Ausgabe 
(16.3.1934) Nr. 74
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Nr. 74 / i. Vierteljahr

Freitag

, den 16. März

Einzelpreis 15 Rpf.

polen hebt Glnfuhrverbotsllste für deutsche Waren auf

Warschau, 15. März Im polnischen Verordnungsblatt Nr. 21 ist auf Grund des deutsch-polnischen Wirtschaftsabkom­mens eine Verfügung des Ministeramts erschienen, der zufolge die gegen Deutschland gerichtete Ein­suhrverbotsliste mit Wirkung vom 15. März auf­gehoben wird.

Der LlGA.-Lustpoft-Gkanöal

Lindbergh lehnt die Teilnahme am Untersuchungsausschuß ab

Newyork, 18. März.

Oberst Charles Lindbergh hat am Mittwoch die Teilnahme an dem Untersuchungsausschuß über das Heeresfliegerkorps abgelehnt. Er begründete diese Ablehnung mit der Bemerkung, daß er mit der von der Regierung verfolgten Politik der Ausschaltung der privaten Fluglinien vom Luft­postdienst nicht übereinstimme. Inzwischen hat der Leiter des Heeresfliegerkorps, Generalmajor Benjamin Foulois, eine Inspektionsreise durch die gesamten Vereinigten Staaten angetreten, um eine vollständige Neuordnung des Heeres­flugwesens in die Wege zu leiten. Vor Abschluß dieser Inspektionsreise werde das Heeresflieger­korps den Postdienst nicht wieder aufnehmen.

*

Der amerikanische Luftspost-skandal nahm seinen Ausgang von der Feststellung der Re­gierung Roosevelt, daß die führenden Luft- fahrtgeisellschaften ihre staatlichen Subven­tionen zum Schaden anderer Gesellschaften verwendeten und Unklarheiten der Luftfahrt- Gesetze zur Steigerung ihrer Gewinne aus­nutzten. Die Luftpost-Verträge mit diesen Ge­sellschaften wurden kurzer Hand gelöst und die Militärflieger mit der Beförderung des Post­gutes betraut. In einem Zeitraum von wenigen Tagen sind nun aber, angeblich als Opfer einer Sabotage, nach anderer Lesart wegen mangelhafter Maschinenauslastung, sechs Militärflieger verunglückt, was scharfe Angriffe der Republikaner gegen Roosevelt zur Folge hatte. Die öffentliche Meinung frei­lich macht nicht Roosevelt sondern andere Stellen für die Vorfälle in der Militärluft­fahrt verantwortlich und begrüßt es, daß der Präsident den bisher aus öffentlichen Mitteln geförderten Fluggesellschaften für ihre eigen­nützige Geschäftspraxis eine Lektion er­teilt hat.

Neue deutsche Auslandsvertreter

Berlin, 15. März.

Der Reichspräsident hat ernannt: den Gesand­ten in Lima, Roland, zum Gesandten in Oslo, den Generalkonsul in Mailand, Schmitt, zum Ge­sandten in Lima, den Generalkonsul in Algier, Windeis, zum Generalkonsul in Mailand, den Vortragenden Legationsrat Tordenge zum Ge­neralkonsul in Algier, den Konsul in New- Orleans, Jäger, zum Generalkonsul in Chicago, den Generalkonsul in Kattowitz, Graf Adelmann von Adelmannsfelden, zum Gesandten in Brüssel, den Vortragenden Legationsrat Nöldeke, zum Generalkonsul in Kattowitz, den Eesandtschaftsrat Fürsten von Bismarck zum Botschaftsrat bei der Botschaft in London.

Unfälle bet Flottenmanövern

London, 15. März.

