Ausgabe 
(12.12.1933) Nr. 336
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Bremer Zeitung, Verlagsgesellschast m. b. H., Eeeren 6 bis 8. / Fernruf: Sammelnummer Roland 825.

Nr. 33S / 4. Vierteljahr

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Dienstag, den 12 . Dezember

Einzelpreis is Rpf.

Der Führer empfängt den französischen Botschafter / Dringender Appell des Reichsbankpräfidenten

Weltwirtschaft erwache!

Schacht in Bafel

Transferverpflichtung übersteigt Ausfuhr- möglichkeit

Basel, 11. Dezember

Die zur heutigen Sitzung des Verwaltungsrats der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich lBZZ.) hier anwesenden Gouverneure der Zen- tralnotenbanken versammelten sich am Sonntag nachmittag 1 llhr, am Sitze der Bank zu Vor­besprechungen. Reichsbankpriisident Dr. Schacht traf nach 1 Uhr nachmittags im Flugzeug in Basel ein und begab sich sofort zu der Sitzung. Die in letzter Zeit besonders von englischer Seite, aber auch von anderen Seiten gemachten Anre­gungen, die Geschäftstätigkeit der Bank über den in den Statuten derVJZ. festgelegten Rahmen der tzoldu ung hinaus auszudehnen, haben natür­lich auui unter den Gouverneuren der Zentral- notenbanke«, die in den letzten Zusammenkünften schon mehrmals diese Frage besprachen, ein gro­ßes Echo gesunden. Doch darf als sicher ange­nommen werden, daß in dieser Hinsicht vor der im Mai 1931 fälligen Generalversammlung der BZZ. Keinerlei wesentliche Beschlüsse gefaßt werden. .

Bor der Deutschen Handelskammer in der Lchweiz, Bezirksgruppe Basel, hielt Reichsbank- präsident Schacht einen Vortrug über das ThemaZins oder Dividende?". Einleitend wies er auf den allgemeinen wirtschaftlichen Nieder­gang hin, dem sich im Laufe der Zeit kein Land habe entziehen können. Die Ursachen dieser Wirt- schastsnot lägen in dem politischen Geschehen. Vor allem sei es das Bemühen der Siegermächte, den Gegner ein für allemal moralisch niederzu­halten, ihn für alle Zeit als minderwertig zu ächten..

Auf solchem psychologischen Boden könne keine internationale Wirtschaftsvelebung gedeihen. Die sozialen Kräfte aber schicken sich jetzt an, die poli­tischen Kräfte zu sprengen. Der Schrei der Massen nach Arbeit, Kultur und friedlicher Entwicklung ist so stark geworden, daß dagegen die krampf­haft aufrechterhaltene militärische Gewalt der Sieger versagt. Das Deutschland Adolf Hitlers hat diese Aufgabe verstanden und ihre Lösung entschlossen angepackt. Für die Aufrechterhaltung der internationalen Beziehungen ist es aber nicht gleichgültig, wie das Ausland sich einstellt.

Dr. Schacht ging dann davon aus, daß das alte liberalistische Wirtschaftssystem ge­genüber den großen sozialen Notwendigkeiten ebenso versagt habe wie die Politik. Aus den Kehlen von 25 Millionen Arbeitslosen der ganzen Welt schreie dem liberalistisch-kapitalistischen System heute der Ruf entgegen:Du taugst nichts, wenn du uns nicht ernähren, wenn du uns nicht nützlich beschäftigen kannst, verschwinde, deine Zeit ist vorbei". Faschismus und Nationalsozialismus suchen dem Problem auf gesünderem Wege beizu- kommen, aber sie stoßen in Westeuropa auf Wider­stand, denn Westeuropa wird nicht von dynami­schen, sondern von statischen Kräften be­herrscht. Das statische Prinzip in, der Wirtschaft äußert sich darin, daß man seine kapitalistischen Zinsrechte zu sichern und zu bewahren sucht. Die­ser Standpunkt kommt, das führte Dr. Schacht an Hand von Beispielen aus, in den deutschen Trans­fer-Verhandlungen mit seinen Gläubigern kraß zum Ausdruck.

