Ausgabe 
(24.3.1934) Nr. 82
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das amNche VrgM Des Senats

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Nr. 82 / 1 . DiertelMi-

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Der Sreien Hansestadt vremen

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Sonnabend, den 24. März

Einzelpreis 1H Rps.

Dreizehn neue Neichsgesehe

Hebung der Kaufkraft / Finanz- und LLmlagenkontrolle bei öffenMch-rechMchen Verbänden / Gpenden- genehmkgung / Erleichterungen bei der Arbeitslosenhilfe / Förderung des Fremdenverkehrs

Moskau und Gens

Ein politisches Manöver gegen Japan?

Paris, 23. März.

Das Stichwort desPetit Parisien", daß der Eintritt Sowjetrußlands in den Völkerbund Ja­pan und Deutschland und vielleicht auch die Ver­einigten Staaten zur Besinnung bringen könnte, wird von derRSpubliqne" aufgegriffen. Sie sagt, weder Japan noch Deutschland hätten ein Interesse daran, außerhalb des Völkerbundes zu bleiben, sobald die Sowjets eintreten. Die Erenz- nachbarn Rußlands dürften durch dessen Eintritt in den Völkerbund beruhigt werden. Frankreich werde bei dieser politischen Entwicklung eine Hauptrolle zu spielen haben. Diese optimistische Auffassung wird von anderen Blättern nicht ge­teilt So schreibtPetit Bleu":Es ist klar, daß die Annäherung der Sowjets an den Völkerbund, der auf Japan schlecht zu sprechen ist, ein politi­sches Manöver darstellt. Man braucht sich also nur alsguter Europäer" auszugeben, um für den immer wahrscheinlicher werdenden Fall eines russisch-japanischen Krieges Unterstützung zu er­langen! Wenn die Westmächte sich auf dieses Ma­növer einließen, würden sie gefährliche Über­raschungen erleben, sobald der Konflikt aus- Lreche."

*

Nach zuverlässigen Informationen stellt sich die Debatte über einen bevorstehenden Ein­tritt Sowjetrußlands in den Völkerbund tat­sächlich als ein Manöver heraus, dessen trei­bende Kräfte aber nicht in Moskau, sondern in Paris sitzen. Herriot war es, der zuerst nach Osten schielte, und zwar war sein Liebeswer- ben von der heimlichen Absicht getragen, Frankreichs geschwächte Stellung.in Gens mit Hilfe eines neuenBundesgenossen" etwas zu festigen. Die negative Einstellung Japans zum Völkerbund dürfte Rußland eher ein wei­teres Fernbleiben von Eenf, als eine Aen­derung seiner Völkerbundspolitik nahelegen.

SPD.-Bonzen wollen nach Paris übersiedeln

Paris, 23. März.

Wie die Blätter berichten, hat Ministerpräsident Doumergue in dem am Donnerstag abgehaltenen Kabinettsrat ein Schreiben des Sozialistenführers Leon Blum verlesen, das den Wunsch des in Prag sein Unwesen treibenden sogenannten Vor­standes derSozialdemokratischen Partei Deutsch­lands" zum Ausdruck bringe, sich in Paris nieder­lassen zu dürfen. DerVorstand" beklagt sich dar­über, seit den Vorgängen in Oesterreich Schwie­rigkeiten in seinen Verbindungen und Jnfor- mationsmöglichkeiten zu haben und bittet Leon Blum, bei der französischen Regierung wegen einer etwaigen Uebersiedlung nach Paris vorstellig zu werden. Der Kabinettsrat hat keinen Be­schluß gefaßt. Er wird seine Antwort, wie Journal" erklärt, von einer eingehenden Prü­fung der Frage abhängig machen, wie der Vor­stand der sozialdemokratischen Partei Deutschlands sich in Frankreich zu betätigen gedenkt. Nach dem Echo de Pari/' stehen die meisten Regisrungs- mitglieder dem Antrag ablehnend gegenüber.