Times" zufolge wurden die westlich von Portugal im Atlantischen Ozean abgehaltenen Flottenmanöver am Mittwoch früh beendet. Die ZerstörerVimy" undVersatile" trafen vor­mittags in Gibraltar ein und gingen sofort ins Trockendock, da sie bei dem stürmischen Wetter schwer beschädigt worden waren und erhebliche Lecks auswiesen. Nachmittags kamen der Kreuzer Devonshire" und das UnterseebootRover" in Gibraltar an und werden aus dem gleichen Grunde wie die beiden anderen Fahrzeuge ins Trockendock gehen. Während der Manöver gab es einen nicht näher bezeichneten Unfall auf dem KreuzerDevonshire", bei dem ein Mann ge­tötet wurde und ein anderer beide Beine brach.

Führe«' der Eisernen Garde stellt sich dem Gericht

Bukarest, 15. März.

Die Sensation des Tages bildet hier die Selbst- stellung des Führers der Eisernen Garde, Corneliu Zelea Codreanu. Er erschien Donnerstag in einem Kraftwagen vor dem Kriegsgericht des zweiten Armeekorps, vor dem am Montag der Prozeß gegen die Eiserne Garde beginnen soll, mit der Absicht, sich dem Militärstaatsanwalt selbst zu stellen. Mit ihm im Wagen war ein Oberst Zaooianu. In dem Augenblick, als er den Wagen verlassen wollte, um das Gebäude zu betreten, wurde er von drei Geheimagenten erkannt, ver­haftet und auf die politische Polizei gebracht. Der Führer der Eisernen Garde hatte bis heute von den Behörden, trotz aller Nachforschungen, nicht ver­haftet werden können.

Genf und die Mandschurei

Englischer Vorstoß in der Frage der Anerkennung

L?. Genf, 15. März.

Zu der kürzlich bekanntgewordenen Einberu­fung des Beratenden Ausschusses der Völker- bunds-Versammlung für den fernöstlichen Streit, der am 11. Mai, d. h. kurz vor dem Beginn der Maitagung des Völkerbundes in Genf zusammen­treten soll, wird jetzt bekannt, daß diese Einbe­rufung zwar auf englischen Antrag und aus An­laß einer Prüfung der Frage, ob die Post-Ver- rechnung der Mitgliedsstaaten des Völkerbundes mit der mandschurischen Regierung mit dem Be­schluß des Beratenden Ausschusses der Völker- bundsversammlung über die Nichtanerkennung Mandschukuos zu vereinbaren sei, erfolgte, daß jedoch dieser Antrag nur ein Vorwand sei, um nochmals die ganze durch den Beschluß der Nicht­anerkennung aufgeworfenen Frage zu prüfen. Anscheinend möchten die Engländer erreichen, daß eine gemeinsame politische Linie der Großmächte

gegenüber dem neu geschaffenen Mandschurei- Staat festgelegt wird.

Weiter sollen Bestrebungen im Gange sein, nun auch Rußland zur Teilnahme an den Arbei­ten dieses Ausschusses erneut einzuladen, nachdem die Sowjets eine solche Einladung im März vorigen Jahres unter Hinweis darauf, daß mehrere in diesem Ausschutz vertretene Staaten Rußland noch nicht amtlich anerkannt hätten, ab­geschlagen hatte. Durch die Tatsache, daß inzwi­schen die Vereinigten Staaten und einige andere europäische Staaten Sowjetrußland formell aner­kannt haben, sei der Einwand der Russen nun­mehr hinfällig geworden.

Tokio, 15. März.

Wie amtlich bekanntgegeben wird, hat am 11. März ein ru s s i s ches Fl u gze u g die Grenze zwischen Rußland und der Mandschurei überflogen

und mußte auf mandschurischem Gebiet in der Mi- schan-Provinz eine Notlandung vornehmen. Die Insassen des Flugzeugs, zwei russische Offi­ziere, wurden daraufhin von Banditen gefangen­genommen. Den Bemühungen mandschurischer Be­amter gelang schließlich die Rettung der beiden russischen Flieger aus den Händen der Banditen. Amtliche Kreise messen diesem Vorfall eine be­sondere Bedeutung bei angesichts der Tatsache, Laß Rußland bisher das Ueberfliegen mandschurischen Gebiets seinerseits abgeleugnet und die japa­nischen Einsprüche als unberechtigt erklärt hat.

