Ausgabe 
(30.12.1932) Nr. 294
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Unten 6sn Zeugen Toklviokens:

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Berlin, 30. Dezember.

(Drahtbc richt unserer Berliner Schttftleitung)

Der von einem papierenen Verbot betroffene kommunistische „Rot-Front-Kämpferbund", dessen Organisation «achgewiescnermatzen mettcrbefteht fund aus dessen Konto wohl die größte Anzahl der jlommunistischen Terroraktionen der letzten Zeit tzeht, hat in den letzten Tagen unter den Klugen der Polizei des Herrn Dr. Bracht seine Aktivität »och weiter gesteigert. Während in der letzten Zeit mehrfach nachgewiesen werden konnte, daß die einzelnen Formationen des Roten Frontkämpfer-Bundes nach wie vor weiter bestehen und daß diese kommunistische Terror- Kormation als geschlossene Organisation mit dem Reichsbanner brüderlich vereint in der Änti- saschistischen Einheitsfront znsammensitzt, konnte von den Terrorgruppen des RFB. vorgestern nacht an fast sämtlichen Berliner Anschlagssäulen, ohne daß es der Polizei gelungen wäre, auch nur einen Täter zu fassen, ein Aufruf angeschlagen werden, der offene Mordandrohungen enthält.

Dieser Aufruf hat folgenden Wortlaut:

1Ü VVV AM. Belohnung zahlt der Rote Frosrtkämpserbund Nicht für die Meldung der Achtgroschenjungen und Judasse, welche für das vom Polyeipräsidium versprochene Blutgeld ihre eigen«, Klassrngenossen verraten, welche revolutionäre Arbeiter, geheime Druckereien oder Arbeiter, welche Massen be­sitz«« (!), der faschistischen Klassenjustiz denunzieren.

Der Rote Frontkämpserbund appelliert a» die werktätige Bevölkerung in Stadt und Land, allen Achtgroschenjungen und Verrätern das Handwerk zu legen, die revolutionäre Arbeiterpartei, ihre Einrichtungen und Maßnahmen gegen den Klassen­feind zu unterstützen und mit allen Mitteln zu schützen und zu verteidigen.

Wir fordern die werktätige Bevölkerung in Stadt und Land, die ehrlichen proletarischen Elemente der Polizei auf, uns die Namen und Adressen der Schufte mitzuteilen» die wegen des schändlichen Blutgeldes ehrlos und schamlos ihre eigenen Klassenbrüder der Justiz ausliefern.

Wir versprechen und geloben, daß wir mit diesen erbärmlichen Subjekten wegen des schänd­lichen Verrats so abrechnen werden, wie sie es verdienen.

Grenzenlose Verachtung und unauslöschlicher Haß gegen die Verräter an der revolutionäre» Arbeiterklasse. Werktätige! Wir kämpfen mit Euch und für Euch! Schützt und verteidigt mit uns die revolutionäre Partei und den Roten Front­kämpserbund! I» jedem Arbeitshaus ein Büro, eine Geheimdruckerei -er revolutionär«, Partei! Jede Arbeiterwohnung ein Asyl für die von der Klassenjustiz verfolgten Arbeiter! Brennt den Lumpen das Kainsmal des Arbefteroerrats auf die Stirn. Einst kommt der Tag, wo wir die Polizeiarchive össnen werde«. Dann ehrlose Ver­räter an der Arbeiterklasse wehe Euch!

Die Roten Frontkämpfer.

Es ist ganz selbstverständlich, daß auch dieser Aufruf in engstem Zusammenhang mit den letzten

kommunistischen Terror-Aktionen und mit den I in letzter Zeit fast täglich von der Polizei aufge­deckten kommunistischen Warenlagern und recht­zeitig abgefaßten Waffentranspotten an der West-, grenze des Reiches steht.

Jedenfalls beweist auch kneser Ausruf, mit welcher Dreistigkeit das kommunistische Gesinde! heute schon vorzugehen wagt.

Alle papierenen Maßnahmen gegen die illegalen Formationen der KPD. werden so lange wir­kungslos bleiben, als man nicht die Konsequenzen aufbringt, gegen die KPD. selbst mit den ent­sprechenden Mitteln vorzugehen.

