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Parteiamtliches Organ der BremerNationalsozialisten
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IVIanxismus am ^rsngsr
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I^vinsieß irnrl össteekung
Berlin, 27. Dez. Der Drrektor der BVG., Ftttz Brolat, war heute zur verantwortlichen Vernehmung vor den Untersuchungsrichter des Landgerichts 3 geladen. Da er Lei dieser Vernehmung die gegen ihn vorliegenden dringende« Verdachts- gründe des Meineides nicht entkräfte« konnte und Fluchtverdacht besteht, hat der Untersuchungsrichter entsprechend dem Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl erlassen. Brolat wurde heute in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert.
Me wir ergänzend erfahren, betrifft der Mein- eidSoerdacht die Sklarek-Angelegenhett.
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Die SPD. hat Pech. Noch bis in die letzten Tage hinein, hat die „Bremer Bolks- zeitung" auf Amveistrng aus Berlin den Ge- . Possen Brolat in den Himmel gelobt und ihn als den Mann bezeichnet, der Berlin seinen modernen Verkehr organisiert und geschaffen hat. Der „Vorwärts" nennt Brolat den „Gehetzten" und die ganze Sozialdemokratke war bis vor kurzem sich darin einig, in Brolat einen ihrer markantesten und bedeutendsten Führer zu erblicken. Und nun ist er verhaftet. Nicht wegen eines politischen Bergehens, nicht einmal wegeu Landesverrat, sondern wegen eines schäbigen Meineides, den er schwur, um seine eigenen trüben Beziehungen zu don Gebrüdern Skkarek zu vertuschen, um nicht i« aller Oeffentlichkeit Anzugeben, dich er als Arbeiterführer mit 70 008 RM. Gehalt es noch für notwendig befand, sich mit kostbare» Pelze» von einer Judengesellschast besteche zu laste», die ihrerseits wieder Millionen aus der Not der Berliner Arbeiterschaft henmspreßte.
In feder Parter kommen Entgleisungen vor, aber hier hat sich die ganze SPD. seinerzeit nicht nur schützend vor die Sklartts, sonder« bis auf den heutige» Tag auch schützend vor Brolat gestellt, dessen minderwertige Gesinnung ihr durchaus bekannt war. Damit wendet sich der kommende Prozeß weniger gegen Brolat, der uns als Einzel- schicksal gänzlich gleichgültig ist, sondern er richtet sich gegen die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die korrupteste und verdorbenste Organisation Deutschlands seit mehreren Jahrzehnten.
Ueber den typischen Bonzenweg des Genossen Brolat entnehmen wir der Berliner Presse folgende Schilderung:
Fritz Brolat, ursprünglich Schlosser von Beruf, wurde in den Umstürztagen Mitglied des Vok- zugsrates und spielte damals als solcher eine bedeutende Rolle. Daun wurde er Stadtverordneter und bald daraus Direktor der Städtische» Brenn- stoffgesellschast, nachdem er der SPD. beigetreten war. Im November 1928 wurde er in den Aus- sichtsrat der BVG. berufen. Er gehörte zu dem Freundeskreis der Bruder Sklarek. Nach der Aufdeckung des Skandals wurden auch gegen ihn zahlreiche Vorwürfe erhoben, die er zunächst durch an die Zeitungen gesandte Berichtigungen gegenstandslos zu machen versuchte. Er wurde dann, nachdem über ihn in der Oeffentlichkeit wiederholt behauptet worden war, dass er von den Sklareks Pelze in hohem Werte ohne Bezahlung erhalten - hatte, im Verlaus des Disziplinarverfahrens gegen Oberbürgermeister Boeß und die Direktoren der Stadtbank wiederholt vernommen, bestritt jedoch sowohl den Pelzkauf, wie irgendwelche Beteiligung an den Machenschaften der Inhaber der KVG.
