Ausgabe 
(28.11.1932) Nr. 268
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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(Drahtbericht u. Berl. Schrift!.)

Berlin, 29. Nov. Spätestens morgen ist damit t rechnen, daß die nun schon über 14 Tage dau- nde Regierungskrise durch die Ernennung eines :uen Kabinetts abgeschlossen wird. Unsere ge-

Wsn PVSgi SS

Staatssekretär Meißner

Pern geäußerte Vermutung, daß Herr von Schleicher nur dann an die Öffentlichkeit treten werde, wenn er seiner Ueberzeugung nach genü­gende Vollmachten erhält, ist inzwischen bestätigt worden. Die Person der Herrn von Papen, der außer Schleicher als einziger Kanzler-Kandidat ernsthaft in Frage kommt, ist völlig in den Hin­tergrund getreten und die Tatsache, daß Herr von Hindenburg Herrn von Schleicher weit­gehendste Vollmachten in Aussicht gestellt hat, da­durch indirekt bewiesen.

Seit Jahren hat der General von Schleicher die deutsche Politik maßgebend beeinflußt. Hinter Brüning und hinter. Papen stand als Schatten der General von Schleicher. An und für sich wäre es zu begrüßen, wenn diese Persönlichkeit aus dem Dunkel der Anonymität in das grelle Lampenlicht der Öffentlichkeit gerückt würde, um dieser Öffentlichkeit Gelegenheit zu geben, das Tmn dieses Mannes einmal bei Licht besehen zu können.

Herr von Schleicher hat eine außerordentliche Emsigkeit entfaltet. Der Gedanke eures Waffen­stillstandes mit dem Parlament scheint ihm beson­ders gefallen zu haben, denn alle seine Bemühun­gen hat er erst einmal darauf angewandt, die Möglichkeit für einen solchen Waffenstillstand zu sondieren.

» In hiesigen politischen Kreisen hat es lebhaftes Aufsehen erregt, daß Herr von Schleicher mit dem Sozialdemokratin Breitscheid eine lange Unter­redung hielt. Das Aufsehen ist deshalb berech­tigt, weil Herr von Schleicher außer dem So- zialdemokraten Breitscheid nur Vertreter der Freien und Christlichen Gewerkschaften empfing, die Meinung anderer Parteien, außer der der Sozialdemokratie aber nicht erkundete.

Es wäre immerhin ein merkwürdiger Versuch, ein Kabinett des Reichswehrministers von Schlei­cher durch die wehrseindliche und pazisistische So­zialdemokratie tolerieren zu lassen. Daß diese Möglichkeit ins Auge gefaßt ist, beweisen die Ausführungen der dem Reichswehrminister von Schleicher sehr nahestehenden Täglichen Rund­

schau, die versichert, daßauch eine gewisse Ta- lerierung der SPD. zumal dann, wenn der so­ziale Kurs dieses Kabinetts nicht ohne die freien Gewerkschaften bestimmt würde, denkbar wäre".

Wir muffen schon sagen, daß die hier angedeu­tete Entwicklung furchtbare Gefahren in sich birgt. Die Ernennung des Herrn von Schleicher zum Reichskanzler würde das Reichshecr in einer Art und Weise exponieren, die unerträglich ist. Wenn dazu noch der Reichswehrminister und Reichskanz­ler von Schleicher von der wehcfeindlichen, pazi­fistischen und landesverräterischen Sozialdemo­kratie toleriert würde, dann wäre das eine solche unnatürliche Frontenbildung, wie man sie sich schlimmer nicht denken könnte. Glaubt Herr von Schleicher etwa wirklich, daß die deutsche Reichs­wehr plötzlich voll Begeisterung zu den Leuten ausblicken würde, die sie beschimpft, verleumdet und bespuckt hat, die den Dolchstoß vom 9. Nov.

RMsnsmsnn

Reichswehrminister Schleicher

1918 organisierte, die in 14jähriger Politik Deutschland verelenden ließ, die Wehrhastmachung des deutschen Volkes untergrub und die Voraus­setzungen für einen Wiederaufstieg mit satanischer Freude zerstörte.

Man braucht nicht denken, daß ein solch' un­natürliches Bündnis auch nur eine kurze Lebens­dauer haben könnte. Marxismus und Soldaten- tum stehen sich wie Feuer und Wasser gegenüber. Sie zu vereinige», ist unmöglich, und noch un­möglicher ist es, das Soldatcntum der Reichs­wehr mit den pazifistischen Horden des Reichs­banners und der Sozialdemokratie gegen die deutsche Freiheitsbewegung in einer Front ein­zureihen.

Wir stehen schon so einem Kabinett von Schlei­cher mit dem allergrößten Mißtrauen entgegen, denn dieses Kabinett von Ähleicher wäre in Wirklichkeit garnichts anders, als eine Fort­setzung des Kabinetts von Papen, nur mit dem Unterschied, daß der Mann, der bisher im Hin­tergrund stand, Plötzlich im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht. Wenn jetzt von der sozialen Gesinnung des Herrn von Schleicher gefaselt wird, dann kann man nur die Jnstinktlosigkeit dieser Schreiberlinge bewundern. Wenn Herr von Schleicher soziales Empfinden gehabt hätte, dann hätte er es zu verhindern gewußt, daß jene die Not des Volkes verhöhnenden Notverordnungen des Herrn von Papen Elend und Hunger über das deutsche Volk brachten.

