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Nr. 156 / 2. Vierteljahr
Ab 1. Juli 1934
19 3 4
Freitag, 8.Juni
Vorläufige Einstellung des Devisentransfers
Wiederaufnahme erst dann, wenn Amerika den deutschen Warenbezug erhöht
Zeitung
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Anzeigen-Grundpreise: Die 22-mw-Zeile im Anzeigenteil 12 Rpf-, die 70-mm-Zeile im Textteil 7b Rps. Ermäßigte Grundpreise (für kleine Anzeigen, Familienanzeigen u. a.) sowie sonstige Bedingungen laut Preisliste 1. (Nachlatzstafsel O.) Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewähr. Annahmeschluß 18 Uhr.
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Einzelpreis is Rpf.
Heute spricht Goebbels in Bremen
Miesmacher und Nörgler, zittert!
Berlin, 7. Juni.
Das Institut für Konjunkturforschung stellt in feinem neuesten Wochenbericht zunächst nochmals die Lage dar, wie sie sich aus der Transferkonserenz ergeben hat.
Das Angebot, so heißt es, das die Reichsbank den ausländischen Gläubigern für die Mittel- und langfristigen Auslandsverschuldung gemacht hat, ist bisher nur von den englischen, französischen, schwedischen und amerikanischen Gläubigervertretern unter der Bedingung angenommen worden, daß andere Gläubigermächte nicht bevorzugt werden. Solange also die holländischen und schweizerischen Gläubiger auf ihrer ablehnenden Haltung beharren, dürfte das angebotene Verfahren schwerlich wirksam werden.
Wie aber auch die endgültige Entscheidung der Gläubigermächte ausfallen wird: schon jetzt steht fest, daß mit dem 1. Juli 1934 eine Unterbrechung des Zinsen- und Tilgungstranssers eintreten wird. Hierzu nötigt die Devisenlage der Reichsbank.
Für 1934 ist ein Defizit der Zinsen- UNd Handelsbilanz in beträchtlicher Höhe zu erwarten, dem entsprechende Aus» gleichposten nicht mehr gegenüberstehen. Die Einkünfte aus Dienstleistungen und Auslandsforderungen im laufenden Jahr dürften kaum mehr als die Hälfte des Defizits decken. Rückgriffe auf die Deckungsbestände sind nicht mehr möglich. Selbst wenn es gelingt, durch den ab 1. Juli eintretenden Zahlungsaufschub einen Ausgleich der Zahlungsbilanz herbeizuführen, dürfte doch eine Wiederaufnahme des Transfer praktisch erst dann möglich
sein, wenn die Ueberseeländer, namentlich die Vereinigten Staaten von Amerika, bereit sind, den Warenbezug a> Deutschland wesentlich zu erhöhen.
Eine Entwicklung, auf die Deutschland immer und immer wieder warnend hingewiesen hat, nähert sich ihrem Ende zu. Das deutsche Schulden- prohlem, das noch vor kürzern auf der Berliner Transferkonferenz Gegenstand eingehender und langwieriger Erörterungen war, ohne daß die Vertreter der Gläubigernationen unter dem Vorsitz des Amerikaners Leon Fräser die Vollmachten gehabt hätten, um die nötigen Folgerungen aus der Devisenlage der Reichsbank und der deutschen Zahlungsbilanz zu ziehen, ist keine Frage der Anerkennung eingegangener Schulden und ihrer Zinsverpflichtungen, sondern die einer, internationalen Handelspolitik, die aus dem Grund
satz, daß finanzielle Verpflichtungen ausschließlich durch Waren und Dienstleistungen abgedeckt werden können, den Gesetzen wirtschaftlicher Vernunft Rechnung trägt. Hierzu gehört vor allem die Niederreitzung überhöhter Zollmauern, mit denen sich vor allem die Vereinigten Staaten umgeben haben, um ihre einstmals laut gepriesene „stabilisierte Prosperität" aufrecht zu erhalten.
Die Transferkonferenz hat aus den oben erwähnten Gründen nur eine vorläufige Regelung bis zum ersten Juli gebracht, nachdem die angeblich von den bösen Deutschen versteckten Gold- und Devisenvorräte auch nach sorgfältigster Prüfung der von der Reichsbank vorgelegten Unterlagen und gegebenen Auskünfte nicht hervorgezaubert werden konnten.
