Ausgabe 
(8.12.1933) Nr. 332
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

?'ec. ^1°»^

v:Ni«8

R-gg . l«.ln^

rui»i -... '' - -.

p«, dx

»>->

->8

»n« 8»>l,^,. ',"'«>0»

8» ?>»«!.,

S»,. ^«etilll

'>«>,'

L?v. ., ,

W^ .-«' ">»,

->r«. 2A,,.''

B»

281-!,

1 >8

kr°i, »°,

'L-„ U'I.'' cu

- ».U',,-iM 8c > I1-/l>'

§

ir. p. 1», sr°k 11ss.-L-.. k-kr. l°>/„

!. ?I. lö-'lE '

I-r-I, it-,.

ller dsotlx >t»llksxrs>, o ^ viu-ös I» ^ ^esstrt, vüs 8 lckvreis deti-L,

U ?«ms, l»

>k »H.. k« «

*»»>

r»u,

Ich.»

2 L

»8

!>/.

V7,

S.U

ö.lo

S,I8-/.

NZ1

8M

I2K

RA>

88,19

26,15

>5,75

22,9«

1,78

>8,00

8,00

2,71

0.9«

>1,12

6^8

8,77

>7Z>

Z,

>ech

i,SS

!,lv

,11

Ä

«

s»

sl

57 l.

n°

7,W> K7 ,25 t »«

,«»>

^>n .81 n ,tt 8 ,5t » W teli^

.15

,W

«ISt

t,«8

>^!t

2M

8V

8 »

1,15

8.50

5,70

1.

l'/.

1>/>

5,18

5.18

8.18 21,W 8^1 12,92 8«,8» 88,88 28,75 28,05 28,10 1.82 17^5 27,50 2,17 0,88 81^5 88,88 8.N 87,70 18,82

eilt delt 8/7 1,01 1,15 iM 1,18 1,81 creux 9>>»

I»2- iUs.

°»'!33,5I , 8» der.

L. L

1». «zi

kett, 8,vc

0° 8t, «,7

8» «11, c->, 1°, k 2adSI »odriich. 7 08. ver.

1» M 1». «Irr 1» «i,

1° W Leel cerpeoü»

1», §3»,m>

»elre». »i 1», Kor!» «»1», loco V'weOI, » 1» dich« Oelsl knxi

1o Ü»»l1»

Muxo 0«5l« Vene», 7s 1», Her 1o «Lj 1o M 1o, 5cpi / «-1-, 70 /

Her

Ull I I°I>

8.11 n

1o. Sepc -

Sole,. 70

8.55

Oo 0 er

8.88

0» »oi

8.78 0

0l> M

9.08 0

0» 8e?l

800»

«°r«e°. 7

7>i,

0» »er. -

5.98

0°. «oi

Oo loli

8.08

üo. Sexi

8.2»

SÄwolr. I

8.82»

0» Her

8.12»

0». so».

Oo. olsrr

8»»»

suc dek. 9,88

80 5131

8pec8

10,2»

8ü>«eliie

9,99

leichte. »Oi

1»,»2

0 » bSchtte

IU,18

ech»ei. oO

I»,29

Oo döchete

1v,12

rol ia eitle

-

0°. 1. «eN

10,88

—

VltMlpe»

IVelr..

18000

08 Usl

88. !»>

s 1

Holet, »e/

s 8

08. «e>

58,50

0». still

1,1°

t<50

ve/

08. «o!

5,25

0». su>t

20,77

Oec te.ver

18F>

5,70

08. «>>

-lo. sUll

loolieioorse.

rlilii

«o»

-?1>

Ä>5

M

W

S1

W

öremer

öas amtliche Vrgan Ses Senats

Zeilima

ger Freien Lanfestaöt vremen

, täglicheni Erscheinen RM, 2,30 einschließlich 30 Rpf, Zustellungsgebiihri durch die Post RM, 2,30 einschließlich Ueberwelsungsgebuhr, ausschl. Postbestellneld, Der Bezugspreis ist im voraus zu entrich­ten. — Postscheck Hamburg 74 738. — Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersaß.

Bremer Zeitung, Verlagsgesellschaft m. b. H., Geerenk bis 8. / Fernruf: Sammelnummer Roland «25.

