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Nr. 15Z / 2. Vierteljahr
Dienstag, 5. Zum
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Henderson will nach Berlin fahren
Man wartet in Genf auf Deutschland
Genf, 4. Juni.
Die Sitzung des Wlkerbundsrates, die über die Saarabstimmung entschied, begann gegen 12 Uhr. Nach einleitenden Worten des Präsidenten berichtete der Vorsitzende des Dreier-Komitees, Aloisi, dem Rat. Er rühmte die Verständigungsbereitschaft Deutschlands und Frankreichs, die diese Einigung erst ermöglicht hätte. Er dankte den übrigen Mitgliedern des Dreier- Komitees und den Sachverständigen, die ihm bei seiner Aufgabe geholfen haben, und schloß, die erreichte Einigung habe nicht nur den Sinn, die Abstimmung selber zu ermöglichen, sondern sie solle auch als Grundlage für eine bessere Verständigung und Zusammenarbeit dienen.
Dann sprach Außenminister Barthou. Er wies zunächst auf die Bedeutung der Festsetzung des Datums hin und unterstrich die Verständigungsbereitschaft der beiden Regierungen, die sich bei den Verhandlungen gezeigt habe. Man habe keinen Augenblick daran gedacht, das vertragliche Recht der Bevölkerung zu mindern. Tatsächlich habe nur dafür gesorgt werden müssen, daß dieses Recht in Freiheit und Würde ausgeübt werden könne. Deshalb sei es unerläßlich gewesen, für die Einwohner der Saar, und zwar für alle Einwohner, die nötigen Garantien für die Zukunft zu schaffen, was auch immer das Schicksal des Saargebietes sein werde. Barthou führte dann im einzelnen die für die Saarbevölkerung festgelegten Garantien auf. Er bezog sick dabei auf die von ihm und dem deutschen Außenminister abgegebenen Erklärungen. Hier fügte er aber hinzu, daß zu den Erklärungen noch Ausführungsgarantien hätten hinzutreten müssen. Barthou sagte dann, daß die Erklärungen sich zunächst nur auf die Abstimmungsberechtigten bezogen. Der Rat habe aber die Möglichkeit, ihre Ausdehnung auf alle Einwohner des Saargebietes zu beschließen.
Der französische Außenminister sprach dann noch von dem doppelten Beschwerderecht der Saarbevölkerung, die sich einerseits an die Abstimmungsgerichte während der Uebergangszeit und weiter für unbegrenzte Zeit an einen internationalen Körper wenden könne. Die französische Regierung denke nicht daran, sich zu verteidigen, weil sie auf diesen Garantien bestanden habe; denn die Saarbevölkerung hätte nicht die Möglichkeit gehabt, selbst diese Garantien durchzusetzen. Die beiden Regierungen, so fuhr Barthou fort, haben damit zugegeben, daß die Erfüllung dieser Pflichten eine wichtige Bedingung für die Abstimmung selbst ist. Trotz der sehr bedauerlichen Zwischenfälle, die die Presse gemeldet habe, wünsche er der Ueberzeugung zu bleiben, daß die Verpflichtungen genau eingehalten werden, um die Abstimmung, wie vorgesehen, zu ermöglichen. Von jetzt an gäbe es im Saargebiet keine Entschuldigung mehr für Gewaltakte und Bedrückungen. Drohungen, Reden und Rundfunksendungen (Straßburger Sender!), die die Gemüter erregen und auf deren Gefahr die Regierungskommission hingewiesen habe, müßten in Zukunft unterbleiben. Zum Schluß dankte Barthou dem Berichterstatter, Baron Aloisi, in sehr freundlichen Worten für die hervorragende Durchführung seiner Aufgabe und dehnte diesen Dank auch auf die übrigen Mitglieder des Dreierkomitees aus.
Der Vertreter Englands, Eden, hatte den Bemerkungen Barthous nicht viel hinzuzufügen. Er wies darauf hin, daß der Rat das Recht habe, die für die Abstimmungsberechtigten erreichten Garantien auf alle Einwohner des Saargebietes auszudehnen. Wenn, wie er hoffe, das Dreier- Komitee seine Funktionen weiter behalte, so werde es zweifellos zu gegebener Zeit in der Lage sein, Vorschläge zu machen, auf Grund deren allen Einwohnern des Saargebietes angemessene Garantien gegeben werden könnten. Zum Schluß lobte auch Eden den Geist der Verständigungsbereitschaft, der von den beiden Regierungen bewiesen worden sei.
