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Warmbold und Braun bleiben
Berlin, 4. Dezember. I« Ergänzung der Meldung über die Zusammensetzung der neuen Reichsregierung wird amtlich mitgeteilt: Der Reichspräsident hat aus Borschlag des Reichskanzlers die Reichsminister Dr. Warmbold und Freiherr von Braun in ihren Aemtern als Reichswirtschastsmini- ster bzw. Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft bestätigt.
»
Das Kabinett von «Schleicher ist nun also doch Sonnabend ernannt worden. Eine Verzögerung wegen der Besetzung der wirtschaftlichen Ministerien stellte sich als nicht Notwendig herauf, da Warmbold und Braun sich geeinigt hatten und die Suche nach Hinein neuen Mann deshalb nicht zu beginnen brauchte.
Dadurch, daß sowohl Herr Warmbold, wie Herr Braun im Kabinett verbleiben, wird
die Tatsache daß sich in Wirklichkeit nichts geändert hat
besonders kraß unterstrichen. Das, was sich am Dienstag dem Reichstag vorstellen wird,, ist dasselbe Kabinett, das sich im alten Reichstag eine so furchtbare Abfuhr holte, nur mit dem einzigen Unterschied, daß man die roten Streifen des Generals stärker hervorkehrt, als es im Kabinett Papen der Fall war.
Die Sorge weitester Bolkskreise über die Politik, die dieses Kabinett einschlagen wird, ist nur zu berechtigt. Die Erregung, besonders in landwirtschaftlichen Kreisen ist sehr sehr stark. Herr von Braun hat schon unter der Kanzlerschaft des Herrn von Papen wenig Energie und Mut gezeigt. Wenn Herr Warmbold und Herr Braun beide im Kabinett bleiben, so ist daraus nur der Schluß zu ziehen, daß Herr von Braun sich selbst desavouiert und nicht beabsichtigt, das in Taten umzusetzen, was er versprach und als seine Meinung ausgab. Die Interessen des deutschen Nährstandes und damit die Sicherung der Zukunft des deutschen Volkes dürsten also in diesem Kabinett, das unter dem dominierenden Einfluß -er Herren Warmbold und Luther stehen wird, noch weniger gewahrt werden, als es unter Papen der Fall war.
Die Ernennung des Herrn Bracht zum Innenminister dürfte ihr übrigens dazu tun, die Erregung zu steigern. Herr Bracht hat sich als stellvertretender Reichskommissar in Preußen recht wenig Vertrauen erworben und darüber hinaus durch den Zwickel-Erlaß in eine Situation hineinmanövriert, die ihn als Exponenten eines „autoritären" Kabinetts nicht gerade besonders geeignet machen dürfte.
Man wird in Ruhe die kommenden Ereignisse abwarten müssen. Es ist nicht anzunehmen, daß das Kabinett von Schleicher im Reichstag eine andere Aufnahme findet, als das Kabinett von Papen. Dieselben Gesichter werden auf der Regierungsbank fitzen, nur Herr Franz von Papen und sein Adlatus Gahl werden fehlen. Der Standpunkt der NSDAP ist klar und durch die parteiamtlichen Erklärungen der deutschen Freiheitsbewegung ist das Schicksal auch dieses Kabinetts schon entschieden. Wir gehen ernsten Wochen entgegen, umso mehr, wenn das Kabinett Schleicher in derselben Art und Weise dem Volk gegenüber zu treten beabsichtigt, wie es Herr von Papen tat. Schöne Worte sind nicht ausreichend. Es kommt auf die Taten an und die einzige Tat, die dem Willen des Volkes entsprechen würde und die geeignet wäre, die Maßnahmen in Angriff zu nehmen, die zu Deutschland Wiederaufstieg führen könnte, wäre ein Rücktritt dieses schlecht getarnten
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Endergebnis aus Altenburg
Weimar, 4. Dezember. Am Sonntag fanden in sämtlichen Städten und Landkreisen des Landes Thüringen die Neuwahlen für die Gemeinde- und Kreisräte statt. Der Wahlakt schloß abends 6 Uhr. Nach den bisher vorliegenden Meldungen verliefen die Wahlen störungslos und in voller Ruhe. Die Wahlwerbung am Wahltage selbst war nur gering, wie überhaupt der Wahlkampf sich bis auf die Tätigkeit der Nationalsozialisten und ihrer Führer unter Adolf Hitlers persönlichem Einsatz in engstem Rahmen bewegte. Die Wahlbeteiligung ist allgemein wesentlich geringer gewesen als bei den vorangegangenen Reichstagswahlen.
Durchschnittlich dürfte die Wahlbeteiligung um etwa 2V v. H. zurückgegangen sein.
