Ausgabe 
(27.12.1932) Nr. 291
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Ein Unbeteiligter erschaffen «attrop, 26. Dezember. In der Frühe d«S Ersten Weihnachtstages kam es in Bottrop zu einer schweren Bluttat. Der Bergmann Contura, der Hirt seinem Schwager Szezotok ein Haus be­wohnt, feierte mit dessen Familie Weihnachten.

Plötzlich wurde aus Fenster geklopft. AIS Szezotok hinausgehe« wollte, wurde er beim Be­ttet«, der Haustürschwelle beschaffen. Etwa sieben bis acht Schüsse fielen, von denen Szezotok zwei an beiden Oberarmen und in der Bauchgegend verletzte«. Er brach blutüber­strömt zusammen.

Auf die Schüsse eilten die Angehörigen aus Fenster und vor die Haustür. Bon den Tätern War aber nichts mehr zu sehen.

Szezotok verstarb im Krankenhaus. Er hin­terläßt Frau und zwei kleine Kinder.

Am Tatort wurden sieben Patronenhülsen ver­schiedenen Kalibers gefunden. Zwei Männer wur­den im Lause der Weihnachtstage unter dem dringenden Verdacht der Mittäterschaft festgenom­men; sie leugnen aber.

Szezotok war parteilos, währe«- sein Schwager Montura Mitglied der NSDAP. war. Contura chnir bei einer Schießerei von Kommunisten auf Nationalsozialisten beteiligt und war deshalb in Untersuchungshaft. Infolge des Straferlasses wurde er aber vor Weihnachten entlassen. Es ist Möglich, daß die Kugeln ihm gegolten haben. Diese Annahme wird bestärkt durch die Talsache, daß einer der Festgenommenen erklärt hatte, daß wenn Contura wieder herauskäme, er in Stücke aekchosson würde.

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Hamburg, 27. Dezember. In der Nacht zum 85. Dezember gerieten, nach dem Polizei­bericht, in Eimsbüttel Nationalsozialisten und Kommunisten aneinander. Es fielen Schüsse. Es mußte ein OrdnungsPolizeibeamter in Notwehr von seiner Schußwaffe Gebrauch machen. Die an dem Streit beteiligten Personen flüchteten beim Erscheinen von weiteren OrdnungsPolizeibeamten. Ein Kommunist soll verletzt und von Gesinnungs­freunden fortgeschafft worden sein.

In derselben Nacht entstand, wie der Polizei- bericht weiter sagt, in der Hammerbrookstraß- zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten eine Schlägerei. Auch hier sollen Revolverschüsse ge­wechselt worden sein. Ob Personen verletzt wur­den, ist noch nicht bekannt. Ein Nationalsozialist, der geschossen haben soll, wurde festgenommen. Er bestreitet die Anschuldigung, doch wurde in seiner Nähe ein geladener Revolver gefunden, ein für die Hamburger Polizei absolut schlüssiger Beweis.

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Dresden, 26. Dez. Vom Polizeipräsidium Dresden wird mitgeteilt:Nachdem sich

der Wasserstand -er Talsperre Malter durch die Eisbildung gesenkt hat, ist am Montag unter Sand verborgen die Leiche des seit dem 4. November vermißten Nationalsozia­listen Hentsch zutage getreten. Die Leiche war in Säcke gehüllt und diese wäre» mit schweren Steinen belastet. Die äußere Be­sichtigung der Leiche hat gezeigt, daß Hensch durch einen Schuß in die Brust getötet wor­den ist. Hiernach steht nun einwandfrei fest, daß Hensch einem Mord zum Opfer gefallen ist. Die Kriminalpolizei hat inzwischen zu­sammen mit der Staatsanwaltschaft einge­hende Ermittlungen angestellt, die für die Aufklärung des Falles wichtiges Material erbracht habe». Im Interesse der Unter­suchung kann jedoch hierüber zurzeit Wei­teres nicht gesagt werden."

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Berlin, 27. Dezember. In der Regierung nahe­stehenden Kreisen der Reichshauptstadt wird da­von gesprochen, daß Herr von Schleicher, der bereits jetzt vor dem zertüpperten Porzellanladen sriner Politik stcht, zu Beginn des neuen Jahres Hitler um Hilfe bitte« wolle. Schleicher soll nach dieser Darstellung den Führer darum bitten, doch in sein Kabinett einzutreten und die Kräfte der nationalsozialistischen Bewegung den, im luft­leeren Raum schwebenden Schlcicherkabineit zur Verfügung zu stellen.

Die Erörterung dieses Themas trotz der schar­fen Kampfansage des Führers an das Papen- kabinett Nr. 2 beweist zur Genüge, wie rettungs­los festgefahren heute schon Herr von Schleicher ist und daß ihm letzten Endes nichts anderes übrig bleibt, als sich an den Führer der deutschen Frei­heitsbewegung hilfesuchend zu wenden. Herr von Schleicher wird die Antwort bekommen, die er nach seinen Taten verdient. Es ist aber geradezu verbrecherisch, aus albernem Machtdünkel heraus die nationalsozialistische Freiheitsbewegung von der Staaisführung ausschließen zn wollen, wenn man jetzt schon erkennen muß, daß man letzten Endes doch die Freiheitsbewegung und ihren Führer rufen muß. Herr Schleicher soll nicht glauben, daß er uns Bedingungen stellen kann. Besiegte haben keine Bedingungen zu stellen'.

