Ausgabe 
(29.12.1932) Nr. 293
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Kommunistiseks Vopdsi'sitllngsn rkim Vüi'gapki'isg

V^sttsnli'anspoi't von rlsi' k^o^Loi abgefangen

Hamburg, 28. Dez. Die Polizeibehörde teilt mit: ,Ordnungspolizeibeamte beobachteten am Dienstagaben in St. Pauli, wie von einem Geischäftsauto von mehreren Männern eine schwere Kiste abgeladen und in einen Hausflur geschafft wurde. Die Transporteure erklärten auf Befragen, daß sich in der Kiste Eier befänden. Die Polizeibeamten gaben sich mit dieser Auskunft aber nicht zufrieden und stellten fest, daß die Kiste mehrere Ge­wehre und Karabiner, Modell 98, Pistolen, eine Granate, einen Gra- «atzünder, eine Kugelhandgra­trate, acht fcharfgeschltffene Sei­tengewehre und verschiedene Pi- ftvlen-Munition enthielt.

Nun schritten die Beamten zur Festnahme der angehaltenen vier Männer, von denen einer eine geladene Pistole bei sich führte. Bei der im Anschluß hieran vorgenommenen Durch­suchung eines in der Nähe des Abladcortes befindlichen Kellers wurden u. a. in einem Spankorb zwei Armeepistvlen, Mu­nition sowie kommunistische Bro­schüren Sammelbvgen des Roten Mafsenselb stschntzes, ein Morsealphabet sowie Flugblätter gefunden und beschlagnahmt. Die Festgenommenen erklären, der Kommuni­stischen Partei anzugehören bzw. mit ihr zu sympathisieren. Im Laufe der Nacht wurden noch mehrere Personen festgenommen. Der Stand der kriminalpolizeilichen Untersuchung verbietet vorerst weitere Mitteilungen."

KominunisLseftsn ^«usnUbsn-sU sul d»80kk-.-^oksI

Berlin, 29. Dezember. Am Donnerstag wurde von einer größeren Anzahl Kommunisten aus ein Verkrhrslokal der RSDAP. im Rordoste« der Stadt ein Feuerübrrsall ausgeführt. Auf das Lokal Müller in der Ebertstraße wurden gegen r Uhr morgens etwa 40 Schüsse abgegeben, Lurch die glücklicherweise niemand verletzt wurde. Zwsi Person«, wurden auf Grund von Zeugen­aussagen verhaftet. Die Polizei wurde bei den Straßeuabsperrunge« aus den Häusern beworse«, so daß sie mehrfach Schreckschüsse abgeben mußte.

An die Adresse Schleichers:

Seksnk« Ksmplsnssg« 6s» ^ommspsokvn I-snkIdlln6«»

„Satastrophcnpolitik" — „immer wiederholtes Versagen"

sDrahtbericht unserer Berliner Schrift!eitung) Berlin, 29. Dezember.

Der Vorstand des Pommerschen LandbundeS hat an den Reichsland durch Berlin folgendes Telegramm gerichtet:^

„Rede des ErnLhrnngsministers und Kabrnetts- beschluß bedeuten Verzicht auf wirksamen Schutz der Beredelungswirtschaft und obendrein Preisgabe des Getreidebaues. Obwohl seit langem ein bis in alle Einzelheiten gehender Plan vorliegt, der ohne Monopol und ohne Belastung der notleiden­den Bevölkerung Beredelungs- und Getreidewirt­schaft auf gesunde Grundlage stellt, und damit überhaupt erst die Voraussetzungen zur Ueberwin­dung der Gestmrtwirtschaftskrise schafft, verzichtet auch die Reichsregierung auf jede gestaltende Wirtschaftspolitik und gibt damit da« Vaterland zunehmender Katastrophe preis.