Miliz der Marxisten Frankreichs

Paris, 23. März

Die sozialistische Presse unter Führung des Populaire" war mit voller Entschiedenheit Ge­rüchten entgegengetreten, daß die sozialistischen Verbände sich bemühen, eine Miliz auszurüsten. Besonderen Eifer sollten die nordfranzösischen Be- znksverbände nach dieser Richtung an den Tag gelegt haben. DasEcho de Paris" hatte sich bei der Verbreitung derartiger Behauptungen auf ein geheimes Rundschreiben berufen, das jetzt vom Mattn" veröffentlicht wird. Dieses Rundschrei­ben, das an die Liller Sozialisten gerichtet ist, kündigt die Notwendigkeit der Schaffung einer derartigcnArbeitermiliz an. Besonderen Eindruck glaubt der Aufruf durch die Behauptung zu machen, daß die französischen Ar­beiter unmöglich das Schicksal ihrer Brüder in Italien, Deutschland und Oesterreich teilen könn­ten. Die Adressaten werden um Angabe ihrer Eignung für den Heeresdienst gebeten. Ablei­stung der Heeresdienstpflicht und Altersgrenze von 48 Johren werden in dem Rundschreiben als Be­dingung für den Eintritt in die Miliz angegeben.

VMmös TerrorPen-VrozeH

Die Vernehmung der Angeklagten abgeschlossen Belgrad, 23. März

In dem Belgrader Terroristen-Prozeß wegen des versuchten Anschlages auf König Alexander in Agram wurde am Freitagmittag die Verneh- ni-.mg der drei Angeklagten beendet. Der Ange­klagte Bcgowitsch gab zu, daß er den Ange­klagten Oreb veranlaßt habe, in die Volks­menge, die zur Begrüßung König Alexanders auf dcm'St. Markus-Platz in Agram versammelt war, Bomben zu werten. Weiter gab er zu, daß er Leeb den Rat gegeben habe, möglichst das vor de- Kathedrale versammelte Offizierskorps mit seinen Bomben zu treffen. Oreb bestätigte, daß Brmm-tfch ihn aufgefordert habe, den Anschlag Uum König Alexander durchzuführen. Das Gi­ri'" iltttt bann zur Verlesung verschiedener An- K 'vnnnenie. Am Freltagnachmittag werden d>- Verteidiger das Wort erhalten.

Berlin, 23. März.

Das Reichskabinett verabschiedete in seiner heutigen Sitzung ein Gesetz zur Erhaltung und Hebung der Kaufkraft. Dieses sieht in seinem ersten Teil eine Kontrolle der Finanz­gebarung der juristischen Personen des öffent­lichen Rechtes und ähnlicher Verbände und Or­ganisationen vor. Die Vorschriften dieses Gesetzes gelten nicht für die Länder, Gemeinden und Ee- meindeverbände, für die Träger der Sozialver­sicherung, für die Deutsche Reichsbank und die Deutsche Reichsbahn, für die Religionsgesellschaf­ten des öffentlichen Rechtes und für die NSDAP. Sie finden dagegen Anwendung auf Verbände und Organisationen, die sich in der einen oder anderen Weise an die NSDAP. anlehnen, und auf besondere Anordnung der Reichsregierung auch auf Verbände und Organisationen, die nicht juristische Personen des öffentlichen Rechtes sind, wenn an ihrer Finanzgebarung und an der Er­hebung von Umlagen und Beiträgen durch sie ein öffentliches Interesse besteht. Das Gesetz sieht eine weitgehende Finanzkontrolle der Einnahmen und Ausgaben der genannten Verbände und Organi­sationen vor, ebenso eine Kontrolle der Umlagen und Verträge, die von diesen Verbänden und Or­ganisationen erhoben werden.

Paris, 23. März.

Die französische Antwortnote vom 17. März auf das englische Memorandum stellt zunächst fest, daß die beiden Regierungen und die beiden Län­der über das Ziel, das es in der Abrüstungsfrage zu erreichen gilt, einig sind. Wenn sich zwischen den vorgeschlagenen Methoden auch Abweichungen zeigen, so ist es keineswegs unmöglich, daß bei beiderseitigem Bemühen um Offenheit, Verständ­nis und Entgegenkommen das angestrebte Ergeb­nis erreicht wird. Frankreich ist bereit dazu. Es hat von 1920 bis 1932 einseitig die Dauer seines Heeresdienstes um 66 v. H., die Anzahl seiner Divisionen um SO v. H., seiner Truppenbestände um 28 v. H. und vom Juni 1932 bis Juni 1933 seine Landesverteidigungskredite um 216 Milliarden verringert.