Nr. 332 / 4. Vierteljahr

19 3 3

Rnzeigen-Teil: Hiesige je mm-Zeile 13 Rpf„ auswärtige 17 Rps.i im Texttsil hiesige 75 Rps , auswärtige 180 Rpf. Klein-Anzeigen bis 28 mm, Familien-Anzeigen und Wohnungsniarkt bei Vorauszahlung 8 Rps,, Stellengesuche K Rps. Platzvorschristen ohne jede Verbindlichkeit. Alle sonstigen Bedingungen nach Taris.

Sprechzeit des Verlages und der Schriftleitung 12 bis 13 Uhr. / Schluß der Anzeigenannahme 1« Uhr.

Freitag, den 8. Dezember

Einzelpreis 15 Npf.

Eln aufschlußreicher Vrozeh

Frankreichs Schulpolitik im Saarland

KommefMumt Rochling freigesprochen

Saarbrücken, Gegen Kommerzienrat Dr, h.

7.

Dezember.

RöchIing

ist heute hier das bereits angekündigte Straf­verfahren eröffnet worden. Die Anklage beschul­digt ihn der „Aufreizung der Bevölkerung und Beleidigung". Hermann Röchling hatte durch ein von ihm verfaßtes Flugblatt die Saar- bevölkerung aufgefordert, ihre Kin­der nicht in die französischen Doma- nialschulen zu schicken. Zwei Bergleute in Velsen, deren Kinder in die französische Schule gehen, glaubten in dem Flugblatt „grobe Belei­digungen und provokatorische Drohungen" er­blicken zu müssen. 2n der gleichen Angelegenheit sind ferner angeklagt der Verlagsdirektor Hall von der Saabrücker Landeszeitung und drei Flug­blattverteiler.

In der Verhandlung betonte Kommerzialrat Röchling, daß sein politischer Kampf stets der Schulfrage als einer der wichtigsten gegolten habe, weil jeder Bergmann entlassen werde, der seine Kinder auf eine andere als die französische Schule gab. Geheimrat Röchling wies auf einen Erlaß der Regierungskommission hin, die einen Druck auf die Eltern der Kinder als unzulässig bezeichnete.

Der Bergmann Dorscherd, der sich laut Anklage­schrift beleidigt gefühlt hat, muß zugeben, daß er das Flugblatt nur auf eigenes Anfordern be­kommen hat. Er stellt sich ferner heraus, daß Dorscheid den Antrag auf Erwerb der franzö­sischen Staatsangehörigkeit gestellt hat und' daß der andere Antragsteller Bergmann Köhler sie bereits besitzt. Beide gehören natürlich der se­paratistischen saarländischen sozialistischen Partei an.

Der Bergmann Morchette hat seine Kinder aus der deutschen Schule herausgenommen und in die französische Schule geschickt; daraufhin bekam er Arbeit. Frau Stiebitz sagt aus, ihrem Manne sei vom Leiter der Grube Heinitz Arbeit versprochen worden, wenn ihre Kinder zur französischen Schule kämen. Sie taten das auch, und innerhalb acht Tagen hatte der Mann Arbeit.

Stiebitz hatte vorher seine Kinder aus der französischen Schule herausgenommen, worauf die Familie Wohnung und Arbeit verlor, wie vom französischen Schuldirektor bereits vorher angedeutet worden war.

Sieben weitere Bergleute und Erubenange- stellte führen ebenfalls Fälle an, in denen die Weigerung, die Kinder in die französische Schule zu schicken, und der Verlust der Arbeitsstätte zeitlich so nahe zusammenliegen, daß ein Zusam­menhang zwischen beiden Ereignissen als sicher angenommen werden müsse.

Oberstaatsanwalt Keller beantragte Freisprach, da nicht festzustellen sei, daß Röchling für die abermalige Verwendung des Flugblattes verant- wörtlich sei.

Das Gericht verkündete nach längerer Be­ratung den Freispruch sämtlicher Angeklagter auf Kosten der Landeskasse.

Aus der Begründung ist hervorzuheben, daß das Gericht bei dem Angeklagten Röch­ling sowohl den objektiven als auch den sub­jektiven Tatbestand der Aufreizung einzelner

Teile der Bevölkerung gegeneinander ver­neinte. Es sei unzweiselhast, daß ein Druck auf die von der Bergwerksdirektion abhän­gigen Personen zum Besuch der Domanial- schulen ausgeübt worden ist. Es sei auch er­wiesen, daß die Kinder, die die Franzosen- Schulen besuchten, im spätere» Daseinskamps nicht mit denjenigen konkurrieren könnten,

die die deutschen Schulen besucht haben. Sei­ner ganzen Einstellung entsprechend habe Röchling daher vor dem Besuch dieser Schu­len warnen müssen.

