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' Parteiamtliches Organ der UZ, Bremer Nationalsozialisten
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' (Eigener Drahtbericht)
Weimar, 1. Dezember, In Weimar, wo sich der Führer augenblicklich wegen des thüringischen Kommunal-Wahlkampfes aufhält, fand gestern nachmittag eine Besprechung mit den maßgebenden Männern der nationalsozialistischen Bewegung statt. Außer dem Führer unserer ReichstagsfraL- tion, Pg. Dr- Frick, waren Reichsorganisationsleiter Pg. Dr. 8tratz er, Reichstagspräsident .Goering und Reichspropagandaleiter Dr. Goebbels anwesend.
Unser thüringisches Gauorgan, „Der Nationalsozialist" beschäftigt sich in seiner gestern nachmittag herausgekommenen Ausgabe mit den Gerüchten, die davon wissen wollten, daß der Führer nach Berlin zu einer Besprechung mit Herrn von kchleicher fährt. Unser Bruderblatt schreibt dazu: „Adolf Hitler ist, wie vorgesehen war, heute morgen wieder in Weimar eingetroffen, um Ah mit aller Kraft für den kommunalen Wahlkampf tm Gau Thüringen einzusetzen." Es sei unwahrscheinlich, daß der Führer zu einer Besprechung mit Herrn von Schleicher nach Berlin fahren würde, da Herrn von Hindenburg und Herrn von Schleicher seine Meinung genügend bekannt sei. Alles Warten auf den Führer in Berlin sei umsonst, wenn man doch nicht den Willen habe, dem nationalsozialistischen Führer die Zügel in die Hand zu geben.
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Weimar, 1- Dezember. Nach dreistündiger Dauer endete in den späten Nachmittagsstunden die von Adolf Hitler in Weimar abgehaltene Führerbesprechung mit Dr. Frick, Dr. Goebbels, Straßer und Goering. Ueber die Beschlüsse dieser Besprechung wird von amtlicher nationalsozialistischer Seite bisher strengstes Stillschweigen bewahrt. Insbesondere ist noch keine Aeußerung darüber gefallen, ob Adolf Hitler auf Grund dieser Führerbesprechung nach Berlin fahren wird.
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(Drahtbericht «. Berl. Schristl.)
Berlin, 1. Dezember. Der deutsche Staatsbürger von 1932 wird sich allmählich daran gewöhnen müssen, daß Lei Herrn von Hindenburg der „Kronrat" zusammentritt. Auch gestern war man wieder in trautem Kreise beisammen, ohne allerdings über den Zweck dieses Zusammenseins der Öffentlichkeit Rechnung abzulegen. Viel beachtet wird in hiesigen politischen Kreisen die Tatsache, daß vor der gestrigen Sitzung des „Kronrats" Reichswehrminister von Schleicher vom Reichspräsidenten in Privataudienz empfangen wurde. Entschlüsse wurden wiederum nicht gefaßt. Angstvoll schauen die, die sich angemaßt haben, die Krise zu lösen, auf den Führer der deutschen Freiheitsbewegung. Ob überhaupt Beschlüsse gefaßt werden, steht zurzeit noch nicht fest. Bekannt geworden ist lediglich, daß die Verärgerung des Reichspräsidenten über die verfahrene politische Lage an Intensität noch zugenommen hat. Allen Ernstes wurde auch gestern abend wieder behauptet. daß sich der Reichspräsident mit Rücktritts«», sichte» trügt.
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(Drahtbericht n. Berl- Schrift!.)
Berlin, I. Dezember. Ueber die Hintergründe der augenblicklichen Krise und der zahlreichen da- mit im Zusammenhang stehenden Jntrigen und Kombinationen dürsten die Ausführungen des Organs der Christlichen Gewerkschaften des „Deutschen" in seiner heutigen Ausgabe von Interesse sein. Das Blatt schreibt:
„Es ist kein Zweifel, daß diese Kreise (die Kreise um Papen D- Schristl.) glauben, jetzt sei der Zeitpunkt da, um die offene Diktatur zu betreiben und die „Revision des 9. November". Man will den Reichspräsidenten in die Zwangslage bringen, entweder sich über die Verfassung hinwegzusetzen oder zurückzutreten. Es ist kein Geheimnis mehr, datz Hindenburg am vergangenen Sonnabend sich ernsthaft mit dem Gedanken trug, sei« Amt niederzulegen und in einer Proklamation an das deutsche Volk seinen Entschluß bekanntzugeben und zu begründen. Dahin wollen es die Kreise treiben und dazu brauchen sie das „Kampfkabinett" von Papen.