Die französische Regierung hat in den Antwor­ten, die sie am 1. Januar und am 14. Februar in dem vom Reich angebahnten Meinungsaus­tausch erteilt hat, in klarster Weise Stellung ge­nommen. In diesen beiden Noten sind Auffassun­gen klar vertreten und Grenzen gezogen worden, über die sich die Regierungen am 14. Oktober 1933 verständigt hatten. Die französische Regie­rung würde sich nur schwer entschließen können, zuzulassen, daß Deutschlands Austritt aus dem Völkerbund, der in der Arbeit des Genfer Bundes schwere Störungen verursacht hat, Deutschland neue Rechte verschaffen und für Frankreich neue Opfer herbeiführen würde, unter denen leicht seine Landesverteidigung leiden könnte.

Die französische Regierung erkennt das ehrliche Bemühen der britischen Regierung für einen an­nehmbaren Kompromiß an. der aber eine Vor­bemerkung erfordert. Die Regierung der Republik hat stets eine kontrollierte Herab­setzung der Rüstungen ins Auge gefaßt, die schrittweise bis zu einem Stand« durchgeführt werden sollte, der die Verwirklichung der Gleichberechtigung in einem System der Sicherheit ermöglicht. Dieses System stieß auf die Schwierigkeit, daß Deutschland fort­laufend das Programm durchführte, das es seit langen Jahren verfolgt hat, um seine Rüstungen aus einen viel höheren Stand als den durch die Verträge zugelassenen zu bringen. In dem Wunsche, die von Frankreich respektierten Grund­sätze und die von Deutschland eingenommene Hal­tung miteinander zu versöhnen, verknüpft die bri­tische Regierung nunmehr mit einer sofortigen Rüstungsverminderung. die bestimmte Staaten auf sich nehmen sollen, sofortige Riistuugs- steigerungen. die anderen Mächten gestattet wer­den sollten.

Frankreich kann weder verstehen noch zugeben, daß die übertriebenen Aufrüstungsansprüche, die

owsfe-Akten aufbewahren!

Berlin, 23. März

Die Beoeutung der Rassefragen im neuen Deutschland kommt auch in einem Erlaß des baye­rischen Justizministers zum Ausdruck, wonach Aktenstücke aus der Justizverwaltung, die für die Familien- und Rassenforschung von Interesse sein könnten, dauernd von der sonst üblichen Ausschei­dung nicht mehr benötigter Akten auszuschließen sind.

Der zweite Teil des Gesetzes befaßt sich mit der Erhebung von Spenden, die in Zu­kunft der Genehmigung des Stellvertreters des Führers der NSDAP. im Einvernehmen mit dem Reichsfinanzminister bedarf. Der dritte Teil enthält Bestimmungen über die Abgabe zur Ar­beitslosenhilfe, wonach eine wesentliche Beschränkung in der ALgabepflicht bzw. eine völlige Befreiung von der Abgabe eintritt.

Ferner genehmigte das Reichskabinett ein Gesetz zur Aenderung des Kraftfahrzeug­steuergesetzes, wonach Steuerermäßigungen bzw. Steuerbefreiungen für Kraftfahrzeuge aus dem Auslande festgesetzt werden, um den Frem­denverkehr zu fördern. Das Gesetz über die Er­hebung einer Abgabe der Aufsichtsrats­mitglieder schafft keine neue Belastung, son­dern dehnt lediglich die bisher unter der Be­zeichnungZuschläge der Aufsichtsratsmitglieder" bestehende Sonderbelastung auf die Zeit nach dem 31. März 1934 aus.

Ein Gesetz über die Bildung eines An­leihestockes bei Kapitalgesellschaf­ten bestimmt, daß bei Ausschüttung von 6 v. H. und mehr der gegenüber dem Vorjahre erzielte Mehrbetrag in Anleihen des Reiches, der Länder oder der Gemeinden angelegt werden muß.

von einer Seite erhoben werden, als Begründung dafür dienen können, von anderen Mächten Rü­stungsverminderungen zu verlangen, die dem Interesse ihrer Sicherheit zuwiderlaufen. Die britische Regierung hat auch die Ungerechtigkeit dieser Methoden selbst eingesehen und in dem Memorandum vom 29. Januar das in den Frie- dens-Vertriigen für die abgerüsteten Staaten ent­haltene Verbot einer militärischen Luftfahrt vor­läufig aufrechterhalten. Die französische Regie­rung schließt sich diesem Standpunkt vorbehaltlos an. Dagegen hält sie sich für verpflichtet, zu der Forderung der deutschen Regierung, ihre Armee unverzüglich und ohne vorhergehende Prüfung des gegenwärtigen Standes auf eine Zahl von 369 090 Mann (mit dem entsprechenden Material) bringen zu können, die entschiedensten Vorbehalte zn machen.

