, die ihnen durch die gesetzlichen Be­stimmungen über den Ausnahmezustand vom Jahre 1919 auferlegt werden. Diese Verfügung ist gezeichnet vom lettländischen Ministerpräsidenten Ulmanis und vom lettländischen Kriegsminister General Valodis.

Der llebergang zur autoritären Staatsführung hat sich einstweilen in aller Ruhe vollzogen. Wie vorläufig noch unbestätigt verlautet, sollen in der Nacht der marxistische Parlamentsprästdent Dr. Kalnin und sein Sohn, der berüchtigte deutsch-feindliche Marxistenhetzer Bruno Kal- nin, verhaftet worden sein.

Die lettländische Telegraphen-Agentur gibt noch ergänzend u. a. bekannt: Zur Durchführung der notwendigen Maßnahmen und zur Aufrecht­erhaltung der Sicherheit und Ordnung wurden noch in der Nacht von Diensrag auf Mittwoch außer der Polizei die Schutzwehr und Teile der Rigaer Garnison eingesetzt. Eine Reihe von öffentlichen Gebäuden wurde besetzt, auch das Parlament wird von Militär bewacht. Die Bahn­höfe, die Post, die Telegraphen- und die Tele- phonämtcr sind besetzt. Der Telephon- und Tele- graphen-Verkehr war von l2.36 Uhr nachts bis b Uhr morgens unterbrochen. In den Straßen Rigas sieht man bewaffnete Patrouillen von Polizei und Militär, auch Panzerwagen fahren durch die Stadt. Eine größere Aktion wurde vom Militär im Bezirk des marxistischen Volkshauses durchgeführt. Auf diesem Hause sah man zum ersten Male statt der roten Marxistenfahne die rotweißrote lettländische Staatsflagge wehen.

Einheitliche Nationalerziehung der deutschen Jugend