Ausgabe 
(15.3.1934) Nr. 73
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Nr. 73 / i. Vierteljahr

Donnerstag, den 12. März

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Eden berichtet über seine Europareise

Noch mehr als ein Hoffnungsschimmer in der Abrüstungsfrage vorhanden

London. 14. März

Trotz der allgemein herrschenden Ansicht, daß vor Eingang des französischen Memorandums jede Erörterung der Abrüstungsfrage eine Rechnung ohne den Wirt sein mutz, sprach der Arbeiter- abgeordnete Morgan Iones am Mittwoch im Un­terhaus über das Abrüstungsproblem. Er beur­teilte die Lage sehr pessimistisch und sagte, datz man gegenwärtig beinahe wieder den Vorkriegs- zustand erreicht habe. Es sei daher sehr wichtig, datz die englische Regierung ihre Stellungnahme völlig klarstelle und mitteile, ob sie gegen oder für den Völkerbund und gegen oder für die Abrüstung sei. Den Artikel 16 solle man auch auf die Ab­rüstungsfrage anwenden. Die amerikanische Re­gierung habe im Jahre 1933 die Abschaffung aller Deutschland im Versailler Vertrag verbotenen Waffen vorgeschlagen, was sür Deutschland an­nehmbar gewesen wäre. Die englische Regierung habe jedoch hierzu eine sehr unbefriedigende Haltung eingenommen.

Außenminister Sir John Simon erklärte, datz die Behauptung von Iones, Amerika habe die Abschaffung aller Deutschland verbotenen Waffen vorgeschlagen, ein großer Irrtum sei. Dies würde in keiner Weise mit der ihm bekannten amerikanischen Politik übereinstimmen.

Großsiegelüewahrer Eden erklärte im Namen der Regierung, es sei im gegenwärtigen Augen­blick sehr unerwünscht, über die Antworten Bericht zu erstatten, die er von den Regierungen Frankreichs, Deutschlands, Italiens während Aner europäischen Rundreise erhalten habe. Er wolle jedoch über gewisse Eindrücke berichten, die er während seiner Reise erhalten habe; jedoch trüge» diese Mitteilungen keineswegs amtlichen Charakter.

In den letzten Monaten habe er stets den Ein­druck gehabt, datz die Abrüstungskonferenz unter der Begrenzung ihres Titels leide. In den näch­

sten Wochen müsse jedoch etwas viel Weitergehen­des entschieden werden als die Zukunft der Ab­rüstungskonferenz. Man müsse daher den wirk­lichen Tatsachen ins Gesicht blicken, selbst wenn sie etwas unangenehm seien.

Die lange Verzögerung der Abrüstungskonfe­renz sei nicht darauf zurückzuführen, datz sich die Sachverständigen nicht über die Zahl der Tanks, des Eeschützkalibers usw. einigen könnten, sondern vielmehr darauf, datz die Staaten der Welt kein genügendes Vertrauen und nicht den genügenden Mut aufbrächten. — Wenn man die Beweggründe hierfür verstehen wolle, so müsse man sich bemühen, die Gesichtspunkte der Ein­wohner von Paris ebenso wie die der Einwohner von Berlin zu verstehen. Er wolle daher ver­suchen, mit den Augen der Bewohner dieser bei­den Städte zu sehen.

Frankreich sei immer noch seit Ende des Krie­ges um seine Sicherheit besorgt. Man müsse aber auch in Rechnung ziehen, datz Deutschland dieselben Gefühle, in anderer Gestalt ausgedrückt, haben könne. Frankreich sei so überzeugt, keine Angrisssabsichten gegen irgendeinen anderen Staat zu haben, datz es auch glauben könne, datz ein anderes Land, dem keine entsprechenden Rüstungen erlaubt sind, sich nicht vollkommen sicher in der Nachbarschaft Frankreichs fühle.

