Ausgabe 
(17.12.1932) Nr. 284
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Berlin, 17« Dezember.

(Drahtbericht unserer Berliner Schristltg.)

Die Reichspressestelle der NSDAP. teilt »nit:

Der Führer sprach Heute vor der in Ber­lin versammelten preußischen Landtagsfrak- ition der NSDAP. über die politische Lage Nnd den weiteren Kampf der nationalsozia­listischen Bewegung.

Nach der Begrüßung durch den Fraktions­führer Pg. Kube, der den einmütigen Willen der Preußensraktion kundgab, den Kampf in Preußen im Sinne des Führers Und seines Wollens für die Nation unbeug­sam durchzuführen, nahm Adolf Hitler das Wort zu richtunggebenden Ausführun­gen für das kommende Kampfjahr, Denk Empfinden der gesamten nationalsozialisti­schen Bewegung Ausdruck gebend, stellte sich der Führer einleitend vor den greisen Ge­neral und den Sieger von Brzeziny, den der Reichskanzler, Gmreral von Schleicher, wegen seiner Mahnung an den Reichspräsi­denten i« seiner gestrigen Rundfunkrede anzugreifen für richtig befunden hat. Adolf Hitler versicherte unter stürmischer Zu­stimmung General Litzmann der Liebe und Verehrung der gesamten nationalsozialisti­schen Bewegung, mit der der greise General und Alterspräsident zweier Parlamente in Kameradschaft, Ehre und Treue auf immer verbunden ist.

In seinen weiteren Ausführungen streifte der Führer auch die gestrigen politischen und wirtschaftlichen Auslassungen des Reichskanzlers von Schleicher, die man vom Standpunkt des nationalsozialistischen Wol­lens und Wirkens für das deutsche Volk nur durch die Frage charakterisieren könne: Ist das alles? Schleichers geoffenbarte Ein­sicht, sich für eine hoffentlich nur kurz« Rotzeit als Kanzler und politischer Sach­walter zu sehen, scheine erkennen zu lassen, daß er aus dem Schicksal der Vorgänger seiner Regierung Lehren gezogen habe. Im übrigen sei es traurig, rückblickend heute feststellen zu müssen, mit welcher Leicht­fertigkeit große Teile des deutschen Volkes den trügerischen Hoffnungen des Herrn von Pope« auf den Leim gegangen seien. An dem gestrigen schwachen und lahmen Exposö des Reichskanzlers von Schleicher sei bemer­kenswert, daß jetzt, wo Herr von Schleicher als verantwortlicher Kanzler auf der offenen Bühne stehe, von dem Elan, den er hinter der Bühne entfaltet habe, nicht viel mehr übrig geblieben ist. Die Aera Schleicher werde ebenso, wie die vorhergehenden, eine kurze Episode für die Nation sein. Auch dieser Kanzler glaube, von den Ideen, die der Nationalsozialismus in 13jührigem Rin­gen populär gemacht habe, leben zu können. In Wirklichkeit eigne man sich Begriffe, deren Inhalt man selbst nicht zu verwirk­lichen, sondern nur zu zerstören imstande sei,, lediglich zum Scherne an, um das Gedankengut der NSDAP. durch Mißbrauch zu diskreditieren und seine Verwirklichung dem Volke vorzuenthalten.

Gewisse Hoffnungen bestimmter Kreise auf einen Zwiespalt in der NSDAP. seien bitter enttäuscht worden. Vielleicht hätten die Ereignisse der letzten Tage im Gegenteil gerade das Gute gehabt, der Wilhelmstraße zu zeigen, und den endgültigen Beweis zu erbringen, daß die NSDAP. durch nichts zu erschüttern sei, daß sich bei uns kein Treviranus finde, daß niemand in der

Partei es billiger mache, als ihr Führer und daß man die Bewegung so nehmen müsse, wie sie ist. Die Klärung der letzten Tage habe der Wilhelmstraße wohl endgültig die Erkenntnis gebracht, daß auf dem Wege innerer Zerspaltnng der deutschen Frei­heitsbewegung nicht beizukommen sei.

In das Jahr 1933 werde die StSDAP., die sich in den 12 Wahlkämpfen des ver­

gangenen Jahres wunderbar geschlagen habe, als eine kampferprobte und kampf­kräftige Armee geschlossen hineinmarschie- ren: „Unser Wollen und unser Weg ist klar. Niemals werde»: wir uns von unserem Ziel abbringen lassen. Wir haben die deutsche Jugend, wir haben den größeren Mut, den stärkeren Willen und die größte Zähigkeit. Was kann uns da zum Sieg noch fehlen?!"