Und dos wäre die Stunde, um den Plan für die Einsetzung eines Reichsverwesers durchzuführen. Allerdings ist man sich i« der Familie
Hohenzollern nicht einig darüber, wer das Amt des Reichsverwcsers bekommen soll. Die Gattin des früheren Kaisers Hermine war in Berlin; man weiß auch, daß die Kronprinzessin gegen die Betrauung des Kronprinzen ist. Sie wirbt für ihren ältesten Sohn. Diese Pläne spielen, so phantastisch das auch klingt, eine entscheidende Rolle im Spiel hinter den Kulissen".
Wir geben diese Ausführungen mit allem Vorbehalt wieder. Wir möchten aber betonen, daß uns gleichlautende Informationen zugekommen sind. Die Angaben des „Deutschen" gehen unserer Ansicht nach nur soweit in die Irre, als sie lediglich gewisse, hinter Herrn von Papen stehende Kreise als Verfechter einer Reichsverweserschaft ansprechen. Auch im anderen, augenblicklich mit Herrn von Papen zerfallenen Lager find Kräfte vorhanden, deren Endziel durchaus dasselbe ist, wie das der ersteren Kreise. Der Gedanke eines Reichsoenvesers spukt in vielen Kopfe« und uns scheint die Kardinalstage nicht zu sein, ob die einen es ablehne« «nd die anderen befürworte», sonder» welche der beiden Gruppe« am ehesten den Gedanken einer Reichsverweserschast realisiert, um dann den klingenden Lohn für die Bemühungen einzukassieren.
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(Drahtbericht unserer Berliner Schristltg.)
Berlin, 1. Dezember.
Die Presse der Reichshauptstadt gibt ein getreues Spiegelbild der absoluten Verwirrung, die augenblicklich' in der deutschen Politik herrscht. Während die Presse aller Schattierungen noch vor wenigen Tagen aus der Absage Hindenburgs, dem Führer der deutschen Freiheitsbewegung die mit Recht geforderte Staatsführung zu übertragen, triumphierend den Schluß zog, daß der Einfluß des Nationalsozialismus auf die deutsche Politik endgültig unwirksam sei, stellt sich jetzt schon die ganze Verlogenheit dieses Triurnphg eschreis heraus. Selten hat der Nationalsozialismus und sein Führer Adolf Hitler so bestimmenden Einfluß auf die deutsche Politik gehabt, wie in diesen Tagen. Alles, was jetzt geschieht, wird beeindruckt von dem Wollen der NSDAP., sei es, daß die einen ehrlich danach streben, dem Nationalsozialismus das ihm moralisch und rechtlich Zustehenden einzuräumen, sei es, daß die anderen aus Haß gegen den Nationalsoziall-.ans ihre politischen Entschlüsse fassen.
Es ergibt sich der etwas merkwürdige Zustand, daß des Deutschen Reiches Präsident, Herr von Hindenburg, einen Kanzler sucht und daß er für den Posten dieses Kanzlers nur zwei Männer, nämlich Herrn von Papen und Herrn von Schleicher für geeignet hält. Trotzdem ist der Name Hitlers in aller Munde. Ein Blick in die gestrige Abendpresse der Reichshauptstadt beweist das zur Genüge.
Der o kal-Anzeig e r" des Herren Hugenberg veröffentlicht unter der Ueber- schrist „Die „eingefrorene" Krise — Hitler in Weimar" einen Artikel des Hugenberg- schen Hofdichters Friedrich Husson, der folgende, immerhin beachtliche Tatsachen feststellt: „Seit zwei Wochen wird „geklärt". Das Äcgebnis ist der vollkommenste Wirr- > warr".
Die .^Deutsche Zeitung" überschreibt ihren Lagebericht „Schleichers Bemühungen um Hitler" und gibt der Meinung Ausdruck, daß im Augenblick Herr von Papen etwas besser liege.
Die ,Mörseu--Zeitu ng" meint: „Die Ueberraschung des heutigen Vormittags bildet die Tatsache, daß Adolf Hitler entgegen allen Erwartungen heute morgen nicht in Berlin eingetroffen ist." In dem Artikel, der bezeichnenderweise die Ueberschriften trägt: „Hitler nicht in Berlin eingetroffen, Entscheidung über Kabinettsbildung wieder vertagt", heißt es dann weiter: „Eine weitere Besprechung beim Reichspräsidenten findet heute nicht statt. Vielmehr soll die Entscheidung über das Ende der Regierungskrise auf jeden Fall erst dann fallen, wenn das Ergebnis der nationalsozialistischen Führerbesprechung in Weimar vorliegt".
Die „Deutsche Tageszeitung" erscheint mit der Schlagzeile: „Kommt Hitler oder nicht?" -
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" mit der Ueberschrist: „Kommt Hitler nach Berlin?" um dann zu schreiben: „Jedenfalls wartet der Reichswehrminister einstweilen aus Hitler, dessen Ausbleiben in Ermangelung positiver Nachrichten zu neuen aufgeregten Mutmaßungen geführt hat."
