»In. 27?
UsiHNASNL 1S32
?N»II»S, «ß«n s. osrsmv«?
LinrsIpi'Sl» HS NlA,
Verlag, Redaktion und Geschäftsstelle: Papenstraße 15. Sprech- IN - Q ^ ^Anzeigen: hiesige die 10 gespaltenemm-Zekle0.10, auswärts
stunde der Redaktion: Montag bis Freitag von 18 bis 19 Ahr. III I i l l t i ? 1 ^LF0.12; im Textteil 0.50, auswärts 0.70; Stellengesuche
^ ----- - Nein-Anr-,a-n
Fernsprecher: Domsheide 25878. -- —».
K ^ Bremer Nationalsozialisten
K! 0.06; sonstige kleine Anzeigen 0.08. Platzvorschrist ohn« Verbindlichkeit. Bei Betriebsstörung, Streik» Verbot usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahlung des Bezugspreises.
Onsgon Tlnsüsn snirnankt
Li*ko 8 ungsui*Iaud vs^ssssksn
Parteiamtlich wird bekanntgegeben, daß Gregor Straßer die kommende Vertagung des Reichstags und die Weihnachtszeit dazu benutzt, um einen dreiwöchentlichen Krankheitsurlaub zu nehmon.
Diese Nachricht kommt für uns nicht überraschend, denn schon bei seinem letzten Hiersein in Bremen wurde Gregor Straßer von Parteifreunden gebeten, sich wegen eines akuten Leidens größere Schonung aufzuerlegen. Er erklärte uns aber damals fast wörtlich, daß er jetzt keine Zeit habe, an sich zu denken, daß er aber, sobald eine politische Pause eintreten würde, auch einmal an seine Gesundheit denken würde.
Soweit wäre also alles selbstverständlich und klar und wir freuen uns, daß unser Orgauisations- leiter Gregor Straßer in den kommenden Wochen Gelegenheit haben wird, sich von den ungeheuren Strapazen des Politischen Kampfes der letzten Monate zu erholen. Mit einiger Verblüffung finden wir aber, daß die gegnerische Presse genau Wie in der wilhelminischen Zeit den kleinsten Vorgang innerhalb der Partei mit spaltenlangen Hofberichten kommentiert und dabei aus Mangel an Stoff zu Phantasien kommt, die einem Edgar Wällace alle Ehre machen würden.
Auch die Schünemannpresse wittert hinter dem Erholungsurlaub Straßers Rücktrittsabsichten, Konflikte und Auseinandersetzungen, ohne daß sie dabei in der Lage ist, eine einzig konkrete Tatsache zu melden. Obwohl Straßer immer wieder und bei jeder Gelegenheit betont hat, daß er restlos hinter dem Führer steht und nie auf den Gedanken kommen könnte, seine eigene Lebensarbeit zu zerschlagen, behauptet die Schünemannpresse, Gregor Straßer sei mit der jetzigen politischen Haltung der Partei nicht einverstanden, wolle seine gesamten Aemter niederlegen, sein Reichstagsmandat zur Verfügung stellen und sich als Parteigenosse ins Privatleben zurückziehen.
Wie wenig kennen diese Presseleute die Kampfnatur Gregor Straßers! Selbst wenn Straßer mit dieser oder jener taktischen Entscheidung des Führers nicht einverstanden sein sollte, würde er darum seinen alle mitreißenden Kampf für die deutsche Freiheitsbewegung abbrechen und sich schwollend in die Ecke stellen? Alle die Straßer kennen, wissen, daß das eine glatte Unmöglichkeit ist. So können wir unseren Ausführungen nur noch die Mitteilung hinzufügen, daß unsere Reichs- prossestelle mit aller Deutlichkeit bereits erklärt hat, daß alle an Straßers Urlaub ge
knüpften Gerüchte und Kombinationen unzutreffend find und jeglicher Unterlagen entbehren.
Unsere politische Linie auch gegenüber dem Kabinett Schleicher ist absolut klar. Gerade Gregor Straßer hat in seiner Bremer Rede mit aller Deutlichkeit die weltanschaulichen Grundsätze aufgezeigt, die erfüllt sein müssen, um eine Beteiligung der NSDAP in der Reichsregierung zu ermöglichen. Weil diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, stehen wir zu dem Kabinett Schleicher in der gleichen Opposition wie zu dem Kabinett Papen. Um das für uns wichtige Gesetz wegen der Stellvertretung des Reichspräsidenten durchzubekom-
men und eine Amnestie für mrsere in den Kerkermauern des Systems schmachtenden Parteigenossen zu erreichen, haben wir einen entscheidenden Vorstoß gegen das Kabinett Schleicher im Reichstag noch nicht unternommen. Wir werden den Angriff zu einer Zeit durchführen, die uns günstig und geeignet erscheint.