Im weiteren Verlauf des Verhörs stellte sich da im heraus, daß Brolat einige Tage nach seiner Vernehmung durch Oberregierungsrat Tapolski zu dem PelzhLrütler gegangen sei, von dem die Pelze durch die Sklareks gekauft wurden «nd dort erklärt hat, daß er bereit fei, ihm «schmal die rooo RM. zu zahlen, wenn er eine Quittung be
kommen könne, um in der Oeffentlichkeit sagen zu können: „Hier ist die Quittung".
Weit« stellte sich »och heraus, daß Brolat im Interesse der Sklareks bei den Stadtbankrevisoren Besuche abgestattet mich zur Rettung seiner Freunde die verschiedensten Wege eingeschlagen hatte.
Als dann die Affäre Sklarek vor Gericht kam und Aussagen über die verschiedenen Manöver Brokats fielen, erklärte der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Keßuer, in einer der Sitzungen, daß er Brolat für
keine ganz einwandfreie Persönlichkeit halte. Wegen dieser Aeußerung beschwerte sich Brolat beim Jnstizmrnister, der dann Veranlassung nahm, dem Amtsgerühtsryt seine Mißbilligung Loszusprechen. Trotzdem sah sich der Vorsitzende in einer weiteren Sitzung genötigt, gegen Brolat ganz öffentlich den Vorwurf der Begünstigung zu erheben, weil er festgestellt zu haben glaubte, daß Brolat Kunden der Sklareks gewarnt und ihnen geraten habe, ihre Kanten bei der Firma abzudecken, da bei den Sklareks etwas im Gange sei.
Nach der Verurteilung der Bruder Sklarek sah sich dann die Statsanwaltfchaft genötigt, die ver- Medenen vor amtlichen Stellen gemachten Aussagen Brokats miteinander zu vergleichen.
Dabei stellte sich dann heraus, daß sie sich in wese«tlichen Punkte» widersprachen.
Als Brolat das zmn Borwurf gemacht wurde, erstattete er gegen sich selbst eine Strafanzeige, die sich aber als überflüssig erwies, da zu jener Zeit bereits gegen ihn das durch die Staatsanwaltschaft eingeleitete Ermittlungsverfahren wegen des
dring«,den Verdachts des Meineides " schwebte. Auf Grund der gegen Brolat nunmehr erhobenen Beschuldigungen, nachdem auch gegen ihn die Voruntersuchung eröffnet war, sah sich der Auffichtsrat der BVG. vor einiger Zeit gezwungen, Brolat von seinem Amt zu suspendieren.
Landgerichtsrat Mittendorf, der Leiter der Untersuchung, lud nun gestern vorniittag den früheren BVG.-Direktor zu seiner verantwortlichen Vernehmung vor- Brolat bestritt wieder jede strafbare Handlung und erklärte, daß er bei seiner Vernehmung durch Oberregierungsrat Tapolski falsch verstanden worden wäre, und daß sich daraus die Unstimmigkeiten in feinen Aussagen er; klärten.
Dieser Behauptung wurde kein Glauben geschenkt und Brolat nach Abschluß des Verhörs mittags um 12 Uhr aus Antrag des Oberstaatsanwalts Seche auf Grund eines Haftbefehls im Gerichtsgebäude festgenommen and sofort m eine Zelle gebracht.
Wsnn slür'rl Soklskeksi*?
(Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)
Berlin, 28. Dez. Im Mittelpunkt aller Politischen Erörterungen steht naturgemäß im Augenblick die Frage, wann der Reichstag zu seiner nächsten Sitzung zusammentreten wird. Die nächste Reichstagssitznng wird — das ffk ganz ohne Zweifel — die für die nächsten Monate wichtiger polrtttsche Entscheidung ergeben. Es ist deshalb schon selbstverständlich, daß, sich alle politischen Kombinationen ausschließlich mit der Frage beschäftigen, wann «it der nächsten Reichstagsfitzung diese Entscheidung fallt und was dann sein wird.
Als äußerster Termin für die Regierungserklärung im Reichstag wurde gestern und vorgestern der 17. Januar genannt. Nach Lage der Dinge ist es jedoch nicht unwahrscheinlich, daß dieser Tag noch um einige Zeit vordatiert werden wird.
