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, täglicheni Erscheinen RM, 2,30 einschließlich 30 Rpf, Zustellungsgebiihri durch die Post RM, 2,30 einschließlich Ueberwelsungsgebuhr, ausschl. Postbestellneld, Der Bezugspreis ist im voraus zu entrichten. — Postscheck Hamburg 74 738. — Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersaß.
Bremer Zeitung, Verlagsgesellschaft m. b. H., Geerenk bis 8. / Fernruf: Sammelnummer Roland «25.
Nr. 332 / 4. Vierteljahr
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Rnzeigen-Teil: Hiesige je mm-Zeile 13 Rpf„ auswärtige 17 Rps.i im Texttsil hiesige 75 Rps , auswärtige 180 Rpf. Klein-Anzeigen bis 28 mm, Familien-Anzeigen und Wohnungsniarkt bei Vorauszahlung 8 Rps,, Stellengesuche K Rps. Platzvorschristen ohne jede Verbindlichkeit. Alle sonstigen Bedingungen nach Taris.
Sprechzeit des Verlages und der Schriftleitung 12 bis 13 Uhr. / Schluß der Anzeigenannahme 1« Uhr.
Freitag, den 8. Dezember
Einzelpreis 15 Npf.
Eln aufschlußreicher Vrozeh
Frankreichs Schulpolitik im Saarland
KommefMumt Rochling freigesprochen
Saarbrücken, Gegen Kommerzienrat Dr, h.
7.
Dezember.
RöchIing
ist heute hier das bereits angekündigte Strafverfahren eröffnet worden. Die Anklage beschuldigt ihn der „Aufreizung der Bevölkerung und Beleidigung". Hermann Röchling hatte durch ein von ihm verfaßtes Flugblatt die Saar- bevölkerung aufgefordert, ihre Kinder nicht in die französischen Doma- nialschulen zu schicken. Zwei Bergleute in Velsen, deren Kinder in die französische Schule gehen, glaubten in dem Flugblatt „grobe Beleidigungen und provokatorische Drohungen" erblicken zu müssen. 2n der gleichen Angelegenheit sind ferner angeklagt der Verlagsdirektor Hall von der Saabrücker Landeszeitung und drei Flugblattverteiler.
In der Verhandlung betonte Kommerzialrat Röchling, daß sein politischer Kampf stets der Schulfrage als einer der wichtigsten gegolten habe, weil jeder Bergmann entlassen werde, der seine Kinder auf eine andere als die französische Schule gab. Geheimrat Röchling wies auf einen Erlaß der Regierungskommission hin, die einen Druck auf die Eltern der Kinder als unzulässig bezeichnete.
Der Bergmann Dorscherd, der sich laut Anklageschrift beleidigt gefühlt hat, muß zugeben, daß er das Flugblatt nur auf eigenes Anfordern bekommen hat. Er stellt sich ferner heraus, daß Dorscheid den Antrag auf Erwerb der französischen Staatsangehörigkeit gestellt hat und' daß der andere Antragsteller Bergmann Köhler sie bereits besitzt. Beide gehören natürlich der separatistischen saarländischen sozialistischen Partei an.
Der Bergmann Morchette hat seine Kinder aus der deutschen Schule herausgenommen und in die französische Schule geschickt; daraufhin bekam er Arbeit. Frau Stiebitz sagt aus, ihrem Manne sei vom Leiter der Grube Heinitz Arbeit versprochen worden, wenn ihre Kinder zur französischen Schule kämen. Sie taten das auch, und innerhalb acht Tagen hatte der Mann Arbeit.
Stiebitz hatte vorher seine Kinder aus der französischen Schule herausgenommen, worauf die Familie Wohnung und Arbeit verlor, wie vom französischen Schuldirektor bereits vorher angedeutet worden war.
Sieben weitere Bergleute und Erubenange- stellte führen ebenfalls Fälle an, in denen die Weigerung, die Kinder in die französische Schule zu schicken, und der Verlust der Arbeitsstätte zeitlich so nahe zusammenliegen, daß ein Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen als sicher angenommen werden müsse.
Oberstaatsanwalt Keller beantragte Freisprach, da nicht festzustellen sei, daß Röchling für die abermalige Verwendung des Flugblattes verant- wörtlich sei.
Das Gericht verkündete nach längerer Beratung den Freispruch sämtlicher Angeklagter auf Kosten der Landeskasse.
