Ausgabe 
(30.11.1932) Nr. 269
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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' (Drahtbericht n. Berl. Schrfftl.)

Berti«, 30- Nov. Wider alles Erwarten hat ^ sich die politische Lage in keiner Weiss geklärt. ^ Man kann sogar mit Fug und Recht davon spre- jjk chen, daß die Dinge in Deutschland noch nie so s.p verwirrt «nd so undurchsichtig waren, wie sie es t ivn Augenblick find. Nachdem alle maßgebenden ,1 Stellen für den gestrigen Tag bereits die Ent-- ch scheidung erwarteten, ist eine erneute Vertagung P eingetreten, eine Vertagung, die naturgemäß das ,f Durcheinander vermehrte und die Sparmmkg in r unerträglichem Maße verschärfte.

; Fest steht lediglich, daß nur 2 Männer als Kanz- e lerkandidaten ernsthaft in Frage kommen; Herr u von Papen und Herr von Schleicher. Das Poli- ^ tische Bild änderte sich gestern so ungefähr alle : 8 Stunden. Dinge, die längst erledigt erschienen,

st lebten wieder auf und Kombinationen tauchten ii auf, an die kein Mensch mehr zu denken gewagt h hatte. Das deutsche Volk hat in den letzten Sinn­st den den Genuß gehabt, ein Brillantfeuerwerk von In Jntrigen über sich ergehen zu lasse«, eine Fülle , von Kombinationen vor die Nase gesetzt zu bekom- ,o. tuen, ohne daß die Gebrauchsanweisung verteilt .i worden wäre, wie man sich bei diesem Dnrcheiu-

- ander zurecht finden soll.

Das Regierungslager bietet in diesen Tagen 1 und besonders in den letzten Stunden des gestrigen l Tages ein Bild absoluter Verwirrung und Rat- > loskgkeit. Jeder geht einen anderen Weg. Jeder will das wissen, was der andere besser zu wissen

- behauptet, lind jeder betrachtet den anderen mit ^ einem Mißtrauen und einer Nervosität, die sonst

- nur zwischen Menschen üblich ist, die sich nicht über den Weg trauen.

. j Besser als durch die Vorgänge während der letz- teu Stunden konnte unsere sofort nach der Ableh- . - nuug Hindenburgs geäußerte Dteiumig nicht be­wiesen werden, daß die Männer und die Kräfte,

. die nach dem Sturze Brünings an die Macht kamen, unfähig sind, die Geschicke eines großen ,j ^ Volkes zu lenken, weil sie i» sich selbst uneius sind und nichts besitzen, was sie befähigen könnte, per- ! sönliche Wünsche nm einer Idee willen, um eines großen Ganzen willen zurückzustellen.

, Unsere Stellung zu den beiden augenblicklich im , Bereich der Möglichkeit liegenden Versuchen, die

, Krise zu lösen, ist bekannt. Aus den oben ange-

.. führten Gründen wird der Nationalsozialismus

, um des deutschen Volkes willen jeden Bersnch be­

kämpfen, die Zügel noch länger schleifen zn lassen. 7 Millionen arbeitsloser deutscher Volksgenosse«, r ein verzweifelter Bauernstand, ein ausgelaugter Mittelstand, eine entwurzelte, um ihre Jugend , betrogene junge Generation stillten wahrlich An-

> laß genug sei», mit allen Mitteln daraus hinzu-

« arbeiten, jetzt endlich positive Aufbauarbeit zu lei-

° sten. Es ist ein verbrecherischer Versuch, auf dem

r Wege über das Chaos eine volksfeindliche Herr-

ch schuft aufzurichten, ein um so verwerflicherer Ver­

tu such, als die Aussichtslosigkeit dieses Unternehmens pi von vorneherein feststeht. Die neuen, durch ein jl solches Unternehmen verursachtes Leiden müssen p deru gepeinigten deutschen Volke erspart bleiben, i Es gibt heute schon nicht mehr viel, was noch : niederzureißen ist, aber das Wenige muß als

! Fundament für einen Neuaufbau bestehen bleiben > und darf nicht.auch noch in Trümmer verwandelt a werden.

Man weiß in der Wilhelmstraße nicht, wie man

l. den Weg aus den; Irrgarten finden soll, in den

man sich selbst hineinmanövrierte. Der Reichs­präsident soll, wie uns von unterrichteter Seite er­klärt wird, seinem Unmut bereits vor einigen Tagen Ausdruck gegeben haben, daß die oerant- wortlichon Leute sich lediglich im Negative«, näm­lich in ihrer Kampfstellung und ihrer Verneinung des Nationalsozialismus einig sind, sich aber im­mer unfähig erweisen, wenn es heißt, an die po­sitive Arbeit gehen und an Stelle des Verneinten etwas Positives zu setzen.