Das japanische Kriegsministerium erklärt, daß der bei Jlan (am Fluß Sungari) in der Mand­schurei ausgebrochene Aufstand nur eine rein ört­liche Bedeutung habe. Japanische und mandschu­rische Truppen hätten Jlan besetzt und die Ord­nung wieder hergestellt. Die Verluste der Auf­ständischen sollen sehr groß sein.

Die erste Dreier-Besprechung in Rom

Werden auch polnische Vereinbarungen getroffen? / Stimmen aus VariS

ckvb. Rom, 15. März.

Am Donnerstagvormittag wurden Dollfuß und Gömbös von König -Viktor Emanuel einzeln in Audienz empfangen. , Anschließend gab das italienische Königspaar. ein Frühstück, an dem u. a. auch' das Kronprinzenpaar, Prinzessin Maria, der Duce, die Gesandten Oesterreichs und Ungarns sowie die italienischen Gesandten in Wien, und Budapest teilnahmen. Die erste Dreier­besprechung findet im Palazzo Venezia statt.

Von den zahlreichen in Rom umlaufenden Gerüchten ist u. a. zu verzeichnen, daß in dem Text der bevorstehenden römischen Verein­barungen auch eine polit i s che Klausel aufgenommen werden soll. Ferner wird davon gesprochen, daß die deutsche, die franzö­sische und die englische Regierung dauernd auf dem Laufenden über die Verhand­lungen gehalten würden; schließlich will man wissen, daß die Tschechoslowakei in die Verhandlungen eingeschlossen sei. Bei allen diesen Gerüchten handelt es sich um unbegründete Vermutungen. Es ist anzunehmen, daß in der Dreierbesprechung auch eine politische Präambel oder eine Mitteilung ausgearbeitet wird, die die bekannten politischen Grundlagen, auf denen sich die Wirtschaftsverhandlungen in Rom aufbauen, noch einmal betont, nämlich die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den drei Staaten und die Notwendigkeit eines unabhängigen Oesterreichs. Ueber diese bekannten Tatsachen hinaus dürfte

politisch nicht zu erwarten sein, wie auch anderer­seits die wirtschaftlichen Verhandlungen bisher keinen unerwarteten Verlauf genommen haben.

Von italienischer Seite wird betont, daß die wirtschaftlichen Verhandlungen einen günstigen Verlauf nehmen und daß man den Ergebnissen mit großem Optimismus entgegensehe. Dazu ist zu bemerken: die römischen Besprechungen stellen zweifellos eine politische Demonstration von feiten Italiens zu Gunsten Oesterreichs dar. Nach der wirtschaftlichen Seite hin versucht Italien zur Stützung Oesterreichs und Ungarns weitere euro­päische Kreise heranzuziehen. Deshalb werden die römischen wirtschaftlichen Verhandlungen keines­wegs zu außergewöhnlichen Abmachungen führen. Es wird der Versuch gemacht, den Absatz für die ungarische Landwirtschaft und für die öster­reichische Industrie zu steigern, wodurch natürlich Italien aus politischen Gründen große Opfer bringen muß, die es durch eine Wiederbelebung des Trieft er Hafens teilweise auszugleichen versuchen wird.

Paris, 15. März.

In den Meldungen über die Besprechungen in Rom und in den Kommentaren dazu kommt zum Ausdruck, daß man ihre Bedeutung und ihre Er­gebnisse nicht zu überschätzen geneigt ist. Der römische Havas-Vertreter hat aus den Erklärun­gen diplomatischer italienischer Kreise den Ein­druck gewonnen, daß die Besprechungen zwischen Mussolini, Gömbös und Dollfuß nicht

den Zweck irgendeines politischen Abkommens verfolgten. Es sei unwahrscheinlich, daß irgend­welche endgültige Abkommen, auch keine handels­politischen, abgeschlossen werden würden.

