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Anzeigen: hiesige die 10 gespaltene ruru-Zelle 0.10, auswärts 0.12; im Textteil 0L0, auswärts ^Lck 0.70; Stellengesuche
0.06; sonstige kleine Anzeige« 0.08. Platzvorschrift ohne Verbindlichkeit. Bei Betriebsstörung, Streik, Verbot usw. hat d« Bezieher keine« Anspruch aus Rückzahlung des Bezugspreises.
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Berlin, 21. Dezember. Amtlich wird mitgeteilt:
Die öffentliche Winterhilfe, welche die Reichs- Regierung am 21. Dezember beschlösse« hat, wird für die drei Monate Januar bis März gewährt und verbilligt den Erwerb von Lebensrnitteln und Brennstoffen. Bor allem aber dehnt sie den Per- sonentreis erheblich aus.
Bei denLebensmitteln destcht die Grund- leistung in der Verbilligung von monatlich vier Pfund frischem Rind- oder Schweinefleisch oder von Wckenfett und Liesen oder frischer Wurst um HO Reichspfennig beim Pfund. Familien mit vier vnd mehr Zuschlagsempfängern können zwei 8er- billigungsscheiue erhalten und auf den -werten Berbrlligungsschein wahlweise auch Milch beziehen.
Lei den Brennstoffen wird der Erwerb von zwei Zentnern Kohle im Monat um 30 Rerchspsennig beim Zentner verbilligt. Für Steinkohle, Braunkohlenbriketts oder Koks kann fe nach den örtlichen Verhältnissen auch Torf oder Holz gewährt werben
Die neue Regelung umfaßt alle Hauptunter- stätzten in der Arbeitslosen- und Krisenmrterstüt- zung und in der öffentlichen Fürsorge sowie bedürftige Empfänger von Zusatzrente, nach dem Reichst)ersorgungsgesetz. Die Führung eines eigenen Haushalts wird nur für die Berbilligung von Brennstoff vorausgesetzt.
Ausgabestellen für die Berbillignngs- scheirre sind wie bisher für die Hauptunterstützungs- empfänger der Arbeitslosenversicherung und Kri- fenfürsorge die Arbeitsämter, für alle übrigen die Dienststellen der öffentlichen Fürsorge. Bezugs- stellen für die verbilligten Waren find alle Verkaufsstellen, die die betreffenden Waren führen und sich berriterKLren, den Verbillrgungsschein in Zahlung zu nehmen und den sonst gegebenen Vorschriften zu entsprechen.
Die für die neue Winterhilfe notwendigen Mittel — rund 33 MiT, RM. — werden von der Reichskaffe aufgebracht.
Außerdem werden im Rotwerk der drutfcheu Jugend besondere Mittel für die gemeinsame Verpflegung von jugendlichen Arbeitslosen zur Verfügung gestellt.
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An Stelle der vorn Haushaltsausschuß des Reichstages beschlossenen Winterhilfe wartet nun das Reichskabinett mit seinem Gegenvorschlag auf. Es muß schonungslos gesagt werden: War bereits der Beschluß und der Weg, den der Haushalts- ansschuß wies Stückwerk im Sinne der Almosen- sürsorge, aber immerhin ein Vorschlag die größten Härten auszuschalten, so ist die Winterhilfe der Reichsregiermrg geradezu kümmerlich. Ganze 47 Millionen find beschlossen der Not zu steuern, Millionen Unter st ützungsempsänger sollen sich darin teilen; für jeden Kops also rund 7.— RM-, ungerechnet die Angehörigen. Was soll man zu einer solchen „Hilfe* sagen? Verglichen an den Subventionen der Pa- penregierung sür die Banken und Unternehmer, die insgesamt mit 2 Milliarden veranschlagt werden, spottet dies Ausmaß der Winteraktioa geradezu jeder Beschreibung. Das deutsche Volk aber ist bereits so verarmt und entnervt, daß selbst diese Erleichterung als solche empfunden wird. Dabei besteht die Winterhilfe nicht einmal in direkter Unterstützung, sondern geht den Umweg über eine Verbklligungsaktion, die allerdings grundsätzlich bejaht und als richtig anerkannt werden muß. Die Gefahr ist nur. daß die Verwaltungsbürokra
tie ßch hier wiü>erum erschwerend einschaltet, so daß der Grundgedanke, die Hilfe, völlig verblaßt.
Während auf nationalsozialistischen Antrag im Haushaltsausschuß die Mittel und Wege gezeigt wurden, die Naturalien für die Winterhilfe zu schaffen, vermißt dies bei der Regierungsaktion vollkommen. Es bleibt also dabei, daß die Steuer- Vollziehung von dem notleidenden Steuerschuldner
Berlin, 21. Dez. Nachdem der Reichspräsident bereits am Dienstag abend die Amnestievorlage unterzeichnet hat, tritt das Gesetz nach der heute erfolgten Veröffentlichung im Reichsgesetzblatt in Kraft. Tue Schätzungen über die Zahl der amnestierten Personen gehen zum Teil erheblich auseinander, doch dürfte es sich um etwa 10 000 bis 15000 Personen handeln.