Der polnische Außenminister Beck führte u. a. aus, die Frage einer Volksabstimmung sei unter Bedingungen, wie sie an der Saar vorliegen, immer eine schwierige Sache. Um so mehr könne er den Ratsausschuß und seinen Präsidenten aufrichtig zu dem Erfolg beglückwünschen. Er sprach dann die Hoffnung aus, daß die im Saargebiet eingesetzten Organe ihre Aufgaben erfüllen werden und daß es gelingen werde, die Volksabstimmung unter den denkbar besten Bedingungen durchzuführen.
Außenminister Benesch beglückwünschte Aloisi und die übrigen Mitglieder des Dreier-Komitces sowie die Regierungen Deutschlands und Frankreichs. Benesch wies ebenfalls darauf hin, daß der Rat sich noch mit der Frage der Ausdehnung der Garantien aus alle Bewohner des Saargebietes zu befassen haben werde.
Außer diesen Rednern sprachen dann noch die Vertreter Mexikos und Dänemarks. Der Präswent der Regierungskommission des Saargebietes, Kn 0 x , sprach die Hoffnung aus, laß die nun angenommene Entschließung die nötige Ruhe im Lande wiederherstellen und die für die Volksabstimmung unbedingt nötige Befriedung herbeiführen werde.
Darauf ergriff Baron Aloisi nochmals das Wort, um für die Glückwünsche herzlich zu danken. Er wünsche, daß der Geist der Verständigung sich bei der Lösung aller jetzigen internationalen Probleme ebenfalls zeigen werde. Als letzter sprach der Präsident des Völkerbundsrates. Trotz der vom Rat jetzt erfüllten Aufgabe blieben immer noch wichtige Fragen zu lösen. Er beantrage daher, daß das Dreier-Komitee seine Arbeiten fortsetzen und seine Befugnisse behalte.
Der Bericht des Dreier-Komitees wurde dann vom Völkerbundsrat einstimmig und unverändert angenommen. Da Deutschland, Japan und Panama als Ratsmitglieder fehlten, waren nur 12 Ratsmitglieder anwesend.
Wie um 17 Uhr aus der noch andauernden Ge- heimsitzung des Abrüstungspräsidiums bekannt wird, hat der Präsident der Abrüstungskonferenz, Henderson, eine Entschließung vorgeschlagen, durch welche das Präsidium den Auftrag erhält, zunächst alle weiteren Schritte zu tun, um die Konferenz zu retten. In erster Linie komme es dabei darauf an, Deutschland durch Verhandlungen wieder in die Konferenz zurückzuführen, anderenfalls sei die Lage aussichtslos. Henderson soll sich bereit erklärt haben, zu diesem Zweck selbst nach Berlin zu fahren.
Wie man hört, hat Außenminister Barthou nähere Auskünfte darüber verlangt, aus welchem Grunde man diesen Schritt gegenüber Deutschland schon jetzt und im gegenwärtigen Stadium zu tun beabsichtige. Daß Frankreich an sich bereit sei, mit Deutschland sich nach Möglichkeit zu verständigen.