Zn der Beleidigungsklage Köhlers und Dorscheids liege eine Beleidigung beider nicht vor.

Am die deutsch-französische Aussprache:

Die Botschafter haben das Wort

Beneschö pariser Mission / England vermittelt?

London, 7. Dezember.

Reuter meldet zu der einstündigen Unterredung, die der britische Votschasier mit dem Reichskanzler über die Abrüstungssrage hatte, die deutsche Re­gierung warte jetzt aus einen Schritt der neu­gebildeten französischen Regierung in der Frage der Verhandlungen, da sie den Standpunkt ver­trete, daß die liirzlichen Besprechungen zwischen dem deutschen Reichskanzler und dem französischen Votschasier in Berlin eine Antwort von seiten der französischen Regierung erforderten.

London, 7. Dezember.

Lord Tyrell, der englische Botschafter in Paris, suchte am Donnerstagvormittag den englischen Außenminister Sir John Simon auf und Haiti mit ihm eine längere Besprechung. Hierauf begaben sich der Außenminister und Lord Tyrell gemein­sam in die Amtswohnung des Ministerpräsiden­ten, wo die Besprechungen mit Mac Donald fort­gesetzt wurden.

Paris, 7. Dezember.

Die plötzliche Reise des englischen Botschafters in Paris nach London wird in der französischen Presse allgemein als eine unmittelbare Folge der Besprechung Hendersons mit Paul-Boncour sowie des Empfangs des französischen Botschafters in Berlin durch den Führer hingestellt. Die Vorbehalte, die der fran­zösische Außenminister in seinen letzten Erklärun­gen zur Frage der Verhandlungen zwischen Frank­reich und Deutschland gemacht hat, haben anschei­nend in London stark überrascht, zumal die Un­terredung des englischen Botschafters in Berlin mit dem Führer am Dienstag die englischen Amt­lichen Stellen von der Notwendigkeit einer direkten Fühlungnahme zwi­schen Frankreich und Deutschland überzeugt zu haben scheint und man außerdem als feststehend angenommen hatte, daß die französische Regierung mit Deutschland auf einer anderen Grundlage als den in den Ausführungen Paul- Voncours bekanntgegebenen Gesichtspunkten ver­handeln würde.

Der tschechoslowakische Außenminister Dr. Be- nesch ist nach Paris eingeladen worden. Am 14. Dezember wird er eine Besprechung mit Paul- Boncour haben. Weiterhin wird Benesch auch vom Präsidenten der Republik und von Lhau- temps empfangen werden.

In politischen Kreisen mißt man dem bevor­stehenden offiziellen Besuch Dr. Beneschs be­sondere Bedeutung bei. Man weist darauf hin, daß nicht nur das Abrüstungsproblem, sondern auch Fragen wie Unabhängigkeit Oesterreichs, wirtschaftliche Organisation der Donau-Länder, direkte Verhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland und eventuelle parallel geführte Verhandlungen

zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei Gegenstand der Unterredung zwischen dem tschecho­slowakischen Außenminister und der französischen Regierung sein dürften. Außenminister Paul- Boncour beabsichtigt, offizielle Gegenbesuche in Warschau und Prag zu machen.

Preßbnrg, 7. Dezember.

Der tschechische Außenminister Dr. Benesch, der am Mittwochabend in Preßburg eintraf, sagte in einem Vortrage über „Die Idee der tschechi­schen Einheit vom Gesichtspunkt der internatio­nalen Politik", der Völkerbund sei die große Hoffnung der kleinen Völker, die in ihm die Bürgschaft hätten, als gleichberechtigte Völker behandelt zu werden. Die internationale Politik stehe im Zeichen einer Vergrößerung des Ein­flusses der Großmächte, was sich auch in der Auf­richtung von Diktaturen in einzelnen Staaten zeige. (Weitere Meldungen siehe Seite 2.)

. Berlin , 7. Dezember.

