Ausgabe 
(1.12.1932) Nr. 270
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»I». 270

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' Parteiamtliches Organ der UZ, Bremer Nationalsozialisten

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' (Eigener Drahtbericht)

Weimar, 1. Dezember, In Weimar, wo sich der Führer augenblicklich wegen des thüringischen Kommunal-Wahlkampfes aufhält, fand gestern nachmittag eine Besprechung mit den maßgebenden Männern der nationalsozialistischen Bewegung statt. Außer dem Führer unserer ReichstagsfraL- tion, Pg. Dr- Frick, waren Reichsorganisations­leiter Pg. Dr. 8tratz er, Reichstagspräsident .Goering und Reichspropagandaleiter Dr. Goebbels anwesend.

Unser thüringisches Gauorgan,Der National­sozialist" beschäftigt sich in seiner gestern nachmit­tag herausgekommenen Ausgabe mit den Gerüch­ten, die davon wissen wollten, daß der Führer nach Berlin zu einer Besprechung mit Herrn von kchleicher fährt. Unser Bruderblatt schreibt da­zu:Adolf Hitler ist, wie vorgesehen war, heute morgen wieder in Weimar eingetroffen, um Ah mit aller Kraft für den kommunalen Wahlkampf tm Gau Thüringen einzusetzen." Es sei unwahr­scheinlich, daß der Führer zu einer Besprechung mit Herrn von Schleicher nach Berlin fahren würde, da Herrn von Hindenburg und Herrn von Schleicher seine Meinung genügend bekannt sei. Alles Warten auf den Führer in Berlin sei um­sonst, wenn man doch nicht den Willen habe, dem nationalsozialistischen Führer die Zügel in die Hand zu geben.

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Weimar, 1- Dezember. Nach dreistündiger Dauer endete in den späten Nachmittagsstunden die von Adolf Hitler in Weimar abgehaltene Führerbe­sprechung mit Dr. Frick, Dr. Goebbels, Straßer und Goering. Ueber die Beschlüsse dieser Be­sprechung wird von amtlicher nationalsozialisti­scher Seite bisher strengstes Stillschweigen be­wahrt. Insbesondere ist noch keine Aeußerung darüber gefallen, ob Adolf Hitler auf Grund dieser Führerbesprechung nach Berlin fahren wird.

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(Drahtbericht «. Berl. Schristl.)

Berlin, 1. Dezember. Der deutsche Staatsbür­ger von 1932 wird sich allmählich daran gewöhnen müssen, daß Lei Herrn von Hindenburg der Kronrat" zusammentritt. Auch gestern war man wieder in trautem Kreise beisammen, ohne aller­dings über den Zweck dieses Zusammenseins der Öffentlichkeit Rechnung abzulegen. Viel beachtet wird in hiesigen politischen Kreisen die Tatsache, daß vor der gestrigen Sitzung desKronrats" Reichswehrminister von Schleicher vom Reichs­präsidenten in Privataudienz empfangen wurde. Entschlüsse wurden wiederum nicht gefaßt. Angst­voll schauen die, die sich angemaßt haben, die Krise zu lösen, auf den Führer der deutschen Freiheits­bewegung. Ob überhaupt Beschlüsse gefaßt wer­den, steht zurzeit noch nicht fest. Bekannt ge­worden ist lediglich, daß die Verärgerung des Reichspräsidenten über die verfahrene politische Lage an Intensität noch zugenommen hat. Allen Ernstes wurde auch gestern abend wieder behaup­tet. daß sich der Reichspräsident mit Rücktritts«», sichte» trügt.

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(Drahtbericht n. Berl- Schrift!.)

Berlin, I. Dezember. Ueber die Hintergründe der augenblicklichen Krise und der zahlreichen da- mit im Zusammenhang stehenden Jntrigen und Kombinationen dürsten die Ausführungen des Or­gans der Christlichen Gewerkschaften desDeut­schen" in seiner heutigen Ausgabe von Interesse sein. Das Blatt schreibt:

Es ist kein Zweifel, daß diese Kreise (die Kreise um Papen D- Schristl.) glauben, jetzt sei der Zeitpunkt da, um die offene Diktatur zu betreiben und dieRevision des 9. November". Man will den Reichspräsidenten in die Zwangs­lage bringen, entweder sich über die Verfassung hinwegzusetzen oder zurückzutreten. Es ist kein Geheimnis mehr, datz Hindenburg am vergange­nen Sonnabend sich ernsthaft mit dem Gedanken trug, sei« Amt niederzulegen und in einer Prok­lamation an das deutsche Volk seinen Entschluß bekanntzugeben und zu begründen. Dahin wol­len es die Kreise treiben und dazu brauchen sie dasKampfkabinett" von Papen.