Das Vevölkerungsproblem ebenso wie die „halb­militärische Ausbildung" in Deutschland erhöhten die Befürchtungen Frankreichs. Ein anderer Be­weggrund der Franzosen werde auch von England geteilt. Auch England messe dem kollektiven Frie­denssystem das seit dem Kriege aufgebaut wurde, und für das der Völkerbund das äußere Wahr­zeichen ist, großen Wert bei.

Die Franzosen könnten nur schwer glauben, datz eine große „westeuropäische Macht sehr lange mit guten Absichten von Genf wegbleiben könne". Von Zeit zu Zeit kämen Ereignisse vor und würden Reden gehalten, die dies« Befürchtungen erhöhten. Eine solche Rede — so fuhr Eden fort — wurde in den letzten Tagen gehalten, nämlich von General Eöring. (??) Er, Eden, sei offen bereit den Unterschied anzuerkennen, der zwischen einer' militärischen und einer militaristischen Nation herrsche. Man dürfe diesen Unterschied nicht vergessen, und er sei überzeugt, datz der Ton der erwähnten Rede im Urteil des englischen Volkes vielmehr der zweiten Gattung als der ersten angehöre. (Beifall.) Diese Dinge würden nicht so wichtig sein, wenn das Vertrauen zwischen den Staaten instinktmätzig und tief wäre; da dies aber gegenwärtig nicht der Fall sei, hätten solche an sich geringen Dinge große Bedeutung.

Eden fuhr fort: Wenn man versucht, durch die deutsche Brille zu sehen, dann ist es ohne Zweifel eine deutsche Auffassung, datz Deutschlands eigene Sicherheit ebenso ein lebenswichtiges Interesse sür die Deutschen sein kann wie die französische

Sicherheit für Frankreich. Deutschland würde ohne Zweifel erklären, datz es lange auf die Gleich­berechtigung gewartet hat und die Deutschen kaum glauben können, datz Frankreich immer noch mehr Sicherheit wünscht.

Da dies die gegenseitigen Meinungen nicht der Regierungen, sondern der nationalen Gefühls­äußerung seit mehreren Jahren sind, ist es klar, datz sie nicht leicht ausgesöhnt werden können. Solange aber noch ein Hoffnungsschimmer besteht, können wir nicht eine Niederlage anerkennen, und es ist sogar noch mehr als ein Hoff­nungsschimmer vorhanden. Die englischen Interessen in dieser Angelegenheit sind diejenigen Europas. Wir haben als Nation sehr viel aufs Spiel zu setzen, und zwar viel mehr als irgendein anderer Staat in der Welt.

Auch bezüglich des Völkerbundes — so erklärte dann der Redner — habe England große Inter­essen. Wenn die Abrüstungskonferenz fehlschlage,

Paris, 14. März.

Die deutsche Antwort auf die französische Denk­schrift vom 14. Februar, die am Dienstag vom Reichsautzenminister dem französischen Botschafter in Berlin überreicht worden ist, ist am Mittwoch beim Quai d'Orsay eingegangen.

Zu der Antwort weiß die Pariser Morgen­presse über die amtliche deutsche Verlautbarung hinaus nichts zu berichten. Lediglich der Berliner Berichterstatter des Matin" glaubt hinzufügen zu können, datz das Schriftstück acht Maschinenfetten umfasse. Es sei in „verträglicher Form" gehalten, enthalte aber gerade in bezug auf die bisherigen deutsch-französischen Abrüstungsbesprechungen keine Neuigkeiten. In Berlin selbst gebe man sich keinen Erwartungen mehr hin, sondern sei der Ansicht, datz die Zukunft der Abrüstungsfrage von den französisch-englischen Be­sprechungen abhängen werde. Man sei sich ferner darüber im Klaren, datz es nicht leicht sei, Frankreich zur Abrüstung zu bewegen, wenn ihm nicht gleichzeitig ins Gewicht fallende Sicherheitsgarantien gewährt würden. Der Zweck der deutschen Note sei der, den Faden nicht abreißen zu lassen.

