Ausgabe 
(20.3.1934) Nr. 78
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Ser Freien Hansestadt vremen

Bremer Zeitung, Verlagsgesellschaft m. b. H., Eeeren K bis 8 / Fernruf: Sammelnummer Roland 825 .

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Oll. 78 / i. Vierteljahr

Dienstag, den 20. März

So schaffen wie Arbeit und Brot!

Morgen Beginn der Arbeitsschiacht auch im Gau Weser-Gms

Bremen, 19. März.

Am 2t. März wird wie im ganzen Reich auch im kau Weser-Ems die Arbeitsschlacht an den vn'Medensten Stellen des Gaues eröffnet. Aus diesem Anlaß werden größere Arbeits- belMl'ungsmabnahmen durch den Gauleiter, Mlieder der Eauleitung, Kreisleiter usw., vor- jpMmen. Der Gauleiter und Reichsstatthalter Keoer wird am Vormittag 19.10 Uhr in L/öerfum bei Emden den feierlichen Spaten­stich für den Bau des größten Schöpfwerkes in Deutschland machen, das zur Entwässerung eines, Eebietes von 17 999 Hektar dient. Der Gauleiter wird um 9 Uhr am Bahnhof Oldersnm mit seinem Stab und den Gästen eintreffen, dann zur Bau­stelle des Schöpfwerkes fahren, wo die Arbeiter angetreten sind. Um 19.19 Uhr wird der Gau­leiter mit der Ansprache beginnen. Der Veleg- fchastsobmann wird einen Sinnspruch aus die Arbeit ausbringen, dann wird der Spatenstich vollzogen werden. Bei den Arbeiten in Oldersnm werden etwa 199 bis 899 Volksgenossen neu ei» gestellt werden können. Um 15 Uhr wird Gau leiter Röverdie Grundsteinlegung für den Neu bau der Ostsriesischen Zeitung in Emden vor nehmen.

Der Stellvertreter des Gauleiters, Minister­präsident Joel, wird im Bremer Gebiet den Bau einer Teilstrecke der Neichsautobahnlinie Bremen — Harburg eröffnen durch einen Spatenstich an der Erdsörderbahn Riespot. Bei diesem feierlichen Akt aus Bremer Gebiet werden der Bremer Senat und SA- und SS-Führer des Gebietes anwesend sein. Die etwa 21 Kilometer lange Teilstrecke von Oyten bis Ritterhude er­fordert etwa 12 Millionen Mark.

Staatsminister Pauly, zugleich Gaufach­berater für den ständischen Aufbau wird den Bau des Wasserwerkes beiHohenkirchenim Iever- lande eröffnen. Das Wasserwerk wird im Rahmen der Eruppenwasserversorgung einen Teil des Je- verlandes, Schillig und eine Reihe von Einzel­gehöften, ferner drei Molkereien mit Wasser ver­sorgen. Der Bau erfordert 13 990 Tagewerk« und wird etwa 520 990 Mark kosten.

Gauorganisationsleiter Herzog wird einen Brückenbau bei Papenburg und den Ausbau einer Siedlerstraße eröffnen. Diese Arbeit erfordert etwa 10 090 Tagewerke, die Unkosten betragen etwa 109 090 Mark. Gaubetriebszellenobmann Dieckelmann wird bei Wildeshausen den ersten Spatenstich zu dem großen Hnnte-Durch- stich vornehmen. Der Gaugeschäftssührer der NSBO., Müller, wird den Bau der Kurz- arbeitersicdlung in Delmenhorst — Annen- heide eröffnen. Es handelt sich hier um die Schaf­fung einer Siedlung für Kurzarbeiter, Kinder­reich« und Kriegsbeschädigte. Gauamtsleiter der NS.-Hago, Jens Müller, wird den Bau des Aechtaer Wasserwerks, der etwa eine Viertel- Million Mark Kosten erfordert, eröffnet.