Die Reichspressestelle teilt mit: Nach einer im Auslande verbreiteten Meldung soll die deutsche Regierung gestern nachmittag am Quai d' Orsey formelle Verhandlungsvorschlägc unterbreitet haben. In maßgebenden Kreisen weiß man von einem derartigen Schritt nichts, und diese Nach­richt entbehrt jeder Grundlage.

H

Der deutsche Botschafter in Rom. Von Hassel, der gegen Ende der letzten Woche aus Berlin nach Rom zurückgekehrt ist. wurde am Mittwochabend vom Chef der italienischen Regierung, Mussolini, empfangen.

Gegen deutschfeindliche Hetze

Die Feier des „Deutschen Tages" in Newyork

Elemente wurden von doppelten und dreifachen Heil-Hitler-Rufen übertönt und im Nu waren die Ruhestörer an die Luft befördert. Dr. Luther überbrachte zunächst die Grüße des deut­schen Volkes.

Als Dr. Luther endete, brachen die Versam­melten spontan in brausende Heil-Hitler-Ruse aus. Der stellvertretende Vorsitzende des Natio- nalrates der Steuben-Eesellschaft, Theodor Hosf- mann, wandte sich in seiner abschließenden Rede mit Schärfe gegen die deutschfeindliche Propaganda einiger kommunistischer Agita­toren und Zeitungen. Mehrere Entschließungen wurden von der gewaltigen Versammlung ein­stimmig angenommen, die sich gegen den Boykott deutscher Waren, gegen die antideutsche Propaganda und die Versuche deutsch­feindlicher Kreise wenden, die amerikanische Re­gierung gegen Deutschland zu beeinflussen

Neivyork, 7. Dezember.

Die Feier des „Deutschen Tages" in Newyork, die der Erinnerung an die erste deutsche Ein­wanderung im Jahre 1683 galt, gestaltete sich zu der gewaltigsten Kundgebung des Deutsch- Amerikanertums in der Geschichte Newyorks. Die etwa 25 000 Personen fassende festlich geschmückte Madison-Square-Garden-Halle war schon lange vor Beginn der Feier dicht besetzt, so daß Hun­derte keinen Einlaß mehr bekamen.

Botschafter Dr. Luther wurde bei seinem Ein­treffen mit Heil-Hitler-Rufen stürmisch begrüßt. Nach der amerikanischen und der deutschen Na­tionalhymne entbot Handölsminister Ropel die Grüße und besten Wünsche Roosevelts. Die erste deutsche Ansiedluog Eermantown bezeichnete der Redner als epochemachendes Ereignis der Ko- lonialgeschichte Amerikas Ropel würdigte ein­gehend den großen und segensreichen Einfluss der deutschen Einwanderer.

Nach ihm sprachen der Eeneralinspekteur der amerikanischen Armee, Generalmajor Presten und Konteradmiral Stirling, der Komman­deur der Brooklyner Marinewerft. Beide priesen die Verdienste Steubens um Amerika und wür­digten eingehend die Mitwirkung der Deutschen beim Aufbau des Landes. Riesiger Beifall scholl auf, als Konteradmiral Stirling erklärte, die wundervoll funktionierende deutsche Flotte brauche sich ihrer Tätigkeit im Weltkriege durchaus nicht zu schämen. Er freue sich, zahlreiche Amerikaner deutscher Abstammung in der amerikanischen Marine zu haben.

Als sodann Botschafter Dr. Luther das Redner­podium bestieg, wurde er erneut lebhaft umjubelt. Vereinzelte Störungsversuche kommunistischer

2000 Gchutzhästttnge amnestiert

Der preußische Ministerpräsident hat in seiner Eigenschaft als Ches der Geheimen Staatspolizei an die Inspekteure der Geheimen Staatspolizei ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt: „Im

Hinblick aus das günstige Ergebnis der Reichs­tagswahl insbesondere in den Konzentrations­lagern und aus Anlaß des Weihnachtssestes habe ich die Absicht, Entlassungen aus den Konzen­trationslagern vorzunehmen. Ich halte es bei der Beruhigung der innerpolitischen Lage und im Hinblick aus die abgeschlossene Stabilisierung des nationalsozialistischen Regiments für trag­bar, auf diese Weise bis Weihnachten noch rund 5üli» Gefangene zur Entlassung zu bringen.

