Ausgabe 
(13.6.1934) Nr. 161
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Üas amUiche flrgan des Senats

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Nr. 161 / 2. Vierteljahr

Mittwoch. 13. Zum

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Abitur schon in Unterprima

Berlin, 12. Juni.

2m Zusammenhang mit der soeben abgeschlos­senen Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure in Trier wird, wie das vck^-Büro meldet, nachträglich der Wortlaut einer bedeut­samen Ansprache bekannt, die der Führer der Deutschen Studierenden, Dr. Staebel, über die Er­ziehung und fachliche Ausbildung der Studieren­den gehalten hat. Dr. Staebel unterstrich die Notwendigkeit einer Reform an den deutschen Hochschulen. Dabei hob er hervor, daß das Vor­recht des Studierens durch Verdienste an der All­gemeinheit erworben werden müsse. Diese Der- dienste könnten in der HJ, SA oder dem Ar­beitsdienst erlangt werden. Jedenfalls muffe der junge Student durch den Eemeinschaftsdienst gehen.

Die Frage, wie man den akademischen Nach­wuchs beschränke, um das akademische Proletariat nicht ins Unendliche wachsen zu lassen, hänge von der Wiederherstellung der Achtung vor der Hand­arbeit ab. Den Plan, das Abitur bereits in der Unterprima ablegen zu lassen und in der Ober­prima das politische Schuljahr einzuführen, hält Dr. Stabel für den einzigen Weg, um an Hand der wissenschaftlichen Leistung und der Bewährung im politischen Schuljahr die Hochschulreife zu er­teilen. Dadurch würde man erreichen, so sagte er, daß die Studierenden im Gegensatz zu heute nicht soviel Zeit auf der Hochschule selbst durch SA.- Dienst usw. verlieren.

Die politische Schulung auf den Hochschulen an­dererseits könne nicht in Massenorganisationen durchgeführt werden; dazu brauche man vielmehr die kleinen Erziehungsgemeinschaften, die Korpo­rationen. Da der Nationalsozialismus keine Ho­rizontal-, sondern nur «ine Vertikalgliederung an­erkenne, müsse der Weg lauten: Zurück zur Kor­poration, aber weg vmn Verband. Die Reform der Technischen Hochschulen sei unmöglich ohne Reform der Technischen Fachschulen und des gesamten Mit- telschulstudiums.

Frankreich zahlt nicht!

Paris, 12. Juni.

Am Dienstagvormittag beschäftigte sich der Mi­nisterrat unter dem Vorsitz des Präsidenten der Re­publik mit der Frage der am 15. Juni fällig wer­denden Schuldenzahlung an die Vereinigten Staaten. Nach einem Bericht des Außenmini­sters Varthou hat die Regierung, wie voraus­zusehen, beschlossen, keinerlei Zahlung zu leisten.

Deutscher Vroteftschritt in Madrid

„Ganz Spanien schließt sich diesem Protest an"

Der deutsche Botschafter in Madrid hat am Dieustagmittag dem spanischen Unterstaatssekre- tär im Außenministerium — der stellvertretende Außenminister befindet sich bei den Flottenmanö­vern — eine Protestnote überreicht und Genug­tuung für den Ileberfall auf die deutsche Kolonie gefordert. Der llnterstaatssekretär brachte sofort das Bedauern der spanischen Regierung sowie sein eigenes über den Vorfall zum Ausdruck. Wie verlautet, ist in diesem Zusammenhang auch von einer Aktion gegen die bürgerliche und marxisti­sch« Hetzpresse gesprochen worden, die gerade jetzt wieder die Forderung auf Freilassung von Thiil- manu zum Borwand nimmt, in geradezu unerhör­ter Weise Deutschland anzugreifen. Es ist anzu­nehmen, daß die von der Regierung verhängte Pressezensur ihr die Gelegenheit geben wird, solche Auswüchse künftig zu unterbinden.

Die deutsche Kolonie hat der Madrider Presse eine Erklärung über den Vorfall übergeben, der auch von den seriösen Zeitungen gebracht worden ist. Darin wird festgestellt, daß der Akt des roten Terrors auf die Hetzarbeit der hiesigen Links­presse zurückzuführen sei; das eigentliche spanische Volk verdamme diesen Terror ebenso, wie das die Deutschen selbst täten. Die größte Madrider Zeitung, das konservative ABC sagt dazu in seinem Kommentar: „Ganz Spanien schließt sich diesem Protest an und erneuert seine Wert­schätzung für diese Kolonie."

