Ausgabe 
(3.6.1934) Nr. 151
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Nr. 151 / 2. Vierteljahr

Sonntag, 3.2unt

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Wie können Deutschland und Volen ehrliche Freunde werden?

Deutsch-polnische Beziehungen

(Eigener ld-Bericht der Bremer Zeitung)

Im Nahme» des Ausbaues der „Bremer Zeitung" nach großen politischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten als maßgebendes nationalsozialistisches Organ der Freien Hansestadt Bremen wie des gesamten Unterwesergebietes haben wir auch die Verbindung mit dem Ausland aufgenommen. Wir bringen heute an dieser Stelle einen wichtigen, allgemein in­teressierenden Artikel über die augenblicklichen deutsch-polnischen Verhältnisse aus der Feder unseres innenpolitischen Schriftleiters, der soeben von seiner Reise aus Polen zurückgekehrt ist und die dortigen Verhältnisse an Ort und Stelle studiert hat. Weiter haben wir unseren Schriftleiter für Außenpolitik zu einer Studienreise nach Frankreich entsandt, der dort die wahre Stimmung des Volkes über Deutschland erkunden soll. Ferner wird in Kürze ein Redaktionsmitglied, das mit den Verhältnissen am Balkan vertraut ist, eine Studienreise nach Jugoslawien, mit dem uns gegenwärtig enge politische und wirtschaftliche Beziehungen verbinden, unternehmen. Darüber hinaus ist ein hervorragender Jour­nalist für die Berichterstattung .für den gesamten europäischen Süd-Ost-Raum beauftragt worden. Schließlich haben wir noch für eine eigene Vertretung in Berlin durch einen Journalisten mit ausgezeichneten Verbindungen zu den politi­schen und wirtschaftlichen Kreisen Sorge getragen.

Die „Bremer Zeitung" hat- also heute bereits eigene Vertretungen in Berlin, Rom, Paris, Kopenhagen, Stockholm, Budapest und Wien, ein Beweis, daß innerhalb der kurzen Zeit des Bestehens der „Bremer Zei­tung" nichts unversucht geblieben ist, die Zeitung zu einem Organ auszubauen, das allen Ansprüchen gerecht wird. Beson­ders wollen wir noch bei dieser Gelegenheit auf unseren Wirtschafts- und Handelsteil hinweisen, der ständig i« seinen Kursen und Börsenberichten ergänzt und ausgebaut wird, während namhafte Mitarbeiter in ihm zu Worte kommen.

Hauptschriftleitung der „Bremer Zeitung".

Als im Jahre 1918 das Deutsche Volk nach einem vierjährigen heldenmütigen Ringen einer Welt von Feinden gegenüber die Waf­fen strecken mußte, unsere Gegner als „die Sieger" im Freudentaumel waren und uns einen Friedensvertrag aufzwangen, da war es neben den anderen alliierten Mächten ge­rade der neue polnische Staat, der lärmend über die wohl am Boden liegende, aber immer noch weit überlegene alte Kulturmacht Deutschland triumphierte. Das neue Polen kämpfte darum, seinen bisher in der Welt bestehenden Ruf zu verbessern; es drängte förmlich darnach, sich mit anderen Staaten zu vergleichen, es wollte zur Geltung kom­men und mitbestimmend sein auf dem Kon­tinent. Den einzigen ernsthaften Gegner in seinem Bemühen auf dieses Ziel hin sah das neue Polen in seinem westlichen Nachbarn Deutschland, denn im Verhältnis zu Rußland hatte es bei allen Völkern auf Beistand zu rechnen, und in Oesterreich sah man von Po­len aus keinen erbitterten Gegner.

Das Diktat von Versailles mit seiner Grenzziehung zwischen Polen und Deutsch­land kann das nicht gerade ehrenvolle Ver­dienst für sich in Anspruch nehmen, die zwi­schen den beiden Völkern bestehenden Span­nungen erheblich verstärkt und vertieft zu haben. Die „Siegerstaaten" sind — obwohl aus ihrem Munde seit dem Waffenstillstands­tage nur noch der Friede Europas propagiert wurde — dafür verantwortlich zu machen, daß durch die willkürliche Grenzziehung im Osten zwischen den beiden Nationen Polen und Deutschland sich eine Zeitlang die Ver­hältnisse sich so zuspitzten, daß man eher an eine gewaltsame als an eine friedliche Lö­sung der deutsch-polnischen Frage denken durfte. Die Spannungen zwischen den bei­

den Völkern, die schließlich auf der einen Seite in Haß ausarteten, ließen den Ver­ständigungsgedanken nicht reifen.