Der Außenpolitiker desEcho de Paris", Per- tinax, glaubt ebenfalls nicht daran, daß die Besprechungen zum Abschluß wirklich nutzbringen­der Verträge führen würden. Der Grund dafür liege besonders darin, daß Ungarn auf keinen Fall die Beziehungen zu Deutschland abbrechen werde, und auch Italien könne aus verschiedenen Gründen den Forderungen Ungarns nicht restlos nachkommen.

Einer dieser Gründe sei, daß Mussolini sich nicht mit Frankreich und der Kleinen Entente überwerfen könne. Auch auf wirtschaftlichem Gebiet sei daher zu erwarten, daß die in Rom getroffenen Abkommen nur nach außen hin be­deutungsvoll aussähen, während in Wirklichkeit die Wiederherstellung des Gleichgewichts in Mit­teleuropa noch recht lange auf sich warten lassen dürfte.

Wien, 15. März.

Ueber die Unterredung zwischen Bundeskanzler Dollfuß und dem Kardinalstaatssekretär Pacelli wird hier bekannt, daß dabei der Einbau des bis­her nicht ratifizierten Konkordats zwischen dem Vatikan und Oesterreich in die neue öster­reichische Bundesverfassung erörtert wor­den sei.

Gtavisky--en nach Brüssel

Auch ein früherer belgischer Minister belastet / Wie die Variser Volizeibeamten beeinflußt wurden

Brüssel, 15. März.

Die Nachricht aus Paris, daß der belgische Senator und ehemalige Kultusminister Robert Petitjean, der der liberalen Partei ange­hört, gleichfalls im Scheckbuch Staviskys aufgeführt ist, hat im belgischen Parlament Aufsehen erregt. Vor längerer Zeit war der Name Petitjean schon einmal flüchtig im Zusam­menhang mit dem Stavisky-Skandal aufgetaucht. Man hatte Petitjean schon damals geraten, sein Mandat niederzulegen. Tatsächlich ist er bis vor einigen Tagen auch nicht mehr im Senat er­schienen.

Der Thronwechsel und die anderen politischen Ereignisse der letzten Wochen hatten die An­gelegenheit in Vergessen geraten lassen und Sena­tor Petitjean schien sich wieder ziemlich sicher zu fühlen, denn seit einigen Tagen nahm er wieder an den Parlamentsarbeiten teil. Die Einzel- angaben über die Anzahl und die Höhe der Schecks, die Petitjean erhalten hat, haben noch keinen Aufschluß gegeben über die Art der Beziehungen, in denen der lieberale Senator zu Stavisky gestan­den hat. Es wird behauptet, daß er die Rolle eines Rechtsberaters Staviskys in belgischen Angelegenheiten gehabt habe. Petitjean bestreitet nicht, die Schecks, die sich auf 200 000 belgische Franken belaufen, erhalten zu haben. Es wird angenommen, daß Petitjean bis zur Aufklärung der Angelegenheit sein Mandat niederlegen wird.

Paris, 15. März.

Der parlamentarische Untersuchungsausschuß im Stavisky-Skandal verhörte eine Reihe höherer Polizeibeamte der Sicherheitspolizei, die über­einstimmend der Auffassung waren, daß Stavisky die Möglichkeit zu seinem Treiben nur dem großen Einfluß verdankte, den seine Freunde und er in politischen und parlamentarischen Kreisen gehabt hätten. Einer der vernommenen Beamten erklärte sogar, daß er von seinem Vorgesetzten gezwungen worden sei, den Bericht über einen von ihm ermittelt Betrüger nach einer gegen seine

eigene Ueberzeugung gehenden Richtung abzu­fassen, weil man angeblich auf gewisse Parlamentarier Rücksicht nehmen mußte, die sich für die betreffenden Personen verwandt hatten.

