Ausgabe 
(2.6.1934) Nr. 150
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öas amtliche Organ -es Senais

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-er Freien Hansestadt vremen

Nr. 150/ 2 . Vierteljahr

Sonnabend. 2. Juni

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Einigung in

Abstlmmungötermln am iz. Januar 1935

änb. Genf. 1. Juni. In den Abendstunden des Freitag ist die Einigung über die Gaarfrage erzielt worden. Die Abstimmung wird am 13. Januar 1935 stattfinden.

Ein Freund des neuen Deutschland

Unterredung mit dem amerikanischen Rundfunksprecher Douglas Brinkleg

Douglas Brinkley, der bekannte ame­

rikanische Radiosprecher, der zu einem sechs- monatigen Aufenthalt nach Deutschland ge­kommen ist, hält sich zurzeit in Berlin auf. Er gab einem Vertreter der NSK. Gelegen­heit zu einer Unterredung.

Bevor Douglas Brinkley mit der „Vremen" Newyork verließ, hielt er in zwanzig nordameri- kanischen Städten aufklärende Vortrage über die wahren Zustände im nationalsozialistischen Deutschland. Brinkley betonte lachend, daß ihn von der Unzahl amerikanischer Verfasser von Hetz- broschüren und Artikeln über den Nationalsozia­lismus eine bemerkenswerte Tatsache unterscheide, nämlich: wirklich in Deutschland gewesen zu sein.

Auch dieser Besuch, so betonte Brinkley, der uns im Esplanade-Hotel «ine sehr lebendige Schil­derung seines Wirkens gab, diene nur dazu, ihm einen noch tieferen Einblick in die deutschen Ver­hältnisse zu geben. Er sei jetzt bereits das neunte Mal in Deutschland. Sein letzter Aufenthalt habe sich etwa 14 Monate ausgedehnt. Bereits das alte System habe er bei diesen wie­derholten Besuchen gründlich kennengelernt und nun erlebt, wie sich eine Nation unter der ge­nialen Staatsführung Adolf Hitlers wieder auf sich selbst besonnen habe-

Dieses Erlebnis hat einen so tiefen Eindruck auf VriMey gemacht, daß er es für sein« Auf­gabe hielt, seinen Landsleuten diesen Eindruck zu vermitteln. Und diese Aufgabe hat er mit der dem Nordamerikaner eigenen Tatkraft in Angriff ge­nommen.

Mit großer Lebhaftigkeit erzählte Brinkley, daß er sich dieses Ziel gestellt habe, ohne daß er auch nur einen Pfennig dafür von irgendeiner Seite erhielte, wie ihm das seine Widersacher täglich und immer wieder unterschieben möchten.

10 000 Kilometer durch Nordamerika

Brinkley hat durch seine Vortrüge — er ist lovoo Kilometer durch Amerika gereist — mit

dazu beigetragen, daß der infolge der Greuel- und Boykottpropaganda gebildete Deutsch-Ameri­kanische Wirtschaftsausschuß (DAWA.) in kurzer Zeit 750 000 Mitglieder erreichte.

Um zu beweisen, daß er völlig unabhängig handle, hat Brinkley alle Versammlungen in eigener Regie durchgeführt und es abgelehnt, irgendwelche Organisationen als Veranstalter auftreten zu lassen.

In einem großen Sammelalbum hat der ame­rikanische Journalist alle Dokumente, Zeitungs­ausschnitte, Briefe und Flugblätter über sein Wirken für Deutschland zusammengestellt. Ich sah da dieselben kommunistischen Handzettel, auf einer primitiven Handpresse schlecht abgezogen, wie sie auch bei uns in den vergangenen Jahren zu Millionen verteilt worden sind.

Nicht ohne Stolz erzählte der Amerikaner, wie ihn oft große Polizeiaufgebote vor den Juden und Kommunisten schützen mußten. Einmal war er sogar auf den dringenden Wunsch der Polizei gezwungen, nach dem Vortrag abzureisen und nicht in der Stadt selbst zu übernachten.

