Ausgabe 
(9.6.1934) Nr. 157
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Nr. 15 ? / 2 . Vierteljahr

Sonnabend, s. Juni

Einzelpreis 15 Rps.

Bremens größtes politisches Ereignis

150 ooo Bremer hören Goebbels

Begeisterter Empfang

L.-R. Bremen, 8. Juni

Dr. Goebbels kommt! Das waren die Worte, die in Bremen wie eine Bombe einschlugen. End­lich! Schon lange ist es her, daß Dr. Goebbels, der Eroberer des roten Berlins, in unseren Mauern weilte. Das war damals noch, in der Kampfzeit. Damals 4—3000 Menschen dicht ge-

drangt in einem Raum und h.ute Zehntausende im Weserstadion. Dr. Goebbels hat Recht behal­ten. Damals rief er seinen SA.-Kameraden aus dem fahrenden Zug zu: „Bald komme ich wieder, aber dann als Reichsminister!" Und er hat Wort gehalten.

Fieberhafte Erwartung herrschte am gestrigen Freitag in Bremen. Die Angehörigen der Be­triebe hatten den Festanzug des deutschen Arbei­ters angelegt, um Dr. Goebbels zu empfangen. Immer größer wurde der Fahnenwald in der Stadt. Große Transparente in den Straßen rie­fen den Miesmachern zu: „Laßt ab von eurem Be­ginnen und reiht euch ein in die Volksgemein­schaft des neuen Deutschlands!" Dem Rufe, gegen S Uhr die Betriebe zu schließen, waren fast alle Betriebsführer gefolgt. Und so strömten aus sämtlichen Straßen die Gefolgschaften der ein­zelnen Betriebe dem Weserstadion entgegen.

Auf dem Flugplatz

Reges Leben herrscht auf dem im strahlenden Sonnenschein daliegenden Flughafen.

Das Flughafengelände selbst wird umlagert von Hunderten von Menschen. Doch am meisten ist die Jugend vertreten. Strahlenden Angesichts, mit Blumensträußen bewaffnet, warten sie auf das Kommen des Gauleiters von Berlin, Reichs­minister Dr. Goebbels. Ein Ehrensturm der SA. rückt auf und nimmt auf dem Flugplatzgelände Aufstellung. Kleine BDM.-Mädel Lauen sich am linken Flügel des Ehrensturms auf. Inzwischen treffen die Vertreter der bremischen Regierung, der Partei, der Behörden ein. Wenig später kommt die SA.-FLHrung Gruppe Nordsee. Die Spannung wächst. Ununterbrochen wird der Horizont nach dem Flugzeug abgesucht. Jetzt trifft Reichsstatthalter Röver ein.

Da kommt die Meldung: 2n zehn Minuten

trifft Dr. Goebbels ein. Dunkel färbt sich der Horizont. Ein Gewitter naht. Aber jetzt schiebt sich ein dunkler Punkt durch die Wollen. Das Flugzeug naht. Wenige Augenblicke ioäter er­füllt das Donnern der Motoren des gr ckzen Ver­kehrsflugzeugs die Luft. Die Spannung steigt zum Siedepunkt. Taschentücher werden geschwenkt und alles gerät in fieberhafte Bewegung. In eleganter Schleife senkt sich das Flugzeug zur Erde und rollt bis vor die Flughalle. Dr. Goeb­bels verläßt, umbraust von Heil-Rufen, das Flug­zeug. Kaum hat sein Fuß den Boden berührt, so umringen ihn schon frische deutsche Mädels und überschütten ihn mit Blumen.

Inzwischen hat am rechten Flügel der SA. eine Ehrenkompagnie der Schutzpolizei Aufstellung ge­nommen Unter den Klängen des Spielmann­zuges der Polizei schreitet Dr. Goebbels, begleitet vom Reichsstatthalter Röver, Kreisleitcr We­ge n e r , Senator Laue, dem Führer der Grup­pe Nordsee, Brigadeführer Raecke, die Fron: ab. Jetzt erreicht er den Ehrensturm der SA. Der Musikzug der SA. fällt ein. Unter den Klängen des Äadcnweilcr Marsches schreitet Dr. Goebbels die Fron: der SA. ab. Kaum befindet er sich bei den VDM.-Mädels, da hebt ein nicht endenwollendes Heil-Rufen an und Hunderte von

