vremer
öas amUiche Organ Ses Senat-
Mung
-er Sreien hanfeftM Oremeu
Bremer Heilung, -Verlagsgesellschaft m. L. H„ Eeeren 6 bis 8 / Fernruf: Sammelnummer Roland 828.
Nr. 81 / i. Dietteljadr
19 3 4
Aineiaen-Grundpreise: Die 32-mw-Zeilc im Anzeigenteil >2 Rp!., die 70-mm-HeiIe im Tcxtterl ?a Rpl
Ermäßigte Grundpreise (für Stellengesuche. Familienanzcigen, kleine Anzeigen. Vereinsmitteilungen in a.) lowie svnstige Bedingungen laut Preisliste. Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewahr. Annahmeschluß 16 Uhr.
Sprechzeit des Verlages werktäglich von 12—13 Uhr, der Schriftleitung werktäglich von 18-17 Uhr.
Freitag, den 23. März
Einzelpreis 15 Rps.
Eine wichtige Konferenz beim Führer
Statthalter nicht Lander-Sachwalter
Die historische Neichs-Aufgabe des Nationalsozialismus
Berlin, 22. März.
Am 22. März fand in der Reichskanzlei eine Sitzung der Reichsstatthalter statt, die den ganzen Vormittag in Anspruch nahm. Reichskanzler' Adolf Hitler sprach über die staats- politischen Aufgaben der Reichsstatthalter, wie sie sich aus der Durchführung des Gesetzes über den Neuaufbau des Reiches vom 30. Januar dieses Jahres ergeben.
Nach den Ausführungen des Reichskanzlers sind die Reichsstatthalter» die der Dienstaussicht des Reichsinnenministers unterstellt worden sind, die Träger des Willens der obersten Führung des Reiches, nicht aber die Sachwalter der einzelne» Länder. Ihre Aufgabe kommt nicht von den Ländern, sondern vom Reiche; sie vertreten nicht die Länder gegenüber dem Reiche, sondern das Reich gegenüber den Ländern.
Der Neuaufbau des Reiches erfordert eine einheitliche, klare und dauerhafte Konstruktion der
Staatsverwaltung mit logischer Gliederung der Verwaltungseinheiten unter einer zentralen Reichsgewalt. Der Nationalsozialismus hat die historische Aufgabe, das neue deutsche Reich zu schaffen, nicht aber die Aufgabe, die Länder zu konservieren. Somit sind die Reichsstatthalter in erster Linie Hoheitsträger der nationalsozialistischen Idee und Sachwalter des Nationalsozialismus, nicht aber Verwaltungsträger eines bestimmten Staates.
Der Reichskanzler trug den Neichsstatthaltern aus, dafür zu sorgen, daß ein selbständiges Vorgehen einzelner Partei- und Dienststellen in wirtschafts- und finanzpolitischen Dingen überall unterbunden wird, daß für die Wirt- schafts- und Finanzpolitik einzig und allein der Reichswirtschaftsminister und der Reichssinanz- minister und für die Geld- und Vankpolitik nur der Reichsbankpräsident zuständig seien.
Ehe Lokal- und Landesstellen oder Dienststellen in der Partei und Parteiorganisationen wirt
schaftliche oder finanzielle Anordnungen treffen, müsse in jedem Falle eine vorherige Klärung mit der zentralen Reichsbehörde stattgefunden haben. Dies gelte naturgemäß auch für alle anderen Verwaltungszweige. In diesem Zusammenhang sprach der Reichskanzler in längeren Darlegungen über die notwendige Einheit zwischen Staat und Partei.
2m Anschluß an die Darlegungen des Reichskanzlers gab Reichsinnenminister Dr. Frick noch verschiedene Verwaltungsanweisungen bekannt, die die Durchführung der von dem Reichskanzler vorgetragenen Grundsätze gewährleisten sollen.
An den Besprechungen nahmen sämtliche Reichsstatthalter, der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Heß, der preußische Ministerpräsident General Eöring, die Staatssekretäre Dr. Lam- mers und Funk sowie der Stabsleiter des Stellvertreters des Führers, Reichsleiter Bormann, teil.