Solange in Deutschland noch eine offiziell an­erkannte Pattei bestehen kann, die im Solde und im Auftrage eines fremden Staates den bewaff­neten Aufstand vorbereitet, und die es bis heute schon erreichen konnte, daß Deutschland schon seit Wochen und Monaten in einem latenten Bürger­krieg steht, wird nur noch die Gewähr bestehen, daß es kurz oder lang zu einer großen innerpolitischen Auseinandersetzung kommen mutz, an deren Ende dank der Zuhälterdienste, die heute von einem politisch instinktlose« Bürgertum dem Bolschewismus geleistet werden, nur allzu leicht das bolschewistische Chaos stehen kann.

Herr von Schleicher, wo find Sie eigentlich?

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Berlin, 30. Dezember. (Drahtbericht unserer Berl. Schriftleitung.)

Der Vorstand des Reichskartells des deut­schen Mittelstandes hat, wie gemeldet wird, beschlossen, den ganzen deutschen Mittelstand in allen Städten des Reiches Anfang Fe­bruar 1933 zu Massenkundgebungen auszu­rufen. Träger der Kundgebungen sind die Orts- und Bezirksgruppen der Reichsver­bände und die örtlichen wirtschaftlichen Ver­einigungen. Der Zweck der Kundgebungen soll der einmütige Protest des gesamten deutschen Mittelstandes gegen die systema­tische Vernichtung seiner Existenzgrundlage sein.

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Gerüchte um einen Besitzwechsel der „Täglichen Rundschau".

(Drahtbericht unserer Berl. Schriftleitung.)

Ein Berliner Mittagsblatt brachte gestern die Mitteilung, daß die „Tägliche Rund­schau", das einzigste Blatt, das schon seit einiger Zeit Stimmung für die Politik des Generals zu machen versucht, und das ganz zweifellos auch über ausgezeichnete Bezie­hungen zu Herrn von Schleicher verfügt, am 1. Januar in den Besitz des Deutsch» nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes übergehen wird. Die „Tägliche Rundschau" hat dieses Gerücht gestern abend demen­tieren lassen, ohne merkwürdigerweise das eigene Dementi in der letzten Ausgabe des Blattes selbst zu bringen. Die „Tägliche Rundschau" hat in der letzten Zeit mehrfach über Nacht Veränderungen erfahren und der Wert aller Dementis ist in der letzten Zeit unter den Nullpunkt gesunken. An sich wäre es übrigens auch durchaus ver­ständlich, wenn man sich in der einzigen Redaktion, die heute offen für den General Stellung nimmt, rechtzeitig nach gesunden Beränderungsmöglichkeiten umsieht. Aber vorläufig hat man ja dementiert.

Sislsßslrß vop Lussmmvndpuek

Der Staat kann keine Hilfe mehr bringen.

Bielefeld, 30. Dez. (Eig. Meldung.) In Bielefeld ist es jetzt glücklich soweit, daß

die Stadtverwaltung nicht einmal mehr in der Lage ist, die Löhne, Gehälter und Unterstützungen für den laufenden Monat aufzubringen. Der Magistrat hat sich aus diesem Grunde vor einigen Tagen durch den zuständigen Regierungspräsidenten an das Staatsministerium gewandt, um eine Staatshilfe für die Stadt Bielefeld zu er­möglichen. Die Stadt selbst hatte, ent­sprechend der Höhe der allernotwendigsten kurzfristigen Verpflichtungen, eine Beihilfe in Höhe von 195 000 Mark beantragt. Der Regierungspräsident selbst hatte davon nur 140 000 Mark befürwortet. Der städtischen Finanzverwaltung Bielefeld ist jetzt auf eine fernmündliche Anfrage von der Regierung mitgeteilt worden, daß das Staatsministe- rrium die Bewilligung einerr Staatshilfe abgelehnt hat, weil in Bielefeld die Steuer- rückstände zu hoch seien. Durch die Ableh­nung der Staatshilfe kann die Stadt Bie­lefeld im Dezember ihren Zahlungsverpflich­tungen nur zu einem Teil nachkommen.

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Am 18. Januar Wahlpremiere im neuen Jahr.

Berlin, 30. Dez. Die erste Wahl im neuen Jahr wird die am 15. Januar stattfin­dende Landtagswahl in Lippe-Detmold sein. Für die Wahl sind insgesamt neun Wahlvor­schläge eingereicht worden, die folgendermaßen lauten: Nationalsozialistische Deutsch« Arbei­ter-Partei, Sozialdemokratische Pattei, Deut­sche Volkspartei, Deutschnationale Volkspattei, Landvolkpattei, Kommunistische Pattei, Staats- partei. Katholische Volksvertretung und Evan­gelischer Volksdienst, Lippe.