Hände recken sich ihm entgegen. Ein kleiner Pöks von drei Jahren kommt mutterseelenallein in SA.-Uniform auf Dr. Goebbels zu. In der Hand trägt er einen Blumenstrauß. Doch kein Ton ent­ringt sich seinen Lippen, Lächelnd reicht ihm der Minister die Hand und nimmt den Blumenstrauß entgegen. Dann begibt sich der Reichsminister zu dem auf ihn wartenden Wagen, um nach dem We­serstadion zu eilen. Sofort erzittert die Luft von dem Geknattere Hunderter von Motoren, und der Wagen des Reichsministers setzt sich rechts und links begleitet vom Motorsturm der SS. in Be­wegung. Ein endloser Zug von Automobilen rat­tert durch die Stadt. In allen Straßen stehen die Menschen, vor allem die Jugend, zu Tau­senden und jubeln ihm zu. Immer wieder muß sein Wagen halten, und Blumen über Blumen werden ihm übergeben. Ueberall recken sich Dr. Goebbels die Hände zum Gruß entgegen. In der Innenstadt wachsen die Menschenmassen zu Mau­ern, und die Heil-Rufe pflanzen sich mit den langsam durch sie Stadt fahrenden Wagen fort.

Äm Weserstadion

Fahne an Fahne weht über den Flaggen­masten. Immer mehr füllt sich die Tribüne. Dichte Menschenmassen quellen aus der Deichscharte hervor. Tausende und aber Tausende strömen über sämtliche Zugangswege zum Weser-Stadion. Im­mer unübersehbarer wird die Menschenmenge. Plötzlich vonnerr em großes Flugzeug über den Platz hinweg. Es muß Dr. Goebbels sein. Die anströmenden Massen bewegen sich schneller auf das Stadion zu. Jetzt marschieren mit klingen­dem Spiel die arbeitslosen Angehörigen der SA., geführt von Standartenführer Köwing auf. Einen weiteren Sturmbann führt Standarten­führer Clausen. Arbeitsdienst und PO. folgen. Ununterbrochen trifft Lastwagen auf Lastwagen aus der Umgebung ein. Alle wollen sie Dr. Goebbels sehen und hören. Immer noch wachsen die Menschenmassen. Schon ist die Tribüne über­füllt, die Kampfbahn mit Zehntausenden besetzt, aber noch immer strömen Tausende den Oster­deich hinunter. Tausende stehen auf dem Öfter-

Reichsminister

tritt vor das Mikrophon und führt, immer wie­der von stürmischem Beifall unterbrochen, etwa folgendes aus:

„Deutsche Volksgenossen und Volksgenossinnen! Als die nationalsozialistische Bewegung am SO. Ja­nuar des vergangenen Jahres die Macht antrat, hätte sie nicht die Möglichkeit, sich eine politische Erbschaft nach Belieben auszusuchen. Wir fanden einen fertigen Zustand vor, und zwar einen Zustand, der durch eine vierzehnjährige Bankrott­politik des Novemberregimes nahe vor der Kata­strophe stand. Es ist notwendig, auch heute noch immer darauf zu verweisen, denn nur in der Gegenüberstellung dessen, was wir vorfanden mit dem, was wir daraus gemacht haben, kann man erkennen, welche Erfolge die relativ kurze Zeit unserer Regierungstätigkeit schon aufzuzeigen hat. Das Reich befand sich damals in einem ver­zweifelten Zustand. Eine latente, unge­löste Krise lag über Deutschland. Die politischen Gruppen waren so widersinnig in ihrem Macht­bereiche verteilt, daß es schier unmöglich schien, zu einer endgültigen Lösung des innenpolitischen Problems in Deutschland zu kommen

Das Parlament war übervölkert von Dutzen­den von Parteien und Gruppen, im Wirtschafts­leben befehdeten sich Arbeitgeber- und Arbeit­nehmerverbände, im Reiche entfalteten die destruktiven Elemente ein Treiben, von dem die Wissenden voraussahen, daß es sehr bald schon zum geistigen und seelischen Bankerott des deut­schen Volkes führen mußte. Die Finanzen waren verwüstet, die Wirtschaft lief leer. Eine graue Verzweiflungsarmee von sieben Millionen Ar­beitslosen schritt in ehernem Marschtritt durch die Straßen der großen Städte. Rotmord trieb im feigen Dunkel der Nacht in den Großstädten sein Unwesen, und über dem Reiche stand das drohende Gespenst des ausbrechenden Bolschewis­mus. Es gab auch außer der nationalsozialisti­schen Bewegung keine Macht, die diesem Treiben ein Ende hätte setzen können.