Neichshaushaltsplan ausgeglichen
Etat-Verabschiedung in der gestrigen Sitzung des Reichskabinetts / Weitere
Mordhetze
Der Terror der spanischen Syndikalisten
Madrid. 22. März
In Tortosa raubte ein« Syndikalistenbande die Kasse des Gemeinderates. In Granada und in den umliegenden kleinen Ortschaften verteilen die Anarcho-Syndikalisten Flugblätter, in denen zur Vrandschatzung von Kirchen und zum Mord an faschistischen Jugendlichen aufgefordert wird. Zm Zusammenhang damit steht die Explosion einer Bombe am Eingang einer vollbesetzten Dorfkirche, die einigen Kirchenbesuchern leichtere Verletzungen eingetragen hat.
In Santander überfielen zwei aus je vier Mann bestehende Banden zur gleichen Zeit zwei Banken, deren Angestellten sie mit der Mffe bedrohten und einsperrten. Es sielen W-» insgesamt über 150 000 Peseten in die Künde, mit denen sie unerkannt entkommen konnten. Aus dem Provinzmuseum in Burgos wurde von einem unbekannten Täter ein arabisches Schmuckstück gestohlen, dessen Wert eine halbe Million Peseten beträgt. Bei Vigo wurde eine Dorfkirche von einem Anarchisten in Brand gesteckt. In Valencia dauern die Sabotageakte an den elektrischen Hochspannungsleitungen an. In der vergangenen Nacht sind allein vierzehn Bomben an Leitungsmasten zur Explosion gebracht worden.
Terror Streikender in Newyork
Newyork, 22. März
Däs Rewyorksr Theaterviertel war in der Zeit zwischen dem Schluß der Vorstellungen und dem pichen Morgen der Schauplatz heftiger Zusammenstöße zwischen der Polizei und streikenden Taxi-Chauffeuren, die durch Stratzenpöbel weiteren Zuzug erhalten hatten. Sie suchten jeden Taxi-Verkehr zu unterbinden, indem sie die Wagentüren abrissen, die Insassen, darunter viele Frauen in Abendkleidern, zum Aussteigen zwangen und die Taxis demolierten, so daß der mittlere Broadwy schließlich den Anblick eines großen Trümmerfeldes bot. Die Streikenden fuhren in großen Omnibussen zu Hunderten nach dem Theaterviertel, wo sie ausstiegen und ihr Zerstörungswerk begannen. Der Polizei gelang es schließlich, die Demonstranten in die Seitenstraßen abzudrängen. Jedoch kamen noch bis gegen Morgen ileber- salle von Streikenden, die sich in eleganten Privatwagen befanden, auf Nichtstreikende vor.
Llngkaublich!
Saarbrücken, 22. März.
Das staatliche Ludwig-Gymnasium in Saar- iiiicken wollte es seinen Schülern am Mittwoch «möglichen, den Tag der Arbeitsschlacht am Rundfunk mitzuerleben. Die Schüler versammelten sich in der Aula der Schule am Lautsprecher, um den Reden zu lauschen. Kaum 10 Minuten nach Beginn wurde der Direktor der Anstalt ans Telephon gerufen und ihm von feiten der Schul- »bteilung der Regierungskommission die strikte Anweisung des Ministers Zoricic übermittelt, die Schüler sofort in ihre Klaffen zu führen und den Unterricht in normaler Weise fortzusetzen.
Den Schülern wurde es somit verboten, die erhebende Feierstunde wenigstens am Rundfunk mitzuerleben. In zahlreichen Betrieben des Saargebietes wurde die Belegschaft vor den Lautsprechern versammelt, um das nationale deutsche Fest wenigstens im Geist mitzufeiern.
