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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten
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(Drahtbericht u. Berl. Schrift!.)
Berlin, 29. Nov. Spätestens morgen ist damit t rechnen, daß die nun schon über 14 Tage dau- nde Regierungskrise durch die Ernennung eines :uen Kabinetts abgeschlossen wird. Unsere ge-
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Staatssekretär Meißner
Pern geäußerte Vermutung, daß Herr von Schleicher nur dann an die Öffentlichkeit treten werde, wenn er seiner Ueberzeugung nach genügende Vollmachten erhält, ist inzwischen bestätigt worden. Die Person der Herrn von Papen, der außer Schleicher als einziger Kanzler-Kandidat ernsthaft in Frage kommt, ist völlig in den Hintergrund getreten und die Tatsache, daß Herr von Hindenburg Herrn von Schleicher weitgehendste Vollmachten in Aussicht gestellt hat, dadurch indirekt bewiesen.
Seit Jahren hat der General von Schleicher die deutsche Politik maßgebend beeinflußt. Hinter Brüning und hinter. Papen stand als Schatten der General von Schleicher. An und für sich wäre es zu begrüßen, wenn diese Persönlichkeit aus dem Dunkel der Anonymität in das grelle Lampenlicht der Öffentlichkeit gerückt würde, um dieser Öffentlichkeit Gelegenheit zu geben, das Tmn dieses Mannes einmal bei Licht besehen zu können.
Herr von Schleicher hat eine außerordentliche Emsigkeit entfaltet. Der Gedanke eures Waffenstillstandes mit dem Parlament scheint ihm besonders gefallen zu haben, denn alle seine Bemühungen hat er erst einmal darauf angewandt, die Möglichkeit für einen solchen Waffenstillstand zu sondieren.
» In hiesigen politischen Kreisen hat es lebhaftes Aufsehen erregt, daß Herr von Schleicher mit dem Sozialdemokratin Breitscheid eine lange Unterredung hielt. Das Aufsehen ist deshalb berechtigt, weil Herr von Schleicher außer dem So- zialdemokraten Breitscheid nur Vertreter der Freien und Christlichen Gewerkschaften empfing, die Meinung anderer Parteien, außer der der Sozialdemokratie aber nicht erkundete.
Es wäre immerhin ein merkwürdiger Versuch, ein Kabinett des Reichswehrministers von Schleicher durch die wehrseindliche und pazisistische Sozialdemokratie tolerieren zu lassen. Daß diese Möglichkeit ins Auge gefaßt ist, beweisen die Ausführungen der dem Reichswehrminister von Schleicher sehr nahestehenden Täglichen Rund
schau, die versichert, daß „auch eine gewisse Ta- lerierung der SPD. zumal dann, wenn der soziale Kurs dieses Kabinetts nicht ohne die freien Gewerkschaften bestimmt würde, denkbar wäre".
Wir muffen schon sagen, daß die hier angedeutete Entwicklung furchtbare Gefahren in sich birgt. Die Ernennung des Herrn von Schleicher zum Reichskanzler würde das Reichshecr in einer Art und Weise exponieren, die unerträglich ist. Wenn dazu noch der Reichswehrminister und Reichskanzler von Schleicher von der wehcfeindlichen, pazifistischen und landesverräterischen Sozialdemokratie toleriert würde, dann wäre das eine solche unnatürliche Frontenbildung, wie man sie sich schlimmer nicht denken könnte. Glaubt Herr von Schleicher etwa wirklich, daß die deutsche Reichswehr plötzlich voll Begeisterung zu den Leuten ausblicken würde, die sie beschimpft, verleumdet und bespuckt hat, die den Dolchstoß vom 9. Nov.
RMsnsmsnn
Reichswehrminister Schleicher
1918 organisierte, die in 14jähriger Politik Deutschland verelenden ließ, die Wehrhastmachung des deutschen Volkes untergrub und die Voraussetzungen für einen Wiederaufstieg mit satanischer Freude zerstörte.
Man braucht nicht denken, daß ein solch' unnatürliches Bündnis auch nur eine kurze Lebensdauer haben könnte. Marxismus und Soldaten- tum stehen sich wie Feuer und Wasser gegenüber. Sie zu vereinige», ist unmöglich, und noch unmöglicher ist es, das Soldatcntum der Reichswehr mit den pazifistischen Horden des Reichsbanners und der Sozialdemokratie gegen die deutsche Freiheitsbewegung in einer Front einzureihen.
Wir stehen schon so einem Kabinett von Schleicher mit dem allergrößten Mißtrauen entgegen, denn dieses Kabinett von Ähleicher wäre in Wirklichkeit garnichts anders, als eine Fortsetzung des Kabinetts von Papen, nur mit dem Unterschied, daß der Mann, der bisher im Hintergrund stand, Plötzlich im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht. Wenn jetzt von der sozialen Gesinnung des Herrn von Schleicher gefaselt wird, dann kann man nur die Jnstinktlosigkeit dieser Schreiberlinge bewundern. Wenn Herr von Schleicher soziales Empfinden gehabt hätte, dann hätte er es zu verhindern gewußt, daß jene die Not des Volkes verhöhnenden Notverordnungen des Herrn von Papen Elend und Hunger über das deutsche Volk brachten.