Gegen die Gchuldendiktate

Das Leihkapital vergesse ganz, daß es von dem Wirtschaftserfolg des Unternehmers abhängig sei. Die Abneigung der Masse richtet sich instinktiv gegen das arbeitslose Zinseinkommen, wenn andere man­gels Beschäftigung Not leiden müs­sen. Das Kapital muß seine Existenzberechtigung dadurch erweisen, daß es stets zur Förderung der Wirtschaft dient. Der Zins hat auch rein wirt- schastspolitisch in der Nachkriegszeit seine Rolle völlig geändert. Er muß aus dem Ertrag der Pro­duktion erwirtschaftet werden. Wenn der Kapital­zins doppelt so hoch liegt wie in der Vorkriegszeit, so rechtfertigt das schon allein dir Annahme wirt­schaftlicher llntragbarkeit. In diesem Zusammen­hang wandte sich Dr. Schacht gegen die unsinnigen politischen Schuldendiktate.

Der Deviseneingang reicht nicht aus

Was für jeden einzelnen Gläubiger im priva­ten Eeschäftsleben in schwierigen Zeiten eintritt, daß er sich mit seinem Schuldner zusammensetzt und entweder über Konkurs oder Hilfeleistung bespricht, trifft heute auf Deutschland als Eefamt- wirtschast zu. Die deutsche Eesamtwirtschaft muß transserfähig gemacht werden. Die Ziffern für die seit der Einführung der Transfereinschrän- kung abgelaufenen Monate zeigen auf das deut­lichste, daß Deutschland nicht in der Lage sein wird, während der kommenden sechs Monate einen

5vprozentigen Transfer wie bisher zu bewerk­stelligen, ohne die Gold- und Devisenreserve der Reichsbank anzugreifen. Der Deviseneingang reicht nicht aus. Die geringe Anreicherung, die die Reichsbank erzielt hat, ist nur zum kleinsten Teil auf den Stillstand im Transfer zurückzu­führen. 100 Millionen Mark sind dem Volks- verratsgesetz zu verdanken. Unsere Außenhandels- ziffern zeigen zwar noch einen gewissen Exp 0 r t- Überschuß. Er besteht aber zu einem erheb­lichen Teil in den sogenannten zusätzlichen Ex­porten, die nicht mit Devisen bezahlt werden. Hinzu kommen die sogenannten Emigranten­exporte, für die kein Gegenwert in Devisen her­einkommt.

Das Mißverhältnis zwischen der Schuldenlast und Erwerbsmöglichkeit ist heute in der ganzen Welt zu, einem schweren Problem geworden. Dr. Schacht verweist auf die Verhältnisse in der amerikanischen Landwirtschaft und den vergeblichen Versuch der amerikanischen Regierung, dieses Problem auf dem Wege der

Währungsentwertung zu bereinigen. Der Unter­schied der deutschen Lage gegenüber derjenigen der anderen Länder ist nur der, daß hier eine innere Verschuldung vorliegt, während die großen Aus­landsschulden Deutschlands die gesamte Volkswirt­schaft und alle sozialen Schichten unterschiedslos belasten. Die gewaltige zwischenstaatliche Verschul­dung ist es, die die Weltwirtschaft zum Erliegen bringt. Das starre Festhalten an Rechtsansprüchen in außergewöhnlichen Zeiten birgt ungeheure Ge­fahren in sich, gerade deshalb, weil die praktische Gegnerschaft gegen untragbar gewordene An­sprüche nur zu oft in die Theorie grundsätzlich neuer Rechtsauffassungen umschlägt. Wer das Recht des Anleiheoertrags unangetastet erhalten will, sollte die Zeit verstehen.