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Ein anderer Zeuge sagte aus, er sei an der Ver­haftung eines Buchmachers auf dem Rennplatz durch den ehemaligen Direktor derVolonte" ge­hindert worden, der ihm drohte, den damaligen Ministerpräsidenten Tardieu zu benachrichti­gen. Der Zeuge erklärte ferner, daß er nach der Aufdeckung eines 10-Millionen-Diebstahls im Kasino von Juan-les-Pins eine Rüge von einem Vorgesetzten erhalten habe, weil angeblich zwei Minister, die den Wahlkreis von Juan-les-Pins vertraten, eingeschritten waren. Man habe ihm befohlen, sich nicht mehr um die Angelegenheit zu kümmern.

Die GtpeMage in Spanien

Madrid, 15. März.

Der spanische Innenminister gibt bekannt, daß am Donnerstag sämtliche Madrider Zeitungen wieder erscheinen, da die sozialistische Drucker­gewerkschaft den Streik offiziell aufgegeben habe Lediglich die Belegschaft derABC" wird weiter streiken, was aber diese Zeitung am Erscheinen nicht hindert, da sie das streikende Personal be­reits durch Nichtorganisierte Arbeiter ersetzt hat. Die übrigen Streiks dauern unverändert fort; es besteht die Gefahr, daß auch die Kellner neuer­dings die Arbeit niederlegen werden, ebenso wie die Angestellten der BekleidungsJndustrie. Wäh­rend der Nacht demonstrierten streikende Arbeiter vor einem Madrider Klub, dessen Fenster sie mit Steinen einwarfen. Die Polizei konnte die Ord­

nung in kurzer Zeit wiederherstellen. Ein Poli­zist wurde verwundet.

Der Bürgermeister von Malaga fordert vom Innenminister den Erlaß von Sondermaß- nahmen zur Unterdrückung der dortigen Ueber- fälle und Raubversuche. In dem Dorfe Banos brachten Anarchisten eine Bombe in der Pfarr-> kirche zur Explosion, die das Altarbild zerstörte. In Santander verteilten Syndikalisten Flug­zettel mit der Aufforderung zum revolutionären Generalstreik. Auch unter dem Eisenbahnerper­sonal wurde zum Streik gehetzt. Mehrere Per­sonen wurden verhaftet.

.. Bildung!"

b'. L. Bremen, 16. März 1934.