Das Verhältnis der beiden Völker wurde in den letzten Jahren durch manchen Wer­mutstropfen getrübt. Und da Polen nur von dem einen Willen beseelt war, zu einer anerkannten Macht Europas auf­zusteigen, übersah es, wie der Haß gegen Deutschland — von interessierten Kreisen noch geschärt — immer mehr Wurzel im Her­zen des Volkes faßte, ja, daß der Deut­schenhaß sogar zu einem der wichtigsten Erziehungsmomente in Polen wurde.

Die politische Umwälzung, die mit der Machtübernahme durch den Nationalsozia­lismus von Deutschland aus in ganz Europa fühlbar vor sich geht, hat Polen sowie Deutschland nachdenken lassen und beiden ge­lehrt, daß man nicht gegen- — sondern mit­einander arbeiten muß, um der Befrie­dung Europas zu dienen und dem eigenen Volke möglichst viele Erleichterungen zu schaffen.

Als der Führer die Geschicke des Reiches übernahm, so äußerten sich, mir gegenüber in Warschau hohe Ministerialbeamte, da habe man mit großem Mißtrauen auf das neue Deutschland gesehen. Alles andere habe man befürchtet, eine Verständigung zwischen den beiden Völkern sei plötzlich als Utopie erschienen. Man sah in Hitler und seinen SA.-Männern wilde Krieger und mußte dann schließlich seine Meinung ändern, als man erkannt hatte, daß gerade das neue Deutschland mit seinen jungen unverbrauch­ten Kräften sich auch auf außenpolitischem Gebiet von verbohrten Ansichten befreit und Verständnis für den jungen polnischen Staat

und seinen Nationalismus hatte. Man sieht heute auch in Polen in Adolf Hitler den großen Staatsmann und weitblickenden Politiker und Karat nicht an Bewunderung ob seiner großen Leistungen.

Das auf 10 Jahre abgeschlossene Verstän­digungsabkommen hat der Welt bewiesen, wie ehrlich das Deutschland Adolf Hitlers und das Polen Josef Pilsudskis miteinander arbeiten können. Gegenseitige Vorurteile und Mißverständnisse sind ausgeräumt und so eine Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschland gewährleistet.

Und während das Verständigungswerk auf den verschiedensten Gebieten gute Fort­schritte macht und im Hinblick auf das ehr­liche Wollen beider Regierungen berechtigten Anlaß gibt zu der Hoffnung, daß sich auch die jetzt noch bestehenden Mißverständnisse im Laufe einer gewissen Zeit beseitigen lassen werden, beschäftigt uns eine Frage: Wird auch das Verhältnis zwischen der deutschen Minderheit Polens und der polnischen Bevölkerung in Zukunft eine Wendung zum Besseren nehmen? Wir sind optimistisch und hoffen, daß auch in dieser Frage eine Entspannung eintritt, möchten doch aber aus Grund persönlicher Erfahrun­gen, die speziell in fast einjähriger Tätigkeit unter der deutschen Minderheit Ostoberschle­siens gesammelt sind, einen Vorschlag machen, der vielleicht dazu angetan sein könnte, dieses, für beide Völker so äußerst wichtige und bedeutungsvolle Problem einer Lösung näherzubringen.

Polen wird — und das mutz zunächst ein­mal in aller Oefsentlichkeit mit Nachdruck festgestellt werden — in der Minderheiten­frage seinen Kurs ändern müssen.

In dem gleichen Augenblick, in dem man in Warschau mit Vertretern der polnischen Regierung zu Tisch sitzt und erfreut ist, den ehrlichen Verständigungswillen in allen beide Länder gemeinsam angehende Fragen fest­stellen zu können, kommen Meldungen über Unterdrückung der deutschen Minderheit, an denen man, trotz des ehrlichen Bemühens, nicht aus jedem kleinen Zwischenfall eine schwerwiegende Angelegenheit herzuleiten, nicht ohne Widerspruch und Bedenken vor­beigehen kann. Wir wollen uns versagen, hier aus der großen Reihe der Uebergriffe einige besonders krasse Fälle herauszugrei­fen. Wir wollen auch, soweit das möglich ist, die Fälle der Vergangenheit vergessen. Unser Ziel ist nur, daß in Zukunft Reibungen nach Möglichkeit vermieden werden.