Im übrigen sind eine ganze Reihe kleinerer und größerer Bauvorhaben im ganzen Eau-

Außenhanöel und Großhandel

Entscheidende Zukunftsfragen

Auf einer Kundgebung des Landesverbandes Groß-Hamburg des Deutschen Groß- und Ueber- seehandels sprach der Präsident der Behörde für Wirtschaft Dr. Schlotterer, über das Thema: „Deutscher Außenhandel und Großhandel." Der Vortragende beleuchtete die Situation auf dem Auslandsmärkten und gab interessante Anregun­gen für eine Hebung des deutschen Außenhandelsverkehrs. Für die Zu­kunft des deutschen Außenhandels, sagte Präsi­dent Dr. Schlotterer u, a., ist es von entscheiden­der Bedeutung, daß wir es verstehen, ihn geistig und weltanschaulich fest im nationalen Gedanken, im nationalsozialistischen Deutschland zu veran­kern.

Treffend kennzeichnete der Präsident die ver­änderte Lage auf dem Gebiete des Außenhandels. Die Erkenntnis, daß die Gestaltung des Außen­handels für das gesamtnationale Schicksal nicht ohne Bedeutung ist, müßten wir zum Ausgangs­punkt unseres Handelns machen. Durch zu große Einfuhr im ganzen oder auf Teilgebieten können wichtige nationale Ziele geschädigt oder der innere Aufbau unserer Nation gestört werden. Nati­onalsozialistisch ist es, den Kaufmann zum Hüter und Ordner der Märkte, zur Vermittlung und zum Ausgleich zwischen Erzeugung und Ver­brauch einzusetzen.

bezirk in der Eröffnung begriffen oder werden am 21. März eröfnet werden. Im einzelnen wer­den bekannt gemacht: Die Einweihung des Düker­baues am Küstenkanal, die llnterdükerung der Sagter-Ems Lei Sedelsberg, die Grund­steinlegung der Landessparkasse in Wildes­hausen, Grundsteinlegung eines Pfarrhauses in Ganderkesee, Bau einer Straßenverbrei- terung in Hude, Ausbau des sogenannten „Schwarzen Weges" zu einer Straße zwecks Aus­schließung des Siedlungsgeländes in Wil- helmshaven, Neubau von 59 Siedlungs­häusern in Rüstringen, Abtragen eines Schlafdeichs und Bau einer Keilanlage in Rü­ster siel. Größere Planungsarbeiten werden in Norden vorgenommen. Wittmund plant die Schaffung einer neuen Schiffahrtsrinne von Venserstel nach Langeoog, wodurch ein von Ebbe

und Flut unabhängiger ständiger Verkehr ermög­licht wird.

In Osnabrück-Land handelt es sich um die Eröffnung der Düte-Regulierung und den Bau eines Wehres. Im Kreis Wittlage wird der Ausbau einer Straß« geplant. Hier werden Ar­beitslose des Bezirks Osnabrück-Stadt und einiger anderer Kreise eingesetzt, weil im Kreise Wittlage selbst keine Erwerbslosen mehr vorhanden sind. In Vorwald wird ein FAD.-Lager eröffnet.

In der Stadt Oldenburg wird am 21. März um 19.15 Uhr aus dem Friedrich-August-Platz eine Feier stattfinden, die der Eröffnung des Aus­baues der Kanalisationsanlage dient. Es sprechen dort zunächst Kreisleiter Pape, dann der Kreis­leiter der Arbeitsfront, Vüsing. Dann folgt die Uebertragung der Reichssendung und schließlich der erste Spatenstich für die Deicharbeiten durch den Oberbürgermeister Dr. Rabeling. Zu dieser

Feier werden die sämtlichen Beamten, Angestellten und Arbeiter der Stadt Oldenburg aus dem Friedrich-August-Platz antreten, weiter sämtliche Arbeiter der Fürsorge- und Notstandsarbeiten.

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Anläßlich der Bauaufnahme auf zahlreichen Autostraßen am 21. März stellt der Generalin- fpekteur des Deutschen Stratzenwesens, Dr.-Jng. Todt, der Zeitschrift „Die Autobahn" zufolge, fol­gende Ausführungen zur Verfügung: „Nicht billige Rennstrecken werden wir bauen, sondern Straßen mit einem der deutschen Landschaft entsprechenden Charakter. Wohl ist Sicherheit für wesentlich höhere Geschwindigkeiten als sie heute üblich sind, die erste Bedingung. Für den Entwurf einer Reichsautobahn nicht minder wichtig ist die For­derung: diese neuen Straßen harmonisch

der deutschen Landschaft anzupassen.