Ueber die Montagssitzung des Präsidiums der Abrüstungskonferenz, die hinter verschlossenen Türen stattfand, wird vom Sekretariat ein ausführlicher Bericht ausgegeben. Dem Bericht ist folgendes zu entnehmen:
Henderson äußerte sich zunächst zu den einzelnen Entschließungsentwürfen. Zu dem russischen Vorschlag die Konferenz in eine Friedenskonferenz umzuwandeln, erklärte er, daß zu diesem Zweck eine einstimmige Entschließung erfolgen müßte. Die verschiedenen Fragen der Abrüstung und der Sicherheit hätten den Gegenstand langer Erörterungen gebildet mit Ausnahme der Frage der Ausführungsgarantien. Es seien offenbar keine großen Aussichten für eine Lösung vorhanden, solange nicht die ernsten politischen Schwierigkeiten überwunden seien. Im Falle einer negativen Antwort müßte das Präsidium prüfen, welche Empfehlungen es dem Hauptausschutz zu machen hätte. In dieser Hinsicht hätten sowohl die neutralen wie auch die türkische Abordnung auf die Bedeutung der Beteiligung Deutschlands an den Arbeiten hingewiesen. Aus der französischen Note vom 1. Januar, der italienischen vom 4. Januar, der englischen vom 29. Januar und der deutschen vom 16. April ergebe sich ein Kompromißwille. Die Schwierigkeiten seien durch diese Noten verringert worden. Man müsse eine Verhandlungsmethode finden, um zu einer Verständigung zu gelangen, ohne zwecklose neue Ausschüsse einzusetzen. Er halte es auch nicht für richtig, das Feld der Konferenz, wie Litwinow das vorgeschlagen habe, zu erweitern. Henderson schloß mit der Erklärung, daß seine Abordnung an neuen Anstrengungen, die mit Bezug auf die Hauptziele der Konferenz unternommen würden, teilnehmen werden. Ihre wesentliche Aufgabe sei ein Kompromiß zwischen den Auffassungen der vier Noten durch eine Methode der Verhandlungen oder durch andere zu suchende Methoden zu finden. Er würde es bedauern, wenn die Konferenz Fragen erörterte, mit denen sie Eefckhr liefe, ihre Autorität zu vermindern. Henderson regte an, daß das Präsidium den Hauptausschuß auffordern solle, die notwendigen Maßnahmen zu treffen, um durch Zusammenarbeit der Staaten zum Abschluß eines Abkommens zu gelangen. Zu dem Vorschlag von Nichtangriffs- und Hilfeleistungspakten erklärte er, er sei überzeugt, daß das Präsidium jeden Sicherheitsvorschlag begrüßen werde, der zu einem Abriistungsabkommen führen könne. Wenn oer Hauptausschuß dieses Verfahren billige, wäre es an der Zeit, die Erörterung der vorgelegten Entschließung aus die nächste Woche zu vertagen.
Außenminister Barthou legte die Auffassung der französischen Abordnung folgendermaßen dar: Vierzehn Staaten hätten verlangt, daß die Sicher- neitsfrage die Arbeiten der Konferenz beherrsche. Wie könne man den Meinungsaustausch auf Son- derverhandlungen zwischen einzelnen Staaten beschränken? Er glaube andererseits nicht an die Nützlichkeit eipes dem Präsidenten zu erteilenden Auftrages, die Standpunkte Deutschlands und
habe man heute aus der Erledigung der Saarfrage erkennen können, Barthou fragte weiter, ob etwä das Präsidium der Abrüstungkonferenz nach Berlin fahren würde; er würde dann jedenfalls nicht mitfahren. Derartige Reifen hätten keinen Zweck, ohn« daß man dabei etwas Bestimmtes in der Tasche mitbringe. Herr Eden sei durch die verschiedensten Hauptstädte gefahren, aber ohne jeden Erfolg. Man könne sehr gut hier in Genf jetzt weiterarbeiten. Es läge: eine
Menge wertvoller Vorschläge vor, (Hier verweist Barthou offenbar auf neue russische Vorschläge.) Er sei gegen eine Vertagung.
Im Anschluß an die Ausführungen Barthous nahm der Sprecher der sechs neutralen Staaten, der schwedische Außenminister Sandler, das Wort. Er betonte mit Nachdruck, daß die Sicherheit nur in Verbindung mit der Abrüstung überhaupt zu finden sei.
Normann Davis gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Arbeiten der Konferenz ohne Rückkehr Deutschlands zum Scheitern verurteilt seien. Auch die Sicherheitsfrage könne ohne Deutschland nicht gelöst werden. Der Vertreter Englands, Eden, ließ erkennen, daß England die Fortsetzung der Konferenz für zwecklos halte und nicht mehr wünsche, daß die sinnlos gewordenen Gespräche fortgesetzt würden.
Die russische Abordnung hat am Montag nachmittag dem Präsidium der Abrüstungskonferenz folgende Entschließung vorgelegt: Der Hauptausschuß beschließt:
1. Sofort die unterbrochenen Arbeiten für das Studium der vorliegenden Vorschläge für Verträge gegenseitiger Hilfeleistung sowie für die Be»
Frankreichs einander anzunähern. Am heutigen Vormittag habe in der Saarfrage eine Verständigung erzielt werden können, warum sollte nicht auf anderem Gebiet eine Annäherung herbeigeführt werden können?