Daß in-dieser Zwischenzeit von Beendigung der Transferkonferenz bis zu der Frist des 1. Juli keine neue Zusammenkunft stattfinden würde. — hierfür lagen nicht einmal die technischen Voraussetzungen vor — war jedem Einsichtigen klar. Inzwischen hatte die deutsche Regierung, die mit der Schweiz und den Niederlanden getroffenen Transferabkommen gekündigt, nachdem schon vorher in Berlin allseitiges stillschweigendes Einverständnis darüber geherrscht hatte, daß unsere Auslandsverschuldung keine Aufbringungs- oder Anerkennungsfragen auswerfe sondern solche der Uebertragung in Valuta der Eläubigerländer.
Deutschland hat seine Schuldverpflichtungen stets erfüllt,' ihre Umwandlung in Auslandswährung steht außerhalb unserer Kraft, über die hinaus nach einem römischen Sprichwort niemand gezwungen werden kann.
Die deutsche Wirtschaft kann, solange der Außenhandel lahmgelegt ist und auf größte Schwierigkeiten stößt, von denen der internationale
Währungswirrwarr nicht die geringste ist, seinen Auslandsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Das von früheren Regierungen mit ihren libe- ralistischen Tendenzen angewandte Mittelchen, das eine Loch mit dem anderen zu stopfen, und drückende Schulden mit neuen Kre
diten abzulösen, wobei die fallenden Rohstoffpreise den Ernst der Lage verschleierten, hat seinen Widersinn offenbart, währenddem die Gold- und Devisenbestände der Reichsbank auf einen geringfügigen Betrag zusammengeschmolzen sind und die auch für den bremischen Handel einschneidenden Bestimmungen über den Bezug ausländischer Rohstoffe getroffen werden mutzten, sollte die Währung nicht in Gefahr sein, ihren inneren Halt zu verlieren.
Ob sich der deutschen Ausfuhr in naher Zukunft offenere Türen öffnen werden, muß die Zeit lehren. Schon um ihrer Landwirtschaft willen werden vor allem aber die Vereinigten Staaten gezwungen sein, ihre überspannten Zollsätze zu ermäßigen und sich auf den Bezug deutscher Fertigwaren einzustellen. Präsident Rooseoelt, dem niemand mangelnde Entschlußfreudigkeit nachsagen kann, hat die Ermächtigung des Senats, die Zollsätze bis zu Hälfte herunterzusetzen und auf dieser Grundlage Handelsverträge zur „Förderung des internationalen Güteraustausches" abzuschließen. Die „Weltwirtschaft auf Krücken",
die sich bis heute nur mühsam fortschleppte, wartet auf die befreiende Tat, die neue Hoffnung erstehen läßt. Amerika hat die Pflicht, zu handeln.
s. s.
Keine Nückkehr Deutfchkanöö nach Gens
vor Verwirklichung der Gleichberechtigung
Berlin, 7. Juni.
Nachrichten zufolge, die in der ausländischen Presse in der letzten Zeit verbreitet werden, soll in Gens deutscherseits mit den Vertretern fremder Mächte über den Abschluß von Sicherheitspakten sowie über die Rückkehr Deutschlands zur Abrüstungskonferenz in Genf verhandelt worden sein.
Hierzu erfahren wir von unterrichteter Seite, daß diese Nachrichten nicht zutreffend sind. Deutschland habe keineVer- anlassung, seine bisherige Haltung zu ändern, da der Grund für das Ausscheiden Deutschlands aus der Abrüstungskonferenz nach wie vor fortbestehe. Für die Annahme aber, daß der Grund, der die Rsichsregis- rung zu ihrem Vorgehen veranlaßt habe, infolge der Genfer Vorgä. ge in Fortfall gekommen sei, sei kein Anlaß gegeben, zumal der französische Außenminister noch in seiner letzten Rede erklärt habe. die Haltung Frankreichs bleibe unverändert. — Diese läuft bekanntlich auf eine Verlängerung der Diskriminierung Deutschlands hinaus.
Es sei kein Zweifel darüber vorhanden, daß die Reichsregierung fest entschlossen sei, nach Gens nicht zurückzukehren, bevor nicht die Verwirklichung der deutschen Gleichberechtigung, so, wie sie sich aus Grund der deutsch-englisch-italieaischen Verhandlungen darstelle, sichergestellt sei.
20Z GfhgeflmSheßtsgerichte
Das Reichsgesundheitsamt gibt, wie das när- Büro meldet, bekannt, daß nach den Ausführungsverordnungen der Länder nunmehr allenthalben in Deutschland Erbgesundheitsgerichte und Erb- gesundheitsobergerichte gebildet und den Amts- bzw. Oberlandesgerichten angegliedert worden sind. Danach sind im ganzen Reichsgebiet 205 Erbgesundheitsgerichte und 31 Erbgefundheits- Obergerichte eingerichtet worden. Auf Preußen kommen 84 Erbgesundheitsgerichte und 13 Obergerichte, auf Bayern 24 bzw. ,4 aus Sachsen 7 bzw. 1, auf Württemberg 38 bzw. 1, auf Baden 18 bzw. 1, auf Thüringen 18 bzw. 1, auf Hessen 4 bzw. l' auf Mecklenburg 4 bzw. 1 und auf die Gebietsteile Hamburg. Oldenburg, Braunschweig, Bremen, Anhalt, Lippe, Lübeck und Schaumburg- Lippe je ein Erbgesundheits-Obergericht und Erb- gesundheitsgericht.