(Siehe auch Seite 2)

Llngan» zufrieden, Frankreich nervös

Nach Abschluß der römischen Dreier-Verhandlungen

änb. Budapest, 19. März

Ministerpräsident Gömbös ist Sonntagabend in Budapest angekommen. Unmittelbar nach seiner Ankunft gab er im ungarischen Rundfunk über die Vereinbarungen in Rom eine Erklä­rung ab, in der er vor allem der freundschaftlichen Zusammenarbeit mit Mussolini gedachte. Die Verhandlungen in Rom hätten zu einem für Ungarn zufriedenstellenden Ergebnis geführt. Zu den Einzelheiten der Ergebnisse der Rom-Kon­ferenz sei nicht viel hinzuzufügen. Wer zu lesen verstehe, werde sowohl aus dem politischen als auch aus dem wirtschaftlichen Protokoll den rich­tigen Sinn folgern können. Schon bei seinem Regierungsantritt habe er die Ansicht vertreten, daß sich der Briand-Plan zur Lösung der europäischen Probleme nicht eigne, weil er sich auf den ganzen europäischen Fragenkomplex erstrecke. Erheblich bedeutsamer seien demgegenüber jene Entwürfe, die eine Teillösung der gesamteuropäischen Fragen an­strebten, wie es die Konferenz in Rom verfolgt habe. Das bedeute aber nicht, daß die anderen Staaten sich der Zusammenarbeit, die in Rom

festgelegt wurde, nicht anschließen könnten. Jeder zurzeit noch außenstehender Staat werde bei dieser Zusammenarbeit gern gesehen, sofern die mate­riellen und objektiven Voraussetzungen gegeben seien.

Als eines der wichtigsten Ergebnisse der Rom- Konferenz bezeichnete Ministerpräsident Gömbös die Abkehr von den Autarkiebestre­bungen. Nicht das Streben nach Selbstversor­gung der einzelnen Staaten, sondern die Schaf­fung größerer wirtschaftlicher Komplexe könne Europa aus seiner gegenwärtigen schwierigen Lage retten.

Ministerpräsident Gömbös begab sich zum Neichsverweser und erstattete ihm in einer mehr als einstündigen Audienz Bericht über die römischen Verhandlungen. Der Ministerpräsident hat für Dienstag einen Ministerrat einberufen. Der Ministerpräsident dürfte sich in Beantwor­tung einer von dem Markgrafen Pallavicini für Mittwoch angekündigten Anfrage in der Vollver­sammlung des Hauses äußern. Falls die Erklä­rung Beneschs, die für Mittwoch, angesetzt ist, von

ungarischer Seite eine Antwort erheischt, wird diese vermutlich -im Auswärtigen Ausschuß erfol­gen, der Ende dieser Woche zusammentritt.

Paris, 19. März.

In den Betrachtungen der französischen Presse kommt die Besorgnis über das Anwachsen des italienischen Einflusses im Donauraum und über die Absichten Mussolinis in Afrika stark zum Aus­druck. Die „Ere Nouvelle" hält die Erklärung des Duce über Italiens Expansionsbedürfnis in Asien und Afrika für besonders schlimm. Mussolini wolle allem Anschein nach die Nachfolge des alten römi­schen Reiches antreten. Man müsse die Hinfällig­keit des Vierer-Paktes proklamieren, den der Duce selbst beerdigt habe, nämlich dadurch, daß er ein politisches Abkommen mit Ungarn und Oester­reich ohne vorherige Befragung der Unterzeichner des Viermächtepaktes abgeschlossen habe. „L'Ordre" will in den Ausführungen Mussolinis die Gedan- kengänge wiedererkennen, die der belgische Mini­sterpräsident de Vrocqueville im Senat verkündet habe, und glaubt daraus folgern zu können, daß Mussolini der Inspirator de Vroc-que- viIles gewesen sei.

