Ausgabe 
(26.11.1932) Nr. 266
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„ Berlin, 26. November«

(Drahtbcricht unserer Berliner Schriftleitung)

Wie wir erfahren, werden die Mitglieder des geschäftsführenden PaPen-KabinettS heute nm 11 llhr vom Reichspräsidenten von Hindenburg empfangen werden. Reichsautzenminister von Neu­rath befindet sich bereits auf dem Wege von Genf nach Berlin.

Der Empfang des geschäftsführenden Kabinetts von Popen beim Reichspräsidenten soll dazu dienen, Herrn von Hindenburg über die Auf­fassung des geschäftsführenden Ministeriums zur politischen Lage zu informieren.

In eingeweihten Kreisen rechnet man damit, baß Unmittelbar nach diesem Empfang von Herrn von Hindenburg ein neues Präsidial-Kabinett ernannt wird.

Selbverftändlich find schon wieder die wildesten Gerüchte im Gang und es gibt Leute, die wissen wollen, daß Herr von Papeu eine erneute Be- Irauung mit dem Kanzleramt ablehnen wird. Wir glauben nicht, daß diese Gerüchte den Tatsachen entsprechen, da wir Herrn von Papen nicht soviel Selbstkritik zutrauen, die ihm die Erkenntnis ver­mitteln würde, daß seine erneute Kanzlerschaft für Deutschland eine furchtbare, untragbare Belastung bedeuten würde. Wir glauben deshalb auch den Gerüchten, die davon wissen wollen, daß ein über 70 Jahre alter Herr, von der Osten-Warnitz, der vor einigen Tagen Mit Herrn von Oldenburg zu. sammen beim Reichspräsidenten empfangen wurde und der als Ostpreuße und Nachbar des Reichs­präsidenten mit Herrn von Hindenburg freund­schaftlich verkehrt, als neuer Präsidial-Kanzler auserwählt ist.

Letzten Endes ist es ja auch vollkommen gleich­gültig, ob der neue Kanzler Papen oder von der Osten heißt. Keine der zum Präsidial-Kanzler ausersehenen Persönlichkeiten ist in der Lage, Auf­bauarbeit zu leisten. Es kann sich also in jedem Falle mir um ein äußerst gewagtes Experiment handeln, dessen Dauer nicht von den Leuten be­stimmt wird, die glauben, die Geschicke Deutsch­lands zu lenken.

Die Not, die von Tag zu Tag ungeheuerlich wächst, wird von selbst eine lange Lebensdauer eines so gearteten, im Volk nicht verwurzelten und nicht im Sinne des Volkes arbeitenden Kabinetts unmöglich machen.

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LUpilvK

Berlin, 25. November. Amtlich wird' ge­meldet:

„Der Herr Reichspräsident empfing heule um 17 Uhr den Führer des Zentrums, Herrn Prälaten Kaas, der ihm über seine heutigen Besprechungen mit den Führern der Nationalsozialistisch^ Deut­schen Arbeiterpartei, der Deutschnationalen Volks­partei, der Bayerischen Volkspartei und der Deutschen Volkspartei über die etwa noch vor­handenen Möglichkeiten zur Bildung einer Not- und Arbeitsmehrheit des Reichstags berichtete. Prälat Kaas hat in diesen Besprechungen an die Führer der genannten Parteien in erster Linie die Frage gerichtet, ob sie ebenso wie die Zentrums- partri bereit seien, sich an Beratungen über ein sachliches Slot- und Arbeitsprogramm für eine Mehrheitsregierung zu beteiligen. Diese Frage ist voa den Vorsitzenden der Bayerischen Bolkspartei und der Deutschen Bolkspartei bejahend beant­wortet worden. Der Vorsitzende der Deutsch- naiienülen Bolkspartei hat die Beteiligung an solche« Beratungen als im Widerspruch mit der Nchamtzaltuna. seiner Partei stehend rächt zuge­

sagt. Der Führer der Nationalsozialistischen Deut­schen Arbeiterpartei erklärte, an sich entspreche die Feststellung der sachlichen Grundlagen' für eine etwaige Mehrheitsregierung durchaus seinen Auf­fassungen. Auf Grund der Erfahrungen der ver­gangenen Tage und der Ueberzeugung, daß auch einem positive« Ergebnis dieser sachlichen Be­ratungen seitens einflußreicher Stellen keine Folge gegeben würde, halte er eine Beteiligung seiner­seits nicht mehr für vertretbar.

Auf Grund dieser Feststellungen bat Prälat Kaas

den Herrn Reichspräsidenten, von einer weiteren Fühlungnahme mit den Parteien absehen zu dürfen.