Wachsendes Verständnis für Deutschland

Unmittelbar nach der Revolution 1933, die man völlig verständnislos verfolgt hatte, stand es bei allen Amerikanern fest, daß Hitlers Regime nur von kurzer Dauer sein könne, da es „auf Greuel und Unterdrückung aufgebaut" sei. Allmählich ist dann das Verständnis für den Nationalsozialis­mus größer geworden, besonders nach dem gran­diosen Wahlerfolg im November 1933, wo sich das ganze Volk zu seinem Führer bekannte. Die Maß­nahmen zur Verminderung der Arbeitslosigkeit und zur Beseitigung der größten Not durch das Winterhilfswerk haben in weiten amerikanischen Volkskreisen aufrichtige Bewunderung hervorge­rufen.

Die amerikanische Wirtschaftslage, die Arbeits­losigkeit, das Anwachsen des Kommunismus in Amerika, all das — so betonte Brinkley — gibt den Amerikanern heute genug zu denken, und wenn ein tatkräftiger Mann wie Roosevelt heute

versucht, die Wirtschaft zu beleben und Arbeits­möglichkeiten zu schaffen, so sei ein Unterschied zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Ar­beiter festzustellen. Der deutsche Arbeiter hat seine Aufgabe, am Aufbau Deutschlands und seiner Wirtschaft mitzuarbeiten, klar erkannt, in Amerika aber sei eine solche ideale Arbeitsauffassung noch nicht möglich.

Brinkley betonte, daß er in den Arbeitsdienst­lagern oft und oft den Aufbauwillen des deut­schen Jungarbeiters bewundert habe. Dieser un­bedingte Glaube an den Führer, diese Einsatz­bereitschaft des Arbeiters, auch für wenig Geld zu arbeiten, damit die Nation gesunden könne, kennzeichnen die Entwicklung in Deutschland.

Der Einfluß des Judentums in Amerika

Das Boykottgeschrei der Juden habe die Öffentlichkeit in breitem Maße erkennen lassen, wie groß ihr Einfluß und ihre Schlüsselstellung auch in Amerika ist. Theater, Kino, Radio, Film, Wirtschaftsleben, alles ist von Juden beherrscht, und mit wachsendem Mißmut sieht der Ameri­kaner zu, wie «in jüdischer Star für halbstündige Vortrage im Radio LOVOO Dollar Gage bezieht, während sechs Millionen Arbeitslose von Bettel­pfennigen leben müssen.

Brinkley hat sich bemüht, die Verhältnisse in allen Teilen des Reiches so genau wie möglich kennenzulernen. Er ist in den Industriegebieten in West- und Mitteldeutschland gewesen und hat die Vorposten des Deutschtums aufgesucht, hat auch Ostpreußen und Danzig bereist. Und auf unsere Frage nach der Einstellung der amerikani­schen Volksmeinung zur Saarfrage erklärte Brinkley mit aller Bestimmtheit, daß es ganz Nordamerika für eine Selbstver­ständlichkeit hält, daß das Saarge­biet wieder mit dem Reich vereinigt wird.

eemer Sia.aisihea.ier:

Dichard Strauß: Arabella

vie Bremer Zeitung hat bereits eine kurze Zn- tsangabe dieser jüngsten Oper von Richard -auß veröffentlicht. Das Textbuch schrieb der starben« Hugo von Hoftmansthal. Dank d.r utine, die ihm die reiche Beschäftigung mit dem eater, insbesondere mit der Oper, gab hat er hl für Spannung und Bühnenwirksamkeit ge- gt, aber im Grunde genommen ist die ^abel . Stückes doch recht dürftig. Leider gewinnt n den Eindruck, als sei die >prach!ch°Mr'sÄe staltungskraft hier der Manier und Schablone egen. Man wird das Gefühl Nicht los, daß se Sprache nur mit dem Auge gesehen, aber ht im Klang gehört ist. Das Textbuch ist nur t dem Intellekt geschaffen, der zwar für d e annungsmomente der Handlung sehrjchars.

nig, für das Eigenleben der Sprache aber taub Deshalb wirkt das Textbuch amorph. D e wache klappert, und darunter leidet, vor allem ersten Aktz auch die Musik Selbst dw Vir- osität eines Richard Strauß hat die,e Mangel - Textbuches nicht überwinden können.