Der Führer hatte recht, als er voraussagte, daß der letzte Kampfabschnitt der schwerste sein würde. Mit allen Mitteln versucht man, das Vertrauen zu unserem Führer zu erschüttern. Wir aber lassen uns nicht beirren und gehen den Weg, auf dem uns unsere Führer Ädolf Hitler und Gregor Straßer vorangehen.
—art.
WsnSoi'LlSpn rlls unssns
k^smsnsrlsn In ilsn QskSngnIsssn
Ssi'siungSn im KsekEZsussekuS
Berlin, 8. Dezember. In der Sitzung des Rechtsansschusses des Reichstages begründete zunächst der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Kupp den Amnestieantrag seiner Fraktion. Dieser verlangt Straferlaß für alle Taten, die aus politischen Gründen oder aus Anlaß von Wirtschaftskämpfen oder infolge von Wirtschastsnot begangen worden sind. Ausgeschlossen sollen Verurteilungen wegen Landesverrats und wegen Verrats militärischer Geheimnisse sein, da jeder Landesverräter, ob nun eigennützig oder uneigennützig handele, ein Lump sei. Der soziaidemokratische Antrag sei, wie der Redner erklärte, besonders deshalb kaum annehmbar, weil er .Sprengstoffvergehen ausnehme.
Für die Sozialdemokraten erklärte Abgeordneter Dr. Marum, Verbrechen gegen das Leben und Sprengstoffverbrechen müßten ausgeschlossen bleiben, ebenso auch Verrat militärischer Geheimnisse und Landesverrat, sofern diese beiden Vergehen aus Eigennutz begangen worden seien.
Der deutschnationale Abgeordnete Dr. Hanemann wies darauf hin, daß nach Auffassung seiner Freunde die Verhältnisse keinen begründeten Anlaß für eine so weitgehende Amnestie böten.
Kslns lolsi'isi'ung elss Ksdlnsils
Seklsloksn
Ppsktisoks HpdsiS kün üs» VolK
Dr. Otto Dietrich
Berlin, 8. Dezember
Die ZtSDAP hat erklärt, daß sie das Kabinett von Schleicher nicht toleriere. Diese Feststellung, die wir heute wiederholen, kennzeichnet das marxistische Geschwätz von einer Tolerierung des Kabinetts Schleicher durch die NSDAP als unwahre und dumme Phrase. Den marxistischen Agita- tions-Antrag, das Mißtrauensvotum gegen die Regierung zur Abstimmung z« bringen, noch bevor der Reichstag überhaupt in seine Arbeit eingetreten ist, hat die nationalsozialistische Neichstagsfraktion nicht unterstützt, um die Sabotage der dem Reichstag vorgelegten Gesetzentwürfe über die Amnestie, über die Stellvertretung des Reichspräsidenten und über die Aufhebung der antisozialen Bestimmungen der Notverordnungen zu ver
hindern. Die Absicht der KPD und SPD, die Annahme dieser von weitesten Kreisen des Volkes gewünschten Gesetze durch Ägita- tionsmanöver zu hintertreiben und sich um eine Abstimmung über diese Gesetzentwürfe herumzudrücken, ist der NSDAP bekannt. Die nationalsozialistische Reichstagssraltion wird es aber den marxistischen Heuchlern nicht gestatten, sich aus der Schlinge zu ziehen, um dem Volke Sand in die Augen zu streuen, sondern wird der Volksvertretung Liese eminent praktische und notwendige Arbeit ermöglichen..
Dieses allein vom Interesse des Volkswohles diktierte klare Verhalten der nationalsozialistische» Reichstagsfraktion hat mit einer Tolerierung des Kabinetts von Schleicher nicht das mindeste zu tun.
Der Zentrumsabgeordnete Dr. Wegmann erklärte die Bereitschaft seiner Freunde zur Prüfung gemäßigter Vorschläge.
Reichsjustizminister Dr. Gärtner betonte, von entscheidender Bedeutung sei die Frage, ob bei den zu amnestierenden Straftaten ein völliger Straferlaß oder bei höheren Strafen nur eine Strafmilderung Platz greifen soll. Der Minister stellte den im Ministerium auf Grund der vorliegenden Anträge und der bisherigen Erfahrungen in rohen Umrissen ausgestellten Entwurf zur Einsicht bereit, die, wie er erklärte, vielleicht die einzelnen Wünsche in Einklang bringen könne. Zur Prüfung dieser Skizze wurde die Sitzung auf die späten Abendstunden vertagt.