Die Deutschen in Ostoberschlesien und die dort ansässigen Polen werden nie Freunde werden können, trotz beiderseitiger Bemü­hungen. Sie werden sich in gewissem Sinne immer als Feinde und so mit großem Miß­trauen gegenüberstehen, denn Annaberg und die Kämpfe während des Aufstandes haben sich aus beiden Seiten zu tief in die Herzen eingegraben. So haben die ersten Jahre der Nachkriegszeit Wunden hinterlassen, aus denen zwar keine Rache emporwächst, die aber nie gänzlich verheilen werden.

Die polnischen, Staatsbürger, die wäh­rend der Aufständischenkämpfe gegen Deutschland mit der Waffe in der Hand standen, sind zu einem großen Teil als Be­amte in den Grenzgebieten tätig. Das be­dingt, daß heute Feinde von ehemals aus einem engbegrenzten Raum miteinander leben müssen. Da können Reibereien nicht ausbleiben. Hierin sehen wir die Gefahr für ein weiteres Wachsen des Verständnisses zwischen den beiden Völkern. Und wenn man glaubt, ein Hindernis zu erkennen, so soll man versuchen, es aus dem Wege zu räumen, um ihn sich nicht unnötig schwer zu machen.

Im Interesse der Beziehungen zwischen Deutschland und Polen wäre es vielleicht an­gebracht, wenn die polnische Regierung einen Beamtenaustausch in den Grenzgebie­ten vornehmen würde und junge Menschen, die die Schwere der Nachkriegsjahre nicht in dem Maße erlebten wie die heute dort tätigen Beamten, in die Grenzgebiete ver­setzt würden. Deutschland sowie Polen sind sich darüber einig, daß eine wirkliche Ver­ständigung und eine endgültige Beseitigung des Hasses nur von Mensch zu Mensch mög­lich sein wird. Dann müssen aber auch die Vorbedingungen dazu gegeben sein. Es ist kein Zweifel, Polen und Deutsche werden sich nie einander lieben können. Aber sie können voneinander lernen und sich gegenseitig achten. Die zwei Völker kennen bisher einander sehr wenig. Wird in dieser Beziehung Wandel geschaffen, so wäre ein weiterer Baustein für eine dauernde Verständigung zwischen Polen und Deutschland gelegt.

Saarbevölkerung wird Disziplin halten

Zur Einigung in der Gaarfrage

Aus den Bedingungen

Nachdem ein Teil der Presse, unter Außeracht­lassung aller Disziplin, entgegen der Anordnung des Propagandaministeriums, bereits heute früh Auszüge aus den Bedingungen, unter denen die Abstimmung im Saargebiet erfolgen wird, ver­öffentlichte, liegt für uns kein Grund mehr vor, unseren Lesern entsprechende Mitteilungen vorzu­enthalten.

Der vereinbarte Text enthält diejenigen Maßnahmen, die von beiden Regierungen zu treffen sind, um eine unbeeinflußte und ruhige Abstimmung zu ermöglichen und Ausschreitungen und politische Verfolgungen, die mit der Abstim­mung verbunden sein könnten, zu unterbinden. Im beiderseitigen Einverständnis werden außer­dem Abstimmungsgerichte ernannt, die vor der Abstimmung, während der Abstimmung und noch ein Jahr nach der Rückgliederung ihre Tätigkeit ausüben.

Die Abstimmungsgsrichte sind zuständig für alle mit der Abstimmung selbst zusammenhängenden Vergehen und Straftaten. Es werden acht Ge­richte erster Instanz und ein Obergericht ge­bildet werden, entsprechend der alten Kreis­

einteilung. Nach der Abstimmung werden die übrigen Gerichte verschwinden, während das Ober­gericht noch für die vereinbarte Zeit bestehen bleibt. Das Obergericht besteht aus einem Präsi­denten, einem Vizepräsidenten und drei Richtern, während in den anderen Gerichten wahrscheinlich nur ein Einzelrichter fungieren soll. Die Gerichte sollen aus neutralen Personen gebildet werden.