Der erste Akt ist im wesentlichen in einem plap- rnden parlando gehalten. Erst mit dem Auft -ten Arabellas kommt ein neues melodiöses lement hinein, das allmählich mehr un y e Oberhand gewinnt, bis es m den Lyrismen gar bedenklich sentimentale Formen annlmm . Überhaupt liegt diese Oper, die Strauß eine rische Komödie nennt, der Operette seh h - Der Höhepunkt des Werkes ist zweifellos der reite Akt. Hier kann Strauß sein ganzes önnen entfalten. Hier ist eine oft bewun er erte thematische Arbeit geleistet.

Der dritte Akt, der im Gegensatz zu dem ohne uvertüre beginnenden ersten ein längeres V . - iel hat, ist musikalisch viel gedehnter, ceiter ausladend, als der erste und auch veite. Das Werk als Ganzes gesehen, verlier -«mit an Einheitlichkeit, aber zum Ausgleich o«r chwachen, die das Textbuch seinem Aufbau nach itbält, war das vielleicht notwendig. Ja, >-

ihrer melodiösen Entfaltung hat die Musik da­durch sogar erheblich gewonnen.

In der weiblichen Hauptrolle der Arabella sahen wir noch einmal Cäcilie Reich, die mit ihrem wundervollen, glockenreinen Sopran die vielen Schönheiten einer blühenden Melodik hell ausleuchten ließ.

sängerischem Können auch eine große schauspiele­rische Leistung, wie ja überhaupt die Entwicklung der Oper immer stärker auf eine Gleichwertung dieser beiden Gestaltungskräfte hindrängt.

Walter Wenzlawski spielte den Mandryka mit einer entzückenden Mischung von Tempera­ment, Verliebtheit, Eleganz und einer bärenhaft- tapsigen Selbstsicherheit des magyarischen Groß- edelmanns. Gesanglich war die Partie fein durch­gearbeitet; vielleicht hätte man ihr hin und wie­der etwas mehr Größe wünschen können. Als Gesamtleistung war dieser Mandryka bedeutend.

W

liche Hauptrolle wch d ^ Erscheinung.

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Als Zdenka hatte Manny Bremer die schwierige Aufgabe, die Unwahrscheinlichkeit die­ser Gestalt, die in der ganzen Anlage des Libret­tos begründet liegt, zu verdecken. Das gelang ihr, soweit es überhaupt möglich ist. Gesanglich

Douglas Brinkley entließ mich mit den zuver­sichtlichen Worten, daß sich die Anerkennung für Hitlers Werk und Ideen überall in der Welt durchsetzen würde, wie auch heute schon die Lei­stungen des Nationalsozialismus in breitem Maße anerkannt wären.

Belgische Warnung an Frankreich

Brüssel, 1. Juni

Die Tageszeitung „Vingtiöme Siecle" veröffent­licht am Donnerstag einen äußerst freimütig ge­schriebenen Artikel zur Saarfrage, in dem das Blatt Frankreich davor warnt, durch seine unnach­giebige Haltung einen neuen Unruheherd in Europa zu schaffen. Es appelliert an die französi­sche Regierung, sich vor der Abstimmung, und zwar sofort, durch unmittelbare Verhandlungen mit Deutschland über die Saarfrage verständigen.

Die Tatsache, daß die Saarländer im nächsten Jahre nahezu einmütig sich für Deutschland er­klären werden, ist für das Blatt nicht zweifelhaft. Auch die sogenannte französisch« Lösung, d. h. die Beibehaltung des bisherigen Regimes, werde von den Saarländern bestimmt abgelehnt. Die Poli­tiker und Journalisten, die heute noch eine gegen­teilige Meinung verbreiten, würden eine schwere Verantwortung auf sich laden. Die Abstimmung werde ein großer Triumph für Deutschland sein und als eine Niederlage Frankreichs ausgelegt werden. Der Verfasser des Artikels sieht für die Zeit nach der Abstimmung eine schwerwiegende Störung der deutsch-französischen Beziehungen und eine weitere Beunruhigung Europas voraus, wenn keine Verständigung vor der Abstimmung zustande kommt. Er wendet sich sodann mit folgen­den Worten an Frankreich:

„Es ist unbedingt notwendig, und zwar sowohl im französischen wie ganz allgemein im europäi­schen Interesse, daß Frankreich mit Deutschland verhandelt, und zwar vor der Abstimmung und sogar sofort, damit die überreizte Stimmung, die heute in Deutschland hinsichtlich der Saar besteht, ei» Ende nimmt.