Autorität des Reichspräsidenten rmd des StaatS- gedankens werden durch dieses immer wiederholte Versagen und durch diesen Widerspruch zwischen Kanzlerredeu und Wirklichkeit weiter erschüttert. Wir fordern vom Reichslandbmrd, Latz er das Landvolk gemeinschaftlich «lt dem gesamte» von

der Rot gepackte» deutsche« Volk schnellstens zu schärsstem Kamps gegen die Katastrophenpolitik der Reichsregierung zusammenfaßt.

Pommerscher Landbund."

pg. L.iirmsnn I«g1 «ein irsreks- Isgsmsnitsl nisrisn

Berlin, 28. Dez. Der bisherige Alters­präsident des Reichstages, General Litzmmm, hat sein Reichstagsmandat niedergelegt. Die Nationalsozialisten hatten ihn für die Reichs­tagswahl nur deshalb aufgestellt, um eine neue AltersprÄstdenHchaft der kommunistischen Ab­geordneten Frau Zetkrn zu verhindern. Die

Nationalsozialisten find auch! grundsätzlich gegen die Ausübung von Doppelmandaten. Für General Litzmamr, der außerdem noch preußi­scher Landtagsabgeordneter und Alterspräsident des Preußischen Landtages ist, W Oberleut­nant a. D. Friedrich Krüger (Berlin) in den Reichstag nachgerückt.

Toksrisnei'ssrL-oi'llei'llng

gegen ehemalige Kreuzer-Direktoren in Amerika Newyork, 29. Dezember. Die Jrving Trust Company, die Treuhändern, der bankerotten International Match Company, der amerikani­schen Tochterfirma des Kreuzer-Konzerns, hat acht Direktoren der amerikanischen Gesellschaft auf insgesamt 250 Millionen Dollar Schaden­ersatz verklagt. Die Direktoren der International Match Company sollen die Kontrolle des Unter­nehmens fahrläsfigerweise Jvar Kreuzer über­lasten und damit ihre eigenen Aufsichtspflichten verletzt haben.

Ose* Skandal um 6okn

UsdsntMssigs vsmükungsn IKZSiSsns

(Drahtbericht unserer Bert. Schriftleitnng.)

Berlin, 29. Dezember.

Der Skandal um die Breslauer Univer­sität hat jetzt wieder eine neue Wendung genommen. Der Rektor der Universität hat sich bekanntlich vor einigen Tagen, nachdem er noch vor etwa einer Woche für Cohn und gegen die Studentenschaft Stellung geno-m-- men hatte, nun ebenfalls endgültig gegen Cohn entschieden. Nachdem Cohn zu allem Ueberfluß noch für den berüchtigten russi­schen Kommunisten Trotzki plädiert hatte, hat also auch der Rekto-r der Schtesischen Universität eingesehen, daß ein Mann wie dieser Jude, für die deutschen Hochschulen ebenso wie für die deutsche Studentenschaft untragbar ist. Daß diese Einsicht erst in dem Augenblick kam, in dem sich Cohn nach den dauernden Zwischenfällen an der Bres­lauer Universität erneut durch sein provo­zierendes Verhalten auszeichnete, dürste we­niger für die Studentenschaft, als für den Rektor der Universität peinlich sein.

Ein bekanntes Berliner Blatt, das sonst keineswegs für sich in Anspruch nehmen kann, in ähnlich gelagerten Fällen allzuviel Objektivität walten zu lassen und das auch bis vor kurzem noch gegen die Breslauer Studentenschaft im Falle Cohn Stellung genommen hat, hat gestern noch weitere Einzelheiten veröffentlicht, die die Vorgänge an der Breslauer Universität noch in einem anderen Lichte zeigen. Wie das Blatt näm­lich mitteilen kann, ist die Berufung Cohns auf den Breslauer Lehrstuhl unter immer­hin recht merkwürdigen Begleiterscheinun­gen erfolgt. Kein Geringerer, als der preu­ßische Kultusminister Grimme zeichnet näm­lich für die Berufung des 28 jährigen Juden Sohn auf einen Lehrstuhl einer der ange­sehensten deutschen Universitäten verant­wortlich. Ueber die Vorgänge, die zur Be­rufung Cohns führten, schreibt das Blatt, daß sich die juristische Fakultät der Bres­lauer Universität bis zuletzt mit allen Mit­teln gegen die Berufung Cohns gesträubt habe. Nachgegeben habe man nur, weil die Berufung Cohns von Berlin aus dringend gewünscht worden sei. Die Breslauer Uni­versität sei in den letzten Jahren vom Staate finanziell so stark vernachlässigt worden, daß sie sich nicht in offenen Gegensatz zu dem Kultusminister habe stellen können. Die juristische Fakultät der Universität Breslau hat, wie das Blatt weiter schreibt, trotz dieser, für die deutschen Hochfchrllverhältniffe mehr als bezeichnenden Sachlage insgesamt drei Kandidaten jür den Breslauer Lehr­