Goebbels

fliegt heute nach Warschau

Warschau, 12. Juni.

Reichspropagandaminister Dr. Goebbels wird Mittwoch nachmittag auf dem hiesigen Flugplatz erwartet. In seiner Begleitung werden sich vier leitende Beamte des Propagandaministeriums und sechs deutsche Journalisten befinden, darun­ter der Vorsitzende des Reichsverbandes der Deut­schen Presse und Hauptschriftleiter beim „Völki­schen Beobachter", Weiß.

Graf Zeppelin in Vernambuco gelandet

Nach einem bei der Hamburg-Ainerika-Linie eingegangenen Funkspruch ist das Luftschiff „Graf Zeppelin" am Dienstag um 11 Uhr in Pernam- buco gelandet. Es hat die etwa 8000 Kilometer lange Strecke in 2l4 Tagen zurückgelegt.

Das Luftschiff wird am 19. Juni wieder in Friedrichshafen sein. Am 23. Juni wird es zu seiner dritten diesjährigen Südamerika-Fayrr starten, die ausnahmsweise bis Buenos Aires

Der neue Horft-Wessel-prozeß

Beginn Ser HauptverhanSlung / Vernehmung der Angeklagten

Berlin, 12. Juni.

Zu Beginn der Hauptverhandlung im neuen Horft-Weffel-Prozeß, die unter Publikumsandrang stattfindet, werden zunächst die Personalien der Angeklagten festgestellt. Es stellt sich dabei her­aus, daß der Angeklagte Stoll schon einmal wegen Sittlichkeitsverbrechens, der Angeklagte Ziegler bereits 13mal wegen Betruges und Diebstahls vorbestraft ist. Für die Verhandlung find von der Staatsanwaltschaft 20 Zeugen be­nannt worden. Außerdem ist ein Sachverstän­diger geladen. Zunächst wird der Angeklagte Stoll vernommen.

Vorsitzender: Angeklagter Stoll, wollen Sie sich zu der Anklage erklären.

Angeklagter Stoll: Ich kam im Jahre 1925 nach Berlin und geriet eines Tages in das kommuni­stische Verkehrslokal von Vaer in der Dragoner­straße. Nachdem ich eine Weile dort verkehrt hatte, trat ich der „Sturmabteilung Mitte", einer getarnten Organisation des verbotenen Rot-Frontkämpferbundes, bei. Am Tage der Tat nahm ich an einer Versammlung in dem Lokal von Baer teil. Plötzlich kam der Kommunist Ju- nek ins Vereinszimmer und sagte zu Max Jam- browski: Komm doch mal raus, eine Frau will Dir sprechen". Aus Neugierde will der Ange­klagte Stoll hinterher gegangen sein und hörte, daß die Frau — es handelt sich um Frau Salm, die Wirtin Horst Weffels — von Jambrowski verlangte, daß ein „Nazimann" aus ihrer Woh­nung befördert werden sollte. Der Angeklagte bekundete dann weiter, daß er zusammen mit Junek in ein anderes Lokal ging und dort hörte, wie Junek nach „Ali" fragte. Was Junek dann verabredete, habe er, der Angeklagte, nicht hören können, weil er abseits gestanden habe.

Vorsitzender: Ich denke, Sie sind gerade aus Neugierde mitgegangen, da ist es doch merkwür­dig, daß Sie sich abseits stellten. Sehr glaubwürdig ist das nicht, was Sie hier erzählen.

Angeklagter Stoll: Als wir wieder in das Lokal von Baer zurückkehrten, fragte Jambrowski: Kom­men sie? Junek bejahte diese Frage. Wir verließen dann das Lokal und ich ging aus Neugierde und Dummheit hinter den anderen her. An einer Straßenecke erhielt ich die Anweisung, stehen zu bleiben. Jambrowski sagte zu mir: Hier paßt du auf, wenn die Polizei kommt, mußt du pfeifen. Die anderen gingen dann weiter.

Vorsitzender: Lügen Sie doch nicht so unver­

schämt; Sie sind doch nicht so dumm, wie Sie hier zu scheinen versuchen.