Mit der bevorstehenden französischen Antwort auf die englischen Abrüstungsvorschläge, die jetzt täglich in der Presse abgehandelt wird, beschäftigt sich Mittwoch Pertinax im „Echo de Paris". Auch er erklärt «s für ausgeschlossen, datz die französische Regierung diesen Vorschlägen zustimmen werde. Typisch für den Verfasser ist die Begründung, datz eine solche Zustimmung „einer Legalisierung der Vertragsverletzung, die Deutsch­land durch die Aufrüstung begangen habe", gleich­käme. Frankreich könne nicht einmal zugeben, datz es in seiner Freiheit zur Durchführung der not­wendigen Verteidigungsmatznahmen irgendwie eingeschränkt werde.

„Petit Parisien" sagt ebenfalls eine negative Antwort voraus. Die einzigen Schwierigkeiten, die der Abfassung der französischen Antwort noch entgegenstanden, lägen in derF 0 rm, in der man den französischen Standpunkt darlegen wolle. Es genüge jedoch die letzte französische Note an die Reichsregierung und den Brief Varthous an den Vorsitzenden der Abrüstungskonferenz, Henderson, nachzulesen, um überzeugt zu sein, datz sich die französische Regierung auch diesmal mit der nötigen Klarheit und Geschmeidigkeit ihrer Aufgabe entledigen werde. Man habe fran- zösischerseits genügend aus die Gefahren aufmerk­sam gemacht, die die englischen und italienischen ALrüstungsvorschläge für die französische Sicherheit bedeuteten. Es scheine aber, als ob man bisher die Frage ganz außer acht gelassen habe, daß die englischen Vorschläge eine direkte Unter­grabung des Versailler Vertrages und des Völker­bundspaktes bedeuteten.

Hier geht das Blatt zu einem wenig höflichen Angriff aus England über, indem es fort­fährt, man müsse sich fragen, was aus der Achtung vor den Verträgen werde, wenn eine Macht das Recht sich anmaße,, grundlegende Aenderungen an diesen Verträgen vorzunehmen, ohne die anderen Mächte vorher zu befragen, und was aus dem ganzen Teil V des Versailler Vertrages werde, der die Militär-Klauseln enthalte, wenn er „nicht nur von Deutschland mit Füßen getre­ten" (!) werde, sondern auch von denjenigen Mächten, die ihn dem Reich au persönlichen Gründen eigener Sicherheit ausgezi n hätten. Eine solche Politik könne vielleichl Italien ge­nehm sein, das niemals für den Völkerbund be­sondere Beachtung gehabt habe. Dies führe aber

dann stehe nicht die Sicherheit dieses oder jenes festländischen Staates auf dem Spiel, sondern auch die englische Sicherheit. Wenn die Konferenz fehl­schlage, dann mutzte ohne Zweifel jedes Land daran gehen, seine Rüstungen zu revidieren, und zwar England vielleicht, dringender als alle anderen, da England bereits so stark abgerüstet habe.

Er — Eden — glaube nicht daran. Wettrüsten allein sei keine Sicherheit. Wenn England auch noch so viel für seine Sicherheit durch Rüstungen tun würde, so dürfe man sich doch nicht einbilden, daß England sich jemals den Luxus der Isolie­rung leisten könne. Aus die Frage „Was denn getan werde, um das internationale Vertrauen wieder herzustellen und die Lücke zwischen Frank­reich und Deutschland zu überbrücken?" könne

nur zu einem improvisierten und aus wenige Mächte beschränkten Abkommen ohne ernste Durch- sührungsgaraütie. Man dürfe sich darüber nicht im Zweifel sein, daß dies außerdem den Tod des Völkerbundes bedeuten würde.

Gebundene Lügen des „Veiil fangen"

Berlin, 14. März.

Die Tatsache der nunmehrigen Veröffentlichung der bekannten lügenhaften Behauptungen des „Petit Parisien" über angebliche „Instruktionen" an die deutschen Auslandsvertretungen in Bro­

man antworten, daß die Lage zwar besorgnis­erregend aber nicht verzweifelt sei.