Aus der Begründung ist hervorzuheben, daß das Gericht bei dem Angeklagten Röchling sowohl den objektiven als auch den subjektiven Tatbestand der Aufreizung einzelner
Teile der Bevölkerung gegeneinander verneinte. Es sei unzweiselhast, daß ein Druck auf die von der Bergwerksdirektion abhängigen Personen zum Besuch der Domanial- schulen ausgeübt worden ist. Es sei auch erwiesen, daß die Kinder, die die Franzosen- Schulen besuchten, im spätere» Daseinskamps nicht mit denjenigen konkurrieren könnten,
die die deutschen Schulen besucht haben. Seiner ganzen Einstellung entsprechend habe Röchling daher vor dem Besuch dieser Schulen warnen müssen.
Zn der Beleidigungsklage Köhlers und Dorscheids liege eine Beleidigung beider nicht vor.
Am die deutsch-französische Aussprache:
Die Botschafter haben das Wort
Beneschö pariser Mission / England vermittelt?
London, 7. Dezember.
Reuter meldet zu der einstündigen Unterredung, die der britische Votschasier mit dem Reichskanzler über die Abrüstungssrage hatte, die deutsche Regierung warte jetzt aus einen Schritt der neugebildeten französischen Regierung in der Frage der Verhandlungen, da sie den Standpunkt vertrete, daß die liirzlichen Besprechungen zwischen dem deutschen Reichskanzler und dem französischen Votschasier in Berlin eine Antwort von seiten der französischen Regierung erforderten.
London, 7. Dezember.
Lord Tyrell, der englische Botschafter in Paris, suchte am Donnerstagvormittag den englischen Außenminister Sir John Simon auf und Haiti mit ihm eine längere Besprechung. Hierauf begaben sich der Außenminister und Lord Tyrell gemeinsam in die Amtswohnung des Ministerpräsidenten, wo die Besprechungen mit Mac Donald fortgesetzt wurden.
Paris, 7. Dezember.
Die plötzliche Reise des englischen Botschafters in Paris nach London wird in der französischen Presse allgemein als eine unmittelbare Folge der Besprechung Hendersons mit Paul-Boncour sowie des Empfangs des französischen Botschafters in Berlin durch den Führer hingestellt. Die Vorbehalte, die der französische Außenminister in seinen letzten Erklärungen zur Frage der Verhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland gemacht hat, haben anscheinend in London stark überrascht, zumal die Unterredung des englischen Botschafters in Berlin mit dem Führer am Dienstag die englischen Amtlichen Stellen von der Notwendigkeit einer direkten Fühlungnahme zwischen Frankreich und Deutschland überzeugt zu haben scheint und man außerdem als feststehend angenommen hatte, daß die französische Regierung mit Deutschland auf einer anderen Grundlage als den in den Ausführungen Paul- Voncours bekanntgegebenen Gesichtspunkten verhandeln würde.
Der tschechoslowakische Außenminister Dr. Be- nesch ist nach Paris eingeladen worden. Am 14. Dezember wird er eine Besprechung mit Paul- Boncour haben. Weiterhin wird Benesch auch vom Präsidenten der Republik und von Lhau- temps empfangen werden.
In politischen Kreisen mißt man dem bevorstehenden offiziellen Besuch Dr. Beneschs besondere Bedeutung bei. Man weist darauf hin, daß nicht nur das Abrüstungsproblem, sondern auch Fragen wie Unabhängigkeit Oesterreichs, wirtschaftliche Organisation der Donau-Länder, direkte Verhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland und eventuelle parallel geführte Verhandlungen
zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei Gegenstand der Unterredung zwischen dem tschechoslowakischen Außenminister und der französischen Regierung sein dürften. Außenminister Paul- Boncour beabsichtigt, offizielle Gegenbesuche in Warschau und Prag zu machen.
Preßbnrg, 7. Dezember.
Der tschechische Außenminister Dr. Benesch, der am Mittwochabend in Preßburg eintraf, sagte in einem Vortrage über „Die Idee der tschechischen Einheit vom Gesichtspunkt der internationalen Politik", der Völkerbund sei die große Hoffnung der kleinen Völker, die in ihm die Bürgschaft hätten, als gleichberechtigte Völker behandelt zu werden. Die internationale Politik stehe im Zeichen einer Vergrößerung des Einflusses der Großmächte, was sich auch in der Aufrichtung von Diktaturen in einzelnen Staaten zeige. (Weitere Meldungen siehe Seite 2.)