Die bisherige Passivität des Reichskabinettä unid vor allen Dingen die schon in den letzten Lagen aufgetauchten Gerüchte über nicht unerhebliche Differenzen auch im Kabinett des Generals
müssen fich naturgemäß auf die Entwicklung -er kommenden Dinge beschleunigend auswirken. In den letzten Monaten ist allzu diel Lostbare Zeit mit nutzlosem Warten vertan Wochen! Es wäre deshalb durchaus nicht unwahrscheinlich, -aß die deutsche Volksvertretung angesichts ider ungeheuren Not, die auf den breiten Schichten des schaffenden Volkes lastet, jede weitere Verzögerung der für die Zukunft wichtigste» politffchen Entscheidungen für rrntunlich und unzweckmäßig halten wird-
Eine vorzeitige Kon sltktsmög- lichkeit konnte allein schon durch die am 10. Januar stattfindende Sitzung dW Hanshalts- ausschuffes entstehen. Die Reichs regier uug hatte sich bekanntlich vor Weihnächte« geweigert, offizielle Vertreter zu den Sitzungen des Aus- schusses M entsenden. Diese Weigerung war damit begründet worden, daß es zur Zeit noch nitP möglich sei, zu den im Hanshaltsaussrhuß z«r Beramng stehenden Anträgen Stellung zv
nehmen, da die materiellen Vorbereitungen des Kabinetts noch nicht soweit gediehen ,echen. Der H a nshaltscmsschnß hatte sich damals um einig« Zeit vertagt, um an einem von der Reichsregieruug vorgeschlagenen Termin zu seiner nächsten Sitzung zusammenzutreten. Aber auch dieser Termin wurde von der Reichsregierung nicht wahrgenommen, so daß sich der Haüs- haltsausfchuß auf Januar vertagen mußte. Nach den bisherigen offiziellen Auslassungen muß damit gerechnet werden, daß die „materiellen Vorbereitungen" des Reichssinanzministers noch immer nicht so weit gediehen sind und daß die Reichsregierung unter Umständen an den Ausschutz noch einmal das Ersuchen richten wird /ich erneutL« vertagen. Nach Lage der Dinge ist nicht anzunehmen, daß ein derartiger Wunsch des Kabinetts Berücksichtigung finden könnte.
Die nächste Entscheidung über die kommende Entwicklung wird in der am 4. Januar stattfindenden Sitzung des Aelteftenrates fallen. Vorläufig besteht noch immer die Absicht, der Reichsregierang jede Möglichkeit zu geben, alle Vorbereitungen z« der von ihr beabsichtigten Programmerklärung vor dem Deutschen Reichstage zu treffen. Möglich wäre es also, daß in dieser Sitzung des Aelteftenrates der Beschluß zustande käme, daß der Reichstag erst am 17. Januar zusammentritt und dann zunächst die Regierungserklärung entgegen nimmt. Sollte aber auch in der nächsten Zeit die Passivität der Reichsregierung weiter andauern und sollten vor allen Dingen neu« Unstimmigkeiten offen zu Lage treten, s» dürste es als selbstverständlich anzunehmen sei», daß der Teutsche Reichstag alles daran setzen wird, um diesem Kabinett, das in keiner Weife seiner ganzen Zusammensetzung nach die Arbeiten in Angriff nehmen kann, die zu einem Wiederaufbau notwendig sind. vor dem Forum der deutschen Oeffentlichkeit ein Mißtrauensvotum zu präsentieren, das fich sicherlich kaum von dem unterscheiden wird, über das Herr von Papen stolperte. 1
un6 üss vansuppodlom
Auf neuem Wege zum alten Ziel!