Wie schon früher vereinbart, wird der Bölker- bundsrat bei dieser Gelegenheit auch die Ab­stimmungskommission ernennen, die eben­falls aus neutralen Persönlichkeiten bestehen soll. Die Abstimmungskommission wird mit besonderen Vollmachten ausgestattet und wird ihre Tätigkeit neben der Regierungskommission ausüben, ü. h. also der Regierungskommission des Saargebietes nicht unterstellt sein.

Auch in der Polizei frage ist am Freitag die endgültige Einigung erzielt worden. Nach den jetzigen Vereinbarungen soll die Regierungs- kommission eine für notwendig erachtete Verstär­kung der Polizei nach Möglichkeit durch Anwer­bung im Saargebiet durchführen. Falls sie die hier erreichbaren Polizeikräfte aber nicht für ausreichend hält, wird ihr das Recht zugestanden,

auch außerhalb des Saargebietes Polizeibeamte anzuwerben. Es bestand bei den Besprechungen Uebereinstimmung darüber, daß nur deutsch­sprechende Polizeibeamte angeworben werden sollen.

Vcessestimmen

Die „Saarbrücker Zeitung" schreibt: Milder FestsetzungdesALstimmungszeitpunktes auf den 13. Januar ist eine Regelung getroffen, die bei der deutschen Bevölkerung des Saargebietes ganz einmütige Billigung findet. Daß der Ab- stimmungszeitpunkt festgesetzt worden ist, wird sich politisch als die beste Sicherung der Ruhe und Sicherheit auswirken.

Denn jetzt wird die Bevölkerung erst recht Disziplin halten, wird sich zu nichts hinreißen lassen, was diese Ruhe und Sicherheit gefährden könnte.

Mit der Festsetzung des Tages der Abstimmung ist zugleich ein Faktor beseitigt, der sich als star­kes wirtschaftliches Hemmnis erwiesen hat.

Die „Saarbrücker Landeszeitung" sagt, die wichtigste Vorentscheidung in der Saar­frage sei gefallen. Dadurch werde das Saarvolk

endlich von der drückenden Ungewißheit befreit, die seit geraumer Zeit auf ihm lastet. Es sei nun frei, um die umfangreichen Vorbereitungen für die Durchführung der Abstimmung zu treffen. Die Bevölkerung des Saargebiets habe nur den einen Wunsch, daß diese Vorbereitungen mit möglich­ster Beschleunigung in Angriff genommen und in Ordnung durchgeführt würden. Sie selbst werde ihre Pflicht tun und, wie bisher, mit eiserner Disziplin aus den Tag warten, an dem sie sich für ihr deutsches Vaterland entscheiden könne.

Der 13. Januar werde ein Ehrentag des Saar­volkes in der deutschen Geschichte sein. Die „Lan­deszeitung" zollt dem Baron AIoisi besonderen Dank für seine Verdienste um diese Entscheidung. Ihm sei es nicht zuletzt zu danken, daß Deutsch­land und Frankreich sich auf eine Lösung hätten einigen können, gegen die manche dunkle Kräfte eifrig gearbeitet hätten. Wir gehen unseren Weg weiter, an dessen Ende ein herrlicher Sieg für unser Deutschland stehen wird.

»

Paris, 2. Juni.

Der Verlauf der Freitag-Besprechungen in Gens hat in der gesamten französischen Presse die größte Genugtuung ausgelöst. Sowohl der Ab­schluß der Verhandlungen über die Saarabstim­mung als auch die Wendung in der Abrllstungs- frage scheinen die französischen Wünsche vollauf zu befriedigen. Die Blätter weisen allgemein darauf hin, daß Frankreich in der Saarabstimmungsfrage nicht mehr habe erreichen können, als es erreicht > habe. (Fortsetzung auf Seite 2)

Die Saar bleibt deutsch!

b. ll. Bremen, 3. Juni 1934.