Würde diese Forderung angenommen, so hätte dies zur Folge, daß die Grundsätze der Völker­bundsatzungen und der auf diesen beruhenden Ab­rüstungskonferenz verleugnet und zunichte gemacht würden. Nur die Gcneralkommission könnte unter Beteiligung sämtlicher interessierter Staaten ent­scheiden, ob diese Grundsätze aufgegeben werden sollen. Es dürfte wohl niemandem entgehen, daß eine solche Entscheidung sich unvermeidlich bis in das Gebiet der Marinefrage auswirken würde.

Die französische Regierung weiß die Bemü­hungen der britischen Regierung hinsichtlich der militärähnlichen Verbände, gegen die sich die französischen Memoranden vom 1. Ja-

Berlin, 23. März.

Unter dem Vorsitz des Reichsinnenministers Dr. Frick fand am Freitag im Reichsministerium des Innern eine Besprechung sämtlicher Ministerpräsi­denten und Innenminister der deutschen Länder statt. Reichsminister Dr. Frick führte einleitend aus, daß die Durchführung der mit dem Gesetz über den Neuaufbau des Reiches vom 30. Januar 1934 eingeleiteten Reichsreform die größte Auf­gabe unserer Zeit sei.

Die Herstellung der Einheit des Reiches sei eine geschichtliche Aufgabe, wie sie in Jahrtausenden nur einmal an die Nation gestellt werde. Eine Ueberstürzung der Reform sei weder nötig noch beabsichtigt: der Neuaufbau des Reiches werde

aber nach dem unerschütterlichen Willen des Füh­rers mit der gleichen Entschlossenheit durchgeführt werden, mit der schon in der kurzen Zeit der nationalsozialistischen Führung des Reiches zahl­reiche Maßnahmen getroffen wurden, deren Ver­wirklichung sich der Führer zum Ziele gesetzt hatte.

Persönliche Interessen dürften bei einem Werk von so gigantischem Ausmaß keine Rolle spielen. Im übrigen werde bei der Neugliederung auf die Interessen der Wirtschaft gebührende Rücksicht ge­nommen werden. Im ausdrücklichen Einverständ­nis mit dem Führer gab Reichsminister Dr. Frick bekannt, daß für die Beamtenschaft der Länder auf Grund der bevorstehenden Neuordnung des Reiches kein Anlaß zur Beunruhigung bestehe.

Besondere Bedeutung legte Reichsminister Dr. Frick der im Zuge der Neuordnung liegenden Stärkung der Autorität der Reichsregierung bei, die sich im Verhältnis zwischen Reich und Län-

Das Reichskabinett genehmigte ferner ein Ge­setz über Verlängerung des Vollstreckungs­schutzes für di'e Binnenschiffahrt bis zum 31. Oktober 1934. Ferner genehmigte das Reichskabinett ein Gesetz zur Aenderung des Scheckgesetzes, wonach Danzig in den inländischen Scheckverkehr einbezogen wird; ein Schlachtsteuer­gesetz, durch das die jetzt noch bestehenden großen Verschiedenheiten der geltenden Gesetze beseitigt werden; ein Gesetz über Beaufsichtigung und An­erkennung gemeinnütziger Wohnungsunterneh­mungen, das mehrere an sich-selbständige gesetz­geberische Grundgedanken zwecks Vermeidung be­sonderer Einzelgesetze zusammenfaßt; ein Gesetz zur Aenderung des Gesetzes über die Förderung der Eheschließungen; ein Gesetz zur Aenderung der Vorschriften des Strafrechts und des Strafver­fahrens, durch das die Vorschriften gegen den Hochverrat, gegen den Landesver­rat und gegen den Verrat militärischer Ge­heimnisse zusammengefaßt, übersichtlich gestaltet und die Strafbestimmungen verschärft werden; ein Gesetz über Reichsverweisung von Ausländern und schließlich die Aufhebung des Gesetzes über die Befriedung der Gebäude des Reichstages und der Landtage, das heute überflüssig geworden ist,