Wie recht der Fahrer hatte, als er in Weimar davon sprach, daß den Herren der Wilhelmstratzs letzten Endes doch nichts übrig bleiben werde, als ihn wieder zu holen, bewies die Tatsache, daß ge­stern Abend der Plan auftauchte, daß Herr von Schleicher mit dem Führer -nochmals.zusammen

(Drahtbericht unserer Berliner Schrrftltg.)

Berlin, 30. Nov. Auch in den gestrigen Abendstunden kam es in den Straßen der Reichshauptstadt wiederholt zu schweren kommunistischen Ausschreitungen. Die Poli­zei mußte in mehreren Fällen bei der Auf­lösung von kommunistischen Demonstrations- zügen von dem Gummiknüppel Gebrauch machen. In den späten Abendstunden wurde in der Müllerstraße von Demon­stranten eine Schaufensterscheibe eingeschla­gen. Sekt einer Woche ist auch nicht ein Tag vergangen, an dem es nicht zu grö­ßeren kommunistischen Ausschreitungen ge­kommen wäre. Die Vorgänge lassen imme- hin darauf schließen, daß die KPD. mit allen Mitteln bemüht ist, den entsprechenden Auftakt für den Winter zn besorgen. Daraus läßt auch schließen, daß seit Tagen in Ber­lin ein außerordentlich starker roter Ge­heimsender tätig ist, der jeden Abend

stundenlang wüste Hetzreden senden konnte, ohne daß es bisher gelungen wäre, seinen Standort ausfindig zn machen.

Die Polizei fahndet bereits seit Wochen vergeblich. Ein illegales kommunistisches Flugblatt, das sichDie rote Sturmsahne" nennt, kündigt nun an, daß noch mehrere Sender schon irr kurzer Zeit in der Ncichs- hanptstadt ihre Tätigkeit aufnehmen Wer­dern Es heißt wörtlich:

Der rote Sender an das rote Berlin!

WirSchwarzsender" des kommunisti­schen schwarzen Senders danken allen bürgerlichen Blättern für die Aufmerk­samkeit. Die Knebelung unserer Presse, die Außerbetriebsetzung unserer Rotations- maschinen, die Verbote unserer Versamm­lungen, die auf Vernichtung zielenden Angriffe auf unsere Freidenker-Organisa­tion und die von Papen angedrohteAus­rottung des Kommunismus in Deutsch­land mit Stumpf und Stiel" haben uns gezwungen, uns auf diesem Wege Gchör zu verschaffen. Ob Herr von Papen nii? sere Antwort auf die angekündigteAus­rottung des Kommunismus" gehört hat, wissen wir nicht. Jedoch wissen wir, daß unsere Antwort auf seine RedeHöheren Orts" ausgenommen wurde Md. wir

kommen werde, um den Führer um Rat und Hilfe zu bitten.

Entgegen diesen Wünschen imd Hoffnungen der amtlichen Kreise, die keinen anderen Ausweg aus der Krise der letzten Tage zu sehen vermögen, als noch einmal mit Adolf Hitler zu verhandeln, ist der Führer «icht -nach Berlin gefahren. Er hat sich von München aus nach Weimar begeben, von wo aus er den thüringischen Wahlkampf führen wird.

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TU. München, M. No». Entgegen anders lautenden Berichten ist Adolf Hitler nicht «ach Berlin gefahren, sondern befindet sich iu Weimar, da in Thüringen die Wahttiimpfe für die Ge- mcindcratsmahlen stattfinden. Auch Dr. Goebbels ist in Weimar. Zur Berichterstattung über die politische Lage haben sich Goering, Dr. Frist und Stratzer nach Weimar begeben.

Schwarzsender" Herr von Papen, haben recht behalten: Breiter und kraftvoller marschiert der Kommunismus in Deutsch­land! Keine Knebelung, kein Redeverbot, keine Rundfunksperre kann uns abhalten, zu gegebener Zeit unsere Meinung in die Lautsprecher äusserer proletarischen Hörer zu. funken; und zwar versprechen wir Ihnen, Herr von Papen, nicht, wie bis­her, mit einem, sondern mit vier Schwarz-

Paris, 29. Nov. Der französisch-russische Nachtangriffs- nnd Schicdsgerichtsvertrag ist am Dienstag um 17 Uhr im Außenministerinm Von Ministerpräsident Herriot und dem Sowjet- Botschafter Dowyalewski unterzeichnet wor­den. Dabei überreichte Dowgalewski Herriot folgende schriftliche Erklärung:

Die Sowjet-Regierung, nimmt die Liebens­würdigkeit der französischen Regierung in An­spruch und bittet sie, folgende Erklärung zur Kenntnis der rumänischen Regierung zu bein­igen: Die Sowjet-Regierung, die von dem Wunsche beseelt ist, ihre friedlichen Absichten gegenüber Rumänien zu beweisen, erklärt sich bereit, der rumänische» Regierung vorn heutigen Tage ab vier Monate Zeiten lassen, um mit der Sowjet-Regierung ein Nichtangrisss-Abkom- nren in dem Sinne zn unterzeichnen, wie es zwischen Litwrnow und Cadere (der rumänische Gesandte in Warschau. Die Red.) vereinbart Worden war, einschließlich des von Cadere vor­geschlagenen Schlußprotokolls. Die Sowjet-Re­gierung, die damit wieder einmal ihre fried­lichen Bestrebungen beweist, erklärt; daß sie ihrer Politik treu bleibt, die darin besteht, für die Lösung aller Streitfragen nicht zur Gewalt zu greisen und die durch den Kellogg-Vertrag übernommenen Verpflichtungen zu wahren."

Nach der Nuterz.eichu.ung des russisch-fran­zösischen Abkommens richtete Herriot einige Worte an den russischen Botschafter, in denn:

sendern größerer Energie M arbeiten. Esf ist doch nicht so einfach, einen Schwarze sender unschädlich zu machen, wie eine Klebekolonne festzunehmen. Hier nützt Euch- das- beste Exerzierreglement nichts. Aber dafür versprechen wir Schwarzsen­der Euch Bullen eins: Ihr werdet noch laufen lernen. Wir hoffen, einen kleinen Teil zu dem Erfolg der KPD. anläßlich der Wahl beigetragen zu haben und schlie­ßen mit: Bahn frei unserem roten Sen­der!"

Herr von Papen wird es bei der Lektüre dieser Schrift sicherlich in Erstaunen setzen, von den Männern so angegriffen zu werden, die doch allen Grund hätten, ihm dankbar zn sein, sonst könnten sie Herrn von Papen nicht so roh und herzlos alsBullen" be­zeichnen und ihm iu Aussicht zu stellen, daß er, der einst so erfolgreiche Rennreiter, selbst noch einmaldas Laufen lernen werde".

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Moskau, 28. Nov. Der frühere Vor­sitzende der Kommunistischem Internationale, Siuowjew, ist in MMSkau .gestorben. Er war einer der intimstem Mitarbeiter Lenins. In der Revolutionszeit war SmowjeÜo in Halle (Saale), wo er mehrere Reden hielt und die Leitung der KPD in die Hand zu nehmen ver­suchte. Nach dem Tode Lenins war Sinowjews Stern stark gesunken. Im Septeinber nahm ihm die Parteileitung auf Befehl Stalins seine Letzte» uubeoeuteudeu Aemter ab mrd drahte ihm mit dem Ausschluß aus der Partei. Sein Tod hat in Moskau großes Aufsehen erregt.

er der besonderen Genugtuung der französischen Regierung über den gegenseitigen Abschluß der Verhandlungen Ausdruck gab. Diese Gemig- tuuug, so betonte Herriot, sei umso größer, als die Unterzeichnung des Nachtangriffs- imd Schiedsgerichtsabkommens zu einem Zeitpunkt geschehen sei, au dem die polnische Re­gierung ihr Abkommen mit Sow­jet-Rußland ratifiziere und die rumänische Regierung ihrer Be­friedigung über das französifch- russische Abkommen Au.sd ruck gebe.

Zu dem bereits bekannten Wortlaut des Nichtangriffs-Bbkommens ist zu ergänzen: 1. daß der nach beiderseitiger Ratifizieruug in Kraft tretende Vertrag unbefristete Laufzeit hat. Nach Ablauf von zwei Jahren seit In­krafttreten de.' Vertrages kann er jedoch mit einer Frist bou einem Jahre jederzeit gekün­digt werden. '

2. daß laut Artikel 3 des Vertrages seine Be­stimmungen in keiner Weise die Rechte nnd Pflichten beeinträchtigen können, die für jede der vcriragschließeudcn Parteien aus Verträgen herrühren, die sie vor Inkrafttreten des Nichl- kMgrrffs-Vcrtrages abgeschlossen haben.

Außerdem erklären beide Parteien, daß sie ^ durch keinen Vertrag gebunden find, der sie etwa verpflichten Würde, sich au einem Angriff sei­tens einer dritten Macht zu beteiligen.

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