Frankreich am Scheidewege

>!. Mi. Nach dem Schachzug des italienischen Staatschefs, mit dem er sein Verbleiben auf dem politischen Feld des Völkerbundes von einer Neufestsetzung der Spielregeln und der Spielabsichten abhängig macht, zeigt sich in der weiteren Entwicklung der europäischen Mächtegruppierung — sofern es dieses Bewei­ses noch bedurfte — auch die Folgerich­tigkeit der deutschen Außen­politik. Es war vorauszusehen, daß die ultimative Kritik des Faschistischen Großen Rates am Genfer Bund nicht nur am Sitz der „Gesellschaft der Nationen", sondern vor allem in Paris ein unfreundliches Echo fin­den würde. Henderson, dem als Präsident der Nichtabrüstungskonferenz fast zu gleicher Zeit die wenig beneidenswerte Aufgabe zugefallen war, an der Seine dem französischen Außen­minister bei der „Annäherung der Ansichten" in der Abrüstungsfrage etwas behilflich zu sein, konnte sich nur resigniert mit der Er­kenntnis bereichern, daß Paul Boncour seine Haltung nicht im geringsten zu ändern gedenkt und unter Annähe­rung nur die Bewegung der andern, und zwar die auf Paris zu, versteht. Das Kabinett Lhautemps, dem angesichts der ungelösten Finanzkrise Frankreichs von der Kammer selber nur eine Bewährungsfrist zugebilligt wurde, verweist nach den letzten Meldungen vom Quai d' Orsay erneut auf den für uns unannehmbaren Plan einer der wirklichen Gleichberechtigung Deutschlands vorangehen­den mehrjährigen Probezeit.

Deutschland kann es im Grunde gleichgültig sein, ob der Interessenausgleich zwischen Frankreich und England im Völkerbund ohne oder mit Italien erfolgt, ob die Verschlep­pung gesamteuropäischer Fragen durch spitz­findige Äusschußdebatten in langsamem oder schnellem Tempo erfolgt, ob die Völkerbunds­politik Polens und der Kleinen Entente den französischen Einfluß unmittelbar oder auf Umwegen stärkt: Wir gehören dem im näch­sten Monat zusammentretenden Völkerbunds­rat nicht mehr an und werden uns nur noch auf die Rolle des unbeteiligten Zuschauers beschränken. In einem Punkt freilich sind wir weiter aktiv interessiert, an der vom Faschistischen Großen Rat geforderten Loslösung des Völkerbundes vom Versailler Vertrag und von anderen Nachkriegsverträ- gen. Die politische Körperschaft Italiens hat sich in der Begründung dieser Forderung und der Ablehnung einer Verewigung der Sieger­vorrechte in derselben Richtung bewegt, in der auch unser Führer gegen den auf erpreß­ter Schuldlllge und wirtschaftswidrigen Ver­sailler Zwangsmaßnahmen errichteten Un­friedensvertrag kämpft.

Es ist nicht schwer vorauszusehen, daß so­wohl diese Forderung, wie auch die nach einer Verdrängung des demokratischen Prinzips innerhalb des Gremiums der Ratsmitglieder nicht die satzungsgemäß erforderliche ein­st immige Annahme finden wird, womit das Schicksal der Genfer Einrich­tung freilich besiegelt ist. Der eifersüchtig um sein Prestige bedachte tsche­chische Außenminister Dr. Benesch rückte denn auch sofort temperamentvoll dem Problem auf den Leib, indem er in Preßburg wenige Stunden nach der italienischen Offensive er­klärte, der Völkerbund sei die große Hoffnung

Wehrgeographie und Wehrkraft

Don Ov. Hermann Gackenholz (Berlin)

Die systematische Ausschaltung alles Wehrhaf­ten aus Erziehung und Bildung des deutschen. Volkes in den vergangenen Jahren hat zu einer bedauerlichen und gefährlichen Unwissenheit in allen Fragen der Wehrhaftigkeit und der Wehr­politik geführt. Das ist umso schmerzlicher, als doch der harte außen- und wehrpolitische Kampf unserer Staatsführung um Gleichberechtigung und Sicherheit von einem tiefen Verständnis des ganzen Volkes getragen und unterstützt wer­den 'müßie. Es gilt daher, das Versäumte nach­zuholen und durch eine intensive wehrpolitische Schulung Wissen und Verständnis in alle Teile des Volkes zn tragen. Die Mittel und Wege dazu bieten Schule. Hochschule, Presse und Rund­funk.