Harte Strafen für Denunzianten
Berlin, 22. März
Neuerdings mehren sich wieder die Fälle, in denen namentlich gegen Persönlichkeiten, die im öffentlichen Leben stehen, und die leitenden Beamten von Behörden und Verbänden erfundene und leichtfertig nacherzählte Verdächtigungen erhoben werden, die nicht selten niedrigsten Motiven entspringen. Der preußische Justizminister Kerrl hat deshalb, wie der „Amtliche Preußische Pressedienst" mitteilt, an die ihm unterstellten Staatsanwaltschaften einen scharfen Erlaß gerichtet, der die Bekämpfung des Denunziantentums zum Gegenstand hat. In dem Erlaß wird darauf hingewiesen, daß sowohl die Reichsregierung wie auch die preußische Regierung wiederholt die Niedrigkeit und Verdächtigung des Denunziantentums gegeißelt und den festen Willen bekundet hatten, gegen diese widerwärtige Erscheinung mit aller Schärfe vorzugehen. Im Verfolg dieser Bestrebungen ersucht der Minister die Strafverfolgungsbehörden gegen Denunzianten mit allem Nachdruck einzuschreiten.
Taifun übe«' Japan
Tokio, 22. März.
Nach den bisherigen Mitteilungen sind bei dem Taifun, der über Japan und besonders über Tokio wütete, allein in Tokio und Umgebung 80 Per- Ivnen ums Leben gekommen; über 300 Personen wurden verletzt. Der vom Sturm angerichteie bachschaden ist außerordentlich groß. Zahlreiche Telegraphenoerbindungen wurden zerstört, meh- str- Eisenbahnlinien unterbrochen. Der Rund- iunksender in Tokio mußte wegen größerer Schärn für einige Zeit stillgelegt werden. .
Berlin, 22. März.
Das Reichskabinett beschäftigte sich in der Sitzung vom 22. März in mehr als vierstündigen Verhandlungen in der Hauptsache mit dem Reichsetat für 1831-35. Das vom Reichsfinanzminister vorgelegte und eingehend begründete Reichshaushaltsgesetz für das Rechnungsjahr 1831 wurde verabschiedet. Der Reichshaushaltsplan ist ausgeglichen und schließt in Einnahme und Ausgabe mit rund 6,1 Milliarden Reichsmark ab. Die beiden Seiten des Haushalts weisen mithin gegenüber dem Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1833 eine Steigerung um rund 500 Mill. RM. auf, die auf der Ausgabeseite insbesondere durch Ausgaben zur Abdeckung der Vorbelastung für die verschiedenen Arbeitsbeschas- fungsmaßnahmen bedingt ist.
Ferner verabschiedete das Reichskabinett ein Gesetz zur Aenderung und Ergänzung von Vorschriften auf dem Gebiete des Finanzwesens. Der hauptsächlichste Zweck dieses Gesetzes ist, über verschiedene Gesetze verstreute
Wichtige Beschlüsse
Vorschriften finanzieller Art in einer Weise umzugestalten, die den erhöhten Anforderungen, die die Wiederaufrichtung des Wirtschaftslebens an die Finanzkraft des Reiches stellt, besser als bisher gerecht wird. Zu diesem Zweck werden u. a. das Earantie-Sondervermögen für Exportkredite und der Anleihe-Tilgungsfonds aufgelöst, wobei jedoch Vorsorge getroffen ist, daß die Erfüllung der bisher mit deren Hilfe zu bewirkenden Leistungen nicht beeinträchtigt wird. Auch wird an Stelle der bisher nur einmaligen Auslosung der Anleihe-Ab- lösungsschuld des Reiches in Zukunft eine zweimalige Auslosung zum 1. Oktober und zum 1. April erfolgen.
Unter den zahlreichen Vorlagen, die in der Sitzung weiterhin vom Reichskabinett verabschiedet wurden, sind zu nennen: ein Gesetz über den Verkehr mit industriellen Rohstoffen und Halbfabrikaten, durch das die Versorgung der Industrie mit den lebenswichtigsten Rohstoffen in einer wirtschaftlich möglichst günstigen Verteilung sichergestellt wird. Zu die
sem Zweck werden Ueberwachungsstellen für bestimmte Warenarten errichtet.