„Wir müssen zwei Ziele verwirklichen, sonst tragen wir nicht genügend zur Wiederherstellung des Vertrauens in Europa bei: 1. ist eine Ver­einbarung zu verwirklichen — nicht eine ideale Konvention, die eine gewisse den Wirklichkeiten der Gegenwart tragende Abrüstung enthält, kurz: Eine Konvention auf Grundlage unserer neuer­lichen Denkschrift. 2. mutz versucht werden, das volle Ansehen des Völkerbundes wieder herzu­stellen, das dieser nur durch die aktive Mitglied­schaft aller großen westeuropäischen Mächte ge­nießen kann."

Eden setzte sich stark für den Völkerbund ein und sagte u. a.: Eine möglichste alle in Frage kommende Staaten umfassende Mitgliedschaft des Völkerbundes sei ein unerläßliches Eli""""' >m internationalen Leben geworden.

schürenform veranlaßt einige Berliner Abend­blätter zu einer nochmaligen kurzen, aber unmiß­verständlichen Zurückweisung Der „Berliner Lokal-Anzeiger" erinnert daran, datz der Verlag des Blattes s. Zt. eine Belohnung von SO 000 RM. für den Nachweis der Echtheit jener „Doku­mente" vor einer unparteiischen Kommission aus­gesetzt habe und daß diese Prämie nun freilich bis heute niemand habe in Anspruch nehmen können. Das „Berliner Tageblatt" nagelt die Tatsache fest, datz sich der „Petit Parisien" auch jetzt nicht scheut, sein auf die S t ö r u ng des europäischen Friedens berechnetes Handwerk weiter auszu­üben. Auch andere Blätter stellen fest, datz Lügen durch ihre Wiederholung in Broschllrenform nicht wahrer werden.

Starhemberg wird nicht Minister

Tagung der HeimwehrMrung in Wien

Wien, 14. März.

Die Heimwehrführung traf am Mittwoch unter dem Vorsitz des Bundesführers Starhemberg zu einer Tagung zusammen, an der der Vize­kanzler Fey, der Bundeskommissar Steidle und sämtliche Landesführer teilnahmen. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stehen die grund­sätzlichen Forderungen des Heimatschutzes auf maß­gebende Beteiligung am Regierungs- system, Durchführung des autoritären Re­gierungskurses in den Ländern und lleber- lassung maßgebender Ministerposten. Im wesent­lichen soll es sich bei den Forderungen der Heimat­bundesführung um die Einräumung bestimmter einflußreicher Posten handeln. Durch die vom Bun­deskanzler Dollfutz vollzogene Ernennung des Für­sten Schönburg-Hartenstein zum Heeresminister ist die Forderung der Heimwehren auf Einräumung dieses Postens gefallen. Dagegen wird von Heim­wehrseite verlangt, datz neben dem christlich-sozia­len Vuirdeskommissar für Wien, Schwitz, der künftig erster Bürgermeister von Wien werden wird, der Vizebürgermeister aus Heimatwehrkrei­sen ernannt wird.

Die Forderung auf Einräumung eines Minister­postens ohne Geschäftsbereich für den Bundes- führer Starhemberg ist in den letzten Tagen wie­der aufgegeben worden, da der Vundesführer sich seine Handlungsfreiheit wahren will und in Heim­wehrkreisen die Befürchtung bestehen soll, datz der

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Dollfutz bei Mussolini

Rom, 14. März.

. Bundeskanzler Dollfutz legte am Mittwochvor­mittag an den Königsgräbern im Pantheon und am Grabmal des Unbekannten Soldaten Kränze nieder. Um 12 Uhr wurde er vom Duce in Privat- audienz empfangen. Die Unterredung dauerte über eine Stunde.