Frankreich muß freiwillig und ohne länger zu warten, aus die Saar verzichten, ehe es dazu in einem Jahr gezwungen wird. Deutschland ist be­reit, ihm wirtschaftliche Zugeständnisse zu machen, wie mehrfach von deutschen maßgebenden Zeitun­gen versichert worden ist.

war die Partie weit besser durchgestaltet als mimisch.

Die Figur von Arabellas und Zdenkas Vater, den verschuldeten Grafen Waldner, hatte Willy Kasper darzustellen. Hier würde etwas mehr Dekadenz und geschickt gespielte Nonchalance namentlich im ersten Akt gut tun. Wahrscheinlich würde damit auch dem Spiel etwas von dem zu­weilen reichlich Liedermännisch wirkenden Pathos des Stimmklanges genommen werden und die sonst gut gesungene und gespielte Partie voll befriedigend wirken lassen. Daß Willy Kasper seine Aufgabe lösen kann, beweist der dritte Akt, in dem die steigende Nervosität gut versinnbild­licht wurde.

Grete Pense gab mit ihrer Adelaide eine gesanglich gut durchgearbeitete und im Spiel fein abgewogene Leistung. Karl Ostertag als „Mattes" verkörperte in den ersten beiden Akten den in Zweifel und Bangen schwebenden Lieb­haber recht geschickt. Im dritten Akt ließ er die Erregung der verwirrenden Geschehnisse stimm­lich zum Ausdruck kommen und hielt sich in der Geste scharf zurück. Die gleiche, wohl von der Regie diktierte Zurückhaltung trat bei Egmont Koch (Graf Lamoral) stark in Erscheinung. Auch bei Arthur Bednarczyk (Graf Elemer) und Otto Reitmayr (Graf Dominik) war ein Versuch, von der pathetischen Geste des Musik­dramas loszukommen, zu bemerken.

Eine dankbare Aufgabe hat der Komponist der „Fiakermilli" gegeben, deren Partie er bra­vourös behandelt und mit sehr wirkungsvollen Koloraturen ausgestattet hat. Elisabeth Mä- chold spielte diese Fiakermilli überaus schwung­voll und gelöst. Die Koloraturen und die wei­ten Sprünge gelangen durchweg recht gut.

Es bleiben noch zu erwähnen: Beate Roos- Reuter als „Kartenaufschlägerin", Heinz Schommertz als Leibhusar des Mandryka, Carl Scheithauer und Carl Achenbach als Diener des Mandryka und Erich Witte als Zimmerkellner, deren Leistung auf der Höhe der Gesamtwiedergabe liegt.

Von den Bemühungen der Regie, für die In­tendant Dr. Willy Becker verantwortlich zeich-

Deutsches Recht

5. X. Bremen, 2. Juni 1934.

Diese Zeilen sind von einem Nicht-Juristen geschrieben. Sie erheben also steinen An­spruch darauf, etwa tiefgründigen Ausein­andersetzungen über juristische Begriffe von früher und heute Raum zu geben. Was sie bezwecken ist, die Stimmung des Volkes zur Frage des deutschen Rechtes zum Ausdruck zu bringen. Manch' Kampfartikel gegen weltfremde Auffassung an Gerichtsstelle ist in der Zert des alten Systems aus dieser Feder ge­flossen, und manche Berichtigung, mit reich­lichen Paragraphen gespickt, kam als Ant­wort von der Gerichtsstelle zurück. Wir haben diese Gereiztheit der Herren Juristen nie besonders tragisch genommen, weil wir wußten und auch begriffen, daß sie aus dem Wulst des Paragraphennetzes sich beim besten Willen nicht befreien konnten, aber wir haben so manchmal Richter, von denen wir wußten, wie ihr Herz mit dem Volke schlug, wie ihr gesunder Menschenverstand sich gegen Entscheidungen auflehnte, die dem Volks­empfinden schallende Ohrfeigen versetzten, aufrichtig bedauert.