Ferner wurden beschlossen ein Gesetz zur Ordnung der Arbeit in öffentlichen Verwaltungen und Betrieben, ein Gesetz über die Heimarbeit, ein Gesetz über Verkehr mit Tieren und tierischen Erzeugnissen, ein Gesetz über die einstweilige Neuregelung des Straßenwesens und der Straßenver- waltung, ein Gesetz über die Aenderung der Vorschriften über die Ehrengerichtsbarkeit der Rechtsanwaltschaft, ein Gesetz über weitere Maßnahmen auf dem Gebiete der Zwangsvollstreckung und ein Gesetz zur Aenderung des Gesetzes über das Be- rufsbeamtentum. Danach sollen u. a. auch die Paragraphen 5 und 6 dieses Gesetzes bis zum 30. September 1931 in Geltung bleiben.
Schließlich beschloß das Reichskabinett, das Nachtbackverbot für die Zeit vom 1. April bis 30. September aufzuheben. — Die Beratungen des Reichskabinetts über eine große Anzahl weiterer Vorlagen werden am Freitagnachmittag fortgesetzt.
Auwaltes etwa 50 Stavisky-Scheckabschnitte, 300 Zinsscheine ausländischer Wertpapiere, die Sta- visky gehörten, und zahlreiche Schriftstücke, die sich auf die Angelegenheit beziehen. Im übrigen ist als neu noch zu verzeichnen, daß eine zweite Obduktion der Leiche Staviskys gerichtlicherseits angeordnet worden ist.
Frankreichs
„abgestufte Sanktionen"
London, 22. März
Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt: Um die Prüfung der Abrüstungslage zu erleichtern, hat die britische Regierung den Quai d'Orsay um gewisse Aufklärungen über seine Ansichten ersucht. Diese Aufklärungen beziehen sich hauptsächlich auf die französische Forderung nach weiteren Sicherheitsgarantien, anf die Methoden, die für die internationale Ueberwachung der Rüstungen vorgeschlagen werden, und auf die „Sanktionen", die Lei einer Verletzung des geplanten Abkommens Anwendung finden sollen. Es besteht guter Grund zu der Annahme, daß Frankreich bereit ist, einen genauen Plan abgestufter „Sanktionen" vorzulegen. Wenn z. B. die internationale Körperschaft eine Verletzung des Abkommens festgestellt hat, würden die anderen Signatarmächte zunächst die betreffende Regierung darauf aufmerksam machen, und um baldig« Regelung ersuchen. Wenn eine darauf folgende Untersuchung ergeben sollte, daß die Sache nicht in Ordnung gebracht ist, würden die Mächte dem betreffenden Staat eine Zeitgrenze dafür setzen. Im Falle einer ablehnenden Haltung des Vertragsbrüchigen Staates würden dann weitergehende Schritte unternommen werden, die von einer einfachen Weigerung finanziellen und wirtschaftlichen Verkehrs bis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen, der Erklärung eines Boy- kotts und vielleicht einer Blockade zur See und als allerletztes Mittel bis zu einem gemeinsamen Polizeivorgehen gegen die widerspenstige Macht, mit anderen Worten zum Kriege führen würde.
Für ein neues Europa
K. blü. Bremen, 23. März.
Hin und wieder erinnert uns wohl ein plötzlich auftauchender 100-Millionen-Schein an den seltsamen Zahlenrausch der Inflationszeit. Vielleicht besitzt der eine oder der andere von uns noch eine ganze Sammlung jener kuriosen Zeugnisse einer noch kurioseren Zeit. Käme er auf den Gedanken, diese „Geldscheine", die Gänsefüßchen fortlassend, versuchsweise als Zahlungsmittel zu verwenden, man würde sicher eher ein verspätetes bedauernswertes Opfer des Inflationswirbels als einen Betrüger in ihm sehen. Auch in der Politik gab es einst solche „Werte", fälschlich Ideen genannt, die durch keinen Wahrheitsgehalt, keine Aussicht auf Realisierung gedeckt waren. Obschon sie heute in jeder Beziehung außer Kurs gesetzt sind, gibt es immer noch Leute, die sich (wir wollen nicht betrügerische Absichten vermuten) durch krampfhaftes Festhalten an Ueberlebtem schallendem Gelächter preisgeben. Zu ihnen gehört Graf Coudenhove-Kalerghi mit seiner durchlöcherten Pan-Europa-Idee. Will oder kann er nicht begreifen, daß im Kern Europas auch die geistig-politische Währung stabilisiert worden ist? Daß seine papierne Konstruktion der „Vereinigten Staaten von Europa", aus der blassen Welt eines ohnmächtigen Intellektuellen stammend, nur noch Sammelwert für die Betrachter politischer Verirrungen hat? Die Fragen müssen leider verneint werden, denn schon die Formulierung des Themas, über das Couden- hove Kalerghi kürzlich vor der Brünner Handelskammer sprach, beweist, daß der Graf nichts vergessen, aber auch nichts hinzugelernt hat. Seine Gedanken wurden nämlich unter dem Titel „Zusammenbruch oder Zusammenschluß" rednerisch aufgewärmt. Das einzige Neue, dafür aber auch besonders Kuriose seiner Ausführungen war, daß d i e Kleine Entente als künftiger Kern des Zusammenschlusses der Staaten die allein seligmachende Pan-Euro- pa-Jdee zuerst in die Wirklichkeit umsetzen müsse.