Militärputsch in Litauen
Woldemaras zum Ministerpräsidenten ausgemfen
Tilsit. 7. Juni.
Wie aus Kowno gemeldet wird, hat in der Nacht zum Donnerstag ein Militärputsch stattgefunden, der von den Anhängern des ehemaligen Ministerpräsidenten Woldemaras in Szene gesetzt wurde. Woldemaras wurde noch in der Nacht im Flugzeug von seinem Verbannungsort in die Nähe von Kowno gebracht. Er. wurde von seinen Anhängern zum Ministerpräsidenten ausgerufen und hält sich im Generalstabsgebäude auf. Das Militär hat die Macht in den Händen, die Behörden sollen jedoch aus feiten der Regierung stehen. Staatspräsident Smetona weigert sich, mit den Aufständischen zu verhandeln.
Wie aus Kowno weiter gemeldet wird, waren von zwei bis sieben Ilhr alle Behörden durch Militär besetzt. Ein dem Staatspräsidenten Smetona gestelltes Ultimatum ist am Mittag abgelaufen und offenbar verlängert worden. Welche Wendung die Entwicklung nimmt, läßt sich im Augenblick nicht sagen. Unter den Verhafteten soll sich auch der Gouverneur des Memelgebietes, Nawakas, befinden. Das Gerücht, wonach eine Anzahl von Ministern der Regierung Tubelis in Haft sei, konnte noch nicht bestätigt werden.
Das Straßenbild ist in den späteren Vormittagsstunden frei von Militär, das durchweg zurückgezogen worden ist. In der Stadt herrscht völlige Ruhe.
Noch völlig ungeklärte Lage
Tilsit, 7. Juni
Die Meldungen aus Kowno geben noch kein richtiges Bild von der Lage in den frühen Nachmittagsstunden. Es sind die widersprechendsten Gerüchte im Umlauf. So hieß es um die Mittagsstunde, es sei ein Kompromiß zustande gekommen, wonach Woldemaras die Regierung enff-bNeßlich des Autzenministeriums übernehmen würde. Später hieß es, daß Woldemaras mit dem Flugzeug wieder zurückgeschafft worden fei, daß aber die Regierung nicht gegen ihn vorgehen wolle, angeblich, weil das Militär ihn gegen seinen Willen nach Kowno gebracht habe.
Die Verbältnisse sind insofern undurchsichtig, als oie Flieger- und Tankabteilungen eindeutig für Woldemaras sind und die eigentlichen Träger des Militärputsches sein dürsten, während die anderen Waffengattungen zwar nicht gegen Woldemarar- "inge'tellt sind, sich aber doch r»m Teil abwartend verhalten. Die vielen in der Stadt schwirrenden Gerüchte lasten sich zurzeit auf ihre Richtigkeit nicht nachprüfen. Das Gebäude des Staatspräsidenten ist von dreihundert Mann besetzt. Wahrscheinlich
ist jedenfalls, daß Veränderungen innerhalb der Regierung bevorstehen, die den Forderungen des Militärs in irgendeiner Weise Rechnung tragen.
Kleine Zwischenfälls
Kowno, 7. Juni
Die litauische Telegraphenagentur Elta meldet: Diese Nacht wurde von der Kownoer Garnison ein Probealarm durchgeführt. In der Dunkelheit kam es beim Marsch der Truppenteile nach ihren Bestimmungsorten infolge von Mißverständnissen zu einigen Zwischenfällen, wobei Schüsse abgegeben wurden, die jedoch niemanden verletzten. Die Zwischenfälls wurden aufgeklärt.
Anschlag aus den früheren Ministerpräsidenten Berenguer
Madrid, 7. Juni.
In dem Orte Hernani bei Sän Sebastian wurde in der Nacht zum Donnerstag ein Anschlag aus den letzten Ministerpräsidenten der Monarchie, General Damaso Berenguer, verübt, der in Begleitung feines Bruders Fernando einen Straßenbahnwagen besteigen wollte. Die Kugeln der Syndikalisten verfehlten ihr Ziel und trafen den. Bruder des früheren Ministerpräsidenten, der sofort tot zusammenbrach. Die Täter find unerkannt entkommen.
b'. L. Bremen, 8. Juni 1934.