Der Amnestievorschlag, den der Reichsjustizminister vorlegte, sieht folgende Einzelbestimmungen vor: Es werden amnestiert Straftaten aus politischen Beweggründen
und Straftaten, die lm Zusammenhang Mit Wirtschaftskämpfen begangen worden sind. Strafen unter einem Jahr werden erlassen; längere Strafen auf die Hälfte herabgesetzt, mindestens jedoch um ein Jahr ermäßigt. Dabei tritt an die Stelle von Zuchthaus Gefängnis. Lebenslängliche Strafen werden in 7l/z Jahre Gefängnis umgewandelt. Ausgeschlossen sollen sein Verbrechen gegen das Leben, Verbrechen gegen den Paragraphen 1 der Antiterror-Notverordnung vom 9. August des Jahres, Körperverletzungen oder gemeingefährliche Verbrechen mit Todeserfolg, Hochverrat, Landesverrat und Verbrechen gegen das Sprengstoffgesetz.
In den während der Sitzungspause abgehaltenen Beratungen der Wortführer der Fraktionen erhielt der Amnestie-Entwurf des Reichsjustizministeriums eine Fassung, wonach Strafen für Delikte aus politischen Beweggründen oder anläßlich von Wirtschaftskämpfen bis zu fünf Jahren erlassen werden sollen. Längere Strafen werden um fünf Jahre herabgesetzt, der Rest halbiert und au die Stelle von Zuchthaus tritt Gefängnis«
Der sozialdemokratische Berichterstatter des Ausschusses übernahm diese abgeänderte Skizze als seinen eigenen Antrag.
Von nationalsozialistischer Seite wurde erklärt, daß man sich die Entscheidung noch! vorbehalte, die Annahme indessen erwöge, und zwar im Hinblick auf den großen Umfang der Amnestie, durch die eine große Anzahl von Volksgenossen, die aus politischen Beweggründen oder aus sozialer Not gehandelt hätten, aus dem Elend befreit würden. Die Amnestie erscheine den Nationalsozialisten in erster Linie als soziale Frage. Aus ihrer grundsätzlichen Einstellung folge die grundsätzliche Ablehnung der Amnestie von Hoch- und Landesverrat, und zwar auch, soweit dieser nicht aus Eigennutz begangen sei. Nur die soziale Not lasse die Nationalsozialisten die Annahme erwägen.
Mit 16 Stimmen der Nationalsozialisten, der Deutschnationalen, des Zentrums, der Bayrischen Volkspartei und des Christlich- Sozialen Volksdienstes gegen 11 Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten beschloß der Ausschuß, die Abstimmung auf Freitag vormittag zu vertagen.
Osulseks KMMSpt in 6sn§
kssunslk vsi*isngt Kisnksit
Genf, 8. Dez. In d?r vom Vorsitzenden Sir John Simon einberufenen Fünf-Mächte- Besprechnng zur Entgegennahme der deutschen Antwort auf die Gleichberechtigungsformel Herriots hat der deutsche Außenminister die Erklärung abgegeben, daß er zunächst eine befriedigende Aufklärung über folgende zwei Punkte haben müßte:
1. Soll die Gleichberechtigung in dem kommenden Abrüstungsabkommen in jedem Punkte praktische Anwendung finden und soll sie infolgedessen den Ausgangspunkt für die künftigen Verhandlungen der Abrüstungskonferenz hinsichtlich der entwaffneten Staaten bilden?
2. Schließt die Formulierung in der französischen Formel „das System, das Sicherheit für alle Nationen schaffen
. würde" auch dasjenige Element der Sicherheit in sich, das in einer allgemeinen Abrüstung liegt, wie Lies auf einer früheren Vollversammlung des Völkerbundes anerkannt worden ist?
Diese beiden deutschen Fragen warm schriftlich formuliert und sind vom deutschen Aukenminiiter in enaliicker Svracke den
Mächten verlesen worden. Ueber die deutschen Fragen fand keine Aussprache statt. Die Vertreter der vier Großmächte erklärten, jetzt eingehend die beiden deutschen Fragen prüfen zu müssen und kündigten ihre Stellungnahme voraussichtlich für die Freitag-Sitzung der fünf Mächte an.
Der deutsche Außenminister gab sodann mündlich Aufklärung zu den beiden formulierten deutschen Fragen. Zu der ersten Frage wies Neurath darauf hin, daß es von großer Bedeutung sei für ihn, klar zu wissen, daß die Abrüstungskonvention praktische Auswirkungen des Gleichberech- tigungsgrundsatzes in allen Abrüstungssra- gen gebe. Deshalb sei es notwendig, daß in der Erörterung über diese Frage die Gleichberechtigung von vornherein zum Ausgangspunkt genommen werde.
Zu der zweiten Frage wies der deutsche Außenminister darauf hin, daß sie nicht mißverstanden werden könnte. Er nehm« an, daß das in der Herriot-Erklärung erwähnte Sicherheitssystem auch d'Wmige Sicherheit umfasse, die durch ein MU"- meine Abrüstung herbeigeführt W:-»-», iv-