Ausgabe 
(13.12.1932) Nr. 280
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Berlin ,12. Dez. DerAngriff" ver­öffentlicht folgende Erklärung Dr. Goebbels:

Im Kommentar desAngriffs" von» st. Dezember, 1. Ausgabe, zu dem Urlaub des Pg. Straß«, waren einige taktlose Bemerkungen enthalten» die nicht meine Billigung fanden. Da ich ant ganzen Tag vom frühen Morgen im Reichstag beschäf­tigt war, habe ich sie erst zu Gesicht be­kommen, als sie leider schon gedruckt waren innd sofort veranlaßt, daß sie in der zweiten Ausgabe wegblieben. Dem dafür verant­wortlichen Schriftleiter habe ich eine scharfe Büge erteilt.

l Die in der gegnerischen Presse daran geknüpften politischen Kommentare gehe« Pamit, vor allem, soweit sie meine Person Betreffen, von falschen Voraussetzungen pus und sind in jeder Beziehung irrig. jFch betone, wie so off schon, nun noch ein­mal zu allem Uebrrsluß, daß ich in der Partei keine besondere Richtung vertrete. Es gibt bei uns überhaupt nur eine Rich­tung und das ist die, die der Führer be­stimmt."

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Ein Stahlhelm-Landesführer für die nationale Opposition«

Karlsruhe, 13. Dez. (Eigene Meldung.)

Der bekannte Stahlhelm-Landesführer für Baden-Württemberg von Neusville hielt ge­stern in Karlsruhe in einer Stahlhelmvevsamm- lnng eine Ansprache, in der er »ach einem Be­richt über eine Buudesdvrstandssttzmng in Ber­lin u. a. folgendes ausführte:

Ich bin von Berlin mit der Empfin­dung zurückgekehrt, daß es um die aller­letzte Entscheidung geht. Es Ist manches ge­schehen, was vaterlandsliebende Männer mit Sorge erfüllen muß. Trotz allem Vor­gefallenen wollen wir aber nicht vergessen, was Hitler für Deutschland getan hat. Wir wollen doch deshalb über Störendes hin- wegfehen, weil wir wisse«, daß die Zwie­tracht im nationalen Lager das Werk ge­schickter internationaler demokratischer Kräfte ist. In der nationalsozialistischen Bewegung gibt es diele prächtige Men­schen, und von ihnen wollen wir uns nicht trennen lassen."

Diese offenen Worte des bekannten Stahl- helm-Landesführers stehen in einem immerhin recht beachtlichen Gegensatz zu den Aeußerun­gen, die wir in der letzten Zeit von gewissen Instanzen der Stahlhelm-Bundesführung zu hören gewohnt waren. Wir haben immer wie­der betont, daß wir den politischen Soldaten im grauen Kleid als unseren Kameraden ange­sehen haben und nur die Eigenbrödelei auch- nationalerFührer" hat einen Gegensatz zwi­schen ihnen und uns zu konstruieren versucht. Die>e des Stahlhelm-Landesführers beweist uns, daß es jetzt auch in den Kreisen der Füh­rerschaft des Stahlhelms zu dämmern beginnt.

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Schwerin, 12. Dezember. Zwischen Rehna und Köchelsdorf wurde am Montag morgen ein SA-­Mann tot aufgefunden. Die Leiche, die aus der Chaussee lag, wies schwere Schußverletzungen an der Schläfe auf. Ob es sich um ein Berbrechen handelt, konnte noch nicht festgestellt werden.

Wie unwidersprochen berichtet wird, stößt die Tätigkeit des von Hindenburg direkt berufenen Arbeitsbeschaffungskommissars Dr. Gereke im Kabinett trotz der weit­gehenden Unterstützung des Kanzlers auf ernsthaften Widerstand. Der Landwirt­schaftsminister weigert sich, dem Kommissar die Abteilungen Osthilfe und Siedlung seines Ministeriums zu übertragen, der Finanzminister geht sogar soweit, ihm jede finanzielle Unterstützung zu verweigern vom Standpunkte der Reichsfinanzen mit Recht, beide Minister weigern sich, dem Reichskommissar entsprechende Amtsräume znr Verfügung zu stellen. Es fehlte nur noch, daß Gereke zu ehrenamtlicher Tätig­keit gezwungen würde. Vorläufig hat er sich daher in Privaträumen niederlassen müssen; ein Pappschild kündigt an, hier sei das Reichskommissariat für Arbeitsbeschaf­fung. Danach müssen in diesem autori­tären Kabinett recht liebliche Zustände herrschen.