Da haben wir's also: entweder die Staaten schließen sich um die Kleine Entente herum zusammen, oder — ja, oder sie stürzen zusammen. Furchtbares Schicksal, vor dem Europa steht! Schreckliche Aussichten für uns alle! Die Katastrophe scheint geradezu unabwendbar, wenn man sich zu Gemüte führt, daß nach Coudenhovens „genialem" Plan der Zusammenschluß aus demokratisch-liberalem Geist heraus erfolgen muß. Wo nun aber die demokratisch-liberal regierten Staaten hernehmen und nicht stehlen! Die wenigen Länder, die hier in Frage kämen, stehen entweder im Zeichen einer schweren Parla- mentskrise oder haben sich zur Vermeidung einer Staatskrise bereits grundsätzlich für das autoritäre Regierungssystem entschieden. Die Völker haben jetzt jedenfalls genug von den Freiheiten demokratischer Herkunft, die sie wirtschaftlich und staatspolitisch an den Abgrund der Verzweiflung getrieben haben. Sie besinnen sich endlich auf ihre Kraft, die ihnen wesentlich andere Aufgaben als die Selbstaufgabe stellt.
Die erneute Propaganda für das groteske Pan-Europa wäre nun ebensowenig wie Coudenhove-Kalerghis politische Geschäftigkeit der Beachtung wert, wenn sich hinter dem Ganzen nicht wieder gerade die Kräfte betätigten, die eine Revision des Ver- sailler Vertrages verhindern wollen. Nachdem sich der Wahnsinn der Versailler „Frie- dens"-Bestimmungen und die falschen Voraussetzungen des Vertragswerkes auch hinsichtlich der Schuld am Weltkrieg — ein unermeßlicher außenpolitischer Erfolg Adolf Hitlers! — immer mehr herausstellten, ist ein kleines Ablenkungsmanöver der Antirevisionisten notwendig geworden. Während offiziell die Losung „Revision bedeutet Krieg!" ausgegeben wird, sollen die etwa schon vom Zweifel angekränkelten außerdeutschen Volksvertreter mit dem absurden „paneuropäischen Gedanken einer Aufweichung der Grenzen" verwirrt und für vernünftige Entschlüsse unfähig gemacht werden. Aber der Pferdefuß ist doch zu deutlich sichtbar, der Sinn für das Unnatürliche und Entartete schon zu sehr geschärft, als daß noch irgendein Denkender auf die Sache hereinfallen könnte! Oder, um auf unser Ausgangsbild zurückzukommen, die restlose Ent-
Lvttsi Neues-
Gauleiter Rövers erster Spatenstich zum SchöpfwerkSau Moormerland
Neue Uebergrisfe des Memel-Gouverneurs
Geheimnisvolle Munitionsssndung
1500 Kilometer Reichsautobahnen im Bau
Neue Gtavisky-EriihAlunger,
Verräterische Aktenfammlung / Staviskys Nechtsanwalt verhaftet
Paris, 22. März.