Eine alte Redensart im Volke spricht da­von, daßjemand dastehe, wie die Kuh vor dem neuen Tore", also, um im Sinne der volkstümlichen Redensart zu bleiben, dieser Jemand" glotzt irgend etwas ihm rätselhaft und neu Erscheinendes verständnislos an, sieht darin ein Hindernis und findet keinen Weg, diese Hemmung zu beseitigen. So unge­fähr ergeht es heute noch vielen Millionen Volksgenossen, wenn sie die WorteKul- t u r" undVildun g" im nationalsozialisti­schen Sinne vernehmen. Was ist das? Nationalsozialistische Kultur? Was bedeutet Bildung?" fragen sie. Wir haben ja Kul­tur, wir haben auch Bildung! erklären sie mit Stolz. Sind wir nicht das Volk der Dichter und Denker? Haben wir nicht in Wissenschaft und Technik Wunderbares geleistet? Strö­men nicht jährlich Hunderttausende zu den Hochschulen? Nur die Nazis sind jetzt daran schuld, daß diese Flut eingedämmt wird. Ein wahrer Bildungshunger ist über unser Volk gekommen. Usw. usw. ...Bildungs­hunger!" Wenn wir dieses Wort hören, können wir uns eines Lächelns nicht er­wehren. Von diesemBildungshunger" sprach man einmal viel kurz nach dem Kriege unter dem selig entschlafenen Weimarer System. Man errichtete an allen möglichen Orten Volkshochschulen, paukte den Arbeitern alle möglichen Fremdsprachen ein wenigstens versuchte man es fütterte sie mit den schwierigsten wissenschaftlichen Problemen und glaubte so ein Volk zu bilden. In Wirklichkeit schuf manVerbildete". Man fütterte den Verstand und vergaß die Seele. Umgekehrt hätte es sein müssen: Erst die Seele, dann den Verstand. Denn wer hatte es denn nötiger, nach dem Zusammenbruch und während des Chaos des fortdauernden Bruderkrieges ge­stärkt zu werden?. Die Seele oder der Ver­stand? Und da hätte schon der gesunde Men­schenverstand allein sagen müssen, daß die ver­kümmerte, verzweifelte Seele Lebenssaft in erster Linie brauchte. Jene Volkshochschulen verschwanden, und auch um den Bil­dungshunger ists still geworden. Dafür wur­den aber jene Kräfte frei, die die Kultur und die Bildung oder soll man sagenBül- dung" in Erbpacht genommen hatten, die, wie sie so schön sagten,neue Wege suchten". Nun, dieseneuen Wege" haben wir in Deutschland 14 Jahre kennen gelernt. Sie wurden uns unter dem Wegweisermodern" gewiesen. Wasmodern" war, war aus­schlaggebend. DasModerne" brach alles Kraftstrotzende, Urwüchsige, Natürliche aus­einander und setzte dafür Sinnliches, Weich­liches und Unnatürliches ein. Und zwar auf allen Gebieten, die nur irgend etwas mit Kul­tur zu tun hatten.

Eaukulturwart Koellmann hat Mitt­wochabend in Bremen in seinem Vortrag Aufbau der deutschen Kultur" drastisch und richtig gekennzeichnet, wie diese modernen Kulturritter unter dem deutschen Volke gewütet haben. Besonders stellte er heraus, daß sich diese Kreise die deutsche Ju­gend und die deutsche Frau aufs Korn ge­nommen hatten. Alles, was «äußerlich wahr­nehmbar ist, was Eitelkeit und Sinnlichkeit reizte, das bekam der deutsche Mensch als Kul­tur und Bildung vorgesetzt. Wenn er es auch nicht begriff, so spielte dies ja keine Rolle. Gerade das Unbegreifliche, das seiner ganzen deutschen Einstellung und seiner inneren Empfindung entgegengesetzt war, mußte gut genug sein, um ihn von den Werten, nach der die Seele lechzte, fern zu halten. Jugend und Frau, die köstlichsten Kleinodien des Volkes, sind auch die Empfänglichsten. Wer sie geistig beherrscht, ist auch Herrscher ihrer Seelen. Und sie, jene artfremden Gesellen in der Kunst und Literatur, wußten zu herrschen. Mit Zucker­brot und Peitsche bearbeiteten sie ihre Opfer, die schon zu Sklaven geworden waren. An den Hochschulen treufelten demokratische Pro­fessoren ihr Gift in die jungen Seelen und auf der Bühne und der Leinewand verhöhnte der jüdische Literat die deutsche Frau. Die Masse aber klatschte Beifall hierzu. Sie spottete ihrer selbst und wußte es nicht. Die übelsten Gassenhauer wurden zuVolks­liedern" und die alten Herren und Damen in den fünfziger Jahren fingen an, die Tanz­stunde zu besuchen, um die verrücktesten Bein- drehungen auf dem Parkett ausführen zu tonnen weil sie sich schämtenunmodern"

Beamteusiihrer Neef zum Regierungsrat beför­dert. Der Führer des Reichsbundes deutscher Be­amten, Reichstagsabgeordneter Hermann Neef, wurde vom Rcichsfinanzminister zum Regierungs- rat befördert.

Das HtSt es -sonst Neues:

Die Arbeitsschlacht in Bremen Neue Abrüstungsrede Simons Teutsche Wirtschastabordnung in Belgien Kriegsbeschädigten wird geholfen