Der amerikanisch« Vertreter Norman Davis erklärte, die Sicherheitsfrage könne leichter gelöst werden, wenn Deutschland da wäre und wenn man mit ihm über ein Abkommen, das sich auf die Sicherheit und auf die Abrüstung beziehen würde, verhandeln könnte. Nach amerikanischer Auffassung sei die beste Art, zur Sicherheit zu gelangen, die Abrüstung, und Amerika sei, wie viele andere Staaten, an einer Sicherheit ohne Abrüstung uninteressiert. Wenn das Präsidium seine Arbeiten im Sinne der Anregungen der neutralen und der türkischen Abordnung weiterzuführen in der Lage sei, so müsse sie sie fortsetzen. Die Frage der Ausführungsgarantien müsse von der Gesamt, konferenz geprüft werden. Dagegen könne das Problem der regionalen Abkommen nicht mit Nutzen von allen Mächten erörtert werden.
Der englische Vertreter Eden erklärte, in dem Abkommensentwurf (gemeint ist offenbar der englische) seien viele der jetzt eingereichten Vorschläge enthalten. Er war mit allen Feststellungen und Vorschlägen des Präsidenten einverstanden. Wenn man ein Kompromiß zwischen den Thesen der von Henderson erwähnten Dokumente finden könnte, wäre ein wesentlicher Fortschritt erzielt.
Nach Eden sprach der schwedische Außenminister Sandler. Er erklärte, man könne nicht an dem endglischc,, Plan als einzige Grundlage eines Ab- riistungsabkommens festhalten. Man müsse die Lage berücksichtigen, die sich aus der tatsächlichen Aufrüstung ergebe, und die Gleichberechtigung müsse in einem Maße verwirklicht werden, daß sie keine Offensivdrohung bedeute. Um das Werk der Abrüstung fortzusetzen, müsse man die britische Denkschrift vom 29. Januar mit den anderen Noten und der Erklärung der sechs Mächte verbinden.
Der polnische Vertreter Graf Raszinski erklärte, wenn man die verschiedenen Entwürfe über die Sicherheit nicht zur Erörterung stelle, werde die Konferenz ins Leere fallen. Der schweizerische Bundesrat Motta schloß sich den Erklärungen Tandlers an und meinte, man könne in der gleichen Weise, wie dies auch bei den Saarverhandlungen geschehen sei, mit Deutschland in Fühlung treten. So würde man zu einem Abkommen gelangen, das zwar unzulänglich, aber doch besser sei als das Wettrüsten.
Der spanische Vertreter Madriaga zeigte Neigung, den unter seiner Leitung ausgearbeiteten Plan der Neutralen durch Bestimmungen über die regionale Sicherheit zu ergänzen. Litwinow vermißie genaue Anregungen Er deutele an, daß er bereit sei, seinen Antrag über die Umwandlung der Konferenz in eine Friedenskonferenz zurückstellen zu lassen, und schlug schließlich die Einsetzung eines Redaktionsausschusses vor.
griffsbestimmung des Angreifers wieder aufzunehmen;
2. der Konferenz zu empfehlen, als Vollkon- ferenz zusammenzutreten wegen der ganz besonderen Wichtigkeit, die in der gegenwärtigen Stunde einer erweiterten und ununterbrochenen Organisation und der Aufrechterhaltung des Friedens zukommt.
Ferner soll die ununterbrochene Fortdauer der Konferenz für Herabsetzung und Begrenzung der Rüstungen erklärt werden, indem man ihr gleichzeitig den Auftrag gibt, die Konferenz umzubenennen mit den folgenden Zielen:
s) die Fortsetzung der Arbeiten mit dem Ziele zu versuchen, eine Verständigung über ein Abkommen zur Herabsetzung und Begrenzung der Rüstungen zu erreichen, b) eine Verständigung und die Annahme von Entscheidungen und von Maßnahmen herbeizuführen, die neue Sicherheitsbürgschaften schaffen; c) alle Vorkehrungen zu beschließen, die geeignet sind, einer bewaffneten Auseinandersetzung vorzubeugen; ci) die Kontrolle der Ausführung des Abkommens und der Entscheidungen der Konferenz zu sichern; e) die Konsultation bei einer Möglichkeit der Verletzung der internationalen Verträge im Hinblick aus die Aufrechterhaltung des Friedens herbeizuführen. Der Wechsel des Namens der Konferenz wird in keiner Weise die vorher bestehenden Beziehungen zwischen der Konferenz und dem Völkerbund berühren.