Der Herr Reichspräsident dankte dem Prälaten für seine Bemühungen.

Es ist anzunehmen, daß der Reichspräsident nun von jedem weiteren Versuch einer parlamentari­schen Mehrheitsbildung absehen und spätestens am Sonnabend einen Mann seines Vertrauens znr Bildung einer Präfidialregierung beauftragen wird.

Output ÜES ^ÜKl'SI'S

NatmaWiiliftc», RMMiMWmcn, Parteigenossen!!

Schon nach kurzer Beobachtung der Tätigkeit des Kabinetts vo« Papen habe ich meiner Einsicht und Ueberzeugung entsprechend die Folgen vorausgesagt, die nun gekommen find.

Als Herr von Papen die Arbeitslosenzahl bis zu Beginn dieses Winters um zwei Millionen zu senken versprach, die wirtschaftliche Rot zu beheben vorgab, innen- und außenpolitische Fragen einer Lösung entgegenzuführen versicherte, waren unzählige Deutsche mit einem Schlag wieder vom gläubigen Vertrauen erfüllt. Ich habe damals gewarnt und mehr als recht behalten. Die Wirtschastsnot dauert an, die Arb eitslosigk eit steigt, der B ol schewismus in Deutschland nimmt zu, die Isolierung -es Re iches der übri gen Welt gegenüber ist säst vollendet.

Roch nie hat in Deutschland eine Regierung mehr Macht gehabt, noch nie aber auch mehr versagt, als diese Regierung einer kleinen exklusiven Schicht.

Heute werde» mir Millionen Anhänger unserer Bewegung innerlich dankbar sein, daß ich die Partey, in der sich eine letzte Reserve deutschen Glaubens, deutscher Kraft und deutscher Hoffnung befindet, nicht mit diesem unseligen politischen und wirt­schaftlichen Dilettantismus verbunden habe.

Ich kann das noch viel wrulgrr in Zukunft tun.

Ich weiß, diese Regierung wird ihr verhängnisvolles Wirken fortsetzen. Ich kann das im Augenblick nicht verhindern. Allein was ich, solange ich lebe, verhindern werde, ist die Preisgabe unserer einzigartigen Bewegung an dieses Regiment.

um an der Behebung einer Regierungskrise mitzuwirken und wollte doch nichts ander- des, als das Papenkabinett retten «nd mir einen zweiten 13. August bereiten. So hät­ten wir Rationalsozialisten auf einmal wieder die hohe Ehre bekommen, zur Auf­frischung des etwas schwach gewordenen Glanzes dieser Regierung dnrch einen oder zwei nationalsozialistische Minister beitragen zu dürfen.

Da ich diesmal Vorsorge trug, daß der 13. August sich nicht wiederholen konnte, erhielt ich den Auftrag, eine Lösung parlamentarischer Art herbeizuführen, die dnrch vorsorglich daran geknüpfte Bedingungen von vornherein unmöglich ge­macht wurde.

Dennoch habe ich mich angesichts der großen Rot unseres Volkes dazu entschlossen, ein Angebot zu machen, das zugleich für die innere Absicht aller klärend sieln konnte.

Das Angebot wurde abgelehnt, «nd damit scheint, glaube ich, der Wille der Ratgeber des Herrn Reichspräsidenten erfüllt.

Was ich am M-:.d des Wahltages schon erklärte, wiederhole ich daher heute:

Dieses System nistz st, SentWM «iedergetniche« «erde«, damit nicht die deutsche Ration an ihm zertricht.

Der Kampf wird daher weitergeführt, «nd wer den Weg dieses Kabinetts vom Juni bis heute mit offenen Augen verfolgt hat, der weiß, wer der Sieger sein wird!

gez.: Adolf Hitler.

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Asta-Wahlen an den Münchener Hochschulen München, 26. Nov. (Eigene Meldung). Am Donnerstag fanden an den beiden Mün­chener Hochschulen die Wahlen zum All­gemeinen Studentenausschuß (Asta) statt. An der Universität hatte die Wahl folgendes Ergebnis:

Rationalsozialisten 1S Sitze

Waffenring 4 „

Fachschriften 3 „

! 'Katholische Korporation 5 „

^ KMvlisM Lreitzudenten 3 « >

Deutschnationale Kampffront 2 „

Deutsche Wehrstudenten 2 „

Sozialistische Studenten 1 „

An der technischen Hochschule war das Er­gebnis folgendes:

Nationalsozialisten 13 Sitze

Waffenring 7 „

National. Fachschaft 2 „

Katholische Studenten 5 „

Wehrstudenten 3 „

Das Wahlergebnis zeigt, daß die deut­schen Hochschulen nach wie vor Hochburgen des Nationalsozialismus sind.