Die Folgerungen, die sich aus der deutschen Auslandsverschuldung ergaben, bestanden darin, daß Deutschland die Zinsen voraussichtlich nie­mals im ursprünglichen Umfang wird zahlen können, es sei denn, daß ein völliger Wandel in der Weltwirtschaft wie in der Politik eintritt.

Die politischen Gläubiger haben das Geld nicht von deutschen, sondern von ihren eigenen Staats­bürgern und von den Neutralen einkassiert und hoffen jetzt, daß sich der Aerger jener Privat­gläubiger gegen Deutschland richten werde.

In diesem Zusammenhang erscheint die anti­deutsche Propaganda, die sich bis zum Boykott deutscher Waren steigert, in einem besonderen Licht. Wie ein Witz wirkt es, wenn diese Boy- kottbewegung von ausländischen Vertretern des wirtschastsliberalistischen Systems mit unverhoh­lener Sympathie begleitet wird. Es sind aber nicht nur private Kreise, sondern auch die offi­ziellen Stellen, die mit währungspolitischen oder handelspolitischen Maßnahmen den Erfolg deut­schen Unternehmertums einschränken.

Anders als in Deutschland, liegt der Welt- zins erheblich unter dem Stand der Vorkriegs­zeit. Hauptsächlich infolge der übermäßigen Be­lastung mit hochverzinslichsn Auslandsschulden

(Fortsetzung auf Seite 2)

vor der Nationalsozialistischen Reichstagssraktion

Berlin, 11. Dezember.

Die Reichspressestelle der NSDAP. teilt mit: Am Montagabend versammelten sich die natio­nalsozialistischen Reichstagsabgeordneten im Ple­narsaal des Preußischen Landtags, um vor dem Führer den Treueid abzulegen. Reichsminister Dr. Frick eröffnete die erste Sitzung der neu­gewählten Reichstagsfraktion der NSDAP. und begrüßte die aus allen Teilen des Reiches hier­her geeilten Mitglieder aufs herzlichste. Er be­grüßte vor allem die Parteigenossen, die aus den aufgelösten Landtagen zur Derklammerung der neuen deutschen Einheit zu uns gekommen sind. Die Entwicklung, die die nationalsozialistische Be­wegung in den letzten Jahren aus kleinsten An­fängen in erbitterter Oppositionsstellung gegen den Staat von Weimar bis zum Endsieg zum totalen Staat genommen habe, sei geradezu phan­tastisch. Sie werde am besten veranschaulicht durch folgende nüchterne Ziffern: Nach der Reichstags­wahl vom 2V. Mai 1928 zählte unsere Fraktion 12 Abgeordnete, am 12. November 1983 661 Abge­ordnete, darunter über 630 Parteigenossen.

Zum erstenmal tritt ein Reichstag zusammen, der aus nur einer Partei besteht. Sie ist damit zum alleinigen Träger des Staates geworden. Dieser gewaltige, in der Geschichte kaum dage­wesene Siegeslauf einer weltanschaulichen und politischen Bewegung ist das Werk des genialen Führers Adolf Hitler, den wir hier in unserer Mitte begrüßen dürfen. Er hat sich in den ver­gangenen 12 Kampsjahren nicht nur als der große Parteiführer erwiesen, sondern in den letz­te» 10 Monaten auch als Staatsmann Geschichte geschrieben.

Der 11. Oktober und der 12. November 1933 werden einmal in der Geschichte als Höhepunkt der genialen Staatskunst des geborenen Führers verzeichnet sein. Am 11. Oktober hat er mit kühnem mannhaften Entschluß das Tor zur außen­politischen Handlungsfreiheit aufgeschlagen und an diesem Tage hat er vor aller Welt bewiesen, daß seine Macht in Deutschland sich nicht gründet aus Terror und Gummiknüppel, sondern aus die Liebe des gesamten deutschen Volkes.