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Die irmerpolitische Spannung hat auch trotz des bevorstehenden Weihnachtsfcstes in keiner Weise nachgelassen. Man kann im Gegenteil davon sprechen, daß fieberhaft für die Tage nach Weih­nachten gerüstet wird mrd daß alle bemüht sind, für die mit Sicherheit zu erwartende große Schlacht im Januar ihre Truppen kampfbereit zu machen.

Die Schoufrist, die Herr von Schleicher dadurch bekam, daß er den Burgfrieden verlängerte, hat sich nicht in den: Maße zu seinen Gunsten aus­gewirkt, wie es Papens Nachfolger wohl erhoffte. Das Zögern des Kabinetts, seine lähmeride Un­tätigkeit haben anch jene Kreise skeptisch gestimmt, die zu Beginn der Kanzlerschaft des Herrn von Schleicher das Lob des Generals in den höchsten Tönen sangen.

So, wie Herr von Papen, Franz, der Kanzler ohne Volk war, so hat auch Herr von Schleicher nichts hinter sich, was ihn berechtigen würde, im Namen auch nur eines Teiles des deutschen Vol­kes zu sprechen. Die Voraussetzungen für eine grundsätzliche Umstellung der deutschen Politik hat Herr von Schleicher nicht geschaffen. Auch er stützt sich, wie Herr von Papen, auf dieselben Kreise, die aus ihrer ganzen Tradition heraus we­der den Willen, noch die Möglichkeit haben, sich den Gegebenheiten der Stunde anzupassen.

Man weiß wohl in der Wilhelmstraße, daß die augenblickliche Ruhe in Deutschland nur von kur­zer Dauer sein wird.

Am 2. Januar 1933 läuft jene sich Burgfrieden nennende Mundtotmachung des Volkes ab. Der

Kampf um den Einfluß aus die Gestaltung der deutschen Dinge wird dann erneut in ein ent­scheidendes Stadium treten.

Die nationalsozialistische Bewegung wird in zielklarer Fortsetzung ihrer Politik in diesem Kampfe ihren Mann zu stellen wissen.

Die Millionen draußen im Lande, denen Adolf Hitler wieder ein Ziel steckte, denen er den Glauben an Deutschland und eine Zukunft wieder­gab, stehen bereit, um dem Ruf des Führers zum erneuten Angriff zu folgen.

Oberflächliche Fassadenänderungen können uns nicht darüber hinwegtäuschen, daß das jetzt am Ruder befindliche System den vergangenen Sy­stemen wie ein Ei dem anderen gleicht. Dem System der volkssremden Machtansprüche hat der Kamps des Nationalsozialismus für Deutschland seit 13 Jahren gegolten. Jahre um Jahre haben wir gekämpst und geblutet, gelitten und gedarbt, um unserem Volke und unserer Heimat die Frei­heit zu erkämpsen. Richt gebrochen sind mir aus diesen Kämpfen hervorgegangen, sondern gestählt und gehärtet, sanatisiert und opferbereiter denn je.

Der glühende Idealismus, der junge deutsche Menschen sich freudig für den Nationalsozialismus Adolf Hitlers opfern ließ, der felsenfeste Glaube, in deni unsere Besten und Treuesten starben, be­seelt auch heute die Millionen Nationalsozialisten. Glühende Liebe zum Volk und zur Heimat, ab­solute Treue zum Führer sind die selbstverständ­lichen Voraussetzungen für den Kampf, den wir im Jahre 1933 neu beginnen.

Usks^sli pols Umwisbs

t.srisnplünüsi'ungsn in Vüssvirlopl

reiche Funktionäre der KPD wurden in Haft genommen. Diese Maßnahme war nach Mit­teilungen des Kölner Polizeipräsidiums nötig, um verbotenen kommunistischen Kundgebungen vorzubeugen, die nach dem in der Funktionär- versammlung vorgefundenen Material im ge­samten Stadtgebiet erfolgen sollten.

Düsseldorf, 16. Dez. Nachdem bereits am Mitt­woch abend im Stadtteil Derendors ein Ueber- fall auf ein Lebensmittelgeschäft ausgeführt wor­den war, kam es am Donnerstag wiederum, dies­mal im Zentrum der Stadt, zu zwei Neberfällen. Die Täter, die zum Teil mit Revolvern bewaff­net waren, raubten erhebliche Lebensmittelmen­gen. Bei einem Ueberfall wurde ein Straßen- passant, der den Eindringlingen die Tür ver­sperren wollte, durch einen Schuß leicht verletzt. Allem Anschein nach handelt es sich um systema­tisch durchgeführte Uebersälle.

KornmunisLsn-

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Köln, 17. Dez. (Eigene Meldung.) Wie die Polizei-Pressestelle mitteilt, wurde Don­nerstag abend in Köln-Teutz eine FuuMonär- Versammlung der KPD aufgehoben. 36 süh-

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(Drahtbericht unserer Berliner Schristlcitung.)