Am Mittwoch wurde der Abgeordnete Henriot vom parlamentarischen Untersuchungsausschuß für die Stavisky-Angelegenheit vernommen. Entgegen der bisherigen Gepflogenheit wurde kein amtlicher Bericht über die Aussagen Henriots ausgegeben. Wie es heißt, hat Henriot eine ganze Mtensamm- lung, die Stavisky-Fälle aus den Jahren 1926 bis 1928 betreffen, vorgelegt, darunter sollen sich, wie Gerüchte besagen, auch Unterlagen befinden, die eine Verbindung zwischen den Leuten um Sta- visky und dem im Jahre 1928 auf geheimnisvolle Weise ums Leben gekommenen Abgeordneten von Guayana, Ealmots, ergeben. Nach dem ge- richtsärztlichen Befund war der Tod Galmots, der eine geniale, wenn auch abenteuerliche Persönlichkeit war, auf Vergiftungserscheinungen zurückzuführen. Er hatte bei den Kammerwahlen von 1928 in Guayana eine Reihe politischer Gegner, die ihm um jeden Preis seinen Sitz zu entreißen versuchten. Als der Wahlkampf am heißesten tobte, tauchte in Guayana ein gewisser Charles Brouilhet auf, der früher bei dem inzwischen eingegangenen Mittagsblatt „Rumeur" mitgearbeitet hat Brouilhet scheint mit einem eigenartigen Auftrag in Guayana betraut gewesen zu sein. Man behauptet, daß unter den vom Abgeordneten Henriot dem Ausschuß vorgelegten Akten sich ein starke Brandstellen ausweisender Brief Staviskys an Brouilhet befinde, in dem es heißt: „Sie
sehen, was es kostet, wenn man sich mir in den Weg stell t".
Ferner enthielten die Akten, so erklärt man, ein Schreiben des gekannten Rechtsanwalts Henry Robert, der früher Präsident der Pariser An- maltskammer war, an den Gerichtspräsidenten, der die Verhandlung im Mordfall Ealmots leitete. Darin werde gesagt, daß 20000 Franken nicht zu viel seien für den Präsidenten, wenn er die Angelegenheit verschleppen wolle.
Der Ausschuß soll angesichts dieser Enthüllungen, durch die viele bi er als unantastbar gel
tende hochstehende Persönlichkeiten belastet zu werden scheinen, beschlossen haben, nichts über das Verhör Henriots und seine Akten zu veröffentlichen, sondern es dem Justizminister zu unterbreiten. Justizminister CHSron ist, wie man erfährt, noch im Laufe des Abends an die Prüfung der Schriftstücke gegangen und soll schwerwiegende Entscheidungen zu treffen entschlossen sein. Es verlautet auch, daß mit der Verhaftung Vrouilhets und des Arztes Dr. Vachet, der in den Kreisen Staviskys verkehrte und auch im Falle Ealmots eine Rolle gespielt zu haben scheint, zu rechnen sein.
Die radikal-sozialistischen Mitglieder des Sta - visky-Ausschusses haben sich nach dem Verhör der radikal-sozialistischen Abgeordneten Proust und Hulin veranlaßt gesehen, beim Parteivorstand deren Ausschluß aus der Partei zu beantragen.
Erwähnt sei ferner, daß der Stavisky-Skandal jetzt auch ausEngland hinüberzugreifen scheint. Nach einer Meldung aus London soll die Londoner Polizei die Gewißheit erlangt haben, daß hochstehende englische Persönlichkeiten in die Angelegenheit verwickelt seien. Polizeikommissar Canning, der in geheimem Auftrag in Paris weilt, sei mit Schriftstücken zurückgekehrt, die gegenwärtig von den zuständigen Stellen geprüft würden. Diese Schriftstücke seien geeignet, hochstehende Persönlichkeiten zu belasten.
Auf Anordnung des Untersuchungsrichters fand in der Pariser Wohnung des Rechtsanwaltes Staviskys, Eaulier, eine Haussuchung statt, die zu so bedeutsamen Entdeckungen führte, daß der Rechtsanwalt sofort verhaftet und ins Gefängnis eingeliefert wurde. Gegen ihn wurde Anklage wegen Beihilfe zum Betrug und Hehlerei erhoben. Gefunden wurden in der Wohnung des