stuhl vorgeschlagen. In der entscheidenden Sitzung der Fakultät wurde beschlossen, trotz der Berliner Wünsche neben Cohn den Kan­didaten gleichberechtigt auf die Ernennangs- liste zu setzen, den die Fakultät aus sach­lichen Gründen gerne auf dem Lehrstuhl gesehen hätte. Der Kultusminister hat sich selbstverständlich ohne weitere Nachfrage so­fort für Cohn entschieden.

Diese Einzelheiten über die Berufung Cohns sind so bezeichnend, daß es sich eigens lich erübrigt, daran noch irgend einen Kom­mentar zu knüpfen. Unverständlich bleibt es nur noch, daß die Professorenschaft der Breslauer Universität für einen Mann, der der Breslauer Universität von den verflosse­nen Machthabern in Preußen aufgezwungen wurde, Stellung genommen hat, als die ge­samte Studentenschaft der Breslauer Uni­versität einmütig gegen den Juden Cohn protestierte. Der Breslauer Rätor war es sogar, der zum Schutze des Judentums mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten in das Gebäude der Universität rief und der schließlich dafür verantwortlich ist, daß auch auf dem Boden der Breslauer Universität noch vor wenigen Wochen auf die Provoka­tionen des Juden Cohn hin der Gummi­knüppel wüten konnte.

Der Rektor der Universität Breslau hat sich jetzt eines besseren besonnen. Das, was vor einigen Wochen an der Breslauer Uni­versität geschah, kann zweifellos damit nicht aus der Welt geschafft werden, aber die jetzige Einstellung der Breslauer Professo­renschaft könnte immerhin dazu beitragen, daß die Breslauer Universität von einem Menschen gesäubert wird, der nie und nim­mer die Qualifikation besitzen kann, Lehrer der deutschen Jugend zu sein.

Der mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Kultusministers beauftragte Reichs­kommissar Kühler hat vorgestern, wie wir schon meldeten, den Rektor, den Prorektor und den Dekan der juristischen Fakultät der Universität Breslau zu Anfang Januar zu einer Aussprache über den Fall Cohn nach Berlin gebeten. Wir sind der Ansicht, daß diese Aussprache außerordentlich überflüssig ist, «nd daß Herr Kahler andere Dinge zu tun hätte, als etwa den Versuch zu unter­nehmen, nun noch als letzte Instanz für den Juden Stellung zu nehmen. Der Fall Cohn und alle analogen Fälle liegen absolut eindeutig und klar: Die deutsche Studen­tenschaft würde ihre selbstverständlichen For­derungen auch gegen Herrn Köhler zu ver­treten wissen.

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Bon Universitätsprosessor Dr. I. Stark.