Wenn nun heute so viele Kritikaster und Nörgler den Anschein zu erwecken suchen, die nationalsozialistische Bewegung habe sozusagen ohne ihr Zutun die Macht erobert, sie sei ihr ge­wissermaßen wie eine reife Frucht in den Schoß hineingefallen, so muß demgegen­über darauf verwiesen werden, daß wir vierzehn Jahre lang um die Macht gekämpst haben, daß wir in diesem Kampf unermeßliche Opfer an Gut und Blut bringen mußten, daß die besten Deut­schen für die Eroberung der Macht durch die nationalsozialistische Bewegung die beste Zeit ihresLebens mitten im Frieden dem Vaterland und der Nation zum

deich und lassen das grüne Gras völlig ver­schwinden.

Wohin man sieht, wogende Menschenmassen. Jetzt kommt der Wagen Dr. Goebbels durch die Deichscharte. Alles gerät in fieberhafte Be­wegung. Am Eingang des Weser-Stadions er­hebt sich tosendes Heilrufen, pflanzt sich über den ganzen Platz fort und wird als donnerndes Echo vom Osterdeich zurückgeworfen. Langsam bewegt sich Dr. Goebbels durch eine schmale Gasse hin­durch. Immer wieder muß er anhalten, um die sich ihm zu Hunderten entgegenreckenden, ja sogar den Weg versperrenden Hände zu ergreifen. Noch einmal durchbrausen Heilrufe die Luft. Dr. Goeb­bels betritt die Rednertribüne. Immer wieder bricht die Menge in Sieg-Heilrufe aus und der Jubel nimmt kein Ende. Reichsstatthalter Röver, ebenfalls stürmisch begrüßt, tritt vor und führt etwa folgendes aus:

„Ich eröffne die Kundgebung der NSDAP. Soeben komme ich mit meinem Parteigenossen Dr. Goebbels vom Flugplatz durch diese schöne Stadt. In den Straßen vom Flugplatz bis hierher standen die Mauern der Menschen. Das ist ein Beweis dafür, meine Volksgenossen, daß die Bewegung Adolf Hitlers mehr denn je das Volk erfaßt hat. 14 Monate sind vergangen, seitdem Adolf Hitler mit seinen Männern die Führung des Staatsschiffes übernahm. Für uns hier im Gau Weser-Ems ist es eine ganz besondere Freude, in dieser Stunde einen der besten Soldaten Adolf Hitlers, unseren alten Dr. Goebbels, unter uns zu haben, der wieder einmal, wie in der langen Zeit des Kampfes, zu uns sprechen will, er, der alte Revolutionär Dr. Goebbels. Wir heißen ihn herzlich willkommen in den Mauern dieser Stadt. Möge er heute abend die Genugtuung mit in die Hauptstadt des Reiches zurücknehmen, daß Adolf Hitlers Soldaten nach wie vor im alten Gleichschritt, im alten Marschtritt weiter kämpfen für das ewige Deutschland. Und so, mein lieber Parteigenosse, Gauleiter von Berlin, Reichsminister Goebbels, sprich hier zu uns. Wir begrüßen den alten Kämpfer mit einem dreifachen Sieg-Heil.

Nr. Goebbels

Opfer gebracht haben. Wir wußten, daß das Erbe, das wir übernahmen, schwer war. Wir aber trugen daran keine Schuld, denn niemand von uns war jemals Mitglied einer der System- parteien gewesen. Niemand von uns hatte jemals einem der vorher regierenden Kabinette angehört, niemand von uns gehörte zu den soge­nannten Prominenten des vergangenen Regimes. Ja, nicht nur das allein, wir hatten nicht nur keinen Anteil an der Politik des November-

angefüllt sein würde mit Sorge, Kampf und Entbehrung, und daß die Last der Verantwortung, die wir auf uns nah­men, nicht leicht sein könnte, und daß unsere Schulter vielleicht einmal darunter zusammen­brechen würde. Wenn wir aber trotzdem diese Erbschaft übernahmen, dann nur, um dem Volke zu dienen, und weil wir niemanden anderen sahen, dem wir die Kraft und die Intelligenz zu­trauten, aus diesem grauenvollen Chaos wieder einen Weg zu finden, der ins Freie führt. Wir haben uns auch nicht vorgedrängt, denn das, was wir in der Opposition getan haben, das stand damals jedem anderen ebenso frei.

Wir hatten auch keine besseren Chancen als die anderen, im Gegenteil, es gab in Deutsch­land große Parteiführer, Fürsten, Kronprinzen, Kommerzienräte, die uns voraus einen Namen und ein Vermögen hatten, die schon auf Grund dieses Namens viel eher und viel leichter das hätten tun können, was wir getan haben.