Nur in Braunschweig:

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Trotz marxistischer Sabotageversuche hilt das nationalsozialistische Braunschwrig als einziges Land den Aermste« der Armen Braunschwrig, 27. Dezember. Auch dieses J.rhr

haben wie in den vergangenen beiden Jahren die Nationalsozialisten im Braunschweiger Landtag einen Antrag auf Zahlung einer besonderen Win- terbeihilse für die Erwerbslosen Mit Kindern ein­gebracht. Der Antrag enthält zugleich vorbild­liche Vorschriften für die Durchführung dieser Winterhilfe. Die Erwerbslosen erhalten Gut­scheine, die auf Reichsmark lauten und die von allen Geschäftsleuten im Freistaat Braunschweig wie Bargeld in Zahlung genommen werden. Le­bensmittel, Kleidung und Heizmaterial können für diese Gutscheine erworben werden.

Die Gutscheine haben sür Warenhäuser und Konsumvereine keine Gültigkeit, so daß der durch die Wintcrhilse verursachte erhöhte Umsatz aus­schließlich dem Mittelstand, den Gewerbetreibenden, dem Einzelhändler, dem Handwerker zugute kommt, während die jüdischen großkapitalistischen Ramsch­buden von der Umsatzsteigerung nicht profitieren können. Die Gutscheine können bis Anfang April 1933 eingelöst werden, und zwar bei. den Staatskassen.. Ebenso können Landessteuern mit diesen Gutscheinen bezahlt werden. Dieser vor­bildliche Antrag ist trotz aller Schwierigkeiten an­genommen worden und die Ausgabe der Gut­scheine ist bereits im Gange.

Es ist in der Hauptsache das Verdienst des na­tionalsozialistischen Landtagspräsidenten Zörner, sowie des Ministers Pg. Klagges, daß dieser An­trag gegen die erwerbslosenfeindliche Stellung­nahme der marxistischen Parteren zur Annahme gelangen konnte. Bezeichnend ist es, daß die Kommunisten einen Zusatzantrag eingebracht hat­ten, der die großkapitalistischen Warenhäuser mit embezogen wissen wollte.

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Berlin, 27. Dezember. Wir konnten bereits vor einigen Tagen von den schweren Zerwürfnissen zwischen der sozialdemokratischrn Parteileitung und der Führung der Höltcrmann-Gar-e berichten. Die sozialdemokratische Parteileitung hat alles daran gesetzt, um den schweren Riß zwischen SPD. und Reichsbanner zu verkleistern. Cs scheint, daß ihr dies im Augenblick gelungen ist, da die maßgebenden Führer des Reichsbanners finanziell von der SPD. abhängig sind und dadurch, daß sie von der SPD. in die Parla­mente geschickt wurden, so fest an die SPD. ge­kettet sind, daß eine offene Auflehnung mit schweren materiellen Schäden für die Betreffenden verbunden ist.

Materielle Verluste zu leiden verträgt aber der Idealismus der Reichsbannrrsührung nicht und so hat denn die Reichsba-nnerleitung den Austritt aus dem Reichskuratorium sür Jugendertüchtigung voll­zogen.

Den letzten Anlaß zu diesem Verzicht gab die Drohung der SPD-, jeden Reichsbannermann, der sich an der Arbeit des Kuratoriums beteilige, aus der SPD. auszuschließen. Höltermann wäre da­mit sein Mandat losgeworden und diesen schweren Verlust glaubte er nicht ertragen zu können. Ganz beseitigt ist der Konflikt aber noch nicht, da das Reichsbanner in der Frage der eigenen Jugend­organisation noch nicht ganz klein beigegeben hat. Bei der Rückgratlosigkeit der Reichsbannerführer ist aber schwerlich anzunehmen, daß dieser Kompetenzstreit für das Reichsbanner erfolgreicher ausgehen wird, als der Streit um das Kuratorium für Jugendfürsorge. In sozialdemokratischen Krei­sen täuscht man sich aber nicht darüber, daß die scharfen Gegensätze unter der Decke weiterbestehen und man bemüht sich nun krampfhaft, Vorsorge zu treffen, daß sich kein Anlaß ergibt, der einen

erneuten Ausbruch eines offenen Konflikrs zur Folge haben könnte.