Am Freitagabend ist, wie gestern bereits mitgeteilt wurde, in der Saarfrage eine Einigung dahin erzielt worden, datz die Volksabstimmung am 13. Januar 1935 statt­findet. Wir möchten hierzu gleich folgendes bemerken: Die Einzelheiten der Bedingun­gen, unter denen die Einigung in Gens zu­stande gekommen sind, lagen uns Freitag abend vom vblk. in amtlicher Form vor, sie waren aber noch nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Ihre Freigabe war Sonnabend abend 7 Uhr noch nicht erfolgt. Um so mehr müssen wir unserem Erstaunen Ausdruck geben, datz die „Bremer Nachrichten" diese Einzelheiten durch ihren Genfer Mitarbeiter verbreiten lietzen. Weil wir also als natio­nalsozialistische Zeitung Disziplin gehalten haben, konnte die gleichgeschaltete Presse nach freiem Ermessen handeln und damit den Anschein erwecken, als wäre die natio­nalsozialistische Presse mit ihrer Nachrichten- Uebermittlung nicht aus der Höhe. Wir er­warten, datz die amtlichen Stellen der gleich­geschalteten Presse klar machen, datz sie sich den Weisungen der Regierung ebenso unter­zuordnen hat wie die nationalsozialistische Presse. Wenn die Regierung die Veröffent­lichung der Bedingungen noch nicht frei­gegeben hat, dann wird sie dafür auch ihre triftigen außenpolitischen Gründe gehabt haben. Hier geht es nicht darum, aus einem Sensationsbedürfnis heraus zu zeigen, was die einzelne Zeitung leisten kann, sondern sich den politischen Belangen des Staates unterzuordnen.

Zur Sache selbst: Es scheint doch, als wür­den sich logisches Denken und ge­sunder Menschenverstand auch ein­mal in der großen internationalen Politik durchsetzen. Nach alledem, was in den letz­ten Monaten in der französischen Presse zu lesen war, die von Gewaltstreichen Frank­reichs in der Saarfrage sprach und diese auch in der ganz ernsthaftesten Form vertrat, wirkt die Einigung in der Saarsrage gerade­zu reinigend. Es hat doch schließlich auch für die französische Regierung keinen Zweck, sich selber etwas vorzulügen. Man sollte überhaupt annehmen, sie hätte aus der rhei­nischen Separatistenbewegung in der Zeit der Ruhrbesetzung genug gelernt, um zu wissen, daß es immer ein Reinsall ist, die Karten auf landesverräterische Elemente zu setzen und daraus eine Politik aus weite Sicht zu bauen. Genau wie damals das ganze Kartenhaus zusammenbrach, so wird eine französische Politik zusammenbrechen, die mit Landesverrätern einen „Saarstaat" konstruieren will. Darum betrachten wir die Tatsache, daß sich Frankreich der Wirklich­keit gebeugt und dem Abstimmungstermin auf den 13. Januar 1935 zugestimmt hat, als ein erfreuliches Zeichen beginnender franzö­sischer Einsicht, aber auch als einen Erfolg deutscher Politik.

Wenn Frankreich dem Vorschlag Hitlers gefolgt hätte, wäre dem Lande der kostspie­lige und aufreibende Abstimmungskampf überhaupt erspart geblieben, ohne daß Frankreich an seinem politischen Ansehen etwas eingebüßt hätte. Aber die französische Regierung mußte scheinbar das hoffnungs- ' lose Experiment einer Abstimmung durch­führen, um die chauvinistischen Kreise im Lande zu befriedigen, die, genau so wie ge­wisse Kreise bei uns während des Krieges, den Nachbar am liebsten mit Haut und Haa­ren auffressen wollen. Und zwar weniger deshalb, weil es ihnen um das Volk zu tun ist, sondern aus Profitgier, um wirtschaft­liche Werte zu erhalten. Die Bodenreich­tümer des Landes meint man. und das Volk schlägt man.

Deutschland kann diesem Abstimmungs­kampf nun mit aller Ruhe, wenn auch mit größter Wachsamkeit, entgegensehen. Wie aus den Bedingungen, die allerdings bis zur Stunde, da diese Zeilen geschrieben werden, nur in knapper Form der Oefsentlichkeit vor­liegen, ersichtlich ist, sind Vorkehrungen im deutschen Einverständnis getroffen, daß die

2^as HiSt -es -sonst Neues-

Fackelzug des SA.-Sturmbannes II 75 in Bremen

Rückgang der Arbeitslosigkeit in Bremen

von Cramm französischer Tennismeister

Reichstagung der Nordischen Gesellschaft in Lübeck.