Herr von Papen hat Schifsbruch erlitten und sein Schatten von Schleicher wird genau so Schiffbruch erleiden, wie der Mann, der sich zur Strohpuppe des Herrn von Schleicher machen ließ. Man kann auf die Dauer nicht gegen das Volk und gegen die jungen Kräfte der Nation regieren.
KZSi! SPD,
Wachsende Opposition gegen die Partri- bonzokratie.
(Drahtbericht u. Berl. Schriftl.)
Berlin, 29. Nov. Auf einem am vergangenen Sonntag in Berlin abgehaltenen Bezirksparteitag der SPD. kam es zu stürmischen Szenen. Der Parteitag war einberufen worden, weil eine große Anzahl Mitglieder der Berliner SPD. von Wels und Breitscheid eine Stellungnahme zu dem Wahlergebnis des 6. November und zu der Haltung der freien Gewerkschaften im Berliner BVG-Streik verlangt hatten.
Schon bei der Rede des Juden Künstler, der von der Parteileitung delegiert worden war, um die Politik des Parteivorstandes zu.rechtfertigen, kam es zu starken Mißfallskundgebungen. Breitscheid, der das politische Hauptreferat hielt, konnte sich zuerst nur mühsam verständlich machen. Als seine Rede aber schließlich in einer Rechtfertigung der Tolerierungspolitik der SPD. in der Form, wie sie Brüning gegenüber ange-
068 !»
Reichsaußenmimster Freiherr v. Neurath
wandt wurde, endete, wurde er von stürmischen Protestkundgebungen unterbrochen In der Diskussion erklärten die Delegierten des Bezirkes Neukölln und Wedding, daß die Haltung der SPD. bei dem Berliner Verkehrsstrcik die Einberufung eines außerordentlichen Parteitages notwendig mache. Als schließlich die Debatte auch aus die Haltung des Reichsbanners übergriff, sah sich die Leitung des Bezirksparteitages gezwungen, die Diskussion abzuwürgen. Diese Vorfälle auf einem Bezirksparteitag der Berliner SPD. zeigen, daß es in der SPD. an allen Ecken und Kanten kracht. Gerade die Berliner SPD. galt bis heute immer noch als besonders „linientreu".
vss Lplsl um Osulsettlsnil
Die schleichende Krise in der deutschen Po« litik gibt Gelegenheit, festzustellen^ daß, Männer, die verpflichtet Wären, nüchtern den Tatsachen ins Ange KU schauen, lebenswichtige Fragen des deutschen Volkes in einer Art und Weise behandeln, die man nur spielerisch nennen kann.
Man weiß, daß das deutsche Volk sich in einer Situation befindet, die ernster gav nicht sein könnte. Man weiß, daß die Gegensätze im Wolke immer schärfer und die Spannungen immer straffer werden. Man weiß, daß diese Erhöhung der Spannung nur dadurch ermöglicht wurde, daß man es verabsäumte, den nach oben drängenden Kräften des jungen Deutschland die Plätze zu überlasjsn^.die ihnen nach jahrzehntelangem Kamps rechtlich und moralisch zustehen.
Man weiß, daß jetzt Entscheidungen getroffen werden müssen, die grundsätzlichen Wandel schaffen.
Aber man ist weit davon entfernt, aus der Erkenntnis dieser Tatsachen die notwendigen Schlußfolgerungen zu ziehen. Mit kichler Selbstverständlichkeit spricht man aus, daß es nur darum gehe, noch einmal für eine kurze Zeit etwas Spielraum zu erhalten. Man sagt es offen, daß man nur das Streben hat, den Konflikt bis zum Früh-ahr hinauszuzögern, und mit einem rührenden Fatalismus vertraut man der Zukunft und vertraut auf das ilöun- der, das sich dann ereignen soll, wenn man .auch diese letzte Schonsrist nicht entsprechend genutzt.
Wir haben deutlich genug in den letzten Tagen jene Gruppen und strafte aufgezeigt, die zum Unheil des deutschen Volkes unsere Politik maßgebend beeinflussen Es ist nicht das Streben, Posten zu besetzen, was uns weiter kämpfen läßt, sondern die felsenfeste Gewißheit, daß Deutschland nur dann von dem Chaos ge- rettet werden kann, wenn die jungen und neuen Kräfte der Nation, wenn die Bannerträger des deutschen Sozialismus die Führung von Staat und Reich in ihre starken Hände nehmen. Wir wissen, daß die anderen schon aus ihrer ganzen Ueberlieferung herauf aus ihrem ganzen Denken heraus gar nicht
Herr von Papen
Knspp?