Als wir im November 1918 zusehen mußten, wie das Reich verfiel und in die Hände von Verbrechern und Deserteuren geriet, da hatten wir eigentlich auch erwartet, daß diejenigen, die ja immer behauptet hatten, sie seien von der Gnadensonne Gottes beschienen, uns diese Arbeit abgenommen hätten. Schließlich und endlich aber konnten wir nichtewigwarten, denn die Not des Volkes duldete keinen Auf­schub, und erst, als wir erkennen mußten, daß die ehedem regierende Schicht sich der Aufgabe des deutschen Wiederaufbaues nicht gewachsen zeigte, erst da traten wir in den Vordergrund. Das war nicht so einfach, denn wir hatten keinen Namen und hatten kein Vermögen, wir waren unbekannte Soldaten, Arbeiter und Studen­ten, und es stand uns nichts anderes zur Ver­fügung als unser Idealismus und der Glaube an unsere Sendung. Damit bewaffnet haben wir uns auf den Weg gemacht.

Das Recht zu keMfieren hat stets der Klügere

Gewiß, wir haben das Novembrrregime hart unter den Zahn unserer Kritik genommen, wir haben es nicht geschont, aber wir hatten das Recht, es zu kritisieren, wir waren in unserer Kritik nur die Wortführer des Volkes. Wenn man uns heute zum Vorwurf macht, daß wir unseren geschlagenen Gegnern nicht dasselbe Recht zubillige, das sie uns, als sie noch in der Macht waren, zugebilligt haben, so kann man doch nur zur Antwort geben:

Das Recht zum Kritisieren hat zwar der Klü­gere über den Dümmeren, aber niemals der Düm-

kiviolismiiiistor Or Oosbbsl?! keim .äkkebreitsn cksr lykrsnboinpugnio

MWG

Region:, sondern wir haben sie auf das Er­bittertste bekämpft.

14 Jahre lang sind wir dagegen Sturm gelaufen, hatten dafür alle Demütigung^.:, Ver­folgungen, öffentliche Diskreditierungen auf uns genommen, um der Wahrheit uno dem Volke zu dienen. Es kann uns also niemand vorwerfen, daß wir untätig ocm Verfall des deutschen Volkes ^zugeschaut hätten. Nein, wir konnten ohne pharisäisch zu erscheinen, vor oie Nation hintretsn und unsere Hände in Unschuld waschen. Wenn wir diese Erbschaft übernahmen, so gewiß nicht unserstwegen. denn wir wußten. Saß damit weder für uns noch illr das deutsche Volk eine Zei, der Freiheit. Schönheit und Würde anbrechen würde. Wir waren uns von vorn­herein darüber klar, daß unser Leben nun noch mehr als in der vergangenen Zeit

mcrc über den Klügeren, und daß wir klüger waren, das beweist der Erfolg, denn wir hatten ja gar nichts anderes als unsere Klugheit.

Wir hatten keinen Namen, kein Vermögen, keine Presse, keine öffentliche Meinung. Ja, wo­mit anders hätten wir denn siegen sollen als mit unserer Klugheit! Wenn die anderen nun noch klüger gewesen wären als wir, so hätte ihnen vermutlich doch ihre Klugheit Mittel und Wege in die Hand gegeben, um mit uns fertig zu werden. Wir haben sie zu Boden geworfen Nun sollen ab« nicht die, die vom Nooembe- l918 bis zum Januar 1933 unsichtbar blieben und nun mit einem Male wieder aus ihren Mause­löchern hervorgekrochen kommen, glauben, daß ''i-se 14 Jahre für sie gekämpst hätten

(Fortsetzung nächste Seite.)

Die Abrechnung

rh L. Bremen, S. Juni 1934.

Dr. Goebbels in Bremen! Vielleicht käme ein Berichterstatter auf die Idee, zu schrei­ben: Dr. Goebbels sei in Bremen wie ein König empfangen worden. Dr. Goebbels würde wahrscheinlich wenig Wert darauf legen, in einen solchen Vergleich gebracht zu werden. Aber als Mann des Volkes ist er in einer Form in Bremen gefeiert worden, wie sie nur wenig Ausgezeichneten zuteil werden kann. Selten hat man Bremen in einer deraraig erwartungsvollen Stimmung gesehen wie gestern nachmittag. So viel strahlende Gesichter auf den Straßen, so viel Flaggenschmuck, so viel Blumen, die Goeb­bels zugedacht waren, und so viel Liebe, die dem Minister in Bremen entgegenschlug — wahrhaftig, besser konnte sich Dr. Goebbels einen Empfang nicht vorstellen.