Es war eine bitterböse Zeit gewe­sen, da das Weimarer System im Lande herrschte. Bitterbös' besonders für die Justiz, und wenn in den Parlamenten jener Zeit von fast allen Seiten das Wort von der „Vertrauenskrise der Justiz" in die Aussprache geworfen wurde, so ist daran viel wahr gewesen. Da gab es republika­nische Richtervereine, da gab es neutrale Richtervereine, da gab es Richter und Ju­risten aus allen Parteilagern. Es liegt uns fern, auch nur einem Richter die geringste Rechtsbeugung in irgendeiner Form vorzu­werfen — aber der Mensch kann selten aus seiner Haut heraus, und ein klein wenig politisches Vorurteil ist in gewissen gela­gerten Fällen doch durchgesickert. Aber ganz abgesehen von den Personen, die Recht sprachen, war die Vertrauenskrise zur deut­schen Justiz in jener Zeit im Volke eine allgemeine. Es gibt im Leben eines Volkes nichts Furchtbareres, als wenn das Volk zur Rechtsprechung das Vertrauen verloren hatte. Der Gang zum Gericht war für viele Leute eine moralische Hinrichtung, ganz gleich, ob sie Angeklagte oder Zeugen ge­wesen waren. Hatte der Prozeßgegner einen gerissenen Verteidiger, so war die mora­lische Hinrichtung des anderen schon besiegelt. Mit der reinen Weste ging er zum Gericht, davon überzeugt, daß er, seinem Rechts­empfinden entsprechend, Recht bekommen würde, und als geschlagener und gezeichneter Mensch ging er von bannen. Wie mancher Verbrecher schlimmster Art bekam von sei­nem jüdischen Strafrechtsvertei- diger noch obendrein den Glorienschein gewoben, und das Opfer, das der Verbrecher zur Strecke gebracht hatte, war plötzlich vor

nete, wurde bereits angedeutet, daß sie den Ver­such machten, Spiel und Geste dem Zeitcharakter dieser musikalischen Komödie, die in der Zeit um 1860 spielt, anzupassen. Wie ihr das gelang, damit kann man durchweg einverstanden sein — aber zuweilen noch ein kleiner „Schuß Champag­ner", noch ein wenig mehr Leichtigkeit und wie­nerische Beweglichkeit, und die Absicht wäre er­reicht.

Dies um so mehr, da Kapellmeister Karl Dam- mer, der dieser Beweglichkeit und Veschwingt- heit der Partitur mit leichter Hand nachging, manchen Sprühregen der Virtuosität in schillernden Klangfarben vorüberziehen ließen. Gegen die sentimentalen Anwandlungen und einige Bana­litäten, denen Richard Strauß in dieser lyrischen Komödie nachgibt, ist der Kapellmeister freilich machtlos. Es läßt sich indes nicht leugnen, daß die Partitur sehr viel Geistvolles und Gekonntes ausweist; ihre Mittel sind im Vergleich zum frü­heren Strauß sparsam, es ist alles leichter und weniger dickflüssig. Diese Leichtigkeit verlangt von den Musikern feinstes Reagieren aus jede Absicht des Dirigenten und man hatte bei der Aufführung am Donnerstag den Eindruck, daß das Orchester freudig und willig mitging.

Das Bühnenbild, das Theodor Schlonski schuf, wurde durch den nicht gerade übermäßig ge­schmackvollen Zeitstil diktiert.

Durch das bis auf den letzten Platz besetzte Haus und den gewaltigen Beifall wurde sicher­lich die Bühnenwirksamkeit von Richard Strauß' jüngster Schöpfung bestätigt. Wenn diese neue Oper auch an den „Rosenkavalier" nicht heran­reicht und auch kaum einen neuen Weg für die weitere Entwicklung der Gattung zeigt, so ist die Aufführung doch dankbar zu begrüßen, ja, sie war sogar notwendig. Ueber alle Wertung im " einzelnen hinaus ist es erforderlich, daß die deutsche Opernbühne ihre Kulturaufgaben erfüllt: das Publikum mit dem Opernschaffen der Gegen­wart in Fühlung zu bringen, zugleich aber auch die schöpferischen Kräfte, die einer sehr viel wei­tergehenden Resonanz als bisher bedürfen, wach­zuhalten, wobei für die Intendanten wie für den Opernbesucher nicht der berühmte Name des Kom­ponisten allein ausschlaggebend sein darf. X. 6