Als Dr. Goebbels vor Jahren in den Zeiten des Kampfes zum ersten Mal in Bremen gesprochen hatte, schrieb eine hiesige Zeitung: „. . . und das war ein sogenannter Prominenter der Partei!" Heute wird sie nicht mehr in diesem geringschätzigen Ton über Dr. Goebbels schreiben, und wenn man am Sonnabend -dieselbe Zeitung zu Gesicht bekommen wird, dürfte man erstaunt sein, wie dieser „sogen. Prominente" vergöttert werden kann. Heute sind es aber andere Leute, die da sprechen: „Nein, er gefällt mir nicht, dieser Dr. Goebbels!" Warum gefällt er ihnen nicht? Weil er so treffend die Wahrheit sagen kann und dabei vergißt, die Glacehandschuhe anzuziehen. Er ist kein Diplomat im üblichen Sinne, bei dessen Worten man erst zwischen den Zeilen lesen kann, was gemeint ist. Er handelt nach dem guten deutschen Grundsatz: Aussprechen, was man denkt! Das ist heute besonders wichtig, denn es gibt eine ganze Menge Leute, die eine sehr lange Leitung haben und die durchaus nicht die einfachsten Dinge begreifen wollen. Da muß eben etwas nachgeholfen werden und das dringt unser Dr. Goebbels glänzend fertig. Deshalb haben heute, davon sind wir überzeugt, manche Menschen etwas Herzklopfen. Dr. Goebbels wird in Bremen mit den Miesmachern und Nörglern ein recht ernstes Wort reden und für eine solche Aussprache sind diese Herrschaften nicht besonders aufgelegt. Am liebsten würden sie sich die Ohren mit Watte verstopfen oder für diesen Tag sich einen Aufenthalt auf einer einsamen Insel in der Südsee wünschen. Schade, es geht beides nicht. Sie müssen das hören, was ihnen Dr. Goebbels sagt und müssen das nachträglich auch noch lesen. Das mag für manche Leute schlimmer als eine Hinrichtung sein — aber gesund ist es auf alle Fülle. Sie werden einmal aufgerüttelt und ihre angestaubte und verstaubte Seele erfährt eine gründliche Reinigung. Da ist der beste Staubsauger ein elendes Pfuschwerk gegenüber einer Goebbels-Rede.
Die nationalsozialistische Partei legt fönst wenig Wert darauf, diese Außenseiter in eine Versammlung zu bekommen, aber diesmal hilft alles nichts. Auch die Abseiter sollen Dr. Goebbels hören. Daher muß weitest- gehend dafür Sorge getragen werden, daß
jeder Bremer die Versammlung besuchen muß.
ZHer ohne triftigen Grund heute zu Hause bleibt, kommt in die Gefahr, zu den Miesmachern gerechnet zu werden. Wer aber eine reine Weste hat, kann mit freudigem Herzen die Rede Goebbels genießen.
Darum sorge jeder Volksgenosse, daß auch sein Nachbar diese Versammlung heute abend besucht. Schleift sie heran die Zweifler, damit sie sich persönlich davon überzeugen können, welche gefährliche Irrwege sie gehen. Sie sollen endlich einmal heraus aus der Atmosphäre angeborener Aengstlichkeit, sie sollen Mitkämpfer werden!
An die gesamte Bremer Bevölkerung aber ergeht der dringende Appell, die Goebbels- Versammlung zu einer Massen-Kundgebung von noch nie gesehenem Umfang werden zu lassen. Bremen soll heute abend zeigen, daß es sich geschlossen hinter Adolf Hitler stellt und daß es den festen Willen hat, zu einer nationalsozialistischen Hochburg zu werden, wo für Meckerer und Widersacher gegen das Dritte Reich kein Platz vorhanden ist.
Aufnahmefperpe süf die Deutsche Aebeitöfeont
Berlin. 7. Juni.
Der Führer der Deutschen Arbeitsfront. Dr. Robert Ley, hat unter dem K. Juni folgende Anordnung herausgegeben: „Da zurzeit der neue Aufbau der DAF. in vollem Gange ist. wird bis zur Beendigung desselben der Beitritt zur DAF. gesperrt.
Die Sperre ist eine allgemeine. Keine Gliederung der DAF. ist befugt. Ausnahmen zu gestatten. Insbesondere ist es verboten, über wirtschaftliche und soziale Einrichtungen indirekte Werbungen sür die DAF. vorzunehmen. Wo solche veranlaßt werden, werden diese von der Teutschen Arbeitsfront nicht anerkannt und ausdrücklich für nichtia erklärt.«