Der nationalsozialistische Minister Klag, ges hat vor einiger Zeit an der ihm unterstell­ten Technischen Hochschule in Braunschweig durch Maßnahmen gegenüber dem herausfordernden Vorgehen des dortigen Rektors das nationale In­teresse gewahrt. Dieses national notwendige Ein­greifen hat der Mehrheit der Hochschulrektoren mißfallen, und auf ihrer letzten Konferenz haben sie einen Protest gegen Minister Klagges bs» schlössen. Dieser hat ihre Anmaßung bereits mit vollem Recht energisch zurückgewiesen; jedoch ist es notwendig, daß darüber hinaus noch ein Wort gesprochen und der Oeffentlichkeit gezeigt wird, welche Kräfte sich als Zensoren nationalsozia­listischer Maßnahmen an deutschen Hochschule« aufspielen.

Gewiß gibt es auch unter den deutschen Hocy- schulprofefforen Männer, die volles Verständnis für den Freiheitskampf der nationalsozialistischen Bewegung aufbringen, und sie wenigstens im stillen unterstützen. Aber der Großteil der Pro­fessoren an den deutschen Hochschulen hat entwe­der aus Vorsicht sich von einer offenen politischen Stellungnahme zurückgehalten oder sogar offen die nationalsozialistische Bewegung bekämpft. Die Hochschulprofessoreu waren als Lehrer der akade­mischen Führer des deutschen Volkes berufen, »ur Kampfe um die innere und äußere Freiheit die geistige Führung zu übernehmen, vor allem die studierende Jugend mit dem Geist des Widerstan­des und der Abwehr gegen die Vergewaltigung des deutschen Volles durch seine inneren und äußeren Feinde zu erfüllen. Sie haben in ihrer Mehrzahl gegenüber dieser geschichtlichen Ausgab« nicht bloß völlig versagt, sondern sie haben so, gar geduldet, daß der jüdische Einslutz in Fa, kultäten und Ministerien die nationalsozialistisch« Studentenschaft u>nd einzelne national gesinnt« Dozenten bekämpfte und verfolgte. Dafür einig« Beispiele:

Der Greifswalder Professor Vah- len hatte als stellvertretender Rektor das schreck­liche Verbrechen begangen, am Verfassungstag a« Stelle der schwarz-rot-gelben Fahne die preu­ßische Flagge auf dem Hauptgebäude der Universität hochziehen zu lassen. Dafür wurde er von der schwarz-roten Preußenregierung auS seinem Amt gejagt, sogar ohne Pen­sion. Zu dieser rohen und im Grunde rechts­widrigen Vergewaltigung eines deutschen Hoch- schulprofessors schwieg die Rektoronkonserenz. Nun, Professor Bahlen war eben Nationalso­zialist.

In Heidelberg wagte es der philosophische Privatdozent Rüge, öffentlich gegen die Juden zu sprechen; er wurde dafür schließ­lich aus der philosophischen Fakultät entfernt. Da­gegen durst« der Privatdozent und spätere Pro­fessor Gumbel das schamlose Wort von deut „Felde der Unehre" aussprechen, auf dem stu­dentische Kriegsteilnehmer gefallen seien; er durste trotzdem in der philosophischen Fakultät bleiben. Die Rektorenkonferonz schwieg zu diesem Skandalen: Rüge ist ein leidenschaftlich nationa­ler Deutscher, Gumbel ein Jude.

Der nationalsozialistische Minister Dr. Frick berief an die Universität Jena den Nassen- forscher Günther, der an wissenschaftliche« und schriftstellerischen Verdiensten so manche« ordentlichen Fach-Professor an den deutsche« Hochschulen weit überragt. Dagegen erhob der Jenaer Rektor, mit der Mehrheit seines Senatl lebhaften Einspruch unter dem Beifall der gesam­ten Judrnprcsse. Das Gegenbild in Preußens Unter dem demokratischen Minister Becker nutz seinem jüdisch versippten Ministerialdirektor Rich-t ter wurden kleine, wissenschaftliche Geschäftsju- den oder Philosemiten, wo sie nur unterzubrin­gen waren, einer preußischen Fakultät auf dick Nase gesetzt, ohne daß die Rektorenkonserenz pro­testierte. Nebenbei ein derartiger jüdischer Be- rufsikondal aus der jüngsten Zeit: Au V«R