(Siehe auch 3. Seite Hauptblatt)

nuar und 14. Februar gewandt haben, sehr zu schätzen. Die deutsche Regierung gibt heute zu, daß es nötig ist, festzulegen, welche Betätigungs- arten diesen Verbänden untersagt werden müssen, damit sie den Charakter einer militärischen Orga­nisation verlieren, der sie jetzt nach Form und Satzung nachgebildet sind, um sich auf das poli­tische Gebiet zu beschränken. Nichtsdestoweniger bleiben noch wichtige Punkte zu klären: Sie be­ziehen sich auf die vormilitärischen Ver­bände, die Modalitäten der Kontrolle, die Uebergangsmaßnahmen, die Ausgabenbe- schränkung und ganz besonders die Herstellung von Kriegsmaterial.

So groß die praktische Bedeutung dieser Frage auch sein mag, sie wird weit überragt von der des wichtigen Problems der Durchführungs­garantien. Eine Vereinbarung hat nur dann Aussicht, durchgeführt zu werden, wenn sieauf einer breiten Grundlage beruht, die die Regelung der Rüstungen mit Zusicherungen auf dem poli­tischen Gebiet verknüpft". Es genügt nicht, daß das Abkommen eine strenge Durchfllhrungskontrolle ermöglicht, denn die Kontrolle ist weniger selbst eine Garantie als ein Mittel, Garantien in Gang zu setzen. Wenn «ine Verpflichtung gegenüber der internationalen Gemeinschaft eingegangen worden ist, so muß eine Verletzung dieser Verpflichtung als eine Bedrohung der Gemeinschaft selbst ange­sehen werden.

(Fortsetzung auf Seite 2)

dein schon als Folge des Wegfalls sachlicher Gegensätze und wegen der Gemeinsamkeit des gro­ßen Zieles ergebe.

Wetter machte der Minister in besonderem Auf­trag des Führers grundsätzliche Ausführungen über die Zusammenarbeit von Partei und Staat und über die unbedingte Wahrung der Staatsautorität. Nach einer Aussprache, an der sich insbesondere die Ministerpräsidenten von Preußen und Bayern beteiligten und in der alle Teilnehmer sich einmütig hinter die vom Vor­sitzenden aufgezeigten Ziele des Führers stellten, fordert Reichsminister Dr. Frick die versammelten Ministerpräsidenten und Minister auf, ihre ganze Kraft freudig in den Dienst der großen gemein­samen Aufgabe zu stellen und schloß die Bespre­chung mit einem Heil auf den Führer.

Neichsfilmkammer greift durch

Berlin, 23. März.

Der Präsident der Neichsfilmkammer teilt mit: Der Präsident der Neichsfilmkammer hat aus Grund der Reichskulturkammergesetzgebung, durch welche der nationalsozialistische Staat die Möglich, keit geschaffen hat, unlauter« Elemente auszu­merzen, gegen eine Reihe von Filnnheater- inhabcrn, welch« sich der falschen Abrechnung von Filmleihmieten schuldig gemacht haben, den Aus­schluß aus der Reichsfilmkammer angeordnet. Der­artige Elemente sind nicht würdig, an der Ver­breitung des deulicheu Kulturgutes Film mitzu­wirken. Die Maßnahmen zur Bereinigung des deutschen Filmgewerbes werden energisch fort­gesetzt.

Der Geist von Rom

(Von unserem römischen Korrespondenten) Dr. 2. Rom, Ende März.

Das Dreierabkommen gehört wie der Vie­rerpakt zu jenen kunstvollen Gebilden der Feinweberei, in denen die italienische Diplo­matie Meister ist. Sie scheinen dünn und durchsichtig, sind aber elastisch, und man kann viel hineinsticken und herauslesen.3 Pro­tokolle" wurden unterschrieben, man sagt nicht Abkommen und nicht Pakt und nicht Vertrag, um auch den Schein zu vermeiden, daß es sich um ein Abgeschlossenes handeln könne, von dem andere ausgeschlossen wären. Was Oesterreich und Ungarn gern deutlicher gehabt hätten, das wurde nur gesagt, gesagt allerdings von Mussolini im euro­päischen Rundfunk und damitan alle". Ein Schönheitsfehler der Protokolle, mag sein; jedoch ein Musterzug auf dem Schachbrett moderner Politik.