Man hat damit begonnen, vor allem durch die Presse, der deutschen Oeffentlichkeit über die fremden hochgerüsteten Staaten viele Rüstungs­zahlen an Streitern und Material mitzuteilen. So wertvoll für die propagandistische Wirkung dies ist, so kann sich eine wirkliche Schulung in Fragen der Wehrpolitik damit allein nicht be­gnügen. Ihr muß es vielmehr darauf ankommen, als den eigentlichen Untergrund der personellen und materiellen Rüstung der Staaten auch ihre potentielle Wehrkraft darzustellen, wie sie in den physisch-geographischen, volkswirtschaft­lichen und bevölkerungspolitischen Eigenheiten gegeben ist.

Von grundsätzlicher Bedeutung für die wehr- geographische Lage eines Staates sind seine

Grenzen. Die Art der Grenzen ist nach ver­schiedenen Punkten zu charakterisieren: es gibt Land- und Seegrenzen, wobei letztere als Küsten an offenen oder an Binnenmeeren eine wehr- geographisch verschiedene Wertung erfahren müssen, wie Frankreichs atlantische und Italiens Mittelmeerküste zeigen. Landgrenzen können na­türlich und künstlich sein und auf die verschie­denste Weise gebildet werden: natürliche etwa durch Gebirge (Frankreich-Spanien), durch Oed- länder oder schwer passierbare Gebiete, seltener durch Ströme (Donau zwischen Bulgarien und Rumänien). Je natürlicher die Grenzgestnltung eines Landes, umso besser ist seine wehrgeogra- phische Beschaffenheit. Stark beeinträchtigt wird diese durch das Vorhandensein von stark gelie- derten künstlichen Grenzen oder gar durch die Umklammerung einer Provinz durch fremdes Staatsgebiet (deutsche Ostgrenze, Schlesien, Ost­preußen, andererseits auch der Korridor). Eine gewisse negative Rolle kann auch bei der ge- gesteigerten Bedrohung durch die Luftwaffe die Lage der Hauptstadt zu den Landesgrenzen spie­len. Schließlich ist dann die Zahl und das po­litische Bild der Nachbarstaaten zu beachten: Deutschland befindet sich hier mit der großen Zahl seiner schwer gerüsteten Nachbarn, die zudem noch in einem antideutschen Bündnissystem vereint sind, in wehrpolitisch bedeutend gefährdeter Lage als etwa Frankreich, das nur den einen starken Nachbarn Italien, sonst nur schwache (Deutsch­land, Spanien, Schweiz) oder abhängige - (Bel­gien) zu berücksichtigen hat und außerdem durch

seine starken natürlichen Grenzen und die Ge­schlossenheit seines Raumes begünstigt wird.

Weiterhin bedeutungsvoll für die wehrgeogra- phische Lage eines Staates ist seine Ober­fläch e n g e st a l t u n g. Im großen Vorteil sind natürlich solche Länder, die durch einen Panzer von Hochgebirgen geschützt sind (Italien durch die Alpen, Spanien durch die Pyrenäen). Auch reine Hochgebirgsländer (die Schweiz oder Tirols sind durch den Charakter ihrer Landschaft zur Abwehr besonders befähigt Eine Hauptwirkung der Gebirge auf die Kriegführung besteht darin, daß sie die Heere an die Straßen binden und deren Verteidigung erleichtern. In den Tieflän­dern kann diese wehrgeographische Rolle der Ge­birge durch andere Faktoren der Oberflächen- gestaltung übernommen werden: Sümpfe, Moore, Steppen, auch große Waldgebiete bilden bedeu­tende Hindernisse für die Kriegführung. Seen­gebiete, Flußsysteme und Strombarrieren wirken gleichfalls vielfach als Schutzlandschaft (ostprou- ßische Seenplatte) Nicht zu unterschätzen ist fer­ner die Möglichkeit, größere Landstrecken unter Ueberschwemmung zu setzen, eine Methode der Einbeziehung der Wehrgeographie in die Krieg­führung. die in Flandern durch das Oeffnen der Schleusen mit Erfolg angewendet worden ist.