S. Das Präsidium der Konferenz zu beauftragen, die Eesetzordnung zu prüfen in Uebereinstimmung. mit der Erweiterung ihrer Aufgaben und sie nach ihrer Abänderung einer Prüfung durch die Vollkonferenz zu unterwerfen.
Mit der Aussprache über diesen Vorschlag war der Rest der Sitzung ausgefüllt. Norman Davis hielt die Einsetzung eines Redaktionsausschusses für verfrüht, ebenso Eden und Sandler. Henderson lebnte seinerseits den ihm von Norman Davis zugedachten Auftrag ab; selbst einen Text zur Unterbreitung an das Präsidium vorzubereiten Er wiederholte den Vorschlag, daß das Präsidium den Hauptausschuß auffordern solle, ihn, Henderson zu ermächtigen, alle geeigneten Maßnahmen zu treffen, um die Beteiligung aller Staaten einschließlich Deutschlands an den Arbeiten, die zur Fertigstellung eines Abkommens führen sollen, zu erreichen.
Barthou schlug vor, einen Ausschuß zu bilden, dem Politis, Benesch und die Urheber der Ent- schlietzungsentwürfe angehören sollten. Dagegen wandte sich Norman Davis, der Henderson für geeigneter hielt, mit den Urhebern der drei Ent- schlietzungsentwürfe zusammenzuarbeiten. Henderson bemerkte dazu, daß man auch die Vertreter Frankreichs, Großbritanniens und Italiens zu dem Ausschuß zuziehen müsse, weil es sich darum handeln werde, die von ihm erwähnten diplomatischen Noten der letzten Monate gleichfalls in die Vorschläge einzuarbeiten. Diese Anregung Hendersons hielt Litwinow wieder für zu weitgehend, weil er glaubte, daß es eine zu langwierige Aufgabe wäre, die Denkschriften Frankreichs, Englands, Italiens und auch Deutschlands auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.
Die Einsetzung eines Ausschusses scheiterte schließlich daran, daß sowohl Baron Aloisi als auch Barthou erklärten, daß sie in ihm lieber nicht vertreten sein möchten. Daraufhin schloß Henderson die Sitzung mit der Erklärung, daß es besser sei, den Gedanken eines Ausschusses aufzugeben und die Aussprache morgen fortzusetzen.
Nach fast vierstündiger Dauer ist die Sitzung des Präsidiums der Abrüstungskonferenz am Montag gegen 19.30 Uhr zu Ende gegangen, ohne irgendwelche Beschlüsse gefaßt zu haben. Im Verlauf der Aussprache hatte der Vorschlag Gestalt angenommen, einen Ausschuß aus Vertretern der Großmächte, der Urheber der Entschließungsanträge und den drei Präsidenten der Konferenz zu bilden, der über das weitere Vorgehen beraten sollte. Aber auch hierüber konnte keine Einigung erzielt werden. Es wurde lediglich beschlossen, die Beratungen am Dienstagnachmittag fortzusetzen.
Internationale Arbeitskonserenz
Genf, 4. Juni.
Die 18. Internationale Arbeitskonferenz ist heute vormittag im Gemeindehaus des Genfer Generalrates in Anwesenheit von Regierungs-, Arbeitnehmer- und Abeitgebervertretern aus sechsundvierzig Staaten eröffnet worden. Von den Nichtmitgliedern des Völkerbundes sind die Vereinigten Staaten und Aegypten durch Beobachter vertreten. Zum Präsidenten der Konferenz wurde der französische Regierungsvertreter und ehemalige Arbeitsminister Justin Godart gewählt.
Ehrendienst am Volk
Die Pflichten des deutschen Soldaten
Die „Pflichten des deutschen Soldaten" sind in neuer Fassung ausgegeben worden:
1. Die Wehrmacht ist der Waffenträger des deutschen Volkes. Sie schützt das Deutsche Reich und Vaterland, das im Nationalsozialismus geeinte Volk und seinen Lebensraum. Die Wurzeln ihrer Kraft liegen in einer ruhmreichen Vergangenheit, in deutschem Volks- tum, deutscher Erde und deutscher Arbeit. Der Dienst in der Wehrmacht ist Ehrendienst am deutschen Volk.
2. Die Ehre des Soldaten liegt im bedingungslosen Einsatz seiner Person für Volk und Vaterland bis zur Opferung seines Lebens.