Von heute ab gibt es keine österreichische oder ungarische Außenpolitik mehr, es gibt nur noch eine italienisch-österreichisch-unga­rische Eemeinsamspolitik"; sagt derPopolo di Roma". Ob man in Wien und Budapest der gleichen Meinung ist?

Die Unabhängigkeit Oesterreichs und die Zusammenarbeit für den europäischen Frie­den bilden die Grundlagen jeder wirtschaft­lichen Verständigung über den Tonauraum; jeder vierte Staat, der sich anschließen will, muß sich zu diesem Punkt zustimmend be­kennen." So ließ es sichdas Organ des österreichischen Bundeskanzlers" aus Rom melden. Und nun ist von dieser Unabhängig­keit' eines bestimmten Landes mit keinem Wort die Rede! In Rom gab es nach der Unterzeichnung Politiker aller Sorten, die sich entgeistert anblickten. Aufgeregte Son­derberichterstatter suchten und suchten in dem Comuniccato, wie in dem politischen Pro­tokoll herum, sie fanden nichts.

Ueberhaupt die Vorausmeldungen der in­teressierten Presse! Was ist alles nicht ein­getroffen! Nichts von den Befürchtungen der Kleinen Entente, nichts von den Hoffnungen Frankreichs. Unbegründet erweisen sich ge­wisse deutsche Sorgen, fehl gingen vor allem aber die Beschwörungen derjenigen, die um jeden Preis Ungarn von Deutschland weg- manövrieren wollten. Senkrecht und uner­schütterlich wie ein tragender Pfeiler stand Gömbös oa; mit klarem Blick erkannte er den mächtigen Einfluß des großen Abwesen­den: den Einfluß Deutschlands. Das Reich wirkte, ohne einzugreifen. Es kann bei kei­ner endgültigen Lösung des Donauproblems ausgeschaltet werden eines der wichtigsten Ergebnisse von Rom. Damit ist auch schon gesagt, daß es nicht genügen kann, der an den Tonauraum anstoßenden Großmacht eine Türe offen zu lassen, und noch weniger darf damit gerechnet werden, daß sich das Reich für den Eintritt solche Bedingungen auf­erlegen läßt, wie sie dieReichspost" drucken ließ. Die Zeiten sind vorbei, wo Deutschland ständig Zustimmung nickte, nur um im Geist von Genf eine gute Figur zu machen. Was übrigens Mussolini von diesem Geist hält, hat er auch im Rundfunk gesagt, und der stürmische Beifall, den er fand, als er für die praktische Durchführung der bereits zuge­standenen Gleichberechtigung mit erhobener Stimme eintrat, drang dank der zensurfreien Aetherwellen auch m die widerwilligsten Ohren. An der großen Linie der italienischen Revisionspolitik hat sich nichts geändert eine weitere Lehre der Romgespräche.

Das Wichtigste aber an dem politischen Protokoll ist das, daß es die Pariser Vorort­verträge gar nicht erwähnt, daß es den Kriegsverträgen entgegensetzt die Freund­schaftsverträge, die das Italien Mussolinis geschlossen hat. Das ist die amtliche Abkehr vom Geiste von Versailles, wie sie die Ver­einigten Staaten schon durch ihre Unter­schriftsverweigerung vollzogen hatten. Den früheren Gegnern tritt Italien gleichermaßen frei und ungebunden entgegen. Der Geist von Rom ist Sieger geblieben, das Recht soll wieder an die Stelle der Gewalt treten. Auch das hat der Duce im Rundfunk für alle die­jenigen, die guten Willens sind, unzweideutig betont. Führt er die Kontincntalpolitik. die Italien nun neben der bisherigen reinen Seepolitik treiben muß. in 'diesem Geiste

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Reden des Reichspropagandaministers und des Reichsverkehrsministers

Einzelhandel stellt 3VVNV Arbeitslose ? ein

Auswirkungen des Stavisky-Skandals Zunehmende Streikbewegung in USA.

Frankreichs höfliches Nein

Die Aurifer Antwortnote auf das enMHe Memorandum zur Abrüstungsfrage

Die größte Ausgabe unserer Zeit

Neichsmimster Dr. Frick über die Neichsreform