Und dos wäre die Stunde, um den Plan für die Einsetzung eines Reichsverwesers durchzu­führen. Allerdings ist man sich i« der Familie

Hohenzollern nicht einig darüber, wer das Amt des Reichsverwcsers bekommen soll. Die Gattin des früheren Kaisers Hermine war in Berlin; man weiß auch, daß die Kronprinzessin gegen die Betrauung des Kronprinzen ist. Sie wirbt für ihren ältesten Sohn. Diese Pläne spielen, so phantastisch das auch klingt, eine entschei­dende Rolle im Spiel hinter den Kulissen".

Wir geben diese Ausführungen mit allem Vor­behalt wieder. Wir möchten aber betonen, daß uns gleichlautende Informationen zugekommen sind. Die Angaben desDeutschen" gehen unserer Ansicht nach nur soweit in die Irre, als sie lediglich gewisse, hinter Herrn von Papen stehende Kreise als Verfechter einer Reichsverweserschaft ansprechen. Auch im anderen, augenblicklich mit Herrn von Papen zerfallenen Lager find Kräfte vorhanden, deren Endziel durchaus dasselbe ist, wie das der ersteren Kreise. Der Gedanke eines Reichsoenvesers spukt in vielen Kopfe« und uns scheint die Kardinalstage nicht zu sein, ob die einen es ablehne« «nd die anderen befürworte», sonder» welche der beiden Gruppe« am ehesten den Gedanken einer Reichsverweserschast realisiert, um dann den klingenden Lohn für die Bemühungen einzukassieren.

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(Drahtbericht unserer Berliner Schristltg.)

Berlin, 1. Dezember.

Die Presse der Reichshauptstadt gibt ein getreues Spiegelbild der absoluten Ver­wirrung, die augenblicklich' in der deutschen Politik herrscht. Während die Presse aller Schattierungen noch vor wenigen Tagen aus der Absage Hindenburgs, dem Führer der deutschen Freiheitsbewegung die mit Recht geforderte Staatsführung zu über­tragen, triumphierend den Schluß zog, daß der Einfluß des Nationalsozialismus auf die deutsche Politik endgültig unwirksam sei, stellt sich jetzt schon die ganze Verlogenheit dieses Triurnphg eschreis heraus. Selten hat der Nationalsozialismus und sein Führer Adolf Hitler so bestimmenden Einfluß auf die deutsche Politik gehabt, wie in diesen Tagen. Alles, was jetzt geschieht, wird be­eindruckt von dem Wollen der NSDAP., sei es, daß die einen ehrlich danach streben, dem Nationalsozialismus das ihm moralisch und rechtlich Zustehenden einzuräumen, sei es, daß die anderen aus Haß gegen den Nationalsoziall-.ans ihre politischen Ent­schlüsse fassen.

Es ergibt sich der etwas merkwürdige Zustand, daß des Deutschen Reiches Präsi­dent, Herr von Hindenburg, einen Kanzler sucht und daß er für den Posten dieses Kanz­lers nur zwei Männer, nämlich Herrn von Papen und Herrn von Schleicher für ge­eignet hält. Trotzdem ist der Name Hitlers in aller Munde. Ein Blick in die gestrige Abendpresse der Reichshauptstadt beweist das zur Genüge.

Der o kal-Anzeig e r" des Herren Hugenberg veröffentlicht unter der Ueber- schristDieeingefrorene" Krise Hitler in Weimar" einen Artikel des Hugenberg- schen Hofdichters Friedrich Husson, der fol­gende, immerhin beachtliche Tatsachen fest­stellt:Seit zwei Wochen wirdgeklärt". Das Äcgebnis ist der vollkommenste Wirr- > warr".

Die .^Deutsche Zeitung" überschreibt ihren LageberichtSchleichers Bemühungen um Hitler" und gibt der Meinung Aus­druck, daß im Augenblick Herr von Papen etwas besser liege.

Die ,Mörseu--Zeitu ng" meint:Die Ueberraschung des heutigen Vormittags bil­det die Tatsache, daß Adolf Hitler entgegen allen Erwartungen heute morgen nicht in Berlin eingetroffen ist." In dem Artikel, der bezeichnenderweise die Ueberschriften trägt:Hitler nicht in Berlin eingetroffen, Entscheidung über Kabinettsbildung wieder vertagt", heißt es dann weiter:Eine wei­tere Besprechung beim Reichspräsidenten findet heute nicht statt. Vielmehr soll die Entscheidung über das Ende der Regie­rungskrise auf jeden Fall erst dann fallen, wenn das Ergebnis der nationalsozialisti­schen Führerbesprechung in Weimar vor­liegt".