An die sachliche Durchführung der Ar- beitsbeschaffungspläne Gerekcs ist über­haupt nicht zu denken. Diese wenig er­freuliche Tatsache ist wiederum ein Beweis dafür, baß man sich hüten soll, Kompro­misse mit grundsätzlichen Gegnern neuer Wege zu schließen und dazu gute, entlehnte Gedanken zu verwässern. Herr Dr. Gereke hat all dies vorher gewußt; wenn er trotz­dem in das kandmische Joch der Luther und Warmboldt, zu denen nun auch Braun und Finanzminister Schwerin-Krosigk tre­ten, gestiegen ist, hat er sich über die Fol­gen nicht zu wundern.

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Erste Widerstände gegen die Maßnahmen der Rcichsregierung.

München, 13. Dez. (Eig. Meldung.) Wie verlautet, soll die Absicht bestehen, dem neuen Reichskommissariat für Arbeitsbe­schaffung neben den Aufgaben, die sich Dr. Gereke gestellt hat, auch die Fortführung bereits laufender Aktionen zu übertragen. Die »Mayerifche Staatszeitung" schreibt hierzu u. a. folgendes:

Bei aller Anerkennung und Notwendig- keÜ einer zielbewußten und kraftvollen Durchführung der Arbeitsbeschaffung könn­ten wir uns von einer Umvrganisation der schon im Laufe befindlichen Aktion kaum eine Förderung derselben versprechen. Un­seres Erachtens bestünde kein Anlaß, Akti­onen, die im besten Gange sind, wie z. B. die Errichtung vorstädtischer Kleinsiedlungen durch Erwerbslose oder die Förderung der Instandsetzung von Altwohnuugen und die Teilung von Großwohnungen neuerdings wieder umzuorganisieren, um so mehr, als sich bei der Durchführung dieser Aktion

(Drahtbericht u. Beil. Schristl.)

Berlin, 13. Dezember. Am Abend des Silbernen Sonntages kam es an verschiedenen Stellen der Reichshauptstadt zu bedrohlichen kommunistischen Ausschreitungen. Die Polizei, die dieses Mal an­scheinend mit größeren kommunistischen Aktiouen gerechnet hatte, hatte stärkere Polizeiformationen

ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten zwischen Reich und Ländern herausgebildet hqbe. Es wäre außerordentlich bedauer­lich, wenn hier wieder Hemmungen ein­treten würden."

Das wäre also zunächst die erste An­meldung von Widerständen gegen die ge­planten Maßnahmen der Neichsregierung. Daß sie aus dem Süden des Reiches stammt, dürfte immerhin von Interesse sein. Wie man auch' immer zu dem Ar­beitsbeschaffungsplan des neuen Reichs­kommissars stehen mag; Eine Durchfüh­rung seines Programms wird ihm in diesem Kabinett, in dem sich landwirtschaftliche und schwerindustrielle Gegensätze diamentral gegenüberstehen, nicht gelingen tonnen. Eine Diskussion über das jetzt vorliegende Ar- beitsbeschaffuugsprogramm erübrigt sich so­lange, als die Diskussion über die Wider­stände, die die einheitliche Inangriffnahme dieses Arbeitsbeschaffungsprogrammes zur­zeit und sehr wahrscheinlich auch in Zu­kunft unmöglich machen werden, nicht abge­schlossen.

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Euskirchen, 12. Dez. Auf einer großen Versammlung rheinischer Bauern hielt am Sonntag der Vorsitzende der Rheinischen Landwirtschaftskammer Freiherr von- ninck eine Rede, die die Forderungen der Landwirtschaft und ihre Stellung zur amt­lichen Agrarpolitik klarlegte. Der Redner erklärte u. a., die Wirtschaftspolitik des Kabinetts scheine noch stark zu den alten Ausfuhrillusionen zurückgehen zu wollen. Das Versprechen baldiger umfassender Kon­tingentierung des Freiherr» von Braun in München sei nicht eingelöst worden. Ge­rade deshalb sei es zu bedauern, wenn der Präsident des Reichslandbundes, Graf Kalckreuth, in diesen Tagen erklärt habe, er habe das Vertrauen zu Freiherr» von Braun, daß er in diesen Verhandlungen von seinem Standpunkt nicht weiter abge­wichen sei als er verantworten könne.Ich darf hier ausdrücklich und verantwortlich erklären", so sagte Freiherr von Lüniuck mit Nachdruck,daß das rheinische Bauern- tum zu Freiherr« von Braun, nachdem er in entscheidenden Punkten von unseren For­derungen abgewichen ist, das notwendige Vertrauen nicht mehr haben kann." Wer könne die Gewähr dafür geben, daß im Frühjahr entscheidende Wendungen zur innenwirtschastlichen Orientierung erreicht würden, die bisher und jtztzt abgelehnt werden. Auch im Frühjahr würden keines­wegs alle wichtigen Fragen bäuerlicher Wirtschaft handelspolitisch gelöst.