. Berlin , 7. Dezember.
Die Reichspressestelle teilt mit: Nach einer im Auslande verbreiteten Meldung soll die deutsche Regierung gestern nachmittag am Quai d' Orsey formelle Verhandlungsvorschlägc unterbreitet haben. In maßgebenden Kreisen weiß man von einem derartigen Schritt nichts, und diese Nachricht entbehrt jeder Grundlage.
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Der deutsche Botschafter in Rom. Von Hassel, der gegen Ende der letzten Woche aus Berlin nach Rom zurückgekehrt ist. wurde am Mittwochabend vom Chef der italienischen Regierung, Mussolini, empfangen.
Gegen deutschfeindliche Hetze
Die Feier des „Deutschen Tages" in Newyork
Elemente wurden von doppelten und dreifachen Heil-Hitler-Rufen übertönt und im Nu waren die Ruhestörer an die Luft befördert. Dr. Luther überbrachte zunächst die Grüße des deutschen Volkes.
Als Dr. Luther endete, brachen die Versammelten spontan in brausende Heil-Hitler-Ruse aus. Der stellvertretende Vorsitzende des Natio- nalrates der Steuben-Eesellschaft, Theodor Hosf- mann, wandte sich in seiner abschließenden Rede mit Schärfe gegen die deutschfeindliche Propaganda einiger kommunistischer Agitatoren und Zeitungen. Mehrere Entschließungen wurden von der gewaltigen Versammlung einstimmig angenommen, die sich gegen den Boykott deutscher Waren, gegen die antideutsche Propaganda und die Versuche deutschfeindlicher Kreise wenden, die amerikanische Regierung gegen Deutschland zu beeinflussen
Neivyork, 7. Dezember.
Die Feier des „Deutschen Tages" in Newyork, die der Erinnerung an die erste deutsche Einwanderung im Jahre 1683 galt, gestaltete sich zu der gewaltigsten Kundgebung des Deutsch- Amerikanertums in der Geschichte Newyorks. Die etwa 25 000 Personen fassende festlich geschmückte Madison-Square-Garden-Halle war schon lange vor Beginn der Feier dicht besetzt, so daß Hunderte keinen Einlaß mehr bekamen.
Botschafter Dr. Luther wurde bei seinem Eintreffen mit Heil-Hitler-Rufen stürmisch begrüßt. Nach der amerikanischen und der deutschen Nationalhymne entbot Handölsminister Ropel die Grüße und besten Wünsche Roosevelts. Die erste deutsche Ansiedluog Eermantown bezeichnete der Redner als epochemachendes Ereignis der Ko- lonialgeschichte Amerikas Ropel würdigte eingehend den großen und segensreichen Einfluss der deutschen Einwanderer.
Nach ihm sprachen der Eeneralinspekteur der amerikanischen Armee, Generalmajor Presten und Konteradmiral Stirling, der Kommandeur der Brooklyner Marinewerft. Beide priesen die Verdienste Steubens um Amerika und würdigten eingehend die Mitwirkung der Deutschen beim Aufbau des Landes. Riesiger Beifall scholl auf, als Konteradmiral Stirling erklärte, die wundervoll funktionierende deutsche Flotte brauche sich ihrer Tätigkeit im Weltkriege durchaus nicht zu schämen. Er freue sich, zahlreiche Amerikaner deutscher Abstammung in der amerikanischen Marine zu haben.
Als sodann Botschafter Dr. Luther das Rednerpodium bestieg, wurde er erneut lebhaft umjubelt. Vereinzelte Störungsversuche kommunistischer
2000 Gchutzhästttnge amnestiert
Der preußische Ministerpräsident hat in seiner Eigenschaft als Ches der Geheimen Staatspolizei an die Inspekteure der Geheimen Staatspolizei ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt: „Im
Hinblick aus das günstige Ergebnis der Reichstagswahl insbesondere in den Konzentrationslagern und aus Anlaß des Weihnachtssestes habe ich die Absicht, Entlassungen aus den Konzentrationslagern vorzunehmen. Ich halte es bei der Beruhigung der innerpolitischen Lage und im Hinblick aus die abgeschlossene Stabilisierung des nationalsozialistischen Regiments für tragbar, auf diese Weise bis Weihnachten noch rund 5üli» Gefangene zur Entlassung zu bringen.