Bundeskanzler Dollfutz gewährte am Dienstag­abend nach seiner Ankunft in Rom einem Vertre­ter der „Agenzia Stefani" eine Unterredung. Er erklärte, Italien handele in der Frage der Ge­sundung der wirtschaftlichen und politischen Ver­hältnisse im Donauraum naturgemäß auch in seinem Interesse, allein die Bedeutung des italienischen Planes liege eben darin, datz er mit den eigenen Interessen Italiens auch die Lebens­notwendigkeiten der anderen Völker und Staaten berücksichtige. Er freue sich, datz in dieser Be-

Eintritt des Bundesführers in das Kabinett zu bestimmten Bindungen der Heimwehrführung gegenüber der Regierung führen würde.

Dagegen soll der stellvertretende Vundesführer Steidle jetzt verlangen, datz das von ihm ge­leitete Bundeskommissariat für Propaganda zu einem Ministerium erhoben und er als Propa­gandaminister in das Kabinett aufgenommen wird. Einen weiteren Verhandlungspunkt soll die Aufrechterhaltung des freiwilligen Schutz- korps bilden, dem die Heimwehren angehören und das gegenwärtig SO 000 Mann umfaßt. In lei­tenden Heimwehrkreisen soll ernste Besorgnis über die weitere Finanzierung dieses sehr kost­spieligen privaten Schutzkorps bestehen. Man will daher jetzt die Frage erörtern, wie weit die Auf­rechterhaltung des Schutzkorps mit öffentlichen Mitteln möglich ist, ohne datz das freiwillige Schutzkorps seine angebliche Unabhängigkeit ge­genüber der Regierung aufzugeben gezwungen wird.

Hamburg, 14. März.

Der Münchener Vertreter des „Hamburger Fremdenblattes" wurde, wie die Zeitung am Mittwoch meldet, in Braunau am Jnn von öster­reichischer Gendarmerie unter „Spionageverdacht" verhaftet. Der Journalist hält sich lediglich aus beruflichen Gründen an der deutsch-österreichischen Grenze auf.

ziehung zwischen Italien und Oesterreich volle Uebereinstimmung bestehe.

Italien, Oesterreich und Ungarn, fuhr Dr. Doll­futz fort, haben ja ein gleich starkes Interesse da­ran, an der Donau einen Zustand herstellen zu helfen, in dem sich die wertvollen Kräfte in diesem für das ganze europäische Leben so wichtigen Ge­biet nicht im Kampfe miteinander aufreiben, sondern der die Zusammenfassung die­ser Kräfte in neuer entsprechender Form zum Zwecke der Wiedergesundung des Wirtschafts­lebens und der gemeinsamen Kulturarbeit er­möglicht, ein Ziel, das niemanden von der Mit­arbeit ausschließen wird, weil seine Erreichung im Interesse aller liegt.

Botschafter von Hoesch beim Reichspräsidenten. Der Herr Reichspräsident empfing am Mittwoch den deutschen Botschafter in London, von Hoesch.

pariser Llnhöflichkeit gegenüber London

Die deutsche Antwort beim Quai d Orfay

Außenpolitische

Streiflichter

u. Alü. Bremen, 15. März. Die Auch politische Lügen haben

gchtlldljjno kurze Beine. Die Versailler vwutittnuc Kriegsschuldlüge, die Deutschland