Dann nahm der Führer das Wort. In seiner außerordentlich eindrucksvollen Ansprache entwarf

er ein Bild der großen geschichtlichen Aufgabe, vor die die nationalsozialistische Staatsführung heute gestellt sei und die sie verantwortungsbe­wußt in Angriff nehme. Einleitend gab er einen kurzen Rückblick auf den 15 jährigen Kampf der nationalsozialistischen Bewegung seit der Novem­berrevolte des Jahres 1918.

Nachdem es nunmehr gelungen sei, den Marxis­mus und seinen Wegbereiter, die antinationale Demokratie von Grund aus zu beseitigen, werde keine Macht in Deutschland mehr den von der nationalsozialistischen Bewegung erkämpften wah­ren Bolksstaat stürzen können. Der national­sozialistische Staat sehe das Wesen der Führung nicht nur darin, beharrlich einem Ziele zuzu­streben, sondern auch in der Fähigkeit, schnelle Entschlüsse zu fassen.

Unter diesem Gesichtspunkt ging der Führer so­dann auf die Entscheidung des 11. Oktober und ihre Begründung im einzelnen ein. Das ganze deutsche Volk habe am 12. November vor aller Welt dokumentiert, daß es geschlossen hinter dem Wollen der Regierung steht. Dem deutschen Volke sei am 12. November ein Erfolg beschieden ge­wesen, der einzigartig sei in der Geschichte der

Lkberlragung der Neichslagseröffnung

Die parteiamtliche Pressestelle teilt mit:

Um allen Volksgenossen anläßlich der Eröff­nung des Reichstages am Dienstag, 12. Dezember, 15 Uhr, Gelegenheit zum Abhören geben zu kön­nen, ist eine Uebertragungsanlage in den Cen- tralhallen aus der NS-Weihnachtsmesse geschaffen worden.

Völker. An diesem Tage, so rief der Führer unter stürmischer Zustimmung aus, hätten wir bewie­sen, daß wir ein anständiges und bis ins Innerste gesundes Volk seien. Bei welchem anderen Volke wäre eine so tiefgehende entscheidende Wendung innerhalb weniger Monate nach einer politischen Umwälzung möglich gewesen? Statt Waffen, die uns fehlten, hätte uns der 12. November dies ein­zigartige Bild der Kraft eines geschlossenen Vol­kes gegeben.

Das Volk habe dabei sein Ja nicht nur der Regierung gesprochen, sondern auch der herrschen­den Partei. Das Schicksal habe einer einzigen Bewegung die ganze Macht in die Hand gegeben. Die NSDAP. habe erreicht, wofür sie 11 Jahre gekämpst habe. Dafür habe sie aber auch vor der Geschichte eine unerhörte Verantwortung über­nommen. Denn aus ihr ruhe heute das Schicksal der ganzen deutschen Nation und sie habe nun zu erfüllen, was Jahrhunderte gewollt und ersehnt haben. Die Bewegung habe sich zu fühlen als die Begründerin einer neuen Tradition in unse­rem Volke.Dieses Votum hat euch verpflichtet, die Voraussetzungen zu schaffen für einen Neubau der Nation aus Jahrhunderte hinaus".

Diese Bewegung müsse sich turmhoch über kleine Gesichtspunkte hinausheben.

Der neue Reichstag habe die Aufgabe, erstens mit seiner Autorität die große Aufbauarbeit der nationalsozialistischen Staatsführung zu unter­stützen und zweitens durch die Partei die leben­dige Verbindung zum Volke zu sein.

Der Führer verpflichtete die versammelten Führer der Partei, dem Volke in allem ein Vor­bild zu sein.