Unter die Amnestie fallen viele Straftaten, die in der Oeffentlichkeit seinerzeit großes Interesse erregten. So werden die vor den Sondergerichtea wegen Transportgefährdung anläßlich des Berliner Derkehrsstreik Verurteilten amnestiert. Auch die in vielen Landfriedensbruchsprozessen Verurteilten werden aus den Strafanstalten entlassen werden. Ebenso wird den kürzlich oom Ohlaver Soadergericht verurteilte» Reichsbanaerleuteu die Amnestie zugute kommen. Auch die bisher von Sondergerichteu abgeurteilten politischen Straftaten, soweit es sich nicht um Totschlag aus Politischen Beweggründen handelt, fallen unter die Amnestie. Lediglich die wegen Rädelsführerschaft beim Landsriedensbruch auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten gegen den politischen Terror zu 10 Jahren Zuchthaus Verurteilten müssen ihre Strafen absitzen, die aber in Gefängnisstrafen von 2 Jahren 6 Monaten umgewandelt werden. Außerdem fällen sämtliche politische Be- leidiguugsprozesse unter die Amnestie. Auch Dr. Roofen, der den Anschlag auf den Retchsbankprasi- dente« Dr. Luther verübte, kommt die Amnestie zugute. Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen den preußischen Fimmzmiaister Klepper wird zu einem großen Teile der Cin-
bar Geld verlangt, wie dies der „Gralshütsr" der Währung fordert. Es bleibt dabei, daß die Notleidenden nicht völlig von der dringendsten Sorge befreit werden, die Steuerschuldner ihre Waren nicht losschlagen können. Das Kabinett Schleicher hat mit dieser Wnteraktion jede Fata Morgaua zerschlage«, die ganz Naive sich iwn seine« sozialpolitischen Leistungen vormachten.
stcllung verfallen müssen, weil zweifellos ein Teil der ihm zum Vorwarf gemachten Handlungen aus politischen Gründen verübt sein dürste. Zu erwähnen ist noch, daß der Schriftsteller von Osstetzky, der wegen Landesverrat eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 8 Monaten verbüßt, aus Grund des Vmnestiegefetzes aus der Strafhast entlassen werden wird. Lediglich die vom Sondergersiht Beuchen zur Todesstrafe verurteilten fünf Nationalsozialisten, denen allerdings die Todesstrafe vom Reichskommisfar für Preußen in lebenslängliche Zuchthausstrafen umgewandelt wurden, fallen nicht unter die Amnestie. Bei dem jetzt der KPD. angehörenden früheren Reichswehrleutnant Scheringer wird es zumindest zweifelhaft sein.
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Haussuchungen in Ludwigshase» und Kaiserslautern
Ludwigshafen, 21. Dez. Im Zusammenhang mit der Untersuchung einer Wassen- schiebung wurden gestern in Ludwigshafen und Kaiserslautern in den Geschäftsräumen der dortigen socialdemokratischen Blätter sowie in den Parteisekretariaten, Gewerk- schaftshäuser» und bei zahlreiche« Angehörigen des Reichsbanners umfangreiche Haussuchungen durchgeführt.
Ueber das Ergebnis der Erhebungen wird von amtlicher Stelle im Interesse der weiteren Ermittlungen gegen die sozialdemokratischen Waffenschieber noch Stillschweigen bewahrt.
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Im Jahre 1933 ist die RSDstW zur a»K- schlaggxbehden Bewegung Deutschlands estrpos gerückt. Sie hat «in Recht auf die Führung. Wenn es ihren politischen „Befikrimnn Lern" und „Gönnern" im bürgerlichen Lager ernst ist mit der angeblich erstrebten Verständigung und Versöhnung, dann muffen sie der NSDAP zwar mindesten das znb-tlllgesr, was sie bisher noch jedem SPD-Bonzen zugestanden hatten. Die nationaHvziakistffche BÄoegimg'Iätzt sich nicht schlechter behandeln, als die ReHräsew- tanten des Landesverrats von 1918 behandelt worlde-n sind. Wenn 'man den Namen, die Kraft unid den Glauben braucht, der in dieser Bewegung liegt und von ihr aasströwit, dann fordert sie als Gegenleistung dafür die politische Führung. Und zwar ohne Berll aus citier arzgen, die man den anderen auch nicht auferlegt hat'.
Wenn man mich nnch einigem Mo» «alle« wieder rüst, dann werde ich'genau so konsequent aus dieser Bedingung bestehe». Darüber soll man sich keiner Täuschung hingeben.