und seine ehemaligen Verbündeten zu Ur­hebern des Weltkrieges stempeln will, ist schnell ertappt und entlarvt worden. Deut­scher Forschungsgeist, dem nicht zuletzt auch wertvolle Dokumentensammlungen unserer früheren Kriegsgegner zur Verfügung stan­den, hat die Wahrheit über die Entstehung des Weltkrieges längst ermittelt. Unzählige lückenlose Widerlegungen der Schuldthese haben in fast allen Sprachen der Welt ihre Runde mehr als einmal um den Erdball ge­macht. Doch die Lüge selbst ließen ihre Ur­heber weiter laufen, und trotz ihrer kurzen Beine hat sie mit den Jahren gleichfalls einen nicht unbedeutenden Weg zurückgelegt. Warum sperrt man sie nicht ohne Federlesen ein oder legt ihr sonstwie das Handwerk? Weil damit das ohnehin schon schwankende Versailler Vertragssystem vollends zusammenbrechen würde. Denn auf der Schuldthese ist der ganze „Friedens"-Vertrag mit allen seinen der Ehre und Gleichberechtigung Deutschlands wider­sprechenden Bestimmungen aufgebaut. Das konservative Pariser Blatt Figaro, dem man es ja wohl glauben darf, hat für den Zusam­menhang zwischen Schuld und Vertrag schon vor 6 Jahren die klassische Form gefunden, in­dem es schrieb: „Wenn Deutschland nicht schul­dig ist, ist der Friede ungerecht". Aber der Friede, so wollen es die Vertreter der euro­päischen Reaktion, soll als gerecht gelten. Und so ist denn, besonders in Frankreich, ge­radezu eine Pseudo-Wissenschaft entstanden, die das Märchen von der Kriegsschuld Deutsch­lands unter allen Umständen am Leben er­halten will. Um so erfreulicher ist es für die Kämpfer der Wahrheit, wenn jenseits der Grenzen hin und wieder Nachdenkliche aus der Reihe tanzen. Zu einem solchen „Außen­seiter" scheint sich in Frankreich auch der Politiker Fabre-Luce zu entwickeln, der kürz­lich feststellte: „Je mehr wir uns an die These der absoluten Unschuld der Entente an­klammern, um so mehr werden wir die These der überwiegenden Verantwortlichkeit der Mittelmächte erschüttern . . ." Das ist im­merhin ein Eingeständnis, wenn auch noch kein völliges Abrücken von der Schuldpolitik. In wenigen Monaten jährt sich das Ereignis des Kriegsausbruches zum 20. Male. Wir werden schon vor dem 28. Juni, dem Tag der Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers in Sarajevo, Gelegenheit neh­men, fußend auf letzten Forschungsergebnissen den wirklichen Ursachen des Weltkrieges aus den Grund zu gehen. Denn, wie ein anderes Sprichwort sagt, der Lügner muß ein gutes Gedächtnis haben. Das wollen wir ihm stärken helfen — mit Tatsachen. Daß die Wahrheit einmal auch den Antirevisionisten gegenüber den Sieg davon tragen wird, dafür ist uns der beste Bürge eben — die Wahrheit.

Obno Ennk „Frankreich ist ein Körper ohne LWk Kliffs Kopf. Aber der Körper merkt nicht, daß ihm der Kopf fehlt". Das ist eines der jüngsten Worte des rechtsgerichteten fran­zösischen Staatsministers Andre Tardieu. Aus dem Munde eines führenden Pariser Staats­mannes ein hartes Urteil über Frankreichs politisches Profil! Gewissermaßen ein war­nendes Signal. Deutschland war auch viele Jahre ein Körper ohne Kopf — soweit die Staatsleitung in Frage kam. Aber Deutsch­land merkte, daß ihm. der Kopf in der Füh­rung fehlte. Vor allem ein Mann, der Füh­rer, merkte es und sorgte dafür, daß sich die Tatsache bei dem in die Irre geführten Volk schnell genug herumsprach. Und er blieb nicht bei der Erkenntnis stehen, sondern fand — wie steht es damit bei Andrs Tardieu? — den Weg zur Tat und zur Führung. Sehen wir hier einmal von der französischen „Ab- rustungs-Politik" und ihren vom Eeneralstab vorgeschriebenen Richtlinien ab — all das was sich noch immer um den Fall Stavisky herum abspielt, gibt Tardieu allzu sehr recht. Ja, die Zahl derer, die ihren Kopf ver­lieren, nimmt von Tag zu Tag sogar in er­schreckendem Maße zu. Das Beispiel des jun­gen, im Zusammenhang mit der Stavisky-An- gelegenheit wahnsinnig gewordenen Pariser Rechtsanwalts ist nur ein Symptom für die

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Bremen—Berlin in 3U Stunden Berliner Sechstagerennen Reeder läßt sein eigenes Schiff versenken Amerikas Luftpoitaffäre Kabinettskrise in Bulgarien?