Stark abhängig von dem zivilisatorischen Ee- samtnivean eines Landes ist als weiterer wich­tiger wehrgeographischer Faktor das Verkehrs­netz der Straßen und Eisenbahnen. Hier lassen sich unschwer ein Mittel- und ein westeuropäischer Raum umgrenzen, in denen die Dichte des Straßennetzes auch den Anforderungen einer stärker motorisierten Kriegführung einigermaßen entspricht. Das Eisenbahnnetz ist ähnlichen Ver­hältnißen unterworfen, wie das Straßennetz, nur daß bei jenen die strategischen Erfordernisse den

Bau und die Anlage der Linien von den An­fängen des Eisenbahnbaues an bestimmt haben: So war das Eisenbahnnetz der deutschen Ost­grenze vor dem Kriege, das der österreichisch­ungarischen Monarchie, so ist auch das Vahnnetz Frankreichs ausgesprochen strategisch angelegt. — Neben den Bahnbauten und Straßen ist auch das Vorhandensein eines genügend leistungsfähi­gen Transportmaterials, Lokomotiven, Waggons. Kraftfahrzeuge aller Art und deren Treibstoffe von großer Bedeutung.

Alle diese Fragen stehen in einem ursächlichen Zusammenhang mit der gesamten volkswirt­schaftlichen Lage eines Staates, von der letzthin alle Landesverteidigung und seine Exi­stenz überhaupt abhängt. Der Weltkrieg hat den außerordentlichen Wert einer weitgehenden Un­abhängigkeit eines kriegführenden Landes von der Einfuhr lebenswichtiger Rohstoffe zur Er­nährung und Verarbeitung gezeigt. Wehrgeogra- phisch gut gestellt sind alle Staaten, die neben einer ausreichenden Ernährung aus der eigenen landwirtschaftlichen Erzeugung auch über, genü­gend industrielle Rohstoffe verfügen, um die für die Kriegführung notwendige materielle Rüstung zu schaffen und zu ergänzen. Eio solcher Ideal- fall völliger Autarkie ist in Europa schwerlich zu finden; am nächsten dürfte ihm Frankreich kommen.

Wehrgeographisch sehr bedeutsam ist im Zu­sammenhang mit der Frage der Industrialisie­rung die geographische Lage der In­dus) riebezirke zu. den Grenzen, überhaupt die Verteilung der Bevölkerung nach Dichte und Ballung. Auch hier sind die guten und schlechten Faktoren auf die europäischen Staaten gleich verteilt: Frankreichs Lage ist dadurch erschwer!, daß der Hauptteil seiner Industrie am Nord- und

Ostrand seines Staatsgebietes gelagert ist, dort also auch die dichteste Bevölkerung lebt. Aehn- lich schlecht sind Italien nnt der exponierten Po- Ebene und Deutschland mit seinem bevölkerungs- müßigen Schwergewicht in dem völlig ungeschütz­ten industriellen Westen des Reiches gestellt. Alle diese Gebiete sind heute bei der gesteigerten Leistungsfähigkeit der Luftwaffe sehr viel mehr bedroht als während des Weltkrieges. Fast alle Staaten haben daher das Streben, ihre Rüstungs­industrie aus den bedrohten Erenzbezirken in das Innere des Landes zu verlegen.

Als letztes bliebe der Einfluß der bevölke­rungspolitischen Struktur der Staaten auf die Wehrgeographie zu untersuchen. Hier ist die Bevölkerungsbewegung von entscheidender Bedeutung: Staaten mit hohem Geburtenüber­schuß (Polen. Rußland, Italien) haben einen großen wehrpolitischen Vorsprang vor Staaten mit rückläufiger Bevölkerungsbewegung. Neben der Quantität steht die Frage nach der Quali­tät; es ist hinzuweisen auf physische Brauchbar­keit der Bevölkerung für kriegerische Aufgaben, sodann auch aus die geistige Aufnahmefähigkeit, die gerade heute bei der zunehmenden Materiali- sterung und Spezialisierung der Kriegführung zu beachten ist. Nicht zu vergessen bei der Aufzählung bevölkerungspolitischer Faktoren der Wehrgeo­graphie ist schließlich die Frage nach der poli­tisch e n Z u v e r l ä s s i g k e i t der Bevölkerung. Besonders in den neu entstandenen Staaten, aber auch z. B in Belgien, können Minder­heiten, die in Opposition zum Staatsvolk stehen, oder stark kommunistisch verseuchte Benölkerungs- teile zersetzend auf die Mebi-kraft wirken und eine nach den geographischen Faktoren an und für sich günstige wehrgeographische Lage erschweren, ja unhaltbar machen.