Berlin, 17. Dez. Die zersetzende Tätig­keit der Moskowiter hat schon mehrfach dazu geführt, daß Kirchen und kirchliche Gebärwe von roten Banditen beschädigt oder besudelt wurden. Besonders gemein verunstalteten Kom­munisten die Christus-Kirche in der Bieffen- bachstraße in Berlin, die sie mit riesigen, mit roter Farbe aufgetragenen Aufforderungen, aus der Kirche ouszütreten und sich dem Noten Frontkämpfer-Bund anzuschließen, beschmierten.

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tu. Washington, 16. Dez. Italien, Eng­land, Lettland, Litauen, Finnland und die Tschechoslowakei haben die am 15. De­zember fällige Kriegsschuldenrate bzw« die Zinsen an das Schatzamt der Ver» rinigten Staaten stahlt. Frankreich, Polen» Belgien, Estland und Ungar« ha­ben die Dezemberrate nicht bezahlt.

Eine Summe von 19,3 Millionen Dolla» ist für die französische Kammer jedenfalls der äußere Anstoß gewesen, mit einer Drei- Viertel-Mehrheit, die sich aus allen Parteien rekrutierte, das Kabinett Herriot zu stür­zen und der gestürzten Regierung gleich darauf begeisterte Ovationen darzubringen. Wie ein Löwe hatte Herriot in 14stüni>iger! Kammerdebaüe gekämpst und den Versuch unternommen, noch in letzter Minute für seinen Standpunkt Gefolgschaft zu finden- Als das Argument von der Heiligkeit der Verträge nicht mehr wirkte, als der Hinweis auf die möglichen Rückwirkungen einer Zah­lungsverweigerung keinen Eindruck auf die Kammer mehr machte, da mußte auch Her- riots letzter Trumph, die englisch-franzö­sische Einheitsfront versage»». Frankreich kann zahlen, 12 Milliarden Goldfranken liegen in barem Metall in den Gewölben der Bank von Frankreich, Frankreich ist das Land, das von dem tödlichen Hauch der Krise noch am wenigsten gestreift ist, Frank­reich hat bereits eine sehr bevorzugte Be­handlung beim Abschluß seines Schulden- vertrages mit Amerika erfahren, aber Frankreich will nicht zahlen. „Unverletz­barkeit der Verträge", „Rechtssicherheit", alles nur Worte, die nichts mehr bedeuten, denn das französische Volk der Sparer undf Kleinrentner will es nicht mehr verstehen, daß es noch 14 Jahre nach einem „gewon­nenen" Kriege, Zahlungen für Kriegsschul­den zu leisten hat, während es von dem Be­siegten" keine Tribute mehr eintreiben kann. Frankreich löst das Problem auf ein« Art, die man sich in Deutschland für all« Fälle durchaus einmal merken könnte. Ob­gleich Monsieur Herriot am Ende doch dcül Triumph genießen wird, richtiger gedacht zu haben als eine Mehrheit von 402 deputes. Denn die Vereinigten Staaten sitzen schließ­lich am längeren Hebelende und werden von dieser Möglichkeit auch Gebrauch machen, handelt es sich für sie doch um eine Summe von ungefähr 23 Milliarden Mark, die sich im einzelnen folgendermaßen verteilen: Großbritannien (1923) . 4600 Milt. Dollar Frankreich (1926) . . . 4025 Will. Dollar Italien (1925) .... 2042 Mill. Dollar Belgien (1925) .... 417 Mill. Dollar

Eine Sprengung der englisch-französische» Front durch Bevorzugung Englands in der Schnldenfrage und ein Wirtschaftskamps mit Frankreich, der viel zu einer erneuten dro­henden Isolierung, wie sie Herriot mit gro­ßem Geschick verhindert hat, beitrage» könnte, sind so die Haupttrümpfe Amerikas. Und Skrupel, gegebene Möglichkeiten aus irgendwelchen Gefühlen heraus, nicht aus­zunutzen, hat man in gvds own conntrA bis jetzt noch niemals gehabt.

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Die Unterschrift des Rcichsaußenministerä von Neurath unter der gemeinsamen Schluß­erklärung der fünf Mächte in Genf hat in der deutschen Presse ein Echo hervorge­rufen, das von einem „Sieg der Vernunft", von „Schleichers großem Erfolg" über die „Revision des Versailler Vertrages" z» einem „sauten Kompromiß" und „diene deutsche Niederlage" ^abklang. Also, wie immer, sehr abwechslungsreich. Gewiß ist das tiefe Mißtrauen, das heute ein Groß­teil in Deutschland — Gottseidank — allem, was aus Besprechungen in Genf oder ande-