Me Angst- und Rachepsychose des französischen Volkes wurde nach dem Kriege ebenso gezüchtet wie vorher der Revanchegedanke. Die Lenker der französischen Politik find selbst Opfer dieses Massenwahnftnns geworden und es gab nur sehr dünne Kreise in Paris, die die unausbleiblichen Folgen dieses Zustandes vorausgesehen oder gar ihre mahnende Stimme erhoben haben. Frankreich wollte alles vernichten, was irgendwie zur Erstattung Deutschlands führen konnte, rechnete jedoch dabei nicht mit jenem Faktor, den Lord Kit- chener zu Beginn des Weltkrieges in den Vordergrund stellte, nämlich die Zeit. Und ebenso gewiß wie die lange Dauer des Krieges zum Verderben der Mittelmächte führen mußte, so sicher war auch, daß alle französischen Berechnungen. Sicherheitsmaßnahmen, Verträge und Bündnisse an Bedeutung verlieren müssen, wenn in Europa keine stabilen Verhältnisse geschaffen und ein dauernder Frieden hergestellt wird. Ein dauern- der Frieden aber war und ist undenkbar ohm Wiedergutmachung der in den Friedensdikkate» von Paris begangenen Verbrechen.
Zwölf Jahre lang dauerte der Kampf um die „Reparationen" und wenn mau zurückdenkt, »»it welcher Zähigkeit, mit welchen politischen undiplomatischen Mitteln Frankreich diesen Reparationskrieg gegen Deutschland führte, so darf man feststellen, daß sich in diesem Punkt die Zeit schon auszuwirken begonnen hat.
In Frankreich ist keine neue Politische Bewegung entstanden wie in Italien und Deutichland, die alten Parteien herrschen nach wie vor, doch wird die Politik in Paris nicht in dem Maße wie in anderen Ländern durchwegs von den parlamentarischen Parteien bestimmt, sondern von unsichtbaren Kräften, wie z. B. die Schwerindustrie, die Freimaurerei, die junge li- terarische Gesellschaft, die vor allem der Aoßen- volitik die Richtung geben.
Hinter der Reparationspolitik stand die französische Schwerindustrie, seit dem Vormarsch der uatilmalsorialistischen Bewegung in Deutschland war der Einfluß des Großorients maßgebend und neben diesen beiden treibenden Motoren des Onai d' Orsay arbeitet aber auch unermüdlich dir junge litterarische G e s e lls chcr f tFrernk- reichs, die ebenso entschlossen wie die zwei ersteren Faktoren für die Reparationen und gegen das nationale Deutschland, an der „friedlichen Einkreisung Deutschlands" arbeitet.
Diese lrtsrattschen Kreise gehen von der Befürchtung aus, daß die Gleichberechtigung Deutschlands früher oder später sich durchsetzen wird und daß auch die Korridorfrage zu Gunsten des Reiches gelöst werden muß. Tritt aber dieser Zustand ein, dann wird Frankreich umk den Dauervorteil des Sieges gebracht fein, wen» es nicht andere Grundlagen für seine fiegem»- nialstellung zu schaffen vermag. Die Bündnisse mit den östlichen Vasallenstaaten konnten in den ersten Jahren nach dem Kriege ihrem Zweck entsprechen, heute aber find sie überlebt, außerdem dauert ihr problematischer Wert nur so lang« als Frankreich seine Kassen offen hält. Das hat nicht nur Rumänien sondern auch Jugojlnoien bewiesen, welche Staaten schon seit geraumer Zeit eingesehen haben, daß ihre wirtschaftliche« Interessen ein Anlehnung an Deutschland erfordern
In Patts kennt man genau die innere Lag« Jugoslaviens und weiß, daß dieser großgewordene Staat der neue „kranke Mann" in Europa geworden ist. Das Bündnis mit Rumänien wurde von Beginn an nicht zu hoch geweitet, nur auf Herrn Benejch konnte sich Patts immer und unter allen Umständen verlassen. Ihm ist es auch i» den vergangenen 12 Jahren gelungen, die zwei anderen Staaten bei der Stange zu halten, wofür ihm die Dankbarkeit Frankreichs nicht schuldig geblieben wurde.
Die Politischen Literaten Frankreichs sind stttsch