Frankreich am Scheidewege
>!. Mi. Nach dem Schachzug des italienischen Staatschefs, mit dem er sein Verbleiben auf dem politischen Feld des Völkerbundes von einer Neufestsetzung der Spielregeln und der Spielabsichten abhängig macht, zeigt sich in der weiteren Entwicklung der europäischen Mächtegruppierung — sofern es dieses Beweises noch bedurfte — auch die Folgerichtigkeit der deutschen Außenpolitik. Es war vorauszusehen, daß die ultimative Kritik des Faschistischen Großen Rates am Genfer Bund nicht nur am Sitz der „Gesellschaft der Nationen", sondern vor allem in Paris ein unfreundliches Echo finden würde. Henderson, dem als Präsident der Nichtabrüstungskonferenz fast zu gleicher Zeit die wenig beneidenswerte Aufgabe zugefallen war, an der Seine dem französischen Außenminister bei der „Annäherung der Ansichten" in der Abrüstungsfrage etwas behilflich zu sein, konnte sich nur resigniert mit der Erkenntnis bereichern, daß Paul Boncour seine Haltung nicht im geringsten zu ändern gedenkt und unter Annäherung nur die Bewegung der andern, und zwar die auf Paris zu, versteht. Das Kabinett Lhautemps, dem angesichts der ungelösten Finanzkrise Frankreichs von der Kammer selber nur eine Bewährungsfrist zugebilligt wurde, verweist nach den letzten Meldungen vom Quai d' Orsay erneut auf den für uns unannehmbaren Plan einer der wirklichen Gleichberechtigung Deutschlands vorangehenden mehrjährigen Probezeit.
Deutschland kann es im Grunde gleichgültig sein, ob der Interessenausgleich zwischen Frankreich und England im Völkerbund ohne oder mit Italien erfolgt, ob die Verschleppung gesamteuropäischer Fragen durch spitzfindige Äusschußdebatten in langsamem oder schnellem Tempo erfolgt, ob die Völkerbundspolitik Polens und der Kleinen Entente den französischen Einfluß unmittelbar oder auf Umwegen stärkt: Wir gehören dem im nächsten Monat zusammentretenden Völkerbundsrat nicht mehr an und werden uns nur noch auf die Rolle des unbeteiligten Zuschauers beschränken. In einem Punkt freilich sind wir weiter aktiv interessiert, an der vom Faschistischen Großen Rat geforderten Loslösung des Völkerbundes vom Versailler Vertrag und von anderen Nachkriegsverträ- gen. Die politische Körperschaft Italiens hat sich in der Begründung dieser Forderung und der Ablehnung einer Verewigung der Siegervorrechte in derselben Richtung bewegt, in der auch unser Führer gegen den auf erpreßter Schuldlllge und wirtschaftswidrigen Versailler Zwangsmaßnahmen errichteten Unfriedensvertrag kämpft.
Es ist nicht schwer vorauszusehen, daß sowohl diese Forderung, wie auch die nach einer Verdrängung des demokratischen Prinzips innerhalb des Gremiums der Ratsmitglieder nicht die satzungsgemäß erforderliche einst immige Annahme finden wird, womit das Schicksal der Genfer Einrichtung freilich besiegelt ist. Der eifersüchtig um sein Prestige bedachte tschechische Außenminister Dr. Benesch rückte denn auch sofort temperamentvoll dem Problem auf den Leib, indem er in Preßburg wenige Stunden nach der italienischen Offensive erklärte, der Völkerbund sei die große Hoffnung
Wehrgeographie und Wehrkraft
Don Ov. Hermann Gackenholz (Berlin)
Die systematische Ausschaltung alles Wehrhaften aus Erziehung und Bildung des deutschen. Volkes in den vergangenen Jahren hat zu einer bedauerlichen und gefährlichen Unwissenheit in allen Fragen der Wehrhaftigkeit und der Wehrpolitik geführt. Das ist umso schmerzlicher, als doch der harte außen- und wehrpolitische Kampf unserer Staatsführung um Gleichberechtigung und Sicherheit von einem tiefen Verständnis des ganzen Volkes getragen und unterstützt werden 'müßie. Es gilt daher, das Versäumte nachzuholen und durch eine intensive wehrpolitische Schulung Wissen und Verständnis in alle Teile des Volkes zn tragen. Die Mittel und Wege dazu bieten Schule. Hochschule, Presse und Rundfunk.