Angeklagter Stoll beteuerte, daß er keine Ah­nung von dem Mordplan gehabt habe. Er vertei­digte sich immer damit, daß er aus Dummheit in die Sache hineingekommen sei.

Vorsitzender: Wenn Sie sich unschuldig fühlten, warum haben Sie dann im August des vorigen Jahres einen Selbstmordversuch begangen?

Angeklagter Stoll: Es tat mir leid, daß ich in eine solche Sache aus Dummheit hineingekommen bin. Ich habe mich geschämt wegen einer so lum­pigen Sache.

Vorsitzender (sehr erregt): Das nennen Sie eine lumpige Sache! Sie sind hier als Mörder ange­klagt, machen Sie sich das klar. Das ist ja ganz unglaublich.

Der nächste Angeklagte, Salti Ep stein, hat ebenfalls« in dem kommunistischen Verkehrslokal von Vaer in der Dragonerstratze verkehrt und

war gleichfalls Mitglied der kommunistischen „Sturmabteilung Mitte". Am 14. Januar, dem Tage der Mordtat, will Epstein beobachtet haben, daß zwischen Junek und Jambrowski geheimnis­volle Dinge verhandelt wurden. Als mehrere Kommunisten dann das Lokal verließen, will er hinterher gegangen sein, angeblich aber nur. um einen Freund in der Weberstraße aufzusuchen. Hier hält ihm der Vorsitzende vor, daß diese An­gabe eine Lüge sein mutz, weil dieser Freund in der fraglichen Zeit gar nicht in seiner Wohnung anzutreffen war, sondern im Tegoler Gefängnis eine Strafe abmachte. Der Angeklagte blieb aber dabei, daß er von dem Mordplan und der Tat selbst nichts gewußt habe. Dem steht seine An­gabe in der Voruntersuchung entgegen, wo er zugegeben hat, daß er von Rücker aufgefordert wurde, zu pfeifen, wenn Polizei kommen sollte.

Der dritte Angeklagte, Ziegler, war im Lokal von Baer angestellt. Am 14. Januar sei Frau Salm, die Wirtin Horst Weffels, ins Lokal gekommen und habe «inen Führer der Sturm­abteilung sprechen wollen. Ziegler will kein In­teresse an der Angelegenheit, die er angeblich als eine Mietstreitigkeit ansah, gehabt haben. Trotz dieser Interesselosigkeit auf der einen Seite ist er jedoch von Neugierde geplagt worden, als mehrere Kommunisten, darunter der Mörder Ali Hohler, das Lokal verließen. Er sei hinter ihnen her­gelaufen, um zu erfahren, was vor sich gehen sollte. Vor dem Hause Horst Weffels seien schon mehrere Kommunisten versammelt gewesen. Ziegler selbst will es mit der Angst zu tun bekommen haben, als er merkte, daß eine große Sache „steigen" sollte. „Nur zum Schein" sei er mit ins Haus gegangen. Später habe er sich heimlich gedrückt und sei ins Lokal von Baer zurückgegangen.

Dort ermähnte Jambrowski die Genossen, den Mund über die Sache zu halten; einem Verräter würde es genau so gehen, wie Horst Messe!. Ziegler behauptete, in diesem Augenblick den Namen Horst Weffels zum ersten Male gehört zu haben.

Vorsitzender: Wollen Sie uns wirklich glauben machen, daß Sie als Mitglied der kommunistischen Sturmabteilung im Januar 1930 nichts gewußt haben, wer Horst Wessel, der bekannteste Sturm­führer der dortigen Gegend, war?

Der Angeklagte bleibt bei seiner plumpen Lüge und will erst am anderen Tage von dem Mord in der Zeitung gelesen haben.

Sodann wurde in die

Beweisaufnahme

eingetreten.

Dann wurde die Vermieterin, bei der Horst Wessel zuletzt gewohnt hat, die Witwe Elisabeth Salm, aus der Schutzhaft vorgeführt. Sie ist im ersten Prozeß im September 1930 zu II 2 Jahren Gefängnis verurteilt worden und hat ihre Strafe inzwischen verbüßt.