Als Stichprobe zur kommenden Landtags­wahl fand bekanntlich am Sonntag vor Weih­nachten in der zum Amtsteil Tetmold gehören­den Dorfgemeinde Müssen eine neue Wahl zur Gemeindevertretung statt. Bei dieser Wahl konnte die nationalsozialistische Liste einer Stimmenzuwachs gegenüber der Reichstagswahl von insgesamt 30 Prozent verbuchen. Akr übrigen Parteien, darunter vor allem die SPD und die KPD erlitten erhebliche Verluste.

I.s1sn1« irogisnungsknl»«

Die politische Entwicklung der letzten Tatze hat in den Kreisen der Wilhelmstrahe eine im­merhin begreifliche Nervosität zutage treten lassen. Bisher hatte man auch tatsächlich Pech. Seit Weihnachten hagelt es förmlich an schar­fen Erklärungen gegen die unverantwortliche Passivität der Reich»vegierung und der Um­stand, daß trotz der in den letzte« Tagen von dem Kabinett in Angriff genommenen, aller­dings absolut unzureichenden Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft gerade landwirtschaft­liche Kreise in schärfster Form gegen den Ge­neral und sein Kabinett gerichtet wurden, hat immerhin dazu geführt, daß man sich anschei­nend jetzt auch in der Wilhelmstvaße des Ern­stes der Lage durchaus bewußt ist.

Die Veröffentlichungen der 'Margarine-Not- Verovdnnng, die ihrer ganzen Tendenz entspre­chend den Stempel einer übereilten und völ­lig unzureichenden Notlösung trägt, soll, wie in gut unterrichteten Kreisen der Retchshaupt- staidt nachdrücklich behauptet wird, ausschließ­lich darauf zurückzuführen sein, daß Herr von

SsudsnungsskUon in ^küningsn

Berlin, 30. Dezember.

Von zuständiger thüringischer Stelle mit mit­geteilt:

„Im Oktober 1923 war der Frau Oberschulrak Dr. Anna Siemsen, die der SPD. angehört^ gegen den Willen der thüringischen Landes» Universität Jena von der damaligen thüringischen Regierung widerruflich die Erlaubnis zur Ab­haltung von Erziehungswissenschastlichen Vor­lesungen an der Universität erteilt worden. Das thüringische Volksbildungsministerium hat jetzt Frau Siemsen den Lehrauftrag mit der Begrün­dung entzogen, daß sie als einzige Persönlichkeit, die zur Landesuniversität Jena in Beziehungen steht, die von einer Reihe deutscher Professoren veröffentlichte Erklärung jür den m Heidelberg gemaßregelten Pazifisten Dr. Cumbel unterschrieben habe.

Wie dazu bemerkt wird, hat das thüriMsche Volksbildungsministerium damit von seinem nach der Satzung ausdrücklich festgelegten Recht des Widerrufs einer solchen Vorlesungsberechtignng Gebrauch gemacht."

Schleicher eingesehen hat, daß es unbedingt notwendig war, irgendetwas, und zwar ganz gleich was, zu tun, um wenigstens nach außen hin den Eindruck zu verwischen, daß heute schon die Gegensätze auch im Kabinett des Generals derart stark zur Auswirkung kommen, daß von allen Versprechungen nur noch eine abwar­tende Passivität übrig bleibt, an deren Ende schon in kürzester Frist die völlige Auflösung stehen müßte.

Der General hat es diesmal noch einmal fettiggebracht, durch ein Machtwort, das aller­dings reichlich lange auf sich warten ließ, das Gegeneinander innerhalb des Bereiches des Reichswirtfchaftsministettums und des Reichs- ernährungsministeriums zu beseitigen. Der Erfolg ist eine absolut halbe Maßnahme, die nur allzu deutlich den Charakter einer Koin- Promißlösung offenbart. Die Stellungnahme der deutschen Landwirtschaft zu dieser Not- lösung war dementsprechend. Daß sie so über- raschend schnell erfolgte, dürfte ebenfalls dazu beitragen, die Lage des Kabinetts schon jetzt äußerst bedenklich werden zu lassen. Die scharf« Kampfansage des Westfälischen Landbundes, die erst gestern erfolgte, und die in nicht mißzu- verstehenden.Worten neben anderen Dingen der Reichsregierung den Vorwurf machte, daß ji« keine ihrer Versprechungen gehalten habe, und daß die deutsche Landwirtschaft ihr deshalb ge­schlossen den schärfsten Kampf mit allen Mit­teln ansagen müsse, hat naturgemäß in de«