Herr von Papen hat Schifsbruch erlitten und sein Schatten von Schleicher wird genau so Schiffbruch erleiden, wie der Mann, der sich zur Strohpuppe des Herrn von Schleicher machen ließ. Man kann auf die Dauer nicht gegen das Volk und gegen die jungen Kräfte der Nation regieren.

KZSi! SPD,

Wachsende Opposition gegen die Partri- bonzokratie.

(Drahtbericht u. Berl. Schriftl.)

Berlin, 29. Nov. Auf einem am ver­gangenen Sonntag in Berlin abgehaltenen Bezirksparteitag der SPD. kam es zu stür­mischen Szenen. Der Parteitag war einbe­rufen worden, weil eine große Anzahl Mit­glieder der Berliner SPD. von Wels und Breitscheid eine Stellungnahme zu dem Wahlergebnis des 6. November und zu der Haltung der freien Gewerkschaften im Ber­liner BVG-Streik verlangt hatten.

Schon bei der Rede des Juden Künstler, der von der Parteileitung delegiert worden war, um die Politik des Parteivorstandes zu.rechtfertigen, kam es zu starken Mißfalls­kundgebungen. Breitscheid, der das poli­tische Hauptreferat hielt, konnte sich zuerst nur mühsam verständlich machen. Als seine Rede aber schließlich in einer Rechtfertigung der Tolerierungspolitik der SPD. in der Form, wie sie Brüning gegenüber ange-

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Reichsaußenmimster Freiherr v. Neurath

wandt wurde, endete, wurde er von stür­mischen Protestkundgebungen unterbrochen In der Diskussion erklärten die Delegierten des Bezirkes Neukölln und Wedding, daß die Haltung der SPD. bei dem Berliner Verkehrsstrcik die Einberufung eines außer­ordentlichen Parteitages notwendig mache. Als schließlich die Debatte auch aus die Haltung des Reichsbanners übergriff, sah sich die Leitung des Bezirksparteitages ge­zwungen, die Diskussion abzuwürgen. Diese Vorfälle auf einem Bezirksparteitag der Berliner SPD. zeigen, daß es in der SPD. an allen Ecken und Kanten kracht. Gerade die Berliner SPD. galt bis heute immer noch als besonderslinientreu".

vss Lplsl um Osulsettlsnil

Die schleichende Krise in der deutschen Po« litik gibt Gelegenheit, festzustellen^ daß, Män­ner, die verpflichtet Wären, nüchtern den Tat­sachen ins Ange KU schauen, lebenswichtige Fragen des deutschen Volkes in einer Art und Weise behandeln, die man nur spielerisch nennen kann.

Man weiß, daß das deutsche Volk sich in einer Situation befindet, die ernster gav nicht sein könnte. Man weiß, daß die Gegensätze im Wolke immer schärfer und die Spannungen immer straffer werden. Man weiß, daß diese Erhöhung der Spannung nur dadurch ermög­licht wurde, daß man es verabsäumte, den nach oben drängenden Kräften des jungen Deutsch­land die Plätze zu überlasjsn^.die ihnen nach jahrzehntelangem Kamps rechtlich und mora­lisch zustehen.

Man weiß, daß jetzt Entscheidungen getrof­fen werden müssen, die grundsätzlichen Wandel schaffen.

Aber man ist weit davon entfernt, aus der Erkenntnis dieser Tatsachen die notwendigen Schlußfolgerungen zu ziehen. Mit kichler Selbstverständlichkeit spricht man aus, daß es nur darum gehe, noch einmal für eine kurze Zeit etwas Spielraum zu erhalten. Man sagt es offen, daß man nur das Streben hat, den Konflikt bis zum Früh-ahr hinauszuzögern, und mit einem rührenden Fatalismus vertraut man der Zukunft und vertraut auf das ilöun- der, das sich dann ereignen soll, wenn man .auch diese letzte Schonsrist nicht entsprechend genutzt.

Wir haben deutlich genug in den letzten Ta­gen jene Gruppen und strafte aufgezeigt, die zum Unheil des deutschen Volkes unsere Politik maßgebend beeinflussen Es ist nicht das Stre­ben, Posten zu besetzen, was uns weiter kämp­fen läßt, sondern die felsenfeste Gewißheit, daß Deutschland nur dann von dem Chaos ge- rettet werden kann, wenn die jungen und neuen Kräfte der Nation, wenn die Banner­träger des deutschen Sozialismus die Füh­rung von Staat und Reich in ihre starken Hände nehmen. Wir wissen, daß die anderen schon aus ihrer ganzen Ueberlieferung herauf aus ihrem ganzen Denken heraus gar nicht

Herr von Papen

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