Bei ihrer Vernehmung war die Zeugin sehr vorsichtig und zurückhaltend. Sie gab erst dann der Wahrheit etwas mehr die Ehre, als der Vor­sitzende ihr das Urteil des ersten Prozesses vor­hielt. Nach ihrer Bekundung ist Horst Wessel im Oktober 1929 zu ihr gezogen. Im Januar 1930 kam es zu Mietsstreitigkeiten und sie ist in das Lokal von Baer gegangen, um einen Bekannten

Verzweifelte Stimmung in Oesterreich

Ungeheure Beunruhigung und Erregung der Bevölkerung

Tage verantwortlich zu machen. Heute sollen wei­tere Standgerichtsverfahrcn stattfinden, die zu­nächst noch vor dem Standgericht in Wien ver­handelt werden Der Sicherheitsdirektor von Salzburg, Dr. Scholz, ist zurückgetreten und durch den Gendarmerie-Oberst Vechinie, dem Sicherheitsdirektor von Arlberg vorläufig er­setzt worden.

Wien, 12. Juni.

In Regierungskreisen ist man heute mittag der Ansicht, daß oie Terrorfälle und Anschläge, die am Sonnabend eingesetzt hatten, im Abschwellen begriffen sind.

In der letzten Nacht hat sich aber wieder eine Reihe von Anschlägen ereignet, so aus das Gleis der Westbahnstcecke. Es kam hier nur zu einer kurzen Unterbrechung des Eisenbahnver­kehrs. In Schcibs (Niederösterrcich) wurde in der Nacht ein Leitungsmast gesprengt. In dem Abort des Westbahnhofs explodierte heute eine Bombe. Die Beunruhigung und Erregung der Bevölkerung ist zurzeit außerordentlich groß, ob­wohl von der Regierung ununterbrochen neben der Einführung des erweiterten Standgerichtsoer- fahrens neue, schärfste Abwchrmaßnahmen ange­kündigt werden und die Bevölkerung überall zur Selbsthilfe aufgerufen wird.

In Regierungskreisen fürchtet man besonders, daß die Ereignisse der letzten Tage oen bereits eingetretenen Rückgang des Fremdenverkehrs noch weiter verschärfen werden. In der Presse wird die Offensive gegen die nationalsozialistische Be­wegung jetzt auf der ganzen Linie weiter fortge­setzt. Mit allen Mitteln sucht man die National­sozialisten allein für die Terrorakte der letzten

Sucht Fey internationale Hilfe?

Budapest, 12. Juni.

Der österreichische Sicherheitsminister Fey ist am Dienstag in Begleitung des Hofrates Hantsch und des Eendarmeriemajors Wra­tz e l hier eingetroffen. Auf dem Bahnhof wurde er u. a. vom Minister des Innern und dem öster­reichischen Gesandten begrüßt. Am Nachmittag gab Fey dem Reichsverweser seine Karte ab und suchte Ministerpräsident Eömbös auf. Abends erfolgte im Ministerium des Innern ein Essen und ein Empfang. Am Dienstag findet eine Beratung Feys mit dem ungarischen Minister des Innern über die aktuellen Probleme statt. Bundeskanzler Dollfuß trifft am Dienstag in Budapest ein, um in der Eröffnungssitzung des internationalen Landwirtschaftskongreffes eine Rede zu halten.

ihres Mannes zu ihrer Anterstützung zu holen. Als sie dort von dem Streit erzählte, sagte plötz­lich Max Jambrowski:

„Das ist ja der langgesuchte Horst Wessel!"

Darauf begleiteten mehrere Kommunisten die Salm in ihre Wohnung. Die Zeugin will aber nicht gewußt haben, was diese ihr zum Teil Un­bekannten dort gewollt hätten; sie habe sich nicht besonders um sie gekümmert, sondern — Kaffee gekocht.

Vorsitzender: Eine rührende Geschichte, die Sie uns hier erzählen! Denken Sie denn, wir glauben Ihnen, wenn Sie uns vormachen wollen, daß Sie Kaffee kochten, während nebenan Ihr Mister niedergeschossen wurde?

Die Zeugin will sich dann, nachdem Horst Wessel niedergeschossen war, um ihn gekümmert haben, nachdem die kommunistischen Mörder eiligst die Wohnung verlassen hatten. Horst Wessel verlangte nach Wasser und forderte sie auf, die Polizei zu verständigen und einen Arzt zu rufen. Außer­dem bat er um seine Papiere. Wenige Minuten später, als sie gerade einen Arzt hätte rufen wollen, trafen die Kameraden Horst Weffels ein.