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Berlin, 26. Dez. Die Weihnachtsfeier- tage Verliesen in der Reichshauptstadt in völliger Ruhe. Der Reichspräsident ver­brachte, wie vorgesehen, die Festtage im engsten Familienkreise. Einige Reichsminister darunter Außenminister von Neurath, haben Weihnachten außerhalb Berlins verlÄt. Ir­gendwelche politischen Ereignisse sind nicht eingetreten. Da die Bestimmungen über den Burgsrieden noch in Kraft sind, unter­blieben auch Kundgebungen politischen Ber­einigungen. Lediglich eine am Sonntag abend in Moabit tagende Versammlung eines Naturwissenschaftlichen Vereins" erwies sich als öffentliche politisch« Veranstaltung der KPD. und wurde aus diesem Grunde durch Beamte der politischen und der Schutzpolizei aufgelöst. Auch von größeren Bränden und Berkehrsunfällen ist Berlin an diesem Weihnachtsfest verschont geblieben. Feuer­wehr und Sanitäter wurden zwar ver­schiedentlich alarmiert, doch handelte es sich durchweg um geringfügige Unfälle, nur ein Derkehrsunsall am Belle-Alliance-Platz hat ein Todesopfer gefordert.

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Kairo. Bei Gedaref im Sudan stürzte ein englisches Bombenflugzeug ab. Die drei Insassen, ein englischer Fliegerleutnant, der Beobachter und ein eingeborener Offizier, wurden getötet.

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Von Graf E. Neventlow.

Es gibt wohl kaum ein Volk, das sich derart durch Schlagworte beeindrucken und hypnotisieren läßt, wie die Deutschen. Die anderen Nationen wissen das, und besonders Engländer und Franzosen ziehen daraus mit großer psychologischer Geschicklichkeit ihren Vorteil, und der hochgebildete Michel hat den, in diesem Falle gründlich verdienten Schaden. Ein ganz besonders drastisches Beispiel steht uns heute wieder vor Augen.

Bei dem WortBolschewismus" schaudert und zittert der deutsche Bürger, und wenn demselben deutschen Bürger vom Auslande und von Deutschnationalen gesagt wird, er sei der einzige Damm gegen den russischen Bolschewismus, so ist er sehr stolz, und dieser Stolz vereinigt sicb mit jener Furcht in einer recht eigenartigen komitragischen Weise.

Demselben deutschen Philisterbürger aller Grade hat man eingeredet: Bolschewismus «nd Rußland sei dasselbe. Ob uniformiert oder nicht, hat dieser deutsche Bürger sich eine Zeit lang sogar dafür begeistert, im Namen der Zivilisation und Kultur und deß Christenkrenzes, als Landsknechte der West­mächte und des Vatikans mit bewaffneter Hand in Rußland einzufallen, um dort den Bolschewismus in seinem Mittelpunkt zu töten. Noch heute sind weite deutsche Kreise für diesen edlen und schönen Plan begeistert, und es ist Michel nie in den Sinn 'gekom­men, daß das russische Volk ihm dafür nicht dankbar sein, sondern ihn sür absehbare Zeit als Eroberer und Eindringling hassen würde. Es ist auch nicht Michels Schuld, daß aus diesem Plan nichts geworden ist, Jene Konjunktur ist vorbei, und die West­mächte haben nicht mehr diese. Möglichkeit, Deutschland für immer mit Rußland zu verfeinden, was ihnen so glänzend in ihre europäisch-politischen Pläne hineinpassen würde.

Geblieben ch in Deutschland, nicht zum wenigsten auch in nationalen Kreisen, die weltfremde Ansicht, man würde mit Ruß­land, solange dort das Sowjetsystem be­stehe, keine Außenpolitik treiben. Das ist so ungefähr die Auffassung, wie in der so­genannten Gesellschaft, daß man mit diesen oder jenen Personennicht Verkehre» kann". Zwar wurde im Jahre l922 zischen Moskau und Berlin der Rapallo-Vertrag ge­schlossen, dessen Vater übrigens nicht Ra­then an gewesen ist, sondern der kluge Freiherr von Maltzan, mit dessen Federn sich Rathenau später zn schmücken liebte. Dieser Vertrag ist aber, wenn wir die Jahre durchmustern, ungenutzt ge­blieben. In den Folgejahren orientierten die deutschen Regierungen ihre Politik im­mer ausgesprochener nach Westen. Man wandte Rußland den Rücken. Bis in unsere Tage hinein hat sich diese schlimme Einseitigkeit gesteigert. Die beiden Kabir, nette Brüning und Papen haben Ruß, land tatsächlich wie einen Menschen behan, delt, mit dem man nicht Verkehren könne. Erinnern wir uns nur daran, wie Brüning sogar öffentlich, beinahe mit Flehen, sich immer wieder um französische und englische Freundschaft bewarb und nachher Papen nicht müde wurde, in Unterredungen zn er­klären, er erstrebe als letztes Ziel engste Verbindung mit Frankreich, ja ein deutsch- französisches Militärrbündnis. Bedenke:: wir dazu, daß Frankreich zugleich im Fernen Osten alles Denkbare tat, um Rußland, das sich in einer schweren Wirtschaftslage denn je befindet, tn einen Krieg mit Japan hin- einzuhetzen, so ist verständlich genug, daß Rußland sich nachgerade bis zur tlnerträg- lichkeit in seiner Sicherheit bedroht fühlte.

In solcher Lage zog die russische Regie­rung die Konsequenzen, sie schloß die in den letzten Wochen viel besprochenen Nichtan­griffspakte mit Polen und Frankreich. Das