. . . Und dabei kam der Minister nach Bremen nicht etwa zu einem hochoffiziellen Staatsbesuch, sondern um der Gilde der Miesmacher und Nörgler gründlich den Kopf zu waschen. Also sozusagen in Kampfes­stimmung. Wie die Sonne über Gerechte und Ungerechte scheint, so hat auch Dr. Goebbels nicht mit ehrlicher Anerkennung für die Auf­rechten gekargt aber den Nörglern seine tiefste Verachtung ausgesprochen. Ganz gewiß war der Minister in Kampfesstimmung, aber im Unterton kam die grenzenlose Liebe und Opferbereitschaft für das deutsche Volk und die Sorge für das Wohl des Volksgenossen scharf genug zum Ausdruck. Der Minister ist auch nicht nach Bremen gekommen, um etwa eine Verteidigungsrede für die national­sozialistische Regierung zu halten. Das hat er gar nicht nötig gehabt, denn all' diese Nörge­leien, dieses Besserwissen, hinter dem kein Bessermachen steht, prallen ja von selbst ab an den glänzenden Leistchungen der Regie­rung in 14 Monaten. Gegen Miesmacher und Nörgler braucht man sich nicht zu verteidigen — diese Herrschaften tötet der Witz und ihre Lächerlichkeit. Man mußte es persönlich gestern erlebt haben, wie das Volk vor Bei­fall raste, als Dr. Goebbels mit witzigen Sätzen diese Sorte Menschen abtat. Und wenn solche Leute anwesend waren, dann hätte man sie nur zu fragen brauchen: „Kleiner Mann, was nun?..." Goebbels hat in Bremen nur nackte Tatsachen vorge­tragen, und gegen Tatsachen läßt sich schlecht anrennen. Aber dieses Vortragen von Tat­sachen mit einer geradezu brutalen Ehrlich­keit und Wahrheit hat auf die hundertfünf- zigtausend Menschen, die im Stadion ver­sammelt waren, den tiefsten Eindruck hinter­lassen. Dr. Goebbels kann sicher sein, diese 160 000 werden auch 300 000 Menschen über­zeugen.

Dr. Goebbels zeigte sich auch in Bremen wieder als der glänzendste Redner. Wie er -so dastand in der versinkenden Sonne, seine Hände spielen ließ, um Satz für Satz zu unterstreichen, wie es manchmal schien, als wachse dieser schmale, kleine Körper über sich selbst hinaus, wenn er seine helle, klare Stimme ausgoß in gerechtem Zorn über die Gegner der Nation, um im nächsten Augen­blick mit verschmitztem Lächeln und mit eiserner Ruhe denselben Leuten im Geist eine schallendeOhrseige zu versetzen, wenn re die Nörgler nachahmte mit ihrem langge­zogenen „Iaaaa!... Wenn aber usw.", wie sie es am Biertisch gewohnt sind, — dann war Dr. Goebbels in seinem Element. Und dann entstieg den Händen der 150 000 ein Beifallklatschen, das den Redner zwang, für halbe Minuten die Rede zu unterbrechen.

Dr. Goebbels kann recht boshaft sein. Bei­spielsweise gleich zu Anfang seiner Ausfüh­rungen beschäftigte er sich mit gewissen Kreisen, die der Bewegung gern deren Hal­tung in der Oppositionszeit im alten System zum Vorwurf machen. „Was wir in der Opposition getan haben," betonte Goebbels, „stand jedem frei, es selbst zu tun. Wir hatten auch keine Chancen. Es gab bei uns keine Kronprinzen, keine Kommerzienräte, keine Männer von Namen und Vermögen. Den anderen wäre es aber, da sie Namen und Vermögen ausweisen konnten, viel leich­ter gewesen, das zu tun, was wir getan haben. Die immer behaupten, so fuhr Goeb­bels fort, sie seien von der Gnadensonne Gottes beschienen, hätten eigentlich diese Ar­beit, die wir verrichtet haben, übernehmen müssen. Schließlich konnten wir aber nicht ewig auf sie warten, denn die Not des Vol­kes duldete keinen Aufschub mehr " - Und dann etwas später Goebbels befaßt sich mit dem Vorwurf, daß die Herrschaften heute - nicht mehr kritisieren können nach