Im Verlauf der weiteren Verhandlung wurden die drei Gebrüder Jambrowski aus der Schutzhaft als Zeugen vorgeführt, die bereits im ersten Horft- Weffel-Prozeß abgeurteilt worden waren. Der Zeuge Max Jambrowski gibt zu, nach der Mord­tat im Lokal von Baer seine Genossen aufgefordert zu haben, den Mund über das Geschehene zu halten. „Einem Verräter werde es genau so er­gehen, wie Horst Wessel." Im übrigen will dieser Zeuge nichts von dem Mordplan gewußt haben. Man sei nur deshalb in die Wohnung Horst Weffels gegangen, um die Streitfrage in einer Auseinandersetzung zu klären, die zwischen Frau Salm und ihrem Mieter Horst Wessel bestehen solle.

Vorsitzender: Und darum drangen 15 Kommu­nisten abends um 10 Uhr in die Wohnung Horst Weffels ein?

Bezeichnend sind die Angaben des Angeklagten, die er über seine „Instruktionen" macht, die er von Rechtsanwalt Löwenthal von der Roten Hilfe im Untersuchungsgefängnis nach seiner Ver­haftung erhielt. Löwenthal habe ihm geraten, die ganze Sache auf das unpolitische Gleis zu schieben. Er sollte sagen, daß zwischen Ali Höhler und Horst Wessel ein Streit wegen eines Mäd­chens entstanden sei, der zu der Tat führte. Der Zeuge bekundet weiter, daß lange Zeit nach der Tat der jetzt angeklagte Epstein zu ihm gesagt habe: „Ich bin nur froh, daß man mich damals nicht mit verhaftet hat." Der Zeuge Willi Jam­browski bekundete, nach der Tat sei Ali Höhler mit dem Rufe die Treppe heruntergestürzt: „Er­ledigt! Türmt!"

Als der Zeuge seine weiteren Aussagen sehr zurückhaltend macht, weist ihn der Vorsitzende energisch darauf hin, daß es noch heute möglich sei, ihn wegen Begünstigung unter Anklage zu stellen, wenn er durch seine Aussage die Schuldi­gen decken wolle. Erst auf diesen deutlichen Hin­weis bequemte sich der Angeklagte zu näheren An­gaben.

Am Mittwoch wird die Beweisaufnahme fort­gesetzt werden.

Neue Gprengstoffexplofion

Wie die „Oesterreichische Abend-Zeitung" mel­det, wurde Dienstag früh auf die Strecke der Ost­bahn ein Sprengstoffanschlag verübt; durch die Sprengwirkung wurden die Schienen aufgerissen. Der Anschlag erfolgte auf jener Bahnstrecke, die Sicherheitsminister Fey aus seiner Reise nach Budapest benutzen mußte. Die Vermutung liegt nahe, daß dieser Anschlag der Person des Sicher­heitsministers gegolten hat.

Ausdehnung

des Gtundgerichtsvekfahrens

Die Regierung veröffentlicht in der amtlichen „Wiener Zeitung" ein Bundesaesetz über die Er­weiterung des standgerichtlichen Verfahrens. Danach werden auch Verabredungen zu Spreng­stoff-Attentaten, die Verbindung zu solchen, selbst wenn die wirkliche Ausführung nicht vorge­nommen wurde, ferner die Herstellung, Anschaf­fung, Bestellung oder Verbreitung von Spreng­stoffen mit der Absicht, ein Verbrechen zu begehen oder andere Personen mit diesen Mitteln'aus­zustatten, unter das Standrecht gestellt. Ferner werden neben dem Straflandesgericht Wien auch die Landesgerichte Graz und Innsbruck zu Stand­gerichten erhoben. Die Erweiterung des stand- gerichtlichen Verfahrens tritt sofort in Kraft. Unter die Zuständigkeit der Schnellgerichts soll nur eine beschränkte Anzahl von Verbrechen be­sonders gefährlichen Charakters fallen.

Gtaatsjugendtage

st. K. Bremen, 1ö. Juni 1934.