Man hat damit begonnen, vor allem durch die Presse, der deutschen Oeffentlichkeit über die fremden hochgerüsteten Staaten viele Rüstungszahlen an Streitern und Material mitzuteilen. So wertvoll für die propagandistische Wirkung dies ist, so kann sich eine wirkliche Schulung in Fragen der Wehrpolitik damit allein nicht begnügen. Ihr muß es vielmehr darauf ankommen, als den eigentlichen Untergrund der personellen und materiellen Rüstung der Staaten auch ihre potentielle Wehrkraft darzustellen, wie sie in den physisch-geographischen, volkswirtschaftlichen und bevölkerungspolitischen Eigenheiten gegeben ist.
Von grundsätzlicher Bedeutung für die wehr- geographische Lage eines Staates sind seine
Grenzen. Die Art der Grenzen ist nach verschiedenen Punkten zu charakterisieren: es gibt Land- und Seegrenzen, wobei letztere als Küsten an offenen oder an Binnenmeeren eine wehr- geographisch verschiedene Wertung erfahren müssen, wie Frankreichs atlantische und Italiens Mittelmeerküste zeigen. Landgrenzen können natürlich und künstlich sein und auf die verschiedenste Weise gebildet werden: natürliche etwa durch Gebirge (Frankreich-Spanien), durch Oed- länder oder schwer passierbare Gebiete, seltener durch Ströme (Donau zwischen Bulgarien und Rumänien). Je natürlicher die Grenzgestnltung eines Landes, umso besser ist seine wehrgeogra- phische Beschaffenheit. Stark beeinträchtigt wird diese durch das Vorhandensein von stark gelie- derten künstlichen Grenzen oder gar durch die Umklammerung einer Provinz durch fremdes Staatsgebiet (deutsche Ostgrenze, Schlesien, Ostpreußen, andererseits auch der Korridor). Eine gewisse negative Rolle kann auch bei der ge- gesteigerten Bedrohung durch die Luftwaffe die Lage der Hauptstadt zu den Landesgrenzen spielen. Schließlich ist dann die Zahl und das politische Bild der Nachbarstaaten zu beachten: Deutschland befindet sich hier mit der großen Zahl seiner schwer gerüsteten Nachbarn, die zudem noch in einem antideutschen Bündnissystem vereint sind, in wehrpolitisch bedeutend gefährdeter Lage als etwa Frankreich, das nur den einen starken Nachbarn Italien, sonst nur schwache (Deutschland, Spanien, Schweiz) oder abhängige - (Belgien) zu berücksichtigen hat und außerdem durch
seine starken natürlichen Grenzen und die Geschlossenheit seines Raumes begünstigt wird.
Weiterhin bedeutungsvoll für die wehrgeogra- phische Lage eines Staates ist seine Oberfläch e n g e st a l t u n g. Im großen Vorteil sind natürlich solche Länder, die durch einen Panzer von Hochgebirgen geschützt sind (Italien durch die Alpen, Spanien durch die Pyrenäen). Auch reine Hochgebirgsländer (die Schweiz oder Tirols sind durch den Charakter ihrer Landschaft zur Abwehr besonders befähigt Eine Hauptwirkung der Gebirge auf die Kriegführung besteht darin, daß sie die Heere an die Straßen binden und deren Verteidigung erleichtern. In den Tiefländern kann diese wehrgeographische Rolle der Gebirge durch andere Faktoren der Oberflächen- gestaltung übernommen werden: Sümpfe, Moore, Steppen, auch große Waldgebiete bilden bedeutende Hindernisse für die Kriegführung. Seengebiete, Flußsysteme und Strombarrieren wirken gleichfalls vielfach als Schutzlandschaft (ostprou- ßische Seenplatte) Nicht zu unterschätzen ist ferner die Möglichkeit, größere Landstrecken unter Ueberschwemmung zu setzen, eine Methode der Einbeziehung der Wehrgeographie in die Kriegführung. die in Flandern durch das Oeffnen der Schleusen mit Erfolg angewendet worden ist.