DieDeutsche Tageszeitung" er­scheint mit der Schlagzeile:Kommt Hitler oder nicht?" -

DieDeutsche Allgemeine Zei­tung" mit der Ueberschrist:Kommt Hitler nach Berlin?" um dann zu schreiben:Je­denfalls wartet der Reichswehrminister einst­weilen aus Hitler, dessen Ausbleiben in Er­mangelung positiver Nachrichten zu neuen aufgeregten Mutmaßungen geführt hat."

Alles in allem sieht man aus diesen Ueberschriften der Presse der Reichshaupt­stadt, wie groß die Ratlosigkeit im System- Lager ist und in welchem Maße der Natio­nalsozialismus die deutsche Politik beein­flußt. Es ist schon ein etwas eigenartiger Zustand, daß man in der Wilhclmstraße nmch einem Kanzler sucht und die ganze Öffentlichkeit eine Lösung der Krise nur vo» Weimar, dem augenblicklichen Aufent­haltsort des Führers erwartet.

Vielleicht würde auch Herr von Hinden- burg bei der Lektüre der Berliner Presse etwas nachdenklicher werden und sich über

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Mit einiger Ueberraschung liest matt das letzte politische Manifest derWeser-Zeitung^ beste» Znhalh kurz gesagt, die Frage auswirft, warum bildet nicht Straßer mit Mahraiäh Höltermann, Düsterberg und Brüning ein Ka­binett des jungen Deutschland?

So umnSMch diese Fragestellung ist, bleibt dieser Artikel doch ungeheuer aufschlußreich und zugleich charakteristisch für die geistige Verfas­sung all der Politiker, die lieber Steine zum Frühstück essen; als aus den gegebenen Ver­hältnissen die Konsequenzen ziehen und sich bedingungslos hinter Hitler stellen.

Mit einiger Genugtuung stellen wir zunächst fest, daß nunmehr auch dieWeser-Zeitung", die bis vor weuigeu Tagen im Papenkurs ge­steuert hat. aus einmal zu der Erkenntnis kommt, datzdie Art der Politik, wie sie jetzt in Berlin gemacht worden ist und gemacht wird, mit Deutschland und seiner wirtschaft­lichen und politischen Not nicht mehr das Ge­ringste zn tun hat". Aus diesem Grunde haben wir uns auch erlaubt, diese Politik und das nicht erst seit gestern aus das Erbittert­ste zu bekämpfen.

Auch wir stehen auf dem Standpunkt, daß diese letzte Regierungskrise im höchsten Matze katastrophal ist denn sie bedeutet den erldgülti- gen Zusammenbrach des liberalistischen Sy­stems in Deutschland, und wenn dieWeser- Zeitung" mit einer vierspaltigen Schlagzeile aufwartetDeutschland ohne Kanzler", so hätte sie noch richtiger sagen könnenDas librealisti­sch« Deutschland ohne Führer".

Dieses Deutschland wehrt sich mit allen Mit­teln dagegen, offen zuzugeben, datz seine geisti­gen Kräfte verbraucht sind, und es ist nicht ehrlich genug, zuzugeben, datz der Führer des kommenden Deutschlands, Adolf Hitler, in die­ser geschichtlichen Wende das sittliche Recht aus die Macht im Staate besitzt. Weil man sich gegen diese Erkenntnis geistig verkrampfte kommt auch dieWeser-Zeitung" zu Schlüssen und Kombinationen, über die sie nach einiger Zeit selbst lachen wird.

Nachdem sie wochenlang einen Gegensatz zwi­schen Straßer und Hitler konstruieren ivvllte und es selbst fertigbrachte, dahingehende Rich­tigstellungen Stratzers ihren Lesern zn unter­schlagen, appelliert sie plötzlich an denin un­bedingter Lebenstreue seinem Parteiführer er­gebenen Gregor Straßer", der jetzt berufen sei, die Führung an sich zu reißen. Diese Forde­rung zeigt uns zunächst einmal das völlige Un­verständnis für das organische Gefüge unserer Bewegung, aus der heraus mau nicht einen Mann reißen kam«, ohne dessen schöpferische Kraftquelle zu zerstören. Gregor St aßer wurde > wuchs zn seiner Bedeutung unter dem Führer Mols Hitler, der seine Fähigkeiten schon zu einer Zeit erkannte, als es auch bei der Weser-Zeitung" zum grrten Ton gehörte, die­sen Mann zu beschimpfen. Wer heute Gregor Stratzer als Führer anerkennt, mutz die ganz«

legen, ob es wirklich eine staatsmännische Tat war, wenn er Adolf Hitler ausschalten zu können glaubte. Ein bis zum Letzten entschlossener Block von 12 Millionen Menp, scheu unter der Führung Adolf Hitlers läßt sich nicht ausschalten Herr Reichspräsider» Wenn Sie das nicht in Guten einsehen woö len, das wird Sie vielleicht die Entwicklung zwingen, durch Erfahrungen Klarheit üben die Lage zu erhalten.