In zwei Städter^ nämlich in Gera und Greiz, hat sich die bisherige Linksmehrheit in eine bürgerliche Mehrheit verwandelt. Lediglich die Stadt Altenburg zeigt nach wie vor eine Linksmehrheit. Durchweg ist festzustellen, daß sowohl innerhalb der Linken als auch der Rechten die Flügelparteien, die Nationalsozialisten bzw. die Kommunisten, einen erheblichen Mandatszuwachs gegenüber den früheren Stadtratswahlen zu verzeichnen haben.
Bei den folgenden Ergebnissen der Wahl geben wir zum Vergleich in Klammern die bisherigen Mandatszahlen.
Lpgvdnisss
Endergebnis aus Weimar
NSDAP.
7122
11
l 1)
SPD.
3347
6
(13)
KPD.
4704
10
( 4)
Zentruni
619
1
l-1
DNVP.
2272
3
(-)
Staatspartei
1250
1
(15)
Bürgerliche Liste
S22
3
(-)
Endergebnis
aus Jena
NSDAP.
K249
8
(1)
SPD.
7 479
9
(U)
KPD.
6513
8
(b)
DNVP.
1864
2
(-)
Staatspartei
2 866
3
( 4)
Bürgerliche Liste
3 369
5
(-)
Endergebnis
aus Gotha
NSDAP.
7566
14
(11)
DNVP.
2386
4
( 4)
DVP.
1919
4
( 4)
SPD.
1327
2
(»)
KPD.
6153
11
(10)
NSDAP. 7227 1» (—)
SPD. 12 001 16 (17)
Bürgerliche Liste 2316 3 (10)
Haus-u. Grnndbes. 2207 3 (4)
KPD. 2 553 3 ( 1)
Staatspartei 567 — ( 1)
Außerdem hatten im bisherigen Altenburger Stadtrat die Bolksrechtspartei und die Kommunistische Opposition je 1 Mandat.
Endergebnis aus Gera
NSDAP.
13 804
7
(-)
Bürgerbund
5 424
3
(-)
Geraer Mittelstand
2069
1
(-)
Haus- u. Grnndbes.
3 594
2
(-)
SPD.
17142
9
(16)
KPD.
6 464
3
( 1)
KPD-Opposition
1403
—
( 2)
Endergebnis aus Meiningen
NSDAP.
4 232
12
(
2)
SPD.
1198
4
(
6)
DNVP.
526
2
(
4)
DVP.
304
1
(
5)
Bürgerliche Liste
304
1
(-
-)
Staatspartei
246
1
(
1)
KPD.
961
2
(
2)
Vorläufiges Ergebnis der Thüringer Kreistagswahlen
TU Berlin, 5. Dezember. Aus den bisher vorliegenden Ergebnissen der Wahlen für die Kreisräte der 16 Thüringer Landkreise, die gleichzeitig mit den Stadtratswahlen erfolgten, geht hervor, daß die bisherige bürgerliche Mehrheit, die ihre Stütze im Landbund und der NSDAP hatte, wiederum in allen endgültig vorliegenden Ergebnissen überwiegend vorhanden ist. Die bürgerlichen Gruppen haben durch Zersplitterung oder Stimmschwund gelitten. Die Deutschnationalen sind nur vereinzelt selbständig aufgetreten. Auf der Linken zeigt sich, wie in den Städten, eine Stärkung der Kommunisten auf Kosten der Sozialdemokraten. Im Vergleich zu den Reichstagswahlen vom November 1932 ist festzustellen, daß die Wahlmüdigkeit auch in den Landkreisen Stimm- einbußen bei allen Parteien ziemlich gleichmäßig hervorgerufen hat. Sie dürften etwa 10 bis 15 v. H. betragen.
Kabinetts Papen II und die Ueberantwor- tnng der verantwortlichen Staatsführung an den Führer der deutschen Freiheitsbewegung, Adolf Hitler.
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Montag Sitzung der Reichstagssraktion der NSDAP.
Berlin, 4. Dezember. Adolf Hitler, der gestern abend noch im thüringischen Wahlkampf gesprochen hatte, ist am Sonntag in Berlin eingetroffen. Die Reise des Führers nach Berlin gilt der bevorstehenden Eröffnung des Reichstages. Die nationalsozialistische Reichstagsfraktion wird am morgigen Montag zusammentreten, und Adolf Hitler wird bei dieser Gelegenheit die neuen Reichstagsabgeordneten der NSDAP. begrüßen.