Anschläge in ganz Spanien

Madrid, 19. März.

Laut Mitteilung des Gouverneurs von Sevilla haben die dortigen Kellner-Gewerkschaften und die Köche den Streik angemeldet. Der Innen­minister ist jedoch entschlossen, die Arbeitsnieder­legung, die wieder rein politischen Motiven ent­springt, unter keinen Umständen zuzulassen, um so weniger, als dadurch der ruhige Verlauf der Heiligen Woche in Sevilla gefährdet würde, deren feierliche Abhaltung mit allen Mitteln garantiert werden soll.

In Sevilla explodierte im Vereinslokal der katholischen Volksaktion eine Bombe. Trotz der Anwesenheit zahlreicher Mitglieder wurde nie­mand verletzt. Der Sachschaden ist aber bedeu­tend. 2n Malaga dauern die Verhaftungen gefährlicher Extremisten weiter an. Beim dorti­gen Gouverneur sprach eine Abordnung aus einem Gebirgsdorf vor, um Unterstützung für die 25 Köpfe zählende Einwohnerschaft zu erbitten, die vor Hunger dem Tode nahe sei.

In dem Dorfe Ribera der Provinz Oviedo zündete der Bürgermeister aus politischen Rache­motiven zusammen mit den Eemeinderäten das Rathaus an. Sämtliche Akten verbrannten. Die Täter und Mitschuldigen, insgesamt 33, wur­den verhaftet.

In Madri d. wurde heute die Arbeit auf allen Baustellen dem Befehl des Innenministers ent­sprechend wieder aufgenommen. Die Regierung hat den am monarchistischen Putsch vom August 1932 beteiligten Adjutanten des Generals San- jurjo, welch letzterer bekanntlich die damalige Bewegung führte und sich in Festungshaft befin­det, begnadigt. Man erwartet weitere Amnestien. In Barcelona dauern die Streiks weiter an. Die dortige Regierung beschloß, den Zugoerkehr auf der „katalanischen Eisenbahn" durch Militär aufnehmen zu lassen, wenn das streikende Bahn­personal morgen die Arbeit nicht aufnimmt.

50 Millionen Frank fehlen

Pari-, 19. März.

Der sozialistische „Populaire" will einen neuen Finanzskandal aufgedeckt haben. Er behauptet, daß Unregelmäßigkeiten bei der Pariser Gasgesell-

schaft aufgedeckt worden seien. Es fehlten 59 Mil­lionen Frank an Einnahmen, über die die Rech­nungsprüfer hinwegzugehen versuchten. Das Blatt kündigt an, daß es zunächst mit Einzelheiten auf­warten werde.

Die Gaarabstimmung

Gens, 19. März.

Der juristische Unterausschuß, der aus den drei neutralen Juristen Kosters-Holland, Baron Mark von Württemberg-Schweden und Vorel-Schweiz besteht und einige mit der Saarabstimmung zu­sammenhängende Fragen juristisch zu regeln hat, trat Montag um 11 Uhr im Völkerbundssekre­tariat zusammen. Man nimmt an, daß die Be­ratungen einige Tage dauern werden. Die wich­tigsten der ihnen überwiesenen Fragen sind fol­gende: Genaue Umgrenzung der dem Völker­

bundsrat bei der Saarabstimmung zustehenden Befugnisse und Pflichten. Hierunter fällt auch die Frage der etwaigen Heranziehung fremder Polizeikräfte zur Aufrechterhaltung der Ordnung.

Ferner sollen sie bestimmen, was unter „Distrik­ten oder Gemeinden" als Abstimmungseinheiten im Sinne des Vertrages zu verstehen ist. Schließ­lich sollen sie neben einer Reihe von Punkten mehr technischer Art, die zum Teil auch nicht unerheb­liche praktische Bedeutung haben können, noch klä­ren, wer als Einwohner abstimmungsberechtigt ist. Nach Abschluß dieser Tagung des Juristenaus­schusses wird der Dreier-Ausschuß des Völkerbunds­rates zusammentreten, um in zweiter Besetzung die Ergebnisse der Juristenberatung entgegenzu­nehmen. Diese Tagung wird noch vor Ostern statt­finden. Die entscheidende Tagung des Dreier-Aus­schusses unter Vorsitz Aloisis wird aber erst für Mitte April erwartet. Man glaubt, daß sie ent­gegen früheren Gerüchten doch in Genf und nicht in Rom stattfinden wird.