Vs» miSglüvkt« Spivl mil ilsi- NLVäk'

Von ^Unorl krossndong

Der nunmehr vor dem deutschen Volk aus­gebreitete Briefwechsel zwischen Adolf Hitler und dem Staatssekretär des Reichspräsiden­ten gestattet es jedem Deutschen^ sich nicht nur ein Urteil über das sonderbare Spiel der „Ratgeber" Hmdenbuvgs in der heutigen Kri­sis, sondern auch über die Kräfte des 13. August zu bilden. Damals gelang es, durch „Kommuniques", RundfunkerzWungen ustoi mündlichen Unterredungen eine derartige „Aus­legung" zu geben, daß es Woche» dauerte, bis die Richtigswllungen der NSDAP gegen die Papen-Pwpaganda sich durchzusetzen begann. Man versteht also, Wenn Adolf Hitler dies­mal nur schriftlich die Unterhandlungen führte. Das war vielleicht für die ander» peinlich^ schaffte aber für alle Deutschen die Möglich­keit, sich Wirklich über die Wahrheit unbe­fangen zu unterrichten.

Das folgende Urteil wird vernichtend füi die Ratgeber des Reichspräsidenten sein. Den» es war an sich schon beleidigend, heute, wo eine Mehrheitsüildung ungleich schwieriger ist als Ansang August, dem Führer außerdem noch in der Verfassung nicht begründete Schwie­rigkeiten zu machen, ihm Bedingungen zu stel­len, deren Undurchführbarkeit Kar war. Da­rüber hinaus zeigt sich im Schreiben de« Staatssekretärs Meißner vom 24. Novembev ein hochfahrender Ton, der seinesgleichen sucht; als ob vräsidiale Vollmachten für den Führen der grüßten deutschen Freiheitsbewegung aus­zustellen gegen Eid und Gewissen Hinden- burgs gehen würden. Die „Ausschließlichkeit" der NSDAP ist der Ausdruck des Glaubens an ihre Sendung, durch die großen Leistungen für die Volkwerdung Deutöchlarrds jedenfalls mehr berechtigt, als das immer wieder be­tonte Gottesgnadentum des nur mit negativen Erfolgen behafteten Herrn von Papen. Und das Wachstum des Bolschewismus ist ja gerade unter der Herrschaft dieses präsidial bevoll­mächtigten Herrn im erhöhten Maße vor sich gegangen. Ohne Adolf Hitler wäre Deutsch­land schon im roten Blutrausch versunken.

Die deutsche, noch gesund empfindende Na­tion wird es deshalb begrüßen, wenn Adolf Hitler auf diesen herausfordernden Brief eins deutliche Antwort erteilte, die das unwürdige Spiel hinter dem Rücken des Reichspräsidenten blotzlegte.

Der Rücktritt des Herrn von Papen war das Eingeständnis der Katastrophe eines Pro­grammes, «in Eingeständnis aber auch der Unfähigkeit seiner Persönlichkeit. Aber ohne nun wenigstens aus dieser von Hitler genau vorausgesagten Entwicklung wenigstens einmal eine großzügige, rettende Folgerung zu ziehen, bemühen sich die Taktiker der Wilhelmstraße nur darum, die große Volksbewegung sich dienstbar tzu machen. Dieser Versuch, dessen Qualifizierung das deutsche Volk selbst in ent­sprechender Weise vornehmen wird, ist geschei­tert, die Anmaßn >rg ist durch Hitler zurückge­wiesen worden, indem er eindeutig erklärt, sein« Bewegung nur dem deutschen Volk und nicht „anderen Interessen" zur Verfügung stellen zu Wolken, und im Hinweis auf die Tatsache, daß die heutige präsidiale Regierung gar nicht «wfbausählg sei, sondern Deutschland einer Wei­teren Verelendung entgegenführe.

Jetzt sind die Herren wieder unter sich und suchen Nach Kanzlern, aber alle, die noch etwas bedeuten, danken für die hohe EhrA gegen die Träger der deutschen Freiheitsbe­wegung regieren zu sollen. Die zweite Garni­tur ist schon abgetragen, und Wenn etwa He« von Papeu sich erneut als der „im Ewigen ver­ankerte" Reichskanzler vorstellen wollte, so wäre das eben ein Schritt, der die Verzweif­lung der sich an die Macht klammernden, innerlich aber bereits Mammengebrochenou „Herrcnschicht" erst recht aufzeige;: wüch«.

'Die. Hcrven möge» tun. Was sie wolleH