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Duisburg, 4. Dezember. In den Morgenstunden des Sonntags, gegen 6.30 Uhr, kam es, wie das Polizeipräsidium Hamborn mitteilt, an der Oberhausen—Hamborn-Grenze zwischen 200 Nationalsozialisten, die auf dem Wege zu einer Wehrsportübung waren, und 150 Rcichsbannerleuten, die von einer Wehrsportübung kamen, zu einem Zusammenstoß. Nach angeblich vorausgegangenem Wortwechsel entstand eine große Schlägerei, wobei die Gegner mit Steinen und Schlagwerkzeugen aufeinander losgingen. Gleichzeitig fiel eine Anzahl Schüsse. Soweit bisher bekannt wurde, sind sieben Neichsbannerleute, davon einer mit einem Oberschenkelschuß, die anderen mit Kopfverletzungen durch Schlagwerkzeuge verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert worden.
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2Wochen hat der „grundsätzlich neue Kurs" der deutschen Staatsführung gebraucht, um überhaupt einen Mann zu finden, der bereit ist, das Erbe einer „autoritären" Regierung Papen anzutreten. Ein Erbe allerdings, das vor allem auch außenpolitisch dem Nachfolger wenig Freude bereiten kann.
Nach anfänglich starkem Auftreten und großen Worten, an denen Herr von Schleicher nicht zuletzt beteiligt war, hat die deutsche Außenpolitik der letzten Monate lediglich im Neinsagen bestanden. Es ist gewiß eine politische Haltung, warten zu können und mit dem zu rechnen, was der Ablauf der Zeit zu einer Lösung beiträgt, aber wenn man schon auf dem Genfer Fechtboden weiter kämpfen will, dann ist es eine Notwendigkeit, sich seinen Erfordernissen anzupassen. Und diese verlangen Initiative, Handeln- Absichten, Ziele. Wie falsch es für einen Staat in der Lage Deutschlands ist, dort feste Systeme sehen zu wollen, wo nur Zweckmäßigkeit der Maßstab ist und sein muß, hat schlaglichtartig der gewiß nicht überraschend gekommene
Abschluß des russisch-französischen und des russisch-polnischen Nichtangrisfsvertrages gezeigt. Rußland, das für eine Reihe deutscher Politiker der schärfste Gegner von Versailles, del Todfeind des hochkapitalistischen französischen Im» Perialismus war, hat mit eben diesem westlichen Kapitalismus einen Vertrag geschlossen, der in seinen Auswirkungen für die nächsten Jahre sicher das Ende aller Kreuzzugspläne gegen den Bolschewismus bedeuten wird. Daß dieser Pakt nicht die Frucht gegenseitiger Zuneigung ist, sondern das Kind sehr nüchterner und zweckbedingter Ueberlegungen, sollte das Reichsaußenministerium eigentlich veranlassen, so komische Kommentare, wie, die deutsch-russischen Beziehungen würden durch diesen Vertrag nicht berührt, zu unterlassen. Die deutsche Außenpolitik hat wieder eine Möglichkeit verscherzt und kann es sich nicht leisten, nun auch noch die Folgen dieses Fehlers übersehe zu wollen. Was heißt es denn anders, als daß Frankreich einen neuen Anhänger für seine „Abrüstnngs"pläne gefunden hat, wenn der russische Außenkommissar L r t w i n o w erklärt, Herriots Idee von der Sicherheit sei Rußland durchaus nicht fremd, Rußland begrüße Herriots letzte Erklärung, daß die Garantierung der Sicherheit aller Staaten anzustreben sei? Was bedeutet es für Polen anderes, als die Möglichkeit, den Druck auf die Westgrenze und den Rniq um Danzig noch zu verstärken, nachdem das seit 15 Jakren über der Polnischen Ostgrenze drobcnde russische Gewitter zu verziehen beginnt? Stets hat die Möglichkeit einer russischen Invasion die polnische Außenvolitik von letzten Entscheidungen zurückgehalten. Nun sieht der Polnische Chauvinismus diese Fessel schwinden i'"d wir denken an all die Reden, die das amtliche Polen in den letzten Jahren gehalten hat und an das Polnische Heer, das in wenigen Tagen auf die Stärke von mehreren Millionen ausgebildeter Truppen gebracht werden kann. Aber in den nächsten Tagen werden sa in Genf private Besprechungen über die deutsche Gleichberechtigungssordcrung beginnen . . .
Die Reichsregierung hat erklärt, sie weroe nicht eher wieder an der Genfer Abrüstungskomödis teilnehmen, bis nicht die deutsche Forderung grundsätzlich anerkannt sei, und sie kann darüber hinaus erklären, daß in dieser Frage das ganze deutsche Volk hinter ihr stehe. Und deshalb sehen
Von den beteiligten Nationalsozialisten solle« 6 verletzt worden sein, davon drei durch Schuß- und drei durch Hicbverletzungen.
Zurzeit besteht bei keinem der Verletzten Lebensgefahr. Die von der Hamborner und Oberhausener Polizei vorgenommene Durchsuchung der Beteiligten nach Waffen verlief ohne Erfolg. Zur Klärung des Sachverhalts wurden je drei Führer der NSDAP. und der Reichsbannerleute festgenommen.