in den besonders unruhigen Gegenden kon­zentriert. Zu größeren Ausschreitungen kam es etwa gegen 17 Uhr in der Putbuserstraße und auf dem Belle-Alliance-Platz. Die Kommunisten hatten sich unter die Schaulustigen des Weih­nachtsmarktes gemischt und als plötzlich vom Untergrund-ahnhof her ein Hornsignal ertönte,

stürzten sich mehrere hundert Kommunisten aus die Weihnachtszelte. Bevor es aber noch zu einer Plünderung der Weihnachtsauslagen kam, gelang es der Polizei, unter Einsatz einer berittenen Hundertschaft den Platz abzuriegeln und die Rä­delsführer zu fassen. An einer anderen Stelle der Stadt wurde das gleiche Manöver ebenfalls von größeren Trupps kommunistischen Gesindels wie­derholt. Auch hier versuchte man, die Weihnachts­zelte kleiner Händler zu plündern. Der Polizei gelang es in diesem Falle, eine Anzahl Kommu­nisten mit geraubten Waren zu stellen. Die Po­lizei mußte mehrmals in der Notwehr von der Schußwaffe Gebrauch machen. Ernstlich verletzt wurde niemand, da nur Schreckschüsse abgegeben wurden.

Es ist mehr als bezeichnend, daß das Ziel kom­munistischer Plünderungen gestern nicht etwa ir­gend ein großer Warenhauskomplex war, sondern daß sich das Gesinde! ausschließlich a« den Ver- kaussständen kleiner Kaufleute vergriff, die selbst kaum das Notwendigste zum Leben haben unk deren Existenz vielleicht schon durch diesen ein­zigen kommunistischen Tumult vernichtet wurde. In den letzten Tagen haben sich mehrfach Fälle gehäuft, in denen es oft zu Ladenplünderungen kam. Die Vorfälle der beiden letzten Tage haben gezeigt, daß es sich jetzt schon um wesentlich mehr als um eine bloße Zermürbungstaktik der KPD. handelt. Wenn die Polizei des Herrn Welcher dem kommunistischen Gesinde! gegenüber weiter die bisher geübte Nachsicht entgegenbringt, so kann es ja noch einen Spaß geben.

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Magdeburg, 12. Dezember. Am Montag nach­mittag ereigneten sich hier Erwerbslosen-Aus» schreitungen gegen die Polizei. Die unter Führung der Kommunisten stehenden Erwerbslosen schick­ten eine Abordnung in das Rathaus zum Ober­bürgermeister, um mit ihm über die Winterhilfe zu verhandeln. Während sich die Abordnung im Rathaus befand, versammelten sich auf dem Alten Markt eine große Menschenmenge, die in Schmäh- rufe gegen die Polizei ausbrach. Als Rufe wie Bluthunde!" usw. laut wurden, schritt die Po­lizei ein. In dem Handgemenge wurde ein Be­amter zu Boden geschlagen. Der Marktplatz wurde schließlich von der Polizei geräumt. Vier Per­sonen wurden festgenommen.

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TU. Berlin, 12. Dez. Wie die Telczra- Phen-Union erfährt, wird die Neichsregierung voraussichtlich noch vor Weihnachten zwei Not­verordnungen erlassen, und zwar die eine zur Ergänzung des Sozialprogramms, nachdem die sozialpolitische Eri<äcbti,gußg an die Reichs- regierung vorn Reichstag abgelehnt worden ist. Zweitens werde voraussichtlich die Terrornot- derordnung sowie die Notverordnung gegen Aus­schreitungen in der Presse aufgehoben werden.

Reichsau ßen minist er Freiherr von Neurath ist Montag um 15.51 Uhr mit dem fahrplanmäßigen Zuge von Gens kom­mend, in Berlin eingetroffen.

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Berlin, 12. Dez. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages, Ab­geordneter Dr. Frick, hat den Ausschuß für Freitag, den 16. ds. Mts., zusainmenberusen. Auf der Tagesordnung der Sitzung steht ein Bericht des ReichLaußenministers Freiherr von Neurath über die außenpolitische Lag«.

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