Wenn dieser Reichstag seine Pflicht erfüllt, werden wir ruhig und mit Zuversicht in 1 Jahren wieder vor das Volk treten. Er sei überzeugt, daß es uns dann ein neues und vollkommeneres Vertrauensvotum ausstellen werde. Der Führer erklärte, daß er immer wieder an das Volk appel­lieren werde, allein schon deshalb, damit die Bewegung ebenso elastisch bliebe wie bisher und etwaige Fehler, die ihr unterlaufen, rechtzeitig erkenne. Von dem neuen Reichstag müsse es der­einst heißen, daß er der jüngste, mutigste und kühnste gewesen sei, und die großen Ausgaben der Geschichte, an denen Jahrhunderte gescheitert seien, gelöst habe. So wie er der Bewegung die Treue gehalten habe, so verlange er von jedem, daß er ihm die Treue halte. Dann würden wir als eine Gemeinschaft verschworener Männer in die Geschichte eintreten, als eine Gemeinschaft verschworener Männer, die Geschichte gestaltet und als eine Gemeinschaft verschworener Männer, die die Geschichte der Gegenwart verlassen, um ein­zugehen in die Geschichte der Zukunft.

Dr. Gchmitt über deutschen Wirtschaftsausbau

Berlin, 11. Dezember.

Der Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt sprach heute vormittag vor der in- und aus­ländischen Presse. Der Minister führte aus:

Als ich beim Antritt meines Amtes zum ersten Male zur Presse sprach erklärte ich als meine vordringlichste Aufgabe, die Ar­beitslosen in Beschäftigung zu bringen, zu­nächst durch die Durchführung öffentlicher Arbeilsbeschafsungsprogramme, in zweiter Linie durch die allmählich einsetzende natür­liche Wirtschastsbelebung. Gleichzeitig wurde im Einvernehmen mit dem Führer die Parole ausgegeben, daß bis aus weiteres die Durch führung des ständischen Ausbaues zurückge­stellt würde, damit die Wirtschaft zur Ruhe käme und Vertrauen in die Zukunft ge­

wänne. Hat es sich doch gezeigt, daß ein überstürzter Eingriff in das in Jahrhunder­ten geschaffene seingliedrige Räderwerk der Wirtschaft ihre Ingangbringung nur stört, und datz vor allen Dingen auch das notwen­dige Menschen- und Führermaterial nicht aus dem Boden gestampft werden, sondern nur heranwachsen kann.

Wo stehen wir heute? Dazu eine Vorbe­merkung: Wenn man an eine Aufgabe her­angeht, so mutz man an deren Erfolg glau­ben, man mutz getragen sein von einem starken Schwung. Ebenso gilt aber auch der Satz, datz man nur mit Nüchternheit und kri­tischer Abwägung des Getanen gegen Rück­schläge und Enttäuschungen gesichert ist.

Ich glaube heute mehr denn je an unseren wirtschaftlichen Erfolg. Gerade unsere wirt­

schaftliche Entwicklung in den letzten Mona­ten zeigt eine stetige, wenn auch noch nicht alle Gebiete umfassende Besserung. Die Zahl der Arbeitslosen weist sogar noch in der zwei­ten Novemberhälfte eine rückläufige Tendenz auf. Der Kohlenabsatz, der Stromverbrauch, die Wagenstellung der Reichsbahn zeigen steigende Zahlen, ich will damit gewitz nicht behaupten, datz wir damit irgendeinen Grund zur Zufriedenheit hätten. Ich weitz, datz es auch heute noch Wirtschaftszweige und Wirt­schaftsgebiete gibt, in denen sich noch keine Erleichterung zeigt, ja, die sogar neuerdings eine gewisse Verschlechterung erfahren haben. Aber das mutz in Kauf genommen werden.

(Fortsetzung der Rede siehe 1 Handelsseite)

DleNGDAV. erobert den Reichstag

Von Franz Stöhr, M.d.R.