Alles in allem sieht man aus diesen Ueberschriften der Presse der Reichshauptstadt, wie groß die Ratlosigkeit im System- Lager ist und in welchem Maße der Nationalsozialismus die deutsche Politik beeinflußt. Es ist schon ein etwas eigenartiger Zustand, daß man in der Wilhclmstraße nmch einem Kanzler sucht und die ganze Öffentlichkeit eine Lösung der Krise nur vo» Weimar, dem augenblicklichen Aufenthaltsort des Führers erwartet.
Vielleicht würde auch Herr von Hinden- burg bei der Lektüre der Berliner Presse etwas nachdenklicher werden und sich über
„Sipsvvn irsloksilsarlsi'"
Mit einiger Ueberraschung liest matt das letzte politische Manifest der „Weser-Zeitung^ beste» Znhalh kurz gesagt, die Frage auswirft, warum bildet nicht Straßer mit Mahraiäh Höltermann, Düsterberg und Brüning ein Kabinett des jungen Deutschland?
So umnSMch diese Fragestellung ist, bleibt dieser Artikel doch ungeheuer aufschlußreich und zugleich charakteristisch für die geistige Verfassung all der Politiker, die lieber Steine zum Frühstück essen; als aus den gegebenen Verhältnissen die Konsequenzen ziehen und sich bedingungslos hinter Hitler stellen.
Mit einiger Genugtuung stellen wir zunächst fest, daß nunmehr auch die „Weser-Zeitung", die bis vor weuigeu Tagen im Papenkurs gesteuert hat. aus einmal zu der Erkenntnis kommt, datz „die Art der Politik, wie sie jetzt in Berlin gemacht worden ist und gemacht wird, mit Deutschland und seiner wirtschaftlichen und politischen Not nicht mehr das Geringste zn tun hat". Aus diesem Grunde haben wir uns auch erlaubt, diese Politik — und das nicht erst seit gestern — aus das Erbittertste zu bekämpfen.
Auch wir stehen auf dem Standpunkt, daß diese letzte Regierungskrise im höchsten Matze katastrophal ist denn sie bedeutet den erldgülti- gen Zusammenbrach des liberalistischen Systems in Deutschland, und wenn die „Weser- Zeitung" mit einer vierspaltigen Schlagzeile aufwartet „Deutschland ohne Kanzler", so hätte sie noch richtiger sagen können „Das librealistisch« Deutschland ohne Führer".
Dieses Deutschland wehrt sich mit allen Mitteln dagegen, offen zuzugeben, datz seine geistigen Kräfte verbraucht sind, und es ist nicht ehrlich genug, zuzugeben, datz der Führer des kommenden Deutschlands, Adolf Hitler, in dieser geschichtlichen Wende das sittliche Recht aus die Macht im Staate besitzt. Weil man sich gegen diese Erkenntnis geistig verkrampfte kommt auch die „Weser-Zeitung" zu Schlüssen und Kombinationen, über die sie nach einiger Zeit selbst lachen wird.
Nachdem sie wochenlang einen Gegensatz zwischen Straßer und Hitler konstruieren ivvllte und es selbst fertigbrachte, dahingehende Richtigstellungen Stratzers ihren Lesern zn unterschlagen, appelliert sie plötzlich an den „in unbedingter Lebenstreue seinem Parteiführer ergebenen Gregor Straßer", der jetzt berufen sei, die Führung an sich zu reißen. Diese Forderung zeigt uns zunächst einmal das völlige Unverständnis für das organische Gefüge unserer Bewegung, aus der heraus mau nicht einen Mann reißen kam«, ohne dessen schöpferische Kraftquelle zu zerstören. Gregor St aßer wurde mü> wuchs zn seiner Bedeutung unter dem Führer Mols Hitler, der seine Fähigkeiten schon zu einer Zeit erkannte, als es auch bei der „Weser-Zeitung" zum grrten Ton gehörte, diesen Mann zu beschimpfen. Wer heute Gregor Stratzer als Führer anerkennt, mutz die ganz«
legen, ob es wirklich eine staatsmännische Tat war, wenn er Adolf Hitler ausschalten zu können glaubte. Ein bis zum Letzten entschlossener Block von 12 Millionen Menp, scheu unter der Führung Adolf Hitlers läßt sich nicht ausschalten Herr Reichspräsider» Wenn Sie das nicht in Guten einsehen woö len, das wird Sie vielleicht die Entwicklung zwingen, durch Erfahrungen Klarheit üben die Lage zu erhalten.