Stark abhängig von dem zivilisatorischen Ee- samtnivean eines Landes ist als weiterer wichtiger wehrgeographischer Faktor das Verkehrsnetz der Straßen und Eisenbahnen. Hier lassen sich unschwer ein Mittel- und ein westeuropäischer Raum umgrenzen, in denen die Dichte des Straßennetzes auch den Anforderungen einer stärker motorisierten Kriegführung einigermaßen entspricht. Das Eisenbahnnetz ist ähnlichen Verhältnißen unterworfen, wie das Straßennetz, nur daß bei jenen die strategischen Erfordernisse den
Bau und die Anlage der Linien von den Anfängen des Eisenbahnbaues an bestimmt haben: So war das Eisenbahnnetz der deutschen Ostgrenze vor dem Kriege, das der österreichischungarischen Monarchie, so ist auch das Vahnnetz Frankreichs ausgesprochen strategisch angelegt. — Neben den Bahnbauten und Straßen ist auch das Vorhandensein eines genügend leistungsfähigen Transportmaterials, Lokomotiven, Waggons. Kraftfahrzeuge aller Art und deren Treibstoffe von großer Bedeutung.
Alle diese Fragen stehen in einem ursächlichen Zusammenhang mit der gesamten volkswirtschaftlichen Lage eines Staates, von der letzthin alle Landesverteidigung und seine Existenz überhaupt abhängt. Der Weltkrieg hat den außerordentlichen Wert einer weitgehenden Unabhängigkeit eines kriegführenden Landes von der Einfuhr lebenswichtiger Rohstoffe zur Ernährung und Verarbeitung gezeigt. Wehrgeogra- phisch gut gestellt sind alle Staaten, die neben einer ausreichenden Ernährung aus der eigenen landwirtschaftlichen Erzeugung auch über, genügend industrielle Rohstoffe verfügen, um die für die Kriegführung notwendige materielle Rüstung zu schaffen und zu ergänzen. Eio solcher Ideal- fall völliger Autarkie ist in Europa schwerlich zu finden; am nächsten dürfte ihm Frankreich kommen.
Wehrgeographisch sehr bedeutsam ist im Zusammenhang mit der Frage der Industrialisierung die geographische Lage der Indus) riebezirke zu. den Grenzen, überhaupt die Verteilung der Bevölkerung nach Dichte und Ballung. Auch hier sind die guten und schlechten Faktoren auf die europäischen Staaten gleich verteilt: Frankreichs Lage ist dadurch erschwer!, daß der Hauptteil seiner Industrie am Nord- und
Ostrand seines Staatsgebietes gelagert ist, dort also auch die dichteste Bevölkerung lebt. Aehn- lich schlecht sind Italien nnt der exponierten Po- Ebene und Deutschland mit seinem bevölkerungs- müßigen Schwergewicht in dem völlig ungeschützten industriellen Westen des Reiches gestellt. Alle diese Gebiete sind heute bei der gesteigerten Leistungsfähigkeit der Luftwaffe sehr viel mehr bedroht als während des Weltkrieges. Fast alle Staaten haben daher das Streben, ihre Rüstungsindustrie aus den bedrohten Erenzbezirken in das Innere des Landes zu verlegen.
Als letztes bliebe der Einfluß der bevölkerungspolitischen Struktur der Staaten auf die Wehrgeographie zu untersuchen. Hier ist die Bevölkerungsbewegung von entscheidender Bedeutung: Staaten mit hohem Geburtenüberschuß (Polen. Rußland, Italien) haben einen großen wehrpolitischen Vorsprang vor Staaten mit rückläufiger Bevölkerungsbewegung. Neben der Quantität steht die Frage nach der Qualität; es ist hinzuweisen auf physische Brauchbarkeit der Bevölkerung für kriegerische Aufgaben, sodann auch aus die geistige Aufnahmefähigkeit, die gerade heute bei der zunehmenden Materiali- sterung und Spezialisierung der Kriegführung zu beachten ist. Nicht zu vergessen bei der Aufzählung bevölkerungspolitischer Faktoren der Wehrgeographie ist schließlich die Frage nach der politisch e n Z u v e r l ä s s i g k e i t der Bevölkerung. Besonders in den neu entstandenen Staaten, aber auch z. B in Belgien, können Minderheiten, die in Opposition zum Staatsvolk stehen, oder stark kommunistisch verseuchte Benölkerungs- teile zersetzend auf die Mebi-kraft wirken und eine nach den geographischen Faktoren an und für sich günstige wehrgeographische Lage erschweren, ja unhaltbar machen.