Der Reichstag, der heute zusammentritt, ist der neunte der Nachkriegszeit. Seine 661 Ab­geordneten sind ausnahmslos aus den natio­nalsozialistischen Vorschlagslisten gewählt. Weit über sechshundert davon sind Partei­genossen. Nur vier von ihnen, und zwar Feder, Dr. Frick, Gras Reventlow und der Schreiber dieser Zeilen, gehören dem Reichstag ununterbrochen bereits seit der zweiten Wahlperiode, also seit dem 4. Mai 1924, an. Das war der Tag, an dem die ersten Nationalsozia­listen in den Wallotbau vor dem Branden­burger Tor in Berlin ihren Einzug hielten. Diese bildeten damals, zusammen mit Vertre­tern anderer völkischen Gruppen und Lu- dendorff,die Fraktion der NS.-Freiheits- bewegung, die nach der im Oktober des gleichen Jahres erfolgten Auslösung des Reichstages wieder verschwand.

Man weitz, datz unser Führer sich nicht leichten Herzens zu dem parlamentarischen Ex­periment entschloß. Aus dem glatten Parkett des Reichstagsgebäudes und in der durch die Verguickung von Politik und Geschäft erzeug­ten Atmosphäre, die dort herrschte, waren un­angenehme Zwischensälle keineswegs undenk­bar. Doch Adolf Hitler wußte, daß er sich auf seine Leute verkästen durfte. Sie lie­ferten auch bald den Beweis, daß National­sozialisten in jedem Terrain und gegen jeden Feind mit Erfolg zu kämpfen vermögen.

Als der Führer am 27. Februar 1925 die in den blutigen Ereignissen in München un­tergegangene NSDAP. neu begründete, tagte der dritte Reichstag der Republik. In ihm saßen neben den vier genann­ten Parteigenossen noch Dietrich (Ko- burg), Kube und Straffer. Keiner von den Sieben wird die Erinnerung an diese Zeit misten wollen, wo das winzige Häuflein, inmitten einer fast durchweg feindlichen Um-

FwiMiS Voncet bei Adolf Hitler

Der deutsche Botschafter bei Paul Boncour

Berlin, 11. Dezember.

Amtlich wird mitgeteilt: Der Reichskanzler empfing am Montag in Gegenwart des Reichsministers des Auswärtigen, Freiherrn von Neurath, den französischen Botschafter, Francois Poncet. Die Unterhaltung diente der Fortsetzung der am 24. vorigen Monats begonnenen Besprechung über die verschie­denen schwebenden Fragen.

Paris, 11. Dezember

Der Botschafter des Deutschen Reiches, Dr. Küster, hatte mit dem französischen Außenminister Paul Boncour eine längere Unterredung, in der unter Bezugnahme auf die Aussprache des Reichs­kanzlers mit dem französischen Botschafter in Berlin, Francois Poncet, sämtliche aktuellen Fragen erörtert wurden.

Die Tatsache, datz gleichzeitig mit der Be­sprechung Adolf HitlerFrancois - Poncet in Berlin der deutsche Botschafter in Paris von Paul-Boncour empfangen worden ist, deutet darauf hin, daß die mit Spannung erwartete deutsch-französische Aussprache nunmehr inten­siv begonnen hat. Wenn auch bis Redaktions­schluß eine amtliche Meldung über den Inhalt der Besprechungen nicht vorlag, wird man doch annehmen dürfen, datz es sich bei den Unter­redungen nicht zuletzt um Rückfragen und Klarstellungen handelte, die sich im Verlauf der bisherigen internationalen Debatte über die Verständigung zwischen Berlin und Paris in der Abrüstungs- und Gleichberechtigungs- forderung a.s notwendig erwiesen.

Dollar und Vfunb

Kein amerikanischer Schritt bei England in de Stabilisierungsftage

Washington, 11. Dezember.

Im Staatsdepartement wird im Gegensatz z umlaufenden Gerüchten erklärt, daß die amer konische Regierung weder auf dem Wege übe die britische Botschaft in Washington noch ar dem über die amerikanische Botschaft in Londo einen Schritt unternommen habe, dessen Ziel ein endgültige Festlegung des Verhältnisses zwi'che Dollar und Pfund Sterling geweien sei.