Erfolge der französischen republikanischen Union. In Vayonne fand am Sonntag eine Ergänzungswahl für 16 Stadtratssitze statt Es standen sich die Listen der linksbürgerlichen repu­blikanischen Vereinigung, der Soziolisten und der Kommunisten gegenüber Die republikanisch. Union konnte im ersten Wahlgang zehn Anwär­ter durchbringen Fm die übrigen Sitze ist Stich­wahl erforderlich.

Terroriften-Vrozeß in Belgrad

Die südslawischen Emigranten in Italien Belgrad, 19. März.

Vor dem obersten Gericht in Belgrad begann am Montag, wie die Agentur „Avala" meldet, ein Prozeß gegen den Arbeiter Peter Oreb und seine Mittäter Vegowitsch und Podgoreletz. Die Angeklagten werden beschuldigt, der terroristischen Organisation llstacha, deren Sitz sich im Aus- lande befindet, anzugehören und einen An­schlag gegen König Alexander verübt zu haben. Oreb hatte zu diesem Zweck einen Re­volver erhalten und ohne Erlaubnis die Grenze überschritten. Am 7. Dezember 1932 waren Oreb und seine Mittäter in Agram von Polizisten, die Grund zur Verhaftung der drei Terroristen hatten, gestellt worden. Dabei setzte sich Oreb zur Wehr und tötete einen Polizisten, während ein weiterer durch einen Schuß verwundet wurde.

In der Verhandlung gab der Angeklagte Oreb alles zu, erklärte aber, daß er von südslawi­schen Emigranten dazu angestiftet worden sei. Er sei während seiner Tätigkeit als Schmuggler zwischen Italien und Südslawien in Italien mit den Emigranten zusammengekommen. Später habe er sich lange Zeit in den Lagern, die von den südslawischen Emigranten und Ita­lienern eingerichtet sind, aufgehalten. Die in die­sen Lagern zusammengefaßten Emigranten erhal­ten dort Unterkunft, Nahrung und Entlohnung. Sie tragen besondere Uniformen und machten militärische Uebungen. Dabei wird besonderer Wert auf die Ausbildung in der Morsetelegraphie und in besonderen Fertigkeiten, die zur Aus­übung von terroristischen Anschlägen von Nutzen seien, gelegt.

Kein Beitritt Rußlands

Reval, 19. März.

Wie aus Moskau gemeldet wird. erklären die amtlichen russischen Stellen, daß die Nachrichten, die Sowjetregierung habe beschlossen, im Septem­ber dem Völkerbund beizutreten. unrichtig seien. Die russische Regierung hat ihren Standpunk, zur Frage des Beitritts zum Völkerbund durch die Reden Stalins und Litwinows auf dem Partei­tag festgelegt: neue Beschlüsse in dieser Frage sind bis jetzt noch nicht gefaßt worden.

Einzelpreis 15 Rpf.

Russische Dokumente zum Kriegsausbruch

R. lllü. Bremen, 20. März.

Die bisher veröffentlichten amtlichen Do­kumente zum Kriegsausbruch, die für den Kampf Deutschlands gegen die Versailler Kriegsschuldlüge die schärfsten Waffen, näm­lich die der Wahrheit, liefern, sind soeben durch die von Otto Hoetzsch herausgegebene deutsche Uebersetzung neuer russischer Doku­mente zum Kriegsausbruch nicht unwesentlich bereichert worden. Es handelt sich um den 5. Band aus der 1. Reihe russischer Unter­lagen zur Vorgeschichte des Weltkrieges, durch die wichtige Ergebnisse der deutschen Kriegs­schuld-Forschung in ihrer Richtigkeit bestätigt und darüber hinaus in Einzelheiten ergänzt werden. Die entscheidende Frage, die zwanzig Jahre nach dem Ausbruch des Wettenbrandes eindringlicher als je eine klare Antwort for­dert, lautet in ihrer zugespitzten Form: „Hätte der österreichisch-serbische Kon­flikt, der nach der Ermordung des öster­reichisch-ungarischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo im Verlauf der sogenannten Juli-Krise zum Wiener Ultima­tum an Belgrad führte, auf die beiden Staa­ten lokalisiert werden können?" Diese Frage ist auch auf Grund der russischen Do­kumente entschieden zu bejahen.