3. Höchste Soldatentugend ist der kämpferische Mut. Er fordert Härte und Entschlossenheit. Feigheit ist schimpflich. Zaudern unsoldatisch.
4. Gehorsam ist die Grundlage der Wehrmacht, Vertrauen die Grundlage des Gehorsams. Soldatisches Führertum beruht auf Verantwortungsfreude, überlegenem Können und unermüdlicher Fürsorge.
8. Große Leistungen in Krieg und Frieden entstehen nur in unerschütterlicher Kampfgemeinschaft von Führer und Truppe.
6. Kampfgemeinschaft erfordert Kameradschaft. Sie bewährt sich besonders in Not und Gefahr.
7. Selbstbewußt und doch bescheiden, aufrecht und treu, gottesfürchtig und wahrhaft, verschwiegen und unbestechlich soll der Soldat dem ganzen Volk ein Vorbild männlicher Kraft sein. Nur Leistungen berechtigen zum Stolz.
8. Größten Lohn und höchstes Glück findet der Soldat im Bewußtsein freudig erfüllter Pflicht. Charakter und Leistung bestimmen seinen Weg und Wert.
Berlin, den 28. Mai 1934.
Der Reichspräsident von Hindenvurg.
Der Reichswehrminister von Blomberg.
«
Es ist kein Zufall, daß die neuen „Pflichten des deutschen Soldaten" mit einem Satz beginnen, den Adolf Hitler geprägt hat: „Die Wehrmacht ist der Waffenträger des deutschen Volkes". Die bisher gültige Fassung der Berufspflichten von 1930 begann mit der formal-juristischen Feststellung: „Die Reichswehr ist das Machtmittel der gesetzmäßigen Reichsgewalt". Zwischen diesen beiden Sätzen liegt die Revolution von 1933, die das ganze Eefüge unseres Staates auf neue Fundamente stellte, die aus einem Hexenkessel von Klassenchaß und Kastendünkel, Ich-Sucht und Kantönlisgeist wieder ein Volk erstehen ließ, und die auch dem deutschen Soldaten die grundsätzlich veränderte Stellung im Organismus des Staates und Volkes einräumte, die der Weltanschauung des Nationalsozialismus und den Lebensgesetzen der Nation entspricht.
Die neue Pflichtenlehre bildet das Grundgesetz des Soldaten. Sie soll Wegweiser sein für sein ganzes Leben, im Krieg und im Frieden. Auch im Frieden —, deshalb hat man die früheren „Kriegsartikel" umgetauft in „Pflichten des deutschen Soldaten".
Kriegsartikel und Berufspflichten gibt es solange wie es deutsche Soldaten gibt. In ihrer Fassung spiegeln sich die Ideale preußisch-deutschen Soldatentums ebenso wie der Geist der Zeit. Tapferkeit und Opfersinn, Treue und Ehre, Gottesfurcht und Manneszucht, Kameradschaft und selbstlose Pflichterfüllung sind soldatische Tugenden, die in „Der Teutschen Knechte Articul" Maximilians II. vom Jahre 1570 anklingen, die in den „Articuls-Brieffen" des Großen Kurfürsten und seiner Nachfolger, in den „Kriges-Artikeln" derScharnhorstschenHeeresreform, inderPflichten- lehre des deutschen Weltkriegs-Heeres und in den Fassungen von 1922 und 1930 für die kleine Berufswehrmacht gefordert wurden. In Wortlaut und Form freilich hat sich manche Wandlung vollzogen. Landsknechte und Söldner, die oft genug nicht einmal Landeskinder waren, bedurften einer derberen Sprache und anderer Erziehungsmittel als das sittlich geläuterte Soldatentum der Gegenwart. Kein Wunder, daß ehedem der Schwerpunkt auf den angedrohten Strafen lag, daß Aufhängen. Spießrutenlauf, Pfählen und Stockschlägs einen breiten Raum in den Kriegsartikeln einnahmen. Früher waren die Kriegsartikel hauptsächlich Strafgesetzbuch. Heute sind sie als reine
Neues:
Tagung der Reichskrunstkrammer Minister Göring in Essen Politischer Mordprozetz in Berlin Schweres Aulobusunglück bei Frankfurt
Die „Kompromiß-Konferenz" versagt
Amtlicher Bericht des Völkerbund-Sekretariats über die Montag-Sitzung des Präsidiums