Wenn hartnäckiger Trotz vor einem Jahr so manchem Gegner des heutigen Staates ein überlegenes Lächeln abzwang, mit dem zum Ausdruck gebracht werden sollte, „ihr könnt ja doch machen, was ihr wollt, wir gehen unsere eigenen Wege", dann ist die­sen Dickköpsen gar oft von nationalsozia­listischer Seite entgegnet worden: „Wenn ihr auch nicht wollt, eure Kinder bekom­men wir bestimmt!" Und dann hat man in diesen Kreisen wieder darüber ge­lächelt, aber nach und nach ist dieses Lächeln aus den Lippen erstorben, denn die Kinder waren plötzlich auf der nationalsozialistischen Seite, und die alten Trotzköpse standen allein aus weiter Flur. Mochten sie selig werden in ihren alten verstaubten Anschauungen, die Jugend war revolutionär und sammelte sich dort, wo die deutsche Zukunft geschmiedet wurde. Und das hat gar nicht viel Anstren­gungen und Ueberredungskunst gekostet, weil die Jugend von selbst kam.

Mit verschwindend kleinen Ausnahmen ist heute die deutsche Jugend in der Hitler- Jugend organisiert, und dort wird ihr der Elementar-Unterricht als zukünftiger deutscher Volksgenosse, der einmal mitver­antwortlich sein soll sür das Gesamtschicksal der deutschen Nation, gegeben. Die Erziehung zur staatsbürgerlichen Pflicht muß aber über die freiwillige Unterordnung in der Hitler- Jugend hinaus noch verstärkt werden. Die deutsche Jugend muß wissen, daß Seele und Leib des deutschen Menschen im natio­nalsozialistischen Staate nur der großen Ge- meinschastsidee dienen können. Sie muß also noch mehr, als es jetzt schon der Fall ist, für diese Arbeit im Staate systematisch erzogen werden, sie muß so stark beeinflußt werden, daß ihr die nationalsozialistische Weltanschauung in Fleisch und Blut über­gegangen ist. Wir dürfen m unserer Jugend nichts anderes mehr als Nationalsozialisten sehen, jedes kleine Abweichen von dieser straffen Linie muß auch bei Feuerköpfen ausgeschlossen sein. Wir wollen eine fana­tisch überzeugte nationalsozialistische Jugend haben, die später einmal als verantwortliche Staatsbürger auch nicht das kleinste Zuge­ständnis an andere Richtungen duldet.

Aus dieses Ziel arbeiten heute der Reichs- jugendführer und der Reichserziehungs­minister hin. Der Anfang wird mit einer gründlichen Reform des deut­schen Schulwesens gemacht werden. Reichserziehungsminister Rüst hat dieser Tage vor der Münchener Lehrerschaft diese Fragen aufgerollt. Im einzelnen wird die klare Abgrenzung der Erziehungsberechti­gung zwischen Elternhaus, Schule und Staatsjugend durchgeführt werden. Schul­jahrbeginn, innere Reformen, äußere Ver­einheitlichung und Lehrerbildung sind einige der wichtigsten Punkte, die zur Erörterung stehen.

Es wird in diesem Zusammenhange da­von gesprochen, daß ein Tag der Woche — wahrscheinlich der Sonnabend — als Staatsjugendtag ausschließlich zur Verfügung des Reichsjugendsührers gestellt werden soll, so daß an diesem Tage Schule und Elternhaus mit ihren Ansprüchen an die Jugend zurückzustehen hätten. Die Ein­zelheiten werden jedoch erst später zu er­fahren sein.

' Durch den Staatsjugendtag wird eine Ent­wicklung gekennzeichnet, die man „Den Weg der Jugend in den Staat" nennen könnte, denn einmal kommt der Zeitpunkt heran, wo die jetzige Generation nicht mehr Träger des Staates ist, sondern selber den Staat repräsentiert. Mit der Einrichtung des Staatsjugendtages kommt der gemeinsame Wille der Reichsregierung und der Reichs- jugendführung zum Ausdruck, die Totalität der Hitler-Jugend für alle Zeiten zu sichern. Dieses Bekenntnis des NS.-Staa- teszurHitler-Jugend wird jegliches Mißtrauen der Jugendorganisation gegen­über unmöglich machen und zu der Folge­erscheinung führen, daß der Reichsjugend­führer in allernächster Zeit dem Führer die hundertprozentige Erfassung der deutschen Jugend in der Hitler-Jugend melden kann. Die HJ. wird dem Vertrauen des Staates dadurch gerecht werden, daß sie

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Der Gereke-Prozeß

Das neue belgische Kabinett

Die letzte Leiche aus dem „Merkmr"-Wrack geborgen

Kundgebung der deutschen Glaubens­bewegung