Vergegenwärtigen wir uns die Situation, in der sich Serbien unmittelbar nach der am 23. Juli abends erfolgten lleberreichung des österreichischen Ultimatums befand! Es hatte sich bis zum 25. Juli, abends 6 Uhr, im we­sentlichen darüber klar zu werden, ob es eine Untersuchung des Attentats auf seinem Terri­torium unter Teilnahme österreichischer Ver­treter vornehmen oder durch eine Ablehnung der Wiener Forderung den Krieg mit Oester­reich herbeiführen wollte. Die Entscheidung über den Beginn oder die Unterlassung mi­litärischer Schritte war also einzig und allein in seine Hand gegeben. Wir wissen, welchen Weg Serbien eingeschlagen hat, uns steht heute aber auch das Material für den Beweis zur Verfügung, daß nicht eigent­lich Belgrad, sondern Peters­burg fürdie ablehnende Antwort Serbiens den Ausschlag gegeben hat. Aufschlußreich für die dem Krieg ab­geneigte Haltung der serbischen Regierung Paste am Tage der Uebergabe des österreichi­schen Ultimatums ist ein mit dem 23. Juli datierter Bericht des russischen Geschäftsträ­gers in Belgrad Strandtmann an den russi­schen Außenminister Ssasanow, in dem auf Grund amtlicher serbifcher Auffassung fest­gestellt wird, daß die Frage der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Belgrad und Wien zu dem denkbar ungünstigsten Augen­blick zur Debatte gestellt worden sei. Am 27. Juli gibt Strandtmann sogar ganz offen zu, die Belgrader Minister hätten unter dem Einfluß der vom serbischen Gesandten in Pe­tersburg eingegangenen Telegramme es für unvorteilhaft gehalten, den Schwerpunkt der Frage von Petersburg in eine andere Haupt­stadt zu verlegen. Ueber die Tendenz jener Telegramme besteht für uns kein Zweifel mehr, da sich der Zar bei dem (sechs Stunden vor Ablehnung der österreichischen Forderun­gen durch Serbien) stättgefundenen Kron- rat in Krasnoje Selo, dem llebungs- platz für die Truppen der Petersburger Gar­nison, eindeutig fürden Krieg und die Vorbereitung der Mobilmachung entschieden hatte. Dem Kronrat folgte noch am Abend des 25. Juli eine Sitzung des russischen Eeneralstabs, in der sich die Willens­erklärung des Zaren voll auswirkte. Im „Journal des Eeneralstabskomitees" vom 25. Juli, das jetzt veröffentlicht wird, heißt es nämlich wörtlich:

„Der Chef des Eeneralstabs teilte den Mitgliedern des Eeneralstabkomitees mit, Seine Majestät der Kaiser habe geruht zu erklären, daß es notwendig sei, Serbien zu unterstützen, auch wenn man dazu die Mo­bilmachung erklären und Kriegshandlungen beginnen müsje, jedoch nicht eher, als bis österreichische Truppen die serbische Grenze überschritten hätten."

Daß der serbische Gesandte in Petersburg den Entschluß des Zaren sofort telegraphisch in Belgrad zur Kenntnis brachte, geht auch .daraus hervor, daß der serbische Ministerrat am Vormittag, etwa gleichzeitig mit der Ta-

Tödlicher Verkehrsunfall in Bremen Polnische Offiziere in Hannover Riesen-Unterschleife in Moskau Japans Faschisten greisen an