Man wird der RSDAP diesen Preis bezahlen, ob man will oder nicht Bevor diüs« selbstverständliche Voraussetzung nicht erfüllt wird, läßt sich die Bewegung nicht dazu verleiten, den Kampfplatz zu verlassen, auf dmn ihre Stärke liegt, und auf dem sie, siegen ioird. Sie denkt nicht daran, für erq Linsengericht ihr Erstgeburtsrecht zu verkaufen, um sich in die Festung der Regierung hineinM- setzen, die früher oder später fallen muß Kabinette, die ihre Wurzeln nicht im Volke haben, werden immer in den Wolken fest neben.
Staatsmänner, die in Monaten denken, haben nochniemals Völker groß gemacht Noch As.emals in meinem Lebsr bin ich so schnell gerechtfertigt worden, wie in meinem Kampf gegen die Regierung von Papen. Schleichers Rundfunkrede hat viele Gedanken enthalten, von überall herbeigeholt, aber nicht einen einzigen Gedanken, wie er im Großen diese Gedanken in die Tat umsetzen will.
Die Partei wird nicht noch weitere Gedanke» ihres Wirtschaftsprogramms der Defsentlichkeit übergeben, sondern in Zukunft diese Programme unter Verschluß halten, damit sie nicht ausgeplündert werden können.
Die NSDAP ist nicht dazu da, um in Regierungen einzutreten, deren Finanzen und deren Grundlagen vollkommen zerrüttet sind, damit man ihr später, wenn sie sich zur Verfügung gestellt hat, den Stuhl vor die Tür setzt. Es ist irrig, zu glaube«, die RSDAP kämpft um die Wilhelmstraße. Nein sie kämpft um das dentsche V olk! Das ist der Schlüssel, der dann auch die Wilhelmstrnße öffnen wird.
Wer sich unterwirft und vor dein Ziel kapituliert, versündigt sich an den großen Opfern der Vergangenheit. Denn wenn diese Bewegung in einem faulen Kompromiß zerrieben und zerfallen würd«, dann würde nicht eine Partei zerbrechen, sondern die letzte große Hoffnung des deutschen Volles, die für Millionen! der Inhalt ihres Lebens geworden sei. Sis würden den verfluchen, der die Hand dazu reicht, daß diese Bewegung zerbricht.
Gerade in den Zeiten der Unterdrückung siud wir wiserstandsfähch geworden, und Prüfungen find immer dazu bestimmt gewesen, uns hart zu wachem Die Bewegung wird sich mit eisernem Herzen rüsten. Wenn ein wenig Treibholz abschwimmt, schließt sich der Kern nur um st» fester zusammen zu einem Bund unerschütterlicher Treue uub Kameradschaft. Die NSDAP kann in leine Regierung hineingehen und später wieder herausgehen^
I^ins Vlsnlsimlilion NSUSI» ^ndsits- lossi» in slnsm ksibsn IVionst
Berlin, 22. Dez. Vom 1. bis 15. Dezember hat sich in Deutschland die Zähl der Arbeitslosen um 250000 auf schätzungsweise 5,0 Aftllionen erhöht. In der gleichen Zeit des vorigen Jahres stieg die Zahl der Arbeitslosen um rund 300060 auf rnnid 5,35 Millionen. Dieses Ergebnis der Papenschen Ankurbelungsaktion ist geradezu katastrophal zu nennen. Der neue Reichskanzler, Herr von Schleicher, wird nun hoffentlich einsehen, daß das Papenprogramm keine geeignete Grundlage für eine durchgreifende Besserung der Wirtschaftslage Deutschlands ist. Man muß bei dem Anwachsen der Er- werbslofenzahl um eine Viertekmillion innerhalb eines halben Monats berücksichtigen, daß der Winter in dieser Zeit noch fehr wenig in Erscheinung getreten ist, daß also das Anwachsen des Arbeitslosenheeres nicht auf jahreszeitliche Gründe zurückgeführt werden kann. Man muß aber weiter berücksich
tigen, daß einige Industrien, so die Schoko- laden-Jndustrie, die Rundfunkgeräte-Industrie, einige Aoeige der Textil-Jndnstrie und die Spielwaren-Jndustrie gerade jetzt vor Weihnachten mit Hockdruck gearbeitet und znm Teil Neneinstellungen vorgenommen haben. Es muß mit Bestimmtheit damit gerechnet werden, daß nach Weihnachten die Beschäftigung in diesen Industrien wieder stark zusammenschrumpft und daß umfangreiche Entlassungen vorgenommen werden müssen. Mit einem weiteren Anwachsen der Zahl der Erwerbslosen muß also gerechnet werden. Der Optimismus, den der Reichskanzler von Schleicher in seinem Rundfunkgerede zum Ausdruck brachte, ist also durch nichts gerechtfertigt. Herr von Schleicher sollte als» an Stelle aller Ankündigungen und untaugliche» Versuche nichts werter tun, als seinem berufenen Nachfolger, Adolf Hitler, den Kanzlerposten zu ü-ergeben.
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